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Germany · Episode #1 · 13.11.2020 · 22 Min

Vom Traumberuf Opernsängerin zum AWA Hotel

Anita WandingerAWA Hotel · München
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Aufgenommen: AWA Hotel, München

Standbild aus der Episode mit Anita Wandinger Germany22 Min

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„Es gibt nie den perfekten Tag für gar nichts im Leben.“

Anita Wandinger, 16:02

Anita Wandinger hat im März 2019 mit nicht mal 30 Jahren das AWA Hotel in München eröffnet, 88 Zimmer in einer Immobilie ihrer Eltern, die vorher verpachtet war. Sie erzählt Ronald M. Arndt von der abgebrochenen Ausbildung zur Opernsängerin, von vier Mitarbeitern ohne Hotelerfahrung am ersten Tag und von Trial and Error als Arbeitsweise. AWA steht für Awareness, Women, Arts: Pumpspender statt kleiner Seifen, Teambuilding im Tierheim und das Haus als Plattform für Frauen mit eigenen Projekten.

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Kernaussagen

  1. Start ohne Hotelerfahrung: Am ersten Tag hatte sie vier Mitarbeiter, keiner mit Hotelvorerfahrung. Die zweiwöchige Schulung am Hotelbetriebssystem lief zur Eröffnung, sie selbst stand am Empfang und checkte die ersten Gäste ein.
  2. Trial and Error: Für einen Wasserschaden über mehrere Stockwerke oder Personalfragen hat sie kein Handbuch. Sie entscheidet im Moment so, wie sie es gut findet, und prüft im Nachhinein, ob es richtig war.
  3. Große Zahlen, Familienbesitz: Weil sie jede Anschaffung 88-mal kaufen muss, hat sie die Angst vor großen Summen verloren. Den Bankkredit konnte sie überhaupt nur beantragen, weil das Gebäude der Familie gehört.
  4. Awareness, Women, Arts: Das Haus hieß früher Conrad Hotel de Ville, den Namen AWA brachte ihr Vater Anton Wandinger ins Spiel. Dazu gehören Pumpspender statt kleiner Seifen, Teambuilding im Tierheim München und eine Wand am Aufzug, die die Künstlerin Katharina Koss bemalen soll.
  5. Frauen fördern: Ihre rechte Hand hat sich auf eine Rezeptionsstelle bewerben und am ersten Arbeitstag die Geschäftsführungs-Assistenz übernommen. Das Hotel soll Raum geben, wenn Frauen ein Produkt oder ein eigenes Projekt vorstellen wollen.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Mit nicht mal 30 Jahren gründet Anita Wandinger im Frühjahr 2019 das AWA Hotel in München. Bei 88 Zimmern hat sie die Angst vor großen Zahlen in der Zwischenzeit verloren. Begegnen Sie mit mir einer außergewöhnlichen Powerfrau, welche Teambuilding schon mal ins Tierheim verlegt und für die “AWA” weit mehr als drei Buchstaben sind. Im Detail geht sie auf die verschiedenen Schritte der Hoteleröffnung ein und ist bereits auf der Suche nach der zweiten Immobilie. Ihr Haus sieht die junge Münchnerin als Plattform, welche Frauen dazu ermutigen soll, eigene Projekte in die Tat umzusetzen und einfach mal mit der ihr so lieb gewonnenen Trial-and-Error-Methode loszulegen.

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Transkript

Transkript öffnenTranskript schließen22 Min · Ronald M. Arndt und Anita Wandinger

Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:07
    Ronald M. Arndt

    Ja, liebe Anita Wandinger, ich freue mich sehr, heute bei Ihnen zu Gast zu sein, hier in Ihrem AVA Hotel unweit des Münchner Hauptbahnhofs.

  2. 00:16
    Anita Wandinger

    Vielen Dank, schön, dass Sie da sind, oder dass du da bist eigentlich, oder?

  3. 00:19
    Ronald M. Arndt

    Ja, sollen wir uns aufs Du einigen?

  4. 00:22
    Anita Wandinger

    Gerne.

  5. 00:22
    Ronald M. Arndt

    Gut, ich bin ja schon einen Ticken älter. Vermute ich. Ich habe gar nicht.

  6. 00:28
    Anita Wandinger

    Wirklich?

  7. 00:29
    Ronald M. Arndt

    Ich bin jetzt 35 geworden.

  8. 00:30
    Anita Wandinger

    Ah, okay.

  9. 00:31
    Ronald M. Arndt

    Und du?

  10. 00:31
    Anita Wandinger

    Ich werde 30.

  11. 00:32
    Ronald M. Arndt

    Du wirst 30, ne? Ich wusste doch, ich habe mich gefragt, hat sie schon die 30 erreicht? Aber noch nicht.

  12. 00:38
    Anita Wandinger

    Noch verschont.

  13. 00:40
    Ronald M. Arndt

    Also umso verrückter, denn Janita ist die Inhaberin des ABBA Hotels. Richtig. War das immer schon vorbestimmt? Oder, weil ich habe irgendwo gelesen, dass du eigentlich Opernsängerin werden wolltest.

  14. 00:52
    Anita Wandinger

    Ja, Es war teilweise vorbestimmt, könnte man schon sagen. Ja, das Haus gehört meinen Eltern und die haben das aber nicht selbst betrieben, sondern es war immer ein Pächter drauf. Und als der rausging, stand natürlich die Frage im Raum, ja, was machen wir jetzt eigentlich mit der Immobilie? Und ja, ich hatte zwar nicht vor, das zu machen, aber ich dachte mir irgendwie, wenn ich das jetzt absage, dann ist Irgendwie das. Also da würde ich dann immer überlegen, wie wäre das eigentlich gewesen?

  15. 01:24
    Ronald M. Arndt

    Okay, das heißt, die Eltern waren schon in der Hotellerie tätig?

  16. 01:29
    Anita Wandinger

    Die waren schon tätig. Meine Mama führt seit '93 ja ihr eigenes Haus.

  17. 01:32
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  18. 01:33
    Anita Wandinger

    Da wollte ich aber auch nie mit einsteigen. Ich wollte eigentlich echt wirklich gerne was Kreatives machen. Das liegt mir mehr. Gerade Musik wäre schon mein Traum gewesen. Aber da muss ich auch sagen, ich habe ja angefangen mit der Ausbildung zur Opernsängerin und dann, das ist so Also es macht dann keinen Spaß mehr. Es ist dann alles so streng und man muss üben und ja.

  19. 01:54
    Ronald M. Arndt

    Okay. Und wo kann man sich zur Opernsängerin ausbilden lassen? Also gibt es da—

  20. 02:00
    Anita Wandinger

    In München gibt es eine sehr gute Hochschule dafür, für Musik. Ich war da praktisch in der Vorausbildung vor der Aufnahmeprüfung, hatte dort schon einen Dozenten, der mich im Gesang eben unterrichtet hat, aber alles andere, so Musikgeschichte etc., da habe ich noch gar nicht mit angefangen. Also ich spiele auch kein Instrument, sondern wirklich nur mit meiner Stimme habe ich halt angefangen. Aber selbst das hat mir, sobald es dann so ein Job wird, keinen Spaß mehr gemacht.

  21. 02:26
    Ronald M. Arndt

    Okay, also dann wurde es das eigene Hotel, das eva. Jetzt vor— wann haben Sie— wann hast du eröffnet? Letztes Jahr, 2019, im Februar, ne? Februar oder März.

  22. 02:37
    Anita Wandinger

    Im März haben wir den ersten Gast aufgenommen, ja.

  23. 02:39
    Ronald M. Arndt

    Den ersten Gast, okay. Was hat sich seitdem getan?

  24. 02:42
    Anita Wandinger

    Oh, wahnsinnig viel. Ich erinnere mich noch an den ersten Tag, da hatte ich 4 Mitarbeiter nur. Keiner hatte Hotelvorerfahrung. Das heißt, am ersten Tag, als das Hotel eröffnet hat, hatten die erst mal ihre 2-wöchige Schulung, wie überhaupt ein Hotelbetriebssystem funktioniert. Und ich war dann selber am Empfang und habe die ersten Gäste halt eingecheckt. Was ich heutzutage— bin ich ja fast gar nicht mehr an der Rezeption, sondern ich mache alles Mögliche, nur nicht, was eigentlich mit dem Hotel irgendwie was zu tun hat. Ja, wir haben viel renoviert, das Team hat sich komplett ausgetauscht. Also es ist wirklich kein Vergleich zu, wie es vor einem Jahr aussah.

  25. 03:20
    Ronald M. Arndt

    Super. Ja, und es sind 88 Zimmer?

  26. 03:22
    Anita Wandinger

    Ja, 88 Zimmer.

  27. 03:24
    Ronald M. Arndt

    Auch die wurden auf den Kopf gestellt?

  28. 03:25
    Anita Wandinger

    Komplett, ja. Allerdings schon vor der Eröffnung tatsächlich.

  29. 03:28
    Ronald M. Arndt

    Schon vor der Eröffnung.

  30. 03:29
    Anita Wandinger

    Aber auch da gibt es noch Pläne.

  31. 03:31
    Ronald M. Arndt

    Okay. Und jetzt sitzen wir ja gerade im Erdgeschoss, im Frühstücksraum, der auch schon um einiges hier umgebaut worden ist seit meinem letzten Besuch bei dir.

  32. 03:42
    Anita Wandinger

    Ja, richtig. Jetzt sind wir hier so gerade in der Mitte stecken geblieben sozusagen. Wir machen immer so Schritt für Schritt, je nachdem Budget, und Zeit. Und ich bin ja jetzt auch kein Innendesigner, deswegen, ich muss immer erstmal sehen, wie es nach der ersten Veränderung aussieht, und dann weiß ich erst, wie ich jetzt weitermachen will. Also ich kann nicht in den Raum reingehen und sagen, okay, das will ich später machen.

  33. 04:06
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, ich glaube, so würde ich auch vorgehen. Ja, es funktioniert bisher, und es funktioniert. Genau, okay. Du sagst, deine Mutter hat ihr eigenes Hotel gehabt, Wie war es mit dem Papa? Dein Vater?

  34. 04:18
    Anita Wandinger

    Sie hat das Hotel auch noch.

  35. 04:19
    Ronald M. Arndt

    Sie hat das Hotel noch? Okay.

  36. 04:21
    Anita Wandinger

    Mein Papa hat früher im Nachtleben in München gearbeitet. Der hatte seine eigenen Diskotheken.

  37. 04:26
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  38. 04:27
    Anita Wandinger

    Der ist aber mittlerweile 80 und jetzt ruht er sich aus. Okay. Jetzt hat er sich das auch verdient, dass er— Er ist zwar noch sehr involviert, also wir reden viel übers Geschäft. Das interessiert ihn auch. Und er kommt auch öfter mal vorbei und schaut, ob alles ordentlich aussieht. Aber er ist natürlich nicht mehr im Tagesgeschäft. Also er hat keine festen Aufgaben mehr, so gesehen.

  39. 04:47
    Ronald M. Arndt

    Okay, cool.

  40. 04:48
    Anita Wandinger

    Ja.

  41. 04:50
    Ronald M. Arndt

    Ja, wie ist es denn so, sein eigenes Hotel zu leiten? Ich meine, das kann sich sicherlich der eine oder andere vorstellen, aber wenn man dann doch mit unter 30 noch damit beginnt und volle Verantwortung hat und sicherlich auch einen Kredit dafür aufnimmt.

  42. 05:05
    Anita Wandinger

    Ich würde es ganz gerne mal ausprobieren, wenn jemand einfach einen Tag meine Position übernimmt. Ich finde das ganz witzig, weil Ich habe die Sachen ja auch nicht vorher gelernt. Also ich sitze dann zum Beispiel an meinem Platz und dann sagt mir irgendjemand, hey, da ist ein Wasserschaden und es sind ein paar Stockwerke voll mit Wasser. Und dann suche ich halt eine Lösung. Also es ist ja jetzt nicht so, als habe ich ein Handbuch, wo ich jetzt weiß, ah okay, jetzt gehe ich hier so oder so vor. Oder auch das Thema Mitarbeiter ist ja so eine Sache. Learning by doing oder Trial and Error, sage ich eigentlich immer. Mache das halt dann in dem Moment so, wie ich es gut finde, und dann denke ich mir im Nachhinein, war das jetzt so richtig? Und daraus lerne ich dann wieder. Okay, ja, ja, mit dem Bankkredit, das ist halt so eine Sache. Also ich habe das Glück natürlich dadurch, dass das Gebäude im Familienbesitz ist, dass ich sowas überhaupt beantragen kann. Ja, ja, ohne glaube ich, sähe es hier ganz anders aus. Also die ganzen Renovierungen hätten wir dann nicht machen können, dann wäre das Haus bei Weitem nicht so modern, wie es jetzt ist. Ja, aber sobald man anfängt, mit so großen Zahlen auch zu rechnen, dann verliert man so diese Angst davor.

  43. 06:12
    Ronald M. Arndt

    Okay, ja.

  44. 06:12
    Anita Wandinger

    Also es ist, ich weiß nicht, es ist halt was anderes als mein privates Konto beim Unternehmen, ne?

  45. 06:17
    Ronald M. Arndt

    Ja, verstehe. Oder ich versuche es zu verstehen.

  46. 06:20
    Anita Wandinger

    Ja, ich hatte das aber noch nie, dass ich mir dachte, oh, das ist aber ganz schön viel Geld, sondern ich dachte mir immer so, naja, es sind halt 88, ich muss ja immer, egal was ich kaufe, das 88-mal kaufen, ist ja klar, dass dann eine größere Nummer bei rauskommt.

  47. 06:35
    Ronald M. Arndt

    Und der Umsatz ist natürlich auch ein anderer wie das private Gehalt, das ich irgendwo durch einen festen Job einfach generiere.

  48. 06:43
    Anita Wandinger

    Ja, wobei auch das im Hotel schon manchmal echt traurig ist, wie viel Geld irgendwie auf dem Weg praktisch ausgegeben wird schon wieder. Das bedenkt man immer gar nicht. Aber wenn der Gast bei uns irgendwie so und so viel für seinen Aufenthalt zahlt, was dann am Ende wirklich noch liegen bleibt, nachdem der ganze Service und alles geboten ist, ist da wirklich nicht viel.

  49. 07:01
    Ronald M. Arndt

    Also das auch natürlich Kommission zuallererst, ja, richtig, weil ja die meisten immer noch über Booking und Co. buchen.

  50. 07:10
    Anita Wandinger

    Genau, das natürlich, ja. Da versuchen wir jetzt auch natürlich weiter ins Direct Marketing zu gehen, daher kennen wir uns ja auch. Aber auch sonst Kosten, das ist wirklich irre, für Wartungen, für so Strom, Wasser, das sind also alle Zahlen, die bei uns durchlaufen, sind halt immer enorm hoch.

  51. 07:28
    Ronald M. Arndt

    Ja, Ava, woher kommt der Name? Hat das Haus den Namen Ava schon früher gehabt?

  52. 07:33
    Anita Wandinger

    Das Haus hieß früher Conrad Hotel de Ville. Das gehörte, also der Pächter war der Herr Conrad Meyer, deswegen. Und wir haben das dann umgetauft in Ava. Die Idee hatte eigentlich mein Vater, das ist ganz lustig, und er dachte sich halt Anita Wandinger. Und ich dachte mir, naja, aber eigentlich ist es halt auch Anton Wandinger.

  53. 07:52
    Ronald M. Arndt

    Okay, Vater hieß Anton.

  54. 07:53
    Anita Wandinger

    Und er hat mich ja hier so ein bisschen reingewunken, sage ich jetzt mal. Also er hatte schon eine große Rolle in meiner Entscheidungsfindung. Ja, und dann dachte ich mir aber halt nur einen Namen fand ich ein bisschen zu langweilig. Also es ist ja schön, dass es seine Initialen sind, aber ja, und dann kam ich halt so langsam in dieses Konzept. Ich wollte, am Anfang hieß es noch irgendwas mit Water, weil da wollte ich erst mal so die Meerestiere und so was unterstützen. Wir haben ja auch da mit 4ocean eine Kooperation gestartet, die ja in den Meeren Plastik raussammeln und so. Und dann kam ich irgendwie aber Awareness, da ist ja auch schon das Ava drin, weil ich mir dachte, na ja, warum soll ich eigentlich als Münchnerin jetzt mich so auf die Meere fokussieren? Das ist ein bisschen weit weg. Dann dachte ich mir, okay, Awareness kann man halt auch im Haus mehr einbinden. Und dann kam irgendwann so, glaube ich, monatlich hat es gedauert, bis es, bis der Name dann wirklich zu Awareness Women Arts wurde. Und damit bin ich jetzt auch so happy, da glaube ich auch nicht mehr weg.

  55. 08:49
    Ronald M. Arndt

    Also das Wurde dann euer Konzept, eure Philosophie, sage ich mal, im Hintergrund?

  56. 08:55
    Anita Wandinger

    Richtig.

  57. 08:56
    Ronald M. Arndt

    Oder auch im Vordergrund? Ja, weil ich sehe hier schon gerade Arts, sagst Kunst, was hier im Frühstückssaal einfach alles schon an der Wand hängt.

  58. 09:05
    Anita Wandinger

    Ja, das versuchen wir auch auf den Gängen und in den Zimmern gut umzusetzen. Wir sprechen auch gerade mit mehreren Künstlern, ob die hier nicht mal eine Vernissage machen wollen, also eine Ausstellung. Oder ob ich spreche mit einer Künstlerin, die in München ganz bekannt ist, die Katharina Koss. Die, mit ihr planen wir hier ein ganz cooles Projekt. Und zwar haben wir eine lange Wand entlang unseres Aufzuges und die würden wir gerne komplett von ihr halt bemalen lassen. Also solche Projekte, also da sind wir echt noch am Anfang. Also da habe ich noch so viele Ideen, was da noch kommen kann.

  59. 09:36
    Ronald M. Arndt

    Sehr schön. Am Anfang und ich vermute jederzeit offen für Input, für Ideen von außen.

  60. 09:44
    Anita Wandinger

    Absolut, also versuchen immer nach Kooperationen. Es war halt bei mir so wie beim typischen Gründer, man hat erstmal seine Vision und dann holt einen der Alltag irgendwie ein und man vergisst es erstmal wieder. Man ist so beschäftigt mit dem, was halt sonst auf einen zukommt.

  61. 09:59
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, ja, aber mit der Kunst, sage ich mal, spannt sich ja auch wieder der Bogen zur Opernsängerin, richtig?

  62. 10:04
    Anita Wandinger

    Ja, das auf jeden Fall meine persönliche Liebe da, die da drin steckt.

  63. 10:07
    Ronald M. Arndt

    Vielleicht kannst du noch was zu Awareness und Women sagen?

  64. 10:11
    Anita Wandinger

    Awareness ist einfach so, ich persönlich, also mich macht es glücklich, wenn zum Beispiel so schönes Wetter ist wie heute. Ich kann mich aber auch daran erfreuen, wenn es richtig regnet, so wie gestern Abend. Ich finde halt, wenn ich mit meiner Welt oder mit den Menschen um mich herum sorgsam umgehe, das ist einfach so mein Ding. So wurde ich auch erzogen, sag ich mal. Und wenn jeder halt seinen kleinen Beitrag da leistet, dann kann man halt so viel bewegen. Bewegen, ja. Und deswegen möchte ich hier im Hotel halt einfach gewisse Ansätze auch weiterverfolgen, sei es den Müll möglichst gering zu halten, also gerade alle so Wegwerfprodukte einfach möglichst gering zu halten. Deswegen, bei uns gibt es keine kleinen Seifen, die gibt es bei uns einfach nicht. Es gibt bei uns Pumpspender, die werden auch ordentlich abgewaschen nach jedem Gast, das heißt, da holt man sich nichts. Aber es ist halt kein Produkt, was ich nach jedem Gast wieder wegwerfe. So, und auch bei anderen Sachen im Zimmer lege ich einfach Wert darauf, Qualität mit einem Gedanken dahinter. Wir wollten jetzt auch hier zum Beispiel, es gibt ja diese Moosbilder, das finde ich auch wieder total cool, dass man da einfach so die Natur ins Haus reinholt. Ja, Awareness ist ein großes Thema, kann man echt in viele, also wir machen jetzt auch unser nächstes Teambuilding-Event machen wir im Tierheim in München. Da ist halt wieder, das ist einfach der Hintergedanke, Teambuilding ist ja gut fürs Team, aber anstatt dass wir halt irgendwie wandern gehen oder so, Macht auch Spaß, aber warum nicht im Tierheim irgendwie mal einen Käfig ausmisten oder irgendwas neu streichen?

  65. 11:37
    Ronald M. Arndt

    Ja, und ganz spannend auch natürlich seine Mitarbeiter, sein Team mit Themen, sage ich mal, zusammenzubringen, zu konfrontieren, die einem selber wichtig sind. Weil am Ende sind das ja auch alles Multiplikatoren.

  66. 11:50
    Anita Wandinger

    Also ich hatte auch wirklich, ich habe auch Phasen beim Thema Awareness, ich habe Phasen, wo ich mich viel mit den Themen beschäftige, da kann ich dann fast nicht schlafen nachts. Und ich habe auch keine Angst, das anzusprechen. Also ich zeige auch immer wieder auf meinem Instagram-Account, gerade Instagram ist ja so ein Portal, wo man schön und alles muss perfekt sein. Und ich spreche da aber ganz offen immer Themen an, gerade wie, weiß ich nicht, Hühnerhaltung etc., eben nicht so schöne Themen. Ich versuche das zwar nicht so krass dann zu zeigen, aber ich möchte einfach mal wieder so das ins Gedächtnis rufen.

  67. 12:19
    Ronald M. Arndt

    Okay, gerade zum Thema Hühnerhaltung, was kommt dir da in den Kopf?

  68. 12:23
    Anita Wandinger

    Ich bin echt erschüttert gewesen, als ich im älteren Erwachsenenalter, sage ich jetzt mal, erfahren habe, dass die männlichen Hühner bei den meisten nicht leben dürfen. Das finde ich auch heute immer noch. Ich verstehe das nicht. Ich verstehe nicht, warum ist Profit oder Geld hier mehr wert als Leben und Ethik? Also ich verstehe nicht, warum das legal ist. Das leuchtet mir einfach nicht ein. Ich kapiere es nicht. Meine Logik ist da zu Ende.

  69. 12:51
    Ronald M. Arndt

    Und es interessiert sich auch keiner dafür. Warum? Weil keiner eigentlich so recht darüber Bescheid weiß.

  70. 12:57
    Anita Wandinger

    Das glaube ich nämlich auch.

  71. 12:58
    Ronald M. Arndt

    Das ist eigentlich das Hauptproblem.

  72. 12:59
    Anita Wandinger

    Das glaube ich wirklich auch, dass es untergeht. Und dann habe ich jetzt mit Niels mich unterhalten, der ist ja Holländer, und in Holland sagt nämlich Lidl, die größte Marke dort, wir kaufen diese Produkte nicht mehr ein. Und dann habe ich mir gedacht, oh, das finde ich toll, das finde ich super. Und damit sind nämlich alle, die das nämlich nicht so produzieren, schon gleich so im Kreuzfeuer gewesen. Also dann ist halt ein aktiver Prozess.

  73. 13:19
    Ronald M. Arndt

    Wobei, ich glaube, die Holländer sind auch die größten Produzenten oder Züchter, wie kann man sagen, von den Küken, glaube ich, bevor die dann in Deutschland gemästet werden.

  74. 13:30
    Anita Wandinger

    Ja, also ich finde es super. Ich bin jetzt auch kein Mensch, der sagt, also es gibt ja dann auch wieder so Verfechter, die sagen, na ja, aber die werden ja trotzdem irgendwann getötet. Ja, das stimmt, aber ist auch trotzdem schon mal besser, wenn die wenigstens ein bisschen leben dürfen. Also ich bin jetzt niemand, der sagt, man muss jetzt alles vegan. Und nein, ich bin selber auch nicht vegan, ich esse aber oft vegan. Ich mache das einfach so als Zusatz zum, wie ich halt lebe. Ja, und so finde ich eben auch das andere Thema mit den Küken. Ich verstehe, dass da Budget dahinter steckt und so weiter, aber man, also das ist für mich einfach nicht vertretbar, dass man generell Fleisch produziert und als Nahrungsmittel hat. Finde ich, ja, kann ich nachvollziehen.

  75. 14:10
    Ronald M. Arndt

    Ich bin jetzt gerade noch mal auf die Frage rund um die Legehennen eingegangen, weil meine Frau hat ihre Doktorarbeit, die ist Veterinärin, genau zu dem Thema geschrieben.

  76. 14:18
    Anita Wandinger

    Wirklich?

  77. 14:19
    Ronald M. Arndt

    Wow! Ja, genau, Legehennenhaltung und was man da eben verbessern kann.

  78. 14:22
    Anita Wandinger

    Ist das irgendwo publiziert dann?

  79. 14:26
    Ronald M. Arndt

    Gute Frage, gute Frage. Mit Sicherheit, ja. Da schaue ich mal, wo die PDF abrufbar ist. Aber die gibt es sicherlich in irgendeinem Archiv.

  80. 14:37
    Anita Wandinger

    Cool, ja, ich finde es auch super, dass du das gemacht hast.

  81. 14:39
    Ronald M. Arndt

    Plus natürlich auch grausame Fotos, die da natürlich vor Ort immer gemacht werden mussten zur Dokumentation aus den Ställen. Aber können wir uns gerne mal zu unterhalten.

  82. 14:49
    Anita Wandinger

    Das könnte ich glaube ich nicht. Weiß ich auch nicht, ob immer diese Taktik, da praktisch mit dem Schock—

  83. 14:57
    Ronald M. Arndt

    Ja gut, es war ja eine wissenschaftliche Arbeit. Genau, klar.

  84. 15:00
    Anita Wandinger

    Aber auch Respekt, dass sie das dann durchgezogen haben. Gezogen hat.

  85. 15:02
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja, ja, hier in München übrigens, an der LMU.

  86. 15:06
    Anita Wandinger

    Ja, okay, Awareness, okay.

  87. 15:12
    Ronald M. Arndt

    Und zu den Powerfrauen, Women, da vielleicht noch was?

  88. 15:18
    Anita Wandinger

    Ich habe ja Wirtschaftspsychologie studiert und mir ist da aufgefallen, dass die Geschlechter unterschiedlich an Aufgaben rangehen. Also was heißt mir ist aufgefallen, das wissen viele viele Leute, dass es so ist. Und ich fand das ganz spannend, weil ich habe das nicht so. Ich agiere oftmals eher, wie vielleicht ein Mann agieren würde. Also ich probiere halt einfach mal. Ich bin mir da auch nicht zu schade, dass ich mal was nicht weiß und mal was nachfragen muss oder was falsch mache. Aber es gibt ja ganz viele Frauen, die haben super Ideen, sind kreativ, haben ein komplett ausgearbeitetes Konzept für irgendwas und warten dann irgendwie so auf den Tag, der Tage, an dem sie endlich loslegen.

  89. 15:57
    Ronald M. Arndt

    Wo auch noch die letzte Frage, das letzte Fragezeichen beantwortet ist.

  90. 16:00
    Anita Wandinger

    Genau.

  91. 16:01
    Ronald M. Arndt

    Und der wahrscheinlich nie kommen wird.

  92. 16:02
    Anita Wandinger

    Genau, das gibt es einfach nicht. Es gibt nie den perfekten Tag für gar nichts im Leben. Und ich finde das so schade, dass Frauen da irgendwie— oder dann sagt ein Mann einen doofen Kommentar und dann ist das ganze Projekt wieder im Sand. Und das hat mich richtig geärgert bei ganz vielen tollen Frauen, wo ich mir denke, Leute.

  93. 16:18
    Ronald M. Arndt

    Waren das Frauen aus deinem eigenen Umfeld oder?

  94. 16:20
    Anita Wandinger

    Ja, natürlich größtenteils auch Leute, mit denen ich enger bin. Aber auch jetzt, wenn man auf eine Messe geht, wie viele Frauen da gerne irgendwie was Eigenes machen würden und irgendwie dann doch Angst vor dem Kredit haben oder Angst, dass sie nicht genug Zeit für die Kinder haben. Oder gibt es unendlich viele Punkte, die sie da zurückhalten. Und ich denke mir immer, Frauen haben gute Ideen, auf jeden Fall Männer sicherlich auch, aber halt anders. Und das, mir fehlt die Balance einfach komplett, wenn man sich Zahlen anguckt, von wer gründet, welche Firmen schreiben die größten Zahlen, das sind fast immer männerdominierte Branchen. Finde ich schade. Deswegen habe ich mir gedacht, okay, ich will das bei mir anders machen. Meine rechte Hand ist, hätte man jetzt vielleicht denken können, dass es mein Partner wäre, ist aber nicht, es ist eine Dame. Die hat auch wirklich Power, die kann was, die ist klug, und die hat sich hier beworben für Rezeption, und dann hat sie an ihrem ersten Arbeitstag ich ihr gesagt, du, ich habe eigentlich genug Leute für die Rezeption, machst du Geschäftsführung-Assistenz?

  95. 17:19
    Ronald M. Arndt

    Ja.

  96. 17:19
    Anita Wandinger

    Und dann war sie erstmal so, ja, okay. Und jetzt ist sie da richtig reingewachsen, die macht hier das Hotel. Wenn ich mal einen Tag nicht da bin, da ist sie da, aber dahinter. Super, richtig cool, komplett reingewachsen, ne? Und dann denke ich mir halt, ja, es funktioniert halt einfach.

  97. 17:32
    Ronald M. Arndt

    Ja, okay.

  98. 17:34
    Anita Wandinger

    Ja, und ich möchte einfach gerne andere Frauen unterstützen, wenn die Ideen haben, dass man hier sagt, man macht mal ein Startup stellt sein Produkt vor, weiß ich nicht, jemand braucht einen Raum, damit er sein Produkt irgendwie vorstellen kann, dann ich bin da super offen.

  99. 17:46
    Ronald M. Arndt

    Ja, das Hotel auch als Plattform zu sehen, einfach als Bühne, als Ort des Austauschs.

  100. 17:54
    Anita Wandinger

    Genau, oder auch wenn jemand einfach Fragen hat, oder wenn jemand, also ich finde es immer total spannend, an welchen Punkten die Leute gerade hängen, und wenn sie sich dann trauen weiterzumachen. Deswegen habe ich gesagt, okay, Women is auf jeden Fall ein Thema bei uns. Ich habe auch als Frau, ich kann das einfach gut nachvollziehen, was es da vielleicht für Schwierigkeiten gibt, und deswegen möchte ich das auch fördern.

  101. 18:15
    Ronald M. Arndt

    Also wir hören, dass hinter AVA ganz, ganz, ganz viel steckt, mehr als diese 3 Buchstaben.

  102. 18:22
    Anita Wandinger

    Richtig, ja.

  103. 18:24
    Ronald M. Arndt

    Du bist mittendrin und Hast du noch so eine ganz große Vision oder jetzt geht es erst mal darum, das Hotel erst mal fertig zu kriegen? Weil das ist ja immer im Umbruch, immer noch am Renovieren, Umbauen.

  104. 18:43
    Anita Wandinger

    Das stimmt. Also ich habe ganz, ganz viele Versionen, kleine, hier eine Idee, da eine Idee. Dann Renovierungsprojekte, da habe ich bestimmt 5 DIN-A4-Seiten schon vollgeschrieben, was ich noch alles renovieren will. Ich würde natürlich gerne, was ich ja hier nicht kann, mehr Zimmer dazu bekommen, logischerweise. Also ich bin immer auf der Suche nach einem zweiten Hotel.

  105. 19:05
    Ronald M. Arndt

    Genau, das war jetzt so die Frage.

  106. 19:06
    Anita Wandinger

    Also das klar, gerne. Privat ist meine Vision irgendwann mal schon Familie, Kinder. Also ich bin da ganz, ja, in dem Sinne bin ich irgendwie gar nicht modern. Das war schon immer mein Traum, so Kinder, dann auch zu Hause bleiben mit denen, solange die klein sind. Will ich halt so. Aber klar, beruflich parallel natürlich Wollen wir uns vergrößern? Muss man schauen. Auch gerade so diese Kooperationen, da stehen wir noch so am Anfang, da müsste noch viel mehr kommen.

  107. 19:31
    Ronald M. Arndt

    Anita, du bist Wirtschaftspsychologin, aber glaube auch noch nicht ganz am Ende da, ne?

  108. 19:36
    Anita Wandinger

    Nein, da kommt das Hotel dazwischen.

  109. 19:38
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  110. 19:39
    Anita Wandinger

    Und ich hatte bisher leider keine Zeit, meine Masterarbeit zu schreiben, also es ist wirklich alles unter Dach und Fach, nur noch diese Arbeit ist offen. Und ich plane, das jetzt während Corona auch hinter mich zu bringen, weil ich glaube, so wenig.

  111. 19:50
    Ronald M. Arndt

    Richtig, ja.

  112. 19:51
    Anita Wandinger

    Also es wird nie wieder eine Zeit kommen, wo ich so viel Zeit für meine Masterarbeit hätte.

  113. 19:55
    Ronald M. Arndt

    Okay, welches Thema hast du dir da ausgesucht?

  114. 19:59
    Anita Wandinger

    Das ist so ein bisschen schwierig, weil es jetzt wieder ein ganz anderes Thema ist. Es geht darum, ob Attraktivität einen Einfluss hätte auf ein Dienstleistungsempfinden. Also praktisch, wenn meine Mitarbeiter an der Rezeption gut aussehend oder nicht gut aussehend sind, ob das bei dem Gast später in seiner Gästeerfahrung einen Einfluss hätte.

  115. 20:18
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  116. 20:19
    Anita Wandinger

    Und ich vermute, dass ja.

  117. 20:21
    Ronald M. Arndt

    Du vermutest ja? Okay. Und da muss man sicherlich auch einen Praxisteil.

  118. 20:26
    Anita Wandinger

    Es wird einen Praxisteil geben. Das funktioniert dann so: Man nimmt da natürlich computerbasierte Bilder. Es wird vermutlich Tonaufnahmen geben von einem Check-in. Und man zeigt dann eben entweder ein Bild mit einer gut aussehenden oder zum selben Tonband einer schlecht aussehenden Rezeptionistin und fragt dann: nach, wie effizient war der Check-in, wie freundlich war der etc. Und ich gehe da stark davon aus, dass es wirklich, dass man das sehen wird. Okay, ist natürlich ein kritisches Thema, ja, weil wenn ich jetzt anfange zu sagen, hey, ihr sollt künftig bei der Personalakquise auch noch auf das Aussehen achten, ist man da ganz schnell auf so einer Schiene.

  119. 20:58
    Ronald M. Arndt

    Ja, genau.

  120. 20:59
    Anita Wandinger

    Aber es ist wissenschaftlich belegt, dass das schon Einfluss hat.

  121. 21:02
    Ronald M. Arndt

    Okay, hochinteressant.

  122. 21:04
    Anita Wandinger

    Ja, ich freue mich auch schon drauf.

  123. 21:07
    Ronald M. Arndt

    Okay. Anita, dann bedanke ich mich. Ich bedanke mich bei dir für das Gespräch, für den Austausch hier bei dir im AVA Hotel in München.

  124. 21:20
    Anita Wandinger

    Vielen Dank fürs Kommen und vielen Dank, dass ich meine Message heute hier mitteilen konnte.

  125. 21:24
    Ronald M. Arndt

    Sehr, sehr gern.