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Germany · Episode #70 · 11.04.2023 · 58 Min

Hospitality Meister Coaching des Claus Jacobs Network

Michael Stich & Bernhard Wagner
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Standbild aus der Episode mit Michael Stich & Bernhard Wagner Germany58 Min

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„Ich glaube, Druck, den man empfindet, den macht man sich ausschließlich selbst. Ich habe nie Druck von außen empfunden.“

Michael Stich & Bernhard Wagner, 50:11

Michael Stich und Bernhard Wagner sprechen beim Claus Jacobs Network mit Ronald M. Arndt über Hotels auf Turnierreisen, Routinen im Wettkampf und den Weg zum Titel. Stich war 45 Wochen im Jahr unterwegs und mietete sich in Wimbledon ein Reihenhäuschen im Ort, Wagner kam dorthin zurück, wo er den Direktor persönlich kannte. Beide sagen, dass der persönliche Kontakt im Hotel durch Technik weniger geworden ist.

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Kernaussagen

  1. Leidenschaft vor Beruf: Stich beendete seine Karriere mit 28, auch weil sich das Verhältnis von Leidenschaft und Arbeit verschob. Er sagt, er habe Tennis nie gespielt, um Geld zu verdienen oder im Rampenlicht zu stehen.
  2. Routine und Gastgeber: Wagner war im Wettkampf die Routine am wichtigsten, dazu die persönliche Beziehung zum Direktor oder zu dem, der die Pension vermietete. Wo die stimmte, kam er im nächsten Jahr wieder, auch wenn er früh ausgeschieden war.
  3. Derselbe Japaner in Paris: Im Jahr seines French-Open-Finales ging Stich mit Freunden jeden Abend zum gleichen Japaner, an denselben Tisch, mit demselben Essen. Nach sieben Tagen wollte er wechseln, die Freunde blieben 14 Tage dabei.
  4. Kontakt wird technischer: Stich sagt, der persönliche Kontakt in der Hotellerie sei weniger und wesentlich technischer geworden. Über die Frage beim Einchecken, ob er eine gute Anreise hatte, rege er sich jedes Mal auf, weil sie das Gegenüber nicht interessiere.
  5. Druck kommt von innen: Stich hat nie Druck von außen empfunden, nur eine Erwartungshaltung. Gescheitert sei er immer an den eigenen, zu hoch gesteckten Erwartungen.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Gleich zwei Weltmeister stellen sich meinen Fragen. Geladen hat das Claus Jacobs Network.

Für Michael Stich dauerte das längste Match über fünf Stunden und ging verloren. Bernhard Wagner benötigte nur 25 Sekunden um den kürzesten Wettkampf seiner Karriere zu gewinnen.

Unterschiedlicher könnten die beiden Sportarten Tennis und Kickboxen nicht sein. Wie sind die beiden Siegertypen aber zu ihrer Wahl in bereits jungen Jahren gekommen?

Michael Stich war zu seiner Hochzeit ganze 45 Wochen im Jahr unterwegs. In London zog er dabei ein Reihenhaus am Stadtrand dem legendären The Savoy vor. In Paris fiel die Wahl Abend für Abend nicht nur auf das gleiche Japanische Restaurant, sondern auch auf denselben Tisch und gar dasselbe Essen. Kann man hier von Routine oder gar einer Marotte reden?

In Hotels vermissen beide heutzutage etwas den Kontakt zum Gastgeber. Vorbild könnte dabei laut Bernhard Wagner oftmals das klassische Kaffeehaus in seiner Geburtsstadt Wien sein.

Und hilft Humor, um das ein oder andere Tal durchzustehen oder ist eine gewisse Lockerheit niemals geraten? Am Ende geht es definitiv immer um den richtigen Fokus.

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Transkript öffnenTranskript schließen58 Min · Ronald M. Arndt und Michael Stich & Bernhard Wagner

Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:10
    Ronald M. Arndt

    So, jetzt kommt mein Mikrofontest. Ich weiß gar nicht, ob ich mehr Angst habe vor der Drohne oder vor dem Rauschen, was ja bei der falschen Bewegung noch kommen kann. Oder natürlich vor den Weltmeistern.

  2. 00:24
    Michael Stich

    Vor mir muss man nie Angst haben, bei Bernhard bin ich mir nicht so sicher bei der Sportart.

  3. 00:30
    Ronald M. Arndt

    Bei ihm bin ich mir auch noch nicht sicher, von daher. Ja, Michael, ich musste mich schon ein bisschen reinlesen, was du so gemacht hast in der Vergangenheit.

  4. 00:40
    Michael Stich

    Du bist auch zu jung, als dass du mich noch aktiv hättest sehen können.

  5. 00:43
    Ronald M. Arndt

    Ja, das, aber zu nennen sei natürlich Wimbledon, Olympia und auch Weltmeister. Du bist Weltmeister im Kickboxen, deswegen habe ich für dich heute noch ein bisschen Bisschen mehr Respekt. Und bevor wir die Runde schließen, natürlich die Frage: Gibt es hier unter euch auch noch einen Meister oder gar einen Weltmeister in irgendwas? Weil der darf dann natürlich dazukommen in die Meisterrunde. Kein Meister?

  6. 01:13
    Michael Stich

    Gut. Kann auch ein Kreismeister sein.

  7. 01:14
    Ronald M. Arndt

    Kreismeister. Muss kein Weltmeister sein.

  8. 01:16
    Michael Stich

    Dann wird es aber voll hier vorne.

  9. 01:19
    Ronald M. Arndt

    Oder Baumeister, ganz genau. Nein, also ich glaube, wir haben 45 Minuten so plus minus für unsere Talkrunde. Dann noch ein bisschen Nachspielzeit, um es sportlich mal zu bezeichnen, für die eine oder andere Frage und natürlich auch Fotos mit euch beiden zusammen. Da freue ich mich sehr drauf. 45 Minuten, starten wir los. Im Tennis ist es ja manchmal nicht ganz unüblich, dass man auch ein längeres Match hat als geplant. Was war bei dir so das längste Match in der Karriere, Michael?

  10. 01:47
    Michael Stich

    Das längste Match war—

  11. 01:50
    Ronald M. Arndt

    Wir haben auch nichts abgestimmt. Also er hat keinerlei Fragen wie beim Podcast vorab bekommen. Wenn er jetzt ein paar Minuten braucht.

  12. 01:55
    Michael Stich

    Genau, ich brauche aber keine paar Minuten.

  13. 01:57
    Ronald M. Arndt

    Gehört zum Konzept.

  14. 01:58
    Michael Stich

    Das längste Match war im Davis Cup gegen Österreich in Unterpremstetten, was mein schlimmster Davis Cup war, den ich jemals gespielt habe. Und da habe ich aber nicht, weil wir haben am Ende gewonnen, aber die Stimmung war schon, wie es zwischen Deutschland und Österreich manchmal dann halt so ist. Und da habe ich glaube ich 5 Stunden 28 Minuten gespielt und verloren. Das hat natürlich genervt.

  15. 02:20
    Ronald M. Arndt

    Ich wollte gerade noch fragen, hat es sich zumindest gelohnt? Aber wenn man so einen langen Weg geht und kämpft und am Ende halt verliert. Aber gehört auch dazu.

  16. 02:28
    Michael Stich

    Das ist der Sport.

  17. 02:29
    Ronald M. Arndt

    Es geht ja heute ein bisschen auch ums Gewinnen und da gehören eben auch manchmal Niederlagen dazu, wie wir alle ahnen. Bei dir frage ich nicht nach dem längsten Match, sondern nach dem kürzesten Kampf. Ist Kampf der richtige Begriff in der Sportart?

  18. 02:42
    Bernhard Wagner

    Wettkampf ist der richtige Begriff. Wettkampf? Ja, genau. Der kürzeste Kampf aller Zeiten war 25 Sekunden. Das muss man so sagen, 25 Sekunden. Man muss dazu sagen, in meiner Sportart ist es so, da geht es um Explosivkraft und der Kampf dauert nur 2 Minuten. Grundsätzlich dauert er nur 2 Minuten und da musst du bereit sein, da musst du da sein und präsent sein. Und wenn du vorzeitig gewinnst, wie gesagt, kürzest du es auf 25 Sekunden.

  19. 03:09
    Ronald M. Arndt

    Und den hast du gewonnen oder verloren?

  20. 03:10
    Bernhard Wagner

    Den habe ich in dem Fall gewonnen, also 1:0. Aber ich habe natürlich auch verloren, weil ich den jetzt im Kopf hatte.

  21. 03:16
    Ronald M. Arndt

    Am Ende seid ihr beide Weltmeister, aber der Punkt geht jetzt mal an dich. So, jetzt ist es ja die Herausforderung, so ein bisschen dieses Weltmeisterliche, Sportliche zusammenzubringen mit der Hospitality-Branche, in der wir uns ja hier großteils befinden und rumtreiben. Und da ist mir jetzt erstmal nichts Besseres eingefallen, als bei Google mal die Frage einzugeben, wie viel läuft man eigentlich als Kellner oder als Kellnerin an einem Tag? Was ist da so eure Annahme? Wie viele Kilometer? Das ist natürlich eine Zahl, die Google rausschmeißt, aber wird ungefähr passen. Also Google sagt 15 Kilometer. Bitte? Was meinst du, Klaus? Kilometer, wie viele Kilometer am Tag?

  22. 04:04
    Michael Stich

    Ja, es sind 15. Gut, die Spannbreite war jetzt auch sehr groß von 12 bis 16, also musste ja was dabei sein.

  23. 04:13
    Ronald M. Arndt

    Und dann sagt Google noch, also 15 Kilometer, das ist erst mal verdammt viel, Komma, man braucht gute Beine, viel Puste und robuste Schuhe. Also das wirft Google auf die Frage hinaus. Also was glaubt ihr denn jeweils? Was waren bei euch vielleicht schon als Kind, wann hast du angefangen mit dem Tennisspielen?

  24. 04:37
    Michael Stich

    5, 6.

  25. 04:38
    Ronald M. Arndt

    5, 6. Bei dir? Mit der Sportart, in der du nachher Weltmeister geworden bist, Kickboxen?

  26. 04:44
    Bernhard Wagner

    In der Sportart habe ich mit 13 begonnen, aber mit 6 habe ich Judo gemacht.

  27. 04:48
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  28. 04:48
    Bernhard Wagner

    Kampfsport mit Judo.

  29. 04:49
    Ronald M. Arndt

    Was auch nicht so weit weg ist, ne?

  30. 04:51
    Bernhard Wagner

    Genau, ist nicht so weit weg. Das eine ist asiatisch, Judo aus Japan, und das andere ist amerikanisch. Die USA haben Kickboxen erfunden.

  31. 05:00
    Ronald M. Arndt

    Gut, dann können wir eigentlich beim Judo bleiben. Was waren so damals so diese 3 Stärkenpunkte, wo du gedacht hast, das ist genau jetzt mal meine Sportart für das Alter?

  32. 05:11
    Bernhard Wagner

    Das ist eine sehr spannende Frage. Da merkt man gleich, dass wir es nicht abgestimmt haben.

  33. 05:16
    Ronald M. Arndt

    Ja, am Anfang auf jeden Fall.

  34. 05:18
    Bernhard Wagner

    Im Judo, ich wollte gar nicht so richtig. Also ich habe das gemacht, aber bis dann der Spaß kam und bis ich verstanden habe, dass ich darin gut bin, das hat eine Zeit lang gedauert. Also es war nicht so, wow, das ist jetzt meine Sportart und in der werde ich alt. Kampfsport.

  35. 05:34
    Ronald M. Arndt

    Und dann war das aber deine Physis, oder?

  36. 05:37
    Bernhard Wagner

    Nein, ich habe einfach gemerkt, dass ich da Talent habe, dass ich ein Auge habe. Ich muss sagen, in der Familie war das gegeben. Mein Vater hat Judo gemacht, mein Onkel hat den 6. Dan in Hartberg in der Oststeiermark in Österreich. Falls jemand kennt, sage ich das, Hartberg. Und genau, also es war praktisch familiär gegeben, und 6 Jahre war sehr früh. Der Start, und ich bin dann eben auch dabei geblieben, was glaube ich ein ganz wichtiger Punkt ist.

  37. 06:04
    Ronald M. Arndt

    Alles klar. Michael, bei dir, wie bist du?

  38. 06:06
    Michael Stich

    Ich glaube ähnlich. Bei mir war es so, dass ich das Jüngste von 3 Geschwistern bin, und irgendwann hat die ganze Familie Tennis gespielt, und man konnte den kleinen 5-Jährigen ja nicht alleine zu Hause lassen, also musste er mit. So bin ich am Ende zum Tennis gekommen, und die ersten Jahre war Schläger, Ball, Ballwand, und Die Eltern, Geschwister spielten und dann hieß es, da hinten ist eine Ballwand, die nächsten 2 Stunden, wir holen dich dann nachher wieder ab. Und das war mein erster Gegner, die erste Zeit war wirklich die Ballwand. Und so bin ich dazu gekommen. Und ich glaube, dass in allen Sportarten immer, oder in allen Dingen, die man mit Leidenschaft macht, merkt man, dass man eine gewisse Form von Talent hat. Es muss Spaß machen, also die Freude an dem, was man macht, muss einfach da sein. Und sich selbst immer wieder herauszufordern, also immer wieder auch Anreize von außen zu kriegen. Ich weiß, dass ich dann so als 8-Jähriger, da habe ich ja schon ein bisschen länger gespielt, Hast gedacht, die Wand reicht nicht mehr aus? Ja, da bin ich über die Anlage gegangen und habe jeden Erwachsenen, der mir über den Weg lief, gefragt, ob er mit mir spielen will. Und die sind mir irgendwann alle aus dem Weg gegangen, weil sie nicht mehr wollten, dass sie gefragt werden von mir. Ich war anscheinend anstrengend. Aber auch dieses Selbstbewusstsein zu haben und auch einfach diese Lust an dem Sport zu haben, ist glaube ich das alles Entscheidende. Und das kann man auf jeden Bereich übertragen. Wenn ich die— wenn man diese Leidenschaft nicht empfindet und nicht fühlt und auch nicht Lust hat, sich weiterzuentwickeln, dann ist ein Ende irgendwann absehbar, glaube ich.

  39. 07:26
    Ronald M. Arndt

    Beim Fußball ist es ja einfach, da kannst du vorm Haus auf der Straße spielen. Beim Tennis, wenn man da sagt, schon in jungen Jahren, das ist mein Ding, das will ich jetzt eigentlich minütlich spielen und immer. Musstest du da immer auf den Tennisplatz oder war das?

  40. 07:38
    Michael Stich

    Na ja, heute kannst du ja Fußball auch nicht mehr auf der Straße spielen oder in seltensten Fällen. Und es gibt wahrscheinlich kaum noch Kinder, die es noch machen, sagen wir mal so. Bei uns war das so.

  41. 07:46
    Ronald M. Arndt

    Es verlagert sich ja viel ins Digitale.

  42. 07:47
    Michael Stich

    Ich habe Fußball und Tennis gleichzeitig gespielt und Fußball auf der Straße. Wir haben dann auch einen Tennisplatz und 2 Stühle, eine Schnur gespannt, haben Tennis auf der Straße gespielt. Also wenn man will, kann man, aber natürlich ist der Club ja auch in allen Bereichen ein ganz wesentlicher Faktor, weil es natürlich ein Ort des sozialen Miteinanders ist. Also du wirst ja auch nur besser oder lernst über dich etwas selber kennen, wenn du mit anderen im Wettbewerb stehst, ob im Training oder in welcher Form auch immer. Nur das kann ja dein Regulativ sein. Wenn du das alles nur für dich alleine machst, dann glaube ich, wird man nicht besser. Aber man lernt auch kein Sozialverhalten, weil das ist im Sport ja das Wichtigste. Du hast es gesagt, du gewinnst mal schnell, du verlierst mal schnell. Du musst halt auch lernen, dass sowohl Sieg als auch Niederlage dazugehören.

  43. 08:33
    Ronald M. Arndt

    Viele, die später dann beruflich wirklich was geworden sind, ist ja immer Definitionssache, oder auch im Sport, die haben früh angefangen. Und wie du sagst, die sind dann dabei geblieben. Und wenn ich so auf meine, was hat er gesagt, 57 Podcast-Episoden zurückschaue, da war eben zuletzt der Herr Pawlitzki von Arabella Hospitality zu Gast. Und er, wie war denn das, hat eine Ausbildung gemacht im elterlichen Betrieb bei Stuttgart und ist dann nach London das erste Mal in ein Hotel, war da aber dann für die Nacht in erster Linie Nachtschicht und hat sich in der Nachtschicht, wo er da halt immer die Abrechnung vom Tag machen musste, mit Zahlen beschäftigt, ist darüber in die Welt der Zahlen gerutscht und heute ist er halt CEO von einem Konzern mit, glaube ich, 2000 Mitarbeitern. Aber in der Hotellerie, klar, haben auch viele andere Karrieren, Direktor früher vom Borlack. Da haben viele als Koch begonnen und sind dann später Direktor geworden. Ihr habt beide auch früh begonnen und irgendwann war die Woche dann wahrscheinlich stark gefüllt mit Tennis. Also auch schon als Kind. Wann ging es los, wo es ein bisschen mehr Tennis als Schule war?

  44. 09:39
    Michael Stich

    Ja, wenn du dann mal so Vereinsmeister wirst, Kreismeister, dann hast du Training. Dann hast du irgendwann, hast du, ich würde sagen mit 12, 13, hast du dann 5-mal die Woche Training. Wie war das bei dir, Bernhard? Wahrscheinlich ähnlich.

  45. 09:50
    Bernhard Wagner

    Ja, ähnlich, ähnlich. Also gut, so früh hat es bei mir nicht begonnen. Ich habe so mit 13 Kickboxen begonnen, wie schon erwähnt, und aber trotzdem, ja, mit 15, 16 waren das die 4-, 5-mal die Woche Training und am Wochenende natürlich immer ein Turnier irgendwo in Europa mit Anfahrtszeit zurück und so weiter. Also die Investition, ganz klar, so wie in jedem Sport, ist einfach hoch, und es geht eben nur mit 100% dann. Also wenn man was erreichen möchte, dann geht es mit 100%.

  46. 10:16
    Ronald M. Arndt

    Wenn man jetzt den Rückblick macht heute auf explizite Kindheit, die dann durch die beiden Sportarten jeweils geprägt war, gibt es da Momente, wo ihr sagt, oh, hätte ich doch lieber mehr Zeit gehabt, Kind zu sein oder andere Dinge zu machen? Oder sagt man, der spätere Erfolg, der überlagert alles und man blendet das dann schon wieder ein bisschen aus?

  47. 10:36
    Michael Stich

    Nein, da bin ich ganz, ich sage mal, relativ pragmatisch. Das ist ja das Leben. Also ich habe mir den Tennissport nicht quasi selber ausgesucht und gesagt, das ist jetzt mein Lebensweg. Aber ich möchte nicht eine Sekunde missen. Also es ist, ich habe eine tolle Kindheit gehabt. Ich glaube, wir, in meiner Kindheit kann ich froh sein, dass ich diese Art der Kindheit erleben durfte. Auch eine Mutter zu haben, die am Ende immer da war. Es war nicht dieses Nachmittagsschule und ich wurde wirklich noch geprägt von zu Hause und ich konnte meinen Sport machen, ich konnte die Schule machen. Ich habe zwei ältere Geschwister, die mich immer gefordert haben. Also Zu der Zeit fand ich meine Kindheit wahrscheinlich manchmal scheiße, oder das, was ich tun musste oder tun sollte. Aber im Rückblick bin ich meinem Vater und meiner Mutter unendlich dankbar für all das, was sie mir mitgegeben haben, wie sie mich geprägt haben. Und deswegen war die Tenniszeit, als ich dann entschieden habe, Tennisprofi zu werden, und dass meinen Eltern so versucht habe mitzuteilen, für meinen Vater, der klassischer Kaufmann ist, war das Tennis, Sportprofi ist kein Beruf, das macht man nicht, das machen irgendwelche Leute, aber Aber du mal nicht so. Aber Sie haben sich darauf eingelassen. Sie haben—

  48. 11:37
    Ronald M. Arndt

    wann war das dann, in welchem Alter, wo du gesagt hast, so, das wird jetzt mein Beruf?

  49. 11:40
    Michael Stich

    Da war ich mit der Schule fertig, oder war ich 19. Aber trotz allem ist der Beschützerinstinkt da. Natürlich möchten die Eltern, dass man seinen Lebensweg plant und auch irgendwann weiß, dass man abgesichert ist. Aber jetzt im Rückblick sagen Sie, das war okay?

  50. 11:55
    Ronald M. Arndt

    Ja, glaube ich auch. Waren bestimmt das ein oder andere Mal stolz, am Platz zu sein oder zumindest zu Hause vor der Mattscheibe. Und ich glaube, bei dir, Bernhard, du hast so einen Tischlerhintergrund noch, ne?

  51. 12:08
    Bernhard Wagner

    Ja, genau. Ja, ich bin Tischler.

  52. 12:10
    Ronald M. Arndt

    Das heißt, du bist da auch erst mal zweigleisig gefahren. Das hat ein bisschen gedauert, bis du gesagt hast, so, oder war das immer parallel? Ich weiß gar nicht.

  53. 12:18
    Bernhard Wagner

    Man muss da jetzt schon ein bisschen unterscheiden. Deswegen musste ich auch vorher lachen über die Frage, weil die trifft es stark auf den Punkt. Du hast gefragt, so was in der Art: ob du dir vorstellen hättest können, noch einen anderen Sport zu machen, oder zumindest habe ich so die Frage verstanden, oder ob es die richtige Sportart war. Und ich musste lachen, weil ich jetzt hier auf der Bühne sitze und ich muss, ich darf da ausholen. Es ist so, natürlich im Nachhinein, ja, habe ich mir oft gedacht, auch mit Kickboxkollegen, ja, sag mal, warum machst du Kickboxen? Hättest du Tennis gemacht oder Fußball oder Golf oder irgendwas? Dann hättest du wahrscheinlich mehr Geld verdient im Sport. Und wir haben uns natürlich auch die Frage gestellt, das heißt ja nicht, dass ich dann geworden wäre im Tennis oder in einer anderen Sportart, auf keinen Fall. Aber die Chance ist natürlich schon hoch, wenn du eine gewisse Ausdauer hast, wenn du Disziplin hast, wenn du ein gewisses Talent hast, dass du auch in anderen Sportarten erfolgreich sein könntest. So war es aber nicht, aber diese Gedanken waren da.

  54. 13:19
    Ronald M. Arndt

    Also du meinst, das Rezept, wenn du es mal verstanden hast, kannst du auch in anderen Sportarten Naja, jetzt nicht mehr.

  55. 13:24
    Bernhard Wagner

    In der Jugend, wenn man früh genug beginnt oder wenn die Eltern anders dahinter sind, dann gibt es vielleicht andere Möglichkeiten. Ich bin relativ meinen eigenen Weg gegangen und habe dann einfach erkannt, ja gut, ich habe eine Tischlerlehre absolviert, also ich bin Tischlergeselle und musste natürlich Geld verdienen, das ist ganz klar. Das heißt, ich bin nach der Arbeit um 16, 17 Uhr in das Studio gegangen und einfach trainiert und dann am Wochenende auf die Turniere und dann war die Woche rum und da war es voll dann. Die ganze Sache.

  56. 13:53
    Ronald M. Arndt

    Die aktive Sportkarriere, wann ging die bei euch zu Ende? Also in welchem Alter ungefähr?

  57. 13:57
    Michael Stich

    Bei mir mit 28.

  58. 14:00
    Bernhard Wagner

    Naja, ich will es umdrehen, 2001, bevor ich jetzt rechne. 2001 habe ich aufgehört.

  59. 14:06
    Ronald M. Arndt

    Da haben wir noch ein paar Minuten, um sein Alter noch kennenzulernen.

  60. 14:10
    Bernhard Wagner

    Nee, 23, 24.

  61. 14:11
    Ronald M. Arndt

    Mit 24 schon, okay. Und das ist aber dann schon ein harter Bruch, ne? Also 24, 28, auch kein Alter. Gibt ja Fußballspieler, die sind noch knapp 40.

  62. 14:20
    Bernhard Wagner

    28 überrascht mich jetzt wirklich, Michael, gerade. Das ist jung, hatte ich jetzt auch nicht gedacht.

  63. 14:25
    Ronald M. Arndt

    Geht dann, muss man wirklich so diesen aktiven Teil, dieses aktive Leben des Sportlers hinter sich lassen? Traut man dem hinterher noch?

  64. 14:34
    Michael Stich

    Das ist ja im Endeffekt ja genau das, was, also wenn ich nebenbei einen Beruf mache, gerade Sportler aus Sportarten, die sich finanziell halt nicht so gut stellen, wie es Tennisspieler tun, oder du hättest vielleicht Boxen machen sollen.

  65. 14:45
    Bernhard Wagner

    Boxen wäre noch vielleicht eine Möglichkeit gewesen.

  66. 14:47
    Michael Stich

    Aber das ist natürlich das Glück bei unserer Sportart. Sportler allgemein haben natürlich immer das Problem, dass sie am Ende, wenn sie nicht berufsbegleitend ihren Sport ausüben, am Ende des Tages wissen, wenn sie den Sport beenden, ihre Karriere als Profi beenden, am Ende keinerlei Ausbildung haben. So, es gibt natürlich dann heute die Möglichkeit, auch Sportmanagement an der Fernuni zu studieren. Ja, dann habe ich einen Schein. Ob ich deswegen wesentlich schlauer bin? Weiß ich jetzt ehrlicherweise nicht. Aber deswegen musst du— also für mich war das so, die Entscheidung zu treffen, ich höre auf mit meinem Tennissport, war getrieben einmal durch Verletzung bisschen, aber auch getrieben dadurch, dass sich irgendwann das Verhältnis verändert hat zwischen ich betreibe diesen Sport aus Spaß und aus Leidenschaft, und er ist zu 70% Leidenschaft, Spaß, und zu 30% Beruf. Und irgendwann kippt dieses Verhältnis. Und ich habe mir immer selber gesagt, wenn es mehr Arbeit wird als Leidenschaft, dann höre ich auf mit Tennis, weil das nie der Grund war. Ich habe das nie gemacht, weil ich damit Geld verdienen wollte, weil ich im Rampenlicht stehen wollte. Ich habe das immer gemacht, weil ich das Beste aus mir herausholen wollte und gewisse Erfolge erzielen wollte, die ich mir gesetzt habe. Und irgendwann kam dieser Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe, auch jetzt wieder nach Tokio, jetzt wieder nach Palm Springs, jetzt wieder nach Miami, das war es dann nicht mehr. Man muss sich vorstellen, man ist im Jahr halt 45 Wochen im Jahr, ist man on the road, also man reist wirklich fast nur die ganze Zeit. Und Reisen heißt ja noch, wir sind dann ja auch nun weg von zu Hause, also auch nicht, du bist 3 Tage weg und bist immer 3 Tage da. Und das war dann der Zeitpunkt. Und ich glaube, man muss eine Sache beenden, um auch wieder neu für etwas anderes zu sein. Ich glaube, diesen Übergang so zu versuchen, wie es viele versuchen, so fließend, ich plane erstmal die Zukunft, bevor ich das andere dann aus Sicherheitsgründen abschließe, Das hat bei mir nie funktioniert, bis heute nicht. Und deswegen muss man dieses Sportlerleben auch hinter sich lassen.

  67. 16:38
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, deine Stiftung, die hast du schon mit 25, 26.

  68. 16:41
    Michael Stich

    Die habe ich während der aktiven Zeit gegründet. Das war, um was zurückzugeben, um auch soziale Verantwortung wahrzunehmen, da schon so ein bisschen zu wissen, wenn ich mal aufhöre, habe ich auf jeden Fall was, was mir Freude macht, mit dem ich mich beschäftigen kann. Aber generell ist dieses Wissen um den Sport, und bei dir war es ja noch viel früher, Bernhard, zu sagen Ich weiß, es ist irgendwann vorbei, es geht aus gewissen Gründen nicht mehr, und dann weiß man, ist der größte Teil des Lebens steht noch vor einem, und das muss man umsetzen mental.

  69. 17:07
    Bernhard Wagner

    Ja, es war harte Entscheidung. Also ich greife jetzt den Ball schon mal auf, für mich damals, ja, so mit 24 zu sagen, okay, aber ich musste mich entscheiden eben. Ich war selbstständig, ich habe mich mit 20 dann selbstständig gemacht im Strukturvertrieb, Versicherungsvermittler in Wien, ganz normal, ganz klassisch. Von der Picke auf den Verkauf gelernt und dann eben Führungskraft geworden, relativ schnell, und eben Leute geführt und aufgebaut. Und das schaffst du nur in der Selbstständigkeit. Und Selbstständigkeit damals in jungen Jahren, da habe ich meine 60, 70 Stunden in der Woche gearbeitet. Und dann noch auf dem Niveau zu bleiben als Weltmeister, wo du genau weißt, jedes Mal kommst du zur Gier, jeder will dich schlagen, da irgendwann hast du den Piss vielleicht dann nicht mehr. Und da habe ich gesagt, okay, nein, Reißleine ziehen. 100% Konzentration.

  70. 17:52
    Ronald M. Arndt

    Bevor du zu viel kassierst, dann lieber aufhören. Letztes Jahr im März war ich auf so einer kleinen Podcast-Tour durch die Schweiz und eine Station war in Spiez. Und da habe ich das erste Mal von dem Geist von Spiez gehört. Weiß jemand von euch, was das war? Der Geist von Spiez? Da haben wohl die Weltmeisterjungs von 1954 irgendwie am Thunersee sich aufgehalten im Hotel und sind ja danach in Wankdorf das erste Mal Weltmeister geworden. Da habe ich überlegt, aha, irgendwas so Ähnliches habe ich schon mal gehört. Dann erinnere ich mich an Urlaub in Schleswig-Holstein, in Malente. Da hat meine Mutter gesagt, da ist die Fußballnationalmannschaft immer. Das war wohl so 1990 rum. Und da habe ich gedacht, schon mal gehört. Und dann war das jetzt zuletzt dieser Campo Bahia in Brasilien, wo 2014 die Fußballer Weltmeister geworden sind. Ich glaube, der auch mit Hirmer wiederum irgendwas zu tun hatte. Ich glaube, der hat es dann nachher gekauft. Gab es für euch irgendwie so ein Hotel, wo ihr sagt, da habe ich jetzt eine besonders gute Assoziation hin, oder da habe ich mich so wohlgefühlt, dass es am Ende seinen Beitrag dazu geleistet hat, dass ich sportlich auch erfolgreich war?

  71. 19:03
    Michael Stich

    Das war jetzt nochmal ein langer Umweg zu der Frage.

  72. 19:05
    Ronald M. Arndt

    Na ja, ich muss mich ja auch ein bisschen einbringen.

  73. 19:06
    Michael Stich

    Ich bin noch bei den Schweizern, '54 irgendwie so.

  74. 19:09
    Ronald M. Arndt

    Das war ja dann deine Zeit.

  75. 19:10
    Michael Stich

    Genau, danke.

  76. 19:12
    Ronald M. Arndt

    Was hast du vom Hotel?

  77. 19:13
    Michael Stich

    Du hast natürlich recht. Zumal sind wir als Einzelsportler natürlich—

  78. 19:17
    Ronald M. Arndt

    Ich spiele immer nur Fußball. Siehst du, wie schlecht ich informiert bin?

  79. 19:21
    Michael Stich

    Einzelsportler ja schon sehr mit uns. Du hast natürlich einen Trainer. Wahrscheinlich bei uns war es ein kleines Team, bei dir vermutlich auch mal. Aber du hast so ein kleines Team. Aber du hast natürlich nicht wie bei so einer Fußballmannschaft jetzt noch das große Team, was auch drumherum ist. Also mit Organisation und allem Drum und Dran. Von daher war das Hotel immer wahnsinnig wichtig. Dieser Wohlfühlfaktor. Faktor eine große Rolle gespielt. Wir konnten uns das natürlich bei den meisten Turnieren nicht aussuchen, weil die meisten Turniere auch heute auf der Tour noch am Ende ja das Hotel den Spielern stellen. Also das wird bezahlt, aber dafür gibt es auch ganz klar gesagt, welches Hotel du benutzen musst, so, weil es dann da wieder Werbevereinbarungen und was auch immer gibt. Das Einzige war halt immer bei den Grand Slams, wo man sich halt selber seinen Wohnort aussuchen kann, und das war halt in Wimbledon, von man mietet sich in dem Ort selber ein kleines Häuschen, ein Reihenhäuschen oder ein Apartment, bis hin zu New York. Du bist irgendwo in Manhattan und bist in irgendeinem Riesenkasten.

  80. 20:16
    Ronald M. Arndt

    So, also ich habe hier vorher jemanden kennengelernt, die Valentina, die meinte, sie hätte dich 1986 im Hotel Savoy in London gesehen und getroffen. Kann das sein?

  81. 20:24
    Michael Stich

    Das ist relativ unwahrscheinlich.

  82. 20:26
    Ronald M. Arndt

    Unwahrscheinlich. So gut, falsche, falsche, falsche. Aber die waren noch nicht so eng.

  83. 20:35
    Michael Stich

    1986 war ich in London noch nicht unterwegs.

  84. 20:39
    Ronald M. Arndt

    Also von daher, okay, okay, na ja gut.

  85. 20:41
    Michael Stich

    Aber ehrlicherweise würde ich in das Hotel auch nicht gehen. Savoy Hotel ist ein tolles Hotel, da gibt es den Abschlussball, der quasi das Champions Dinner am Ende des Turniers immer. Aber zum Wohnen würde ich da nicht hingehen.

  86. 20:52
    Ronald M. Arndt

    Die einen sind halt im Savoy, die anderen im Rheinhaus irgendwo in den Suburbs von London.

  87. 20:57
    Michael Stich

    Jeden zählen die aber das auf deine charakterlichen Unterschiede. Nee, damit hat das gar nichts zu tun, sondern jedem das, was ihn am wohlsten fühlen lässt, damit du deine optimale Leistung abrufen kannst. Darauf zielte ja die Frage ab.

  88. 21:08
    Ronald M. Arndt

    Genau.

  89. 21:08
    Michael Stich

    Also ist der Ort, wo du dich aufhältst, schon sehr wichtig.

  90. 21:15
    Bernhard Wagner

    Für mich, ich erinnere mich zurück, und zwar mir war das Wichtigste die Routine. Also es gibt viele Sportarten, verschiedene Sportarten, denen Routine sehr, sehr wichtig ist. Es gibt aber auch welche, Sicherlich, mir fällt gerade jemand ein, ist der Marko Naftović, aber das ist ein Fußballer in Österreich, das hat jetzt mit Deutschland wieder nichts zu tun. Der ist recht cool und locker, ich glaube, dem ist Routine jetzt nicht so wichtig. So, bei mir war Routine wichtig und mir war die persönliche Beziehung zu dem Direktor oder letztendlich der, die Pension vermietet hat oder Ähnliches, entscheidend. Also wenn ich da eine Beziehung aufgebaut habe in irgendeiner Form und wenn es nur Freundlichkeit war, dann bin ich dort sicherlich wieder im nächsten Jahr dort gewesen, ja, regelmäßig in Prag zum Beispiel.

  91. 22:00
    Michael Stich

    Aber auch wenn du in dem Wettkampf, selbst wenn du dich wohlgefühlt hast, dann in einer der ersten Runden ausgeschieden bist, hast du da nie eine Beziehung hergestellt zwischen die Routine dann wieder unterbrechen?

  92. 22:11
    Bernhard Wagner

    Nein, interessant, die Frage hat mir wirklich noch niemand gestellt. Nein, ich bin dann wirklich wieder in dieses, wenn ich mich dort wohlgefühlt habe und eine gute Beziehung gehabt habe mit dem Haus, mit dem Haus, mit dem Direktor letztendlich, Dann war alles gut.

  93. 22:27
    Ronald M. Arndt

    Was hast du da so neben der Routine, sage ich mal, für wichtig gehalten, um eine gute Basis einfach zu haben? Konntest du dir nicht immer aussuchen, aber—

  94. 22:35
    Michael Stich

    Nein, aber wie gesagt, Paris kann man sich aussuchen. Und wo du sagst Routine, ich habe in Paris immer in der Stadt gewohnt, auch dann eher mal in so einem Grand Hotel und wollte dann irgendwann den Rhythmus mal brechen und habe gesagt, jetzt gehst du mal nach Versailles raus und da gibt es ein tolles Hotel, Schlosshotel Versailles, wie auch immer. Habe gedacht, komm mal schön ruhig, bist da draußen. Und gehe die erste Nacht ins Bett und plötzlich ist da ein Lärm, eine Musik, eine Party und ich habe gedacht, ich bin im falschen Film. Und dann habe ich unten Rezeption angerufen und haben gesagt, ja, ja, hier heiratet irgendwie jetzt die nächsten 4 Tage ein Scheich aus irgendeinem Staat dort, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und da kamen dann irgendwelche großartigen Künstler, die dann Live-Konzerte gegeben hatten und das wäre jetzt die nächsten 4 Nächte so. Da bin ich dann ganz schnell wieder ausgezogen, bin dann wieder in mein altes Hotel zurückgegangen. Aber also auch Wechseln ist manchmal nicht gut. Und in Paris habe ich es wiederum auch erlebt, wo du sagst Routine. Restaurant ist ja auch so ein Thema, wo du gerne isst, wo du dich wohlfühlst. Und in dem Jahr '96, wo ich in Paris French Open das Finale gespielt habe, waren Freunde aus Monte Carlo da, die mich besucht haben, Freunde aus Amerika, die da waren. Und das lief so unerwartet sehr, sehr gut. Und wir sind wirklich jeden Abend zum gleichen Japaner gegangen, haben an dem gleichen Tisch gesessen und haben das gleiche Essen gegessen.

  95. 23:52
    unklar

    Okay.

  96. 23:52
    Michael Stich

    Und das die ersten 7 Tage, bis ich dann nach dem 7. Tag zu meinen Freunden gesagt habe, ich muss heute mal woanders hingehen, ich muss was anderes sehen. Die zu mir sagten, das kannst du gerne machen, wir gehen da wieder hin und machen die gleiche Routine, weil das bringt uns Glück. Am Ende sind die— ich habe es ins Finale geschafft— die sind 14 Tage lang jeden Abend wirklich an den gleichen Ort mit gleichem Essen, was auch immer. Also werden den Laden schon was kaufen können. Und das ist dann aber auch wieder Routine, das Wohlfühlen, dass das bisschen Aberglaube, will ich gar nicht absprechen, kommt da vielleicht dann irgendwann auch mit rein. Aber am Ende des Tages geht es um, wie du sagst, um die Menschen, um Orte, wo man einfach sagt, ich fühle mich wohl und das trägt zu meinem, zu meiner Leistung bei.

  97. 24:35
    Ronald M. Arndt

    Du hast jetzt gesagt, der Gastgeber war dir wichtig, dass du dich da zu Hause gefühlt hast. Ich denke mal, die Kommunikation mit den Lieben zu Hause war ja War es ja damals definitiv schwerer als heute.

  98. 24:46
    Bernhard Wagner

    Wie meinst du das jetzt?

  99. 24:47
    Ronald M. Arndt

    Na ja, also weiß ich nicht, was du damals hattest. Freundin oder die Mama.

  100. 24:50
    Bernhard Wagner

    Ah ja, das verstehe ich.

  101. 24:52
    Ronald M. Arndt

    Oder Freunde oder einen anderen Mentor. Der Coach wird ja dabei gewesen sein oder in der Nähe.

  102. 24:58
    Bernhard Wagner

    Also der Coach war dabei. Also das haben wir immer gemeinsam gemacht. Und es war ja ein Trainingspartner dabei, ein Sparringspartner. Der war sehr wichtig. Das war der Günther. Und der war schon Weltklasse. Weltmeister vor mir, also in seiner Gewichtsklasse, ungefähr so in deiner, also so groß wie du, und einfach, ja, gibt es mehrere Gewichtsklassen, gibt es 3, 4, 7 Gewichtsklassen gibt es, und dass er war, der Günther war +91, also schwerste Gewichtsklasse, Gewicht, nicht nach Größe, oder nach Gewicht, immer nach Gewicht. Das ist auch ein wichtiges Thema, Gewicht, das war, hat mich natürlich auch jahrelang begleitet. Du musst dann immer am Freitag vorher zur Abwaage, also am Samstag ist das Turnier in Prag oder irgendwo in Deutschland oder egal wo, Slowenien, überall, Frankreich, so, und am Freitag reist du an und am Freitagabend ist die Abwaage. Jetzt hast du natürlich geschaut, okay, ich habe damals 75 Kilo gehabt, und dass du drunter bist, du musstest drunter sein, 74,9, stellst dich dorthin mit der Unterhose und wirst abgewogen. Und du, ich habe es dann aber so gehabt, weil ich natürlich gern gegessen habe, am Freitag durfte ich nichts essen. Bin ich oft da ohne Wasser, ohne was, war nicht schlau, sollte man nicht machen, machen aber trotzdem viele, um eben die 74,9,5 zu haben. Und danach, nach der Abwaage, wurde natürlich gegessen, ganz klar. Aber ich glaube, ich habe jetzt da nicht ganz die Frage beantwortet, kann nicht sein.

  103. 26:25
    Ronald M. Arndt

    Mir ging es einfach, wenn man so da weltweit alleine unterwegs ist, Trainingspartner hast, okay, ein Coach auch. Aber manchmal hat man ja auch einfach noch mal andere Bezugspersonen im Leben, die einen unterstützen.

  104. 26:36
    Michael Stich

    Du willst wissen, ob wir mit unseren Freunden telefoniert haben?

  105. 26:39
    Ronald M. Arndt

    Ich wollte einfach wissen, wie sah es da bei euch damals aus?

  106. 26:41
    Michael Stich

    Genau. Nein, also man muss ja sagen, damals war es ja wirklich nur so, dass wir—

  107. 26:44
    Ronald M. Arndt

    Kurzum die Frage: Dieser Kontakt zum Gastgeber oder zu anderen Mitarbeitern im Hotel, haben sich da Freundschaften mal entwickelt, die man auch ein Jahr drauf wieder gesehen hat beim Turnier? Weil ich turniere ja auch in Paris.

  108. 26:56
    Michael Stich

    Also ich kann zum Beispiel sagen, in Wien, das Turnier in der Stadthalle, der Leo Huemer war damals zu meiner Zeit Turnierdirektor, und den habe ich wahnsinnig geschätzt und als Mensch gemocht. Und das war auch so ein bisschen wie so ein, in Lebensfragen war so ein Mentor. Also das war einfach eine extreme Vertrauensperson. In Hotels muss ich ehrlicherweise sagen, selten Dafür, wenn ich überlege, dass ich im Jahr 25 Turniere gespielt habe und ich war in 25 unterschiedlichen Hotels. Also die Nummer des Hoteldirektors habe ich nicht abgespeichert. Zumal man ja auch von damals was sagen muss. Also Kommunikation war eine ganz andere. Also damals hat man aus dem Hotel raus telefoniert, auch mit zu Hause. Da war es dann kurz halten, weil die Minute kostete irgendwie 1 D-Mark oder das war so unfassbar teuer. Dann wurden noch, am Anfang gab es noch Telegramme, dann gab es Faxe und alles andere war nicht möglich, ehrlicherweise. Das heißt, man war auch mehr auf sich alleine gestellt im Vergleich zu der heutigen Zeit. Da kann ich ja egal wie mit jedem kommunizieren, mit wem ich will. Das war damals schon anders. Ich glaube, es war damals besser, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich möchte das in der heutigen Zeit nicht unbedingt erleben, als Sportler auch nicht. Du bist da schon sehr viel ausgesetzt, aber—

  109. 28:09
    Ronald M. Arndt

    Also was so die Ablenkung angeht, oder?

  110. 28:11
    Michael Stich

    Nein, einfach die Möglichkeit. Du musst dich ja, das ist ja auch, und das ist im Job ja nichts anderes. Ich meine, früher hat man bei wichtigen Dingen miteinander kommuniziert, hat sich getroffen, vielleicht miteinander telefoniert. Heute kann ich alles loswerden, indem ich eine Mail schicke, eine WhatsApp schicke oder was auch immer schicke und bin es erstmal los. Und das ist bei uns Sport natürlich auch so. Ich muss ja auch nie Sieg, Niederlage, welcher Form auch immer, mich mit mir selbst mal auseinandersetzen, mit mir selbst beschäftigen und nicht sofort zum Handy greifen. Wem auch immer eine WhatsApp schicken und sagen, du, mir geht's gerade beschissen, können wir mal sprechen?

  111. 28:41
    unklar

    Nee.

  112. 28:41
    Ronald M. Arndt

    Oder mehrere schicken, gucken, wer sich als Erstes zurückmeldet.

  113. 28:43
    Michael Stich

    Aber ich muss es halt auch mal aushalten können. Das ist glaube ich in der heutigen Zeit, oder ich muss es direkt posten auf Instagram oder TikTok oder wo auch immer. So, also das hat sich schon sehr verändert. Die Generation heute wächst damit auf, die kennen es nicht anders. Aber ich bin schon dankbar, dass ich so nicht erleben musste. Und auch Beziehungen, die man auch auf der Tour geknüpft hat, auch auf den Reisen vielleicht, die gefühlt doch auch heute noch nachhaltiger sind, weil sie damals beständiger waren, weil man mehr Aufwand irgendwie betreiben musste, so um sie zu erhalten.

  114. 29:13
    Ronald M. Arndt

    Muss ich gerade dran denken. Denis Aogo, der beim VfB gespielt hat, war mein Nachbar in Stuttgart bis vor 2, 3 Jahren. Und ohne dass ich groß mit ihm gesprochen habe, wusste ich immer ganz genau, was sich bei ihm gerade in der Familie tut, im Wohnzimmer, in der Küche oder im Fitnessstudio der Frau, weil halt alles auf Instagram mitzuverfolgen war. Aber es ist ja ein Du. So, jetzt hast du es schon gesagt, Dinge haben sich geändert. Das Raustelefonieren damals war extremst teuer. Um nochmal auf die Hotellerie zurückzukommen, auf das, ja, unser Hauptthema eigentlich. Wie haben sich Hotels für euch, Hotelzimmer, Aufenthalte über die Zeit so verändert? Wir haben natürlich das ganze Thema Digitalisierung, gerade so im Bereich Frühstück, Restaurants. War das früher ganz anders, oder wie hat sich verändert?

  115. 30:03
    Bernhard Wagner

    Ich glaube, das kennt jeder. Also praktisch WLAN ist überall da, das war eben früher nicht. Für mich war es auch sympathischer, wie es damals, wo ich für mich selber sein konnte. Wir reden jetzt vom Sport, und Sport, alles was mich abgelenkt hat, habe ich vermieden. Das war für mich wichtig, da habe ich mir meinen Rahmen gesetzt. Und heutzutage bist du eben erreichbar und muss erreichbar sein, ein Stück weit. Also von daher, das hat sich stark verändert. Ansonsten, ich würde jetzt gar nicht so viele Unterschiede sehen, außer dass alles moderner geworden ist. Ja, wenn du mich jetzt ganz konkret fragst, es ist moderner geworden, es ist schöner, angenehmer geworden, und ich suche mir halt ganz gezielt, aber ich wiederhole mich da nur, meine eigenen Häuser aus, wo ich hingehe. Das ist schon ganz klar. Dort, wo ich sofort das Gefühl habe, ja, da bin ich nur eine Nummer, Da gehe ich auch genau am gleichen, zum gleichen Zeitpunkt wieder. Wenn ich aber weiß, okay, da wirst du ja gern gesehen, da wirst du gegrüßt, da ist es wichtig. Dienstleistung ist für mich und Qualität an erster Stelle, also ganz wichtig.

  116. 31:09
    Michael Stich

    Also ich muss sagen, ich finde, es hat sich schon verändert durch die Technisierung. Ist natürlich ein persönlicher Kontakt mit Menschen in der Hotellerie weniger gefühlt, und wenn, ist er wesentlich technischer, was nicht unbedingt besser ist. So, was geblieben ist, ist die klassische Frage beim Einchecken: Hatten Sie eine gute Anreise? Über die kann ich mich jedes Mal aufregen, weil ich weiß, dem Gegenüber interessiert es überhaupt nicht, ob ich eine gute Anreise hatte. Aber es wird erstmal das Eis gebrochen, sozusagen, ob man es denn hatte.

  117. 31:38
    Ronald M. Arndt

    Und was würdest du fragen als Hotelier?

  118. 31:40
    Michael Stich

    Weiß ich nicht, ich bin kein Hotelier.

  119. 31:43
    Ronald M. Arndt

    Aber nie vom Hotel geträumt? Vielleicht?

  120. 31:45
    Michael Stich

    Gottes Willen. Also nicht Gottes Willen, weil schlecht, sondern Gottes Willen. Ich glaube, das ist wahnsinnig komplex. Ich glaube, man muss unglaublich empathisch sein, um ein Hotel zu führen, weil man mit unterschiedlichsten Menschencharakteren zusammenarbeitet, die man aber alle auf ein Ziel einschwören muss, nämlich am Ende den Gast so zu betreuen, dass er sich wohlfühlt und mit einem Lächeln geht und auch gerne wiederkommt. Eigentlich das, was du beschreibst. Und ich glaube, das ist genau das, was viele Hotels schaffen, das steht außer Frage. Aber was in manchen Bereichen, oder wo sich auch die Qualität unterscheidet, und da meine ich nicht nach Sterne, sondern das Menschliche, das Miteinander, das Kommunikative in den Hotels ist schon ein wesentlicher Faktor. Auch Freundlichkeit ist ein wesentlicher Faktor. Wir sind alle mal schlecht drauf, aber in Hotellerie oder auch in der Gastronomie kann ich mir das Schlechtdraufsein nicht am Gast auslassen, irgendjemand anders auslassen. Mir ist es manchmal, wenn ich dann vor der Klimaanlage stehe und überlege, wie kann ich sie jetzt runterstellen, und ich muss den Concierge anrufen, um mir das erklären zu lassen, dann wünsche ich mir manchmal den alten Heizregler zurück, so ungefähr. Nein, natürlich nicht, aber ich finde, die Technologisierung ist schon weit. Nachhaltigkeit ist großartig, das ist ja ein ganz großes Thema auch in der Hotellerie, in der Hospitality, und das finde ich bewundernswert, wie viele Unternehmen darauf wirklich einsteigen und das auch aktiv umsetzen. Das finde ich wirklich sehr beeindruckend.

  121. 33:07
    Ronald M. Arndt

    Carsten Rath, hier der Oberhotelkritiker, hatte letztens mal eine Kolumne im Handelsblatt, wo er im Westin in Hamburg war, hat irgendwie ein Problem gehabt mit der Technik, hatte angerufen an der Rezeption. Es kam aber nicht in Hamburg an der Rezeption raus, sondern in München im Westin. Bis die das mal verstanden hatten, dass die in München nicht den Rath da oben irgendwo drin haben. Das, okay. Anderer toller Hotelier, Ignaz Blodinger, da war ich auch diese Woche. Der lebt natürlich nicht mehr, aber das ist der Gründer von den Fleming Hotels in Frankfurt. Der hatte früher mal den Ian Fleming, den James-Bond-Gründervater, hinten auf dem Rücksitz, also Taxi gefahren nach New York. Und die haben sich zusammen unterhalten über das ideale Hotel. Also jetzt haben wir schon, wir nähern uns ja so ein bisschen dem idealen Hotel. Was ist für euch das ideale Hotel? Gibt es da noch was? Wo ihr gesagt habt, das habe ich noch nicht gesehen, aber das habe ich mir immer gewünscht. Würde ich jetzt ein Hotel gründen wollen, dann genau das.

  122. 34:04
    Michael Stich

    Ja, die Frage habe ich mir noch nie gestellt, ob ich ein Hotel gründen wollte.

  123. 34:08
    Bernhard Wagner

    Aber ein anderes Beispiel vielleicht.

  124. 34:10
    Ronald M. Arndt

    Ich meine, wer 45 Wochen im Jahr unterwegs ist, wie der Michael und du auch eine Menge, hat den Überblick.

  125. 34:17
    Bernhard Wagner

    Ein anderes Beispiel: Ich war vor ein paar Monaten in Wien, in meiner Heimatstadt, und ich genieße es, ins Kaffeehaus zu gehen. In Wien. Ich finde es einzigartig, weil es ist anders. Das war beim Domeyer in Hietzing, und da bin ich reingegangen und da gab es Kellner. Und ich meine nicht jetzt irgendeinen Kellner, sondern es gab einen Kellner. Und so, das meine ich, das brauche ich und das schätze ich. Heißt im Sinne von, der hat gefragt sofort, der hat mir erstmal die Jacke abgenommen. Dann hat er uns bedient, dann hat er immer einen Blick gehabt. Ich habe gesagt, ich will einen Kaffee und Orangensaft. Prompt, in 2 Minuten, so was habe ich schon lange nicht mehr erlebt, war der am Tisch. Und dann aber auch noch freundlich. Und das Haus war voll, also war nicht so, dass man sagt, okay, ich sitze da alleine, sie hat ja nichts zu tun, sondern das Haus war voll. Aber der hat genau gewusst, was ich will und was ich brauche, und war zuvorkommend. Und hat aber auch mir trotzdem Distanz gelassen, war auf Distanz. Und das ist spannend, diese Mischung braucht es in der Dienstleistung. Einerseits Distanz, respektvoll sein und trotzdem zuvorkommend. Das fand ich spannend, das war unglaublich. Und das war Erlebnis vor 2 Monaten, eben im Dezember war ich da, und das hat mir so viel Freude gemacht. War mit meiner Partnerin dort und wir konnten es wirklich genießen, einfach Kaffee trinken.

  126. 35:41
    Ronald M. Arndt

    Naja, ich habe auch Wiener Wurzeln. Meine Großtante kommt aus Wien, nicht wahr? Ganze halbe Kindheit in Kaffeehäusern unterwegs.

  127. 35:48
    Michael Stich

    Ich war nur ehrlicherweise ein bisschen überrascht, als du gesagt hast, Dienstleistungssuche verstehe ich, aber dass die auch noch freundlich waren, das hat mich ehrlicherweise echt überrascht. Das habe ich selten erlebt. Schon gar nicht im Kaffeehaus, wenn es sehr trubelig war. Also da, wirklich. Also das für mich das perfekte Hotel ist eigentlich, man hat ja viel gesehen, jetzt gibt es die modernen Designhotels. Ich Ich mag Grand Hotels aber auch nicht, wenn sie— also London tue ich mich zum Beispiel schwerer damit, weil da ist die Zeit gefühlt noch mal länger stehen geblieben irgendwo. Eines meiner Lieblingshotels ist das Plaza Athénée in Paris, aber es gibt bei jedem Hotel irgendwas, was einem nicht gefällt. Und da würde ich mir dann manchmal wünschen, dass die Zimmer ein Tickchen moderner wären. Und die haben zum Beispiel ein Tool, die Dinge werde ich nie verstehen, da kommst du ins Zimmer rein, tolle Zimmer, alles schön, toller Service, wirklich tolles Hotel, Dann hängt an der Wand aber eine Uhr in einer Höhe, wo du nicht rankommst, und die wird mit Batterie betrieben. Und das ist eine Uhr, wo jede Sekunde tickt.

  128. 36:43
    Bernhard Wagner

    Um Gottes Willen!

  129. 36:44
    Michael Stich

    Nicht laut, aber du hörst es. Und wir sind da jetzt sehr oft gewesen mit meiner Frau, und es ist mittlerweile so, mein erster Gang ist Stuhl nehmen, an die Wand stellen, hochgehen. Stimmt gar nicht, die hat keine Batterie, die hat Strom. Und ich muss dann wirklich die Strom- Kabel von der Uhr trennen, damit dieses Ticken nicht ist. Und ich habe es glaube ich schon 10-mal angemerkt, aber man schafft es nicht, dass diese Uhren da nicht mehr sind. Also da ist dann bei mir so, wo man sagt, so ja, man hält dann etwas fest, aber nee, muss nicht sein.

  130. 37:14
    Ronald M. Arndt

    Vom Klaus ist überliefert, dass er sehr großen Wert darauf legt, dass man die Lüftungsanlage im Hotelzimmer wirklich dann auch eigenständig regulieren kann, dass man die leise runterdrehen kann. Ist es bei dir so, Klaus? Ist das so ein bisschen Absolut nicht.

  131. 37:38
    unklar

    Okay.

  132. 37:38
    Michael Stich

    Ja, ja. Also Sie sind quasi ein gern gesehener Gast in jedem Hotel, oder? Wir kommen mit dem eigenen Werkzeugkasten. Genau, ne? So. Und Sie haben trotzdem nicht geschlafen, oder?

  133. 38:44
    Bernhard Wagner

    Aber stimmt, ich ziehe wirklich die— ich wollte es gar nicht erzählen, aber wenn jeder so erzählt— die Stromkabel ziehe ich raus bei Beim Schlafen, ja stimmt, rundherum ums Bett ziehe ich überall mal gleich erstmal alle Stromkabel raus, weil ich möchte nicht, dass ich im Strom liege, sondern genau neben mir, so gut wie möglich versuche ich das, wenn es geht, zu entfernen. Aber mit WLAN heutzutage wird es schwierig.

  134. 39:06
    Ronald M. Arndt

    Naja, aber kommen wir ein bisschen zurück aufs Sportliche. Wann war so der Augenblick, wo ihr gedacht habt, ja, ich kann es schaffen und ich will da irgendwann mal auf dieses Siegerpodest und da ganz nach oben? Ob wir jetzt von der Weltmeisterschaft sprechen oder erstmal anderen?

  135. 39:24
    Michael Stich

    Tja, also ich glaube, als ich angefangen habe, als Profi zu spielen, habe ich mir selber erstmal Zeitraum von 2 Jahren gesetzt, zu sagen, ich probiere das aus. Was heißt das überhaupt, Tennisprofi sein? Ich glaube, du musst das erstmal begreifen, auch wenn du in deiner Sportart wahrscheinlich auch, wenn du sagst, jetzt gehe ich den Weg auf richtig Leistungssport, was bedeutet das am Ende? Wenn ich mir vorstelle, Weltmeister, das ist Gefühl erstmal kilometerweit entfernt, und plötzlich arbeitet man sich hoch. Man hat Träume, man hat Vorbilder, ganz klar. Also hatte ich auf jeden Fall. Bei mir war es dann so, dass durch eine Boris und Steffi, die es ja schon Mitte der 80er Jahre geschafft haben, und plötzlich auch so war mit, das geht irgendwie. Also nicht Vorbilder, das war nicht meine Vorbilder, aber das hat gezeigt, dass sie das, dass Dinge möglich sind. Und dann wächst man da rein. Und mit dem viel Trainieren, mit der harten Arbeit wird man besser. Man misst sich, man schraubt die eigene Erwartungshaltung hoch. Und irgendwann habe ich für mich so eine— als ich merkte, mein erstes Turnier gewonnen zu haben, so, jetzt du hast das Vertrauen, du kannst auch erste 10 in der Welt stehen, du kannst was erreichen. Habe ich mir wirklich irgendwann mal so eine Liste gemacht für mich und gesagt, das sind die Dinge, die ich erreichen möchte. Und das hat mir geholfen, zum Beispiel nicht, dass man das als Garantie dann hat, aber gewisse Ziele zu haben. Ich glaube, jeder muss sich Ziele stecken, um auch an diesen Zielen sich abzuarbeiten und auch für etwas zu trainieren, gerade im Sport auch, als wenn man sagt, ja, mal gucken, was am Ende bei rauskommt. Ich glaube, das hilft einem nicht, um sich zu verbessern. So war es bei mir auf jeden Fall. Und dann irgendwann ist der Glaube an sich selbst da und dann hat es geklappt.

  136. 40:56
    Bernhard Wagner

    Ja, es war auch ein Weg, war ganz klar ein Weg. Mir hat der Trainingspartner natürlich schon viel geholfen, der schon Weltmeister war. Weil mit dem habe ich trainiert. Und so habe ich irgendwann erkannt, okay, das ist möglich. Wenn es er kann, kann ich es auch. Solche Fragen habe ich mir gestellt und Antworten gegeben. Und dann merkst du es bei den Turnieren, wenn du dann auf einmal einen Lokalmotator schlägst. Kann mich erinnern an Wels, Ivan Kulev damals. Jeder glaubte, okay, der gewinnt das im Alleingang. Und jetzt ist auf einmal der Wagner da aus Wien. Und gewinnt. Ja, so, erstmal Aufschrei in Österreich. Und so beginnt's, dann geht's mal in Österreich. Und es ist ja immer, ich weiß nicht, wie es im Tennis ist, aber ich gehe davon aus, dass es ähnlich ist, ist ja alles eine Riesenfamilie, also eine Riesen-Kickbox-Familie. Man trifft ja jeden in jeder Stadt wieder und hallo, servus, wie geht's dir? Und natürlich die eigenen Gegner in deiner Gewichtsklasse, mit denen redest du grundsätzlich jetzt mal nicht so viel, weil ja Man möchte ja nicht unbedingt jetzt immer gegen einen Freund gleich kämpfen, aber es entstehen Freundschaften und dann merkst du, okay, jetzt hast du den geschlagen, also da geht noch mehr. Und ja, letztendlich geht es dann so, wie es Michael auch gesagt hat, glaube ich an mich am Ende des Tages.

  137. 42:16
    Ronald M. Arndt

    Auf deine Routinen kommst du vielleicht nachher noch mal in deinem Vortrag zu sprechen. Was hast du damals als Sportler für Routinen gehabt, außer beim gleichen Japaner? Zu essen. Gab es da sowas? Marotten, weißt du?

  138. 42:31
    Michael Stich

    Wenn ja, wüsste ich sie nicht mehr, ehrlicherweise. Ich habe bestimmt irgendwelche Marotten gehabt, aber bei uns ist natürlich das Handwerkszeug dann noch mal relevant, also deine Schläger, die Beseitung, das, womit du deinen Beruf ausübst. Da gab es dann schon so Dinge, dass möglichst niemand meine Schläger anfassen sollte, und ich habe anfangs noch selbst bespannt meine Schläger auch, und dann, also da ist man schon sehr sensibel mit. Aber ansonsten waren es ja auch immer unterschiedliche Trainingseinheiten. Du hast ja auch an einem Tag die Form besser, am nächsten die Rückhand besser, aber am nächsten Tag hast du gar keine Lust oder was auch immer, dich durchzubeißen, dich zu quälen. Da war ich nicht so jemand, der da so Routine oder Marotten hatte. Auf dem Platz war es dann so, dass ich zum Beispiel nach dem Seitenwechsel immer versucht habe zu vermeiden, auf die Linien zu treten. Das hat aber immer was mit Fokussierung zu tun, sich selbst immer zu sagen, vor der erste Punkt dann wieder gespielt, bin am Seitenwechsel dich wieder mental auf das einzustellen, worum es eigentlich geht, und dich nicht von Zuschauern, von dem gesamten Umfeld irgendwie beeinflussen zu lassen. Aber ansonsten war ich sehr marottenfrei und auch sehr aberglaubensfrei, sage ich mal.

  139. 43:33
    Ronald M. Arndt

    Okay, wir kommen jetzt zum Ende. Ich war in einem Porsche Store am Wochenende mit meinem Sohn und lag so ein Aufkleber: 2 gute Aufschläge und ein paar geschickte Fehlentscheidungen Und die Sache läuft. Das hat Snoopy gesagt, der kleine Hund vom Baseballspieler. Humor. Letzte Frage. Gerade wenn man auch verletzt war oder in der Hotellerie mit der Pandemie und so das Hotel schließen musste. Was hat Humor? Was bedeutet Humor für euch in der Karriere und auch mal Durststrecke zu überleben? Hat man sich da mal ein bisschen nicht so für voll genommen, oder?

  140. 44:10
    Michael Stich

    Ganz ehrlich, also wenn es scheiße lief, dann habe ich mich auch scheiße gefühlt. Da hat der Humor auch nicht geholfen, ehrlicherweise. Also ich glaube auch nicht, dass wenn ein Hotel wegen der Pandemie zumachen muss, dass man sagt, schmeiße ich mal einen Witz in die Runde, dann läuft es wieder irgendwie. Ich glaube, es geht um die Einordnung der, der Relevanz und der Wichtigkeit von gewissen Themen. So, natürlich gehen wir als Sportler, jeder Unternehmer macht das, was er macht, weil er erfolgreich sein Wie messe ich Erfolg? Bei uns waren es dann Turniersiege. In der Wirtschaft ist es natürlich wirtschaftlicher Erfolg und finanzieller Erfolg als ein Faktor. Aber man muss manchmal auch an Umständen gemessen einordnen können, warum das eventuell mal nicht so läuft. Und als Sportler besonders, wenn du dann zu viel Turnieren fährst und du fliegst 4-mal in der ersten Runde raus, heißt es ja nicht, dass du deinen Sport nicht mehr kannst, aber du musst vielleicht auch reflektieren und überlegen, warum ist das gerade so, dich hinterfragen. Die die Zeit nehmen und versuchen Lösungen zu finden, weil du auch mental Lösungen finden musst. Aber Humor ist für mich im Leben generell sehr wichtig, aber in solchen Situationen hat er keine besonders große Rolle gespielt.

  141. 45:16
    Ronald M. Arndt

    Kann für manche Teil der Lösung sein, um eben sowas auch zu überstehen.

  142. 45:20
    unklar

    Für mich nicht.

  143. 45:20
    Ronald M. Arndt

    Für dich nicht?

  144. 45:21
    Bernhard Wagner

    Na gut. Humor, muss ich ehrlicherweise sagen, wie ich den Sport leistungssportmäßig ausgeführt habe, hat es auch nicht so viel gegeben bei mir. Es wäre jetzt, ich müsste jetzt irgendwie was erfinden oder so. Natürlich lachst du, natürlich, ist ja ganz klar. Aber mir hat man schon zugesagt, ich war da schon verbissen ein Stück weit. Also ich wollte schon das erreichen und auch siegen. Und ja, so lustig war es dann zwischendurch nicht immer. Hat mir aber im Nachhinein jetzt den Nachhinein, 25 Jahre später, würde ich es anders machen. Ich würde wirklich mehr versuchen, jetzt mit dem Lebensalter, mehr mit der Weisheit, mehr Humor reinzubringen, weil es da oder dort sicher leichter hätte sein können. Aber wenn das keiner sagt, wenn du, wenn der Coach nicht drauf schaut, auch nichts oder so, dann ja, genau.

  145. 46:21
    Ronald M. Arndt

    Super, Humor. Dann bedanke ich mich erstmal und Ihr habt jetzt die Möglichkeit, noch die eine oder andere Frage an Bernhard und Michael zu stellen.

  146. 46:35
    Michael Stich

    Tja, wir gehen hier nicht, bevor nicht eine Frage gestellt worden ist. Überlegt euch das. Da siehst du, er hat eine Angst oder hat Hunger oder will einen Kaffee. Würdet ihr euren Kindern empfehlen, das Gleiche zu machen? Nein, also ich würde, ich bin in der Situation, deswegen fällt es mir schwer, das zu beurteilen. Aber ich, wenn mein Kind die Leidenschaft hätte, und ich habe ja ehemalige Kollegen, wo das so ist, sage ich mal, nehmen wir mal einen Patrick Korda, ehemaliger Australian Open Sieger. Der Sohn ist jetzt erste 30 in der Welt, die Tochter ist Nummer 1 bei den Frauen im Golf, die andere Tochter ist erste 10 bei den Frauen im Golf auf der Welt. Also eine extrem sportliche Familie, aber ohne Druck, sondern weil sie es von sich heraus wollten. Und ich glaube, das ist das Entscheidende: Wenn die Kinder das wollen und da Leidenschaft für empfinden und Freude empfinden, würde ich sie immer unterstützen. Aber ich würde es nicht schlecht finden, wenn sie es nicht tun. Also ich würde sie nicht dahindrängen, sondern ich würde sagen, wo immer du Lust zu hast. Weil das Erbe ist schon sehr groß, also im Sinne von mit dem Vorbild und dem Namen leben zu müssen, stelle ich mir für viele Kinder sehr, sehr schwer vor, wenn sie das tun müssten.

  147. 47:49
    Bernhard Wagner

    Ja, ich kann da nur beipflichten, Michael. Es muss wirklich— ich habe eine Tochter, die ist 7, und mein Sohn ist 11, der Raphael, und beide haben, ich weiß nicht woher, aber sportliches Talent, und beide gehen Judo. So, und der Raphael spielt auch Fußball. Jetzt musste er sich entscheiden zwischen Fußball und Judo. Aber es ist extrem schwer für mich als Vater, und es ist unmöglich, und das betrifft mich wirklich rund um die Uhr, das Thema beschäftigt mich, Druck nicht weitergeben zu können. Also nicht zu können, Entschuldigung, falsch. Ich gebe Druck weiter, indem ich nur bin. Da sage ich kein einziges Wort. Und es ist sehr schwer für Kinder, für die eigenen. Sehr, sehr schwer. Deswegen würde ich eher dazu tendieren, dass sie keinen Leistungssport machen, obwohl ich es natürlich fördere. Ja, da bin ich auch wieder, da kommt mein Herz, wenn ich dort stehe und merke, der hat ja Talent, wäre ja schade, würde ich sagen. Aber es ist extrem schwere Rolle als Vater und dann als Weltmeister, keinen Druck weiterzugeben.

  148. 49:01
    Michael Stich

    Auf der anderen Seite ist es das Leben. Das Leben ist ja eh komplex, und wenn Sie das von sich aus heraus entscheiden und wählen, dann wissen Sie auch, dass Sie sich dem irgendwann stellen müssen oder nicht müssen. Also egal, was es ist, aber ich finde, solange die Entscheidung von Ihnen kommt, ist das der Weg des Lebens, den Sie auch beschreiten. Und irgendwann, wenn Sie gar keinen Spaß mehr haben, werden Sie schon aufhören.

  149. 49:23
    Bernhard Wagner

    Also genau, genau, so sehe ich das ungefähr. Aber schwierige Frage, sehr schwer. Gibt es auch keine, ich glaube, da gibt es keine richtige Antwort. Das ist das Leben.

  150. 50:11
    Michael Stich

    Ich habe, ich habe eine ganz eigene. Es wird ja heute auch oft gesagt, dass die Spieler in unserem Sport, in vielen Sportarten, so viel Druck haben von außen, was auch immer. Ich habe da für mich eine sehr eigene Philosophie, aber immer gehabt. Ich glaube, Druck, den man empfindet, den macht man sich ausschließlich selbst. Ich habe nie Druck von außen empfunden. Ich habe nie— es gab eine Erwartungshaltung, es gab einen Wunsch, es gab irgendwie dieses Gefühl, dass da jemand sich für mich wünscht, dass ich erfolgreich bin. Aber ich bin immer selbst an mir gescheitert, wenn ich mir selber zu hohe Erwartungen gesteckt habe und sie in dem Moment nicht erfüllen konnte. So, und Und das ist etwas, was heute anders im Sport, im Tennis oft anders gehandhabt wird. Da wird dieser Druck oft nach außen weggeschoben und gesagt, es kommt so viel Druck von den Medien, von den sozialen Medien, von was immer damit zusammenhängt. Ich finde, die Sportler machen sich das zu leicht, weil sie könnten sich dem entziehen, wenn sie es denn wollten. Sie wollen es nicht, weil sie damit viel Geld verdienen. So, aber es ist ihre Entscheidung. Und am Ende des Tages ist es auch wieder dieses, wenn sie auf den Platz gehen bei mir und sie spielen, New York war das größte Stadion damals mit, glaube ich, 24.000 Menschen. Dann ist das beeindruckend. Da kann man machen, was man will. Da geht man raus, da ist voll besetzt. Wenn Sie da in der Night Session noch abends um 11 spielen, dann ist das eine Atmosphäre, die gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Und wenn es super läuft, dann kann man damit super umgehen. Wenn es schlecht läuft, dann kann man damit nicht umgehen. So, das ist meine Erfahrung gewesen. Und natürlich gibt es Möglichkeiten, Vehikel, wie man sich vielleicht aus gewissen Situationen herausholt. Und auch versucht, mental damit umzugehen. Aber ich glaube, es hat immer ganz viel mit dem, mit der Auseinandersetzung mit sich selbst zu tun. Warum passiert das gerade so? Und das ist natürlich in unserem Sport, aber dir noch viel unmöglich quasi, weil der Zeitraum, den man zur Verfügung hat, ist ja nicht besonders lang. Und bei uns ja dann noch wesentlich länger. Aber man muss sich vorher damit auseinandersetzen. Das ist wie wenn ich in Verkaufsgespräch gehe und weiß, da geht es jetzt um Millionensummen, da muss ich mich so vorbereiten, dass ich mich damit auseinandersetze, bevor ich da reingehe, und nicht dann überrascht bin, wenn ich da sitze. Jetzt geht es um Millionen, das ist ja ganz komisch hier irgendwie so. Und das tun viele halt nicht, glaube ich, sowohl im Sport nicht als auch im Beruflichen nicht, dass man sich am Ende— Vorbereitung ist ein wichtiger Faktor.

  151. 52:36
    Bernhard Wagner

    Lockerheit, oder darum ist es gegangen, grob jetzt gesagt, Lockerheit. Ich glaube, dass das mentale Stärke ist, die für sich selber irgendwann zu finden. Am Anfang ist man, oder war ich, nicht jeder Sportler ist so, ich war am Anfang zu verbissen, ich habe schon erzählt, und habe das Ziel zu stark im Fokus gehabt. Und dann ist es irgendwann mal sinnvoll, sich zu hinterfragen und zu sagen, okay, vielleicht gibt es einen weicheren Weg, einen leichteren, auch im Kampf. Hört sich jetzt komisch an, ambivalent fast, aber es ist so. Im Kampf, im Wettkampf das lockerer oder leichter zu vollziehen. Und da gibt es Wege, da geht es praktisch nur um geistige Einstellungen. Bei mir geht es ja um 2 Minuten, und da sind die letzten, die 10 Minuten davor, die 5 Minuten davor Ja, durchaus sehr entscheidend. Da habe ich nur Ruhe gebraucht, klar, mit niemandem gesprochen, habe meine Kicks noch gemacht und meine Aufwärmtechniken. Und dann geht es darum, speziell in meinem Sport hochzufahren und wirklich präsent zu sein, weil du hast eben nur die 2 Minuten. Und wenn du gegen einen guten Gegner kämpfst, dann ist der erste Punkt, kann schon entscheidend sein, weil den kriegst du vielleicht nicht mehr. Mehr, wenn der gut ist. Weil 2 Minuten braucht jeder nur mal durchgehen, noch mal, dann ist es vorbei. Und dann fährst du eben deine 400, 500 Kilometer wieder zurück oder fliegst du zurück, und dann hast du Zeit zum Nachdenken. Dann kannst du richtig nachdenken, was habe ich in diesen 2 Minuten falsch gemacht und was kann ich verändern. Also von daher, Lockerheit im Kampf finden, sehr, sehr wichtig, wenn es die Frage überhaupt war, so wie ich es verstanden habe. Zuhause bitte.

  152. 54:26
    unklar

    Erstmal, ich habe mich— Erste, den ich kenne, ich habe mit der Branche seit 34 Jahren zu tun, ist im Bereich der Erntung. Sie sind der Erste, der mal klar sagt, ich kaufe nur kein Hotel oder Park der Welt mit der richtigen Begründung. 90% meiner Mandanten sind alles Leute, die ihr Kerngeschäft, ihr Geld woanders verdienen und haben dann tolle Hotels, aber müssen jetzt erkennen, dass es nicht so läuft. Worum ich den Bogen spannen wollte, war einfach, wenn wir jetzt von Krisen reden, und es geht nicht nur um Corona, den Umgang im Management innerhalb von Hotels mit Krisen. Vergleichsweise, dass es im Sport ein Riesensport sein würde. Ich würde sagen, ich schließe alle Sportarten an. Wo ich mich nicht so auskenne, ist im Kickboxen, ganz fairerweise auch, aber wo mir völlig egal ist, dass man auch mit Punkten, wie Sie schon sagen, ganz schön viel oder was auch immer, aber dass dann da andere von den Ich sehe, dass in Konzernfirmen, ob das Corona ist oder damals Bankenkrise, was auch immer, die es geschafft haben, und zwar in den Tunnel zu gehen während der Krise, also nicht kopflos, weil sie ihre Gastgeber oder ihre Firma, also nicht kopflos da rein, ne, das hinkriegt. Dass sie auch psychisch und gesundheitlich besser durchgekommen sind, wenn sie nach dem Flug, ich denke, das war das, was wir vielleicht heute mit dem Wort teilen können, irgendwas getrunken haben, um diesen Druck, die Warnung nochmal abzubauen. Das war meine Erfahrung, und ich glaube, dass die Dosierung des 5. Nachmittags die Warnung, dass egal, wer in der Lobby ist, oder wegen Corona kein Mensch, wie Herr Stich schon sagt, es toll findet, wenn er einen Witz erzählt, wenn er gerade seinen Moment hat. Aber das ist die Erklärung. Wie kriegt man dann immer schon im Grunde es relativ zeitnah wieder in den Hunger bekommen kann? Ich glaube, das macht Frank.

  153. 56:56
    Bernhard Wagner

    Ja, es ist generell die Frage, wie gehe ich mit Angst um? Ich werde dann auch ein bisschen was dann nachher dazu sagen, aber speziell zu dieser Frage jetzt Management, und ich begleite ja Führungskräfte, es geht darum, für sich selber eine Balance zu finden, und zwar in sich selbst, und natürlich diesen Rahmen der Krise so gut es geht. Natürlich ist es wichtig, realistisch zu sein, sagen, hey, das ist jetzt einmal richtig schlecht. Dass wir zusperren müssen oder dieses und jenes. Aber dann ist es sehr wichtig, Positives umzuwandeln und zu sagen, okay, was ist darin die Chance und wo ist die Lösung? Wo ist die Lösung? Das ist schwer, keine Frage. Ich sage nicht, dass das leicht geht oder so mit dem Finger, aber zu schauen, okay, wo ist deine Lösung? Wo ist dein Weg? Wo ist die Lösung? Wo ist die Lösung? Wo ist die Chance dahinter? Das wäre jetzt so das Mindset dazu als Beispiel.

  154. 57:52
    Ronald M. Arndt

    Du hast alles gesagt. Gut, dann habe ich das Zeichen bekommen, dass wir übergehen zum nächsten Punkt. Und es wäre dann, glaube ich, Fotos nach Wahl und Lust und Laune. Euch beiden.

  155. 58:03
    Michael Stich

    Oder Kaffee trinken.

  156. 58:04
    Ronald M. Arndt

    Oder Kaffee trinken oder Fotos mit Kaffee. Wie ihr wollt. Vielen, vielen Dank. Merci.

  157. 58:08
    Michael Stich

    Vielen Dank fürs Zuhören. Danke für die Zeit.

  158. 58:11
    Bernhard Wagner

    Alles Gute euch.

  159. 58:12
    unklar

    Danke.