Ein Grand Hotel putzt sich heraus
Aufgenommen: Parkhotel Quellenhof Aachen, Aachen
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„Ein schönes Hotel kann jeder bauen, wenn er sehr viel Geld hat, aber großartige Hotels werden von Mitarbeitern gemacht.“
Andreas Wieckenberg, 24:36
Andreas Wieckenberg führt das 1916 eröffnete Parkhotel Quellenhof in Aachen, das die Jagdfeld Gruppe nach dem Rückzug von Accor selbst betreibt. Er erzählt, wie er bei Antritt mitten in der Pandemie ein Haus ohne Plan und ohne Gastkartei übernahm, die Zimmerzahl von 183 auf 122 senkte und zuerst Vision, Werte und Leitsätze mit dem Team festhielt, bevor gebaut wurde. Dazu Stationen im Brenners Park-Hotel, in München, Macau, Las Vegas und im Raffles Singapore.
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Kernaussagen
- 122 statt 183 Zimmer: Wieckenberg hat die Zimmerzahl von 183 auf 122 reduziert, ein komplettes Stockwerk herausgenommen und aus mehreren Zimmern ein neues Suitenprodukt gebildet. Für das freie Stockwerk gibt es Pläne, die er noch nicht nennt.
- Werte vor Bauarbeiten: Bevor am Gebäude etwas passierte, hat er mit einem Querschnitt der Mitarbeiter und eingeladenen Aachenern Vision, Mission und Leitwerte formuliert. Alles steht im Quellenhof-Chorus, einer Fibel, die er in der Tasche trägt und deren Inhalte täglich im Briefing besprochen werden.
- Podcast für Mitarbeiter: Zum Chorus gibt es einen Quellenhof-Podcast auf Spotify, in dem die Leitsätze erklärt werden. Bewerber können sich das vorher anhören und entscheiden, ob sie sich mit den Werten identifizieren.
- Kein Schließen: Das Hotel bleibt während der Erneuerung offen, weil es nach einer Schließung sehr schwer wäre, wieder Mitarbeiter zu finden. Die dritte Etage wurde im laufenden Betrieb fertig, als erste Maßnahme war der Spa instand gesetzt worden.
- Minibars bleiben aus: Alle Minibars in den 122 Zimmern sind abgeschaltet, weil sie kaum genutzt werden. Wer eine will, bestellt über einen Bestellschein, dann schaltet Housekeeping sie per Bluetooth-Schalter an.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
In Aachen herrscht pure Aufbruchstimmung. Schließlich soll eine wahre Ikone der deutschen Luxushotellerie nach und nach wieder auf Spur gebracht werden.
Im Jahre 1916 öffnete das Parkhotel Quellenhof Aachen seine Pforten. Einige Zimmer wurden dabei direkt mit Wasser aus der benachbarten Rosenquelle gespeist. Später fiel das Hotel immer wieder Zerstörungen durch Krieg und Besatzungen zum Opfer.
Den vorerst letzten Akt stellte der Rückzug von Accor im Jahre 2019 dar. Seitdem führt die Jagdfeld Gruppe das Haus selbst und hat sich mit Andreas Wieckenberg einen absoluten Experten an die Seite geholt. So obliegen ihm heute nicht nur die klassischen Aufgaben eines General Managers, vielmehr muss er den kompletten Unterbau erneuern.
Von seinem Team erwartet er, dass jeder von Herzen Gastgeber ist und die eigens im so genannten „Chorus“ festgehaltenen Leitsätze befolgt. Seine große berufliche Expertise kommt ihm hierbei tagtäglich zu Gute.
Im legendären Brenners Park-Hotel & Spa von Frank Marrenbach höchstpersönlich eingestellt und dann zum Restaurantfachmann ausgebildet, bringt er es samt anschließendem Studium auf ganze sechs Jahre in Baden-Baden.
Anschließend rückt er mit 600 Zimmern in ganz andere Dimensionen vor. Im heutigen The Westin Grand Hotel Munich der Arabella Hospitality SE lernt er zudem, dass es auch Gäste gibt, die ihre Autos eigenständig parken.
Neuland betritt er unter dem Dach der Mandarin Oriental Hotel Group und lernt hierüber nicht nur Asien, sondern auch die USA kennen. Eine für heute ebenso hilfreiche und zugleich faszinierende Station ist später das Raffles Hotel Singapore.
In Aachen wurden pünktlich zu den Osterferien die Renovierungsarbeiten in der kompletten dritten Etage beendet, die Handschrift von Anne Maria Jagdfeld auch hierbei unverkennbar. Einfach ist es sicherlich nicht, denn jeder Schritt wird stets im laufenden Betrieb gemacht.
Auf dem ersten Platz des Alphabets steht die Stadt Aachen bereits. Damit dies auch für das Parkhotel Quellenhof Aachen gilt, hat Andreas Wieckenberg die Weichen mit viel Demut und steter Dankbarkeit gestellt. Besonders faszinierend dabei, wie er seine Mannschaft hinter dem Großprojekt vereint.
Einen ersten Vorgeschmack habe ich mir übrigens im „Bistro“ geholt, welches bereits Jürgen Dollase von der Frankfurter Allgemeine Zeitung sehr zu schätzen wusste.
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Transkript öffnenTranskript schließen52 Min · Ronald M. Arndt und Andreas Wieckenberg
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Andreas Wieckenberg, herzlich willkommen im Hotel-Podcast. Grüße Sie.
- 00:11 Andreas Wieckenberg
Danke sehr, schön dabei zu sein.
- 00:14 Ronald M. Arndt
Zeitpunkt ist gekommen, sich mal ein bisschen nach hinten zu lehnen, denn wir legen ja nicht erst gerade los. Wir waren gerade schon zu Tisch im Bistro.
- 00:24 Andreas Wieckenberg
Genau.
- 00:25 Ronald M. Arndt
Und ich war so frech, Nicht, dass ich nachher direkt die Anzeige kassiere auf dem Rückweg nach Stuttgart. Ich habe mal die Speisekarte mitgenommen, denn ich habe mir einen Klassiker ausgesucht und es war die Krusten-Tirbisk und dann der mild geräucherte schottische Lachs Rouge.
- 00:50 Andreas Wieckenberg
Absolut, ja.
- 00:51 Ronald M. Arndt
Gute Wahl getroffen, oder?
- 00:52 Andreas Wieckenberg
Absolut. Und das sind ja unsere Klassiker, weil die Gäste die wirklich mögen und immer wieder gerne essen. Und das freut uns auch, und wir werden das auch nicht mehr ändern, was da in der Kategorie steht.
- 01:03 Ronald M. Arndt
Also daran halten Sie fest? Daran halten wir fest.
- 01:06 Andreas Wieckenberg
An den Klassikern halten wir fest. Genauso klassisch, wie wir an diesem Hotel, einem klassischen Hotel, festhalten. Und drumherum passiert allerhand Neues.
- 01:17 Ronald M. Arndt
1913 ging es los?
- 01:19 Andreas Wieckenberg
1916.
- 01:20 Ronald M. Arndt
1916 ging es los, hier im Quellenhof in Aachen. Für den Hotel-Podcast, aber für mich schließt sich endlich eine Lücke. Für mich persönlich, ich wollte immer mal nach Aachen, denn als schon in der Schule immer Geschichte-Interessierter hat man vom Karl dem Großen gehört. Und ja, Europa steht ja auch stark im Kontext. Krönungskirche, glaube ich, auch immer, immer gewesen. Und Das heißt, nachher werdet ihr einen Abstecher machen zum Dom, bevor ihr nach Hause geht?
- 01:55 Andreas Wieckenberg
Sollten Sie auf jeden Fall tun. Den Dom muss man sich angeguckt haben.
- 01:59 Ronald M. Arndt
Und für den Hotel-Podcast schließt sich eine Lücke, denn wir haben hier eine Ikone, ganz klar. 1916, das habe ich gerade korrigiert, doch schon ein Hotel mit langer Tradition. Hotel-Podcaster, ich war da schon im ein oder anderen zu Gast, aber hier der Quellenhof Aachen, der fehlte. Und umso mehr freue ich mich jetzt heute, mit Ihnen zusammenzusitzen. Vielen Dank dafür. Und ich glaube, Sie sind noch 2, 3 Stunden vom wohlverdienten Urlaub entfernt.
- 02:27 Andreas Wieckenberg
Ja, nicht mehr lange. Das mache ich jetzt wirklich gerne.
- 02:30 Ronald M. Arndt
Also da kann man schon noch mal mit einem Gläschen anstoßen.
- 02:32 Andreas Wieckenberg
Absolut.
- 02:33 Ronald M. Arndt
Das machen wir. Ihnen schon mal, bevor ich es nachher vergesse, einen schönen Urlaub, schöne Osterfeiertage.
- 02:38 Andreas Wieckenberg
Danke sehr.
- 02:45 Ronald M. Arndt
Nicht, dass ich jetzt rausschmecke, aber ich glaube, hier geht es in Richtung Baden. Kann das sein?
- 02:50 Andreas Wieckenberg
Absolut, immer in Richtung Heimat.
- 02:52 Ronald M. Arndt
Heimat, weil ich glaube, bei Ihnen, Herr Wieckenberg, die ersten Bretter der Hotellerie, die lagen für Sie aus in Baden-Baden. Haben Sie da betreten?
- 03:02 Andreas Wieckenberg
Absolut, absolut. Ich hatte das Glück, eine Ausbildungsposition im Brenners Parkhotel in Baden-Baden zu bekommen. Großartiger Start, ganz tolle Erinnerungen, die ich damit verbinde.
- 03:14 Ronald M. Arndt
Sehen Sie da eine erste Parallele? Ich habe es damals auch probiert, zumindest in Baden-Baden, habe aber dann leider irgendwann einen Brief im Briefkasten vorgefunden, dass sie mich nicht haben wollen.
- 03:28 Andreas Wieckenberg
Sonst kann ich mir gar nicht erklären, warum.
- 03:32 Ronald M. Arndt
Nein, nein, da ging es um duales Studium, was ich eben mit den Brenners in Baden-Baden machen wollte. Und das war halt damals noch nicht Teil des Konzepts. Von daher freue ich mich, dass wir uns jetzt hier heute treffen. Wie lange waren Sie in Baden-Baden? 6 Jahre, ne?
- 03:47 Andreas Wieckenberg
6 Jahre waren wir in Baden-Baden, ja.
- 03:49 Ronald M. Arndt
Und dann ging es weiter?
- 03:50 Andreas Wieckenberg
Und dann ging es weiter nach München, damals noch zur Arabella Sheraton. Und dann ging es in die Welt.
- 03:56 Ronald M. Arndt
Dann in die Welt. Das war immer ein Traum, in die Welt zu gehen, oder klar verbunden mit dem Dunkelfeld?
- 04:01 Andreas Wieckenberg
Der Gedanke kam immer später.
- 04:03 Ronald M. Arndt
Also ich— 6 Jahre Baden-Baden ist ja auch erst mal eine Eine lange Zeit.
- 04:07 Andreas Wieckenberg
Das ist eine lange Zeit, aber es war eine tolle Zeit und deshalb war das für mich auch gar kein Problem, nach 3 Jahren Ausbildung da eben noch ein Studium dran anzuschließen mit dem Brenners Parkhotel.
- 04:16 Ronald M. Arndt
Also gab es doch ein duales Studium im Brenners?
- 04:18 Andreas Wieckenberg
Es gab ein duales Studium im Brenners.
- 04:19 Ronald M. Arndt
Dann weiß ich wirklich nicht, warum ich die Absage gekriegt habe.
- 04:21 Andreas Wieckenberg
Mit der Berufsakademie in Ravensburg.
- 04:24 Ronald M. Arndt
Okay. Ja, meine Bewerbung kam aus Lörrach, vielleicht lag es daran.
- 04:26 Andreas Wieckenberg
Vielleicht lag es daran, aber es war auf jeden Fall eine tolle Möglichkeit und damals auch eine unglaubliche Auszeichnung, dass man noch das Studium anschließen durfte. Und dann war die Entscheidung ziemlich leicht. Also ich habe mich beworben, ich würde gerne das Studium noch machen mit dem Bras Park Hotel. Ich bekam die Zusage, und dann bleibt man natürlich da. Und ganz klar, großartiges Hotel, unglaublich. Aber nach 6 Jahren war es dann Zeit, auch was anderes zu sehen. Und deshalb auch ganz bewusst Aribella Sheraton Grand Hotel, heute Westin Grand, weil das einfach eine ganz andere Art von Hotellerie ist, viel größer, von 100 Zimmern zu über 600 Zimmern. Das war schon ein Riesenschritt und für mich auch ein kleiner Crash, weil ich konnte mir damals gar nicht vorstellen, dass Kassierer Autos selbst parken. Okay, ganz komisch. Jetzt rückblickend wundert man sich da, aber das war damals schon, schon was anderes, weil Brenners eine andere Welt war. Also ich fühle mich wirklich privilegiert, dass ich dort Ausbildung machen durfte und habe wirklich verbinde unglaublich tolle Erinnerungen damit.
- 05:34 Ronald M. Arndt
Und genau da in einer der obersten Etagen saß ich ja letztens erst mit Herrn Pawlitzki zum Podcast. Von daher weiß ich ganz genau, von was Sie sprechen. Und die Dimension, ja, von 600 Zimmern ist definitiv gewaltig.
- 05:47 Andreas Wieckenberg
Absolut.
- 05:48 Ronald M. Arndt
Wie viele Zimmer haben wir jetzt hier im Quellenhof?
- 05:49 Andreas Wieckenberg
Hier haben wir aktuell 122 Zimmer. Zuvor hatten wir 183 im Hotel. Dann haben wir uns angeschaut, was braucht der Standort Aachen und wie positionieren wir dieses Hotel neu nach einer bewegten Vergangenheit? Und haben uns dann entschieden, auf 122 Zimmer runterzugehen und wirklich den Fokus auf die Gasterfahrung zu legen.
- 06:15 Ronald M. Arndt
Okay, das heißt dann aus 2 Zimmern ein großes auch gemacht oder eine Junior Suite?
- 06:20 Andreas Wieckenberg
Nein, also wir haben ein Stockwerk, für das wir weitere Verwendungen eruieren. Da werden wir auch, da gibt es auch schon sehr viele Pläne und Ideen, was man da machen kann, wie eine weitere Nutzung aussehen könnte.
- 06:32 Ronald M. Arndt
Also von einem ganzen Stockwerk, oder?
- 06:33 Andreas Wieckenberg
Von einem ganzen Stockwerk. Das haben wir rausgenommen, haben allerdings dann jetzt das dritte Stockwerk erneuert. Wir sitzen jetzt in einem dieser Zimmer und haben dort auch ein neues Suitenprodukt entwickelt, wo wir aus verschiedenen, aus mehreren Zimmern dann eine Suite eben gebildet haben, um auch etwas bieten zu können in Aachen, was hier vorher noch nicht existiert.
- 06:58 Ronald M. Arndt
Und Sie haben es gerade gesagt, hier die dritte Etage, die ich schon jetzt liebgewonnen habe. Ich glaube, die wurde sogar von der Frau Jagdfeld selbst oder mit ihrem Zutun konzipiert.
- 07:10 Andreas Wieckenberg
Genau, das Design kommt von Anna-Maria Jagdfeld und wir sind wirklich sehr stolz drauf, auf das, was sie hier geschaffen hat. Das ist wirklich ein zeitloses, elegantes und trotzdem zeitgemäßes Design. Also wirklich schön in unterschiedlichen Farbthemen. Die wirklich gut ankommen. Also wir kriegen hervorragendes Feedback von unseren Gästen und das ist Freude, dass man sieht, wir behalten den klassischen Stil bei, bringen aber mehr Modernität rein und das erfährt Zuspruch.
- 07:40 Ronald M. Arndt
Das freut mich umso mehr. Aber ich glaube auch, Aachen an sich ist ja schon, der Dom wurde erwähnt, wirklich definitiv immer eine Reise wert. Dürfte nicht immer so einfach sein, sage ich mal, Aachen auf die Landkarte auch von internationalen Gästen vielleicht zu bringen?
- 07:56 Andreas Wieckenberg
Das ist nicht so einfach. Also wir sind keine A-Destination, und wenn jemand sagt, ich reise nach Deutschland, dann kommt jetzt nicht erstmal Aachen.
- 08:04 Ronald M. Arndt
Was wäre die nächste Stadt, die käme?
- 08:07 Andreas Wieckenberg
Köln wäre wichtig, Maastricht auf der niederländischen Seite, oder Düsseldorf, auch nicht weit weg. Aachen, wir sind an Platz 1 im Alphabet, Und jeder hat auch schon von Aachen gehört, aber wenige verbinden wirklich etwas damit. Ja, jeder weiß über den Dombescheid, viele haben auch schon vom CHIO gehört, das Reitsportfestival, aber darüber hinaus gibt es ja noch vieles, vieles mehr. Eine wunderschöne Altstadt, tolles Kongresszentrum, also es gibt doch viel, was man hier auch unternehmen kann. Und vor allem die Position inmitten des Dreiländer-Ecks ist hervorragend. Sie können ruckzuck Sie sind ganz schnell in Belgien, in den Niederlanden. Das ist schon eine tolle Location.
- 08:54 Ronald M. Arndt
Und damals, ich meine, die Gründungsgeschichte basiert auch auf dem Thema der Gesundheit, denn nicht umsonst heißt der Quellenhof Quellenhof. Ich glaube, es gab mal hier, oder gibt die wahrscheinlich immer noch, die Rosenquelle, 600 Meter entfernt. Und ihr habt damals schon einzelne Zimmer hier mit frischem Quellwasser gespeist.
- 09:12 Andreas Wieckenberg
Genau, das gab es früher. Das gibt es leider nicht mehr. Ich wäre dankbar, weil das würde mir beim Storytelling und der Vermarktung wirklich noch helfen. Was wir allerdings mittlerweile auch haben, ist ein wunderschöner Spa. Also dieses Thema Sanus per Aquam, Gesundheit durch Wasser, greifen wir schon auch auf und haben eben da auch tolle Möglichkeiten, hier unsere Gäste toll zu versorgen und eine tolle Erfahrung zu bieten.
- 09:38 Ronald M. Arndt
Und nicht zu vergessen, und gerade schon erwähnt, und auch letztens, das habe ich dann unabhängig jetzt von unserem heutigen Podcast schon auch wahrgenommen, hat die Frankfurter Allgemeine, glaube ich, das Bistro besucht, wo ich heute Mittag mit Ihnen speisen durfte und extrem überrascht war. Das ist ja auch wieder was, sage ich mal, eine neue Perle hier in Ihrer Schatztruhe, das Quellenhof.
- 10:01 Andreas Wieckenberg
Absolut. Also wir waren auch überrascht, dass Herr Dollase bei uns war, bei uns gegessen hat und dass wir dann—
- 10:07 Ronald M. Arndt
Erkannt haben Sie ihn aber nicht, oder?
- 10:08 Andreas Wieckenberg
Erkannt hatten wir ihn nicht. Er kam zwischen den Jahren unter the Radar. Wir wussten wirklich nicht, dass er da ist.
- 10:15 Ronald M. Arndt
Wenn Herr Wieckenberg im Urlaub war, wahrscheinlich. Genau, vielleicht macht man das so.
- 10:19 Andreas Wieckenberg
Genau, macht man so, dass der GM nicht im Haus ist, wenn man kommt, weil man ja erkannt werden könnte. Nein, aber das war für uns so was wie ein Ritterschlag, weil es genau das widergespiegelt hat, was wir gerne auch zeigen wollen. Wirklich recht simple Küche, aber die wirklich hervorragend zubereitet mit guten Zutaten und so lokal wie möglich. Das ist uns einfach wichtig und dass man sich wohlfühlt bei uns. Und das hat er zum Ausdruck gebracht und das freut uns sehr.
- 10:49 Ronald M. Arndt
Toll. Ihr weiterer beruflicher Werdegang führte, glaube ich, dann von München nach dem asiatischen Raum.
- 10:56 Andreas Wieckenberg
Genau, zum Mandarin Oriental nach Macau.
- 11:00 Ronald M. Arndt
Was habe ich gerade gesagt? Ja, in den asiatischen Raum.
- 11:03 Andreas Wieckenberg
Genau, nach Macau. Das war ja augenöffnend. Ja, keine Ahnung, wie man—
- 11:10 Ronald M. Arndt
also wurde es dann eher noch mal Das Dreifache an Zimmern von den 600, die Sie gerade erst in München kennengelernt hatten? Oder? Das war bekannt für Casinos, ne?
- 11:21 Andreas Wieckenberg
Für Casinos war allerdings kein Casino-Hotel. Also wir hatten auch ein Casino innerhalb des Hotelgebäudes, das wurde allerdings nicht vorgestellt.
- 11:27 Ronald M. Arndt
Auch keine Achterbahn oder so, wie man es aus—
- 11:29 Andreas Wieckenberg
Keine Achterbahn, nein, die haben wir dann später in Las Vegas wieder gesehen. Aber das war natürlich eine komplett neue Welt. Das war anders. Das war— ist schwierig zu beschreiben, einfach sehr exotisch. Für jemand, für so einen jungen Mann, der aus dem Badischen kommt und gerade mal in München ankam und dann die Möglichkeit hatte, nach Macau zu gehen, das war was Besonderes, wirklich. Also, und auch eine ganz großartige Erfahrung, dann noch mit einer Hotelgruppe wie Mandarin Oriental. Super.
- 12:00 Ronald M. Arndt
Ja, jetzt sieht man natürlich in den großen Hotels der Welt auch oft Mitarbeiter aus dem deutschsprachigen Raum. Mal andersrum gefragt, haben Sie dann da nach Asien kommend irgendwas gesehen, wo Sie gedacht haben, hey, das machen die hier richtig gut?
- 12:18 Andreas Wieckenberg
Servicekultur.
- 12:19 Ronald M. Arndt
Okay.
- 12:19 Andreas Wieckenberg
Dieses auf den Gast eingehen und wirklich dem Gast eine tolle Erfahrung bieten, und das aus eigener Motivation heraus, das war was Besonderes. Das war etwas, was ich hier aus dem Deutschen nicht so kannte. Auch dass man, dass das kulturell so verankert ist, war für mich eine ganz neue Erfahrung. Das war, das war augenöffnend, dass es sowas überhaupt gibt.
- 12:43 Ronald M. Arndt
Und in welcher, wenn ich das Wort fallen darf, aber bei uns würden Sie sagen, es ist eher oft ein Job, einfach eine Dienstleistung.
- 12:50 Andreas Wieckenberg
Bei uns ist das eher eine Transaktion. Und ich spreche ja nicht nur von Hotels. Also wenn Sie hier zu manchen Bäckern gehen und sie fragen einfach, was sind dies, was sind das? Man möchte ein bisschen Beratung oder irgendwie nur mal einen netten Austausch.
- 13:10 Ronald M. Arndt
Dann hört die andere Seite oft auf, macht Mund zu und sagt nichts mehr.
- 13:15 Andreas Wieckenberg
Oder man wird noch angequält. Und das ist einfach schade, weil das muss ja gar nicht sein. Weil ich möchte mich ja, wenn ich irgendwo was kaufe, möchte ich mich gut damit fühlen. Und das ist das, was ich dort erlebt habe im asiatischen Bereich, wo einfach da eine andere Mentalität zutage kommt und auch gezeigt wird und gelebt wird, weil man das möchte. Also eine ganz andere Art von Gastfreundschaft. Das heißt nicht, dass wir das hier in Deutschland nicht können, aber im Alltäglichen begegnet man doch öfter mal, dass das nicht so existiert und auch nicht so gelebt wird, wie man es könnte. Weil ein Lächeln kostet nichts, ein freundliches Wort kostet überhaupt nichts. Man muss sich nur auf den anderen ein Stückchen weit einlassen und schon fühlt man sich viel besser und schon macht man sorgt man dafür, dass der andere sich besser fühlt. Und das war etwas, was ich in Asien erlebt habe.
- 14:08 Ronald M. Arndt
Okay, also meinen Sie nicht, das war dann ja nicht auferlegte Pflicht, sondern es war wirklich Gastfreundschaft, Interesse am Gast und andere Kulturen?
- 14:20 Andreas Wieckenberg
Also natürlich ist das die Pflicht eines jeden als Gastgeber, natürlich auch den Gast freundlich zu empfangen, klar. Aber Ich hatte schon den Eindruck, dass das mehr gelebt war.
- 14:32 Ronald M. Arndt
Ziehen wir gleich die Parallele mit den USA. Weil auch da waren Sie, glaube ich, für Mandarin Oriental.
- 14:39 Andreas Wieckenberg
Genau.
- 14:40 Ronald M. Arndt
Sind ja relativ lange der Brand, 8 Jahre, treu geblieben.
- 14:45 Andreas Wieckenberg
Ja.
- 14:45 Ronald M. Arndt
Tolle Chance natürlich, vom asiatischen Raum nach Amerika zu gehen.
- 14:49 Andreas Wieckenberg
Absolut. Und vor allem, ich hatte früher nie geplant, in die USA zu gehen. Da hatte ich wirklich gar kein Interesse. Da wurden es doch ein paar Jahre. Ich habe auch 2 Kinder, die dort geboren sind. Also deshalb, der Weg in die USA war jetzt nicht geplant. Das war einfach eine Möglichkeit, die mir angeboten wurde. Und für diese Möglichkeit bin ich auch Mandarin Oriental und den Menschen, die da involviert waren, immer noch dankbar bis heute, weil es auch eine ganz großartige Erfahrung war. Wieder was ganz anderes. Las Vegas, schnelllebig dort ein Hotel eröffnen zu dürfen, war großartig. Weniger großartig war natürlich 2009 dann der Financial Crash und dann Gespräche führen zu müssen, dass Mitarbeiter, dass wir uns von Mitarbeitern trennen müssen. Und dergleichen war jetzt weniger schön, aber auch eine Lebenserfahrung einfach. Nichtsdestotrotz tolles, großartiges Hotel, großartiges Umfeld. Also Las Vegas immer noch wahnsinnig tolle Stadt, in der man ganz viel erleben kann und ganz viel sehen kann.
- 15:57 Ronald M. Arndt
Und wenn Sie mal in Stuttgart sind, lade ich Sie ein, mal bei mir vorbeizuschauen. Sie werden schmunzeln, wenn Sie das Wohnzimmer betreten, denn ich habe da ein Bild hängen von einem Herrn, der so einen Cocktail in der Hand hält, an einer Bar steht offensichtlich, und das ist die Writers Bar im Raffles in Singapur. Hintergrund: Ich war mit 19 nach dem Abitur mit meiner jetzigen Frau Frau auf Rucksacktour, und ihren Geburtstag haben wir dann abends in der Writers Bar gefeiert. Und ich war so begeistert, weil das war auch wieder eines, muss schon sagen, ist auf meiner persönlichen Liste so vom, ja, ganz weit oben der Ikonen. Und als Erinnerung habe ich dann dieses Poster mitgenommen, dann schön rahmen lassen, und das hängt jetzt bei mir, ne. Und da waren Sie dann im Anschluss 3 Jahre, soweit ich weiß.
- 16:43 Andreas Wieckenberg
Da war ich im Anschluss dann daran Auch etwas, was ich niemals erwartet hätte, weil das ist Raffles, das ist heute noch immer noch eines der besten Hotels der Welt. Das ist wunderschön, eine unglaubliche Möglichkeit, da überhaupt arbeiten zu dürfen.
- 17:01 Ronald M. Arndt
Mal kurz nachrechnen, wann waren Sie im Raffles? Nicht, dass man so—
- 17:04 Andreas Wieckenberg
bis Ende 2018, okay, 3, 3,5 Jahre. Okay, auch eine großartige Zeit, eine sehr spannende Zeit, auch neu positioniert, Schließen des alten Raffles, die ganze Renovierung dieses wunderschönen Hotels. Also schon eine einzigartige, es ist eine sehr herausfordernde Erfahrung, aber auch sehr einzigartig und toll auch. Und dann Singapur als Stadt ist ja großartig, wirklich, wirklich tolle, tolle Menschen, tolles Essen, tolle Vielfältigkeit, also wirklich Ich durfte schon sehr viele tolle Dinge erfahren in meinem Hotelleben und darauf bin ich stolz und dafür bin ich aber auch sehr, sehr dankbar, dass mir die Möglichkeiten geboten wurden.
- 17:54 Ronald M. Arndt
Die Frage ist ja immer, wie hat jemand den Weg in die Hotellerie gefunden?
- 17:58 Andreas Wieckenberg
Naja, bei mir war das Zufall. So wie meine Schritte in der Hotellerie sehr zufällig geprägt waren, kam das eigentlich eher daraus, nicht aus der Not heraus, aber wirklich aus dem Zufall heraus. Ich hatte damals, als ich kurz vorm Abitur stand, hatte ich noch einen alten Freund, dessen Eltern hatten Restaurant. Die haben mal gesagt, hey, komm doch mal zu uns, was machst du in den Ferien? Willst Teller waschen? War ich Spüler, habe auch dann Töpfe gespült und habe mir da mehrmals die Hände verbrannt, ne, wenn die Köche die Töpfe auf die Seite gestellt haben. Ich musste die abholen, Topf spülen und alles. Und irgendwie hat mir das Spaß gemacht, das haben die gemerkt. Ich habe immer gesagt, ja, was mache ich nach dem Abitur? Gehe ich studieren oder mache ich eine Ausbildung? Und dann sagen die, geh doch in die Hotellerie. Und dann gesagt, ja, Hotellerie, keine Ahnung, was das ist oder was man da tut, aber ja klar, mache ich mal. Habe ich ein paar Bewerbungen geschrieben und hatte dann eben das Glück, auch in diesem großartigen Hotel, im Brenners Parkhotel Baden-Baden, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Und habe gesagt, ich kriege da eine Zusage, klar, mache ich. War auch nicht weit weg von zu Hause. Also hat eigentlich alles gepasst, also mache ich das.
- 19:03 Ronald M. Arndt
Damals gab es so die Suchmaschine, glaube ich, in der Form Google noch nicht, '99.
- 19:09 Andreas Wieckenberg
Nein, damals hat man noch einen Hotelführer aufgeschlagen.
- 19:11 Ronald M. Arndt
Woher kam die Inspiration, sich woanders zu bewerben?
- 19:15 Andreas Wieckenberg
Ich habe mir, ich weiß nicht mehr, was ich aufgeschlagen habe, aber ich habe mir einen Hotelführer aufgeschlagen und habe gesagt, was sind die besten Hotels, die ich mir vorstellen kann? Bisschen was im Schwarzwald, bisschen was in der Region, aber auch überregional, habe 5 Bewerbungen geschrieben, war in einem Hotel Probearbeiten, in 2 habe ich mich glaube ich vorgestellt, und so bin ich reingerutscht, also mit sehr, sehr viel Glück.
- 19:37 Ronald M. Arndt
Und sind dann beim Herrn Marrenbach, der damals da noch gewirkt hat, genau, Bewerbungsgespräch angetanzt.
- 19:42 Andreas Wieckenberg
Genau, da bin ich zum Bewerbungsgespräch, wahrscheinlich damals auch erst, wie alt würde gewesen sein, weiß nicht, um die 30 wahrscheinlich, unglaublich beeindruckende Person. War auch für mich wirklich, ich bin dahin gekommen, da hieß es, jetzt macht man mal eine Woche Praktikum. Klar, mache ich eine Woche Praktikum. Und dann hieß es, jetzt kommen Sie mal zum Direktor, oder war damals noch stellvertretender Direktor, und kommen Sie mal zum Gespräch, und dann werden wir mal sehen.
- 20:10 Ronald M. Arndt
Und ich bekam da die Zusage, nach dem Probearbeiten, nach dem Probearbeiten, wusste man schon eigentlich, was man da sich mit Herrn Wieckenberg ins Haus geholt hat.
- 20:18 Andreas Wieckenberg
Genau, da wurde schon getestet, Und hat der die richtige Einstellung?
- 20:21 Ronald M. Arndt
Teller spülen, konnte er schon mal. Töpfe spülen.
- 20:23 Andreas Wieckenberg
Genau, das hat er schon mal gemacht. Vielleicht hilft das ja weiter. Und ich hatte dann wirklich weiche Knie. Da geht man in das Büro runter. Damals gab es noch Treppenstufen ins Büro runter. Und dann bin ich mit ganz weichen Knien runtergelaufen. Und das bleibt mir ewig in Erinnerung. Ich habe da die Zusage bekommen und habe dann da eben die 3 Jahre Ausbildung gemacht zum Restaurantfachmann. Durfte dann eben noch mal 3 Jahre Studium dran anschließen. Und wie gesagt, dann war es Zeit, einfach weiterzuziehen. Aber da gibt es Momente, die werde ich nie vergessen, weil die haben sich eingebrannt, weil die einfach so entscheidend waren für meinen späteren Werdegang.
- 21:02 Ronald M. Arndt
Also Momente mit Gästen oder Erlebnisse an sich oder Dinge, die man einfach gelernt hat?
- 21:11 Andreas Wieckenberg
Ich glaube, eine Mischung von allem. Ansonsten eine Mischung von allem.
- 21:16 Ronald M. Arndt
Tolle Vorgesetzte, natürlich das Haus an sich, das Produkt an sich.
- 21:20 Andreas Wieckenberg
Ich hatte damals keine Ahnung von Hotels und in meiner Familie waren wir nicht in solchen Hotels unterwegs. Das heißt, allein da zu sein war schon eine Auszeichnung. Dort arbeiten zu dürfen war eine Auszeichnung. Das zum einen. Dann auch das Wissen der Mitarbeiter, der Manager dort. Das war unglaublich, was die alles wussten und im Detail. Dann aber auch unterschiedliche Charaktere. Die da arbeiteten, die waren halt einfach speziell, aber man konnte unglaublich viel von denen lernen. Und das war schön, das war einfach etwas, was ich so nicht kannte. Und es gab klare Regeln, denen wir folgen mussten. Also da wurde gesagt, ab sofort grüßen Sie jeden Gast mit der Tageszeit, lächeln, wie auch immer. Und diese Art von Aufmerksamkeit dem Gast gegenüber, das muss man erstmal lernen. Und das ist immer noch etwas, was ich bis heute in mir, mit mir trage und was mir auch immer im Täglichen hilft, den richtigen Umgang mit Menschen zu finden. Dieses Wertekonstrukt, das dort auch kommuniziert wurde, auch umzusetzen.
- 22:34 Ronald M. Arndt
Jetzt haben Sie nicht nur viele Länder, Kulturen und und Häuser und sicherlich auch Führungsstile und Marken haben sie kennengelernt, definitiv. Und wenn ich das jetzt so richtig einordne, dann ist jetzt der Quellenhof hier in Aachen eigentlich eine Riesenmöglichkeit, um das alles mal zusammenzuführen. Und ein Haus, was gerade auch so in den letzten Kriegstagen nach dem 45er ja stark beschädigt wurde, jetzt mit natürlich auch schon wieder 70 Jahren Abstand, aber noch mal zu neuer Blüte auch schlussendlich zu führen. Wo stehen Sie da heute und wie sahen so die letzten 2 Jahre aus, glaube ich, die Sie jetzt hier sind, ne?
- 23:15 Andreas Wieckenberg
Ja, etwas über 2 Jahre. Sehr anspruchsvolle Aufgabe, eine wunderschöne Aufgabe auch. Allerdings, als ich hierher kam, waren alle Lichter aus. Wir waren mitten in der Pandemie. Die Lichter, die noch an waren, hatten alle unterschiedliche Leuchtmittel drin. Das war alles ja nicht so einfach. Man kam auch direkt aus dem Kettenbetrieb, das war vorhin Accor unter der Marke Pullman. Dann wurden, wurde das in den Eigenbetrieb überführt, also der Fonds betreibt das Hotel mittlerweile selbst. Und dann gab es natürlich noch keine Richtung.
- 23:54 Ronald M. Arndt
Macht das der Fonds in der Regel, dass er Hotels selbst betreibt?
- 23:56 Andreas Wieckenberg
Oder diese Umstellung erfolgte Ende 2019 mit insgesamt 3 Hotels mittlerweile, wobei das alles eigenständige geschlossene Fonds sind. Aber es war einfach eine Zeit, in der man auch nicht wusste, okay, welche Richtung gehen wir denn? Was macht man mit diesem Quellenhof? Was sind die richtigen Entscheidungen? Und wäre gelogen zu sagen, ich hatte da schon einen Plan in der Tasche, als ich herkam. Was mich allerdings gereizt hat, war—
- 24:23 Ronald M. Arndt
musst erstmal das Licht anschalten wahrscheinlich.
- 24:25 Andreas Wieckenberg
Erstmal das Licht wieder anschalten, genau, und wieder Gäste empfangen.
- 24:27 Ronald M. Arndt
Schauen, was da ist, ne?
- 24:28 Andreas Wieckenberg
Ja, genau.
- 24:29 Ronald M. Arndt
Oder noch da ist.
- 24:30 Andreas Wieckenberg
Was noch da ist, auf was kann man aufbauen?
- 24:31 Ronald M. Arndt
Also Immobilie ist das eine, ich meine Team, Kultur etc. ist das andere.
- 24:35 Andreas Wieckenberg
Absolut.
- 24:36 Ronald M. Arndt
Und der Geist.
- 24:37 Andreas Wieckenberg
Genau, und deshalb war das ja auch so eine anspruchsvolle Aufgabe, weil eben dieser Plan gar nicht existierte. Man hatte schon Vorstellungen natürlich, wie man das gerne hätte. Aber wie kommt man denn dahin? Und deshalb schätze ich auch sehr, dass der Fonds von vornherein sagte, okay, machen Sie sich Gedanken und Sie kriegen die Zeit, auch erfolgreich sein zu können. Und nicht, ja, in 3 Monaten wollen wir aber Ergebnisse sehen, weil das ist nicht möglich. Nicht bei einer alten Substanz, die über viele Jahre nicht die Liebe erfuhr, die es verdiente. Und dann haben wir eben angefangen, erst mal, bevor wir das Bauliche angehen, das auch mal zu sagen, okay, was ist denn wichtig? Das Wichtigste in einem Hotel sind die Kontakte, sind die Menschen, sind die Mitarbeiter. Um die müssen wir uns als Erstes kümmern, um überhaupt irgendwie über Qualität sprechen zu können. Weil ein schönes Hotel kann jeder bauen, wenn er sehr viel Geld hat, aber großartige Hotels werden von Mitarbeitern gemacht. Das sind die auch, die die Gäste zum Wiederkommen bewegen. Das heißt, wir haben da erstmal einen Fahrplan festgelegt. Wie haben wir das gemacht? Wir haben Querschnitt von allen Mitarbeitern im Raum versammelt, haben auch noch Aachener eingeladen, die uns mal gesagt haben, wie seht ihr den Quellenhof und wie würdet ihr den gerne sehen?
- 25:58 Ronald M. Arndt
Und dann haben wir die Geschichten, habt ihr am Quellenhof damals erlebt? Ja, genau, kann man anknüpfen.
- 26:04 Andreas Wieckenberg
Wo kann man anknüpfen? Was ist denen denn wichtig? Weil ein Hotel lebt natürlich auch von den lokalen Gästen. Natürlich haben wir Zimmer, die wir vermieten, aber es lebt ja nicht nur von den Zimmern, die belegt sind, sondern wir brauchen ja auch, wir haben Restauration, wir haben eine wunderschöne Bar, das muss mit Leben gefüllt werden. Außenanlage. Eine wunderschöne Außenanlage. Und da war eben erstmal die Ansage, wir müssen jetzt uns selbst mal definieren. Wer sind wir? Das heißt, wir haben gemeinsam nämlich Mission, eine Vision formuliert, darauf aufbauend die Mission, wie wollen wir das erreichen, und dann auch unsere eigenen Werte, nach denen wir agieren wollen.
- 26:48 Ronald M. Arndt
Das klingt nach viel Grundlagenarbeit.
- 26:52 Andreas Wieckenberg
Sehr viel Grundlagenarbeit, aber ist eine sehr erfüllende, weil das einfach Spaß macht.
- 26:57 Ronald M. Arndt
Das erste Mal für Sie natürlich, dass Sie nicht in ein Haus reingegangen sind, das einfach lief und, um es sozusagen, mitgemacht hat, sondern hier musste man noch mal alles irgendwo definieren.
- 27:06 Andreas Wieckenberg
Genau, aber da durfte ich auch viele Dinge anwenden und implementieren und umsetzen, die ich zuvor ja unter ganz tollen Menschen lernen durfte. Sei es mit, sei es im Brenners Parkhotel, wo ich ja immer noch mit einem Auge drauf schiele, was wurde damals vor 20, 25 Jahren gemacht, weil die Richtungsanker Aufgaben sind ja hier ähnlicher. Ein Grand Hotel wird jünger, hieß es damals. Hier ist es natürlich der Quellenhof, muss auch jünger werden und mehr Leichtigkeit gewinnen. Und Leichtigkeit heißt dann auch gerade die Ansprache an Gast, oder Ansprache an den Gast. Wir können die Fassade nicht ändern.
- 27:46 Ronald M. Arndt
Neue Gastprofile im Haus auch anders als früher? Auch ein jüngeres Klientel im Vergleich zu früher vielleicht?
- 27:55 Andreas Wieckenberg
Also natürlich, auch was wir tun, natürlich anders. Zum Beispiel im Restaurant ging es früher um Fine Dining. Das ist kein Anspruch, den wir haben, sondern wir wollen, dass Gäste zu uns kommen, auch lokale Gäste immer wieder zu uns kommen und immer wieder was finden, was ihnen schmeckt.
- 28:10 Ronald M. Arndt
Das ist ja ein Trend, sage ich mal.
- 28:12 Andreas Wieckenberg
Ist ein Trend.
- 28:13 Ronald M. Arndt
Schöne Entwicklung, sage ich mal, die wieder Fahrt aufnimmt.
- 28:17 Andreas Wieckenberg
Genau, und das habe ich auch nicht erfunden. Man muss nur den Mut haben, dazu zu stehen und dann überzeugen und dann überzeugen. Und da arbeiten wir immer noch dran. Also das ist auch ein Prozess, das ist nicht abgeschlossen. Aber das Wichtigste ist wirklich, Leichtigkeit reinzubringen, Leichtigkeit in der Kommunikation, dass Mitarbeiter sich auch frei fühlen, so zu sein, wie sie sind, und das auch den Gästen zu zeigen, um auch wirklich herzlich sein zu können, von Herzen Gastgeber zu sein. Darum geht es. Und das ist ein Prozess, der weiter, den wir weiter vorantreiben. Und den haben wir dann, und diese Vision, Mission, die Leitwerte wie auch unsere eigenen Standards haben wir dann auch implementiert. Wir haben, wir nennen das den Quellenhof-Chorus, in dem das alles zusammengefasst ist. Und was wir jeden Tag auch besprechen, und diskutieren und wie können wir da den Schritt weitergehen, weil es ein Entwicklungsprozess ist, der nie abgeschlossen sein wird, der aber mittlerweile ja schon den einen oder anderen Erfolg nach sich gezogen hat. Das Hotel ist mittlerweile recht gut aufgestellt, das Gästefeedback ist sehr gut. Wir wurden auch hier und da schon wahrgenommen und ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, über die wir sehr stolz waren, war waren natürlich die 101 Besten. Allein aufgrund der Tatsache, dass diese Auszeichnung nichts mit Umbauarbeiten zu tun hatte, weil wir hatten keine neuen Zimmer, wir haben, wir hatten noch nichts renoviert, als wir diese Auszeichnung erhielten, sondern das ist eine Auszeichnung für die Mitarbeiter, für alle Kollegen, die sich täglich anstrengen, Gästen einfach eine tolle Erfahrung zu bieten. Ja, also great journey, great journey.
- 30:01 Ronald M. Arndt
Jetzt haben Sie gerade gesagt, also als Sie wieder das Licht angemacht haben. Man hat mit Mitarbeitern gesprochen, hat auch mit der Nachbarschaft gesprochen, mit den Aachenern an sich. Konnte man auch mit Gästen sprechen, die vielleicht den Quellenhof früher besucht haben, die vielleicht auch Stammgäste waren, mit einzelnen Pausen? Schwierig, oder? Absolut.
- 30:21 Andreas Wieckenberg
Damals war das nur, damals zu dem Zeitpunkt war schwierig, weil wir mitten in der Pandemie waren und kaum Gäste da waren.
- 30:28 Ronald M. Arndt
Aber dann Aber es gibt auch natürlich, wenn Accor davor der Betreiber war, da gab es ja auch keine Gastkartei, die ich jetzt irgendwie übernehmen konnte.
- 30:33 Andreas Wieckenberg
Nein, da war nichts mehr vorhanden, das war alles weg. Aber das Internet vergisst nichts. Das heißt, ich konnte ja immer prüfen, was wurde denn über den Quellenhof gesagt, was war das Gästefeedback online. Und da hat sich so schnell herauskristallisiert, woran wir arbeiten müssen. Zum einen Service Quality und Einstellung damit. Mitarbeiter ein einheitliches Werte- und Qualitätsverständnis schaffen. Zum anderen natürlich auch, dass das Produkt an sich, das Gebäude, dass das wieder gepflegt werden muss und wieder erneuert werden muss. Das wurde recht schnell klar, woraufhin wir ja auch als erste Maßnahme wieder den Spa instand gesetzt haben, während wir eben auch die neue Unternehmenskultur implementieren. Haben und die Planung für die Zimmervornahmen. Also da gab es unterschiedlichste Projekte, die zeitgleich liefen und weiterhin laufen. Und dann natürlich das ganz große Thema Digitalisierung, was natürlich auch unglaublich wichtig ist. Ja, und dann kamen ja alle Probleme, unter denen alle Hotels litten: Mitarbeiterknappheit, jetzt auch Energiekosten in so einem Gebäude. Wie dem unseren, das so alt ist, ist das natürlich ein extrem schwieriges Thema, da größere Effizienzen zu schaffen. Da sind wir weiterhin dran.
- 31:56 Ronald M. Arndt
Jetzt haben Sie ja vorher schon gesagt, dritte Etage. Ich glaube, die kam jetzt auch erst jetzt im März, ne? Vor 2 Wochen, letzten Monat. Okay, zum Abschluss, super toll. Da muss ich gerade an einen Hotel-Podcast zurückdenken mit dem Wilhelm Luxem im Borlack. Zürich, der auch gesagt hat, ja, zum einen muss natürlich immer erstmal das Geld da sein, um nach und nach renovieren zu können, aber es ist auch schwer, sage ich mal, ein Haus mal ganz zuzumachen und für eine Zeit vom Markt zu verschwinden. Ja, ähnliche Situation, denke ich mal, ne? Ähnliche, eigentlich auch ähnliche Struktur.
- 32:30 Andreas Wieckenberg
Ja, genau, ähnlicher Ansatz. Wir haben immer gesagt, wir können nicht schließen. Wenn wir das Hotel schließen, wird es um unglaublich schwer sein, wieder Mitarbeiter zu finden. Und wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, die wir haben. Und dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden. Deshalb haben wir entschieden, das im laufenden Betrieb zu machen und die Erneuerungen eben im laufenden Betrieb durchzuführen. Und das Schritt für Schritt und als fortlaufenden Prozess.
- 32:57 Ronald M. Arndt
Okay, jetzt bin ich ja schon gespannt, was dann auf dieser anderen Etage noch passiert.
- 33:04 Andreas Wieckenberg
Ich kann noch nicht so viel sagen, weil das ist alles—
- 33:07 Ronald M. Arndt
Ich glaube, ein Casino gibt es ja schon hier ums Eck.
- 33:10 Andreas Wieckenberg
Ein Casino gibt es mittlerweile im Stadion. Also hier in der Umgebung wird noch weiterentwickelt. Es gibt natürlich das alte Casinogebäude, es gibt den Euro Casino. Es wird kein Casino, aber ich freue mich drauf, wenn hier auch da hier in unserem Areal im Umfeld einfach mehr passiert und die Umbauarbeiten oder Erneuerungen Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, weil es das ganze Umfeld hier beleben wird. Da freue ich mich schon drauf, weil das gibt uns einfach nur Vorteile.
- 33:38 Ronald M. Arndt
Also sprich, Sie meinen auch, wäre gar nicht schlecht, noch mal irgendwie ein 5-Sterne-Haus hier in der Nachbarschaft zu haben, oder?
- 33:44 Andreas Wieckenberg
Ich fände das gut, weil es einfach Gästen mehr Wahl geben würde und es würde auch die Stadt Aachen aufwerten. Das ist meine persönliche Meinung. Ich fände das gut, ich fände das richtig. Und ja, wir könnten den Gästen dann noch mehr bieten. Absolut.
- 34:00 Ronald M. Arndt
Auch da ja eigentlich eine Parallele zu Stuttgart. So das 5-Sterne-Haus, sage ich mal, was wirklich internationales Klientel anzieht, hatten wir jetzt zuletzt auch nicht mehr. Umso schöner jetzt die Entscheidung eben von Althoff, den Schlossgarten wieder upzudaten, was ja jetzt dann 3 Jahre noch dauert. Aber dann sind wir wieder so weit. Absolut. Und das Das braucht es.
- 34:22 Andreas Wieckenberg
Ja, das braucht es.
- 34:23 Ronald M. Arndt
Weil am Ende entscheidet man sich doch auch für eine Stadt beim Deutschlandbesuch, weil da das und das Hotel eben ist und zu erleben ist.
- 34:31 Andreas Wieckenberg
Absolut.
- 34:32 Ronald M. Arndt
Ich glaube, genau gewichtet. Da kann hier der Dom sein, wie er will.
- 34:36 Andreas Wieckenberg
Aber genau, der Dom kann hier sein, wie er will, wenn es keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt, die die Gäste nicht als adäquat ansehen. Natürlich gibt es ja viele tolle Hotels. Ja, da gibt es ganz viele Kollegen, die wirklich einen wunderbaren Job machen. Da sind wir, da stellen wir uns nicht heraus. Wir sind einfach ein anderes Produkt als das, was hier aktuell in Aachen existiert. Aber wir sehen uns ja auch als Partner in der Stadt. Also wir gehen gemeinsam, wir müssen gemeinsam die Stadt Aachen, das Profil der Stadt Aachen schärfen, um auch gemeinsam erfolgreich sein zu können. Und dazu beziehe ich eben auch die Einzelhändler mit ein. Oder auch die anderen Gastronomen, weil die sollen alle erfolgreich sein. Wenn die Stadt Aachen mehr Profil gewinnt und bekannter gemacht wird und besser vermarktet wird, gewinnen wir alle.
- 35:26 Ronald M. Arndt
Was sind denn so die Hebel, sage ich mal, um beim internationalen Klientel auf die, auf die Landkarte zu rutschen? Das ist die Stadt Aachen und da einfach der Zusammenschluss, der Schulterschluss mit anderen Stakeholdern? Genau, aus der eigenen Kraft heraus habe ich jetzt vorher gesehen, ist halt der Partner von Preferred Hotels.
- 35:45 Andreas Wieckenberg
Genau, Preferred Hotels and Resorts, was uns einfach noch mal einen größeren Reach gibt, was uns ja einfach größere Vermarktungsmöglichkeiten weltweit offeriert und wo auch Preferred-Gäste und iPrefer-Members dann eben auch sagen, hey, da ist ein Hotel in Aachen, sieht aber schön aus, herum, die Fassade ist toll, komm, da gehen wir mal hin, da ist auch geschichtlich was geboten. Und speziell im US-amerikanischen Bereich ist man ja sehr an der Geschichte interessiert. Und wenn wir diese Geschichte über Aachen eben auch über diese Kanäle weiter verbreiten können, dann erzeugt das natürlich mehr Zuspruch. Und ich glaube, da kann, ja, da hilft uns uns Preferred Hotels and Resorts auf jeden Fall weiter, um auch Aachen als Stadt bekannter zu machen und unser Haus auch besser zu positionieren.
- 36:38 Ronald M. Arndt
Also ich finde Ihre Klaviatur ganz interessant, auf der Sie spielen, als eines der Grand Hoteliers zu sein und für den Gast da zu sein, aber auch das ganze Thema Mitarbeiterentwicklung, Kultur, was Sie vorher angesprochen haben, was für mich eigentlich noch mal ein Unternehmen an der Seite ist.
- 36:55 Andreas Wieckenberg
Ja.
- 36:55 Ronald M. Arndt
Kann ich mir das so vorstellen, dass es irgendwo so eine kleine Fibel gibt mit so ein paar Leitsätzen, auf die man sich jetzt mal geeinigt hat als Team? Und dann—
- 37:04 Andreas Wieckenberg
absolut. Ich greife jetzt mal kurz in meine Tasche.
- 37:06 Ronald M. Arndt
Okay.
- 37:07 Andreas Wieckenberg
Ja, die Fibel gibt es.
- 37:09 Ronald M. Arndt
Die gibt es.
- 37:09 Andreas Wieckenberg
Das ist der Quellenhof-Korpus. Und da steht eben auch alles drin, was ich gerade angesprochen habe. Wir haben zum einen unsere Vision, unsere Mission, wir haben unsere Leitwerte, Werte. Und dann gibt es noch gemeinsame Leitsätze, an die wir uns alle halten. Und all das wird natürlich täglich besprochen. Das sind natürlich, da habe ich gesprochen, nicht aktiv in jedem Briefing, okay, im ganzen Haus wird täglich der gleiche Leitsatz, die Vision, oder was das Thema des Tages ist, auch in gleicher Art und Weise besprochen und auch diskutiert zum Teil, weil nur dadurch erhält man das am Leben. Das haben wir natürlich auch nicht erfunden. Die Besten haben das schon vor vielen, vielen Jahren gemacht, sei es Ritz-Carlton oder auch Mandarin Oriental und wie sie alle heißen. Natürlich habe ich davon gelernt. Auch bei Raffles gab es das. Aber da habe ich eben auch gelernt, wie wichtig dieser Unterbau ist, dieser, die qualitätsbezogenen Werte, das Wertekonstrukt, auf das sich auch jeder Mitarbeiter verlassen kann und mit dem man auch argumentieren darf. Und das ist eben das Wichtige: ein einheitlicher Unterbau, ein verlässlicher Unterbau. Und den haben wir eben mit unserem Quellenhof-Chorus geschaffen. Jetzt sind wir heutzutage natürlich auch noch mehr gefordert zu kommunizieren. Was eben vor vielen, vielen Jahren die Fibel war oder unser Chorus, reicht heutzutage nicht mehr aus. Was haben wir zusätzlich noch gemacht? Es gibt auch den Quellenhof Podcast, den kann man sich sogar auf Spotify anhören. Das publiziert, weil viele unserer Mitarbeiter sich das einfach anhören wollen und die Erklärung anhören wollen. Also lesen können die alle. Es geht aber darum, was heißt denn das, was wir dahin geschrieben haben? Was ist eine Interpretationsmöglichkeit dessen? Und warum steht das da? Und das kann man sich da anhören und kann sich ja dann auch im Vorfeld, wenn man sagt, hey, ich interessiere mich für einen Quellenhof, weiß aber nicht, ob das der Platz ist, wo ich arbeiten möchte, kann man sich das anhören und sich dann entscheiden, ob man sich damit identifizieren kann. Und das ist für mich eben wichtig. Ich will die Identifikation, dass die Mitarbeiter sagen, hey, da gefällt's mir, das sind Werte, mit denen, mit denen lebe ich gerne und die lebe ich gerne.
- 39:34 Ronald M. Arndt
Und so ein Hotel, großes Hotel, hat ja nicht nur die Herausforderung, bei Mitarbeitern da gemeinsamen Nenner in Richtung Servicequalität beispielsweise reinzubringen, sondern großes Hotel vereint ja auch viele unterschiedliche Kulturen und Hintergründe wie eigentlich kein anderes Unternehmen.
- 39:57 Andreas Wieckenberg
Absolut, das ist ja das Schöne an unserem Beruf, dass wir, wir dürfen mit Menschen für Menschen arbeiten. Und das macht Freude. Das hat auch die ein oder andere Herausforderung. Aber es macht es ja so großartig, Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzubringen und deren Stärken auch nutzen zu dürfen. Aber auch Thema Frauen in Führungspositionen und dergleichen. Wir haben hier ganz, ganz tolle Mitarbeiterinnen. Meine Stellvertreterin zum Beispiel ist seit 23 Jahren im Haus, macht einen hervorragenden Job und ist wirklich super smart und unterstützt mich auch großartig. Auf der anderen Seite haben wir auch neue Teammitglieder wie unseren neuen Küchenchef, den Norman Fischer, oder die Sandra Spieweg, unsere F&B-Managerin, die wirklich das Team auch noch ergänzen und da wirklich auch noch mal ein anderes Qualitätsverständnis rein, mit reinbringen und da eben die ein oder andere Lücke schließen und wirklich ein großartiges Gästerlebnis erzeugen zu können.
- 41:06 Ronald M. Arndt
Ich überlege mir gerade, wie gerade in Aachen, wo es natürlich nur so ein besonderes Haus, sage ich mal, gibt, wie schwierig es ist, da Mitarbeiter zu finden, die davor was ganz anderes gemacht haben. Und die aber für die Grand-Hôtellerie zu gewinnen? Weil eigentlich hat man ja dann ein kleines USP, sage ich mal, mit dem Produkt.
- 41:26 Andreas Wieckenberg
Ja, absolut. Also wir wissen das schon. Es gibt Menschen, die kommen hierher und sind erst mal eingeschüchtert von der Fassade, bis die merken: Mein Gott, das sind ja alles ganz normale Menschen hier. Die sprechen normal miteinander auf Augenhöhe. Und hey, da kann man sich ja doch wohlfühlen. Also für viele ist das hier in der Region schon abschreckend, das ist richtig. Aber wenn man dann ins Gespräch kommt, merkt man, dass auf der anderen Seite auch nur Mensch sitzt und dass man sich doch in diesem Umfeld doch sehr wohlfühlen kann, weil wir eben auch gewisse Verlässlichkeiten schaffen. Auch, und, und da spielt jetzt Digitalisierung bei uns eine große Rolle. Die Gastkommunikation läuft nicht Gastkommunikation, die Mitarbeiterkommunikation läuft komplett digital. Nicht nur, natürlich auch one-on-one, aber wir kommunizieren sehr viel digital. Dienstpläne werden digital verbreitet und dann kann auch jeder nachgucken, wie arbeite ich. Oder man kann seine Wünsche äußern, dann kann das alles in Betracht gezogen werden. Oder auch Zeiterfassung noch besser bevor das überhaupt verpflichtend war, hatten wir das, weil wir gesagt haben, wir müssen ja auch die Zeit und den Einsatz unserer Mitarbeiter wirklich wertschätzen. Und das tun wir, indem wirklich auch Arbeitszeiten alle eingehalten werden, was normal sein sollte, ja, und bestimmt in den meisten Hotels mittlerweile gang und gäbe ist. Aber um auch den schlechten Ruf, den die Hotellerie zum Teil genießt, auch ein bisschen zu verbessern. Es ist wichtig, wir müssen unsere Mitarbeiter fair behandeln, wir müssen sie wertschätzen und die müssen auch ein Wort mitsprechen können. Und wenn bei uns Gäste kommen, die überzogene Anforderungen stellen und die Mitarbeiter an ihre Grenzen bringen, da muss man auch mal einen Schlussstrich ziehen und muss sagen, nein, hier entscheiden wir uns für den Mitarbeiter, weil der ist wichtig für uns, weil der Mitarbeiter ist der, derjenige, der uns erfolgreich macht.
- 43:30 Ronald M. Arndt
Ihre Kinder sind in den USA geboren. Ja, 2 Kinder haben Sie, glaube ich. Genau. Danach waren Sie in Singapur. Heißt es da nicht ab und an, Papa, komm, lass mal wieder einen Koffer packen und in die weite Welt hinaus? Weil die haben schon einiges gesehen.
- 43:44 Andreas Wieckenberg
Ja, der Gedanke ist immer mal wieder da, aber da, wo wir jetzt sind, da fühlen sich die Kinder unglaublich wohl. Da fühlen die sich zu Hause.
- 43:51 Ronald M. Arndt
Zu Hause, weil sie Aber sie haben es ja nie genossen, in Deutschland zu wohnen.
- 43:54 Andreas Wieckenberg
Nein, aber die haben jetzt natürlich auch ihre Freunde und alles. Und zu Hause ist da, wo Mama und Papa sind. Und das ist ja auch schon was Tolles.
- 44:05 Ronald M. Arndt
Ja, das ist aber ein guter Zeitpunkt, weil wahrscheinlich waren sie dann so gerade Grundschulalter, als sie in Deutschland angekommen sind.
- 44:11 Andreas Wieckenberg
Genau, zur Grundschule waren wir dann alle hier zurück in Deutschland. Da konnten die dann auch weiterhin ihre Freundschaften Freundschaften bilden und weiterentwickeln und eben in Fußballclub gehen und all diese Sachen machen. Also die fühlen sich unglaublich wohl hier in Deutschland. Kann aber schon mal sein, dass vielleicht dann doch mal kommt, hey Papa, wie wäre es mal wieder, Singapur war klasse, gehen wir mal wieder irgendwo anders hin.
- 44:33 Ronald M. Arndt
Da waren sie ja dann wirklich noch jung.
- 44:34 Andreas Wieckenberg
Da waren sie noch jung, wobei mein Sohn da schon noch Erinnerungen hat.
- 44:37 Ronald M. Arndt
Hat er noch Erinnerungen?
- 44:37 Andreas Wieckenberg
Ja, ja. Und das auch öfter mal äußert.
- 44:39 Ronald M. Arndt
Und was sagt er dann so, worüber muss man lachen? Manchmal, oder was? Wo denkt sie, weil ich war wie gesagt ja auch in Singapur im Raffles, und mir hat das sehr gut da gefallen, die eine Woche, die wir vor Ort waren. Aber was hat den Sohn damals so beeindruckt?
- 44:53 Andreas Wieckenberg
Na ja, also an was sie immer mal wieder zurückdenken, sind einfach die schönen Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Kulturen. Also meine Kinder haben überhaupt keine Berührungsängste mit Menschen, und das ist schön, das ist schön zu sehen. Wir behalten auch weiterhin Kontakt eben mit der chinesischen Sprache. Die gehen weiterhin zur Schule, in der Sprachschule, lernen das weiter. Nicht, dass sie es irgendwann mal perfekt sprechen können, aber dass der kulturelle Bezug nicht verloren geht. Und das ist schön und das machen die auch gerne. Auch chinesische Schriftzeichen lernen und so. Also das ist schon spannend und auch toll. Und wir wünschen uns auch, dass unsere Kinder diesen Kontakt nie verlieren.
- 45:35 Ronald M. Arndt
Wahnsinn. Also gerade Kind das in so jungen Jahren mitgeben kann und das dann auch schon hängen bleibt. Ja, ich glaube, so den ein oder anderen Vorzug der Hotellerie, in die Hotellerie zu gehen, haben wir schon besprochen. Sie haben vorher ein paar Namen Ihrer, Ihres Teams aufgezählt. Ich habe in der Vorabrecherche festgestellt, dass es dezidiert eine Person gibt, die sich um den Bereich Nachhaltigkeit kümmert, was auffällig war erstmal. Wie kann ich mir das vorstellen? So eine Person, die immer mit dem, die immer das letzte Wort hat oder immer den Finger auch mal heben darf, wenn irgendwas nicht so läuft oder noch zu verbessern ist?
- 46:12 Andreas Wieckenberg
Die Person ist die Christina Bachem, eine ganz junge Mitarbeiterin, die aber super aktiv ist, eben wenn es um Sustainability, Nachhaltigkeit geht. Und dieses Thema muss ja heute überall Relevanz behalten. Das ist ja ganz wichtig. Und für uns ist es eben auch wichtig, da nicht die Augen vor zu verschließen. Und deshalb haben wir uns entschieden, da eine junge Kollegin mit zu betrauen, die da sehr engagiert ist und die auch durchaus sagen darf, hallo, hier geht es in eine Richtung, ist nicht gut. Ist ganz, ganz wichtig, dass wir da dann eben auch zuhören. Die ist auch noch sehr jung und ist deshalb auch sehr offen in dem, was sie sagt, und sehr outspoken. Das hilft uns aber weiter.
- 46:58 Ronald M. Arndt
Und hat selbst eine Begeisterung für das Thema?
- 47:00 Andreas Wieckenberg
Ja, unglaublich.
- 47:00 Ronald M. Arndt
Ist ja wahrscheinlich nicht so, wie irgendwie, wenn du im Unternehmen arbeitest, wo du sagst, du machst jetzt einen Ersthelferkurs.
- 47:06 Andreas Wieckenberg
Nein, überhaupt nicht. Sie wollte das machen.
- 47:08 Ronald M. Arndt
Okay, cool.
- 47:08 Andreas Wieckenberg
Das kam alles von ihr. Und dann haben wir gesagt, natürlich, das muss man unterstützen, das müssen wir nutzen, diesen Enthusiasmus bezüglich dieses Themas. Und das ist klasse. Und da kommen auch ganz viele Ideen raus. Was kann man tun? Future Rate und wie auch immer befindet sich ja alles bei uns auf der Website. Ja, zum Beispiel, dass wir für Firmenverträge denen sagen, ihr verzichtet zum Beispiel auf Zimmerreinigung, wenn ihr einen Tag da seid, und wir spenden dafür für einen guten Zweck lokal. Zum Beispiel so was, aber auch ganz einfache operative Dinge. Wir haben jetzt mittlerweile umgesetzt, dass alle— und wir haben weiterhin Minibars in allen Zimmern, die sind alle ausgeschaltet, weil wir sagen, Minibars werden kaum genutzt in Hotels. Es gibt den ein oder anderen, der das möchte, aber was hindert uns denn daran, die Minibar immer noch zur Verfügung zu stellen? Die ist aber aus. Wir haben allerdings einen Bestellschein, oder dann könnte jeder Gast uns sagen, was er gerne hätte, und dann statten wir das aus, und dann schalten wir das auch wieder an. Da ist ein Bluetooth-Schalter, dann kommt ein Housekeeping, macht zack, und dann geht die Minibar an. Also wirklich ganz, ganz simpel. Wir haben das Rad auch nicht neu erfunden, aber wir sagen halt, wir brauchen nicht 122 Minibars durchrauschen lassen und Getränke kühlen lassen, wenn das kaum genutzt wird. Und das sind eben solche Dinge, über die wir tagtäglich auch nachdenken. Was können wir ändern? Was müssen wir ändern? Was macht denn Sinn? Was macht denn auch wirtschaftlich sind. Auch in der Auswahl unserer Produkte, die wir im Restaurant verwenden, dann überlegen wir uns auch, wo kommt denn das her, was ist das, was wir da verwenden. Wir wissen natürlich auch, als Hotelbusiness werden wir wahrscheinlich nie 100% nachhaltig sein können, aber trotzdem müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen, um Food Waste zu vermeiden, um einfach Müll zu vermeiden und wirklich alles so weit zu reduzieren, wie wir können, ohne dass die Gasterfahrung eingeschränkt wird. Das ist ja die große Kunst. Und vielleicht sogar ein höheres Maß an Individualisierung zu erreichen. Mit dem Minibar-Konzept, glaube ich daran, tun wir das, aber das ist ja nur ein ganz kleiner Schritt. Aber da gibt es viele, viele kleine Schritte, die wir gehen können und die auch dafür sorgen, dass es insgesamt besser wird.
- 49:30 Ronald M. Arndt
Also mir gefällt diese Aufbruchsstimmung, die ich jetzt noch nie so, sage ich mal, erfahren habe in Verbindung mit dem Grand Hotel.
- 49:40 Andreas Wieckenberg
Danke.
- 49:41 Ronald M. Arndt
Von denen, die ich schon kennenlernen durfte, das eine. Aber dann natürlich auch diese klare Verteilung auf mehreren Schultern. Das heißt, da gibt es nicht nur Herrn Wieckenberg und der jetzt, sagen wir mal, alle seine Fähigkeiten, was er so gesehen hat weltweit, da damit reinbringt, sondern 23 Jahre war die Stellvertretung schon dabei. Jetzt die Frau Bache mit der Nachhaltigkeit, die Dame, Namen habe ich jetzt nicht im Kopf, die uns gerade im Bistro so nett und freundlich bedient hatte. Also bin mir sicher, da entsteht Großes und würde mich freuen, das über den Hotel-Podcast weiter auch mit begleiten zu dürfen.
- 50:17 Andreas Wieckenberg
Ja, sehr gerne, und vielen Dank auch, dass Sie heute da sind und mit mir drüber sprechen. Weil das ist ein Thema, da bin ich mit Eifer dran. Und das Thema Veränderung, Neupositionierung und eben so ein wunderschönes Hotel wie den Quellenhof wieder auf Spur zu bringen, ist einfach eine wundervolle Aufgabe, die sehr, sehr viel Spaß macht, die sehr fordernd ist, aber wirklich, wirklich ja Freude macht. Und vor allem mit ihm im Team. Und wenn man dann auch das Glück hat, auch neues tolles Team bilden zu dürfen, dann macht das natürlich doppelt Freude, weil man gemeinsam nach vorne geht.
- 50:55 Ronald M. Arndt
Wir fragen uns natürlich nach wie vor, die Antwort kriegen wir heute nicht, was in dieser weiteren Etage passiert. Aber wie gesagt, das ist dann der nächste Grund, um hier in Aachen vorbeizukommen. Absolut. Sie melden sich bei mir, wenn es soweit ist. Und ja, bis dahin, jetzt gucke ich mal auf die Uhr, Ostern, das Osterwochenende naht. Genau. Ihnen und Ihrem Team, ganzen Quellenhof hier in Aachen, wünsche ich von Herzen alles Gute.
- 51:21 Andreas Wieckenberg
Herzlichen Dank, ebenso.
- 51:24 Ronald M. Arndt
Und ja, dann bis zum nächsten Mal.
- 51:26 Andreas Wieckenberg
Bis zum nächsten Mal, vielen Dank.
- 51:27 Ronald M. Arndt
Danke.