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Germany · Episode #117 · 17.09.2024 · 51 Min

Prof. Dr. Vanessa Borkmann, Fraunhofer IAO

Prof. Dr. Vanessa BorkmannFraunhofer IAO
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Aufgenommen: Fraunhofer IAO, Stuttgart

Standbild aus der Episode mit Prof. Dr. Vanessa Borkmann Germany51 Min

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„Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht der Angler.“

Prof. Dr. Vanessa Borkmann, 38:08

Prof. Dr. Vanessa Borkmann verantwortet am Fraunhofer IAO in Stuttgart das Projekt FutureHotel. Im Gespräch mit Ronald M. Arndt und Katharina Beatriz Varga erzählt sie, wie sie 2004 ohne Vorwissen bei Fraunhofer landete und wie 2008 aus ihrem Frust über die eigenen Geschäftsreise-Hotels ein Forschungsprojekt wurde. Dazu kommen Licht, Geruch und Temperatur als Faktoren fürs Wohlbefinden, der Wechsel vom Gast zu den Mitarbeitenden und das Großprojekt NEOM in Saudi-Arabien.

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Kernaussagen

  1. Zusage am selben Tag: Sie wusste im Architekturstudium nicht, was Fraunhofer ist, rief nach einem Tipp einfach an und war noch am selben Tag im Vorstellungsgespräch mit Zusage. 2004 begann sie dort ihr erstes Praktikum.
  2. FutureHotel aus Frust: Nach Dienstreisen in günstigen Hotels fehlten ihr Digitalisierung und alles, was sie über Wohlbefinden gelernt hatte. Ihr damaliger Chef Wilhelm Bauer verlangte Finanzierung und Relevanz aus der Branche, 2008 startete das Projekt.
  3. Duft unter der Schwelle: Sobald ein Gast einen Geruch aktiv wahrnimmt und sagt, hier riecht es, liegt er über der angenehmen Wahrnehmungsschwelle. Atmosphärisch wirkt Beduftung nur, wenn sie unbemerkt bleibt.
  4. Fokus Arbeitswelt: Gestartet ist FutureHotel mit dem Gast als One and Only. Die Forschungsarbeiten zur Arbeitswelt im Gastgewerbe und zu Berufsprofilen der Zukunft kamen 2019 und 2020 heraus, also vor der Pandemie.
  5. Services für die Nachbarschaft: Eine noch unveröffentlichte Umfrage zeigt: Private und geschäftliche Zielgruppen wissen nicht, was die Hotels in ihrem Umfeld anbieten. Im ländlichen Raum, wo Laden und Postservice wegfallen, sieht sie darin eine neue Erlösquelle.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Prof. Dr. Vanessa Borkmann und die Fraunhofer-Gesellschaft haben sich gesucht und gefunden. Und das bereits vor 20 Jahren.

Es wurde nun Zeit, dass Katharina und Ronald dieser Geschichte einmal auf den Grund gehen. Herausgekommen ist eine Episode, die bis nach Saudi-Arabien führt.

Früh begeisterte sich die Stuttgarterin für Kunst und Architektur. Heute führt sie Forschung, Unternehmertum und Innovation ganz im Sinne von Joseph von Fraunhofer zusammen.

Als Geschäftsreisende hielt sie sich früh und viel in Hotels auf. Wohlbefinden vielerorts Fehlanzeige. Was kann man hier besser machen, und dabei wissenschaftlich fundiert?

Spannende Zeiten liegen hinter uns. Und noch spannendere Zeiten vor uns. Gemeinsam mit unseren offiziellen Partnern J.J. Darboven, DAZN und JUNG halten wir die neuesten Entwicklungen stets im Auge.

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Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:00
    Ronald M. Arndt

    Ja, wir freuen uns beide, Katharina und ich, heute mal bei dir zu sein, liebe Vanessa.

  2. 00:04
    Katharina Beatriz Varga

    Ja, schön, dich endlich wiederzusehen, Vanessa.

  3. 00:07
    Ronald M. Arndt

    Und der Vollständigkeit halber, Prof. Dr. Vanessa Borkmann.

  4. 00:14
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Herzlich willkommen hier am Fraunhofer IAO in Stuttgart. Schön, dass ihr mich besuchen kommt.

  5. 00:18
    Ronald M. Arndt

    Wir hatten es beide nicht weit. Ich komme selbst aus Stuttgart, Katharina aus Karlsruhe, und dennoch hat es eine Zeit gebraucht, eine Weile. Warum eigentlich, dass wir dass du mal im Hotel-Podcast zugegen bist?

  6. 00:29
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also ich glaube, als du mich gefragt hast, habe ich direkt zugesagt.

  7. 00:33
    Ronald M. Arndt

    Dann lag es an mir.

  8. 00:33
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Deswegen kann ich die Frage jetzt zurückspielen. Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis du mich gefragt hast?

  9. 00:39
    Ronald M. Arndt

    Ja, das könnten wir doch klären. Auf jeden Fall können wir schon mal ankündigen, dass wir heute eine kleine Reise machen, die bis nach— was hast du vorher gesagt? Saudi-Arabien führt?

  10. 00:50
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, das wäre so ein Eckpunkt, oder? Ich meine, Hotellerie ist Global Business, da können wir schon so ein die Landkarte ein bisschen abgrasen, wahrscheinlich mit spannenden Projekten.

  11. 00:59
    Ronald M. Arndt

    Also wir verlassen—

  12. 01:00
    Katharina Beatriz Varga

    sind wir mal gespannt, wo es uns dahinführt.

  13. 01:02
    Ronald M. Arndt

    Wir verlassen die Stuttgarter Stadtgrenze heute definitiv.

  14. 01:05
    Katharina Beatriz Varga

    Keine Sorge, wir bleiben nicht in hier.

  15. 01:06
    Ronald M. Arndt

    Wir bleiben nicht in.

  16. 01:07
    Katharina Beatriz Varga

    Ich bin immer froh, wenn ich aus Stuttgart wieder rauskomme.

  17. 01:11
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Oder—

  18. 01:11
    Ronald M. Arndt

    aber du bist Stuttgarterin.

  19. 01:12
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Obwohl es einem manchmal schwerfällt, weil der Kessel, der hält einen schon ganz gut fest.

  20. 01:16
    Katharina Beatriz Varga

    Mich nicht.

  21. 01:18
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Mich schon.

  22. 01:19
    Ronald M. Arndt

    Du hast den—

  23. 01:19
    Katharina Beatriz Varga

    also verkehrstechnisch ist es nicht lustig.

  24. 01:21
    Ronald M. Arndt

    Nicht lustig.

  25. 01:21
    Katharina Beatriz Varga

    Rein und raus.

  26. 01:23
    Ronald M. Arndt

    Aber du hast in Stuttgart studiert, glaube ich, Architektur sogar, oder?

  27. 01:26
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ich bin in Stuttgart geboren. Also ich bin wirklich Stuttgarterin. Ja, mich hält der Kessel. Ich habe zwar so ein paar Ausflüge in meinem Leben schon unternommen, auch in anderen Städten gelebt, aber jetzt bin ich wieder in Stuttgart und ich bin auch ganz gerne hier.

  28. 01:39
    Katharina Beatriz Varga

    Aber pendelst du noch so viel wie früher zwischen Stuttgart und Dresden oder hat das ein bisschen abgenommen?

  29. 01:43
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Das hat ein bisschen abgenommen.

  30. 01:46
    Katharina Beatriz Varga

    Ja, also du hast aber schon noch deinen Zweitwohnsitz in Dresden?

  31. 01:49
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Nein, den hatte ich nie. Ich hatte einen Wohnsitz in Berlin.

  32. 01:53
    Katharina Beatriz Varga

    Ah ja, Berlin war das.

  33. 01:56
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Berlin. Und meine Ausflüge nach Dresden sind dann in der Regel von Berlin passiert. Ja, und jetzt reise ich eben nach Dresden von Stuttgart aus.

  34. 02:06
    Katharina Beatriz Varga

    Das ist fast genauso weit wie von Berlin.

  35. 02:08
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, es ist schon ein bisschen aufwendiger, aber es funktioniert auch.

  36. 02:12
    Ronald M. Arndt

    Also jetzt wird mir auch klar, warum die Vanessa als Doktorarbeitstitel sich um die psychische Beanspruchung Beanspruchung von Geschäftsreisenden gekümmert hat, weiß sie wahrscheinlich. Hast du dir selbst dann erforscht?

  37. 02:26
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, genau. Also die mentale Belastung, Beanspruchung, wie kann ich die Geschäftsreisenden während ihrer Journey besser unterstützen? Das war Thema meiner Dissertation. Ja.

  38. 02:40
    Ronald M. Arndt

    War es für dich immer schon klar, dass du so einen wissenschaftlichen Weg einschlägst, oder wann wurde das?

  39. 02:44
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Gar nicht.

  40. 02:45
    Katharina Beatriz Varga

    Du hast doch Architektur studiert.

  41. 02:47
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, ich habe Architektur studiert und ich glaube, ich war eigentlich eher auf einer künstlerischen Schiene von Anfang an. Also als Kind war ich immer schon in der Kunst, in der bildenden Kunst und habe da sogar auch Kunstpreise als Kind schon bekommen. Also es war eigentlich schon klar, ich bin so kreativ und verliere mich da auch gerne so im Schaffen, im kreativen Prozess. Und dann ging es Ende Gymnasium darum: Ja, was studiert man denn dann jetzt eigentlich? Und dann habe ich mich so mit dem Leben als freie Künstlerin gedanklich auseinandergesetzt und dachte mir: Puh, da ist ja alles so offen. Also wo sind da überhaupt Grenzen? Wo weiß ich, wann ein Werk fertig ist? Und ist es richtig oder falsch? Und bin ich da überhaupt richtig in dieser Welt? Und der Kunstmarkt an sich ist ja auch sehr speziell. Und dann bin ich durch Gespräche in die Architektur gekommen und dachte so: Wow, das ist ja toll. Da hat man eine klare Anforderung, ein Aufgabengebiet. Und also wenn das Haus eben auch nicht zusammenstürzen soll, dann muss man auch bestimmten statischen Anforderungen gerecht werden etc. Und es hat eben auch was Künstlerisches.

  42. 04:05
    Katharina Beatriz Varga

    Best of all worlds, was du schon immer wolltest, aber mit einem klaren Ziel.

  43. 04:08
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Und dann habe ich mich in die Architektur verliebt. Und ich würde immer wieder Architektur studieren. Also es ist aus meiner Sicht ein Studium, das sehr, sehr viel Freiheit bietet, dass man sich in unterschiedlichsten Bereichen spezialisiert am Ende auch. Ich bin eben auch im Architekturstudium schon eigentlich immer mit Themen rund um Zukunft unterwegs gewesen. Ich habe dann Architekturentwürfe gemacht für das Wohnen der Zukunft, für eine Bibliothek der Zukunft, die Schule der Zukunft und auch ein Hotel.

  44. 04:38
    Ronald M. Arndt

    Ja, und am Ende, ich finde den Werdegang ganz interessant, von der freien, Freigeist einer Künstlerin über ein Studium Architektur und das Haus muss stehen, dafür muss was tun, bis hin eben zur wissenschaftlichen Arbeit und einer Publikation, wo am Ende dann wirklich auch jeder Satz irgendwo sitzen muss.

  45. 04:58
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also das ist fundiert. Aber also ich finde auch immer wieder lustig, wie ich dann eigentlich zu Fraunhofer gekommen bin, weil auch das war kein kein gerader Weg. Oder um es noch mal ein bisschen zu pointieren: Ich wusste gar nicht, was Fraunhofer ist. Also ich war wirklich in meinem Studium unterwegs und hatte keine Ahnung, dass es eine Fraunhofer-Gesellschaft da draußen gibt. Das ging irgendwie in meinem Leben komplett an mir vorbei.

  46. 05:24
    Katharina Beatriz Varga

    Hast du es auch mit E geschrieben, so wie alle anderen Unwissenden?

  47. 05:28
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ich habe es nicht mal geschrieben, weil es gab gar keinen Anlass zu schreiben. Ich habe Architektur studiert. Ich war damals Nee, da war ich noch nicht in Zürich, aber ich habe mich schon in meinem Architekturstudium eben auch schon sehr intensiv mit Technologien beschäftigt. Also Aufhänger waren damals 3D-Druck, überhaupt Architektur programmieren, also Computational Design im 3D, und dann auch die Nutzung von Fräsen, um Prototypen anzufertigen. Das war eine Welt, die hat mich total fasziniert, weil ich gespürt habe, da ist was im Aufbruch und auch im Umbruch. Da ist eine ganze Branche im Umbruch und jetzt jenseits auch vom Entwerfen im 3D damals, hat mich dann eben auch Virtual Reality sehr fasziniert. Es war ja wirklich, wann war das, 2003, 2004, also war das noch nicht in aller Munde. Ich habe mich mit diesen Technologien beschäftigt und dann Gespräche geführt. Da hat mir einer der Gesprächspartner dann gesagt, na ja, also wenn dich die Themen interessieren, dann müsstest du dich mal mit jemandem am Fraunhofer-Institut in Verbindung setzen, weil die forschen. Die forschen an Raum, die forschen für den Menschen, die forschen an unterschiedlichsten innovativen Technologien und wie das alles zusammen eben zu einem intelligenten, zukunftsfähigen System wird.

  48. 06:53
    Katharina Beatriz Varga

    Und du so: Am Frauen was?

  49. 06:56
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Fraunhofer was? Wie? Aber okay, ich schreibe mir mal die Telefonnummer auf. Und dann bin ich da wirklich super naiv reingepurzelt. Dann kam ein Anruf, dann habe ich gesagt: Ja, darf ich mal kurz fragen, was ist überhaupt Fraunhofer und was macht ihr dort? Und dann kam die Antwort und die Erklärung und ich hatte nur noch einen Gedanken: Genau dort muss ich arbeiten. Und das habe ich dann auch direkt so artikuliert und habe gesagt: Also habt ihr irgendwas? Praktikantenjobs oder irgendwas? Ich bin Studentin. Wie kann ich hier arbeiten? Und ich bin noch am selben Tag zum Vorstellungsgespräch dorthin und habe noch am selben Tag meine Zusage bekommen. Und damit ging meine Reise bei Fraunhofer los.

  50. 07:41
    Katharina Beatriz Varga

    Ja. Und wie lange ist das jetzt her?

  51. 07:43
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Na, es war 2004. 20 Jahre.

  52. 07:46
    Katharina Beatriz Varga

    20 Jahre. Ja.

  53. 07:48
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ich habe mein erstes Praktikum bei Fraunhofer gemacht.

  54. 07:53
    Ronald M. Arndt

    Ja, und der, ich glaube, Josef von Fraunhofer hieß er, der Begründer der ganzen Sache. Der lebte im— Nein, oder Namensgeber. Namensgeber, glaube ich, so war es.

  55. 08:03
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Genau, er ist nämlich der Namenspatron. Und warum hat man ihn gewählt? Weil er eben nicht nur Forscher war, er war auch Unternehmer. Also das Unternehmertum ganz wichtig und hat eben diese beiden Welten zusammengebracht. Der hat mit der Gründung dieser Gesellschaft tatsächlich nichts zu tun. Aber Fraunhofer steht eben als anwendungsorientierte Forschungsinstitution, übrigens die größte weltweit, genau für diese Verbindung. Unternehmertum und Innovation, Forschung zusammenbringen. Und das ist das, was ich auch so reizvoll finde, muss ich sagen.

  56. 08:38
    Ronald M. Arndt

    Und ich glaube, es sind insgesamt 32.000 ungefähr Mitarbeiter mittlerweile, was ich gefunden habe. Riesig.

  57. 08:46
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ist ganz schön gestiegen.

  58. 08:47
    Katharina Beatriz Varga

    Also in allen Instituten. Also mein Bruder war auch am Fraunhofer-Institut in Nürnberg, aber Automotive Sound Engineering, also wieder was ganz anderes. Es ist ja auch immer wieder begeisternd, in wie vielen Feldern, unterschiedlichen Bereichen sich Fraunhofer auch bewegt in der Forschung und so tief auch einsteigt.

  59. 09:07
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also, ist für mich auch immer noch faszinierend. Also, ich lerne auch jeden Tag bei der Arbeit, wenn ich mal so gucke, was passiert an anderen Fraunhofer-Instituten, was passiert so bei den Kollegen. Es ist eben immer spannend, es ist immer neu, es ist immer innovativ und die Themenvielfalt ist so immens groß. Also eigentlich, es gibt kein Thema, das nicht irgendwo beforscht wird. Tricky ist nur rauszufinden, wer forscht daran, wo finde ich diese Person. Aber ja, die Landschaft ist groß. Über 30.000 Mitarbeitende, fast also immer so um die 80 Institute. Und da ist schon echt Vielfalt unterwegs in den Themen.

  60. 09:47
    Katharina Beatriz Varga

    Und du hast dann in einem Future-Building-Thema begonnen, weil ein FutureHotel gab es ja damals noch nicht bei Fraunhofer, oder?

  61. 09:55
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ich habe begonnen mit dem Büro der Zukunft, Future Office, und bin damit eingestiegen. Damals hatten wir eine Außenstelle in Stuttgart-Mitte. Die hieß das Office Innovation Center und das war die gebaute Zukunftsvision von diesem Forschungsteam damals. Da wurde das erste Mal WLAN präsentiert, als damals die Expo in Hannover war.

  62. 10:20
    Katharina Beatriz Varga

    Also es macht das Modemgeräusch, wir haben es alle noch im Kopf.

  63. 10:23
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Guck mal, hier gebe ich jetzt was ein und da hinten kommt es raus. Und die Leute haben es irgendwie kaum verkraftet. Es war noch vor meiner Zeit. Das war so die Geschichte, die immer erzählt wurde. Aber das war der Spirit in diesem Office Innovation Center. Also man hat einfach Dinge gezeigt, die noch sehr fern der Realität waren, und die Menschen konnten es ausprobieren. Wir hatten dort eine Kreativlandschaft, Interactive Creativity Landscape. Da hat man die räumlichen Situationen so gestaltet, dass ein Kreativprozess für eine Projektarbeit, wo man dann auch mal in Einzelarbeit, in Gruppenarbeit wieder geht, dass das bestmöglich unterstützt werden kann mit einem Sinnesraum, Ja, wo wir damals das, was man heute mit LED auf Knopfdruck oder Sprachbefehl machen kann, ja, verändere jetzt die Lichtfarbe, das hatten wir damals mit Leuchtstoffröhren gebastelt. Aber es hat funktioniert und es war sehr eindrücklich. Und man hat eben gemerkt, Raum und Raumgestaltung macht was mit den Menschen. Also wenn das Licht hier hell ist, dann sind wir wach, dann unterhalten wir uns angeregt. Und wenn wir das Licht jetzt runterdrehen und es wird eher so Richtung Kerzenschimmer, dann werden wir eben viel müder, entspannter. Vielleicht ändert sich die Tonalität, der Redefluss, die Geschwindigkeit. Und das ist nur das Licht. Jetzt haben wir Geruch, wir haben Temperatur, wir haben Haptik. Also auch: Ist es ein gemütlicher Stoff oder kratzt es mich gerade, während ich hier sitze? Also all das nimmt Einfluss auf unser Wohlbefinden. Und Wohlbefinden ist eigentlich das Basiskonstrukt, damit Kreativität überhaupt stattfinden kann. Weil wenn es mir schlecht geht, auch wenn ich nicht gesund bin, fällt es mir viel schwerer, kreativ zu sein. Also das zeigt schon, das waren so Forschungsarbeiten, die wir da einfach sehr, sehr intensiv über viele Jahre getrieben haben. Und da habe ich mich als Architektin natürlich super drin wiedergefunden. Das war das, was mich in die Architektur getrieben hat. Wie gestaltet man, und zwar wissenschaftlich fundiert, nicht einfach nur ein: Wäre doch nett, hier einen gelben Stuhl hinzustellen, weil es passt irgendwie gut ins Farbkonzept. Nein, der gelbe Stuhl ist hier, weil er die Inspiration in dem Raum anregen soll, der genau dafür geschaffen ist. Und das ist für mich spannend, diese Zusammenhänge zu verstehen, wissenschaftlich fundiert neue Lösungen in die Welt zu setzen.

  64. 12:50
    Katharina Beatriz Varga

    Es ist ja auch rein wissenschaftlich vor gar nicht so langer Zeit dieses Enzym beim Menschen gefunden worden, was für die— für das Wohlbefinden auch zuständig ist. Also das haben wir in der Lichtplanung, ich war ja früher auch selber in der Lichtplanung, dann auch irgendwann gelernt, lass das vielleicht 15 Jahre her sein, Also so weit ist es noch nicht, dass du das mit Beleuchtung und so steuern kannst auch, dass sich ein Mensch halt wohlfühlt oder nicht. Und die ganzen anderen Faktoren, die du schon gerade genannt hast, die spielen da natürlich genauso mit rein. Und ja, wir Menschen haben so ein Enzym, was dafür verantwortlich ist, dass wir uns wohlfühlen oder auch nicht wohlfühlen.

  65. 13:29
    Ronald M. Arndt

    Menschen sind auch unterschiedlich. Also ist es denn möglich, wissen, oder wissenschaftlich zu überlegen, dass man da Ja, das würde ich nicht sagen. Geht es um einen Mittelweg dann am Ende? Oder kann man schon so prinzipiell sagen, da fühlt sich jeder—

  66. 13:43
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also es gibt schon Faktoren, die ganz grundsätzlicher Natur sind, also zum Beispiel auch das Sicherheitsempfinden. Es gibt einfach ganz grundlegende Parameter. Wenn ich irgendwo sitze und ich sehe nicht, was hinter mir passiert. Es gibt immer so dieses Beispiel von hinter mir sitzt irgendwie mein Chef oder meine Chefin und wir haben kein gutes Verhältnis und die kann genau überprüfen, was ich gerade so am Bildschirm mache, dann fühle ich mich verunsichert. Und das geht einfach jedem so. Also ob man es sich eingesteht oder nicht, aber das sind einfach Situationen, die ein Unbehagen verursachen. Und das ist ganz tief in uns verwurzelt, weil das kommt eigentlich noch aus einer Prägung raus, wie sich die Menschheit entwickelt hat. Und dass wir halt auch, wir mussten so eingestellt sein, weil wenn wir nicht diese Angst hätten oder dieses Unwohlsein, dann hätte die Menschheit am Ende in der Evolution nicht überlebt oder sich nicht so entwickelt. Also wenn halt einer in der Höhle kam und—

  67. 14:47
    Ronald M. Arndt

    wollte ich gerade sagen, der hat den Höhleneingang im Blick gehabt, sonst nichts.

  68. 14:51
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Da war es schon überlebenswichtig, einfach den Eingang im Blick zu haben und die Kontrolle zu haben. Also so gibt es ganz viele Einflüsse, die sind schon grundlegend. Dann gibt es aber Einflüsse, die sind entweder sehr individuell, Also muss man auch vorsichtig sein. Gerade bei Gerüchen ist das so ein Thema. Wenn ich eben einen bestimmten Geruch mit einer ganz schlechten Situation in Verbindung bringe. Ich habe eine Person, die ich nicht mag oder wo ich eine schlechte Situation erlebt habe, und ich bringe das mit diesem Geruch in Verbindung, dann kann das natürlich sehr negative Assoziationen auslösen. Gerüche, zum Beispiel wenn es verbrannt riecht, ist wieder so ein Thema. Dann bin ich sofort verunsichert und denke mir: Oh Gott, brennt es hier? Jetzt muss ich flüchten. Das ist wieder so ein Grundlegendes. Und dann gibt es aber schon Gerüche, wo man sagen kann, die haben generell zum Beispiel eine stimulierende Wirkung, eine anregende, oder die sind eher entspannend und beruhigend. Man muss aber immer im Blick haben: Es kann eben sein, dass es Menschen gibt, denen das aufgrund von ihren individuellen Erfahrungen nicht zusagt. Und bei Gerüchen ist es auch so, und das ist dann wieder für die Hotellerie auch wichtig: In dem Moment, wo man einen Geruch aktiv wahrnimmt, und sagt: Oh, hier riecht es aber, dann ist es schon oberhalb der Wahrnehmungsschwelle, wo es angenehm ist. Also ideal ist es, wenn ich solche Gerüche atmosphärisch einsetze, wenn die zwar da sind und unser Gehirn beeinflussen, aber wir es gar nicht aktiv wahrnehmen. Das kennt man, also wenn man irgendwo reinkommt, also: Oh, hier ist wohl eine Beduftung, dann ist es eigentlich schon nicht mehr angenehm. Ja, deswegen, also das Individuelle ist da ein Riesenthema. Das muss man berücksichtigen. Was da ein bisschen reinspielt, ist, dass einer der wichtigsten Einflussfaktoren in der Summe dieser vielen Einflüsse ist die Abwechslung. Also wenn wir jetzt sagen, wir haben die Erkenntnis, der Raum funktioniert so wunderbar und wir machen dann nur noch diesen Raum so in der Form, dann ist es eben auch langweilig und dann stumpft die Wirkung ab und man sagt: boring. Deswegen ist es wichtig, dass wir eben auch gucken, dass Räume und deren Gestaltung veränderbar sind oder dass man eben auch immer mal wieder auch mal mit einem Störfaktor arbeitet und sagt: Puh! Dadurch werden die Leute aber aufgeweckt. Oder wenn es jetzt hier draußen unangenehm riecht und ich komme dann hier rein, dann sage ich: Toll, dass es hier so gut riecht! Das sind dann wieder Sachen eigentlich auch, wo es um Erlebnis geht. Aber natürlich eben Wahrnehmungsthemen, die auch auf das Wohlbefinden sich auswirken.

  69. 17:37
    Katharina Beatriz Varga

    Und neben dem Individuellen ist es ja auch kulturell gesehen mit Gerüchen komplett wieder ein anderer Individualismus gegeben.

  70. 17:48
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Bis hin eben zu Temperaturen und Lichtfarbe. Das ist ja auch was, was in der Hotellerie vom Norden in den Süden eine Rolle spielt. Also woher kommen die Gäste und was ist ihre gewohnte Lichtfarbe zum Beispiel? Fühlen Sie dadurch die Temperatur? Empfinden Sie die vielleicht 1, 2 Grad wärmer oder kälter bei einer bestimmten Lichtfarbe? Also da gibt es mittlerweile auch viel Forschung dazu. Aber das sind eben alles, wie ich finde, spannende Erkenntnisse, die man auch genau in der Hotellerie eigentlich in die Anwendung bringen kann.

  71. 18:19
    Ronald M. Arndt

    Dann bleiben wir doch am besten direkt in der Hotellerie.

  72. 18:22
    Katharina Beatriz Varga

    Genau, wir sind ja beim Hotel-Podcast. Jetzt kommen wir mal zum Thema Hotel.

  73. 18:25
    Ronald M. Arndt

    Wobei Work and Sleep ja mittlerweile auch immer mehr zusammenrutscht. Aber wie ging es dann weiter mit dem, vom Future Office zum FutureHotel?

  74. 18:36
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also eigentlich seht ihr ja, glaube ich, schon anhand dieser Themen, die wir in Future Office behandelt haben, war der—

  75. 18:42
    Ronald M. Arndt

    oder sind dann die Angestellten eingeschlafen und dann warte schnell beim Hotel?

  76. 18:48
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also die Themen waren sehr nah dran schon und Entstanden ist tatsächlich die Forschung für die Hotellerie jetzt bei Fraunhofer, weil ich damals als junge Wissenschaftlerin meine ersten Reisen gemacht habe. Wir haben auch nicht nur am Büro der Zukunft gearbeitet. Wir haben an der Bankfiliale der Zukunft gearbeitet, am Pflegeheim der Zukunft, also viele unterschiedliche Branchen da auch reflektiert. Ich habe gesehen, wie es da in vielen Zukunftsszenarien einfach schon sehr digital zugeht und sehr technologisch und wie viele Branchen das auch schon schon sehr gut umsetzen oder in die Anwendung bringen. Und dann hatte ich meine Geschäftsreisen und war in wahrscheinlich sehr günstigen Hotels untergebracht und fand das nicht gut. Also um es kurz zu sagen, ich fand es nicht gut. Ich habe die Digitalisierung vermisst. Ich habe alles, was ich so gelernt habe über Wohlbefinden und was es eigentlich braucht in solchen Situationen, Habe ich vermisst. Und dann bin ich sehr frustriert von einer dieser Dienstreisen zurückgekommen und habe dann abends zu meinen Kollegen gesagt, als ich im Büro— musste ich irgendwie noch Unterlagen zurückbringen oder so— und habe dann gesagt, also das, was wir hier fürs Büro machen, das müssten wir jetzt mal für die Hotellerie anbieten. Ich habe so das Gefühl, also Digitalisierung kann man da brauchen und auch so die Raumgestaltung und alles. Also da da könnten wir noch was tun, vor allem mit unserem Know-how. Und das war eigentlich der Startpunkt für FutureHotel. Also damit ging es am Ende los und dann habe ich angefangen, dieses Projekt aufzusetzen. Ja.

  77. 20:37
    Ronald M. Arndt

    Und wie haben die Kollegen reagiert? Waren die auch so viel unterwegs? Also die Kollegen, mit denen ich damals gesprochen habe, die waren noch in anderen Hotels.

  78. 20:46
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Dann mach doch. Und Nee, die fanden das schon auch gut. Aber das muss man auch so klar sagen, also on fire so wie ich waren sie nicht. Das ist auch der Grund, weshalb ich, glaube ich, heute immer noch das FutureHotel Projekt verantworte und eben hier ja mittlerweile eine ganze Projektlandschaft in dem Themenfeld ja auch ins Leben gerufen habe. Also es gab wirklich davor Hotelforschung, Blickrichtung Tourismus auch gab es so nicht bei uns am Institut.

  79. 21:20
    Katharina Beatriz Varga

    Gibt es das denn sonst? Ich kenne es auch nur von Fraunhofer, so wie ihr das macht, in diesem, mit dem wissenschaftlichen Ansatz und so fundiert.

  80. 21:31
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Das, also es gibt ja schon viele Forschungsinstitute, auch jenseits von Fraunhofer, angesiedelt an Universitäten oder auch an den Hochschulen und auch international. Das geht ja ein bisschen auch zu Marktforschungsinstituten, die dann auch Erhebungen machen. Nee, da gibt es schon viele, die in dem Feld auch irgendwo mit Projekten unterwegs sind. Ob das jetzt so ganzheitlich ist und so mit einem starken Fokus auf Hotellerie, wie das bei uns betrieben wird, mit der Möglichkeit, auch auf Labore zuzugreifen und diese Produkte zu entwickeln und das alles. Also es wäre jetzt vermessen zu sagen, wir sind da die Einzigen. Das ist nicht so. Da gibt es schon viele, die eben in einzelnen Themenfeldern arbeiten. Aber ich glaube, wir haben schon so einen Anspruch eben von der Ideenentwicklung, vom Ideation-Prozess bis hin nachher in die Implementierung von Ideen, wenn dann der Markt reif ist in der Praxis, diese Konzepte zu entwickeln. Und ich glaube, das ist schon was, was zumindest bei Fraunhofer besonders ist, dass wir halt diese Möglichkeiten haben.

  81. 22:42
    Ronald M. Arndt

    Ja, und somit ganz im Sinne vom Herrn von Fraunhofer, dass das Ganze, wie du gerade schon gesagt hast, unternehmerisch auch wirklich an echten Beispielen dann am Ende das Ganze mündet.

  82. 22:52
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, genau. Und das war auch, um wieder auf die Anfänge zurückzukommen, das war damals auch direkt initial total wichtig. Also mein Chef damals, der jetzt viele Jahre Institutsleiter war, Wilhelm Bauer, der hat dann direkt, als ich ihm die Idee formuliert habe, hat er gesagt, ja, ist ganz einfach. Du musst halt jetzt rein in die Branche und wenn die Branche das braucht, dann kannst du das machen. Aber du brauchst am Ende halt eine Finanzierung und du brauchst Unternehmen, die sagen, das ist relevant für uns. Und wenn du das nicht findest oder diese Relevanz, wenn die nicht da ist, dann wird dieses Projekt auch nicht zustande kommen. Und das war für mich dann der Startpunkt. Dann wusste ich, okay, dann muss ich jetzt ja nur mit Vertretern aus der Hotelbranche sprechen und muss die begeistern von der Vision, was dieses Projekt sein kann. Dann können wir durchstarten.

  83. 23:52
    Ronald M. Arndt

    Aber da war das Echo dann entsprechend positiv in der Branche, nehme ich mal an?

  84. 23:56
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, also am Ende war es sehr positiv. Wie gesagt, das Projekt ist dann 2008 gestartet und Wir sind heute immer noch mittendrin und es ist seitdem gewachsen und immer größer geworden. Aber natürlich gab es damals auch Rückschläge. Also ich habe viele, viele Gespräche geführt und nicht alle waren euphorisch. Da gab es auch viele Gesprächspartner, die gesagt haben, also was Digitalisierung und so was, das braucht doch die Hotellerie nicht. Wir sind hier People's Business und um Himmels willen. Ich glaube, manche, die haben mich irgendwie als eine diabolische Erscheinung empfunden und gedacht, ich bringe jetzt die Hölle über die Hotellerie. Also es gab auch sehr krasse Reaktionen, auch bei Vorträgen, die ich gehalten habe. Am Anfang, wenn ich dann von Robotern erzählt habe und gerade auch so Virtual-Reality-Themen, das hat nicht jedem gefallen.

  85. 24:53
    Katharina Beatriz Varga

    Aber das ist ja auch immer so mit so visionären oder mit, ja, mit visionären Themen, und du halt gefühlt 8 Jahre im Kopf voraus bist als deine Zuhörer, ist es ja in fast allen Themenbereichen so, dass wenn du eine Idee hast oder auch schon Ideen mitbekommen hast, wie sich im Office entwickelt hat mit WLAN etc., da hast du eigentlich schon gesehen, dass das funktioniert, und Also, und es ist ja auch mittlerweile eine richtige Community, also was das Fraunhofer FutureHotel betrifft. Wir als Jung sind auch Partner bei Fraunhofer FutureHotel, und ich muss auch sagen, der Erfahrungsaustausch ist in dieser Community so intensiv, dass du ja einfach diese Partnerschaften ganz anders lebst und auch Hintergründe erfährst über, wie arbeitet jemand, was braucht jemand, wie ist die Vorstellung. Das ist, glaube ich, so das Besondere, was sich für dich jetzt auch herauskristallisiert hat bis heute, oder?

  86. 25:55
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, für mich ist eigentlich, also was diese Partnerschaft anbelangt und diese Community, die du ansprichst, und ich bin sehr froh, dass du Teil davon bist seit vielen Jahren. Es macht immer noch großen Spaß mit dir. Aber ich glaube, das Besondere ist einfach, dass wir einen unglaublichen Tiefgang haben in unseren Diskussionen. Und das erlebe ich immer dann, wenn ich aus unserer Community rauskomme. Und es ist nicht nur eine Bubble, sondern es ist einfach fundiert. Man beschäftigt sich mit Themen in der Tiefe, man hinterleuchtet die aus den unterschiedlichsten Perspektiven und man kommt zu neuen Conclusios, man kommt eben zu Erkenntnissen und dann geht es in die nächste Runde. Und das ist ein Innovationsprozess, den wir über Jahre zu vielen Themen so verstetigt haben. Über den Check-in unterhalten wir uns immer noch nach 15 Jahren. Nur die Art und Weise, wie wir die Themen betrachten und über was wir da konkret diskutieren, das ändert sich. Aber dadurch ist da eben ein Riesenerfahrungsschatz. Und das vermisse ich in anderen Diskussionen. Das vermisse ich oft auf Konferenzen. Da kann das Panel noch so toll besetzt sein, aber am Ende ist es halt immer ein sehr oberflächlicher Austausch. Und ich glaube, auch die Tatsache, dass sich Personen einfach sehr vertraut sind über ein jahrelanges Miteinander, ist halt auch noch mal ein Schlüssel dahin, dass man sich auf einer ganz anderen Ebene miteinander unterhält. Und dann sind wir wieder beim Thema Kreativität. Offenheit. Dann wird diese entfesselt und dann entsteht die Magie. Innovation.

  87. 27:38
    Katharina Beatriz Varga

    Was ist denn eines der spannendsten Projekte deiner Ansicht nach, die bei Fraunhofer FutureHotel gerade verfolgt werden?

  88. 27:49
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Es sind so viele. Also das ist ja auch etwas, warum bin ich immer noch dabei, weil ich immer noch wie so ein kleines Kind eine Begeisterung habe für jedes unserer Themen.

  89. 27:59
    Katharina Beatriz Varga

    Und egal welche Größe, klein oder groß.

  90. 28:01
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Egal welche Größe, aber das sind alles so kleine Diamanten und da schleift man. Also, es ist wirklich am Ende auch die Vielfalt, die für mich die Begeisterung ausmacht. Und ich meine, es geht gerade um Themen rund um KI sehr viel. Das ist aber auch nicht nur ein Projekt. Wir haben gerade die Studienarbeit zu den Potenzialen von KI entlang der User Journey und gleichzeitig sind wir auch in kleinen Entwicklungsprojekten, wo es dann darum geht, ja, wie sieht denn ein Virtual Concierge aus? Wie kann man den mal schnellstens entwickeln und zum Einsatz bringen. Oder wir beschäftigen uns mit Übersetzungssystemen und überlegen uns, wie kann ich hier mit KI ein gutes Tool aufsetzen, das für die Hotellerie auch funktioniert? Oder was gibt es da auch schon für Lösungen auf dem Markt und wie kann man die vielleicht noch weiter optimieren? Und das Thema KI ist einfach so ein Riesenfeld. Das wird uns noch die nächsten Jahre gut beschäftigt halten. Auch da ist es ja so, wir tauchen immer tiefer ein. Es gibt immer mehr Lösungen auch auf dem Markt und da auch den Abgleich zu machen. Also, was möchten wir noch beforschen? Wo braucht es noch neue Erkenntnisse oder auch neue Entwicklungen? Und wo können wir einfach auch schon mit Lösungen, die auf dem Markt parat sind, tolle Dinge umsetzen, indem wir die einfach an die richtigen Einsatzorte auch überführen? Und was können wir auch aus anderen Branchen lernen? Das Thema Metaverse ist eines, das, glaube ich, für viele Unternehmen erst mal noch ein bisschen weiter weg ist. KI ist so jetzt, glaube ich, bei jedem mittlerweile auf der Agenda und jeder denkt sich, ja, muss ich mich jetzt doch mal ein bisschen damit auseinandersetzen. Es wird nicht an mir vorbeiziehen.

  91. 29:47
    Katharina Beatriz Varga

    Metaverse ist irgendwie so das alte WLAN, wie das früher im Office war.

  92. 29:51
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ach, können wir die Tür nicht einfach zulassen? Ja, die Welt ist doch hier schon bunt genug. Aber das sind natürlich Themen, an denen wir auch forschen. Also Metaverse XR-Technologie, das heißt auch Virtual Reality, die Brille, mit der ich immersiv in Welten eintauche, oder eben Augmented Reality, wo ich dann eine Überlagerung habe von der echten gebauten Realität mit digitalen Inhalten. Und da gibt es eben auch wahnsinnig viele Anwendungsfelder. Die sind noch weit entfernt davon, schon erschlossen zu sein. Und für uns als Forscher ist es halt ein riesen spannendes Feld. Und auch nicht nur in der Hotelbranche, muss man sagen, fairerweise, sondern damit beschäftigt sich hier das Stuttgarter Institut Institut auch in allen Branchen, vor allem auch mit dem Thema Industrial Metaverse. Also da passiert schon viel und wir möchten ja mit unserer Forschung auch immer ein bisschen voraus sein und die Themen werden dann schon aufschlagen und kommen. Da möchten wir vorbereitet sein. Und was sind noch spannende Projekte?

  93. 30:52
    Ronald M. Arndt

    Jetzt lass mal kurz da bleiben. Caroline von Kretschmann aus Heidelberg, wo ich am Wochenende auch wieder bin übrigens. Die hat ja mal irgendwo gesagt, vielleicht verreisen wir irgendwann dann gar nicht mehr, sondern machen nur noch im Metaverse Urlaub mit unserer Brille.

  94. 31:06
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, das machen wir auch.

  95. 31:07
    Ronald M. Arndt

    Ist das so? Okay, dann ist es die Antwort.

  96. 31:09
    Katharina Beatriz Varga

    Das ist jetzt aber auch so ein Individualismus-Thema, oder?

  97. 31:12
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Vorsicht. Also das geht jetzt so in die Richtung, wenn ich sage, ja, und wir haben einen digitalisierten Check-in-Prozess und so, oh Gott, und dann brauchen wir keine Menschen mehr in der Rezeption. Nee, brauchen wir nicht. Also den Proof of Concept haben wir doch schon. Es gibt die Hotels, wo ich niemanden mehr habe an der Rezeption. Und genauso ist es mit dieser Thematik auch. Ja, diese Technologie erlaubt mir in Zukunft, dass ich nur noch virtuell reise. Was heißt nur noch? Ja, wie genial wird das denn sein? Da tun sich ganz neue Welten auf, ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. Meine Architektenseele, die, die macht lauter Kopfsprünge, ja, wenn ich nur dran denke. Also da ist ein Riesengestaltungsraum, aber das wird nicht gleichzeitig bedeuten, dass wir Menschen nicht mehr in echt reisen, dass das eine das andere aufhebt, ne.

  98. 31:58
    Katharina Beatriz Varga

    Das ist ja auch oftmals so ein Fehlergedanke oder so eine Konsequenz, wo wir denken, entweder oder. Nein, es wird beides.

  99. 32:05
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Das Tolle ist, dass unsere Möglichkeiten, unser Möglichkeitsraum wird erweitert. Wir können uns überlegen, ob wir an bestimmte Orte nur noch virtuell reisen, entweder um sie auszukundschaften oder weil ich sage, ich kann es mir leider nicht leisten, dort in echt hinzureisen, oder weil vielleicht irgendwelche neuen Vorschriften sagen, an diesen Ort kommen im Jahr nur noch 50 Personen.

  100. 32:27
    Ronald M. Arndt

    Interessant, oder?

  101. 32:28
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Da geht es ja auch um den Schutz von bestimmten Orten. Und dann sind wir ganz schnell bei diesen Szenarien. Wir wissen aber auch, also das virtuelle Reisen ist ja nur eine Facette von der Technologie und ihren Potenzialen in der Anwendung im Tourismus oder Hotellerie. Ein anderes Thema ist Training, also zum Beispiel von Mitarbeitern, von Fachkräften. Eine Situation nicht nur im Schulbuch lese oder mir jemand davon erzählt, sondern wenn ich das wirklich eins zu eins in der echten Umgebung selber in dieser Situation ausprobieren kann— es ist virtuell oder es ist Augmented— dann habe ich einen ganz anderen Lernprozess. Das wird schon eingesetzt anderswo. Die Deutsche Bahn setzt sowas schon ein, um zu trainieren. In anderen Unternehmen, Branchen ist es gang und gäbe. Und das sind Themen, die werden kommen. Ja, also die werden immer mehr verbreitet und da ist schon, ist schon viel Musik drin noch.

  102. 33:29
    Ronald M. Arndt

    Und deine Aufgabe, eure Aufgabe auch mit hier Hürden, also Denkbarrieren irgendwo abzubauen und den Blick auf die Zukunft ein bisschen optimistischer einfach zu sehen.

  103. 33:39
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Kann mir vorstellen, dass es auch mit so euer Auftrag ist. Ich verstehe unsere Arbeit schon ganz oft auch genauso, ja, nicht nur Menschen auf einmal mit irgendwelchen Innovationen zu konfrontieren, sondern sie auch in dem Weg dorthin zu begleiten. Also wir sprechen von Transformationsprozessen und diese Veränderungsprozesse, die passieren eben nicht über Nacht. Und es ist ganz wichtig, dass man unterschiedliche Facetten beleuchtet von verschiedenen Themen, dass man Menschen in die Diskussion einbindet, dass man ja auch Ängste nimmt, indem man darüber redet oder Beispiele zeigt und Menschen sich da auch langsam in solche Themenwelten reinfinden können. Und ich finde, das ist schon vielleicht in der Wissenschaftskommunikation eher angesiedelt, aber schon auch eine unserer Aufgaben als anwendungsorientierte Forscher.

  104. 34:32
    Katharina Beatriz Varga

    Und ich glaube, wir nehmen auch gerade alle wahr, dass wir uns gerade jetzt in diesem, in diesem Zeitalter in einer ganz großen Transformation befinden. Also ich habe in so vielen Gesprächen letztens festgestellt, dass viele Menschen, die schon eine Aufgabe mit hoher Motivation und Begeisterung lange Zeit machen, dass die halt auch sagen, dass die letzten 20 Jahre waren die besten, die wir hatten. Aber mit dem Gedanken daran, dass das jetzt vielleicht der Anfang oder die Formation ist von den nächsten 20, die richtig gut werden, da haben alle noch so ein bisschen Angst davor. Vielleicht sind die letzten 20 wirklich gut gewesen, aber wir gestalten gerade die nächsten 20 und die werden halt Bombastisch, aber ganz anders.

  105. 35:15
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also, ich glaube, die letzten 20 waren schon ziemlich gut. Es ist viel passiert. Ich meine, das Internet hat irgendwie Reichweite bekommen und damit hat sich unsere Welt wirklich verändert.

  106. 35:26
    Katharina Beatriz Varga

    Und jetzt dann noch die Veränderung, die jetzt noch mal draufkommt.

  107. 35:30
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Genau, jetzt geht es weiter. Und gerade so das Thema technologische Konvergenz, dass eben wirklich die Technologien auch ganz anders miteinander vernetzt sind in Zukunft. Was das für Potenziale birgt und wohin uns das führt. Stichwort auch Quantentechnologie. Also, wir haben hier ein Forschungsteam, das sich mit Quantencomputing beschäftigt. Und wir haben selber auch bei uns im Team Szenarien entwickelt für Quantencomputing und AI, haben uns also mit dem Thema auch auseinandergesetzt und wie das sich in verschiedenen Branchen niederschlagen kann. Ich glaube, unser menschliches Hirn ist gar nicht mehr in der Lage, diese Szenarien zu erfassen. Wir können uns das nicht mehr vorstellen, was da technologisch möglich wird. Das macht es für mich so unfassbar spannend. Auch wenn man das Thema Foresight anschaut, wir machen hier ja auch viel Szenarioentwicklung, Zukunftsprojekte und generieren für Branchen oder Unternehmen Zukunftsbilder, Zukunftsszenarien, nicht Visionen, wo man dann mit alternativen Zukünften eben wirklich auch Roadmaps dorthin entwickeln kann. So sind wir auch bei FutureHotel gestartet, mit Zukunftsszenarien. Und das sind alles logische Entwicklungen, wo man einen wissenschaftlichen Prozess für anwendet. Ich glaube aber, wir können mittlerweile nur noch so die nächsten 5 Jahre wirklich gut prognostizieren, auch mit diesen Methoden, weil alles andere— die Themen gehen durch die Decke. Diese exponentiellen Entwicklungen, die sind kaum mehr greifbar gerade. Wer weiß schon, was in 30 Jahren auf uns wartet? Also, es ist wirklich herausfordernd und gerade auch in puncto Foresight überlegen wir uns gerade, was das bedeutet für unsere Methoden. Natürlich auch, wie wir da KI noch stärker anwenden, wie wir auch immersive Technologien zur Anwendung bringen für diese Foresight-Prozesse. Da ist schon gerade viel Veränderung drin. Das ist spannend.

  108. 37:38
    Ronald M. Arndt

    Du hast es gerade gesagt, die letzten 20 Jahre waren schon ziemlich gut. Das mal auf die Hotellerie bezogen. Und es ist meine Annahme, dass ihr auch wirklich beim FutureHotel ja damit begonnen habt, am Anfang immer alles stark aus dem Blickwinkel des Gastes zu sehen. Sehr viel. Und jetzt bin ich in der Annahme, dass auch der Mitarbeiter an sich mehr und mehr in Sichtbarkeit bekommt, auch in den Forschungsprojekten, richtig?

  109. 38:04
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, total.

  110. 38:05
    Katharina Beatriz Varga

    Ja, das kann ich bestätigen.

  111. 38:06
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  112. 38:08
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, wir sind gestartet und da war der Gast, der One and Only. Ja, One and Only. Und es wurde auch ein Spruch geprägt bei uns in der Gruppe, der noch heute oft gezogen wird. Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht der Angler. Da haben wir viel drüber diskutiert, wo es darum ging, ist das jetzt ein spannendes Thema? Na ja, der Gast will das. Natürlich, wir sind da ran. Wir haben den Gast erst mal aufgebrochen, haben gesagt, es gibt ganz unterschiedliche Gasttypen, wieder die unterschiedlichen Situationen, je nachdem, was ist auch mein Reiseanlass, wie bin ich unterwegs, in welchem Kontext. Und das war der Startpunkt unserer Forschung. Damals hatten wir auch schon Kennzahlen und haben gesagt, da wird ein Arbeits- und Fachkräftemangel kommen. Der demografische Wandel zeigt uns das, die Entwicklung mit der Globalisierung etc. Wir wissen, dass es kommt, aber es wollte keiner hören. Es wollte keiner hören.

  113. 39:05
    Katharina Beatriz Varga

    Und jetzt sind wir da und jetzt haben wir den Salat.

  114. 39:10
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Und irgendwann wurde eben dieser Trend dann auch spürbar. Ich weiß gar nicht, ob das— nee, es war, also muss ich sagen, ich wollte gerade laut überlegen, ob wir erst während der Corona-Pandemie uns eigentlich so dem Thema der Mitarbeitenden angenommen haben. Aber es stimmt nicht, weil unsere großen Forschungsarbeiten, die über 3 Jahre gingen, Zukunftswelt oder Arbeitswelt der Zukunft im Gastgewerbe ist eine der Publikationen, dann die Berufsprofile der Zukunft, die wir entwickelt haben. Es war eine sehr, sehr umfassende Forschungsarbeit und die sind 2019/2020 noch Anfang rausgekommen. Das heißt, wir haben uns doch schon deutlich vor der Pandemie damit beschäftigt. Und ich würde schon sagen, aktuell ist der Fokus ganz klar auf der Arbeitswelt, ganz klar auf der Perspektive, wie können Mitarbeitende gefunden werden, gebunden, begeistert, gehalten und wie kann man eben den Arbeitsplatz bestmöglich gestalten und wie können Arbeitsprozesse auch bestmöglich dann wieder mit Digitalisierung unterstützt werden oder automatisiert und substituiert sogar, weil ich einfach nicht mehr über die Menge an Personen verfüge, wie das früher mal der Fall war. Also man kommt um die Digitalisierung an der Stelle gar nicht mehr.

  115. 40:39
    Katharina Beatriz Varga

    Hoffentlich kommen wir auch an den Punkt, dass wir nicht nur sagen, es machen schon ein paar, die dann noch zählbar sind, sondern eher andersrum, welche machen es noch nicht. Ja, dauert noch ein bisschen, aber wir sind alle zuversichtlich.

  116. 40:54
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Der Druck ist halt leider da.

  117. 40:55
    Katharina Beatriz Varga

    Noch. Ja.

  118. 40:57
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Also insofern stimmt das. Es hat sich so ein bisschen gewandelt, wie wir auf die Themen und die Branche blicken. Mal gucken, was da in Zukunft noch kommt.

  119. 41:09
    Ronald M. Arndt

    Also der Effizienzdruck ist größer, weil wenn ich weniger Personal habe, muss ich mit dem vorhandenen natürlich mehr erreichen. Und ja, die Rolle des Gastgebers irgendwie neu zu erfinden oder weiterzuentwickeln. Und mich interessiert auch immer so das Thema der privat geführten Hotellerie, ne. Was muss wie passieren, damit eben da in Zukunft Betriebe auch wirklich in die nächste Generation übergeben werden, die auch Lust drauf hat, aber natürlich vor allem nicht schließen? Ja, wie entwickelt sich's? Ja.

  120. 41:41
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, und dann sind wir auch beim Thema Geschäftsmodelle. Sowohl digitale als auch die klassischeren Geschäftsmodelle sind ja auch was, was uns begleitet in unserer Arbeit. Und also eine wirklich große Forschungsarbeit, die aktuell auch läuft, geht in Richtung des Hotelökosystems, Hotelserviceökosystems. Ich glaube, für die Hotels wird es immer wichtiger, auch eine Verankerung in der Nachbarschaft zu haben. Und zwar aus unterschiedlichsten Perspektiven gesehen. Wenn ein Hotel die eigenen Services und Angebote eben auch im Umfeld, in der Nachbarschaft mit anbieten kann, ist das erstmal eine spannende neue Erlösquelle. Ist ja die Frage, geht das mehr so ins Private rein oder geht das mehr Richtung Corporate, also B2B, dass ich im Unternehmen in der Nachbarschaft vielleicht auch mit meinen Services besser adressiere? Wir haben eine Umfrage dazu gemacht. Die Ergebnisse werden wir erst noch veröffentlichen, aber da kommt ganz klar raus, dass eben Menschen, die hier die Zielgruppe sind, ob privat oder geschäftlich, keine Ahnung haben, was die Hotels in ihrem Umfeld eigentlich anbieten und wie sie davon profitieren können.

  121. 42:56
    Katharina Beatriz Varga

    Und es somit halt auch nicht nutzen, wenn sie es nicht wissen.

  122. 42:59
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Genau. Dass da aber auch eine fehlende Kommunikation Und gleichzeitig ist es aber auch so, dass wir erhoben haben, welche Services würden denn diese unterschiedlichen Gruppen gerne nutzen vom Hotel. Da geht es ja dann auch wieder um Serviceentwicklung oder um Produktentwicklung. Und die Hotels wissen das halt teilweise auch nicht, weil sie ja mit diesen Zielgruppen gar nicht im Austausch sind aktiv. Also da bin ich auch mal gespannt, was da für ein Widerhall kommt, wenn wir diese Ergebnisse veröffentlichen, weil für uns waren die schon sehr eindrücklich. Auch wenn man dann vergleicht Hotels im ländlichen Raum, Hotels im urbanen Raum. Ich glaube, gerade Hotels im ländlichen Raum haben oft noch mal eine ganz andere Rolle und Relevanz auch für das eigene Umfeld. Wir sehen im ländlichen Raum, wie oft grundlegende Infrastruktur fehlt. Da gibt es einfach keinen Tante-Emma-Laden mehr, da gibt es keinen Postservice mehr, da gibt es ganz viele Services, die wegfallen und wegbrechen. Aber es gibt trotzdem noch Hotels am Ort. Und wie können also Hotels natürlich davon profitieren, aber dadurch auch eine ganz andere Verbindung hin zur lokalen Community haben. Und wie können sie davon konkret profitieren? Und da gibt es ganz viele Antworten darauf. Beide Seiten. Beide Seiten. Und wir haben es ja auch während der Pandemie gesehen. Also, wenn dann eben mal die Reisenden wegfallen, dann wird so ein Hotel auch ganz schnell geschlossen. Das kann aber auch anders laufen. Also, ich finde, es ist ein sehr, sehr spannendes Feld und kann auf jeden Fall das Geschäftsmodell des Hotels noch mal innovieren, in eine neue Richtung lenken.

  123. 44:44
    Ronald M. Arndt

    Spannend, weil es sind genau, wie du sagst, im ländlichen Raum privat geführte Häuser, die vielleicht in Zukunft ganz neue Rollen annehmen.

  124. 44:52
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Und wenn wir da wieder den Schwenk machen zu meinem Lieblingsthema Metaverse, auch das sind Dinge, die wir abgefragt haben, also virtuelle Services, weil das Spannende an solchen virtuellen Services ist ja, dass sie eigentlich losgelöst funktionieren von Zeit und Raum. Ein Zimmer, das ist ja dieses berühmte UNO-Acto-Prinzip. Also ich kann es halt nur einmal verkaufen am Tag und wenn ich es nicht verkauft habe, dann verkaufe ich es am nächsten Tag nicht zweimal.

  125. 45:19
    Ronald M. Arndt

    Manche Hotels verkaufen ja auch mehrfach am Tag.

  126. 45:20
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja gut, anderes Thema. Das sind dann die Tricks und Kniffe. Ja, es funktioniert bei manchen auch sehr gut. Aber so das Standardmodell, ein Zimmer geht eben einmal pro Tag raus und da kann ich eben mit neuen innovativen, digitalen, virtuellen Service angeboten, kann ich eine ganz andere Reichweite haben. Ich kann in ganz andere Communitys reingehen. Und das ist sicherlich nicht was für jedes Hotel, aber für bestimmte Hotels kann das also absolut zukunftsrelevant sein.

  127. 45:57
    Katharina Beatriz Varga

    Ich würde gern, bevor uns die Zeit davonläuft mit diesen ganzen spannenden Themen, einmal eine Reise nach Saudi-Arabien machen. Da gibt es ja auch ein sehr spannendes Projekt, das NEOM. Da ist ja das Fraunhofer-Institut sehr involviert. Tell us all about it.

  128. 46:16
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    All about it?

  129. 46:17
    Katharina Beatriz Varga

    Nein, all about it, okay.

  130. 46:19
    Ronald M. Arndt

    Alles, was wir noch nicht wissen.

  131. 46:21
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Na ja, also ich finde das Projekt einfach sehr spannend. Ich meine, wir haben Großprojekte auf der ganzen Welt, wo viele spannende Dinge entstehen. Aber bei NEOM ist es ja schon so, dass da auch ein großer Fokus auf den Bereich Tourismus und Tourismusentwicklung gelegt wird. Und natürlich ist die Hotellerie ein ganz wichtiges Feld. Wir sind mit ganz unterschiedlichen Themen bislang involviert gewesen, also auch was so User Experience Journeys anbelangt, auch jetzt nicht nur für das Thema Tourismus und Hotellerie, sondern übergreifend. Es gibt verschiedenste Projekte, die teilweise jetzt auch schon wirklich im Bau sind. Also diese Vision von einer Stadt der Zukunft, die eben in der Wüste entsteht, wo vorher nicht viel war. Das finde ich schon spannend, den Anspruch zu haben, hier ein nachhaltiges Projekt umzusetzen. Ja, vor allem das immer wieder auch natürlich kritisch beäugt wird und infrage gestellt, weil wir reden hier von einer Hightech- City, die in der Form so auf diesem Planeten noch nicht existiert. Ist es wirklich nachhaltig? Ist es vereinbar mit den Anforderungen? Am Ende ist auch dieses Projekt aus meiner Sicht ein Riesenexperiment und deswegen sind wir auch als Forschende da mit dabei. Was da am Ende draus entsteht, ich weiß es nicht. Auch was von dieser Vision dann wirklich in die Umsetzung kommt, ich weiß es nicht.

  132. 47:51
    Katharina Beatriz Varga

    Ob da dann wirklich die Stadt steht, meinst du? Oder?

  133. 47:54
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Na, also das ist im Bau, das wird schon passieren. Aber die Visionen sind ja schon—

  134. 47:58
    Katharina Beatriz Varga

    also fertig?

  135. 47:59
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Sind ja schon sehr exaltiert und wirklich die, also da wird mit Technologien geplant, die es so noch gar nicht gibt. Also es ist wirklich, man hat die besten Köpfe weltweit zusammengebracht und gesagt, jetzt projiziere mal diese Stadt in die nächsten 20 Jahre, 30 Jahre. Was braucht es dann? Und dahin wird gebaut, weil man weiß, viele der Lösungen werden ja erst in vielen Jahren da sein. Und deswegen wird mit Dingen teilweise geplant, die es heute so noch gar nicht gibt. Also, das ist schon total irre. Das ist crazy. Aus Forschersicht muss ich sagen, absolut eins der spannendsten Projekte.

  136. 48:38
    Katharina Beatriz Varga

    Da haben wir doch eins.

  137. 48:39
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Haben wir noch eins?

  138. 48:42
    Katharina Beatriz Varga

    Nein, nein, aber ich dachte, weil ich vorher gefragt habe, was einer der spannendsten Projekte sind, Da ist, glaube ich, schon, das hat schon—

  139. 48:51
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, allerdings muss ich sagen, es ist natürlich weit weg. Es ist kein Projekt vor der Haustür. Und es ist auch eines, wo wir jetzt eher konzeptionell mit reinwirken, als dass wir auch selber den Erfolg in der Umsetzung wirklich beeinflussen können. Es liegt einfach in anderen Händen. Und deswegen, und das ist ja genau dieses Spannungsfeld, liebe ich dann auch wieder so kleine Projekte, wo man einfach mit ein, zwei Partnern Dinge entwickelt und dann auch umsetzt und man weiß genau, wenn wir heute hier sitzen und wir beschließen das so und wir sind dafür verantwortlich, dann wird das auch morgen so da sein. Und das sind Projekte, also der große Wurf ist toll, das Visionäre, das liebe ich, aber das andere—

  140. 49:37
    Katharina Beatriz Varga

    Das Greifbare ist genauso schön.

  141. 49:38
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Finde ich auch klasse.

  142. 49:43
    Ronald M. Arndt

    Ist die Zeit schon weggelaufen?

  143. 49:44
    Katharina Beatriz Varga

    Ich habe gar nicht auf die Uhr geschaut.

  144. 49:46
    Ronald M. Arndt

    Eine Stunde haben wir schon knapp hier.

  145. 49:48
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, okay.

  146. 49:50
    Ronald M. Arndt

    Ja, dann würde ich sagen, wir kommen wieder, wenn es in Ordnung ist.

  147. 49:56
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, gerne.

  148. 49:57
    Ronald M. Arndt

    Ja, also wenn man so bedenkt, wie da die Entwicklungsschritte sind bei euch und was da alles passiert, dann geht es weiter und wir reisen mit. Reisen wir mit.

  149. 50:07
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Macht Spaß. Wir stehen ja vor einem ganz spannenden Schritt jetzt, weil wir schließen gerade sehr viele unserer Forschungsarbeiten im FutureHotel Projekt Wir haben eine dreijährige Forschungsphase, die sich jetzt Ende des Jahres dann auch dem Ende neigt. Dann starten wir Anfang nächsten Jahres praktisch wieder in eine neue dreijährige Forschungsphase und die Themen werden nicht langweilig, ganz im Gegenteil. Also die Ideen, die jetzt gerade so im Raum stehen, wie wir auf bestehenden Arbeiten wieder ansetzen können und aufbauen oder wie wir eben doch nochmal auch in neue Themen reingehen, Allein die Anforderungen an Nachhaltigkeit bringen ganz viele neue und spannende, relevante Fragestellungen mit sich. Die Verbindung dann auch mit Technologie, Twin Transition, also da ist schon noch einiges zu tun und man kann noch viel Innovation in die Welt bringen.

  150. 51:03
    Katharina Beatriz Varga

    Ja, dann machen wir das mal.

  151. 51:04
    Ronald M. Arndt

    Dann sind wir gespannt drauf. Vielen Dank, Vanessa.

  152. 51:06
    Katharina Beatriz Varga

    Danke, Vanessa. Ist immer spannend mit dir.

  153. 51:09
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Ja, gebe ich zurück. War sehr schön mit euch jetzt.

  154. 51:12
    Ronald M. Arndt

    Weiterhin alles Gute. Bis zum nächsten Mal. Ciao, ciao.

  155. 51:15
    Prof. Dr. Vanessa Borkmann

    Danke.

  156. 51:16
    Katharina Beatriz Varga

    Tschüss.