Nachfolge ist das neue Gründen
Aufgenommen: Hotel Oderberger, Berlin
Germany35 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Ohne Witz, Nachfolge ist das neue Gründen. Kein Scherz.“
Dr. Verena Jaeschke, 04:35
Dr. Verena Jaeschke führt das Familienunternehmen zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester: dazu gehören das GLS Sprachenzentrum in Berlin-Prenzlauer Berg und das Boutiquehotel Oderberger im über 100 Jahre alten Badehaus. Im Gespräch mit Ronald M. Arndt erklärt sie, warum Nachfolge für sie so anspruchsvoll ist wie Gründen, warum aus dem Einzelunternehmen mit 150 Mitarbeitenden eine GmbH & Co. KG wird und wie der denkmalgeschützte Pool über einen hydraulischen Hubboden zur Eventlocation wird und sich damit selbst mitfinanziert.
Die Audiodatei kommt beim Abspielen von Spotify for Creators. Vorher wird nichts geladen.
Kernaussagen
- Nachfolge als Gründung: Unternehmensnachfolge war für Jaeschke kein Thema, bis sie selbst damit zu tun hatte. Wer nachfolgt, baut auf Bestehendem auf und hat Kundenstamm und Sicherheit, übernimmt aber von Anfang an Verantwortung für Menschen.
- Vom Einzelunternehmen zur KG: Mit 150 Mitarbeitenden und drei Geschäftszweigen war das Unternehmen zum Zeitpunkt der Aufnahme noch ein Einzelunternehmen, in dem keine Anteile abgegeben werden können. Die Umfirmierung in eine GmbH & Co. KG war als Projekt im Rahmen der Nachfolge geplant, Jaeschke und ihre Schwester treten in die Geschäftsführung ein.
- Pool finanziert sich über Events: Ein öffentlich zugängliches Schwimmbad war Auflage beim Kauf, die Bank war dagegen. Über einen hydraulischen Hubboden wird der Pool zur Eventlocation, das Wasser bleibt sauber und warm darunter, und die Events subventionieren den Badebetrieb.
- Sprachschule in drei Tagen online: Nach dem ersten Lockdown im März 2020 stellte das Team die komplette Sprachschule innerhalb von drei Tagen auf Online-Unterricht um. Daraus entstand ein Online-Produkt, mit dem das Unternehmen ortsunabhängig arbeiten kann.
- Sprache als Recruiting-Hebel: Aus der Hotellerie kommen Anfragen nach Deutschkursen, um Fachkräfte aus dem Ausland sprachlich zu qualifizieren. Im eigenen Haus macht eine neue Person bei fehlenden Sprachkenntnissen erst einen Monat kostenfreien Sprachkurs und startet danach in die Einarbeitung.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Mit Dr. Verena Jaeschke durfte ich im Hotel-Podcast eine wirkliche Powerfrau kennenlernen und mit ihr über die Herausforderungen, aber natürlich auch Chancen, einer Unternehmensnachfolge sprechen.
So betreibt das Familienunternehmen nicht nur das einzigartige Boutique-Hotel Oderberger, sondern bringt bereits seit 1983 Menschen über das GLS Sprachenzentrum miteinander ins Gespräch.
Vor über 100 Jahren noch Städtische Volksbadeanstalt, ist das dazugehörige Badehaus unbestrittenes Highlight der Berliner Hotellerie und gar öffentlich zugänglich. Irgendwie passend, hat sich Verena doch schon in ihrer kürzlichen Dissertation mit repräsentativen Gebäuden aus früherer Zeit auseinandergesetzt.
Aber hinter all dem steht immer auch ein starkes Team: so wartet mit meinem Gast Tini Diekmann jetzt schon der nächste Hotel-Podcast aus selbigem Hause auf seine baldige Veröffentlichung.
Keine Episode verpassen
Folge HOTEL-PODCAST dort, wo du sowieso hörst. Neue Episoden aus sechs Ländern kommen dann ganz von selbst. Oder tritt unserer WhatsApp-Community bei, um über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden zu bleiben.
Weitere Episoden
Alle EpisodenTranskript
Transkript öffnenTranskript schließen35 Min · Ronald M. Arndt und Dr. Verena Jaeschke
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Verena Jaeschke, und ich muss ja sagen Dr. Verena Jaeschke seit nicht allzu geraumer Zeit.
- 00:13 Dr. Verena Jaeschke
Richtig.
- 00:14 Ronald M. Arndt
Herzlichen Glückwunsch zur Dissertation.
- 00:17 Dr. Verena Jaeschke
Danke, danke.
- 00:18 Ronald M. Arndt
Zur Abgabe und dass sie auch für gut befunden wurde.
- 00:21 Dr. Verena Jaeschke
Exakt.
- 00:22 Ronald M. Arndt
Kommen wir nachher noch mal drauf zu sprechen. Jetzt erstmal vielen Dank für die Einladung hier ins Hotel Oderberger.
- 00:31 Dr. Verena Jaeschke
Ich freue mich sehr, dass du da bist. Schön, dass du gekommen bist.
- 00:34 Ronald M. Arndt
Ich war ja sehr, sehr überrascht, als ich reingekommen bin in die Lobby und am Ende des Flures, des Ganges das Wasser habe funkeln sehen. War mir jetzt nicht so klar, aber ist ja schön am Hotel-Podcast, man lernt ja da ganz neue Menschen, aber vor allem auch besondere Orte kennen. Ihr habt ein Badehaus hier integriert. Ja, das war erstes Bad oder erstes Hotel?
- 00:59 Dr. Verena Jaeschke
Es war erst das Bad, weil das Gebäude ist über 100 Jahre alt und war schon immer eine öffentliche Hygieneanstalt im Endeffekt. Also nicht nur Schwimmbad, das ist wirklich spannend zu wissen, sondern eben auch wirklich eine sogenannte städtische Volksbadeanstalt. Und das bedeutet, dass hier knapp 200 Dusch- und Badekabinen waren. Die konnte man damals mieten, weil die Wohnungen noch keine eigenen Bäder hatten damals. Also Berlin wurde zur Metropole und man kam mit dem und den Hygienestandards gar nicht so schnell hinterher. Und in dem Zusammenhang sind solche Anstalten entstanden. Und dann stand das Haus ganz, ganz lange leer, über 30 Jahre.
- 01:38 Ronald M. Arndt
Also Haus ist ja untertrieben. Ja, ein großes—
- 01:44 Dr. Verena Jaeschke
die Institution wurde dann Mitte der 80er geschlossen, stand 30 Jahre leer, und wir haben es dann wieder eröffnet. Und die Auflage war auch gewesen von von der Stadt beim Kauf, dass wieder eine öffentlich zugängliche Badeanstalt reinkommt.
- 01:59 Ronald M. Arndt
Stark, das habt ihr gemacht. Ich kann mir vorstellen, dass das unter Denkmalschutz alles steht, ja, stand und steht.
- 02:08 Dr. Verena Jaeschke
Ziemliche Herausforderung, weiß jeder, der schon mal damit zu tun hatte. Ich muss sagen, wir haben im Endeffekt, also wir haben mit einem ganz tollen Architekturbüro zusammengearbeitet. Das war wirklich eine schöne Kooperation, weil uns im Endeffekt geeint hat, dass es auch, glaube ich, das, was hier das Konzept so besonders macht in der Wahrnehmung, dass wir langfristig gedacht haben bei der Sanierung. Also wir sind ja wirklich ein familiengeführtes Unternehmen und genauso sind wir hier rangegangen, dass wir das hier die nächsten Jahrzehnte auch betreiben und bespielen. Und entsprechend hochwertig und mit Liebe zum Detail wurde dann hier eben gebaut, saniert und eingerichtet. Und das haben unsere Architekten einfach total verstanden und haben über die Vorgaben des Denkmalschutzes hinaus wirklich historische Details zu erhalten.
- 02:51 Ronald M. Arndt
Super, ja. Okay. Familienunternehmen, also das Hotel hier betreibt die Familie noch nicht so lange entsprechend, aber das Familienunternehmen fußt auf einer ganz anderen Sache. Spannend, ne? Was macht ihr da?
- 03:05 Dr. Verena Jaeschke
Ja, also man muss vorwegschicken, meine Mutter ist halt einfach eine Kanone. Das ist super.
- 03:10 Ronald M. Arndt
Also nicht nur die Mutter, ich glaube auch du.
- 03:12 Dr. Verena Jaeschke
Danke. Große Fußstapfen, aber ich tue mein Bestes. Nee, meine Mutter ist tatsächlich Vollblutunternehmerin einfach. Das haben wir natürlich auch alle ein bisschen mitbekommen zu Hause und entsprechend lebe ich das jetzt gerne auch weiter.
- 03:28 Ronald M. Arndt
Wie viele seid ihr gewesen, Kinder?
- 03:30 Dr. Verena Jaeschke
Wir sind 3 Kinder und in der Firma sind wir mittlerweile auch schon zu zweit mit eingestiegen, weil das mir auch besondere Freude und Stütze auch gewesen ist, meine Schwester sich 2020 auf dem Höhepunkt der Corona-Krise tatsächlich entschieden hat, sie kommt. Und die ist Finanzlerin und jetzt haben wir den Part sozusagen auch abgedeckt. Das ist wirklich super, aber zurück zu meiner Mutter.
- 03:51 Ronald M. Arndt
War das nicht sicher, dass sie kommt, oder?
- 03:54 Dr. Verena Jaeschke
Doch, also wir hatten Ende 2019 uns zusammen überlegt, dass sie auch einsteigt. Ich bin seit 2016 Vollzeit im Endeffekt hier, davor aber auch immer schon für einige Jahre oder Konzepte und wir hatten das Ende 2019 überlegt, aber sie ist in einer Beratung gewesen. Und wir haben ihr dann natürlich gesagt, hier Mensch, also sind jetzt keine prallen Zeiten gerade, du kannst es dir anders überlegen. Und sie hat gesagt, nö, jetzt erst recht. Und das war halt natürlich, also das war sowohl für meine Mutter als auch für mich, aber auch glaube ich so nach innen ins Team ein wichtiges Signal.
- 04:27 Ronald M. Arndt
Eine Ansage, genau, ein Signal.
- 04:29 Dr. Verena Jaeschke
Okay. Ja, und seitdem arbeiten wir sozusagen zu dritt.
- 04:33 Ronald M. Arndt
Okay, also schon 3 Powerfrauen.
- 04:35 Dr. Verena Jaeschke
3 Powerfrauen hat man ja auch nicht so oft. Also gerade so, wenn man sich mit dem Thema Nachfolge ein bisschen beschäftigt, also Unternehmensnachfolge ist für mich, bevor ich selber damit in Berührung gekommen bin, überhaupt kein Thema gewesen. Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm, aber ohne Witz, Nachfolge ist das neue Gründen. Kein Scherz. Wenn man jetzt nicht, also wenn man eine Tochter hat—
- 04:53 Ronald M. Arndt
Also Gründen finde ich schon heftig.
- 04:54 Dr. Verena Jaeschke
Nee, weil, also ja, Gründen, also es ist beides sehr, sehr anspruchsvoll. Wenn man nachfolgt, folgt in einem Unternehmen, hat man viel, auf dem man aufbaut. Das ist super, aber man hat natürlich auch ganz andere Herausforderungen. Man geht in ein bestehendes Unternehmen, das bringt Sicherheit und Kundenstamm, aber da wurde halt auch schon was immer so gemacht und du übernimmst halt sehr viel Verantwortung, wogegen, wenn du gründest—
- 05:22 Ronald M. Arndt
Was man übernimmt, muss auch am Laufen gleich gehalten werden. Da ist nichts mit Ausprobieren und—
- 05:27 Dr. Verena Jaeschke
Ja, genau. Wenn du selbst gründest, kannst du halt viel auch einfach so, du bist für dich selbst verantwortlich, bist irgendwie alleine oder ein kleines Team.
- 05:33 Ronald M. Arndt
Da ist der Rucksack etwas leichter.
- 05:35 Dr. Verena Jaeschke
Genau. Und wenn du wo einsteigst, hast du Verantwortung für Menschen. Also ja, aber ich springe total gerne ins Wort.
- 05:43 Ronald M. Arndt
Ich falle ja da auch ab und an ins Wort, das mache ich ganz gerne, da muss ich mich bessern. Denn jetzt kommen wir kurz auf die Powerfrau Nummer 1 zurück, deine Mutter.
- 05:49 Dr. Verena Jaeschke
Da wollten wir hin. Genau. Meine Mutter hat 1983 tatsächlich, es ist wirklich lange her mittlerweile, fast Jahre, hat sie das Gelersprachenzentrum gegründet. Und wir machen mit dem Gelersprachenzentrum einmal eine Sprachschule hier in Berlin im Prenzlauer Berg. Das grenzt direkt ans Oderberger an.
- 06:08 Ronald M. Arndt
Bin ich vorbeigefahren. Nee, du sagst, es grenzt an, um die Ecke, ne? War doch—
- 06:13 Dr. Verena Jaeschke
Ja, also der Eingang ist um die Ecke in der Kastanienallee. Von außen sieht man nicht, dass es ein Gelände ist, ist aber tatsächlich ein 16.000-Quadratmeter-Campus all in all.
- 06:22 Ronald M. Arndt
Ach, hier geht's weiter.
- 06:23 Dr. Verena Jaeschke
Ja, genau, und ein klassisches Mixed-Use-Konzept im Endeffekt. Also wir haben das Boutiquehotel Oderberger, wir haben ein Longstay-Konzept, so 3-Sterne-Standard mit 50 Studioapartments auf dem Campus, primär für unsere Sprachkursteilnehmenden, die aus dem Ausland kommen, und dann eben Eventräumlichkeiten, Gastro und eben den ganzen Seminarbetrieb rund um die Schule. Jedenfalls hat meine Mutter eben '83 dieses Gellesprachenzentrum gegründet. Und wir haben die Sprachschule in Berlin hier und eine Sprachreiseagentur. Das heißt, du kannst bei uns im Endeffekt einen Englischkurs machen und dann kannst du 2 Wochen Business-Englischkurs auf Malta, zum Beispiel, oder du kannst ein Highschool-Jahr in Amerika oder in Frankreich oder in Japan machen. Also im Endeffekt von Alter 6 bis Open End, alles rund um Sprache online hier in Berlin oder irgendwo im Ausland, wo auch immer, kann man über uns machen. Da kommen wir her.
- 07:16 Ronald M. Arndt
Wie kam die Mutter zur Sprache damals? Vielleicht da ein kurzer Exkurs?
- 07:20 Dr. Verena Jaeschke
Abgefahren. Also meine Mutter ist vom Hof, Jahrgang '55, Niedersachsen, 3 Häuser und das war's dann. Und irgendwie war sie aber immer schon so ein bisschen so the wild one in der Familie und sehr, sehr mutig. Und sie hat damals, da war das noch gar kein großes Ding, einen einjährigen Schulaustausch nach Amerika gemacht.
- 07:42 Ronald M. Arndt
Deswegen frage ich, weil heutzutage unter normalen Voraussetzungen reist jeder nach dem Abitur durch die Weltgeschichte.
- 07:49 Dr. Verena Jaeschke
Genau, damals war es so.
- 07:51 Ronald M. Arndt
'83, Eiserner Vorhang, also da waren die Türen hier ja eher zu.
- 07:57 Dr. Verena Jaeschke
Ja, aber also gerade Eiserner Vorhang ist auch ein schönes Stichwort, weil kurz nachdem der dann eben gefallen ist, das Erste, was meine Eltern gemacht haben, war sich in den Käfer gesetzt und schön durch durch die ehemalige UdSSR gefahren. Nee, die waren einfach immer, also sie hat auch dann irgendwie, sie ist einfach viel gereist. Das wurde initiiert durch dieses Austauschjahr und hat halt einfach so diesen Grundgedanken, der dahinter ist. Also dieses Verständigung, Austausch, Kommunikation. Für uns ist das heutzutage alles so normal. Wir haben alle Englisch in der Schule, wir gucken englische Serien, wir können jederzeit auch günstig hinfahren, wo auch immer wir wollen. Das war damals nicht selbstverständlich. Und man hatte auch nicht ständig Zugang zu anderssprachigen Medien oder so.
- 08:36 Ronald M. Arndt
Definitiv, ja.
- 08:37 Dr. Verena Jaeschke
Und das ist wirklich was. Also sie sagt immer so, sie macht ein Stück weit so ein bisschen Völkerverständigung auch hier, und das stimmt. Und gerade in diesen— wenn die Leute im Gespräch bleiben oder ins Gespräch kommen, ist tatsächlich unser Slogan: Wir bringen Menschen ins Gespräch.
- 08:52 Ronald M. Arndt
Okay, tatsächlich, ja.
- 08:53 Dr. Verena Jaeschke
Und gerade jetzt so vor den aktuellen Ereignissen, es ist einfach wirklich wirklich Wahnsinn, wenn einem mal wieder bewusst wird, dass das nicht selbstverständlich ist, diese Welt, in der wir leben, mit den ganzen Freiheiten und Werten und dem Austausch und unser Verständnis, unsere europäische Identität auch, oder diese ganzen Werte, auf die wir uns als internationale Staatengemeinschaft verständigt haben. Und sowas hält man wach durch kulturellen Austausch, das darf man gar nicht einschlafen lassen. Genau, und also das hat sie im Endeffekt damals schon erkannt und so kam dann im Endeffekt die Gründung.
- 09:30 Ronald M. Arndt
Stark, 1983 als One-Woman-Show wahrscheinlich.
- 09:36 Dr. Verena Jaeschke
Sie hat Anglistik und Slawistik studiert auf Lehramt und ist dann in den Semesterferien immer als Reiseleiterin tätig gewesen und hat für einen damaligen Konkurrenten sozusagen deutsche Schülergruppen in den Ferien auf ihre Sprachreise begleitet. Und dann fand sie das einfach nicht optimal umgesetzt und hat das dann meinem Vater erzählt. Und der meinte halt, ja, mecker nicht, mach besser. Und dann war sie okay. Okay, so ist unser erstes Produkt Schüler-Sprachreise nach England.
- 10:07 Ronald M. Arndt
Das wäre jetzt die Frage gewesen, ob der Vater dann eher ein anderer Charakter ist oder ähnlich.
- 10:11 Dr. Verena Jaeschke
Ich glaube, die beiden sagen immer, sie sind in so einem dynamischen Konkurrenzkampf, was glaube ich so eine Idee angeht. Nee, die sind also ein super Duo.
- 10:23 Ronald M. Arndt
Aber schafft der mit, oder?
- 10:25 Dr. Verena Jaeschke
Nee, der macht sein eigenes Ding. Ist auch besser so, weil da sind wir dann tatsächlich, ich glaube, ich kann gar nicht meinen Finger drauflegen, warum, aber ich glaube, mit meinem Vater würde ich nicht ganz so harmonisch zusammenarbeiten, der ist einfach noch mal so, auch einfach so, hat andere Schwerpunkte dann.
- 10:39 Ronald M. Arndt
Ja, stark. Das heißt, Bezug zur Hotellerie hast du davor, habt ihr auch gar nicht gehabt, ne?
- 10:49 Dr. Verena Jaeschke
Das kam dann, das kam im Endeffekt hier mit der Gründung des GLS Campus in Berlin 2006, weil wir da den Hospitality-Bereich gestartet haben.
- 10:57 Ronald M. Arndt
Ach so, da habt ihr, okay, genau, also wir waren wieder Leute untergebracht.
- 11:00 Dr. Verena Jaeschke
Genau, die Firma gibt es halt seit Mitte der 80er und eben, wir haben eben diese Sprachreise, eine Sprachschule, und 2006 haben wir dann hier den GLS Campus im Prenzlauer Berg gegründet. Da war es wirklich so das Novum, ne? Und dann eben eigene Unterkunft, eigene Gastro, Events.
- 11:13 Ronald M. Arndt
Okay, kommen wir kurz auf deine— auf dein Studium, deine Dissertation dann auch anschließend zu sprechen. Das hat jetzt auch noch nichts mit Hotel zu tun, auch nicht mit Wirtschaft, glaube ich, sondern es war ein kulturwissenschaftlicher Hintergrund, ne?
- 11:27 Dr. Verena Jaeschke
Ja, ich sage immer, bei mir haben immer so zwei Herzen geschlagen, ne? Einmal die Wissenschaft und einmal die freie Wirtschaft.
- 11:34 Ronald M. Arndt
Okay.
- 11:34 Dr. Verena Jaeschke
Und das Familienunternehmen im Endeffekt. Und ich habe Kulturwissenschaften studiert und dann Kulturgeschichte im Master, und darin habe ich dann schlussendlich auch promoviert, recht lange, weil ich nebenher dann auch schon hier im Oderberger zum Beispiel gearbeitet habe, immer wieder bei GLS.
- 11:50 Ronald M. Arndt
Was hast du dir ausgesucht als Thema, ob wir es jetzt verstehen oder nicht?
- 11:54 Dr. Verena Jaeschke
Also pass auf, mein Thema war die Analyse spätantiker Herrscherresidenzen, also zum Beispiel so Trier oder Mailand, wie die von Mitte des 3. Jahrhunderts bis Ende des 4. nach umgebaut wurden, um eine bestimmte Herrschaftsideologie zu illustrieren. Was jeder versteht—
- 12:12 Ronald M. Arndt
Das ist ein weit zurückliegender Zeitraum.
- 12:15 Dr. Verena Jaeschke
Ja, deshalb gebe ich den aktuellen Bezug.
- 12:17 Ronald M. Arndt
Aber trotzdem kurz auch. Ein Jahrhundert, 2 Jahrhunderte.
- 12:21 Dr. Verena Jaeschke
Du, aber damals hat sich viel getan. Ja, das war so eine Umbruchphase. Und was im Endeffekt der Sprung zu was Aktuellem oder einer zeitlosen Fragestellung ist, ist, wie wird Macht und Herrschaftsideologie durch Architektur im öffentlichen Raum inszeniert?
- 12:37 Ronald M. Arndt
Verstehe.
- 12:38 Dr. Verena Jaeschke
Gerade damals auch noch war ja der Alltag nicht so verschriftlicht wie bei uns. Das heißt, man ist als Bürger durch eine Stadt, also damals hieß es noch nicht Bürger, aber man ist durch eine Stadt gegangen und hat sozusagen was mitgeteilt bekommen über diese Fassaden.
- 12:50 Ronald M. Arndt
Okay, also das, was heutzutage die Yachten der Oligarchen sind. Naja, die gerade so der Reihe nach eingesammelt werden. Oder das Bundeskanzleramt. Genau, das ist ja auch eine brutal— brutal ist das falsche Wort, aber eine—
- 13:06 Dr. Verena Jaeschke
ja, man kann es finden, wie man will. Aber die Bauweise transportiert ja immer eine Message im Endeffekt. Und das ist eigentlich eine zeitlose Fragestellung, sich anzuschauen, was für eine.
- 13:17 Ronald M. Arndt
Aber sag doch mal kurz 2, 3 Sätze zum Bundeskanzleramt mal?
- 13:21 Dr. Verena Jaeschke
Och nee, das ist mir zu tagesaktuell. Da kann ich nichts sagen.
- 13:25 Ronald M. Arndt
Na gut, es ist ja jetzt nicht erst gestern gebaut. Aber natürlich nicht im 2. oder 3. Jahrhundert. Ja, okay. Nee, nee, das wurde ja, na klar, in unserer Kindheit, während unserer Kindheit.
- 13:37 Dr. Verena Jaeschke
Lange her.
- 13:38 Ronald M. Arndt
Lange, lange her, ja, ja. Und ich fand es damals schon kurios. Also ohne da jetzt immer, naja, ohne schon viel gesehen zu haben.
- 13:46 Dr. Verena Jaeschke
Hat alles seine Zeit.
- 13:47 Ronald M. Arndt
So, Nachfolge. Ist halt erstmal ein Familienunternehmen. Irgendwann steht ja auch eine Nachfolge an. Das heißt, die Mutter ist gerade auch noch mit an Bord, oder?
- 13:56 Dr. Verena Jaeschke
Genau, also unsere Mutter ist gerade noch alleinige Inhaberin und auch Geschäftsführerin einer GmbH, oder was ist es strukturiert? Nächste Besonderheit: Wir sind bis heute tatsächlich ein Einzelunternehmen. Okay, ja, ist sehr verwunderlich bei unserer Wir sind 150 Mitarbeitende und haben ja diese 3 großen, auch sehr umsatzträchtigen Geschäftszweige. Also es ist schon ungewöhnlich und wir werden auch dieses Jahr, das ist eins der wichtigen Projekte auch im Rahmen der Nachfolge, umfirmieren in eine GmbH Co.
- 14:26 Ronald M. Arndt
KG. Das macht man dann aus haftungstechnischen Gründen oder auch um einfach so ein bisschen mehrere Gesellschafter?
- 14:35 Dr. Verena Jaeschke
Letzteres. Also normalerweise natürlich auch haftungstechnische Gründe, ist in unserem Fall aber eigentlich unerheblich, weil wir haben ja hier viel Umgang umgebaut und dafür natürlich auch Finanzierung aufgenommen, und die greifen immer auch auf das Private durch.
- 14:48 Ronald M. Arndt
Ganz klar, das weiß jeder Unternehmer.
- 14:51 Dr. Verena Jaeschke
Aber es ist tatsächlich, dass Gesellschafter als Einzelunternehmer— Einzel ist ja schon im Namen— kannst du halt keine Anteile abgeben. Und meine Schwester und ich werden eben aber in die Geschäftsführung eintreten, und wer weiß, was ansonsten noch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten passiert. Deshalb treffen wir da jetzt Vorsorge.
- 15:10 Ronald M. Arndt
Okay, dann ist das ganz klar geregelt und abgebildet gesellschaftsrechtlich.
- 15:16 Dr. Verena Jaeschke
Exakt, und das ist auch tatsächlich, was ich jedem nur mitgeben kann, der sich mit dem Thema Nachfolge beschäftigt und der das Glück hat, eine vorbereitete Nachfolge machen zu können. Es gibt da wirklich ganz, ganz viele tolle Hilfestellungen, zum Beispiel so ein so ein Leitfaden von der IHK für Unternehmer, was man beachten muss, was man vorbereiten sollte, von irgendwie PIN-Codes über Prokura und so weiter. Und das ist wirklich ein unheimlich spannendes Thema. Und ich denke immer so, das ist so ein unterschätztes Thema, weil die deutsche Wirtschaft ist extrem mittelständisch geprägt, und gerade auch unsere Industrie das Gastgewerbe ist auch extrem mittelständisch geprägt und da sind ganz viele familiengeführte Unternehmen und deshalb ist Nachfolge ein Riesenthema, weil knapp 70%, glaube ich, der heutigen Unternehmensinhaber sind über 50 Jahre alt. Das heißt, das wird die nächsten 10, 20 Jahre wirklich aktuell.
- 16:23 Ronald M. Arndt
Stichpunkt geregelte Nachfolge. Ja, das ist mal wichtig. Und dann gibt's natürlich auch viele traurige Fälle, wo eben das gar nicht mehr möglich ist, weil irgendwie der Einzelunternehmer eben zu früh, sage ich mal, geht. Ja, ganz klar. Ja, gibt's noch andere Gründe für die? Nee, es gibt gar keine Diskussion. Es ist die GmbH als Rechtsform für ein Familienunternehmen.
- 16:49 Dr. Verena Jaeschke
Ja, es gibt da Also ja, ich weiß nicht, ob unter Umständen eine AG sinnvoll ist oder so, also da bin ich jetzt so nicht im Detail, aber also für unsere Konstellation auch mit den verschiedenen Unternehmenszweigen und den Immobilien auch noch dazu war das einfach wirklich so das Sinnvollste. Und auch wenn man umfirmiert, sind ja auch Sachen wie Rechtsnachfolge und so weiter zu beachten. Also jetzt in unserem Fall wäre es zum Beispiel nicht sinnvoll gewesen, von einem Einzelunternehmen zu mehreren GmbHs zum Beispiel zu wechseln. Aber da bin ich tatsächlich nicht der richtige Interviewpartner, warum das so ist.
- 17:21 Ronald M. Arndt
Alles klar. Aber es war spannend, in so einen Bereich einfach vorzustoßen, zumindest mal anzuschneiden. Und dass sich da, das dürften sich mehrere dafür interessieren, als man denkt, ganz klar. Welche Synergien gibt es denn da so unter Umständen zwischen der GLS, dem Sprachzentrum und und jetzt dem Hotel? Stichwort Mitarbeiter, Recruiting. Also wir haben da einen Austausch vielleicht mal ab und an.
- 17:54 Dr. Verena Jaeschke
Es gibt auf jeden Fall natürlich fluide, also sowohl, also allein meine Position ist zum Beispiel sehr, sehr international.
- 18:01 Ronald M. Arndt
Oder steht das Hotel in dem Bereich besser da als vielleicht andere, die—
- 18:05 Dr. Verena Jaeschke
Ja, also wo wir extrem profitieren, ist, ich meine, was ja unsere Branche jetzt gerade eint, ist zum Beispiel das Thema Fachkräfte machen. Und wir merken das jetzt gerade bei den Anfragen, dass wir ganz viele wirklich aus der Hotellerie haben nach Deutschkursen, um eben Fachkräfte aus dem Ausland zu qualifizieren, was die Sprachkenntnisse angeht, oder eben auch im Sinne von Employer Branding, um sozusagen vorhandene Mitarbeiter dann eben Englischkurse oder Bildungsreisen im Ausland als Benefit. So, und da haben wir natürlich den Riesenvorteil, dass wir das so gut ganz easy umsetzen können. Weil wenn bei uns jemand neu anfängt, der vielleicht noch nicht die ausreichenden Sprachkenntnisse hat, sagen wir, du, kein Problem, du kommst, machst einen Monat kostenfreien Sprachkurs, das übernehmen wir, und danach startest du dann in die tatsächliche Einarbeitungsphase.
- 18:49 Ronald M. Arndt
Spannend, weil ihr da mit dem Hotel eigentlich schon so ein Musterkunde seid für andere Hotels im Sprachzentrum.
- 18:56 Dr. Verena Jaeschke
Das haben die Kollegen aus dem Sales-Bereich im B2B-Bereich tatsächlich auch sehr gefreut beim Corporate Learning, weil die dadurch, dass wir als Kunde das schon immer so gemacht haben, hatten die auch die ganzen auf die Hotellerie maßgeschneiderten Kursformate schon total ready in der Schublade. Und dann waren wir tatsächlich so, hätte uns vielleicht auch früher einfallen können, aber dann haben wir wirklich so gemerkt, Mensch, prima, da ist total ein Need im Markt und den können wir wirklich, das können wir irgendwie bedienen.
- 19:26 Ronald M. Arndt
Auch wenn jetzt eine Powerfrau bist. Wie verteilst du so deine Zeit, oder zwischen den beiden? Es sind ja im Grunde genommen mehr Pfeiler als das Sprachzentrum und, und das Hotel.
- 19:38 Dr. Verena Jaeschke
Also ich würde—
- 19:38 Ronald M. Arndt
wie teilt man sich die Zeit auf, oder die Gedanken, oder?
- 19:41 Dr. Verena Jaeschke
Das ist eine Frage, die ich mir selber auch sehr, sehr oft stelle, wie man das optimal strukturiert.
- 19:45 Ronald M. Arndt
Oder spielt man mit dem Gedanken, dass vielleicht die Schwester das macht und man selbst das?
- 19:51 Dr. Verena Jaeschke
Nee, so tatsächlich nicht, weil wir es wirklich auch als Einheit und übergreifend denken, aber wir haben schon unsere Kompetenzen aufgeteilt. Also meine Schwester hat einen ganz klaren Fokus auf Finanzen, wohingegen mein Schwerpunkt echt eher so Strategie ist und natürlich auch ganz klar dieser Hospitality-Sektor, ne, also Unterkunft und Events und einfach alles so rund um Rooms und F&B. Und mich interessieren aber natürlich trotzdem die Sprachschulthemen, und da gibt's wirklich ganz viel Synergie. Und wir merken auch wir sind als Team total gut eingespielt. Zum Beispiel meine Kollegin Tini, die bei uns Sales und Revenue macht, war früher auch in der Sprachschule. Also, und ich glaube, das macht auch einen Teil wirklich aus.
- 20:31 Ronald M. Arndt
Da haben wir schon wieder ein konkretes Beispiel, wo jemand über die Sprache ins Hotel gekommen ist.
- 20:35 Dr. Verena Jaeschke
Exakt. Und ich glaube, dadurch haben wir als Hotel auch eine andere Dynamik, weil wir hier im Team eine super Mischung haben zwischen Gelernten und Studierten aus der Branche und eben quasi Quereinsteigern, die einen anderen Hintergrund haben, aber die gleiche Passion fürs Produkt natürlich, und wir eben dadurch auch anders auf Fragestellungen schauen.
- 20:53 Ronald M. Arndt
Auch hier bietet Sprache den Zugang zu Kommunikation, was ganz Neuem hier, ja, ausgezeichnet. Was mich interessiert, Thema Sprache, Sprachzentrum, das klingt jetzt alles noch so old-fashioned, möchte ich nicht sagen, kantig auch nicht. Aber so mag man es immer gemacht haben, dass man da irgendwie Wochenendkurse, Abendkurse belegt hat, wie auch immer. Ist da auch ein bisschen was schon von der Digitalisierung mit eingeflossen oder funktioniert das Modell eigentlich noch wie 1983?
- 21:29 Dr. Verena Jaeschke
Nee, du, das Internet ist für uns alle Neuland. Also das können wir nicht abwenden. Nee, Quatsch, Spaß. Doch, auf jeden Fall. Also wir waren da schon lange dran, aber Corona Corona war hier, wie bei so vielen gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozessen, wirklich auch ein Treiber. Und zwar haben wir damals im März 2020 den ersten Lockdown gehabt, was bedeutet hat, dass wir die Sprachschule schließen mussten. Und nur damit man mal eine Vorstellung hat, wir haben in normalen Jahren, holen wir also als quasi Incoming-Agentur jedes Jahr knapp 5000 Menschen aus dem Ausland nach Berlin, die bei uns hier Deutsch als Fremdsprache lernen. Und dazu kommen noch mal pro Jahr ungefähr ungefähr 2000 Menschen, die abends in unseren Abendkursen alle möglichen anderen Sprachen lernen, und die ganzen Menschen in den Firmen, wo wir Trainer hinschicken. Und wir schicken jedes Jahr knapp 3500 Menschen ins Ausland, okay, aus dem DACH-Bereich zum Sprachenlernen. So, und dann Corona, ne, war eben nicht nur das Hotel, sondern alles, kein Unterricht, keine Reisen, gar nichts. Ist ja eine sehr menschliche Branche, ja, genau, also deshalb lieben wir es auch so, und Und dann war tatsächlich, das war ein unheimlicher Teameffort, aber wir haben innerhalb von 3 Tagen die komplette Sprachschule auf online umgestellt. Und das war natürlich wirklich nur dank des Teams und die Lehrkräfte, die wirklich sich da unheimlich eingesetzt haben. Und wir haben, das hat uns auch absolut durch diesen Lockdown ein Stück weit durchgerettet. Und deshalb haben wir jetzt halt einfach ein super— ach, Entschuldigung. Und deshalb haben wir jetzt ein super Online-Produkt, was die Sprachkurse angeht, durch diese Umstellung im Lockdown, und können im Endeffekt jetzt auch ortsunabhängig operieren, was ein neues Businessfeld ist. Das ist super. Also wenn uns jetzt jemand aus, keine Ahnung, Köln anfragt, können wir entweder sagen, schick deine Leute her, oder wir machen Online-Training, ihr schaltet euch zu. Ist ja egal, ob die in Singapur sitzen oder in Nordrhein-Westfalen.
- 23:22 Ronald M. Arndt
Stimmt, ja, als Angebot. Ist mir auch noch nie passiert im Podcast, dass ich da ins Husten komme.
- 23:28 Dr. Verena Jaeschke
Aber wir haben doch gerade gesagt, das ist menschliche Branche, das ist auch menschlich.
- 23:32 Ronald M. Arndt
Das war die Party gestern Abend. Habe ich mich so gut gehalten hier bis in den Nachmittag rein und dann versage ich live. Na, dann habt ihr da unternehmerisch vom Aktionsradius her hinzugewonnen. Und dann war das der Lockdown, die Digitalisierung innerhalb von 3 Tagen, ja, mittel-, langfristig.
- 24:01 Dr. Verena Jaeschke
Ich bin eh der Meinung, dass ganz viele von— also das war ja eine existenzielle Erfahrung für unsere komplette Branche, ist einfach so, kann man auch nicht— und es war auch wirklich nicht schön, muss man einfach sagen, für so viele von uns existenzbedrohend. Auf lange Sicht, man muss einfach immer auch die Lösung in der Krise sehen, sich einfach anpassen, resilient sein. Und auf lange Sicht hat das so viele Prozesse beschleunigt, und davon werden wir schlussendlich profitieren. Und was mich ganz doll beruhigt, ist, der Wunsch zu reisen und sich zu treffen ist ja nicht weg, der ist nur auf Pause gedrückt worden für eine Zeit. Und jetzt, wo wir wieder dürfen, kommen die Gäste wieder und jetzt sind wir besser vorbereitet. Wir haben im Endeffekt als komplette Industrie uns besser aufgestellt. Wir haben digitalisiert, wir haben unsere Preise hinterfragt, extrem notwendig. Wir haben uns einfach unter Wert verkauft und das passen wir jetzt alles Stück für Stück an und haben jetzt ein besseres Produkt, sind stark aufgestellt für eine Kundschaft, die uns umso mehr zu schätzen weiß.
- 25:06 Ronald M. Arndt
Großartig eigentlich. Wenn da so ein Lockdown ansteht und du sagst, innerhalb von 3 Tagen hat man da schon Licht am Ende des Tunnels gesehen oder Lösungen zumindest, setzt man sich dann da als 3 Powerfrauen zusammen und fängt an zu überlegen, was man jetzt macht, oder ist der Kreis da schon ein bisschen größer? Weil du vorher gesagt hast, die Lehrkräfte etc. haben sich alle eingebracht.
- 25:29 Dr. Verena Jaeschke
Ja, also ich glaube, das sagt man fast, wie kommuniziert man sowas?
- 25:32 Ronald M. Arndt
In so eine große Firma? Weil mitbekommen hat es ja dann jeder, dass von heute auf morgen die Türen eben dicht sind.
- 25:40 Dr. Verena Jaeschke
Also ich müsste die Antwort aufteilen in 2 Teile. Einmal dieses, wie bildet man so eine Taskforce?
- 25:47 Ronald M. Arndt
Also Taskforce, was in der Politik auch nicht zwingend funktioniert hat.
- 25:54 Dr. Verena Jaeschke
Also bei uns hat es funktioniert. Alles andere lasse ich jetzt mal unkommentiert. Nee, also wir sind wir sind wirklich ein tolles Team. Das ist nichts, was wir— also ja, wir sind 3 Powerfrauen, würde ich jederzeit unterschreiben, aber selbst wir 3 schaffen das nicht alleine, sondern das ist ja wirklich über Jahrzehnte, auch bevor ich eingestiegen bin, von ganz vielen tollen Menschen gestaltet und aufgebaut worden, ne. Und wir arbeiten da einfach wirklich sehr vertrauensvoll zusammen, und wir haben einfach alle an einen Tisch gebracht, die das verantwortet haben. Also ob es jetzt Sales ist, ob es Course Management ist, ob es das akademische Team ist, weil jeder ist ja betroffen. Und dann haben wir halt, also das ist das Wichtigste, was bei uns in der Firma auch total verankert ist, wenn was schiefläuft oder wenn ein Problem auftaucht oder eine Krise, es interessiert niemanden, wie es jetzt dahin gekommen ist. Es bringt überhaupt nichts, darüber zu diskutieren, dass es blöd ist oder wir nicht schuld sind. Whatever, nobody cares. Es geht einfach nur um die Lösung. Wie machen wir jetzt weiter? Wie gucken wir nach vorne? Und das eint uns alle und das hat uns auch einen Halt gegeben dann. Und dass das dann so gut angenommen wurde, das— ich hätte es selber nicht geglaubt, dass man diese Erfahrung Sprachenlernen auf diesen Online-Raum verlegen kann, weil Sprachenlernen ist ja nicht nur das Grammatikalische. Dann kann ich auch eine Hör-CD mir anmachen. Also CD natürlich nicht, aber weißt schon, was ich meine. Aber was uns als Sprachschule mit dem Live-Teaching, also wirklich der Interaktion mit anderen Kursteilnehmenden und der Lehrkraft unterscheidet von zum Beispiel Sprachlern-Apps, ist, dass du ja in den Austausch gehst. Also du lernst ja was über die anderen Kulturen, und das funktioniert online auch. Du unterhältst dich ja, also du bekommst ja was mit, du lachst, du hast Spaß, du verstehst ein Wort nicht, weil der andere einen anderen Akzent hat als du. Das ist also, das funktioniert schon gut. Das Einzige, was eben fehlt, ist, dass du danach noch ins Museum und danach auf ein Bier gehst. Dazu musst du dann eben schon zu uns in die Sprachschule kommen.
- 27:47 Ronald M. Arndt
Wie viele Sprachen könnte man denn bei euch hier vor Ort erlernen?
- 27:52 Dr. Verena Jaeschke
Also wenn deine zeitliche und intellektuelle Kapazität das hergibt, eigentlich alle. Also die Klassiker bei uns sind natürlich ganz klar Deutsch und Englisch. Extrem stark sind auch Russisch und Japanisch und dann natürlich die ganzen Klassiker Spanisch, Italienisch, Französisch. Und man kann aber im Endeffekt, also man kann bei uns ja eigentlich wirklich jede Sprache lernen. Chinesisch, Arabisch.
- 28:18 Ronald M. Arndt
Hast du noch eine Sprache, die dich mal reizen würde?
- 28:21 Dr. Verena Jaeschke
Naja, was heißt, also ich spreche Englisch auf dem Papier, ein gutes Französisch. In Realität muss ich erst mal eine Woche da sein, bis das wieder wach wird. Ich verstehe ein bisschen Spanisch und ich habe ein Latinum. Darauf kann ich aber nichts sagen.
- 28:38 Ronald M. Arndt
Das brauchst du ja wieder für deine Altbauten.
- 28:40 Dr. Verena Jaeschke
Ja, genau.
- 28:41 Ronald M. Arndt
Wenn ich das noch mal anlehre, weil mir hier langweilig wird.
- 28:47 Dr. Verena Jaeschke
Vielleicht kann man hier noch was ausgraben. Was mich tatsächlich reizen würde, ist gar nicht jetzt noch eine neue Sprache zu lernen, sondern ich würde gerne einfach entweder Englisch oder irgendwelche englischen Spanisch oder Französisch einfach noch mal wirklich richtig gut machen.
- 29:04 Ronald M. Arndt
Geht mir auch so.
- 29:04 Dr. Verena Jaeschke
Ich habe eigentlich mehr Lust auf Spanisch, aber ich kann es eher nicht rollen. Das heißt, ich bin hoffnungsloser Fall. Ich bin der schlimmste deutsche Tourist, den man sich vorstellen kann. Immer so: Hola! Deshalb bin ich unentschieden, welche der beiden Sprachen ich jetzt angehen soll.
- 29:18 Ronald M. Arndt
Super.
- 29:19 Dr. Verena Jaeschke
Ich kann aber einfach wirklich nur sagen, also wenn man dieses Sprachenlernen, das ist ja, es geht ja nicht nur um die Sprache, es geht einfach wirklich um dieses Thema lebenslanges Lernen. Man kann ja auch—
- 29:30 Ronald M. Arndt
Das ist wie Sport, ne? Ja, also ich kann mal eine Zeit lang Tennis spielen, bis das Knie nicht mehr mitmacht, und dann gehe ich halt eher schnell laufen. Und ja, aber Sprache, solange der Kopf mitmacht, Kopfsport, das geht ja, wenn man sich da bemüht, ein bisschen bis ins hohe Alter.
- 29:47 Dr. Verena Jaeschke
Und Sprachtraining ist da einfach besonders geeignet und nützt dir halt auch direkt was jetzt zum im Verkauf oder so mit internationalen Partnern, oder klar, in unserer Industrie direkter Kundenkontakt. Aber mir geht es eigentlich so um das Thema Weiterbildung, Corporate Learning, lebenslanges Lernen als Individuum, Weiterentwicklung. Das ist so wichtig. Man darf das bei allem Alltagsstress auch nicht vergessen. Man kennt das so, man ist so in seinem Hamsterrad und hat gar keine Zeit für so was. Und wenn man dann aber mal sagt, so, ich mache jetzt eine Woche oder zwei Bildungsurlaub, und man nimmt sich die Zeit, man geht raus und macht diese Sprachreise zum Beispiel oder diesen Kurs, dann merkt man erst mal, wie viel einem diese Inspiration von außen wirklich bringt, dass man einfach mal so aus seinem Trott rauskommt. Und dann ist man auch wieder energiegeladener und auch einfach inspirierter für seine eigenen Themen und ist halt einfach besser. Und das finde ich, ist eigentlich—
- 30:36 Ronald M. Arndt
Was sind das dann eher Sprachreisen in kleineren Gruppen oder?
- 30:40 Dr. Verena Jaeschke
Das kann man machen, wie man will. Also ich finde, Sprachreisen ist perfekt für Alleinreisende. Also das ist, keine Ahnung, der Partner hat keine Zeit oder die Freunde sind verplant und man hat kein Problem damit, irgendwie alleine wohin zu gehen, man will was machen, aber man hat jetzt auch keinen Bock, jeden Abend alleine essen zu gehen. Und da ist eine Sprachreise wunderbar. Gehst vormittags zu deinem Kurs, lernst was, nachmittags kannst du Stadt, Strand, was auch immer man möchte, und man lernt einfach Leute kennen. Und wenn man Lust hat, findet man Anschluss.
- 31:07 Ronald M. Arndt
Cool, das tolle Bad, über 100 Jahre alt, haben wir schon angesprochen, ja, hier im Oderberger. Wir sitzen auf der Empore eures Restaurants. Es gibt ein Kaminzimmer, ja, es gibt ungefähr 70 Zimmer hier im Boutiquehotel, richtig, Turmsuiten habe ich gelesen, richtig. Vielleicht da noch mal so 3, 4 Sätze einfach zum Haus selbst, denn wir wollen ja hier im Hotel-Podcast auch wirklich auf tolle neue Hotels aufmerksam machen, ja.
- 31:35 Dr. Verena Jaeschke
Kann ich nur sagen, alle vorbeikommen, alle anschauen.
- 31:39 Ronald M. Arndt
Auch Nichtschwimmer?
- 31:41 Dr. Verena Jaeschke
Nichtschwimmer sind auch erlaubt und vor allen Dingen können sogar in den Pool, weil der ist nur 1,35 m tief. Das heißt, da kann man laufen. Und das Coole an dem Pool ist auch, dass er auch für Berliner und Berlinerinnen offen ist.
- 31:52 Ronald M. Arndt
Also das ist ja wirklich ein Ort der Begegnung.
- 31:54 Dr. Verena Jaeschke
Ja, interessant. Und das ist tatsächlich für mich zum Haus, du hast perfekt wiedergegeben.
- 31:58 Ronald M. Arndt
War das auch Voraussetzung?
- 31:59 Dr. Verena Jaeschke
Ja, ja, das war Voraussetzung. Das war tatsächlich Voraussetzung für den Kauf, öffentlich zugängliches Schwimmbad. Und für uns war das am Anfang, also unsere Bank hat gesagt, auf gar keinen Fall, Wasser verbrennt Geld, Schwimmbad, seid ihr wahnsinnig?
- 32:11 Ronald M. Arndt
Wir haben gesagt, nee, städtische Bäder machen eigentlich eher zu.
- 32:14 Dr. Verena Jaeschke
Klar, die brauchen Subventionen, weil das wirklich richtig teuer ist. Jeder, der einen Pool in seinem Hotelbetrieb hat, weiß das, was das bedeutet. Allein das Heizen, die Chemie, die Reinigung, die technische Wartung, personalintensiv, unheimlich anspruchsvoll und kaum wirtschaftlich zu betreiben im Endeffekt. Und deshalb haben wir uns diese im Endeffekt interne Quersubventionierung ausgedacht, dass wir den Pool transformieren können durch einen hydraulischen Hubboden, den wir hochfahren, in eine Eventlocation.
- 32:44 Ronald M. Arndt
Das Wasser bleibt drin?
- 32:45 Dr. Verena Jaeschke
Das Wasser bleibt drin. Das verschwindet sozusagen in einem Auffangbecken. Da ist ein zweiter Boden Also das bleibt, also nur der Boden fährt hoch im Endeffekt, das Wasser ist nachher unterm Boden. Genau. Und dadurch bleibt das Wasser sauber und warm und dann können wir eben Events machen, die durchaus aufwendig sind, und durch diese Events subventionieren wir den Schwimmbadbetrieb. Und am Anfang sind wir ganz oft gefragt worden, ja, warum macht ihr denn den Aufwand? Es lohnt sich nicht, dieses ganze denkmalgeschützte Gebäude ist auch irgendwie alles ja überhaupt nicht durchoptimiert. Und da haben wir gesagt, also erstens, wir lieben das Gebäude, weil wenn man hier ist, das hat einfach so einen Charme, man kann sich dem nicht entziehen. Und danke. Und das andere ist, wir merken jetzt in der Rückschau, wir haben vorhin gesprochen, dass ich Quereinsteiger in der Hotellerie bin. Ich bin da natürlich erst mal eingestiegen und habe mich schlau gemacht, war bei zig Konferenzen und habe mir ein Netzwerk aufgebaut, und da wurde immer dieses Thema Storytelling damals gespielt. Und dann, ihr müsst eine authentische Geschichte erzählen irgendwie, damit man auch in der Nachbarschaft ankommt. Das waren so die Key Points, die einem immer eingebläut wurden, wo ich dann gedacht habe, ja gut, okay, darum muss ich mir jetzt keine Sorgen machen, das haben wir. Und das merke ich auch, das ist ein total toller USP. Wir haben hier wirklich im Schwimmbad und in der Bar 2 Drittel Gäste aus dem Kiez, und das macht es für uns unsere Hotelgäste wiederum so schön, weil man möchte ja was mitbekommen von der Stadt. Man möchte das Gefühl haben, man ist nicht in irgendeiner 0815-Butze, sondern man ist wirklich ein Teil davon. Man kriegt irgendwie das Vibrieren mit. Und so ist es bei uns. Super.
- 34:23 Ronald M. Arndt
Ja, also das ist wirklich hier eine kleine Welt, die ich wirklich überhaupt nicht so erwartet habe. Ich hierher gekommen bin. Schwimmbad war das Erste, aber hier geht es ja gerade so weiter. Und das ist der ganze Campus, da hinten die Sprachschule, das Sprachzentrum, was noch dazugehört. Ich freue mich, euch im Auge zu behalten, mal wiederzukommen. Das nächste Mal mit Badehose, ganz, ganz klar. Oder mal zu einer Party abends, wenn der Pool, der Boden hochgefahren ist. Muss ich auch mal anschauen. Ich sag Bescheid. Ja, vielen, vielen Dank, Verena, für unser Gespräch hier im Hotel-Podcast. Und euch Powerfrauen und dem ganzen Team alles, alles Gute für die Zukunft.
- 35:05 Dr. Verena Jaeschke
Ich danke dir und danke, dass ich hier sein durfte.
- 35:07 Ronald M. Arndt
Danke dir.