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Germany · Episode #17 · 26.03.2022 · 32 Min

Noch hat sich niemand nach oben gef******

Carsten K. RathKameha
Episode hören32 Min Läuft weiter, während du auf der Seite stöberst

Aufgenommen: Althoff Hotel am Schlossgarten, Stuttgart

Standbild aus der Episode mit Carsten K. Rath Germany32 Min

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„Ist auch ein Trugschluss zu glauben, Fehler würden einen immer besser machen. Ich habe noch keinen erlebt, der sich nach oben gefehlert.“

Carsten K. Rath, 17:57

Carsten K. Rath spricht mit Ronald M. Arndt am frühen Morgen im Althoff Hotel am Schlossgarten in Stuttgart über seinen Weg vom Tennislehrer in die Grand-Hotellerie, über seine eigene Marke Kameha und über die 101 besten Hotels Deutschlands. Er erzählt, warum er eine CEO-Position gegen Unabhängigkeit eingetauscht hat und warum er sich bei Kameha auf die falschen Investoren eingelassen hat. Dazu erklärt er, wie das Rating aufgebaut ist und warum es sich nicht kaufen lässt.

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Kernaussagen

  1. Nukleus Service Excellence: Rath sagt, bei ihm gebe es einen Nukleus, und das sei Service Excellence: Er schreibt darüber, spricht darüber und macht Veranstaltungen dazu. Den größten Umsatz macht sein Unternehmen außerhalb der Hotellerie, mit Kunden wie Helios, BMW, Korean und Global Office.
  2. Kameha, vier Häuser: 2008 gründete er seine eigene Marke Kameha, daraus entstanden vier Properties in Bonn, Zürich, Düsseldorf und Frankfurt. Bonn verkaufte er 2012, Düsseldorf 2014, Zürich 2017, die Kameha Suite in Frankfurt gehört ihm noch. Die Vision eines Hauses mit Design und traditionellem Grand-Hotel-Service sei zum Teil gelungen, das Wachstum nicht.
  3. Unabhängigkeit als Antrieb: Rath beschreibt den Trieb nach Unabhängigkeit als seinen höchsten Motivationsfaktor, stärker als Geld, Reputation oder Image. Er war junger CEO eines großen Hotelunternehmens und tauschte diese Position gegen Unabhängigkeit ein.
  4. Rating nicht käuflich: Das Rating der 101 besten Hotels ist nach Rath unabhängig und nicht zu kaufen, obwohl Leute ihm einen Helikopter schicken oder mit Geld kommen. Hinter der Bewertung stehen Algorithmen von zwei Universitätsprofessoren, Tester und die Hornstein-Liste für die Gastronomie.
  5. Exklusivität für Partner: 101 hat über 40 Partner, und jedes Feld wird nur einmal besetzt, damit kein Mitbewerber im gleichen Raum steht. Kommuniziert wird über Handelsblatt und Madame nach außen und über die AHGZ nach innen.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Dieses kleine Highlight musste zwar etwas länger auf seine Veröffentlichung warten, mit dem heutigen Wiedersehen und der Premiere der 101 Future Hospitality Days im Grand Elysée in Hamburg soll es aber endlich soweit sein.

Bei unserem morgendlichen Treffen im Althoff Hotel am Schlossgarten in Stuttgart, zeichnete der Tennisspieler Carsten K. Rath seine bisherige berufliche Laufbahn nach. Immer begleitet von unbändiger Leidenschaft für Exzellenz, führte ihn diese an schier unzählige Orte, bevor er sich im Jahr 2008 mit dem Traum einer eigenen Hotelgesellschaft selbstständig machte.

Aber natürlich kommen auch seine aktuellen Projekte rund um "Die 101 besten Hotels" nicht zu kurz, wie heute und erstmalig an Seite von Suzann Heinemann.

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Transkript

Transkript öffnenTranskript schließen32 Min · Ronald M. Arndt und Carsten K. Rath

Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:07
    Ronald M. Arndt

    Herzlich willkommen, Carsten.

  2. 00:09
    Carsten K. Rath

    Roland, ich bin froh, da zu sein, wenn ich auch ein Stück weit irritiert bin. Wo ist deine Fliege?

  3. 00:13
    Ronald M. Arndt

    Wer mich so früh am Morgen hier aus dem Bett holt, der muss auch manchmal auf meine Fliege verzichten.

  4. 00:20
    Carsten K. Rath

    Also gut, du bist tatsächlich früh gekommen. Vielen Dank, dass du das möglich gemacht hast. Ich freue mich aufs Gespräch.

  5. 00:23
    Ronald M. Arndt

    Nicht nur früh gekommen, sondern es hieß ja gleich, Ronald, gerne Hotel-Podcast, ja, aber ich habe nur eine halbe Stunde Zeit.

  6. 00:31
    Carsten K. Rath

    Ja, in einer halben Stunde können viele Dinge passieren, sind ja keine Koalitionsverhandlungen, die wird wahrscheinlich länger dauern.

  7. 00:37
    Ronald M. Arndt

    Stimmt, stehen ja auch gerade an. Müssen wir noch ein Selfie nachher machen, weil das ist ja auch im Trend. Unbedingt, unbedingt, und in schöner Harmonie. Ja gut, jetzt nehmen wir mal an, wir haben eine halbe Stunde.

  8. 00:47
    Carsten K. Rath

    Du hast gesehen, was Twitter gemacht hat aus dem Selfie?

  9. 00:49
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, ja, habe ich gesehen, habe ich gesehen, genau. Wenn wir jetzt eine halbe Stunde haben, vielleicht wird es ja auch einen Ticken länger, würde mich vielleicht mal interessieren: Was weiß man denn noch nicht über diesen Carsten Rath? Carsten?

  10. 01:01
    Carsten K. Rath

    Ja, ich weiß gar nicht, was man alles weiß oder was man glaubt zu wissen. Das ist ja oftmals die Gefahr, dass die Menschen sehr oberflächlich nur draufschauen. Ich erlebe das bei meinen Kolumnen, da wird dann die Überschrift gelesen, vielleicht noch die ersten 3 Zeilen und hinterher meint man, über den Artikel schreiben oder kommentieren zu müssen. Das ist ja das Zeichen unserer Zeit. Ich glaube, da ist eine Menge, das man über mich nicht weiß, und das ist auch okay so. Also ich bin ja keine Person des öffentlichen Lebens, die mit einem Schild um den Kopf rumläuft.

  11. 01:28
    Ronald M. Arndt

    Naja, das warst du vielleicht früher gar nicht so, aber wirst es mehr und mehr, ist meine Empfindung. Also ich bin jetzt auch nicht lange in dem Umfeld tätig, aber du baust ja schon eine Marke auf, sage ich mal, die eine Riesenstrahlkraft hat, gerade mit den 101 besten Hotels und allem, was noch kommt. Du bist viel auf den Bühnen, du bist Keynote-Speaker.

  12. 01:47
    Carsten K. Rath

    Ja, das ist wohl so. Manchmal sagen die Leute, ich hätte einen Bauchladen, weil es eben doch ein relativ breites Angebot ist. Aber das sind auch die, die nicht nachgedacht haben oder zu Ende gedacht haben. Es gibt einen Nukleus und der Nukleus bei mir ist Service Excellence. Und aus dem Thema Service Excellence heraus strahlen Dinge ab. Ich schreibe darüber, ich spreche darüber, ich mache Veranstaltungen, aber alles mündet immer zum Thema Service Excellence. Von daher ist es breit, aber doch ganz schmal.

  13. 02:16
    Ronald M. Arndt

    Genau dieses Stichwort habe ich dich jetzt auch davor schon gekannt. Jetzt sind wir dabei, uns ein bisschen besser kennenzulernen. Freut mich sehr. Ja, wir sind hier an einem exzellenten Ort, würde ich sagen. Ja, mal wieder. Ist ja nicht das erste Mal, dass hier ein Hotel-Podcast aufgenommen wird. Im Althoff Hotel am Schlossgarten in Stuttgart. Ich nehme an, nachdem es noch so früh am Morgen ist, dass du hier auch die Nacht verbracht hast.

  14. 02:39
    Carsten K. Rath

    Ja, ich bin ganz selten in Stuttgart.

  15. 02:41
    Ronald M. Arndt

    Ja, das ist das Problem von Stuttgart. Oder auch von solchen Häusern hier.

  16. 02:47
    Carsten K. Rath

    Stuttgart ist einfach nicht auf meiner Reiseroute. Ich weiß auch nicht warum. Ich habe hier keine Kunden. Ich mag die Stadt und habe gestern den Frank Marrenbach angerufen und gefragt, ob ich bei ihm schlafen darf. Gott sei Dank hatte er noch ein Zimmer frei und so durfte ich gestern Nacht hier schlafen. Ich habe übrigens gut geschlafen. Das Hotel liegt ja exzellent, beste Lage.

  17. 03:01
    Ronald M. Arndt

    Definitiv.

  18. 03:01
    Carsten K. Rath

    Frühstück war sehr gut. Deswegen bin ich jetzt fit fürs Gespräch und freue mich.

  19. 03:04
    Ronald M. Arndt

    Super. Ja, wir arbeiten dran, auch in weiterer, natürlich in Zukunft schlecht angebunden zu sein hier in Stuttgart.

  20. 03:09
    Carsten K. Rath

    Naja, ich habe jetzt gesehen, dass da wieder eine Demo kam.

  21. 03:12
    Ronald M. Arndt

    Es wird weiter demonstriert, es gibt noch hier und dort einen Stand und Durchgangsbahnhof wollen auch viele so nicht wirklich haben. Also immer schön nach Stuttgart mit dem Zug reinzufahren, halbe Stunde wieder rauszufahren und nicht einfach von Frankfurt.

  22. 03:25
    Carsten K. Rath

    Dauert das so lange?

  23. 03:25
    Ronald M. Arndt

    Ja, gefühlt. Und für alle, die vielleicht nur von Frankfurt nach München wollen.

  24. 03:32
    Carsten K. Rath

    Ich komme jetzt aus der Schweiz von zu Hause und bin auf dem Weg nach Frankfurt tatsächlich, aber nicht mit dem Zug, sondern mit dem Auto.

  25. 03:37
    Ronald M. Arndt

    Immer schon Schweiz oder?

  26. 03:39
    Carsten K. Rath

    Ja, nicht immer schon, aber ich bin 2007, als ich mich selbstständig gemacht habe, in die Schweiz, bin dann noch mal kurz zurück und bin aber jetzt schon wieder längere Zeit in der Schweiz und habe das auch nicht vor zu ändern. Die Schweiz bietet mir ganz viel, die ist natürlich ein wunderschönes Land. Erstmal, ich wohne in Luzern, also am Vierwaldstättersee. Die Schweiz bietet mir aber auch viele Möglichkeiten, die ich anderswo nicht habe, und das ist einfach ein Stück Heimat geworden.

  27. 03:59
    Ronald M. Arndt

    Ja, Vierwaldstättersee, Märlischachen, haben wir nicht oft gemacht, aber wenn der Familie was anstand zu feiern, sind wir nach Märlischachen am Wochenende. Das war wunderbar. Seebaden, gut essen.

  28. 04:09
    Carsten K. Rath

    Du weißt aber, dass diese Ecke dort die Ecke ist, das muss man auch sagen, in der es am meisten in der Schweiz regnet. Wissen die wenigsten. Die Stadt Luzern ist die Stadt mit den meisten Regentagen. Ich lieb sie trotzdem.

  29. 04:18
    Ronald M. Arndt

    Dann hatten wir wahrscheinlich zumeist Glück. Im Regen saßen wir selten. So, Zürich jetzt. Aber du hast ja schon allerhand getan. Du warst angestellt, dann selbstständig gemacht mit einer eigenen Hotelkette. Sag mal da vielleicht ein paar Worte dazu.

  30. 04:37
    Carsten K. Rath

    Ja, Kette ist übertrieben.

  31. 04:38
    Ronald M. Arndt

    Und dann will ich schon irgendwann rausfinden, was man über dich noch nicht weiß, weil das sind jetzt natürlich Sachen, die kann man rausfinden.

  32. 04:43
    Carsten K. Rath

    Also 2008 habe ich meine, tatsächlich meine eigene Marke gegründet, Kameha. Daraus sind dann 4 Properties entstanden: ein Hotel in Bonn, ein Hotel in Zürich, eine Residence in Düsseldorf und was mir heute noch gehört, die Kameha Suite in Frankfurt. 2012 habe ich die, das Geschäft in Bonn verkauft, 2017 in Zürich, 2014, Entschuldigung, Düsseldorf, sodass ich also freier Mann geworden bin irgendwann. Und darüber bin ich sehr froh, dass ich das gemacht habe. Das war eine spannende Zeit damals. Kamea hatte eine klare Vision, die wir zum Teil erfüllt haben, zum Teil nicht. Erfüllt haben wir den Traum zu sagen, wir bauen einen Design-Tempel, was ganz Außergewöhnliches. Aber damals war es so, entweder waren die Hotels altbacken und hatten tollen Service, oder sie waren designig und der Service war cool, aber ein Stück weit arrogant. Wir wollten das Beste aus beiden Welten, also nicht hässlich und arrogant, sondern designig und trotzdem traditionellen Grand-Hotel-Service. Das ist uns zum Teil gelungen. Was uns nicht gelungen ist, ist das Wachstum. Wir hatten ja natürlich, hört sich jetzt retrospektiv wie eine Ausrede an, aber wir hatten schon Pech. 2009 haben wir voll in die Krise eröffnet, 2015 dann in die Frankenkrise rein. Also das war im wirtschaftlichen Umfeld nicht einfach, aber am Ende war es doch erfolgreich.

  33. 05:54
    Ronald M. Arndt

    Das heißt, die Faszination für dieses Grand, wenn ich mir auch deinen Lebenslauf angeschaut habe, wo du früher tätig warst, Adler in Berlin, das hat es dir schon angetan, das ist schon deine Richtung, ne?

  34. 06:05
    Carsten K. Rath

    Ja, ich komme nicht aus der Ecke, ich komme aus dem Sport, war früher Sportler, hatte auch nie eine Affinität seitens meiner Eltern zu Hotels. Das war nicht damals so.

  35. 06:13
    Ronald M. Arndt

    Auch eine Frage, die ich noch gestellt hätte: Wie findet jemand den Weg in die Hotellerie? Ganz spannend immer.

  36. 06:18
    Carsten K. Rath

    Ja, damals war es so, dass ich Damals war es nicht so einfach, Lehrstellen zu bekommen. Und mich hat die Hotellerie am Anfang gar nicht so interessiert. Mich hat die Gastronomie interessiert. Ich habe zwar eine Ausbildung als Hotelfachmann gemacht, aber gefühlt war ich von den 3 Jahren 2 Jahre im Service und 1 Jahr in der Küche. Übrigens im Hochschwarzwald, in Titisee an der Grenze zu Hinterzarten. Und habe dann eine Chance bekommen, ins Kempinski Hotel Grafenbruch zu gehen. Das war damals ein exzellentes Hotel, heute bestimmt wieder. Und damals war das einfach für mich die große weite Welt. Als ich da reinkam, ist mir der Atem stehen geblieben, weil ich so was nicht kannte. Und so bin ich dann in die Grand-Hôtellerie gekommen, hatte Glück und bin immer dort weiter gewachsen.

  37. 06:57
    Ronald M. Arndt

    Taschenbergpalais, Adlon.

  38. 06:59
    Carsten K. Rath

    Ja, du springst jetzt. Wir sind nämlich von Frankfurt, bin ich dann nach Johannesburg, bin dann nach Kapstadt, bin dann nach Peking, bin dann nach Thailand und bin dann ins Taschenbergpalais. Dann kam das Adlon, dann kam London, Naples, Florida. Da bin ich weg von Kempinski, bin dann zu Ritz-Carlton, war dann einige Jahre bei Ritz-Carlton und dann wieder zurück nach Deutschland. Habe dann für Robinson gearbeitet und später für Arabella und dann mich eben selbstständig gemacht.

  39. 07:24
    Ronald M. Arndt

    Wahnsinn. Okay, jetzt ist mir eine Kleinigkeit eingefallen. Carsten K. Rath, für was steht denn das K? Würdest du das verraten?

  40. 07:34
    Carsten K. Rath

    Ja, das ist kein Geheimnis. Das ist eine Tradition unserer Familie.

  41. 07:38
    Ronald M. Arndt

    Bei mir auch übrigens.

  42. 07:40
    Carsten K. Rath

    Tradition bei uns in der Familie, dass der Name des Opas einfach als Zweitname weitergegeben wird. Damals fand ich ihn Name meines Opas nicht so toll. Der steht für Karl. Heute ist er wieder modern, der Name.

  43. 07:51
    Ronald M. Arndt

    Mein Sohn, jetzt 2 Monate alt, das heißt Carlo. Hat nur ein C vorne dran, aber genau so.

  44. 07:55
    Carsten K. Rath

    Und mein Vater hieß eben, oder heißt Rolf A. Ja, und so hat sich das eben bei uns irgendwann festgesetzt. In Amerika ist das gang und gäbe, in Deutschland exotisch. Ich bestehe da nicht drauf, aber es ist einfach Teil meines Namens, und so ist es halt.

  45. 08:09
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja. Jetzt hoffen wir mal, dass wir das Schlimmste hinter uns haben, was so Reisebeschränkungen angeht. Jetzt bist du wieder viel unterwegs, oder?

  46. 08:16
    Carsten K. Rath

    Ja, ich war auch in der Pandemie viel unterwegs. Ich habe mir meine Nischen gesucht, natürlich. Also erstmal hatte ich Glück, ich war sehr früh geimpft. Ich habe mich im Januar schon die erste Impfung, Ende Januar die zweite Impfung. Das heißt, ich war relativ früh frei, so frei man sich bewegen konnte. Natürlich haben sich meine Reisen verändert. Ich war nicht mehr in Asien, ich konnte nicht mehr nach Asien reisen, das war mein Lieblingsziel. Ich konnte nicht mehr in die Staaten Südamerikas, alles das fiel weg, Afrika auch nicht. Aber ich bin innerhalb Europas relativ viel gereist. Erst Natürlich in der Schweiz zu Hause, dann ein Stück weit Österreich, Südtirol und dann auch Deutschland. Also das ging schon. Jetzt geht es wieder los. Sonntag geht es nach Zypern und dann kommen jetzt die weiteren Reisen Gott sei Dank wieder, denn das hat mir schon gefehlt.

  47. 08:56
    Ronald M. Arndt

    Ja, und noch mal kurz die Frage, wie du in die Hotellerie gekommen bist. Das war das Thema Lehrstelle.

  48. 09:03
    Carsten K. Rath

    Ja, das war also, weißt du, es gibt ja viele Hoteliers. Wir sind ja auch im Traumland. Wir erzählen ja gerne Märchen und Geschichten, damit das eben spannender wird. Meine ist eine ganz langweilige Geschichte. Ich war Tennislehrer, habe Tennisunterricht gegeben, und da war eine sehr junge, attraktive Frau an der Bar. Und ich sage, was machst du denn so Schönes?

  49. 09:19
    Ronald M. Arndt

    So, jetzt kommen wir zu den Geschichten, die mich interessieren.

  50. 09:21
    Carsten K. Rath

    Da lass mich ausschweifen.

  51. 09:22
    Ronald M. Arndt

    Da können wir noch was fürs Leben lernen vielleicht.

  52. 09:23
    Carsten K. Rath

    Was macht so ein Mädel wie du, so ein Hübsches an der Bar in so einem Tennisclub? Und dann sagt sie, ich mache eine Lehre als Restaurantfachfrau. Und so bin ich überhaupt erstmal auf den Beruf gekommen. Restaurantfachfrau, okay. Dann habe ich mich erkundigt, was heißt das, was macht man da? Und dann habe ich festgestellt, dass das Themen sind, die mich interessieren. Service war damals schon ein wichtiges Thema für mich. Sprachen waren ein wichtiges Thema. Ich hatte so im Hinterkopf, möglicherweise kann ich dann in anderen exotischen Destinationen reisen, obwohl das zu meiner Jugend damals gar nicht so einfach war. Aber so habe ich es dann eben aufgebaut und das war eine kluge Entscheidung.

  53. 09:53
    Ronald M. Arndt

    Kluge Entscheidung auch für junge Leute heutzutage, oder auf was müsste man so achten?

  54. 09:59
    Carsten K. Rath

    Schau, auch da gibt es die Tendenz, dass wir Hoteliers Werbung für unseren Beruf machen und sagen, ihr müsst unbedingt in die Hotellerie. Jeder Mensch hat Talente, und zunächst einmal ist es wichtig, seine Talente rauszufinden. Schau mal, mein Sohn beispielsweise, David, 23, der hat Talent, mit Menschen umzugehen, und der hätte auch Talent, in der Hotellerie zu arbeiten. Trotzdem habe ich alles dran gesetzt, dass er nicht in die Hotellerie geht, weil ich nicht wollte, dass er mir folgt, sondern dass er seinen eigenen Weg geht. Gott sei Dank ist mir das gelungen, aber vielleicht wäre er auch ein großartiger Grand-Hotelier geworden. Ich weiß es nicht.

  55. 10:29
    Ronald M. Arndt

    Ja, ist nicht ausgeschlossen mit 23.

  56. 10:30
    Carsten K. Rath

    Na, ich glaube, er hat einen anderen Weg eingeschlagen. Was ich sagen möchte, ist, wenn wir auf unsere Talente hören, dann ist das ein großartiger Job. Ja, wenn wir das aber machen, weil es ein Job ist, dann wird's nichts. Das gilt aber nicht nur für die Hotellerie und die Gastronomie, das gilt überall. Die Menschen, die Spitzenleistungen bringen, die erbringen das zunächst einmal, weil sie Talent haben, weil sie Disziplin haben und weil sie wahnsinnig Freude an dem Job haben. Ich glaube, diese 3 Themen sind die treibenden Kräfte in der Gastronomie, genauso wie in anderen Hotelbereichen auch.

  57. 10:57
    Ronald M. Arndt

    Und dann kann man in jedem Bereich mit Freude das Maximale erreichen, insofern man das möchte. Also sehe ich genauso. Ich hatte mich ja auch früher bei der ÖHL beworben, mit 19.

  58. 11:08
    Carsten K. Rath

    Wo?

  59. 11:08
    Ronald M. Arndt

    ÖHL in Lausanne. War so der Traum. Gerade den Führerschein bekommen, dann runtergefahren. Das Preisschild hatte ich dann aber mir erst später angeschaut. Und dann ging es eben auch in eine erst allgemeinere Richtung. Aber ich habe ja wieder die Nähe in die Grand-Hotellerie gefunden.

  60. 11:24
    Carsten K. Rath

    Ja gut, das hast du natürlich mit der Hotelfachschule, hättest du dir auch die beste wahrscheinlich oder eine der besten.

  61. 11:28
    Ronald M. Arndt

    Die beste gibt es nicht.

  62. 11:30
    Carsten K. Rath

    Aber das Preistag ist schon ein Thema.

  63. 11:33
    Ronald M. Arndt

    Also es schließt aus. Also vielleicht hätte es dann auch das eine oder andere Talent gegeben.

  64. 11:38
    Carsten K. Rath

    Du hast ja selbst dir auch als Unternehmer sehr viel finanziert. Du bist ja ganz jung Unternehmer geworden. Ich finde das toll. Hast du mir erzählt, dass du über deinen Hemdenverkauf, Maßhemdenverkauf, dein Studium finanziert hast?

  65. 11:49
    Ronald M. Arndt

    Ja, plus dass ich eigentlich jedes Semesterferien, jede freie Woche in China unterwegs war. Ich hatte einen sehr, sehr guten Schneider in Shanghai, der nicht nur für mich produziert hat, sondern mich da auch so halb in seine Familie mit aufgenommen hat. Also das war schon spannend, da manche Abende mit 30 Chinesen am Tisch zu sitzen. Alle haben ihren Blick auf dich gerichtet und schauen, wollen nur sehen, wie du jetzt hier wieder den nächsten Topf öffnest und dich wunderst, ob man das jetzt essen kann oder nicht. Also das mit 19 Jahren und 3 Monate am Stück, 2 Monate am Stück parallel zur Olympia damals. Was hast du studiert? Naja, das war ein allgemeines internationales BWL-Studium, allerdings da die ersten beiden Jahre in Frankreich. Das heißt, die ganzen Aktivitäten habe ich aus Frankreich rausgemacht. Reims, Champagner. Also auch ganz nett. Und dann die zweiten Jahre Hauptdiplom noch mal 2 Jahre in Reutlingen an der ESB.

  66. 12:40
    Carsten K. Rath

    Ich übernehme mal kurz das Interview, wir drehen das jetzt mal rum.

  67. 12:42
    Ronald M. Arndt

    Ja, können wir gerne machen. Nee, nee, immer gern. Also du hast ja schon mehr Mikroerfahrung als ich.

  68. 12:47
    Carsten K. Rath

    Nein, aber noch mal zurück zu deiner Frage. Hotelfachschulen oder Universitäten haben natürlich, wenn sie nicht staatlich sind, den Nachteil, dass sie eben auch irgendwie leben müssen. Und die Lausanner Hotelfachschule hat natürlich nicht nur einen exzellenten Ruf, sondern auch ein exzellentes Preistempo.

  69. 13:05
    Ronald M. Arndt

    Ja, nee, hätte andere gegeben, aber die beiden Jahre, wie gesagt, schon mal in Frankreich. Auch du hast ja vorher gesagt Sprachen. Ich meine, das war immer mein Ding. Also rein französisches Studium. Irgendwo auf der habe ich über dich gelesen oder es war ein Zitat von dir: Freiheit ohne Freiheit ist wie geht's weiter?

  70. 13:27
    Carsten K. Rath

    Ich habe ein Buch geschrieben, das heißt Ohne Freiheit ist Führung nur ein F-Wort.

  71. 13:31
    Ronald M. Arndt

    Siehst du, so gut bin ich vorbereitet, Karsten.

  72. 13:33
    Carsten K. Rath

    Ja, Freiheit. Also wir haben da gerade gestern Abend, ich war mit Freunden essen, wir hatten da gestern Abend eine spannende Diskussion zum Thema Freiheit. Freiheit ist ja so leicht gesagt, ja. Freiheit hat da eine unglaubliche Breite und wenn man genau hinschaut, auch eine große Tiefe. Ich glaube, was du gerade ansprichst und was ich in dem Buch beschreibe, ist natürlich die Entscheidungsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Sprachfreiheit. Aber das basiert eigentlich auf Unabhängigkeit. Also Unabhängigkeit ist ein Wort, das mir da in dem Zusammenhang noch besser gefällt, weil Freiheit hängt oftmals ja auch an äußeren Umständen. Unabhängigkeit, in meiner Wahrnehmung, hängt nicht so sehr an den äußeren Umständen, sondern ist eher eine intrinsische Geschichte.

  73. 14:14
    Ronald M. Arndt

    Ja, da baut alles drauf auf. Ja, definitiv. Und diese Freiheit hast du aber auch schon in deinem Angestellten-Dasein, sage ich mal, immer schon gelebt, oder?

  74. 14:23
    Carsten K. Rath

    Nee, nee, nee, das—

  75. 14:26
    Ronald M. Arndt

    also weil man ja schon— also ich versuche auch immer so ein bisschen mit dem Hotel-Podcast Werbung zu machen, einfach sich zumindest mal diese Branche anzuschauen und wie du sagst, das zu gucken, ob ich da nicht Talente für habe. Aber man hat ja zumindest die Möglichkeit, oft woanders zu sein und eben sich so ein bisschen sein Umfeld auszusuchen. Du sagst jetzt ganz klar nein.

  76. 14:45
    Carsten K. Rath

    Okay, interessant. Ja, also schau, ich schaue zurück in meine Angestelltenzeit und erinnere mich natürlich daran, dass ich vielleicht ein Stück weit das Enfant terrible der Industrie war, mir vielleicht Dinge rausgenommen, die andere sich nicht rausgenommen haben. Vielleicht waren meine Haare damals ein bisschen länger als die anderen. Das hat nichts mit Freiheit zu tun. Das war vielleicht der Drang der Selbstverwirklichung. Deswegen ist da möglicherweise auch eine Reputation entstanden oder ein Name entstanden, den schätzen manche nicht. Und fehlgeleitet daraus könnte man ableiten und sagen, na, der war schon immer frei. Das war ich nicht. Ganz im Gegenteil. Ich habe viele unfreie Zeiten gehabt. Aber mir war das Streben nach dieser Unabhängigkeit wichtig. Und ich habe mich ja nicht umsonst sehr früh in einem tollen Stadium meiner Karriere selbstständig gemacht. Schau mal, ich war ein ganz junger CEO von einem großen Hotelunternehmen. Das war jetzt nicht irgendwie, dass ich mich da im Mittelmaß selbstständig gemacht habe, sondern ich hatte ja tatsächlich eine herausragende Angestelltenposition. Und trotzdem war ich bereit, diese Angestelltenposition einzutauschen gegen ein Stück Unabhängigkeit, das dann in Freiheit mündete. Also ich war nicht immer frei. Ich war oft sogar sehr unfrei. Aber ich wusste, dass Freiheit oder dieser unbändige Trieb nach Unabhängigkeit war für mich der höchste Motivationsfaktor. Also manche Leute treibt Geld, andere treibt Reputation, wieder andere treibt Image. Mich treibt diese Freiheit, selbst entscheiden zu können, ja oder nein sagen zu können, wenn es für mich gut oder schlecht ist. Und das habe ich als junger Mann früh erkannt, bin gegen viele Wände gelaufen, um mit Frau Merkel zu sprechen, die Wand ist dann doch härter als der Kopf, und habe aber nicht den Weg um die Wand herum gesucht, sondern habe dann irgendwann versucht, andere Räume zu finden, wenn du so willst. Und so ist dann tatsächlich auch dieses Buch entstanden, Ohne Freiheit ist Führung nur ein F-Wort. Da geht es aber darum, dass ich sage, gebt euren Mitarbeitern genügend Freiraum. Wenn ihr unfreie Menschen einstellt oder Menschen einstellt und die unfrei macht, werdet ihr unfreie Ergebnisse bekommen. Und die Zeiten sind eh vorbei. Das Buch habe ich schon vor 5 Jahren geschrieben. Das war noch eine andere Zeit als heute. Heute sind die Zeiten vorbei, dass man Menschen gängelt. Trotzdem denken viele Führungskräfte wie Napoleon, reden aber wie Kindergärtner.

  77. 16:57
    Ronald M. Arndt

    Ich finde es schön, wie du deine ganze, deine Erfahrung, Lebenserfahrung aus der Hotellerie so auf alle anderen Wirtschaftsbranchen etc. überträgst.

  78. 17:07
    Carsten K. Rath

    Ja, also ja, das ist tatsächlich mein Geschäftsmodell mittlerweile. Auch natürlich habe ich Hotelkunden, auch schöne Hotelkunden, aber den größten Umsatz macht mein Unternehmen außerhalb der Hotellerie. Ich habe Kunden wie Helios, BMW, Korean, könnte viele andere nennen, Global Office, aber das sind alles Kunden, die auch im Herzen Service tragen.

  79. 17:28
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, ja. Gut, das waren jetzt alles glanzvolle Namen, vorher die Hotels, jetzt deine Referenzen.

  80. 17:34
    Carsten K. Rath

    Na ja, wenn der Werbeblock kommt, dann müsst ihr bitte wieder—

  81. 17:36
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, den haben wir jetzt durch.

  82. 17:38
    Carsten K. Rath

    passionforexcellence.com.

  83. 17:40
    Ronald M. Arndt

    passionforexcellence.com. Gut, was hat in deinem Leben, Carsten, denn bislang noch nicht so funktioniert? Gibt es da so ein paar Dinge? Oder manchmal sagt mir auch, was ich früher mal gern— ich habe auch mal eine andere Veranstaltungsreihe noch gemacht hier in Stuttgart, habe ich immer nach dem besten Fehler gefragt.

  84. 17:57
    Carsten K. Rath

    Das war also, ich, in meinen Augen gibt es den besten Fehler nicht, sondern das Leben ist ja eine Achterbahn. Du lernst hoffentlich, machst— ich bin Tennisspieler, ich hasse Doppelfehler. Ich habe immer versucht, Fehler, die ich gemacht habe, nicht zweimal zu machen. Das ist dann auch irgendwie blöd, finde ich. Aber jeder Fehler hat mich irgendwie verändert. Manchmal hat er mich besser gemacht, manchmal hat er mich schlechter gemacht. Ist auch ein Trugschluss zu glauben, Fehler würden einen immer besser machen. Ich habe noch keinen erlebt, der sich nach oben gefehlert.

  85. 18:24
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, nach oben funktioniert nicht. Nee, das macht man anders nach oben, ne.

  86. 18:28
    Carsten K. Rath

    Aber natürlich gab es viele Achterbahnen, es gab viele Einbahnstraßen, die ich gegangen bin. Und ich bin auch ein sehr, sehr konsequenter Typ, ich gehe die dann auch zu Ende, um dann festzustellen, tatsächlich eine Einbahnstraße, wo ich vielleicht schon 100 Meter vorher gemerkt hätte. Das Leben ist ja ein bunter Blumenstrauß, und ich glaube, man muss aus beidem das Beste rausziehen, das, was man gut gemacht hat, und das, was man nicht so gut gemacht hat. Aber es gibt eine Menge Sachen, die ich heute vermutlich retrospektiv, ich hätte anders machen sollen.

  87. 18:53
    Ronald M. Arndt

    Willst du uns da nicht eins nennen? Eins, was jetzt nicht so— eine Wand, eine Wand, eine, eine Sackgasse?

  88. 19:00
    Carsten K. Rath

    Ja, schau, das Thema Selbstständigkeit z.B., ja. Ich war damals getrieben von dem Willen, mit, von dem unbändigen Willen, meine eigene Hotelgesellschaft zu gründen, und habe mich dann auf Investoren eingelassen, auf die ich mich besser nicht eingelassen hätte. Ja, aber der Trieb so schnell wie möglich das zu machen, war so groß, dass ich nicht links und rechts geschaut habe. Und das ist sicherlich einer meiner Fehler. Positiv ausgedrückt ist das eine Konsequenz. Negativ ist es so, dass du, dass es auch eine gewisse Sturheit ist. Und hätte ich mich damals auf andere Investoren eingelassen, hätte ich vielleicht mehr Geld verdient.

  89. 19:35
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, ja, ja. Aber zweites Mal. Jetzt hast du ja ganz andere, also ich werde keinen anderen Kosmos dir erarbeitet und geöffnet. Also es wird keine Hotelgruppe mehr.

  90. 19:50
    Carsten K. Rath

    Also man soll nie nie sagen, aber das ist so weit weg, weißt du. Auch ein Stück weit bin der dann das. Warum soll ich immer etwas wiederholen? Es gibt ja auch große deutsche Hotelgötter, die dann was erfolgreich aufgebaut haben. Die haben es dann verkauft oder abgegeben und dann machen sie das Gleiche noch mal und nicht mehr so erfolgreich. Ich weiß nicht, ob man zweimal das Gleiche machen kann.

  91. 20:14
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, um das dann noch mal zu toppen, das erste Mal.

  92. 20:16
    Carsten K. Rath

    Also ja, oder weil man nicht loslassen kann, dann soll man es erst mal nicht verkaufen, sondern dann muss man dabei bleiben.

  93. 20:20
    Ronald M. Arndt

    Denke ich gerade an Christoph Hoffmann.

  94. 20:22
    Carsten K. Rath

    Den denke ich gar nicht.

  95. 20:23
    Ronald M. Arndt

    Ich denke, der Christoph hat das, der jetzt ja auch schon wieder am nächsten Projekt dran ist mit seinem Bikini.

  96. 20:28
    Carsten K. Rath

    Ja gut, aber Christoph würde nicht zu der Beschreibung passen, weil Christoph hat das nicht. Das sicher nicht.

  97. 20:33
    Ronald M. Arndt

    Da kennst du ihn jetzt wieder besser.

  98. 20:34
    Carsten K. Rath

    Christoph hat mit seinen 25 Hours und seinen Partnern etwas Exzellentes gebaut. Hat es, wie ich finde, zum richtigen Zeitpunkt verkauft, ist ja jetzt auch dabei weiterhin als CEO und genau wie du sagst, hat mit Bikini, wenn du so willst, eine Alternative zur Stadthotellerie jetzt in der Resort-Hotellerie visioniert. Das meinte ich damit nicht. Nein, ich meinte Kollegen, die etwas ganz Großartiges geschaffen haben, das verkaufen und dann meinen, sie müssten noch etwas Großartigeres tun. Wenn es ihnen gelingt, prima.

  99. 21:05
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, meinst aber aus dem Trieb, aus dem Drang heraus, noch mal sich da—

  100. 21:10
    Carsten K. Rath

    ich weiß die Motivation nicht. Ich meine nur, das Leben ist kurz, und wenn du einmal so einen Megaerfolg hattest, dann ist Copy-Paste schwierig.

  101. 21:19
    Ronald M. Arndt

    Ja, spannend. Also Christoph Hoffmann, der wird auch bald Gast sein hier im Hotel-Podcast.

  102. 21:23
    Carsten K. Rath

    Spannender Typ, grüße ich schon.

  103. 21:24
    Ronald M. Arndt

    Höchstwahrscheinlich nicht Stuttgart zur Abwechslung, sondern eher Schweiz. Grüße richtig gerne aus. So, 101 Beste Hotels und alles, was sich dahinter verbirgt. Du hast schon gesagt, dein Sohn ist noch jung, ne? Aber ist David mit an Bord? Inwieweit kann sich das— sie— hast du einen Sohn, oder?

  104. 21:47
    Carsten K. Rath

    Also David, du sagst, ist er mit an Bord? David gehört das Unternehmen mehrheitlich. David hat das Unternehmen gegründet.

  105. 21:54
    Ronald M. Arndt

    Mich interessiert genau diese Sache, generationenübergreifend, ja.

  106. 21:59
    Carsten K. Rath

    Aber wenn du jetzt gleich sagst, ihm gehört das, also David macht die Mehrheit dieses Unternehmens, war auch seine Ursprungsidee. Wir haben das in der Schweiz beobachtet. In der Schweiz haben wir einen Freund, der heißt Karl Wild. Der Karl ist auch unser Spiritus Rector bei 101. Und Karl macht seit 25 Jahren sehr erfolgreich die 100 besten Hotels der Schweiz. Das haben wir uns angeschaut, haben das gebenchmarkt, haben davon gelernt. Außerdem ist David aufgefallen, mir auch damals, dass es Länder der westlichen Hemisphäre gibt, Schweiz, Österreich, Frankreich, England, Kanada, bitte gerade, wo noch? Italien, die ein Ranking haben. Das heißt, es gibt dort eine Champions League wie in anderen Sportarten.

  107. 22:40
    Ronald M. Arndt

    Spannender Vergleich.

  108. 22:41
    Carsten K. Rath

    In der Hotellerie gibt es nicht in Deutschland. Und das ist uns aufgefallen, also haben wir uns die Namensrechte gekauft. Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, naja, die Namensrechte der 100 besten Hotels hast du gekauft, warum heißt das 101? Das kann ich dir sagen. Ich war damals mit, ich habe, also als wir 101 gründeten, war uns klar, dass wir 3 Erfolgsfaktoren brauchen. Auf die komme ich zu sprechen. Einer der Erfolgsfaktoren war B2C-Wirkung, also nicht nur in unserer eigenen Suppe kochen. Viele Kollegen meinen ja, sie müssten immer sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Das ist ja auch nett und trinken da Champagner und kriegen eine Urkunde, bringt aber kein Geschäft. Und Profit Room, das weißt du besser als jeder andere, ihr seid ja auch fokussiert aufs Geschäft.

  109. 23:16
    Ronald M. Arndt

    Absolut.

  110. 23:17
    Carsten K. Rath

    Image ist nett und abends irgendwo eine Urkunde nehmen und dann kommen 50 Leute auf die Bühne, ist auch nett, aber es bringt keinen Umsatz. Wir waren immer sehr stark fokussiert, für unsere Hoteliers Umsatz zu bringen. Deswegen ticken wir B2C. Ja, dazu brauchte ich Partner, und zwar Kommunikationspartner. Und deswegen habe ich mich für 2 B2C-Partner entschieden. Einmal das Handelsblatt, das sicherlich einer der stärksten Kommunikatoren in Deutschland ist, führende Wirtschafts- und Finanzzeitung. Und die Madame, die eleganteste und beste und großartigste Frauenzeitung in Deutschland. So, und diese beiden Zeitungen respektive Magazine kommunizieren nach außen. Und der Chef vom Handelsblatt, mit dem ich gesprochen habe, der Herr Rickens, der sagte, Carsten, Mach nicht 100 Hotels, mach 101. Und dann haben wir gestritten, sage ich, 101 zu krumm. Ja, genau deshalb, weil es krumm ist, wenn die Leute sich erinnern. Und so ist 101 entstanden. Und das ist die Geschichte. Aber ich wollte von den 3 Erfolgsfaktoren erzählen. Also erster Erfolgsfaktor, erster heißt nicht wichtigster, sondern alle 3 Säulen stehen nebeneinander gleichwertig. Kommunikation nach innen, nach außen. Nach außen kommuniziert das Handelsblatt und eben die Madame, nach innen kommuniziert die AHGZ als B2B-Kommunikator. Zweiter Erfolgsfaktor unterscheidet uns brutal von allen anderen komplett. Sind wir wieder beim Wort Unabhängigkeit. Das Rating ist unabhängig. Du kannst das nicht kaufen. Es gibt Leute, die schicken mir einen Helikopter und wollen mich einfliegen. Es gibt Leute, die bedrohen mich mit Geld. Das Rating ist unabhängig.

  111. 24:36
    Ronald M. Arndt

    Also die gibt es wirklich in Deutschland?

  112. 24:37
    Carsten K. Rath

    Ja, die gibt es in Deutschland.

  113. 24:39
    Ronald M. Arndt

    Ständig.

  114. 24:39
    Carsten K. Rath

    Es gibt auch böse, es gibt auch welche, die bedrohen. Ja, dann bin ich immer sehr amüsiert. Aber es gibt alles.

  115. 24:45
    Ronald M. Arndt

    Ja.

  116. 24:45
    Carsten K. Rath

    Und es gibt diejenigen, die es verstehen, dass das Rating neutral ist. Es gibt also da Wir haben uns so nah wie möglich der Objektivität genähert. Wir haben verschiedene Stufen, wir haben Algorithmen, die 2 Universitätsprofessoren geschrieben haben, wir haben Tester, wir haben verschiedene, wir haben die Hornstein-Liste, ganz wichtig für uns, die Gastronomie, die reinkommt.

  117. 25:01
    Ronald M. Arndt

    Teil eures Unternehmens?

  118. 25:04
    Carsten K. Rath

    Nein, ist nicht Teil unseres Unternehmens, ist völlig eigenständig. Thomas Schreiner von Laurent Perrier macht das sehr erfolgreich, aber ist Teil unseres Setups. Wir sind Partner, ist mein Symbol. Er hat seine Hotelliste gestrichen und hat unsere Hotelliste genommen. Deswegen sieht das aus, als so eng. Verschiedene Layers, die man nachlesen kann auf der Seite. Werbeblock: 101 beste Hotels Deutschlands. Aber das ist das, ja, das ist das Zweite, der zweite Erfolgsfaktor. Also Unabhängigkeit in der Kommunikation, Unabhängigkeit im Rating, und drittens eben die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, die das gleiche Bestreben haben. Also Gäste, Hoteliers, und Partner, andere sagen auch Sponsor dazu. Nehmen wir mal Profitroom. Ihr wollt Umsätze machen, indem ihr den Hotels helft, bessere Umsätze zu machen, nämlich kommissionsgeringere Umsätze oder Direktgeschäft zu machen. So, das heißt, ich muss nicht mehr Umwege gehen, ich kann die OTAs reduzieren, ich habe andere Möglichkeiten, ich kann Packages verkaufen und habe mit Profitroom die Chance, meine Marge zu erhöhen. Damit helft ihr dem Hotelier. Und am Ende hilft er dem Gast auch. So, und das ist unser Bestreben, diese Partner zusammenzubringen. Wir haben mittlerweile über 40 Partner. Und jetzt bin ich beim letzten Punkt. Auch das unterscheidet uns von den anderen, abgesehen davon, dass wir nicht käuflich sind und dass wir eine gute Kommunikationsplattform haben. Wir achten darauf, dass jeder sein Geschäft macht. Und das geht nur, indem wir es exklusiv machen. Das heißt, es gibt keinen Mitbewerber. Deswegen habe ich dich gefragt, wer ist dein Mitbewerber? Dadurch, dass du bei uns Partner geworden bist seit gestern, vielen Dank übrigens, hat gar nichts mit dem Interview zu tun, schließt es die anderen aus. Also wir werden eben nicht wie— du kommst auf manche Veranstaltungen, weil es gerade in Berlin auf einer, da steht dann der Radeberger Stand neben dem Bitburger Stand, und da frage ich mich, was soll das, ne? Oder steht der eine Mitbewerber mit dem anderen im gleichen Raum? Das ist ja nicht sinnvoll, das ist auch nicht ehrlich in meinen Augen, und es ist nicht unabhängig. Das heißt, bei uns ist es absolut immer exklusiv. Du bist ein kleiner Partner oder ein großer Partner, du bist Hauptpartner oder Nebenpartner, spielt keine Rolle. Wenn du das Feld besetzt hast, dann ist es dein Feld.

  119. 27:14
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  120. 27:14
    Carsten K. Rath

    Und darauf bauen wir auf, und das hat bis jetzt sehr gut funktioniert.

  121. 27:16
    Ronald M. Arndt

    Und das nächste Ranking steht schon fest, oder?

  122. 27:19
    Carsten K. Rath

    Ja, das Ranking beginnt also in dem Moment, wo das Ranking veröffentlicht wird, dieses Jahr am 28. November, also am 26. November online bei der AHGZ und beim Handelsblatt am 27. dann im Druck. Handelsblatt für die Wochenendausgabe und in der AHGZ steht das längst fest. Aber der Tag danach ist eigentlich der Tag, wenn es wieder losgeht. Stimmt nicht ganz, wir machen dann einen Break und fangen am 15. Januar wieder an. Letztes Jahr war das ungleich schwerer und ungleich aufwendiger durch die Pandemie, wie du dir vorstellen kannst. Viele Häuser geschlossen, musste man normal hin und so weiter, also die Tester. Das Rating steht, das steht seit ungefähr Mitte Juni schon fest, na klar. Und wir haben dieses Jahr ein paar Änderungen. Wir haben 2 Sonderpreise, den Aufsteiger des Jahres und den Newcomer des Jahres. Newcomer ist der, der noch nicht dabei war, das höchste Rating erreicht hat, und Aufsteiger ist der, der innerhalb des Ratings natürlich am meisten zugutgemacht hat. Und es gibt 6 Kategorien, weil wir gesagt haben, es ist sehr schwer, ein Stadthotel wie das hier mit einem Resort zu vergleichen. Die Kategorien haben aber nicht wir vorgegeben, auch hier wieder genau hinhören, auf den Markt hören, den Kunden Kunden zuhören. Der Gast hat uns die Kategorien vorgegeben. Beispielsweise wollte ich die besten Golfhotels in Deutschland als Kategorie haben. Wir haben aber keine 15 Golfhotels gefunden, die in diese Kategorie reinpassen. Also ist Golf weggefallen. Wir haben jetzt die besten Hideaways, die besten Stadthotels, die besten Grand Hotels, die besten Health- und Spa-Resorts, die besten kulinarischen Hotels und die besten Hotels in historischen Gemäuern.

  123. 28:48
    Ronald M. Arndt

    Super.

  124. 28:49
    Carsten K. Rath

    Und das wird eben jetzt am 28. November dann publiziert. Wir haben schon 15.000 Bücher produziert. Die liegen dann, du siehst es hier übrigens, hast du gesehen, in den besten Häusern liegen die aus.

  125. 29:00
    Ronald M. Arndt

    Genau, tatsächlich.

  126. 29:02
    Carsten K. Rath

    Und die Hoteldirektoren erzählen mir, dass das mittlerweile das meistgestohlene Produkt im Zimmer ist. Das freut mich natürlich.

  127. 29:09
    Ronald M. Arndt

    Aber man kann es kaufen, oder?

  128. 29:11
    Carsten K. Rath

    Ja, die Hotels sollen das verkaufen, die sollen damit auch Umsatz machen. Natürlich, die kaufen das bei uns zum Einkaufspreis ein. Ein.

  129. 29:16
    Ronald M. Arndt

    Man hört schwer fragen hier, den Verkäufern.

  130. 29:18
    Carsten K. Rath

    Verkaufen es dann ihre Gäste weiter oder verschenken es den Mitarbeitern zu Weihnachten oder geben es ihren Gästen mit. Und das ist meist gestohlen, das freut uns natürlich, weil die Hotels dann nachbestellen.

  131. 29:27
    Ronald M. Arndt

    Ja, das macht schon Sinn. Ja, toll. Ja, auch toll, wie du einfach mit deiner, hier in dem Fall B2C-Marke, da ins Zimmer reinkommst, weil sonst—

  132. 29:36
    Carsten K. Rath

    Das ist doch das Schöne.

  133. 29:37
    Ronald M. Arndt

    Kapiert habe ich es, aber ich bin trotzdem nachhaltig beeindruckt.

  134. 29:40
    Carsten K. Rath

    Also wir haben 55.000 Klicks jeden Monat auf unserer Webseite von Gästen. Ja, wir kriegen Bilder von Gästen, die sich fotografieren lassen mit den Fahnen oder mit den Plaketten im Hintergrund oder mit dem Hoteldirektor. Und natürlich ist der B2C-Drive der entscheidende Faktor. Warum soll ein Hotelier oder ein Partner denn sonst an so einem Ranking teilnehmen? Es macht doch nur Sinn. Das ist wie Champions League. Wenn du Champions League gewinnst und spielst vor leeren Rängen, dann interessiert es keinen Menschen.

  135. 30:06
    Ronald M. Arndt

    Ausgezeichnet. Jetzt haben wir eine halbe Stunde, 30 Minuten.

  136. 30:10
    Carsten K. Rath

    Sehr gut.

  137. 30:11
    Ronald M. Arndt

    Die Uhr stehen geblieben vorher, deswegen kannst du lange drauf gucken und denkst, die Uhr, es wird nicht später. Hat er geschickt gemacht. Wenn Leute mir so einen engen Zeitrahmen vorgeben, dann mache ich die Uhr einfach aus.

  138. 30:25
    Carsten K. Rath

    Das ist wie mit der Weinkarte. Wenn du in einer Weinkarte mit 400 Positionen keinen Wein findest, wirst du bei 2000 Positionen auch keinen Wein finden.

  139. 30:33
    Ronald M. Arndt

    Definitiv.

  140. 30:33
    Carsten K. Rath

    Und ich glaube, eine halbe Stunde ist ein gutes Format, um Dinge auf den Punkt zu bringen. Und ich habe ja auch ein paar Sachen preisgegeben.

  141. 30:39
    Ronald M. Arndt

    Okay, dann haben wir das geschafft. Und die beste Nachricht eigentlich, nachdem das Ranking schon steht, bleiben jetzt die Hubschrauber und die bösen Männer an Bord im Hangar erst mal bis zum nächsten Jahr.

  142. 30:50
    Carsten K. Rath

    Und du kannst dich frei bewegen. Also es ist wirklich spannend zu beobachten, wie manche Menschen tatsächlich auch wirklich glauben, sie könnten uns, es geht ja nicht nur um mich, sondern ums ganze Team beeindrucken. Also mit positiven Dingen, darüber freuen wir uns natürlich, das nehmen wir auch wahr, aber vor allem auch mit negativen Dingen. Es gibt tatsächlich Hoteliers, die schreiben dann oder rufen an und sagen— das fand ich im letzten Jahr sehr unangenehm— es gab einen Hotelier, der hat sich dann mit einem anderen Hotelier verglichen und hat gesagt, ich bin doch viel besser als der. Das finde ich jetzt schon unanständig. Also wenn er sich selbst besser darstellen möchte oder mit mir in den Disput geht, dann ist das okay, aber auf dem Rücken anderer, das finde ich immer schwierig.

  143. 31:24
    Ronald M. Arndt

    Carsten, von Herzen ein großes Dankeschön.

  144. 31:27
    Carsten K. Rath

    Danke, dass du aus dem Bett gekrochen bist, so früh am Morgen. Für die Pflege hat es heute nicht gereicht.

  145. 31:31
    Ronald M. Arndt

    Ich muss schon 2 Kinder fertig machen, ja, ich habe es hier nicht geschafft. Der eine 8 Wochen und der andere wird im November 3. Also kurze Nächte, aber kann man so sagen.

  146. 31:42
    Carsten K. Rath

    Ja, aber sehr sympathisch.

  147. 31:44
    Ronald M. Arndt

    Danke dir. Tschüss.