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Germany · Episode #104 · 14.05.2024 · 35 Min

Gabriela Sonnleitner, magdas HOTEL

Gabriela Sonnleitnermagdas HOTEL · Wien
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Aufgenommen: magdas HOTEL, Wien

Standbild aus der Episode mit Gabriela Sonnleitner Germany35 Min

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„Wir kriegen hier keine Förderungen, beantragen sie auch nicht. Also wir kriegen eine Förderung, die jeder andere Hotelbetrieb auch kriegen könnte.“

Gabriela Sonnleitner, 09:29

Gabriela Sonnleitner führt das magdas HOTEL in Wien, ein Social Business der Caritas im früheren Priesterhaus im 3. Bezirk. Sie erklärt, wie das Haus Menschen mit Fluchthintergrund in Arbeit bringt und warum es dafür keine Förderungen beantragt. Dazu: Umbau mit wiederverwendeten Möbeln und Lampen, Lehre und Karrieren im Team, Pläne für ein zweites Haus.

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Kernaussagen

  1. Keine Förderungen: Das Haus bekommt keine Förderungen und beantragt sie auch nicht, nur das, was jeder andere Hotelbetrieb auch bekommen könnte. Damit will Sonnleitner zeigen, dass das Modell unter normalen Bedingungen funktioniert.
  2. 250 Mitarbeiter: Zur Social-Business-Gruppe gehören 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Hälfte davon zur Wirkungsgruppe: im Hotel vor allem Menschen mit Fluchthintergrund, in den anderen Betrieben auch Menschen mit Behinderungen, langzeitarbeitslose Menschen und Menschen, die aus dem Gefängnis kommen.
  3. Einstieg über Motivation: Als Voraussetzung ist Deutsch auf A2 oder B1 definiert, weil Sprache während der Arbeit schnell dazukommt. Ausgebildet werden nach Sonnleitners Angabe rund 10 Lehrlinge in 3 Lehrberufen, der Leiter des Front-Office-Teams hat 2016 selbst im Haus begonnen.
  4. Möbel auseinandergebaut: Alte Einbauschränke wurden zu Tischplatten und Bettkopfteilen, alte Lampen blieben im Einsatz. Geheizt und gekühlt wird mit Erdwärme, am Dach liegt Photovoltaik, die alten Plastikfenster blieben drin, um keinen Müll zu erzeugen.
  5. Garten statt Parkplatz: Die Stadt Wien schreibt für diese Hotelgröße 16 Parkplätze vor. Die wurden im Keller des Nachbarhauses gefunden, der asphaltierte Platz hinter dem Haus wurde zum Garten.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Heute sind wir bei Gabriela Sonnleitner im magdas HOTEL zu Gast.

Oberste Priorität: Menschen mit Fluchterfahrung eine Chance am Arbeitsmarkt zu geben. Oder in anderen Worten: Mit wirtschaftlichen Mitteln ein Problem lösen.

Zentral im dritten Wiener Bezirk gelegen, begeistert das ehemalige Priesterhaus mit viel Raffinesse. Und verlässt sich dabei auf das Handwerk der BWM Designers & Architects (siehe auch Episode #73 mit Erich Bernard).

Bei allem Tun verzichtet das magdas HOTEL auf Förderungen jeglicher Art. Die Verbindung aus sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit gelingt trotzdem.

Und für jeden, der lieber ins Hotel als in die Kirche geht: einfach mal an der hauseigenen Bar vorbeischauen.

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Transkript

Transkript öffnenTranskript schließen35 Min · Ronald M. Arndt und Gabriela Sonnleitner

Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:08
    Ronald M. Arndt

    Eine Minibar braucht man hier in Wien ja fast nicht, weil das beste Getränk kommt immer noch aus dem Wasserhahn. Das ist ja in Wien altbekannt und gut.

  2. 00:18
    Gabriela Sonnleitner

    Wir leben quasi im Schlaraffenland, wo man Mineralwasser aus dem Wasserhahn kriegt, ja, und das nützen wir auch, weil wir bieten den Gästen quasi die Wasserflasche an und Wassergläser. Ja, und dann sollte sozusagen die Ankunft schon gut gesichert sein.

  3. 00:36
    Ronald M. Arndt

    Ja, das, aber es steckt noch so viel mehr hinter magdas generell, magdas als Social-Business-Stichwort, und dann natürlich auch hinter magdas HOTEL, wo wir uns hier heute befinden. Ich freue mich, begrüßen zu dürfen Gabriela Sonnleitner, und dass Sie der Einladung vom Hotel-Podcast gefolgt sind.

  4. 00:55
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, danke fürs Kommen.

  5. 00:56
    Ronald M. Arndt

    Sehr gern, sehr gern. Ist Ihr Tag heute schon vorbei oder hängt sich nachher noch ein anderer Termin an?

  6. 01:02
    Gabriela Sonnleitner

    Schauen wir mal, wer unten im Restaurant sitzt. Es ist oft noch, ich will nach Hause gehen und es sind Gäste und dann gibt es noch Ausführungen und Erklärungen. Aber das ist ja gerade das Nette an einem Hotel.

  7. 01:13
    Ronald M. Arndt

    Das ist doch auch das Schöne an einer Hotelière zu sein, oder?

  8. 01:16
    Gabriela Sonnleitner

    Dass man da sicher Tag und Nacht irgendwie davon— nein, es ist, mir macht es sehr viel Spaß. Es ist total fein.

  9. 01:23
    Ronald M. Arndt

    Ja, kommen vielleicht ein bisschen auf Sie als Mensch zu sprechen, dann auf magdas als Social Business generell. Was steckt dahinter? Und dann natürlich auch das Hotel, wo wir uns heute hier befinden. Und man sieht es ja schon, ich sehe jetzt nicht alles, aber ich habe natürlich schon ein bisschen was vom Haus gesehen. Da steckt eine Menge auch Anspruch dahinter, was so dieses Design angeht, Atmosphäre.

  10. 01:45
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, wir haben ganz viel Liebe und Gedanken in die einzelnen Dinge gesteckt, um es einerseits so nachhaltig zu machen, um ein quasi beispielhaftes Projekt zu machen, aber andererseits auch, um die Gäste wirklich so ein bisschen zu überraschen mit den kleinen Details. Wir haben gesagt, im Zimmer ist jetzt nicht viel Klimbim, weil das ist nicht nachhaltig, aber das, was herinnen ist, das hat eine Idee.

  11. 02:06
    Ronald M. Arndt

    Genau, und deutlich mehr als ein Schuhkarton. Das ist, glaube ich, auch so ein bisschen das Stichwort, was ich schon mal vernommen habe. Super. Ja, Sie sagen, Sie lieben das natürlich, da auch Gastgeberin mit zu sein. Wann waren so Ihre ersten Bezugspunkte im Leben mit Hotellerie? Oder ist magdas HOTEL dann die erste Erfahrung gewesen?

  12. 02:26
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, ich bin eine Quereinsteigerin, das muss man ehrlich sagen. Ich komme eigentlich ganz woanders her. Ich komme aus der Kommunikation, ich bin lang in der Kreativszene unterwegs gewesen, wobei mein erster Job war nach dem Studium im Wien-Tourismus. Das heißt, ich habe die ersten Jahre meines Berufslebens für Wien schon Werbung gemacht. Dann bin ich nach London und ein bisschen in der Welt herumgezogen und bin dann in in die NGO-Welt gekommen. Und ich glaube, deswegen bin ich schlussendlich auch hier gelandet, weil ich bin dann wieder, war 10 Jahre lang Kommunikationschefin von der Caritas Österreich, dann bin ich wieder zurück in die Wirtschaft. Und irgendwann hat mich die Caritas gefragt, hättest du nicht Lust, hier dieses Social Business zu machen? Und ich habe die Eröffnung vom magdas HOTEL, also ich bin knapp nach der Eröffnung gekommen, schon immer mitverfolgt, weil ich es einfach total spannend fand. Habe dann ein bisschen überlegt, ob ich das überhaupt kann, so wie wir Frauen das immer machen. Bin ich überhaupt gut genug für das? Und dann habe ich mir gedacht, nein, man kann nicht nur immer fordern, dass Frauen die Geschäftsführung machen sollen. Wenn man gefragt wird, muss man dann auch ja sagen. Also so bin ich hier gelandet und musste das Hotelbusiness wirklich lernen von meinen Kolleginnen und Kollegen, die die großen Experten sind. Habe es geschafft. Und ich mag das aber sagen, ich bin jetzt nicht so die Hoteliersfrau im Sinne von, ich führe das Hotel, sondern wir sind ein Team.

  13. 03:48
    Ronald M. Arndt

    Das ist ganz wichtig.

  14. 03:49
    Gabriela Sonnleitner

    Das lebt von dieser Co-Creation in jedem Ding, das wir hier machen. Wir sind hier gemeinsam, wir haben ja ein starkes Warum, es uns gibt, eben Menschen mit Fluchthintergrund einen Zustieg zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Und glaube, es nur gemeinsam schaffen wir das auch auf diese lustige, kreative, nette Art.

  15. 04:10
    Ronald M. Arndt

    Bevor wir jetzt gleich auf Social Business zu sprechen kommen, gab es denn für Sie aus der Kommunikationswirtschaft kommend irgendwann mal so einen Zeitpunkt, wo Sie gesagt haben, jetzt möchte ich mal was in Richtung NGO machen, oder hat das ein—

  16. 04:21
    Gabriela Sonnleitner

    Ich bin aus England eigentlich zurückgekommen, und dann habe ich mich halt so beworben in verschiedenen Betrieben. Und dann während der Bewerbungen war dann irgendwann dann bei einer Versicherung relativ gut gereiht, und habe gedacht, nein, um Gottes Willen, das kann ich überhaupt nicht machen, weil ich stehe persönlich so gar nicht hinter dem Thema Versicherung. Dann habe ich angerufen, gesagt, tut mir leid, das geht sich bei mir nicht aus. Und da habe ich es erstmal so richtig gemerkt, ich muss hinter dem stehen, was ich tue, und habe dann zufällig Zufällig, zufällig, zufällig kommt man dann einfach, oder findet man die Dinge, die zu einem passt.

  17. 04:57
    Ronald M. Arndt

    Und das habe ich auch später immer bereit, ist auch mal, ja, und wenn man, wenn man suchen muss, auch wenn man zurückkommt aus England.

  18. 05:05
    Gabriela Sonnleitner

    Nein, ich habe bemerkt, auch wenn ich war dann ja später auch in einer Agentur tätig, was, da hat man ja viele Kunden, und ich habe gemerkt, ich bin nur gut, wenn ich wirklich mit meinem Herz beim Kunden bin. Ja, ich hatte das Glück, in dieser Agentur durfte ich immer diese Kunden haben, die zu mir passen. Ja, aber das war wirklich eine totale Erkenntnis, sonst bin ich grottenschlecht. Ich kann das nicht, ja, für etwas Kommunikation zu machen, wo ich selber nicht überzeugt bin. Aber wenn ich überzeugt bin, und das muss nicht immer eine NGO sein, es gibt ja coole Profitbetriebe, dann, dann liebe ich das, und dann wird was Großartiges draus.

  19. 05:42
    Ronald M. Arndt

    Also hinter magdas, um das jetzt zu verraten an der Stelle, steckt natürlich auch wieder die Caritas, sage ich mal, wo Sie lange eben schon für tätig sind. Und generell, ich glaube, bei allen Unternehmungen, können wir auch gleich darauf eingehen, steckt die Idee, soziale Fragen, Herausforderungen eben unternehmerisch zu lösen. Also eigentlich zwei Welten, sage ich mal, sozial, Herausforderung und dann Unternehmertum, Kapitalismus im entfernten Sinne. Wie kann das überhaupt zusammenpassen? Und ich glaube, da sind Sie Mit Vorreiter, ne?

  20. 06:15
    Gabriela Sonnleitner

    Wir sind Vorreiter, wir sind eigentlich Quereinsteiger auch mit unserem Betrieb, weil die Caritas sich überlegt hat, wie kann sie Menschen mit Fluchthintergrund einfach eine gute Integration ermöglichen. Weil in ihre Beratungsstellen sind Menschen auch gekommen, nachdem sie einen Asylbescheid hatten. Und eigentlich ist das komisch, weil wenn man Asylbescheid hat, darf man arbeiten. Und das war so um das Jahr 2012.

  21. 06:39
    Ronald M. Arndt

    Dauert das hier in Österreich so lange wie in Deutschland, dass man Ja, also ich war lange nicht in Deutschland, lange nicht arbeitslaublich.

  22. 06:46
    Gabriela Sonnleitner

    Das ist viel besser geworden, muss man sagen. Aber auch danach ist es noch immer schwierig. Ja, ich bin dann da, habe meinen Asylbescheid, durfte arbeiten. Aber eigentlich sehen die Leute in unseren Kolleginnen oft nur, ja, was können die nicht? Ja, wir sind in Österreich so ein bisschen defizitorientiert, sage ich gerne. Man sieht nicht, die Person spricht vielleicht 6 Sprachen. Nein, sie kann nicht Deutsch. Ja, ist eine komische— die Person ist hoch arbeitsmotiviert, aber man sieht, naja, die hat in Österreich noch nie gearbeitet. Also, und wir versuchen das umzudrehen, sagen, hey, schauen wir auf die positiven Seite. Die Leute wollen was beitragen, die Leute wollen arbeiten, die Leute wollen einen Job, wollen was lernen. Ja, und das haben wir mit diesem Social Business. Warum heißen wir so? Weil wir mit wirtschaftlichen Mitteln ein soziales Problem lösen oder beitragen dazu. Und wir sagen so, wir sind eines der wenigen Social-Business-Hotels in Österreich und wollen zeigen, dass möglich ist, was andere einfach nicht sehen, und dass es eigentlich eine super gute Lösung ist, in den geflüchteten Menschen, die zu uns kommen, hier eine neue Heimat finden, einfach neues Arbeitskräftepotenzial zu sehen, zu entdecken, zu entwickeln und sie dann zu quasi vollwertigen Mitgliedern unserer Arbeitswelt zu machen.

  23. 08:01
    Ronald M. Arndt

    Das heißt, Gewinnorientierung ist natürlich da, aber Gewinne werden eben reinvestiert und natürlich auch Rücklagen gebildet.

  24. 08:11
    Gabriela Sonnleitner

    Genau, das ist so das Wesen. Also wir sind eine Tochterfirma der Caritas, um das noch genau zu sagen. Wir sind eine kleine Social-Business-Gruppe in der Zwischenzeit sogar. Also wir haben 4 Betriebe.

  25. 08:22
    Ronald M. Arndt

    Lass uns da kurz darauf eingehen, um das ein bisschen einzukreisen. Kommen am Ende beim Hotel raus.

  26. 08:25
    Gabriela Sonnleitner

    Neben dem Hotel gibt es eine große Catering-Küche, die für Kindergärten, Schulen, Seniorenhäuser kocht. Wir haben ein Reinigungsbusiness, wo wir vor allem Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen. Und wir haben ein kleines Recycling-Business, das alte Mobiltelefone recycelt. Und das ist eine Aktion, die vor vielen Jahren auch lustigerweise ich in der Caritas erfunden habe, gemeinsam mit dem Hitradio Ö3, wo wir gesagt haben damals noch, was tun wir mit diesen alten Handys? Und haben eine Riesenaktion daraus entwickelt. Und die Ö3 macht es noch immer, dankenswerterweise. Und da werden jährlich Hunderttausende Handys gesammelt, die sonst oft vielleicht irgendwo landen. Und daraus werden die quasi sortiert, für den Wiederverkauf vorbereitet, und die, die nicht mehr verwendbar sind, werden entsprechend recycelt. Also da geht nichts in den Mist oder irgendwohin, sondern das sind echt wertvolle Rohstoffe und werden wiedergewonnen. Sehr cooles Projekt.

  27. 09:23
    Ronald M. Arndt

    Und Muhammad Yunus, Nobelpreisträger, Inwieweit steht er in der Verbindung, die Idee?

  28. 09:29
    Gabriela Sonnleitner

    Naja, der hat ja quasi dieses Geschäftsmodell entwickelt, das haben wir uns vor ihm abgeschaut. Es heißt auch hier in unserem Haus einer unserer schönen Veranstaltungsräume nach ihm, weil ja, gäbe es ihn nicht, gäbe es vielleicht uns nicht in der Art zumindestens. Und das ist ja schon eine clevere Idee, dass man sagt, in einem hochentwickelten Wohlfahrtsstaat wie Österreich oder Deutschland, das auch sind, gibt es auch manche Probleme, die könnte man anders lösen. Gerade Arbeitsintegration ist ja so ein gutes Beispiel zu zeigen, das, was wir machen, kann theoretisch jeder andere Betrieb. Ja, bin ich zutiefst überzeugt. Vielleicht nicht in der Dichte, wie es wir hier machen, aber grundsätzlich ist das ganz was Normales. Und wir haben einfach ein funktionierendes Business draus gemacht. Wir kriegen hier keine Förderungen, beantragen sie auch nicht. Also wir kriegen eine Förderung, die jeder andere Hotelbetrieb auch kriegen könnte.

  29. 10:21
    Ronald M. Arndt

    Okay, was ist da der Hintergrund oder die Idee? Naja, zu zeigen, dass es funktioniert. Auch so, genau.

  30. 10:28
    Gabriela Sonnleitner

    Und ihr geht das leicht, ihr kriegt ja Förderungen, das können wir nicht machen. Das wollten wir aber sagen, nein, also wir funktionieren so wie jeder andere, ja, von der Buchung bis Service überall. Nur wir haben es halt ein bisschen am Anfang vor allem in unserem ersten Hotel, das war so ein Pop-up-Hotel, haben es halt viel kreativer, viel improvisierter aufgezogen, um mal probieren zu können, funktioniert das.

  31. 10:52
    Ronald M. Arndt

    Ja, das erste Hotel entstand, glaube ich, 2015 schon in der Pratergegend. Genau, Pubertät. Jetzt hier in der Ungargasse.

  32. 11:06
    Gabriela Sonnleitner

    Genau, im 3. Bezirk, relativ nahe der Innenstadt. Also eine wunderschöne Lage, gleich öffentlich gut erreichbar. Kann man zu Fuß in die Innenstadt hineinspazieren. Also wirklich gut ausgesucht. Das Hotel hat uns auch gefunden, sage ich gerne. Wir hörten von dem Hotel, haben es dann angeschaut, also von dem Haus, haben es angeschaut und haben gesagt, wunderbar, das würde sich genau eignen, auch so 60er Jahre.

  33. 11:31
    Ronald M. Arndt

    Weil ein Hotel war es ja nicht damals.

  34. 11:32
    Gabriela Sonnleitner

    Es war ein Priesterhaus, aber es wurden auch 3 Stockwerke schon als Gästehaus quasi von der Erzdiözese vermietet. Das Gehäuse gehörte der Erzdiözese, wurde von Schwestern geführt, und die konnten einfach, waren schon zu alt, gesagt, sie möchten es nicht mehr, und dadurch wurde das Haus aufgelöst. Ja, und so haben wir Jetzt sind die Nachfolger, haben es ziemlich sozusagen neu renoviert, mit allen nötigen nachhaltigen Energieformen ausgestattet, sodass wir wirklich auch zeigen können, wie kannst du ein Hotel in die Zukunft führen. Und wir haben so wie im alten Haus so verspielt, wie wir halt sind, viele alte Möbel, die wir hier gefunden haben, auch wiederverwendet. Zum Beispiel diese Tischplatte, die war früher mal ein Einbauschrank, oder auch das Betthauptbord. Stammt auch von dem Einbauschrank. Also wir haben die Möbel, die wir hier gefunden haben, auseinandergebaut, wieder als Grundmaterial für Neubau von Möbeln verwendet, solange wir halt quasi gehabt haben. Viele alte Lampen haben wir wiederverwendet, sieht man vor allem unten im Restaurant, aber auch hier auf der Wand hängen sie. Also wir wollten zeigen, du musst nicht alte Dinge wegschmeißen, sondern kannst auch total lustige, nette neue Sachen draus machen.

  35. 12:40
    Ronald M. Arndt

    Und da schließt sich aber wieder der Kreis zum Upcycling, Recycling, Upcycling, was wir gerade schon angesprochen haben. Und ein anderer Kreis schließt sich, glaube ich, auch noch, wenn ich richtig informiert bin, zu BWM Architekten. Erich Bernhard war ja auch schon hier im Hotel-Podcast zu Gast. Damals ging es viel um Bad Gastein und jetzt bin ich bei Ihnen.

  36. 12:59
    Gabriela Sonnleitner

    Die haben auch ganz viel Herzblut hineingesteckt und sehr viel Kreativität. Und es war sehr lustig, weil wir waren schon, wir kommen ja aus dieser Upcycling-Reuse-Idee heraus und es war klar, wie wir sie ausgewählt haben, dort wollen wir auch wieder hin. Und wir haben aber sehr viel diskutiert. Was ist möglich? Was geht? Wir haben sie immer wieder herausgefordert. Um einfach diesen Schritt weiterzugehen und nicht einfach zu sagen, das funktioniert nicht, geht nicht. Ja, und es war schon sehr spannend. Sie haben sich total darauf eingelassen und Sie sagen immer selber, Sie haben viel von uns gelernt. Wir natürlich auch von Ihnen.

  37. 13:33
    Ronald M. Arndt

    Herzlichen Glückwunsch an der Stelle. Also vom ersten Betreten unten vorher. Ich saß ja schon, weil ich, wissen Sie gar nicht, eher bei der Bar und habe da noch ein bisschen gearbeitet, was getrunken und werde, und hierfür auch vielen Dank, werde nach der Vorspeise dann sicherlich unten noch zu Abend essen. Social-Business-Gruppe haben Sie gesagt, vielleicht da noch mal kurz paar Zahlen dazu. Von wie vielen Mitarbeitern, Menschen sprechen wir da ungefähr, die gerade sind?

  38. 14:00
    Gabriela Sonnleitner

    Jetzt 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Hälfte davon gehört zur Wirkungsgruppe. Und als Wirkungsgruppe bezeichnen wir immer die Menschen, denen wir sozusagen eine Chance eröffnen. Das ist im Hotel hauptsächlich Menschen mit Fluchthintergrund, in den anderen Betrieben sind aber auch Menschen mit Behinderungen, langzeitarbeitslose Leute, Leute, die gerade aus dem Gefängnis kommen oder sonst eine Schwierigkeit haben, einfach einen Job zu finden.

  39. 14:27
    Ronald M. Arndt

    Das wäre jetzt so meine Frage gewesen, ob ausschließlich Fluchthintergrund, aber eben auch aus anderen schwierigen, ja, mit anderen schwierigen Hintergründen, ganz einfach. Und um da einfach eine Vorstellung zu haben, von wie vielen Nationen sprechen wir da ungefähr oder Sprachen?

  40. 14:42
    Gabriela Sonnleitner

    Im Hotel sind wir, es ändert sich natürlich quasi täglich, da sind so ungefähr 20 Nationen. So 16 bis 20 und ebenso viele Sprachen. Also wir sind schon sehr, sehr bunt und es gibt kaum eine Sprache, wenn ein Gast zu uns kommt, die wir nicht sprechen. Kann nur sein, dass gerade jemand nicht im Dienst ist, der Spanisch spricht, oder wir haben natürlich viele arabisch sprechende Mitarbeiterinnen, aber eine Kollegin unten an der Rezeption spricht eben 6 Sprachen inklusive Chinesisch und ich denke mir immer, um Gottes Willen, ich spreche nur 2 Sprachen, ja, wie talentiert ist unser Lehrling?

  41. 15:15
    Ronald M. Arndt

    Und wäre das jetzt explizit ein Beispiel? Ich meine, das ist nicht erwünscht Ihrerseits, aber dass sich so eine Person einfach auch qualifiziert über einen Einstieg bei magdas und dann irgendwo bei einer großen Hotelgesellschaft beispielsweise in einer ganz anderen Position noch mal weitermacht?

  42. 15:34
    Gabriela Sonnleitner

    Wir bilden aus. Also wir bilden momentan, glaube ich, 10 Lehrlinge aus in 3 Lehrberufen. Und Ziel ist, dass sie hier erfolgreich die Lehre abschließen mit einem Diplom und weiterwandern. Natürlich Der eine oder die andere bleiben auch bei uns, ja, die quasi engagieren wir gleich selber weg. Schönes Beispiel ist unser FO-Chef, der hat 2016 bei uns begonnen und leitet jetzt schon das FO-Team. Ebenso unsere Housekeeping-Dame, die hat auch, die ist sogar vom ersten Tag an bei uns mit dabei gewesen und leitet auch das Housekeeping-Team. Also wir wollen auch zeigen, du kannst Karriere machen, du kannst im Hotelbusiness relativ rasch aufsteigen, das ist ja das Positive. Da können sich schon tolle Lebensgeschichten weiterentwickeln.

  43. 16:21
    Ronald M. Arndt

    Also wir haben jetzt, ja, sind ja schon auf ein, zwei schöne Erfolgsgeschichten zu sprechen gekommen. Und in über 100 Episoden vom Hotel-Podcast ist mir natürlich so ein Konzept noch nicht begegnet.

  44. 16:34
    Gabriela Sonnleitner

    Es ist gut und schade gleichzeitig.

  45. 16:36
    Ronald M. Arndt

    Wollte ich gerade sagen. Es ist gut und schade. Also zum einen kann ich überrascht sein, zum anderen kann ich mich auch fragen, warum gibt es denn da in dem Bereich nicht mehr, wo es doch schon so eine Art Blaupause eigentlich gibt seit 2015? Sie haben es als Pop-up-Hotel bezeichnet, aber es war am Ende doch ein Hotel, was sich selbst getragen hat. Und das ist mir schon aufgefallen über die vielen Hotel-Podcasts hinweg, dass natürlich Hotellerie und Gastronomie einfach nicht nur Menschen mit einem problematischen Hintergrund oder Fluchthintergrund schnell Chancen bietet, sondern natürlich auch für jeden Auszubildenden.

  46. 17:11
    Gabriela Sonnleitner

    Genau. Also ich glaube, so Hotel ist der Vorteil, das ist sehr breit. Du kannst mit relativ wenig Vorqualifikationen einsteigen. Also wir haben hier definiert für unsere Mitarbeiterinnen einen gewissen Level an Deutsch, das ist so A2, B1, das ist jetzt nicht sehr hoch, weil wir der Meinung sind, du kannst Deutsch sehr schnell sehr gut während der Arbeit lernen, sehen wir auch täglich, ja. Aber ansonsten Motivation, der Wille, was zu lernen, einfach hier im Team mitzuarbeiten, das ist das, was die Grundvoraussetzungen sind, ja. Und es haben sich wirklich schöne Karrieren schon ergeben. Wissen auch von einigen Kollegen, die weitergewandert sind, die in cool anderen Hotels jetzt arbeiten. Also von einem Lehrling erzähle ich auch gern, der bei uns aus Somalia, der bei uns zu uns gekommen ist und unbedingt Koch lernen wollte. Und dann haben wir gesagt, gut, passt Küche. Und dann hat aber der Küchenchef herausgefunden, der kann eigentlich gar noch nichts, weil in Somalia hatte er nicht die Chance, einfach ein bisschen Vorkenntnisse Erkenntnisse zu bekommen. Dann wollte er schon sagen, das geht gar nicht, weil das ist unmöglich. Und dann haben wir aber gesagt, nein, das haben wir jetzt zugesagt, das halten wir auch durch. Und die Kolleginnen haben sich sehr gekümmert, haben ihm all die Fachausdrücke beigebracht, eben gezeigt, wie musst du was tun, von ganz von Anfang an, also quasi unter null. Und es hat hingehauen. Der hat gerade ein bisschen eine längere Lehrzeit bei uns gehabt dann, aber noch bevor er fertig war, hat er schon in einem sehr coolen Restaurant im Neni hier in Wien einen eine Kochstelle gehabt, ja, also konnte schon als Koch arbeiten. Und das mag ich einfach gern betonen, sozusagen, wenn man eine gute Ausbildung hat hier, dann ist quasi der weitere Lebensweg gesichert. Aber das Kochen, kann man schon gut verdienen in Österreich, definitiv, ja.

  47. 19:01
    Ronald M. Arndt

    Und Österreich ist natürlich für die Hotellerie auch, ja, um da Karriere in der Hotellerie einfach zu machen, prädestiniert. Aber es ist schon eine Arbeitserlaubnis erforderlich, um dann auch bei Ihnen arbeiten zu können. Da gibt es nicht irgendwie eine Grauzone, sage ich mal.

  48. 19:18
    Gabriela Sonnleitner

    Nein, nein, nein, nein. Also das ist ganz, also eben jemand hat einen Asylbescheid und damit darf er arbeiten. Wir dürften sogar schon Lehrlinge noch während des Asylverfahrens nehmen. Braucht man nur eine Zusage vom Arbeitsmarktservice.

  49. 19:32
    Ronald M. Arndt

    Da geht es dann ums Alter oder um?

  50. 19:33
    Gabriela Sonnleitner

    Nein, das ist einfach der Lehrberuf darf auch während des Asylverfahrens. Verfahrens gemacht werden, was auch wieder sinnvoll ist, wenn gerade in diesem Fall ist, das ist, was nur nicht sinnvoll ist, wenn die Leute, was eine Zeit lang in Österreich politisch durchaus üblich war, dass die Leute abgeschoben wurden während der Lehre, was wirklich hanebüchen ist, weil da hast du einen motivierten jungen Menschen, er möchte das lernen, wir brauchen die Leute, und dann schieben wir sie ab. Also da gab es einige Fälle, die Wirtschaft hat eh aufgeschrien und Gesellschaft, aber da musste man irgendetwas demonstrieren, was halt so.

  51. 20:07
    Ronald M. Arndt

    Wie viel Prozent Ihrer Zeit verbringen Sie damit, so Behörden etc.?

  52. 20:12
    Gabriela Sonnleitner

    Naja, wir sind relativ unabhängig, Gott sei Dank, muss man sagen, weil eben wir brauchen keine Förderungen, wir arbeiten komplett im legalen Bereich. Also ich muss, wir müssen uns maximal mit unseren Mitarbeitern mal um eine Aufenthaltsgenehmigungsverlängerung kümmern, ja, und Da haben wir gelernt, wenn jemand von uns mitgeht, ist das oft erfolgreicher, als wenn die Leute alleine gehen. Ist auch komisch, aber so ist es. Aber ja, es funktioniert im Normalfall schon ganz gut und die Behörde sieht schon auch, die haben gute Arbeitsplätze, die brauchen halt, also da ist schon auch jetzt die Einsicht, den Leuten das Leben jetzt nicht schwer zu machen.

  53. 20:51
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, so eine Behörde muss auch erst mal dann verstehen und wissen, dass—

  54. 20:54
    Gabriela Sonnleitner

    hat halt auch ihre Vorschriften.

  55. 20:56
    Ronald M. Arndt

    Das ist auch wieder die Vorbildfunktion.

  56. 20:57
    Gabriela Sonnleitner

    Wie ich es von einem Wiener Beamten vor kurzem gehört habe, Vorschrift Vorschrift. Das war zwar in einem ganz anderen Zusammenhang, aber ja, so ist das.

  57. 21:08
    Ronald M. Arndt

    Gut, und da werden sich die beiden Länder Deutschland und Österreich auch ziemlich gleichen. So, jetzt sind wir hier im magdas HOTEL, Priesterwohnheim haben Sie schon gesagt. Ich glaube, Stephanushaus hieß es, 1964 gebaut, 3. Bezirk haben wir schon genannt. 85 Zimmer, was ja schon auch mittelgroß, würde ich sagen, ja, aber eine gewisse Größe hat. Viel hier im Upcycling, mit Upcycling gemacht. Und irgendwo habe ich es gelesen, eben nicht so diesen typischen, oder nicht typisch, aber investorengetriebene Schuhkarton-Optik-Layout hat.

  58. 21:49
    Gabriela Sonnleitner

    Genau, also erstens ist ja viel entstanden aus diesem Gedanken, was können wir wiederverwenden, ja. Das war ja so unsere Herausforderung, möglichst wenig Materialien und die Struktur des Hauses zu halten. Alten, weil es ja eine sehr coole Struktur hatte und genau passend war, ja auch zum Teil schon Wohnheim. Genau, also diese, diese Zimmerstruktur, also wir mussten natürlich, wir haben natürlich die ganzen Nassräume neu gemacht, wir haben natürlich neue Heizung hereingelegt, wir heizen und kühlen mit Erdwärme, wir haben Photovoltaik am Dach, wir haben wassersparende Armaturen eingebaut, ja, so versucht, das Optimale aus diesem Bau herauszuholen. Wir haben aber zum Beispiel die alten Fenster gelassen, die wurden glaube ich irgendwann in den 80er Jahren hier neu eingebaut, sind zwar, ich sage mal, schiere Plastikfenster, aber also schier, es sind ganz gewöhnliche Plastikfenster. Natürlich hätte man sagen können, von Nachhaltigkeitsgedanken vielleicht austauschen, weil sie dann dichter wären, aber dann müssen wir das wegschmeißen. Wir haben uns dazu entschieden und gesagt, nein, die halten sicher noch hoffentlich 20 Jahre, ja, vielleicht nur 15, aber dann tun wir sie dann austauschen. Ja, auch das ist ja eine, im Sinne von Wegwerfen und Müll erzeugen, auch eine Entscheidung. Ja, und ja, das sind auch Entscheidungen gewesen, eben Dinge nicht einfach zu lassen und zu sagen, so ist es jetzt. Ja, und ich glaube, wir haben lange über die Wärmedämmung außen— da ist eine Wärmedämmung drauf, aber noch nicht so dick, wie man sie jetzt machen würde— und haben auch gesagt, na, also das würde Wahnsinnsmüll erzeugen, das jetzt alles runterzureißen, lassen wir es einfach noch. Und das waren so die Kompromisse, die man in Renovierungen einfach machen muss.

  59. 23:22
    Ronald M. Arndt

    Ja, aber es sind nicht nur die Fenster, sondern es war ja von diesem Priesterwohnhaus noch so viel mehr übrig. Ich glaube sogar eine Kathedrale. Also vielleicht habe ich nachher noch eine kleine, kleine Kathedrale. Eine kleine Kapelle. Nicht die Kathedrale, das war jetzt das falsche Wort.

  60. 23:36
    Gabriela Sonnleitner

    Das wäre schon das falsche Wort.

  61. 23:37
    Ronald M. Arndt

    Aber es ist ja schon spät am Abend.

  62. 23:38
    Gabriela Sonnleitner

    Aber im Grunde ja, das Haus ist ja, oder jedes Haus ist ja eine Kathedrale. Und unser Ziel war es ein bisschen, ein bisschen den Spirit des Hauses. Ja, es ist quasi ja, eben hat eine gewisse Nutzung. Und das war von BWM so die Idee, und die fand ich sehr schön. Karom in den Zimmern ist es eben eher diese spirituelle ruhig, und unten im Restaurant ist es lebendig, bunt, offen, einladend, ja. Und ich finde, es ist ein schöner Kontrast. Und ja, wir haben eben eine kleine Kapelle im 6. Stock, und sozusagen, man sollte im Zimmer zur Ruhe finden, deswegen haben wir auch die Fernseher in einem, wir sagen, Kabanakel versteckt.

  63. 24:19
    Ronald M. Arndt

    Gar nicht rübergeschaut, stimmt, ja. Aber man kann eine Idee für zu Hause eigentlich, wenn die Kinder dann Und schon wenig fern bei mir.

  64. 24:28
    Gabriela Sonnleitner

    Wenn man nichts sieht, ist man vielleicht auch nicht so verleitet.

  65. 24:30
    Ronald M. Arndt

    Ja, spannend.

  66. 24:31
    Gabriela Sonnleitner

    Und man könnte ja durchaus sagen, okay, ich gehe ins Lokal und setze mich an die Bar und rede mal mit jemandem.

  67. 24:37
    Ronald M. Arndt

    Natürlich.

  68. 24:37
    Gabriela Sonnleitner

    Und ich glaube, die Erinnerungen, die man damit nach Hause nimmt, sind intensiver, als wenn man einen Fernsehfilm anschaut.

  69. 24:45
    Ronald M. Arndt

    Klar, man spricht oft als Hotel oder Hotellobby als Ort der Begegnung.

  70. 24:49
    Gabriela Sonnleitner

    Und das haben wir auch so gestaltet.

  71. 24:51
    Ronald M. Arndt

    Das haben Sie, glaube ich, hier sehr gut hinbekommen.

  72. 24:52
    Gabriela Sonnleitner

    Also wir haben gesagt, das ist eigentlich das Wohnzimmer vom Grätzl. Und in dem Grätzl kommen eben Leute aus aller Welt zusammen. Und für die, ich denke mal, das ist ja auch oft die Sehnsucht, wenn man wohin kommt, mit Einheimischen einmal ins Gespräch zu kommen. Das kann man, glaube ich, ganz gut auch hier, indem man einfach mutig ist und jemanden anspricht oder sich ansprechen lässt. Und so haben wir unser Restaurant auch ein bisschen konzipiert.

  73. 25:17
    Ronald M. Arndt

    Genau. Und ich glaube, der Garten war früher ein Parkplatz. Das heißt, da ging es auch ökologisch, sage ich mal, einen Schritt nach vorne.

  74. 25:24
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, weil das ist ja, wir haben hinter dem Haus so einen freien Platz, was ganz eigentlich Luxus ist in der Stadt. Das Haus hatte früher hier 16 Parkplätze, alles schön asphaltiert, alles zugemacht. Und wir haben gesagt, naja, wenn wir nachhaltig sein wollen, dann darf es eigentlich keinen Parkplatz geben. Ja, die Stadt Wien schreibt uns zwar vor, wir müssen 16 Parkplätze haben für diese Größe des Hotels, und das war eben die Diskussion, die ich mit Beamten geführt habe. Das ist doch nicht mehr zeitgemäß, ja, wir werden sicher nicht so viel Parkplätze brauchen, streichen Sie uns zumindest die Hälfte. Nein, Gesetz ist Gesetz, geht nicht. Wir haben es trotzdem gemacht, wir haben die Parkplätze im Nachbarhaus im tiefsten Keller gefunden, und wir brauchen wirklich nicht so viele. Aber ja, wir haben jetzt einen wunderschönen Garten draus gemacht, der ganze Asphalt ist weg, wir haben nur eben die Wege betoniert, alles andere ist eine erdgebundene Decke, Pflanzen, Bäume, und es ist super. Die Leute sitzen wahnsinnig gern da unten, auch die Nachbarn, ja, und wir nimmst, so eine kleine grüne Oase schaffen. Und ja, nichts Schöneres kann man haben, fast in der Innenstadt zu sein und einen Garten zu haben. Echter Luxus heute.

  75. 26:32
    Ronald M. Arndt

    Da müssen wir so ein bisschen auf Ihre Gäste zu sprechen kommen. Das sind ja unheimlich viele USPs, wie man neudeutsch sagen würde, die sich hier im magdas HOTEL vereinen. Ist dem Großteil zumindest der Gäste das auch bewusst? Sind die sich dessen bewusst? Und treffen die deswegen die Entscheidung, hier bei Ihnen zu schlafen, oder?

  76. 26:53
    Gabriela Sonnleitner

    Ich glaube, wenn sie gehen, ist es dem Großteil bewusst. Und das ist ja auch ein bisschen das Ziel, hier ganz niederschwellig einfach Menschen mit dem Thema Flucht auch in Berührung zu bringen.

  77. 27:06
    Ronald M. Arndt

    Weil es steht jetzt nirgends Anwendungsbereich.

  78. 27:08
    Gabriela Sonnleitner

    Genau, wir wollen das auch nicht so. Meine Kollegen, die hier arbeiten, sollen einfach einen guten Arbeitsplatz haben. Man will nicht ständig in der Auslage stehen, ständig sagen, ich bin hier.

  79. 27:15
    Ronald M. Arndt

    Absolut, genau, richtig.

  80. 27:17
    Gabriela Sonnleitner

    Bei uns kannst du eigentlich nicht unterscheiden. Ja, genau, sind manche auch dunkel, die jetzt keine Flüchtlinge sind. Ja, das finde ich das wirklich Schöne. Und, und ja, hier kannst du aber trotzdem mit Menschen ins Gespräch kommen und zu sehen, hey, jemand, der jetzt hier ist, eine Flucht hinter sich hat, im Grunde ist er der gleiche Mensch wie ich, weil der möchte einen sicheren Ort, wo er leben kann, vielleicht eine Familie gründen, oder ist mit Familie gekommen. Das siehst du, das Wesentliche am Leben.

  81. 27:48
    Ronald M. Arndt

    Also einfach das Gefühl zu haben, hier gleichwertig zu sein, ne? Ja, also ich sag, Gabriela, gleiche Startausgangssituation auch zu haben.

  82. 27:58
    Gabriela Sonnleitner

    Ich will einfach in Sicherheit hier leben können und vielleicht auch eine Familie gründen. Und das fand ich sehr berührend, wie man das so ganz simpel gesagt hat, weil man gesagt hat, ja, was wollen wir? Wir wollen auch hier ein unser Geld verdienen können, einen schönen, in einer schönen Stadt leben, Zukunft für unsere Kinder kreieren können. Nichts anderes wollen meine Kolleginnen und Kollegen, die, die zu uns gekommen sind. Ja, und das ist, glaube ich, für unsere Gäste einfach spürbar hier. Ja, man, wenn man jetzt die liest über uns vorab auf unserer Website, dann merkt man schon, wer wir sind. Viele Firmen buchen eben auch aus gerade diesem Grund. Eben, wir haben ja die soziale Nachhaltigkeit und ökologische, das findest du nicht so oft als Kombi in einem Hotel.

  83. 28:41
    Ronald M. Arndt

    Also im Genau, im Bereich der Übernachtung oder, oder was Seminare angeht, Meetings.

  84. 28:48
    Gabriela Sonnleitner

    Und das ist schon cool. Viele, viele Firmen haben wirklich schon definiert, dass sie nur mehr in diesen Hotels übernachten dürfen oder buchen dürfen. Und da haben wir einen wirklichen Vorteil, würde ich sagen. Das ist, ich habe keine Zahlen dazu, wir haben es noch nicht erhoben, aber vielleicht, es ist stärker werdend, aber der Großteil kommt über Booking oder andere Plattformen, oder hat es irgendwo gelesen und probiert uns einfach aus. Und hilfreich ist natürlich, und das war für uns schon ganz klar, eine super Position in der Stadt zu haben, also öffentlich gut erreichbar, ein cooles Design, ja, also da komme ich gern her, da bin ich gerne, da mag ich gern dann einfach die Dinge entdecken, die es hier gibt, gemütlich, eventuell so diese Grätzle-Eingebundenheit, das sind sicher auch ausschlaggebende warum ich im magdas HOTEL buche.

  85. 29:37
    Ronald M. Arndt

    Ist ein wunderbares Boutique-Hotel eigentlich vom Charakter her, eben mit dem entscheidenden Meer, ganz klar. Ja, also es scheint ja alles in allem eine sehr erfolgreiche Geschichte zu sein, auch jetzt hier am zweiten Standort, weil Prater wurde dann ja wieder anderweitig genutzt. Schreit eigentlich noch mal nach einem magdas HOTEL irgendwann, oder kann man das so groß nicht denken?

  86. 30:01
    Gabriela Sonnleitner

    Wir denken schon ein bisschen größer. Eben gerade unser alter Standort, den hat uns die Caritas jetzt wieder zur Verfügung gestellt, um ein zweites Hotel dort planen zu können. Und wir glauben ja, dass Wien durchaus zwei magdas verträgt. Halte ich mal die Daumen, dass das gelingt. Also ist jetzt noch nicht ganz fix, weil wir müssen noch die Finanzierung aufstellen, und also es ist nicht günstig, das Ganze. Ja, und natürlich schwebt uns vor, das, was wir hier in Österreich und in Wien machen, und durchaus einen Impact auf Szene hat und auf die Branche, weil es gibt natürlich Nachahmer, nicht in dieser Ausgeprägtheit, wie wir sind, aber wir haben immer wieder Gespräche mit anderen Hotels, die durchaus auch Lehrprogramme für junge Menschen mit Fluchthintergrund ins Leben gerufen haben oder zumindest auf die Zielgruppe auch hinschaut.

  87. 30:51
    Ronald M. Arndt

    Aber meistens aus der Not heraus wahrscheinlich.

  88. 30:54
    Gabriela Sonnleitner

    Aber das macht ja nichts, wenn man zumindest aus der Not eine Tugend macht, funktioniert es ja. Ja, also es ist ja ein Treiber, und hier einfach einmal anders denken anzufangen. Und ich glaube, könnte in Deutschland sein. Also ich finde einige größere deutsche Städte gute Standorte, egal München, Berlin.

  89. 31:14
    Ronald M. Arndt

    Ist die Caritas in Deutschland, Österreich vernetzt? Gibt es irgendeine Dachgesellschaft? Oder das schon?

  90. 31:18
    Gabriela Sonnleitner

    Die Caritas Europa. Ich bin ja lustigerweise auch im Caritasrat Berlin seit einem Jahr tätig, darf hier ein bisschen mitwirken. Und Caritas Deutschland ist durchaus interessiert an dem Konzept, aber es braucht, müssen einfach mehrere Komponenten zusammenkommen, dass das funktioniert. Aber ich bin guter Dinge, dass wir das in den nächsten Jahren hinbringen werden.

  91. 31:40
    Ronald M. Arndt

    Ja, Sie haben es gerade schon angesprochen, Investition. Ich meine, da steckt natürlich eine Menge Geld drin, auch so ein Haus hier auf Vordermann zu bringen. Kann man das so ein bisschen sagen?

  92. 31:50
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, Geld ist wichtig und gut.

  93. 31:53
    Ronald M. Arndt

    Also sind das typische Kredite, die da aufgenommen werden?

  94. 31:56
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, ja. Also beim ersten Hotel haben wir noch sehr schwer eine Kredit bekommen.

  95. 32:00
    Ronald M. Arndt

    Das haben wir auch nur bei unserem Pilotprojekt, beim Popper Hotel.

  96. 32:04
    Gabriela Sonnleitner

    Da haben wir das alte Seniorenhaus der Caritas ja auch sehr rough und dirty quasi umgewandelt und jetzt keine Generalsanierung gemacht. Das war natürlich viel günstiger, aber ein bisschen was hat es auch gekostet. Und da war die Erste Bank die einzige, die uns wirklich, die den Schritt gewagt hat, weil damals konnten wir nicht nachweisen, wie es funktioniert. Bei diesem Haus hatten wir schon 2 Banken zur Auswahl, weil jetzt haben wir einen nachgewiesenen Konzept, einen Business Case, der funktioniert. Und natürlich ist sowas, wie wir sind, ein funktionierendes Social Business auch gut, wenn man das im eigenen Portfolio hat.

  97. 32:37
    Ronald M. Arndt

    Wollte ich auch gerade sagen.

  98. 32:39
    Gabriela Sonnleitner

    Also ich hoffe, dass uns das auch fürs zweite Haus dann gelingt und in Zukunft für die Internationalisierung. Da werden wir uns natürlich auch vielleicht nicht nur um Kredite, sondern auch um Investoren umschauen müssen. Aber wir brauchen noch ein bisschen, um diese Internationalisierung einfach durchzudenken. Wir reden zwar jetzt so schon ein bisschen so liebäuglig damit, aber noch, wie man auf gut Österreichisch sagt, ist noch keine gemähte Wiese. Also da braucht es noch einige wirkliche Meilensteine, die wir schaffen müssen, damit das gelingt.

  99. 33:10
    Ronald M. Arndt

    Ja, spannend. Wäre natürlich auch ein schönes Venture denkbar mit einer Hotelgesellschaft, mit einer großen Franchise.

  100. 33:20
    Gabriela Sonnleitner

    Wir schauen mal, sagt man in Wien.

  101. 33:23
    Ronald M. Arndt

    Das sagt man auch bei uns. Und ich glaube, der Beichtstuhl wurde sogar, ein Teil des Beichtstuhls wurde sogar in eine Bar verarbeitet.

  102. 33:30
    Gabriela Sonnleitner

    Ja, aber der ist nicht von diesem Haus, sondern den haben wir uns woanders hergeholt. Die Caritas hat zu der Zeit, wo wir hier umgebaut haben, in einem anderen, ein anderes Haus auch quasi ausgeräumt und verwertet. Und da waren viele, viele alte Dinge drinnen, unter anderem ein schöner alter Beichtstuhl mit tollem Holz. Und mein Kollege, der die Projektleitung hatte, hat gesagt, das ist wunderschönes Holz, wo können wir das verwenden. Und wir brauchten noch eine Verkleidung für die Bar und für andere Teile. Und ja, so kann man jetzt an der Bar beichten, sage ich mal.

  103. 34:03
    Ronald M. Arndt

    Ja, und ich glaube, das werde ich auch gleich tun, Frau Sonnleitner. Das macht auf jeden Fall Appetit auf mehr, eine ganz tolle Geschichte.

  104. 34:10
    Gabriela Sonnleitner

    Sehr gut.

  105. 34:11
    Ronald M. Arndt

    Und ich freue mich als Hotel-Podcast, ja, das über meine bescheidenen Möglichkeiten natürlich auch noch mal mit nach Deutschland mitzunehmen. Wir machen ja durchaus ein oder andere in Österreich und hier in Wien Aber toll, dass Sie mal hier als Gast gewesen waren und zu uns gekommen sind und uns da ein bisschen auf den Grund gefühlt haben. Und ich komme wieder und ich bin gespannt, wann es dann mal in Deutschland weitergeht mit magdas. Und bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihrem Team alles, alles Gute und dass sich natürlich aufbauend auf dem Konzept, auf die Idee und die Menschen, die dahinter stehen, ja viele Menschen einfach eine tolle Zukunft auch hier erarbeiten können, im wahrsten Sinne des Wortes.

  106. 34:48
    Gabriela Sonnleitner

    Das soll gelingen.

  107. 34:49
    Ronald M. Arndt

    Das sehe ich auch so.

  108. 34:50
    Gabriela Sonnleitner

    Dankeschön.

  109. 34:51
    Ronald M. Arndt

    Dankeschön. Bis dann.