Philip Ibrahim, Hotel MOA Berlin
Aufgenommen: Hotel MOA Berlin, Berlin
Germany35 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir haben uns nach 10 Jahren Markenzugehörigkeit zu Mercure, davor 5 Jahren Markenzugehörigkeit zu Best Western entschlossen, das Baby das erste Mal ohne Regenschirm in den Regen zu schicken.“
Philip Ibrahim, 01:19
Philip Ibrahim führt das Hotel MOA Berlin gemeinsam mit Conny Doß. Nach 10 Jahren Markenzugehörigkeit zu Mercure und davor 5 Jahren zu Best Western geht das Haus ohne Franchise-Marke weiter, als Urban Hub mit dem Dreiklang Congress, Kiez und Culture. Im Gespräch mit Ronald M. Arndt geht es um das Unlocked-Event, kurze Entscheidungswege mit drei Gesellschaftern und das Abkoppeln von den Systemen der Kette.
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Kernaussagen
- Raus aus dem Franchise: Nach 10 Jahren Markenzugehörigkeit zu Mercure und davor 5 Jahren zu Best Western führt das Team das Haus eigenständig weiter. Das Unlocked-Event mit 600 Gästen war der öffentliche Start.
- Congress, Kiez, Culture: Das MOA ist nach Philips Worten das zweitgrößte Tagungshotel in Berlin, mit 350 Zimmern und 40 Tagungsräumen. Dazu kommen kostenfreie Events, Comedy, Quiznights und Brunchangebote mit Rabatt für Leute aus Moabit.
- Drei Gesellschafter, eine Prämisse: Die Gesellschafter geben nur eine Vorgabe mit: seid erfolgreich. Bei 7000 Quadratmetern Fläche hieß das zum Beispiel, Roboter zu testen und zwei davon zu kaufen, ohne drei Angebote und mehrere Entscheidungsrunden.
- Doppelführung mit Conny: Philip und Conny, die seit 13 Jahren im Haus ist, führen das Unternehmen gemeinsam und haben Commercial und Operations zu einer Führung zusammengelegt. Er sieht seine Stärke außen, ihre im Innen.
- Abkoppeln ohne Blaupause: Für ein Haus dieser Größe, das eine Marke verlässt und keine neue annimmt, gibt es bei Booking.com und Expedia keinen fertigen Prozess. Buchungsplattformen wurden neu aufgesetzt, IT, Personalwesen und Marketing waren schon im Haus.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
In der neuesten Episode auf HOTEL-PODCAST.COM blicken wir hinter die Kulissen einer mutigen Neupositionierung. Nach über einem Jahrzehnt lässt das Team um Philip Ibrahim und Conny Doß das Franchise-Modell hinter sich, um das Hotel MOA Berlin als eigenständigen „Urban Hub“ neu zu definieren.
Unter dem Motto „Unlocked“ verbindet das Haus künftig seine DNA als zweitgrößtes Berliner Tagungshotel mit einer konsequenten Öffnung zum Kiez. Unter anderem erklärt Philip, wie sie durch kurze Entscheidungswege Innovationen wie Robotik und eigene Systemlandschaften vorantreiben und gleichzeitig Raum für lokale Kultur schaffen.
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Transkript öffnenTranskript schließen35 Min · Ronald M. Arndt und Philip Ibrahim
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:00 Philip Ibrahim
Test, Test, Test. Hallo, hallo.
- 00:04 Ronald M. Arndt
Du bist ja kein Unbekannter hier im Hotel-Podcast, aber neuer Ort ist es auf jeden Fall.
- 00:11 Philip Ibrahim
Ja, stimmt.
- 00:12 Ronald M. Arndt
Kommen wir gleich zu sprechen. Wichtigste Thematik aber vorab: Dem VfB geht es gut. Auf dem 4. Platz.
- 00:19 Philip Ibrahim
Es gibt nichts Schöneres, wie in guten Jahren über seine Fußballmannschaft zu sprechen. Da ich ja lange Jahre auch mit dem VfB nicht so gute Jahre hatte, genießt man dann die Höhen noch mehr.
- 00:31 Ronald M. Arndt
Das sage ich immer meinen Kleinen, meinen Jungs, was ihr für ein Glück habt, jetzt Kind zu sein und junger Fan zu sein.
- 00:38 Philip Ibrahim
Stimmt. Ich saß gestern auch mit einem sehr guten, sehr bekannten HSV-Fan da, den du ja auch kennst, und sagt, ja, hier 2007 kam ich nach Berlin, da waren wir deutscher Meister. Und dann hat er abgewunken und sagt, das letzte Mal, dass wir was zu feiern hatten, war 1987. Daran kann ich mich nicht wirklich erinnern. Ja, ist eine gute Zeit doch für VfB-Fans auf jeden Fall. Gut.
- 00:58 Ronald M. Arndt
Und jetzt die Brücke. Sonntag geht's gegen Union.
- 01:02 Philip Ibrahim
Ja, ja, in Berlin. Nee, in Stuttgart. Ich war letztens schon beim Hinspiel in Berlin. Genau, in Stuttgart.
- 01:08 Ronald M. Arndt
Ja, aber auch bei euch gab es was zu feiern, hier im MOA Hotel in Berlin gestern Abend. Große Fete, unlocked. Ja, was wurde unlocked?
- 01:19 Philip Ibrahim
Du, wir, unlocked hört sich so krass an. Man muss ja erst mal sagen, mein Lieber, immer wenn wir hier zusammensitzen, habe ich das Gefühl, meine Stimme gibt nach. Das ist jetzt Das ist das zweite Mal, dass wir nach einer großen Feier einen Podcast aufnehmen. Wenn wir in dem Tempo weitermachen, dann schaffe ich es noch auf die Poleposition der Teilnehmenden in deinem Podcast. Nein, aber wir haben gestern tatsächlich hier im Haus gefeiert und du bist mein erster Gesprächspartner nach dieser Feier. Wir haben uns nach 10 Jahren Markenzugehörigkeit zu Mercure, davor 5 Jahren Markenzugehörigkeit zu Best Western entschlossen, das Baby das erste Mal ohne Regenschirm in den Regen zu schicken, sagen wir mal so. Und dieses Unlocked oder Unlocked Event, das heißt genau für uns das, dass wir nicht nur neue Potenziale aufschließen, aber auch neue Freiheiten, vielleicht ein bisschen auch ausbrechen an den ein oder anderen Sachen und die Sachen noch mehr nach vorne setzen, die wir gestern schon anders gemacht haben. Und deswegen haben wir uns entschlossen, diesen roten Faden mit diesem Unlocked zu fahren. Und rückblickend jetzt auf den gestrigen Abend bin ich sehr, sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.
- 02:27 Ronald M. Arndt
Ja, große Bühne, wo ihr eigentlich genau das gezeigt habt, zelebriert habt, was ihr am Ende auch seid und in Zukunft sein wollt.
- 02:36 Philip Ibrahim
Richtig. Also dieses, der Dreiklang, den wir ja hier forcieren wollen und jetzt gestern auch so released haben, ist Congress, Kiez und Culture. Congress einfach als unsere DNA. Wir sind das zweitgrößte Tagungshotel in Berlin. Wir haben uns gestern Abend entschlossen, also für alle, die jetzt traurig mit FOMO daheim sitzen, weil sie es verpasst haben, wir haben uns entschlossen, in der großen Convention Hall, wirklich nur ein Bett, ein großes 3-Meter-Bett aufzubauen, um diese Größe, die Tiefe des Raums zu zeigen. Und dort haben wir 2 Stunden Podcast, kennst du ja, aufgezeichnet, einfach Content produziert mit teilweise 180 Zuschauenden in der Hall und haben dann im Atrium, das ist ein Stock höher, da hatte ich schon Angst, weil ich kannte, habe erstmal den Raum kennengelernt, die Convention Hall, habe ich gedacht, in welchen Dimensionen geht's jetzt weiter? Ja genau, 45 Tagungsräume, das sieht man auch nicht von außen, muss man auch sagen. Auch die Moabiter sehen das ja nie oder die Berliner auch, sagen, was, gibt es hier. Oben war es dann wirklich so, dass wir ganz bewusst auch gewählt haben, wir haben eine fluide Bühne, wie einer unserer Gesellschafter gesagt hat. Wir haben wirklich gesagt, ich will 360-Grad-Bühne haben, weil wir sind ja auch 360 Grad erlebbar, und haben dann wirklich mit 600 Gästen gestern das ganz groß zelebriert, auch in der Art und Weise, wie wir das noch nicht gemacht haben. Ich weiß ja nicht genau, welche Fragen du hast, aber ich habe ja schon mal so große Partys auch gemacht, und wir hatten ein Eventformat, das hieß Bed Talks, und vieles von dem, was mir damals sehr gut gefallen hat bei The Social Hub. Also wirklich haben wir heute in die Welt der klassischen Hotellerie getragen, also Bed Talks, klar, großes Bett unten, Talks unfiltert, und haben aber dann auch viele Zimmer gestern einfach benutzt und haben in den Zimmern mehr gezeigt, als man eigentlich da machen kann. Also diese Kreativität auch ausleben lassen. Also Congress als Teil der Größe, Kiez mit der Verankerung hier, diese Kultur, diese Locals, auch diese Partner mit reinzubringen, und Culture. Und das habe ich gestern mehrfach gesagt, das ist ja zweidimensional. Zum einen die Culture, ins Haus holen, egal ob das marginalisierte Gruppen sind, Diversity, LGBT, PoC, also um alle Abkürzungen wirklich zu benutzen, jeder Kultur auch seinen Raum zu geben. Die Kultur habe ich ja sowohl bei den Mitarbeitenden als bei den Gästen, und gerade bei den Mitarbeitenden zu sagen, es gibt Werte, anhand von denen wir uns messen lassen wollen. Das ist Congress, Skills und Culture und wird unsere DNA morgen weiter prägen.
- 05:01 Ronald M. Arndt
Vielleicht springen wir kurz ein bisschen zurück zu den Gesellschaftern, die du gerade schon erwähnt hast. Das ging ja damals, glaube um die 2000er Jahre, hier alles los und ist eigentlich ein Shopping-Mall-Konzept gewesen, ne?
- 05:12 Philip Ibrahim
Ja, ja, es ist immer, man sieht es auch, wenn man es weiß, das ist ähnlich wie ein Novotel, erkennst du auch immer, egal was für ein Brand draufsteht, man erkennt, was die Konzeption war. Alexander Wendel hat hier eine Shopping Mall konzipiert, ein Einkaufszentrum mit einem großen Ankermieter unten, einem Edeka, ich glaube der zweitgrößte Edeka in Berlin, der direkt aus der Hauptverwaltung in Minden geführt wird. Also ist eine Filiale hier. Dadurch weiß man, es ist sehr innovativ, es sind sehr viele— ich glaube, waren die Ersten, die so Scannerkassen hatten, also diese Selbstscannerkassen. Ganz viel Möglichkeiten einfach, ein sehr großer Edeka. Ich schwärme deshalb so, weil es natürlich auch mein Edeka ist. Ich wohne ja in Moabit. Wenn ich es zeitlich schaffe, gehe ich auch immer hier einkaufen. Also jetzt schaffe ich es immer, aber vorher war es schwerer. Die sind der Ankermieter. Dann gibt es im Erdgeschoss eben noch zusätzliche Ladenflächen, die an verschiedene Kleinunternehmer vermietet sind. Und in der Idee war im ersten Stock, wo jetzt das Restaurant ist, ein großes chinesisches Schnellrestaurant. Und es gab noch weitere Konzeptionen für ein Food Court und für weiteren Einzelhandel im ersten Stockwerk. Und das ist die Konzeption. Und dann ab dem zweiten Stockwerk gab es ein kleines Hotel mit einem kleinen Atrium und einem Brunnen und 120 oder 130 Zimmern. Das war die Konzeption. Und dann ist Alexander im Bau der Partner abgesprungen, der das Hotel betreiben soll. Es war kein Hotel, sondern ein Hostel tatsächlich zu dem Zeitpunkt. Und er hat gesagt, okay, Machen wir einfach selber. So, das ist Unternehmertum, auch diese Größe zu haben. Dann machen wir das aus der Not eine Tugend machen. Dann haben sie gesagt, wir machen selber und haben einen sehr guten, sehr renommierten Hoteldirektor gefunden hier in Berlin, der auch prägend war, nicht nur für das Haus, sondern für Berlin generell. Paolo Masarachia, auch kein Unbekannter. Hattest du den schon mal im Podcast?
- 06:59 Ronald M. Arndt
Noch nicht.
- 06:59 Philip Ibrahim
Ja, siehst du, musst du dir gleich einen kleinen Haken setzen, weil der ist wirklich einer, der macht jetzt im Bereich Altenpflege auch ganz spannende Themen, nämlich auch vor Veranstaltungen mit Leuten, die in der schon im Ruhestand praktisch sind. Ganz, ganz großartiger Kerl, hat es gestern leider nicht geschafft, hat mir aber geschrieben. Also viele Grüße an Paulo. Und der hat praktisch das Haus positioniert und hat dann maßgeblich mitgeholfen, in diesem Haus so einen großen Tagungsbereich auch hinzubekommen. Und ich glaube, das ist die Kunst zu sagen, hey, wir haben gemerkt, da ist so ein, ja, so ein Gap, ein Sweetspot im Bereich Tagungsgeschäft, da wollen wir voll rein. Und hat aus 3 Tagungsräumen nach und nach 45 gebaut oder mitgebaut. Das Ganze schon mit Conny, die ja heute gemeinsam mit mir dieses Unternehmen führt, die schon seit 13 Jahren hier ist. Und das war praktisch der Start in dieses Gebäude.
- 07:51 Ronald M. Arndt
Ja, also es war eigentlich keine Frage, dass du als jemand, der von hier auch kommt, bei einem solchen Neustart wieder mit an Bord bist.
- 07:59 Philip Ibrahim
Ich weiß nicht, ob du mir die Frage auch gestellt hast, als ich bei Mercure weg bin und mich mit dem Student Hotel damals arrangiert habe oder da auch angefangen habe, da war das für alle so krass, das ja, vermisst du nicht die Hotellerie? Hotellerie. Es ist ganz viel Hotellerie gewesen, ganz viel auch klassisches Hotelgeschäft, und ich durfte eben das, was ich am besten kann, Menschen verbinden, dort ad absurdum in jeglicher Form und Couleur erleben und erlebbar machen. Das war ganz toll, und ich bin auch froh, dass das Studentenhotel größer geworden ist in The Social Hub und jetzt hier in Berlin ja auch eine tolle Kollegin hat, die das führt und auch weiterentwickelt und vielleicht auch mit ein bisschen frischem Wind auch belegen kann. Und als ich dann von SocialHub weg bin, sagen alle, ja, jetzt gehst du wieder in die Hotellerie, wirst du dann wieder einen Anzug tragen. Aber ich habe mich da irgendwie gar nicht— ich bin nicht eingestellt worden wegen dem Anzug, sondern Alexander hat irgendwann ja noch zwei weitere Gesellschafter mit reingenommen, Laurenz und Hannes. Laurenz, der meinen Weg schon sehr lange irgendwie kennt. Wir kennen uns wirklich schon sehr lange, auch schon seit Paulo-Zeiten. Und wir haben uns unterhalten, irgendwann sagte er, du, bei uns verändert sich was. Und ich habe gedacht—
- 09:02 Ronald M. Arndt
wann war das ungefähr, so dieser erste Gedanke, dass sich was verändert?
- 09:05 Philip Ibrahim
Also dass sich hier im Haus was verändern wird oder dass da Möglichkeiten der Veränderung war im letzten Jahr im Herbst. Ich glaube, der Direktor, der hier zwischen Paolo und mir gewirkt hat, Stefan Winnisdörfer, auch ein ganz, ganz großartiger Kerl, auch mit ganz viel Accor-Blut. Weiß nicht, ob man das gerne hört, aber auch ein ganzer 5-Sterne, also wirklich ein gediegener, ein sehr klarer Schweizer. Der hat hier ganz viel Strukturen geschaffen, weil Paolo ist ja auch so ein Outgoing, Innovator, Kommunikator. Und dann kam Stefan und hat hier ganz viel Strukturen glattgezogen. Und das ist ganz wichtig gewesen. Und der hat gesagt, er würde sich gern weiter verändern, aber ohne Druck, so wie sie halt jemanden finden. Und dann kamen die ersten Gespräche im Herbst letzten Jahr, letzten, vorletzten Jahr, muss ein bisschen aufpassen, 2024. Wir haben uns unterhalten, haben dann eine Weile irgendwie gesprochen und es war eigentlich von Anfang an klar, dass ich nicht das Social Hub verlasse, um das nächste Social Hub zu machen oder das nächste zu machen, um denen wehzutun oder sonst irgendwie, sondern ich wollte eine Herausforderung, die mich noch größer machen kann. Also wir haben hier fast 200 Mitarbeiter, das Haus ist riesig, es ist eine riesige Maschine, wir machen über 1000 Veranstaltungen im Jahr. Das ist auch noch mal eine andere Dynamik, die wir hier haben, und darauf hatte ich richtig Bock. Und dieser großartige— das weißt du ja, du weißt ja, ich bin ein sehr heimatverbundener Typ, ich bin ja auch immer noch VfB-Fan, egal 20 Jahre nicht da. Ich wohne schon seit ich in Berlin bin in diesem Kiez, mein Kind geht hier auf die Schule, hat seinen Basketballverein hier, der läuft von der Schule zum Flöten ins Hotel. Das sind genau die Themen. Also eigentlich wohne ich genau wie Räume, alles beieinander. Und das sind so Sachen, die haben mich halt wirklich getriggert. Ich war eh schon immer hier einkaufen und deswegen haben wir uns so gut und schnell einigen können.
- 10:50 Ronald M. Arndt
Und auch wenn die Branche meinte, du gehst zurück in die klassische Hotellerie, ist es ja alles andere als das, sondern du nennst es Urban Hub.
- 10:56 Philip Ibrahim
Genau, wir entwickeln das Ganze jetzt weiter. Also vielleicht verbinde ich auch das, was ich gelernt habe in den letzten Jahren, wirklich in einem Produkt und kann mich neu weiterentwickeln und das Gelernte umsetzen. Also wir haben gesagt, es ist ein klassisches Hotel, Fakt: 350 Zimmer, 40 Tagungsräume. Hier kommt der klassische Berliner Hotelgast zu einer Tagung, Konferenz, Kongress. Aber ungleich zu den anderen Kollegen habe ich hier halt eben ganz viel Berliner Couleur. Also wir sind mitten im Kiez, im lebenden Moabit, im alten Arbeiterviertel, wirklich. Und hier gibt's viele Menschen, die hier wohnen, also auch viele, die hier Parkplätze mieten. Özkan, der hat den Reifenhändler gegenüber. Das ist so eine Geschichte, der sagt, wenn du was brauchst, ruf mich an. Dann habe ich letzte Woche gesagt, hast du noch Winterreifen? Kumpel ist hier ohne Winterreifen. Sagt er, warte, Ich komme kurz vorbei, welches Auto, gebe ich ihm das Kennzeichen, dann schickt er mir ein Bild von dem Auto und sagt, ja, habe ich nicht da, kann ich bestellen, sind übermorgen da. Und das meine ich, es ist doch wie daheim, also wo du bei der Stammkneipe sitzt, so. Und das hier zu verbinden, das ist genau die Kunst. Und diesen Urban Hub wollen wir folgendermaßen wirklich ins Leben rufen. Wir haben ja den Business-Gast, der ist da, wir haben aber hier unten jede Menge Menschen, die einkaufen gehen, und diese Brücke hoch in diese Bar zu bauen und auch so einfach und transparent zu gestalten, dass jeder weiß, ich habe hier, was weiß ich, den 30., 40. Geburtstag, ich möchte einen Brunch machen, meine Schwiegermutter kommt, wo schiebe ich die ab, was mache ich mit dem ungeliebten Freund meiner Tochter, die noch zu Hause wohnt. Das sind die Themen, wo wir morgen hinwollen. Aber viele Sachen, die die klassische Hotellerie auch möchte, möchte ich mit dem, was ich bei Social Hub aber gelernt habe, anders umsetzen. Wir machen zum Beispiel kostenfreie Events für den Bereich Mental Awareness, wir machen kostenfreie Events im Bereich Comedy, wir machen musikalische Events, Afterwork, wie auch immer man sie nennen möchte. Wir machen Quiznights, also wir haben Brunchangebote, wo derjenige aus Moabit noch Rabatte bekommt. Das sind die Themen, wo wir morgen wirklich den Unterschied machen können.
- 12:53 Ronald M. Arndt
Hast erwähnt, die Conny ist schon 13 Jahre da.
- 12:56 Philip Ibrahim
Ja, sieht man ihr nicht an, kann man ruhig auch so sagen.
- 12:59 Ronald M. Arndt
Nee, habe ich auch gestern gedacht. Was verbindet euch beide so?
- 13:04 Philip Ibrahim
Ja, also wenn man von Führung spricht, dann gibt es ja immer einen Blindspot. Also das habe ich gelernt. Ich kann nicht alle führen, jeden führen. Der eine braucht ein bisschen mehr Leben, der andere braucht ein bisschen mehr Zurückhaltung. Die großartige Geschichte ist hier, dass der Boden schon irgendwie bestellt war. Verstehst du, wie ich meine? Also der war schon, die, die, die, das Team ist schon da. Ich habe hier nicht alle neu eingestellt wie bei Social Hub oder auch sonstiges. Ein großes Team, die Bock hatten, in eine Veränderung zu gehen. Und diese Werte, die ich erwähnt habe, Mut zur Veränderung, dieses Unternehmen hat einen Wert, der heißt Mut zur Veränderung. Hatte ich noch in keinem anderen Unternehmen als Unternehmenswerten, eben Vertrauen, Respekt und so. Aber Mut zur Veränderung ist eine ganz starke Begrifflichkeit. Und Conny, vielleicht jetzt stellvertretend für die Leute, die schon lange da sind, haben natürlich das mitgebracht, was vereint mich und Conny. Wir kennen uns wirklich schon ja über 15 Jahre auch, weil die hat ja auch eine Accor-Vergangenheit. Wie ich hatte ja bis gestern eigentlich noch ein Brand, also fast eine Gegenwart. Die hatte eine Akku-Vergangenheit. Wir kennen uns schon wirklich aus dem Checkpoint Charlie, auch von Paolo. Und was uns eint, ist diesen absoluten Willen, das Unternehmen erfolgreich zu machen. Also es geht nicht um irgendwie Ego-Themen oder sonst irgendwie. Viele würden denken, dass ich ja so, ja, ich bin ja so ein outgoing Typ, das ist meine Stärke. Gib mir ein Mikrofon, gib mir eine Bühne, ich muss, bin nicht aufgeregt. Also ich bin aufgeregt gesund, aber ich bin nie verlegen, irgendwie sowas zu machen. Da gehe ich voran, da möchte ich auch irgendwie der Visionär sein, möchte auch so ein bisschen mich ausleben können, möchte möchte die Freiheit haben, Leuten eine Bühne zu geben, ohne irgendwie Second Thoughts, ob das richtig oder falsch ist. Das ist das Großartige. Wenn aber du so stark nach außen bist, bist du immer nicht so stark im Innen. Oder wenn ich stärker ins Innen sein muss, was ich kann, kann ich im Außen nicht so stark sein. Und Conny wiederum hat genau diese Komplementärstärken, dass sie sagt, krass, diese Fragen zu stellen, im Team noch mal nachzuhören, macht das Sinn, wie entwickeln wir das finanzielle Fundament, um auch diese Freiheit zu haben, unternehmerisch hier uns auf den Nachbarn zu fokussieren. Das kostet ja alles Geld. Wie machen wir das? Wie strategisch gehen wir da vor? Und das ist wirklich ganz, ganz toll, dass wir da einen großen Gesprächsansatz haben und jeder so seinen Teilbereich auch verantworten kann. Und das absolut Schöne ist, das eine schließt das andere nicht aus. Conny kann Bühne, Conny kann sprechen, wir haben es gestern erlebt, sie hat ja eine Präsenz. Und Philip kann ja bekanntlich Sales, der kann ja auch irgendwie Strategie. Und wir können uns im kleinen Kämmerlein auch immer gegenseitig noch mal challengen und Siehst du das? Siehst du das? Wie findest du das? Und das ist wirklich eine ganz Einzigartigkeit. Vielleicht muss man noch einen Zusatzsatz sagen: Das Ganze ist ja mehrdimensional, weil es gab ja hier auch zwei Strukturen, also mit dem Commercial Part, dem Operation Part, das wir jetzt vereint haben gestern, wirklich mit einer vollumfänglichen Doppelführung. Aber ich habe ein unglaubliches Team auch noch schon abseits von der lateralen Partnerschaft mit Conny, die auch hinter mir wirken und auch mir da den Rücken frei haben. Meine Deputy General Manager ist wirklich crazy gut. Man hat vielleicht gestern sie gar nicht so gesehen, aber all das, was wir gestern gemacht haben, wäre ja nicht möglich gewesen, wenn da nicht irgendwie operativ jemand auch die Fäden zieht. Und also, du hast mich ja erlebt, ich bin ja nur gerannt. Also, ich bin nur von einem zum nächsten gerannt, habe da ein Bild gemacht, habe versucht, jedem versucht zu genügen. Ich konnte ja nicht gucken, sind genug Teller, sind Leute an der Station. So, das funktioniert nur mit dem Team. Und das muss man natürlich sagen, das ist nicht irgendwie die Person, die auf der Bühne steht, die das sagen kann. Aber es gibt bei Instagram ein nettes Video, weil wir haben mittags ein Briefing gemacht und ich habe auch ganz klar gesagt, das Ganze funktioniert nicht, die Mitarbeitenden wollten vor die Bühne. Ich habe gesagt, nein, nein, ihr geht auf die Bühne, ich gehe runter, weil das Ganze kann nur funktionieren, wenn jemand wie ihr das Ganze auch macht. Und das ist die Besonderheit in diesem Haus und das verbindet mich mit Conny auch, diesen absoluten Willen. Dass wir für das Team ja auch eine soziale Sicherheit bieten wollen.
- 17:11 Ronald M. Arndt
Also ihr beide, das Team, aber auch ganz nah an den Unternehmern dran, an den Gesellschaftern. Ja, ist ja auch was Besonderes eigentlich, ne?
- 17:18 Philip Ibrahim
Ja, ich habe so kurz mal überlegt, ich habe ja alles schon gemacht in meiner Karriere. Ich habe ja eine Filiale geführt oder lange Filialen geführt von Accor. Da bist du ja auch immer in Multi, in einem Mahlrad von Verantwortlichkeiten. Jeder Stakeholder, weil jeder, also es gibt natürlich in Deutschland Chef, aber der hat auch noch 15, gefühlt 15 offizielle die auch alle deine Chefs sind, in so einem Hotel. Das war toll, das hat mir aber auch nie was ausgemacht. Mir hat es so nie was ausgemacht zu reporten oder an jemand noch mal irgendwie Informationen weiterzugeben. Bei Social Lab war es ein bisschen kleiner. Es gibt, es ist eine kleinere Firma, bisschen stringenter geführt, aber ich bin ja da reingekommen und wir sind in einen Wachstumsprozess gekommen, wo wir von 8 auf 20 Hotels gewachsen sind. Und all of a sudden haben auch meine Plus-Eins, Plus-Zwei gemerkt, ich kann gar nicht 18, 30 Hotels führen, das geht nicht, ich brauche eine Struktur. Und da war oft ein gewisser Reibungsverlust, weil natürlich dann auch Leute irgendwo reingewachsen sind, die vielleicht nicht die Souveränitätssicherheit oder sonst was hatten, das alles so zu entscheiden, wie sie sich gefühlt haben, ohne dass ich das irgendwie so unterstützen wollte. Aber dann ist natürlich eine andere Länge in der Entscheidung, wenn ich dann sage, hey, können wir 200.000 € ausgeben, um das und das zu machen? Dann sagt ein Gestandener, der das gesamte Bild kennt, sagt er, ja, machen, habe ich. Aber der Nächste muss erst noch 5 Runden ziehen, will aber vor mir vielleicht nicht ultimativ gleich ja oder nein sagen. Das macht das Ganze sehr anders. Anstrengend. Und jetzt bin ich in der großartigen Situation, 3 Gesellschafter zu haben, die eine Meinung an uns weitergeben, und diese Meinung ist: Seid erfolgreich. Das ist die einzige Prämisse. Dass es da manchmal verschiedene Wege zum Erfolg gibt— ich meine, du als Hotelier, du weißt, ich kann entweder auf Auslastung gehen oder auf Durchschnittsrate. Ist immer falsch, weil du immer erst hinterfragst, wenn du merkst, irgendwas hat nicht funktioniert, sonst alles tutti. Aber hier habe ich 3 Gesellschafter, die haben alle eine Prämisse: Die wollen das Unternehmen erfolgreich haben und erfolgreich sehen. Und das Schöne ist auch hier wieder mein Wert Loyalität oder auch ja Treue. Alex Wendeln, das ist, hier stand die Bäckerei seines Großvaters. Also das ist ein Familienherzensprojekt. Also wirklich hat hier eine Verankerung, und das merkt man auch, wenn man mit ihm spricht. Hier geht's nicht darum zu sagen, wollen wir einen neuen Teppich, sondern wir wollen einen neuen Teppich, weil machen wir. Der Gast fühlt's, wir fühlen's, und das ist noch mal was ganz anderes. Die Entscheidung ist deutlich schneller. Ein Fachbeispiel, wir Jahr gesagt, als ich kam, ey, wir haben 7000 Quadratmeter Fläche. Alleine das Staubsaugen und Nasswischen von diesen Flächen ist exorbitant viel Zeit, wie du dir vorstellen kannst. Du hast ja auch, glaube ich, ein Großgrundstück mit 7000 Quadratmetern Wohnfläche. Da weißt du ja, wie, wie lange du brauchst, um Staub zu saugen.
- 19:57 Ronald M. Arndt
Das mache nicht ich.
- 19:58 Philip Ibrahim
Ja, und wir haben gesagt, wir würden gerne in die Robotik da gehen und haben gesagt, okay, lass uns Roboter angucken. Sagen, lass uns Roboter angucken. Wir haben welche angeguckt, haben die getestet, Und haben noch im letzten Jahr 2 Roboter gekauft, die dann wirklich uns da auch unterstützen. Diese Dynamik ist crazy, weil das wirklich eine Entscheidung ist, die ja deutlich schneller geht, als irgendwie zu sagen, haben wir denn 3 Angebote, haben wir das in 5 Destinationen, was ist, wenn da 2% Gefälle sind? Nein, wir machen so. Und wenn wir merken nachher, cool, haben wir gemacht, war eine Scheißidee, gucken wir uns an, sagen wir, eine Scheißidee. Und das ist diese unternehmerische Freiheit, die ich sehr schätze.
- 20:32 Ronald M. Arndt
Hast vorgemeint, Sales natürlich auch dein Steckenpferd. Mit welchem Ausblick schaust du so ein bisschen auf das neue Jahr?
- 20:40 Philip Ibrahim
Ja, gemischte Gefühle. Ich muss immer, ich bin ja, wie du auch weißt, ja noch im DEHOGA aktiv und versuche für die Branche mehr zu sein als, oder mit der Branche mehr zu gestalten als ein Hotel in Moabit, sondern da immer noch ein Auge in die Welt und auch auf den Berliner Markt zu haben. Wenn, bevor ich mal das Positive nehmen möchte, ich mal nur kurz die Themen umreißen, an denen wir wirklich strukturell auch hapern in Berlin. Und generell in Deutschland ist das Flugverbindungsthema einfach ein eklatantes Problem. Wenn wir uns mit internationalen Destinationen vergleichen, das kostet einfach ein Schweinegeld, in Deutschland zu landen, und in Berlin kostet es noch mehr. Also das ist einfach ein Thema, das ist aber auf dem Schirm. Berlin haben wir natürlich klassisch auch diese Messesituation, dass vielleicht für das, was die Stadt an Strahlkraft hat, nicht immer genug Tagungs- und Messeflächen da sind. Das ist einfach ein Thema. Du als Stuttgarter, ich als Berliner, wir können uns mit infrastrukturellen Großprojekten ja wahrscheinlich die Hand geben. Der eine hat einen Bahnhof, der andere hat einen Flughafen, aber im Prinzip haben wir da ein strukturelles Problem, dass wir als Bahnland Verbindungsprobleme haben, die manchmal nicht für Reisende immer so optimal sind. Und die Bahn hat lange nicht investiert und so weiter und so fort. Also das heißt, wir haben generell ein Thema, Deutschland und Berlin im Speziellen zu erreichen. Das sehe ich mit großen Sorgen. Was nicht in meinem Einflussbereich ist, ist die internationale Geopolitik. Wir haben einen Krieg, der geht, der ist nicht weit weg von hier, ne, machen wir uns nichts vor. Kiew war über Jahre lang ein Reiseland, eine Reisedestination für Berliner. Wenn du an die Ostgrenze Polens fährst, bist du in der Ukraine. Das sind noch mal Sachen, das unterschätzen wir. Dieser Krieg ist eine Sache, dann haben wir constantly Kriege irgendwo auf der Welt, die teilweise provoziert, mehr oder weniger akzeptiert werden. Wir haben meiner Meinung nach instabiles Amerika, was immer ein bisschen schwierig ist, wenn ein Land schon in sich so zerpflückt und zerrissen ist. Es ist nicht leicht. Dann können wir in Europa weitermachen. Frankreich hat strukturelle Themen. Du mit einem großen Faible für Frankreich weißt mit Sicherheit mehr wie ich, was da passiert. England, ich war jetzt in London, ist auch noch mal Next Level mit Brexit immer noch zu kämpfen. So, also wenn du dir das wirtschaftlich, also geopolitisch anguckst, geopolitisch und auch ökonomisch, dann haben wir da einfach Themen, die wir nicht beeinflussen können. Ich gehe davon aus, dass Deutschland jetzt mal ins Positive dieses Jahr ein deutlich besseres Jahr erleben wird und wir langsam aus diesen Krisenmodi rauskommen. Wir spüren den leichten Aufschwung und auch die Zahlenprognosen sehen aus, dass wir 7 bis 10% mehr Leisure-Touristen wieder in Berlin empfangen können. Das wäre großartig und notwendig. Also das ist das Positive.
- 23:27 Ronald M. Arndt
Eure Zielgruppe, die setzt sich aus beiden zusammen?
- 23:30 Philip Ibrahim
Also ich bin immer, also Berlin liebt und lebt, wenn viele Menschen in Berlin sind. Die Strahlkraft ist einfach großartig. Ich bin ja hier nicht in Spandau, auch schön da, aber Spandau hat nicht den gleichen Effekt wie Moabit am Ring, also am S-Bahn-Ring, mit der Anbindung zur Messe, der Anbindung zum Flughafen. Also ich komme in 35 Minuten vom Berliner Hauptbahnhof, der ja hier anderthalb, 2 Kilometer weg ist, komme ich in 35 Minuten zum Flughafen. Ich komme hier direkt zur Messe. Also sind alles Themen, die für uns gemacht sind. Also mehr Leute in Berlin heißt bessere Ergebnisse in Berlin. Und Messen ist genau das Thema, Großveranstaltungen, da sind wir dran. Es gibt Bestrebungen der Olympia in Berlin, die ich sehr unterstütze. Es gibt aber auch Bestrebungen der Expo in Berlin, und die beiden Veranstaltungen selber sind sich nicht immer gleich grün. Aber ich finde, alles, was Berlin attraktiver macht, hilft. Also mehr ist mehr. Wir können 5 NBA-Spiele, 5 NFL-Spiele, 2 Konzerte von wem auch immer, das geht alles hier. Wir haben genug Kapazitäten, wenn es angeht. Und da wünsche ich mir einfach, dass wir noch mehr, noch stärker für das werben, was wir, was wir hier toll machen.
- 24:38 Ronald M. Arndt
Hat da die Berliner Szene, Branche so einen gewissen Schulterschluss, oder?
- 24:41 Philip Ibrahim
Ja, ja, es gibt mit Visit Berlin einen Partner hier, der natürlich in einer einzigartigen Konstellation steht, dass die Gelder, die der Marketingverband im Deutschen Jargon macht und hat, vom Senat bezahlt werden, aber die Ausrichtung maßgeblich von den Hotels mit definiert wird. Also wir haben hier einen Partnerhotels e.V., der die Ausrichtung stimmmäßig des Tourismusmarketings aktiv mitgestalten kann. Da sind wir auch sehr aktiv mit dabei, weil nur dann schaffen wir es auch, diese Attraktivität auch weiter zu halten und zu gestalten. Ja, das ist schon einmalig.
- 25:16 Ronald M. Arndt
Und am Ende muss aber auch viel Nachfrage von den Firmen kommen, die vor Ort dann was zu feiern haben, ne?
- 25:20 Philip Ibrahim
Ja, feiern ist leichter, aber ich habe zum Beispiel gesagt, was pervers ist, ich wollte es eigentlich nie sagen, aber wir müssen ja eigentlich uns in Branchen auch immer gucken, welche Branche geht's gut. Und als Pazifist zu sagen, die Rüstungsbranche ist die, die boomt, das macht keinen Spaß. Spaß. Aber wenn du hier anguckst, was wir hier Tagungen manchmal haben, dann kommen hier Militär-Tech-Firmen mit Großkongressen, aber auch Industrie, also alles, was so Metallhersteller sind, da ist ja auch immer eine Rüstungssparte da, die sind alle gerade am, ja, am Boomen. Und auf einem Niveau, wie wir Tagungsflächen haben, da ist das einfach ein Markt, der es auch relevant macht.
- 26:00 Ronald M. Arndt
Ja, bist ja schon lange dabei und mit allen Wassern gewaschen. Aber jetzt bei dem Projekt, gibt's da, gab es irgendwas, wo du gesagt hast, da muss auch der Philipp noch sich weiterentwickeln? Also wo du sagst, das ist für dich eine persönliche Herausforderung?
- 26:11 Philip Ibrahim
Ja, also ganz ehrlich, ich entwickle mich ja mit jedem Schritt, auch wenn das so platzig anhört. Ich bin vielleicht, man sieht mir nicht an, wenn ich aufgeregt bin. Das ist vielleicht die Gabe, die am meisten hilft. Aber ich bin schon auch aufgeregt vor jeder Herausforderung. Aber es ist immer unterschiedlich, wie man das reflektiert, wie man damit umgeht. Was musste ich hier machen? Also was, lass mich mal sagen, was ich schon gut kann, ist, dass ich nicht einen Lösungsansatz habe. Also ich komme schon mit mehreren Möglichkeiten, und dann evaluierst du, was passt am besten. Und unterm Strich musst du halt dir selber in den Spiegel gucken und dir selber treu bleiben. Was hier wirklich die größte Schwierigkeit war, ist, dass es zwei Unternehmensbereiche gab, die den gleichen Herren dienten, aber vielleicht unterschiedliche Wege gegangen sind. Und ich bin nicht so gut in Die und wir oder wir und die. Ich bin eigentlich besser im Wir. Und das hat jetzt ein Jahr gedauert, um das auch so aufzubauen, dass wir sagen, wir sind ein gutes, ein sehr gutes Wir und können damit in die Zukunft gehen. Das hat mich länger gefordert, als ich gedacht hätte. Ja, und ansonsten gibt es natürlich in so einem großen Haus mit so großen Themen auch immer wieder Ecken, wo du denkst, krass, hier war ich noch nie. Und dann bist du überrascht, weil Social Hub habe ich faktisch selber gebaut. Da gab es keinen Stein, wo ich, da kannst du mich alles fragen. So, und hier ist manchmal so, fühlt sich halt blöd, wenn einer sagt Treppenhaus 4, 3. Etage und du sagst Treppenhaus 4, welches war das noch mal? Ja, das sind eher so Themen, wo ich immer wieder mal merke, bin ich da zufrieden, muss ich da noch mal nachlernen oder so.
- 27:41 Ronald M. Arndt
Ja, was habt ihr an Überraschungen und Besonderheiten jetzt schon im ersten Jahr geplant? Also was bekommt man hier im MOA?
- 27:46 Philip Ibrahim
Ja, also du meinst jetzt nicht mehr mit der Marke Mercure zu sein, heißt einige Änderungen, die wir uns schon überlegt haben. Wir haben neue Wäsche im gesamten Haus, wir renovieren gerade 200 Zimmern noch zusätzlich, die werden auch noch gemacht. Also das passiert alles im laufenden Betrieb. Wir haben neue Beduftungsanlagen in den öffentlichen Bereichen, das gab es vorher nicht. Neben den Moa-Mens, den Events, die wir hier wirklich für den Kiez kreieren, die wir ganz, ganz stark spielen, sind das so die gängigsten fühlbaren Unterschiede. Wir haben neue Amenities, die haben wir direkt gewechselt.
- 28:28 Ronald M. Arndt
Wir haben, wenn man uns Das sind Dinge, die auch direkt mit dem Franchise-Verlassen zu tun haben, ne, zum Teil.
- 28:33 Philip Ibrahim
Ja, also ich bin mir nicht sicher, ob man so eine Diskussion nicht auch führen darf, was man da nutzt. Accor ist da auch ein fairer Partner, der sagt, hey, wie kommen wir da raus? Aber es ist deutlich leichter und es ist für den Gast spürbarer. Wir müssen jetzt eine Unterscheidung auch darstellen können. Wir haben uns aber auch entschlossen, einige Sachen flexibler zu halten. Unsere Kategorien im Hotel sind ein bisschen starr gewesen bei Accor. Familienzimmer ist ein Riesenmarkt. Wir jetzt deutlich flexibler. Also wenn du mit Familien zu uns reisen möchtest, findest du die Zimmer, kannst sie auch buchen.
- 29:04 Ronald M. Arndt
Was heißt das dann?
- 29:06 Philip Ibrahim
Du hast eine gewisse Limitierung, was verschiedene Kategorien angeht, in den Systematiken, die Accor braucht. Das ist auch okay, ist klar, weil wenn du 4000 Hotels hast, kann nicht eins 30 haben und der nächste 2. Wir brauchen aber vielleicht manchmal mehr Kategorien oder wollen ein bisschen volatiler sein. Ist es 3, ist es 4, können da 3 und ein halber, wie alt sind die Leute? Das können wir jetzt viel besser darstellen in Zukunft über unsere eigenen Buchungsplattformen, über Buchungsmaschinen. Das ist schon eine große Unterscheidung, und da darf der Gast sich auch drauf freuen, dass er ein besseres Zimmer buchen kann für das, was er möchte. Das ist eine wirkliche Änderung, auf die wir gut gucken. Und dann planen wir dieses Jahr einfach mal so ein bisschen in die Kugel gesprochen. Wir wollen vielleicht noch ein bisschen was an den Matratzen machen, da haben wir ein bisschen was vor. Wir wollen in der Bar noch ein bisschen optimieren, was wirklich die Hardware angeht, neben den Soft-Sachen, die wir haben. Wir haben ja hier ein Coworking, in dem wir sitzen, auch hier sind die ein oder anderen Investitionen geplant. Noch geplant, wie können wir da weitermachen. Und das Ziel ist, dass wir bis Ende diesen Jahres wirklich das gesamte Haus einmal komplett, die Zimmer fresh gemacht haben. Und das ist schon auch ein großer Invest, muss man auch sagen.
- 30:16 Ronald M. Arndt
MOA ist ja immer schon irgendwie so eine Extramarke gewesen, auch mit oder ohne Mercure. Ist da vielleicht irgendwann mal auch noch mehr zu erwarten von MOA?
- 30:27 Philip Ibrahim
Ja, ist die Frage. Als ich angefangen habe, war das auch meine Frage an alle 3 Gesellschafter: Machen wir ein Haus oder machen wir irgendwann 12? Ist ja ein Unterschied, auch wie du da Es gibt ja im Schwesternverbund noch ein zweites unabhängiges Hotel in Niedersachsen, in Garel, das Hotel Heidegrund. Auch eine ganz tolle Empfehlung, großartiges Team, ganz toller Wellnessbereich. Das gibt es. Das heißt aber auch nicht MOA, sondern heißt Hotel Heidegrund. Vielleicht muss man ja auch in aller Ehrlichkeit sagen, MOA funktioniert mit der Geschichte MOA Beat. Ja, man kann vielleicht auch jetzt noch andere Ecken, Mörs oder so was suchen, aber aktuell gibt es keine Bestrebungen, da noch ein Hotelbrand draus zu machen. Zu machen. Die Frage ist, ist der Name des Hotels die Brand oder das, was wir innen leben mit den Werten und mit dieser Kultur? Und ich glaube, bei der Kultur können wir viel noch anderen mitgeben, aber aktuell, ohne da jetzt irgendwas zu spoilern, gibt's nichts, wo ich jetzt sagen kann, das kommt auf uns zu.
- 31:21 Ronald M. Arndt
Nee, so eine Franchise-Marke zu verlassen bedeutet ja wirklich viel. Ja, also das ganze Thema Systemlandschaft, Technologie habt ihr alles intern dann noch mal neu aufsetzen müssen, ne? Ja, Buchungsmöglichkeiten hast du gerade erwähnt.
- 31:34 Philip Ibrahim
Ja, wir haben schon frühzeitig angefangen, uns so ein bisschen unabhängig zu machen. Okay, das heißt, da wart ihr immer schon bisschen ausgeputzt. Sonderfall, Muse als unser PMS ist nicht das erklärte Lieblings-PMS von Accor. Wir haben es trotzdem. Also das zeigt ja auch die Flexibilität vom Franchise-Partner.
- 31:49 Ronald M. Arndt
War das ein Kampf früher, oder?
- 31:50 Philip Ibrahim
Ja, ich war noch nicht da, aber ich habe mir sagen lassen, dass es schon längere Diskussionen auch gab, ob Sinnhaftigkeit oder nicht. Kann ich nachvollziehen aus beiden Richtungen, by the way. Muse ist ein großartiges PMS, aber dann halt nicht so vergleichbar mit, wenn alle anderen was anderes haben. Also ich kann Manchmal stehst du zwischen den Stühlen, aber da siehst du ja, dass beide irgendwie einen Schritt gemacht haben. Aber die Systemlandschaft wird bei uns schon gepflegt. Wir haben ein eigenes Personalwesen, wir haben ein eigenes Marketing, das haben wir ein bisschen aufgestockt. Wir haben eine IT-Abteilung, die ja schon hier aktiv arbeitet. Das ist alles schon vorhanden. Da haben wir also morgen keinen Reibungsverlust. Da freue ich mich schon ein bisschen drüber. Aber das wäre richtig brutal in so einer Änderung oder Austritt aus dem Franchise, weil wenn du das nicht hast, musst du es neu aufbauen und dann geht es nicht so von heute auf morgen. Aber das Haus hat er schon frühzeitig angefangen. Was aber spannend ist, wenn wir wirklich über Digitalisierung reden, es gibt unglaublich viele Anbieter da draußen, Booking.com, Expedia.com. Es gibt da gar keinen Plan für ein Hotel in der Größenordnung, das sagt, wir sind jetzt Marke A und sind morgen keine Marke mehr. Dieser Prozess des Abkoppelns an diesen Dienstleistern, und das lass dich nicht mal Accor an, der ist nicht so exploited, weil es nicht, es gibt kein Es gibt da keinen Plan dafür. Wir haben mit Booking und Expedia und mit allen anderen alles neu aufgesetzt. Haben wir alles? Funktioniert's? Wie geht's jetzt? Sind wir an einigen Tagen buchbar, wann nicht? Weil normalerweise kennen die nur, ich vereinfache, Accor raus, Hilton rein oder Hilton raus, Radisson rein. Das ist ein anderes Spiel wie das, was wir jetzt haben. Und das war ein spannender Prozess. Der ist auch noch spannend.
- 33:22 Ronald M. Arndt
Aber absehbar.
- 33:24 Philip Ibrahim
Ja, wir werden uns heute noch mal treffen und dann hoffe ich eigentlich auf, wie sagt man, grünes Licht in allen Kanälen.
- 33:30 Ronald M. Arndt
Dann freue ich mich, euren neuen Weg weiter auch als Hotel-Podcast begleiten zu dürfen. Ich komme gerne mal wieder.
- 33:36 Philip Ibrahim
Ja, du bist natürlich immer eingeladen. Du musst nicht warten, bis wir wieder so eine Party machen. Also feel free, komm ruhig auch noch mal ohne Party vorbei. Dann hören mich auch alle mal mit normaler Stimme. Ich weiß nicht, gibt es auch Aufnahmen von mir mit normaler Stimme oder nur mit Afterparty-Stimme?
- 33:51 Ronald M. Arndt
Und bis dahin alles, alles Gute, alles Liebe dir, Conny, ganzem Team, den Gesellschaftern, weil das ist auch cool, einfach mal so ein Projekt, solange, du hast es vorher gesagt, die sind hier auch verwurzelt, das ist nicht irgendwas, um halt Geld zu scheffeln, sondern korrekt, man musste hier früher reagieren auf das Thema Shopping Mall, das vielleicht nicht so gut funktioniert hat, und dann hat man was draus gemacht, und solange auch dabei zu sein und jetzt das nächste Level auch mit euch zusammen einfach einzugehen.
- 34:19 Philip Ibrahim
Ja, vielen Dank, bis ganz bald, wir halten auf jeden Fall zusammen dem VfB die Treue und feiern bestimmt wieder das ein oder andere weiß-rote Fest. In diesem Sinne, vielen Danke dir.
- 34:31 Ronald M. Arndt
Ciao, ciao.