Sven J. Köllmann, Fibona
Aufgenommen: Villa der Fibona, Wiesbaden
Germany55 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wohlhabend wird man in diesem Geschäft sowieso vom Neinsagen und nicht vom Jasagen.“
Sven J. Köllmann, 45:03
Sven J. Köllmann, geschäftsführender Gesellschafter der Wiesbadener Fibona, erzählt Ronald M. Arndt, wie aus dem Bauunternehmen seines Vaters eine Hotelgruppe wurde: erst die Businesshotel-Marke Innside, verkauft an Sol Meliá, danach der Neuaufbau mit Légère, auf dem Papier 2010 gestartet, mit eigenen Immobilien an B-Standorten. Zum Zeitpunkt der Aufnahme baut die Gruppe ihr neuntes Hotel, 143 Zimmer in Lindau am Bodensee. Köllmann erklärt, warum er Eigentümer und Betreiber bleibt, warum er den Vertrieb zentralisiert hat und wo für ihn die Grenze beim Wachstum liegt.
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Kernaussagen
- Eigentum vor Tempo: Fast jedes Légère-Hotel soll im eigenen Eigentum stehen, finanziert aus eigenem Geld. Köllmann nennt das langsam, nachhaltig und organisch, dafür stehe das Unternehmen auch, wenn etwas in die Hose geht.
- Grenze bei 20 Hotels: Über rund 20 Hotels hinaus will er nicht wachsen, weil er dann nicht mehr genug Einfluss auf sein Unternehmen hätte. Er habe zu gerne das letzte Wort.
- Vertrieb zentral: Weil qualitativ passende Leute vor Ort fehlten, hat die Gruppe den örtlichen Vertrieb aufgegeben und Key Accounts zentral aufgebaut, Central Reservation ist der nächste Schritt. Durch zu schwache Besetzung gehe nach seiner Einschätzung ein 6- bis 7-stelliger Umsatz im Jahr verloren, eher 7-stellig.
- Design veraltet schnell: Je niedriger die Hotelkategorie, desto schneller wirkt das Design überholt. Die Légère Express Häuser, vor 5, 6 Jahren noch State of the Art, kommen ihm wie eine Jugendherberge vor, er plant eine Million, um sie wieder auf Stand zu bringen.
- Pipeline gestoppt: 2022 hat er nach Fertigstellung des Légère in Erfurt die gesamte Projektpipeline gestoppt, gegen den Rat seines Umfelds. Dadurch war die Gruppe in der Lage, bei Lindau zuzuschlagen und die Finanzierung zu bekommen.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Sven J. Köllmann, geschäftsführender Gesellschafter und CEO der Wiesbadener Fibona GmbH, erzählt im HOTEL-PODCAST von seinem Weg vom klassischen Bauunternehmer in die Hotellerie.
Für seine Légère Hotel Group entsteht aktuell in Lindau am Bodensee das neunte Hotel mit 143 Zimmern, ein weiterer Baustein in einer Strategie, die konsequent auf nachhaltiges Wachstum statt schnelle Skalierung setzt.
Doch wie hat eigentlich alles vor über 60 Jahren begonnen und welche Rolle spielte dabei die unternehmerische Prägung durch seinen Vater?
Welche Entscheidungen und Phasen haben ihn als Unternehmer besonders geprägt und wie blickt er heute auf den Standort Deutschland und die aktuellen Herausforderungen?
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Transkript öffnenTranskript schließen55 Min · Ronald M. Arndt und Sven J. Köllmann
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:00 Ronald M. Arndt
Ich muss gerade überlegen, Sven, ob ich schon mal in Wiesbaden war.
- 00:03 Sven J. Köllmann
Aber ach gut, es ist ja jetzt auch nicht der Nabel der Welt. Also darf man auch durchaus nicht gesehen haben.
- 00:10 Ronald M. Arndt
Du bist hier geboren, oder wo kommst du her?
- 00:11 Sven J. Köllmann
Ich bin tatsächlich geboren, ja, hier geboren, bis ich 15 war, bin dann freiwillig aufs Internat und genau dann nach Studium und was man sonst dann so in der Zwischenzeit noch macht, dann zurückgekommen ins heimische Unternehmen.
- 00:30 Ronald M. Arndt
Heimisch, das besagt ja schon, dass es da eine Generation vor dir gab.
- 00:35 Sven J. Köllmann
Korrekt.
- 00:36 Ronald M. Arndt
Eine war es, gell? Genau. Dein Vater Joerg.
- 00:39 Sven J. Köllmann
Genau.
- 00:40 Ronald M. Arndt
Erzähl mal vielleicht ein bisschen was zu ihm. Was war er für ein Typ?
- 00:43 Sven J. Köllmann
Ja, wie soll man sagen? Das war das Prädikatsexempel eines Nachkriegsunternehmers. Alles aus dem Nichts erschaffen. Mit maximalem Risiko, natürlich nach Aussagen von meinem Vater auch natürlich wenig zu verlieren gehabt, ne. Also muss man ganz klar sagen, auch mit einem schwierigen Familienbackground. Mein Vater, mein Großvater war Jude, Herrenschneider aus Wuppertal. Meine Großmutter eine, ja, erzkonservative Katholikin. Die war später nicht mehr so konservativ, aber ist immer schwer in die Kirche gerannt. Ja, und die haben dann während des Krieges das ganz gut hinbekommen, aus meinem Großvater irgendwie einen Katholiken zu machen, wie auch immer das damals funktioniert hat. Und das ist dann tatsächlich, musste mein Großvater dann 1940 in den Krieg und das ist dann zwischendrin tatsächlich rausgekommen. Und die Gestapo war dann im Dauerfeuer bei meiner Großmutter, dass sie sich scheiden lassen soll. Und meine Großmutter hat immer gesagt, Ich kann mich doch nicht scheiden lassen, der ist doch gar nicht da. Ich weiß doch gar nicht, ob der noch lebt. Und tatsächlich, das hat mir meine Tante dann damals erzählt, hat dann die Gestapo wohl rausbekommen, wo mein Großvater stationiert sein soll und hat dann die Anweisung gegeben an den Major, ihn zu exekutieren. Und der Major war anscheinend ein guter Typ und hat gesagt, ich exekutiere doch keinen, mit dem ich jetzt 4 Jahre hier durch den Schlamm gerobbt bin, und hat einfach zurückgeschrieben, sei verschollen. So, und dann ist mein Großvater tatsächlich in russische Gefangenschaft gekommen, ist dort geflohen, ist mit 3 Leuten 2000 Kilometer nach Hause gelaufen. Es war der Einzige, der ankam, und hat laut Aussagen meines Vaters nie wieder drüber geredet. War ein guter Mensch. Und ja, mein Vater, auch interessant, kam dann in ein katholisches Internat. Das hatte meine Großmutter organisiert, weil meine Großmutter war eigentlich der Versorger, oder sagen wir mal, die starke Person in der Familie, hat diese Familie durch den Krieg gebracht, alleine, war anscheinend gut vernetzt und hatte meinen Vater auf dieses Internat gebracht, weil dort damals der Deal mit der katholischen Kirche war, die Kinder können Abitur machen. Es hat ja keiner Abitur, bei uns in der Familie gab es das nicht. Und der Deal war aber sozusagen, ihr macht Abitur, aber ihr werdet Priester. Also mein Vater war ganz stramm, wäre also geradeaus ins Priesterseminar marschiert, hat dann dort Abitur gemacht, ist ins Priesterseminar gegangen und hat dann laut seiner Aussage ein Techtelmechtel mit einer Küchengehilfin angefangen. Das ist rausgekommen und dann hat der Präses dieses Seminars ihn wohl vorgehabt und hat gesagt: Köllmann, ich bin mir nicht so arg sicher, ob das dein Konzept ist. Und ja, dann, wie mein Vater mir das erzählte, Ja, stand er dann praktisch auf der Straße, wusste nicht, was er machen soll im ersten Moment, und hat dann eigentlich seine Umgebung wahrgenommen und gesagt, guck mal hier, was braucht dieses Land, und ist dann auf die Bauoberschule, so nannte man damals die FHs, hier in Idstein gegangen, weil, muss man einen Zwischensatz machen, meine Großeltern hatten sich scheiden lassen dann. Und meine Großmutter, ja, das weiß auch keiner so richtig, wir hatten eigentlich überhaupt keine Kohle, aber meine Großmutter ist trotzdem immer in Kur gefahren hier nach Wiesbaden, hat dann auch hier ihren neuen Mann kennengelernt. Und mein Vater ist dann sozusagen hinterher, ist dann nach Idstein, hier ein kleiner Vorort, auf die Bauoberschule gegangen, später dann auf die FH nach Darmstadt gewechselt. Ja, also ihr müsst mich abbrechen, wenn es zu lang wird, weil das eigentlich für sich gesehen schon eine irre Geschichte ist, aber ich versuche es mal ganz stark abzukürzen. Gegenüber von dem Wohnhaus meiner Großmutter war eine Tankstelle, Und der Mann hat auch Baugruben gemacht. Die hat mein Vater während des Studiums abgerechnet, weil er das nicht konnte. Dann hat mein Vater gesagt, es wäre doch eine irre Idee. Also er hatte schon relativ früh wohl gemerkt, dass er also als Arbeitnehmer absolut nicht taugt. War auch so ein extrem starker, jähzorniger Typ und hat dann gesagt, also ich würde mich gerne bei dir beteiligen, aber das mit Arbeit bezahlen. Und da hat er gesagt, kommt gar nicht in die Tüte, kostet 20.000 Mark, was ungefähr heute so ein bisschen wäre, wie wenn ich sagen würde, kostet 2 Millionen. Das war so. Und dann ist mein Vater quer durch alle Ecken gelaufen der Familie, die er finden konnte, hat sich irgendwie Geld zusammengelegt. Meine Großmutter hat ihn permanent tituliert mit, du zerstörst die Familie und was weiß ich was. Da hat mein Vater sich beteiligt. Ein Jahr später ist er gestorben, hat dann die anderen 50%, glaube ich, für 500 Mark seiner Witwe abgekauft. Und das war der Start. Und dann gar nicht so viel später kam dann der erste große Wurf. Mein Vater hörte, dass das Kaufhaus Horten in Pforzheim abgerissen werden soll, also abgerissen, neu gebaut werden. Und mein Vater hat dann mit Studienkollegen, die er kannte, ein Paket geschnürt für den Abriss und die Tiefbauarbeiten dieses Objektes. Hat das abgegeben, ist mit 24 zu Horten gefahren, was damals sicherlich so Amazon-Style gewesen sein muss, saß da und hat dann dort verhandelt. Und da wurde ihm eröffnet, so nach dem Motto, ist Ihnen denn bekannt, dass das gesprengt werden muss? Und mein Vater hatte natürlich null Plan davon und hat gesagt, selbstverständlich. Und darauf dann sagte wohl der Einkäufer zu Herr Köllmann, haben Sie denn überhaupt Erfahrung im Sprengen? Sagt er: Natürlich, überhaupt kein Problem. So, er hat es irgendwie gemanagt, diesen Auftrag zu bekommen, hat dann natürlich Schiss bekommen und hat sich dann so einen alten Wehrmachtssoldaten, der irgendwie Ahnung hatte, wie man das Ding hochjagt, besorgt, hat dann irgendwie selber noch so auf dünner Riege so einen Sprengschein gemacht. Und ja, man darf nicht fragen, wie. Sie haben es in die Luft gejagt, sie haben es weggeräumt, sie haben einen Tiefbau gemacht. Mein Vater hat damals tatsächlich Das muss so '66, '67 gewesen sein. An diesem Auftrag hat sich 1 Million D-Mark verdient. Das ist natürlich für die Zeit ein völlig irrer Betrag gewesen. Und das war eigentlich der Start, ne. Von da aus wurde man Bauunternehmer, also eigentlich klassischer Bauunternehmer, und alles Mögliche gebaut, was man sich vorstellen kann, von Industrieanlagen, Wohnhäuser, Nike-Abschussbasen für die Amerikaner im Westerwald, also alles, was nicht niet- und nagelfest war. Und kam dann, hat dann sehr viel um den Frankfurter Flughafen gebaut. Kelsterbach, wissen vielleicht noch ein paar Ältere, hieß auch mal Kölssterbach, weil mein Vater da wirklich also zack, zack, zack nebeneinander alles gebaut hatte. Und ja, dann kam so diese Transformation in die Projektentwicklung, ne. Das kannte natürlich überhaupt noch keiner. Mein Vater war da tatsächlich sehr, sehr früh dran. Ja, und dann entwickelte sich das in die Köllmann AG, die dann der einzige 50%-Partner von Philipp Holzmann war. Auch sehr selten mit irren Projektvolumina damals von mehreren Milliarden D-Mark. Hochhäuser gebaut, EZB gebaut, also große Story. Ja, und dann kriegt man im unternehmerischen Leben mal richtig eine auf den Sack. Man, tatsächlich war es so, dass 2, 3 Jahre vorher Philipp Holzmann meinen Vater kaufen wollte, ganz. Und mein Vater es abgelehnt hat mit den Worten, er hätte noch nie einen Chef gehabt, damit werden wir auch jetzt nicht anfangen. Mein Vater sollte dann Vorstand werden bei Holzmann, also das hat er kategorisch abgelehnt. Und ja, dann ist Holzmann pleite gegangen. Das konnte sich überhaupt niemand vorstellen damals, dass Philipp Holzmann als größtes Bauunternehmen Europas dermaßen in Probleme kommen sollte. Ja, dann gerettet werden, dann wieder nicht. Das war schon irre, weil mein Vater in dieser Gesellschaft zu 50% gehaftet hat. Also das ist schon, dann hat mein Vater ja alles verkauft, was man sich überhaupt vorstellen konnte. Damals eine andere Welt. Es gab 120% Finanzierung, also da hat man halt keinen Euro Eigenkapital in die Projekte gelegt, ne. Man hat den Projektgewinn mitfinanziert bekommen, um dann weiterzumachen. Ja, und dann stehen die Banken natürlich da und sagen, So, jetzt brauchen wir aber 30% Eigenkapital, und das war nicht machbar. Also hat mein Vater am Ende gesagt, okay, dann war's das, und hat dann sozusagen einen Tag später mit der Fibona weitergemacht. Und ja, dann das Beeindruckende daran war eigentlich, so einen Rückschlag auch zu verarbeiten, ne. Also das muss man ja erstmal psychologisch auch hinter sich bringen, und dann aber auch so mit voller Power. Auch mein Vater war ja auch nicht so jung, ne, also war ja auch schon Mitte 50 zu sein. So, ihr könnt mich alle am Arsch lecken, dann mache ich halt weiter. Und das war eigentlich das, was ich so bewundert habe an meinem Vater. Der war, also da gab es kein Nein, da gab es kein Es geht nicht. Das konntest du alles vergessen. Da brauchst du ihm auch, also ich kann mich an große Runden erinnern, wenn da 3 ihm zweimal erzählt haben, warum es nicht geht, dann sind die rausgeflogen. Also nicht rausgeflogen, aber die konnten gehen. Also das brauchst du nicht. Und das ist eine andere Zeit, ein anderer Background. Ich bin froh, dass ich so ausgebildet wurde. War hart, muss man sagen. Also da gibt es halt kein Lob, ne? Und wenn es läuft, dann hast du, kriegst du, also es wird als normal wahrgenommen. Aber er hat mich in vielen Bereichen wirklich auf auch die großen Herausforderungen, die unsere Branche hat, vorbereitet, sodass wir ja jetzt so durch die ganzen Krisen, diese letzten Jahre war ja so ganz ordentlich, ich will mal nicht sagen entspannt durchgesegelt sind, aber wir haben es gepackt.
- 11:14 Ronald M. Arndt
Hast du Geschwister?
- 11:15 Sven J. Köllmann
Ja, ich habe Geschwister, mehrere, so eine Patchwork-Familie. Aber letztendlich übrig geblieben als Gesellschafter sind meine Schwester und ich. Meine Schwester ist da im Background und kümmert sich viel, sage ich mal, um die Belange auch so der Familie. Aber ihr Sohn oder einer ihrer Söhne, Bennett, ist hier im Unternehmen Projektmanager, ja, und geht jetzt eigentlich so durchläuft jetzt mal so die Zeit, die ich, die ich auch hatte. Und ja, das ist so das Setup heute. Genau.
- 11:48 Ronald M. Arndt
Und hier, wo wir uns heute befinden, wunderschöner Ort, im Hintergrund kann man es erkennen.
- 11:52 Sven J. Köllmann
Ja, ja, es hat auch so eine Story für sich, ist einer der ältesten Villen der Stadt. Hier ist jeder Quadratzentimeter ist denkmalschutz. Hat mein Vater in den 90ern gekauft, kann man sich nicht vorstellen, war ein Asylantenheim und total zerstört. Also wirklich hier nichts von dem, was wir hier heute wahrnehmen, ist war so, hat auch damals viel Geld gekostet. Ja, heute sind wir froh, dass wir es haben. Wir nutzen es mit der Firma. Oben drüber wohnt meine Mutter. Da sind wir immer ganz froh, dass sie so ein bisschen auch täglich Interaktion hat. Haben auch hier so ein paar Wohnungen. Und ja, da sind wir ganz glücklich, dass wir es so nutzen als, sag ich mal, unser Hauptstandort.
- 12:38 Ronald M. Arndt
Und bevor wir gleich zur Les Jardins Hotel Group kommen, Hotels gab es aber davor auch schon.
- 12:42 Sven J. Köllmann
Ja, genau, schon tatsächlich. Ja, ich weiß nicht, ob wir uns damit rühmen dürfen, aber ich würde mal sagen, so das Thema Businesshotel, da waren wir so mit die Ersten, würde ich sagen. Also mir würde jetzt keiner so einfallen damals mit Innside. Und das war Innside, als dieses erste Konzept auf dem Tisch lag. Und warum kam das überhaupt? Meinem Vater ging es tierisch auf den Keks, dass er in diesen Office, in diesen Riesen-Office-Development immer Hunderte Konferenzräume bauen muss, wo er schon wusste, dass diese so dreiviertel leer stehen, und gesagt hat, wieso entwickeln wir nicht ein Hotelkonzept, das da mit reingeht, was das eigentlich so als Hub für alle anbietet? Und das, da kam dann Innside. Und das Zweite war natürlich dieses offene Badkonzept, was damals, da wurdest du natürlich für verrückt erklärt, ne. Also das, das war ja so unser Thema. Ja, und dann wuchs Innside so mit jedem Projekt so vor sich hin, ne, so spektakuläre Sachen jetzt wie im Eurotheum in Frankfurt mit der 22nd Lounge und so weiter. Und das ging dann so weiter, und dann passierte etwas, was immer wieder passiert ist, was wir aber natürlich früh dann gelernt haben. Auch damals ging man davon aus, dass Nettodurchschnittsraten sich homogen zur Indexierung von Pachten entwickeln. Und wie das so alles so DCF-Cashflows und so weiter, wird ja immer nur eine Linie immer hochgemalt. Deswegen sind die immer alle falsch, weil die wirtschaftliche Realität natürlich eine andere ist. Und am Ende kam es dann, dass mein Vater eigentlich sah, dass sie jedes Jahr zwar mehr Umsatz machen, aber weniger verdienen, ne. Also das ist so der Klassiker. Und traf dann wahrscheinlich auch eine Entscheidung, die so ein bisschen auf dieser Köllmann-Vergangenheit basierte, dass er gesagt hat, jetzt kommt die WM, das wird ein Rekordjahr, auf dieser Basis verkaufen wir. Haben Innside dann an Sol Meliá verkauft, haben das glaube ich im Nachhinein oft bereut, weil das eigentlich eine Bombenmarke war, wo ich heute sage, ob das Antlitz noch so ist, wie wir es uns gewünscht hätten, ist eine andere Frage, aber es war eine Bombenmarke. Und haben dann gesagt, wir bauen das neu auf, wir fangen noch mal mal sozusagen bei null an, entwickeln Légère mit einem anderen Ansatz. Einmal haben wir gesehen, dass das Risiko-Rendite-Profil in den A-Städten relativ komplex geworden ist und wir dieses Potenzial der B-Standorte gesehen haben und gesagt haben, jedes Hotel oder fast jedes Hotel soll in unserem Eigentum sein, was natürlich logischerweise zur Folge hat, also wir drucken kein Geld, wäre schön, aber wir natürlich nur so wachsen, wie wir eben auch Geld haben, diese Projekte zu finanzieren. Sicherlich einzigartig bei uns ist natürlich diese Mischung aus Immobilienbau und Hospitality-Kompetenz, die uns natürlich für viele Projekte auch einen Vorteil gebracht hat, weil vielleicht nur wir auch in der Lage waren, das Gesamtpaket zu leisten. Und ja, das ist heute eines unserer Standbeine. Wir haben noch ein paar andere und ja, haben uns also jetzt durch die Zeit gekämpft. Aber wenn man sich überlegt, Le Ger hat eigentlich so auf dem Papier 2010 gestartet. So, heute haben wir 2026, bauen jetzt das 9. Hotel, würde ich sagen, ist eine relativ flotte Pace trotzdem, mit der wir ganz zufrieden sind.
- 16:23 Ronald M. Arndt
Das heißt, das Hotelgeschäft macht Spaß?
- 16:26 Sven J. Köllmann
Ja, das macht Spaß. Es ist natürlich nicht meine oder unsere Grund-DNA, ne. Unsere Grund-DNA ist, wir sind Immobilienleute. Wir sehen ehrlich gesagt das Hotelgeschäft auch als Immobiliengeschäft hauptsächlich an. Ich will es jetzt nicht übertreiben, aber wir sehen das genauso, wie McDonald's sein Geschäft als Immobiliengeschäft versteht, ne. McDonald's wissen oder verstehen viele nicht, ist ein Immobilienkonzern, ist kein Fast-Food-Konzern. Das ist nur ihr Mittel zum Zweck, ihr Immobiliengeschäft zu machen. Und so ein bisschen sehen wir das auch, aber natürlich mit einer großen Leidenschaft, das auch gut zu machen. Also um Gottes Willen, wir sind da sicherlich nicht die High-Ends und Tops auf jedem Bereich, aber ich glaube, wir haben ein ganz nachhaltiges Design, eine nachhaltige Idee und, und ja, sehen das, glaube ich, auch ganz modern oder haben uns da immer versucht, vorne dranzustellen.
- 17:27 Ronald M. Arndt
Woher kommt der Name LeGer?
- 17:29 Sven J. Köllmann
Das ist noch so die Namen. Also ich habe heute schon mehrere Sachen. Heute war eine Zeitung da, eine Fachzeitschrift, die mit mir ein Interview geführt hat. Das gibt es immer wieder. Die fragen genauso wie, was Fibona heißt. Ich sitze da immer und kann ja nicht immer antworten, das ist ein Fantasiename. Irgendwann haben wir mal aus Spaß gesagt, heißt finanzielle Bonität A. Genauso ist LeGer. LeGer kann ich sagen, woher kommt. Meinem Vater war immer, wenn man ihn gefragt hat, also wenn es irgendwie so ein Fest gab oder so was und irgendjemand gefragt hat, was soll ich denn anziehen, da hat mein Vater immer gesagt, komm einfach ganz leger. So, und das fand er so ganz easy cool, dass das so ein bisschen die Leichtigkeit, locker aber schick, ausdrückt. Und das ist so, wo leger dann geboren war. Und ja, so ist das.
- 18:19 Ronald M. Arndt
Du hast gesagt, ihr habt mehrere Geschäftsbereiche, mehrere Tätigkeiten. Leger wurde letztes Jahr ausgegründet.
- 18:25 Sven J. Köllmann
Ja, oder eigentlich gar nicht so eine verrückte Geschichte. Wir haben damals alles in einer Gesellschaft gehabt, weil es natürlich beim Aufbau so eines Unternehmens hilft, wenn dahinter die volle Bonität des Gesamtunternehmens steht, ne. Also kann ja auch jeder nachgucken, wir sind da relativ solide aufgestellt, und das war für eine Zeit lang ganz sinnvoll. Und jetzt haben wir aber gesagt, gut, jetzt mit dem 9. Hotel, jetzt ist mal die Zeit, dass die auch auf eigene Beine kommen. Die Gesellschafterstruktur selbst auch kein Geheimnis. Komplementär dieser Gesellschaft ist die Fibona. Es ist also steuerrechtlich immer noch das gleiche Unternehmen, aber wir haben jetzt mal gesagt, die müssen jetzt ihren eigenen Auftritt haben, insbesondere weil die Fibona selber natürlich mit ihren Projektentwicklungsaufgaben auch ganz gut zu tun hat. Wir gestern InRevion, oder die Gründung von InRevion, verkündet haben. Das ist ja unsere neue Investment- und Restrukturierungsplattform als dritten Geschäftsbereich, also wo wir sag ich mal so, als opportunistische Investoren auftreten, aber auch Restrukturierungen vornehmen für Dritte. Also das kann sowohl in Dienstleistungen als auch im Investmentbereich sein. Das ist so ein Ergebnis der letzten Jahre aus der Zusammenarbeit mit dem Axel Sieber und Marc Kuchenbecker. Ja, meine Partner da, die mir persönlich, mal abgesehen von einer doch seltenen neuen Freundschaft, auch noch mal unternehmerisch eine neue Perspektive aufgezeigt haben, ne. Also ich war da so ein bisschen nach Corona und, sagen wir jetzt Immobilienkrise, wenn man sie jetzt mal so betiteln kann, wo wir Gott sei Dank frühzeitig die richtigen Weichen gestellt haben, ich so unternehmerisch so an dem Punkt war, wo ich gesagt habe, okay, geht das jetzt so, eben machen wir jetzt nur das, ne, also bauen wir jetzt und Hotels, oder, und ich dann sozusagen von dem Axel Siepmann damals angesprochen wurde, wir dann die erste große Restrukturierung in Berlin gemacht haben mit dem Schlossstraßencenter, das dann später auch gekauft haben mit der Familie Pott zusammen. Und das war ja, das war wirklich noch mal unternehmerisch ein völlig neuer Blick, auch was alles geht, was man sich alles angucken kann, und auch noch mal diese maximale Flexibilität zu lernen, ja, also wirklich sich sehr viel anzugucken, keine Gesetze zu haben. Und das kam mir so ein bisschen entgegen, weil ich zum Beispiel immer nicht verstehe, wenn einer mir erzählt, dass er Strategie-Meetings macht. Ich weiß immer, ich weiß gar nicht, was das ist. Also hier gibt es keine Strategie-Meetings. Strategie ist, mehr Geld zu verdienen, als wir ausgeben, und dabei völlig flexibel zu sein, alles anzugucken. Überall kann eine Chance sein. Und natürlich nicht zu glauben, dass man überall kompetent ist. Aber es gibt genügend Bereiche, wo wir sagen, okay, das können wir verstehen. So, und da war ich sicherlich selber so ein bisschen einkasteit, auch in meinem Blick, und die haben das wirklich noch mal sehr breit eröffnet. Und heute wirklich, also glaube ich, eine hochfruchtbare Zusammenarbeit mit völlig anderen Stärken. Also jeder von uns hat völlig unique Stärken, die wir natürlich je nach Kunde, je nach Projekt, je nach Situation unterschiedlich ausspielen.
- 21:39 Ronald M. Arndt
Ja, ist ein Hotel-Podcast, deswegen bleiben wir mal beim Thema Hotel und bei Legère. Das habe ich gar nicht nachgezählt, 9 Hotels hast du gerade genannt, das 9. Im Bau, schon dabei, und es geht nach Lindau am Bodensee.
- 21:52 Sven J. Köllmann
Ja, das war auch eine, sage ich mal, das war so ein Ergebnis dieser Krise, würde ich sagen. Ich habe das glaube ich auch schon öfter gesagt, von diesem Grundstück hätte ich vor 4, 5 Jahren, oder sage ich mal, bevor, sage ich mal, die, die laufende Krise so kommen werden, hätte ich nie etwas gehört. Darf man nicht vergessen, Bodenseeregion ist ja sowieso— gehört heißt, ja, ich hätte, das wäre am Markt an mir vorbeigegangen, das hätte jemand anders gebaut. Das, und die Wahrscheinlichkeit, dass ich davon gehört hätte, wäre, glaube ich, relativ gering gewesen. Und auch natürlich damals noch zu einem völlig anderen Preis, muss man auch sagen, war der Markt ein anderer. Ja, und die Bodenseeregion hatte ich immer so ein bisschen auf dem Schirm, weil wir 2 Hotels in Tuttlingen haben, was so ein gutes Beispiel ist, ne. Das ist ja Tuttlingen, ich nenne es immer liebevoll Kaff, ne, Kaff mit 30.000 Einwohnern, wird man jetzt nicht auf die Idee kommen, 2 Hotels zu bauen. Ja, ist sehr viel kleiner als Wiesbaden, aber sehr viel mehr Unternehmen als Wiesbaden. Ein historisches High-Tech-Medical-Cluster mit wirklich unglaublichen Unternehmen. Also wirklich staunt man, was so da auf der Schwäbischen Alb dann da liegt. Und so hatten wir natürlich immer so diese Verbindung in den Bodensee, in die Region zumindest so. Und Lindau hat viele Facetten gehabt, gleich frühzeitig, die mir immer mal wieder so aufgefallen sind. Ich weiß natürlich, dass Lindau eine hohe Saisonalität hat, Aber immer die Frage auch, was machen denn die Hotels dagegen, dass das nicht so sein muss? Und ich gucke mir natürlich, wenn ich so einen Standort wie Lindau angucke, gucke ich mir natürlich nicht Lindau an, sondern ich gucke mir 100 Kilometer drumherum an. Was ist unser Potenzial? Wir liegen da im 3/4-Ländereck, unfassbare viele Unternehmen. Es ist eine der Hauptreiserouten Europas. Alles, was nach Italien über San Bernardino muss, da vorbei. Dann natürlich der Bodensee selber als Region, darf man auch nicht vergessen. Der Bereich Oberstdorf, Kleinwalsertal ist um die Ecke. Also es gibt eine solch gigantische Bandbreite an Möglichkeiten, die heute, glaube ich, die Unternehmen da oder die Hotels vor Ort gar nicht ausschöpfen müssen. Ich glaube, wenn du als Hotel es dir leisten kannst, 4 Monate dicht zu machen im Jahr, dann ist das beeindruckend.
- 24:15 Ronald M. Arndt
Die anderen Monate ganz gut, ja.
- 24:17 Sven J. Köllmann
Dann muss das die anderen Monate sein. Das wird aber zugleich auch unsere große Herausforderung sein, Wenn du natürlich in dem auch Unternehmensbereich bei den Hotels punkten willst, musst du natürlich aufpassen, dass du deine Unternehmenskunden im Sommer natürlich nicht vercremst, ne? Weil da gibt's einfach Events, die natürlich zu hohen Raten führen, die natürlich ein Unternehmen dir sagt, pass mal auf, das geht so nicht. Also diese Balance da an dem Standort zu finden, die wird eine große Herausforderung sein. Aber das Hotel ist, glaube ich, wird Ja, wird ein wirklich schönes Hotel, 143 Zimmer, sehr modern designt. Unsere erste große Zusammenarbeit mit Kitschig Interior und auch dem Architekten MKNG Architekten aus München. Das war eine Zwangsheirat, die wird tatsächlich über dieses Investorenverfahren vorgegeben. Da habe ich mich am Anfang sehr gegen gesträubt, aber das war so, da hat eine Zwangsheirat mal ganz gut geklappt. Also das ist doch sehr harmonisch und muss man sagen, richtig harte Verhandlungen mit der Stadt. Selten jemanden auf der Gegenseite gehabt, der so hart verhandelt hat. Aber wir haben uns geeinigt und danach haben wir uns dann wirklich auch gegenseitig extrem unterstützt. Ja, und das ist eigentlich ja—
- 25:30 Ronald M. Arndt
Was heißt hart verhandelt? Na ja, die hatten schon Steine in den Weg geworfen oder selbstbewusst den richtigen zu finden.
- 25:37 Sven J. Köllmann
Sie wussten natürlich auch, was sie haben. Und eine Stadt hat dann natürlich immer auch Positionen, wo sie natürlich hintennach jetzt ungern diskutiert oder Risiken hat. Und da haben wir uns dann natürlich in die Haare bekommen und Ja, aber trotzdem, es gehört zum, also ich sag mal, ich sage immer, don't hate the player, hate the game. Das gehört zum Spiel dazu. Und dann muss man aber auch die Größe auf beiden Seiten haben zu sagen, so, jetzt haben wir uns geeinigt, haben unterschrieben, jetzt ziehen wir es auch zusammen.
- 26:08 Ronald M. Arndt
Stark. Und am Ende verbindet ihr Lifestyle und Business. Genau. Vor allem in den Hotels. Versuchen wir. Das ist Neubau in Lindau. Das heißt, da war es frei, oder was?
- 26:18 Sven J. Köllmann
Nee, es war ein altes Hallenbad. Das ist immer so, das merkt man jetzt so mehr, man mit Lindauern spricht. Also gefühlt hat 3/4 der Lindauer Bevölkerung in dem Ding schwimmen gelernt, was natürlich anscheinend großen Herzschmerz auch ausgelöst hat. Ja gut, ich meine, dieses Objekt ist einfach aus der Zeit gefallen. Also wer es noch nicht gesehen hat, diese neue Lindauer Therme ist schon spektakulär. Also muss ich sagen, ich habe sie mir angeschaut, das schon Also auch unternehmerisch habe ich gesagt, Donnerwetter, das ist schon ganz ordentlich, muss man sagen. Und ich glaube, dann war einfach dieses Objekt nicht mehr zeitgemäß. Und dann hat man gesagt, gut, was machen wir damit? Und ja, Lindau ist wie natürlich viele Kommunen einfach mit heute dem allen dem, was da im Bund entschieden wird, natürlich auch Finanzierungsprobleme. Und dann kam das, sage ich mal, ganz recht. Und ja, wir hatten dann das Glück, darauf aufmerksam gemacht zu werden. Dann am Ende, das heißt auch zum Schluss zu kommen.
- 27:19 Ronald M. Arndt
Ja, Stuttgart hat gerade auch 2 Hallenbäder eingestellt, Schwimmbäder.
- 27:24 Sven J. Köllmann
Das wird nicht das Letzte gewesen sein. Kirchen und Hallenbäder braucht das Land anscheinend zunehmend weniger.
- 27:31 Ronald M. Arndt
Luxemburg hast du schon erwähnt, also Deutschland und Luxemburg, so verteilen sich die Hotels gerade.
- 27:35 Sven J. Köllmann
Genau.
- 27:36 Ronald M. Arndt
Dabei soll es bleiben erstmal, oder seid ihr da auch flexibel, wie du sagst?
- 27:40 Sven J. Köllmann
Ja, also erstmal komplett flexibel, aber ehrlich gesagt versuche ich mich immer auch in Rechtssystemen zu bewegen, die ich einschätzen kann. Wir haben aus der Historie auch Objekte im europäischen Ausland realisiert. Dajos Cove in Kreta ist ja so ein Beispiel, ist ein Grundstück, was uns gehört hat, was, wo das Hotel von uns entwickelt wurde. Wir haben es dann verkauft an eine griechische Familie, Dajos, die das dann gebaut hat. Aber das ist schon sage ich mal, rechtlich da unten alles Wilder Westen, ne. Und auch, ja, ich habe auch noch ein nettes großes Grundstück mit 200.000 Quadratmeter auf Mallorca. Das ist auch, ja, heute schönes landwirtschaftliches Land. Aber das sind dann so, das ist so ein Beispiel, wollten wir auch eine Entwicklung machen, da hatten wir eine Baugenehmigung, die wurde uns dann entzogen aus Gründen, die man als Deutscher oder im deutschen Rechtssystem nicht nachvollziehen kann. Ja, und da kriegt man natürlich mal richtig auf die Nase. Und deswegen versuche ich mich eigentlich, sage ich mal, alles, was Deutschland sicherlich theoretisch gesehen, Skandinavien steht jetzt nicht bei uns auf der Uhr, aber alles, was recht sicherer Raum ist, Benelux, Österreich, Schweiz, das könnte alles mal in Frage kommen. Aber ich glaube, dass wir in Deutschland auch genügend Potenziale haben, ne. Also da muss man nicht unbedingt quer durchs Ausland reisen.
- 29:11 Ronald M. Arndt
Jetzt habt ihr natürlich auch ein paar Marktbegleiter in Deutschland ohne Ende, manche davon auch sehr groß. Ja, dürften auch ein paar an Lindau, sage ich mal, Interesse gehabt haben.
- 29:24 Sven J. Köllmann
Ja, ich glaube, es scheitert heute mehr am Immobilienmarkt als am Ende.
- 29:28 Ronald M. Arndt
Bekommt ihr dann aber sowas zugesagt?
- 29:32 Sven J. Köllmann
Weil wir in der Lage sind, die gesamte Wertschöpfungskette anzubieten, ne? Wir sind eben kein reiner Hotelbetreiber. Wir können von der gesamten Planung über den Bau, Finanzierung, wenn es sein müsste Exit, alles anbieten aus einer Hand als ein Unternehmen, Betrieb am Ende natürlich auch. Also wir können halt die gesamte Bandbreite mitbringen, und das ist eben aus unserer Sicht ein Vorteil. Der macht einen aber, wie gesagt, langsamer. Also wenn man nicht mit OPM, also Other People's Money, arbeitet, dann ist man halt eine ganze Ecke langsamer. Aber man muss sich dann selber entscheiden, wie viel Schnitzel muss man jeden Tag essen. Wenn man dann zu dem Ergebnis kommt, es reicht eins, dann kann man damit sehr glücklich leben und ist alles okay.
- 30:24 Ronald M. Arndt
Wie läuft's denn bisher personalseitig in Lindau?
- 30:28 Sven J. Köllmann
Ja gut, personalseitig sind wir, haben wir doch auch gar nicht gestartet. Wir haben einige Themen jetzt auf der Uhr, auch intern. Ich glaube, wir kämpfen mit dem, Themen, die alle Hotelgruppen, nicht nur alle Hotelgruppen, ich würde sagen alle Unternehmen in Deutschland betreffen. Wir haben eine qualitativ schlechter werdende Workforce. Ich weiß, das hören viele nicht gerne. Ich will da auch gar keine Generationendiskussion aufmachen, aber das ist das, was jeder Unternehmer in Deutschland, wenn er ehrlich ist, so sagen würde. Und Wir versuchen dem natürlich mit Effizienzsteigerung zu begegnen, denn ich bin immer kein Freund davon, Sachen ändern zu wollen, die man nicht ändern kann, ne. Das ist eine Generationenfrage, ist eine gesellschaftliche Frage mit ganz vielen Themen, die da reinkommen, die ich als einzelner Unternehmer nicht beeinflussen kann. Also muss ich Lösungen dafür finden, und die zeigen sich in so 2 Beispielen. Einmal glaube ich, ein Thema. Wir sind, oder ich persönlich auch, ein großer Fan von Direktvertrieb, ne. Also wir haben noch Vertriebler, weil ich glaube, die persönliche Ansprache ist bis heute extrem wichtig. Jetzt komme ich aus dem Immobilienbereich, wo das noch viel extremer wird, auch wieder wichtiger. Ja, es wird immer wichtig bleiben. Das ist ein Geschäft, was von Menschen gemacht wird. Und wir haben dann entschieden, unseren Vertrieb zu zentralisieren, also Key Accounts einzurichten. Das ist tatsächlich durch Zufall eine komplette Frauenmannschaft, die das macht, die es auch sehr gut machen, und haben also auf den örtlichen Vertrieb verzichtet, eigentlich zu meinem Leidwesen, ne. Aber wir haben es nicht mehr geschafft, qualitativ die Leute zu bekommen. Der nächste Schritt, der sich jetzt zeigen wird, ist das Thema Central Reservation, was jetzt auch nichts Neues ist, machen viele. Wir wollen es natürlich so auch machen, dass der Kunde davon nicht das Gefühl hat, dass er jetzt in irgendeinem Callcenter ist. Aber es ist der nächste Punkt: Wir müssen diese Effizienz steigern, müssen da qualitativ besser werden, weil das kann ich natürlich nicht belegen, aber alleine durch die nicht qualitativ stark genug Mitarbeiter verlieren wir sicherlich einen, ja, bestimmt 6- bis 7-stelligen Umsatz im Jahr, eher 7-stellig als 6-stellig. Und das wollen wir verhindern, sondern wir wollen das so einfach und simpel für den Kunden machen. Da sind so Sachen, die mir als Unternehmer wichtig sind, weil ich es ganz oft selber erlebt habe. Wie oft saß ich hier samstags im Büro, auch mit meinem Vater, der gesagt hat, am Montag müssen wir da und dahin, buch mal einen Konferenzraum. Und dann rufen sie in den Hotels an oder kommen dann in diese, und dann heißt es Samstag, können Montag anrufen. So, da denke ich mir, schade, das waren jetzt bestimmt 2 Mille Umsatz, die die nicht gemacht haben. So, dass wir natürlich sofort gesagt haben, also wie ist das am Wochenende, wie ist es sichergestellt, dass ein Kunde das eben auch bekommt. So, das sind so 2 Maßnahmen neben ganz vielen anderen.
- 33:36 Ronald M. Arndt
Wo wir Stück für Stück eben versuchen, Zentralisierung, das heißt, ihr baut ja auch einfach viel an Ressourcen auf, ne, zentral.
- 33:43 Sven J. Köllmann
Genau, richtig. Ja, also versuchen das immer noch schlank zu halten. Einkauf macht bei uns eine Person, Revenue Management 2. Also wir versuchen das schon sehr, sehr effizient zu machen. Und der Andreas von Reitzenstein, unser CEO da, der macht das auch sehr gut. Und ja, wir sind da immer im engen Austausch, was, was wir noch tun können. Das ist das Thema, neben natürlich konstant auch in die Häuser investieren, ne. Also das ist glaube ich ein großes Thema auch, was viele Betreiber einfach aufgrund der wirtschaftlichen Zwänge unterlassen. Wir investieren regelmäßig hohe Summen, gerade unseren gesamten Lobbykonferenzbereich Luxemburg für eine halbe Million gemacht. Nächstes Jahr stehen 2 LX-Häuser an, wo die Zimmer upgedatet wurden. Da wurden jetzt vorletztes Jahr schon alle öffentlichen Bereiche upgedatet. Das halt so im Dreistelligen. Genau, Express, weil die 3-Sterne-Häuser einen großen Nachteil haben. Genau das, was wir jeden Tag erleben. Das heißt, wo unser iPhone, das jedes Jahr jetzt neu kommt, also jedes Jahr gibt es ein neues. Technik wird so schnell obsolet und Design wird noch schneller obsolet. Ich glaube, jeder kennt ja so Hotels, wo er reingeht und denkt, ach schön, das ist so Eiche rustikal, sieht aus wie in den 80ern. Das hat halt damals lange gehalten, ne, das war lange okay. Und heute, weil die Menschheit über Social Media sich so schnell satt sieht an etwas, also alles wird so schnell langweilig und überholt, und das trifft uns auch im Design. Und darauf müssen wir uns, umso geringer die Hotelkategorie wird, desto extremer wird das übrigens. Also im 5-Sterne-Hotel wird halt vom Kunden das Mahagoni noch als wertig wahrgenommen. Im 3-Sterne-Bereich, wo ich sage, vor 5, 6 Jahren waren wir mit den Leger Express Häusern wirklich so State of the Art cool. Da stehe ich selber heute drin und denke, na ja, jetzt sieht es ein bisschen aus wie Jugendherberge. Also jetzt mal so übertrieben gesagt, sodass wir da jetzt schon in den, in den Zugzwang, aber normal kommen, dass wir sagen, gut, wir müssen nächstes Jahr eine Million investieren, damit wir das wieder auf Stand bringen. Also dieses teuer schick, also dieses Blender, eigentlich das, was ich verabscheue, und das, was aber heute überall zu sehen ist. Laut Instagram ist ja jeder Millionär und macht nur noch Urlaub und fährt Ferraris, spielt Poker und hat 15 Frauen. Das ist natürlich so ein bisschen, was da mit reinspielt, dass dieser Blending-Effekt einfach vom Kunden anscheinend auch so wahrgenommen wird, ne. Das will der ja so. Und ja, da ist an mir als Unternehmer, das zu erkennen und dann dazu handeln, ob mir es gefällt oder nicht, sondern eine andere Frage. Ja, aber so ist das.
- 36:38 Ronald M. Arndt
Habt ihr eine Vision für Le Cher, für die Marke?
- 36:41 Sven J. Köllmann
Ja, ich bin ja strategielos, habe ich ja gesagt.
- 36:43 Ronald M. Arndt
Trotzdem erneut, erneut, erneut die Frage.
- 36:48 Sven J. Köllmann
Ja, also ich habe keine wahnsinnig großen Interessen, in Sphären größer, ich sag mal ganz übertrieben gesagt, größer 20 Hotels zu gehen, weil ich dann das Gefühl habe, dass ich keinen ausreichenden Einfluss mehr auf mein Unternehmen hätte. Ich glaube, das Limit mich persönlich auch als Unternehmer, ne. Es gibt Unternehmer, wo ich großen Respekt vor habe. Ich will mich jetzt nicht damit vergleichen oder irgendeine Querverbindung herstellen, aber wenn ich mir mal angucke, so ein Unternehmen wie Wirth, nur mal so als Beispiel, wo der herkommt, und der, der Rainer Wirth ja irgendwann Entscheidungen getroffen hat, die Verantwortung für bestimmte Bereiche Managern zu überlassen, die das dann super gemacht haben. Aber es gibt ja auch tausend Beispiele, wo das eben nicht geklappt hat, ne, und wo ich sage, Mann, wäre der Unternehmer sozusagen bei seiner Größe geblieben, dann könnte er heute noch alles tun, was er will. Und ich weiß, oder ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Schritt gehen könnte. Dafür habe ich zu gerne dann auch das letzte Wort.
- 37:55 Ronald M. Arndt
Aber keine Angst, irgendwas zu verlieren?
- 37:56 Sven J. Köllmann
Nö.
- 37:57 Ronald M. Arndt
Weil es vielleicht eine Familie damals mit Holzfällern und so weiter auch Momente gab?
- 38:01 Sven J. Köllmann
Ja, also ich sag so, Corona war schon so in den ersten Monaten existenziell, ne. Also wenn man sich so, ich sag mal, ich kann mich erinnern, hier nächtelang gesessen, und dann kann man sich ausrechnen, wie man in 8, 9 Monaten pleite ist. 8, 9 Monate ist viel, zeigt ja eigentlich so unsere Stabilität. Aber es wusste ja keiner, was Sache ist, also überhaupt nicht. Und es war damals tatsächlich so, wir hatten 3 größere Immobilienprojekte in der Transaktion, und ich habe dann meinem Vater hier gesagt, ich glaube, das war auch meine Feuertaufe, auch gegenüber ihm, ich damals gesagt habe, ich verkaufe die jetzt zu Höchstpreisen auf dem Markt. Da hat Vater mich aus seinem Büro geschmissen und hat mich als verrückt erklärt. Also, bist du irre? Kein— hör auf, sowas zu sagen! Kein Mensch in so einer Situation kauft eine Immobilie. Ich habe sie dann verkauft, auch zu Höchstpreisen, und dann hatten wir Liquidität, weitere Zeit zu überbrücken. Dann kam irgendwann die Hilfen, und dann war es natürlich auch echt eine Scheißzeit, ne? Mal ging es auf, mal ging es zu. Leute wieder reinholen, wieder rausholen, ja, dafür sorgen, dass die Leute nicht kündigen, ja. Also es Es war zusammengenommen einfach eine Scheißzeit. Also auch privat, es war, also man kann es gar nicht vorstellen. Man denkt immer, wenn es gut läuft, hat man so viel zu tun. Also ich kann sagen, wenn es richtig beschissen läuft, ist noch viel schlimmer. Und ja, aber wir haben es überstanden. Das war meine Feuertaufe. Aber es war mal ganz gut. Ich weiß nicht, ob ich es jemandem wünsche, aber es war mal ganz gut zu erleben, wie man in eine existenzielle Krise kommen kann, wo man sagt, alles klar, wenn das so weitergeht, ist in 9 Monaten ist Einzimmerwohnung Wohnung irgendwo. Dass das nicht lange hält und dann man vielleicht der Typ ist, auch wieder aufzustehen, aber ist ja erstmal egal. Man will ja erstmal das auch bewahren, was man erschaffen hat. Aber so war das ja.
- 39:54 Ronald M. Arndt
Was geht dir heute so richtig auf den Zeiger, wenn du an Hotels in Deutschland denkst, Hotelentwicklung? Was gibt's da für Trends?
- 40:02 Sven J. Köllmann
Auch auf den Zeiger, weiß ich nicht. Ich glaube, dieses überbordende Wachstum oder diese, also man hört ja immer nur jeden Tag, wenn man irgendwo liest, Gibt es irgendeinen, der erzählt, also in 10 Jahren wollen wir 5000 Zimmer, 10.000 Zimmer, 20.000 Zimmer, was dann so? Also heute ist dieses Thema Wachstum, das scheint so ein bisschen die Kultur zu sein. Wir versuchen uns ja da immer so den Amerikanern anzugleichen. Ist eigentlich schade, weil wir solche Top-Unternehmer in diesem Land haben, die so nachhaltig Firmen aufgebaut, auch in die nächste Generation geführt haben. Und wir uns eigentlich in diesem Land, wir müssen uns für gar nichts schämen. Wir müssen uns wirklich unternehmerisch für gar nichts schämen. Schämen müssen wir uns für unsere Politik, die warum auch immer nicht in der Lage ist, und das ist auch ein Verschulden überhaupt der Wirtschaft. Wenn Sie einen Amerikaner fragen, der sagt mir, ist das völlig egal, wer Präsident ist und was der erzählt, Wir machen die Regeln, wir, die Wirtschaft, machen die Regeln. Und das haben wir hier in Deutschland abgegeben. Wann, weiß ich nicht, aber wir haben es abgegeben. Und wir haben keinen ausreichenden Einfluss mehr auf die Politik, die einfach verstehen muss, alles wird nun mal durch die Wirtschaft bezahlt. Ich finde die soziale Marktwirtschaft ehrlich gesagt eine der genialsten Erfindungen im wissenschaftlichen, im wirtschaftlichen Bereich, die es je gab. Sie hat nur als Grundlage das Wort Marktwirtschaft. Das heißt, den Unternehmen muss die maximale Flexibilität gegeben werden, und die wird uns heute mit, kennt man alles, überbordender Bürokratie, Pipapo, wird sie uns genommen. Und das ist etwas, das kompensieren im Moment nur Unternehmer. Also wir, ich kann das nicht sagen, wir im Moment sind wir in einer Zeit, wo wir das permanent nur kompensieren, anstatt eigentlich die Kapazitäten frei haben, weiterzumachen, mehr zu machen, es besser zu machen und auch unsere Kernindustrie zu schützen, unsere Kernkompetenzen auch zu schützen. Und ja, wie gesagt, ich habe immer das Gefühl, wir sind irgendwie die einzige, das einzige Land, was irgendwie freiwillig so seine Kernkompetenzen kaputt macht. Und wir sind ja, das muss man mal sagen, wir sind Land ohne Ressourcen. Also wir haben nur unsere Köpfe. Wir haben echt wirklich ein paar richtig, oder was heißt ein paar, wir haben richtig viele clevere Köpfe, aber die muss man halt machen lassen. Und wenn man die nicht machen lässt, dann sind die halt auch so schlau, dass sie irgendwann sagen, irgendwie gehe ich halt woanders hin, wenn man das hier nicht wertschätzt. Dann ist das so, und das finde ich eigentlich schade. So, und das ist eigentlich so das generell, das sehe ich auch auf dem Hotelmarkt. Da wird wahnsinnig gepumpt, dann groß gemacht, dann ist man auf einmal pleite, weil einem auffällt, dass die Pachten doch so hoch waren. Und klar, das wird dann aufgespalten, der Markt ist ja wirklich sehr breit, und geht dann in die nächste Runde.
- 43:01 Ronald M. Arndt
Aber Ja, ich erstmal zahle Start eine Weile.
- 43:05 Sven J. Köllmann
Genau, ich will es auch gar nicht bewerten, weil jeder ist da auch anders, jeder Unternehmer hat dann andere Ansicht. Ich bin einer, der sagt, komm, wir wachsen nachhaltig, organisch, langweilig, langsam, aber wir können auch, wenn es mal wirklich in die Hose geht, auch irgendwo sagen, wir stehen noch, ne, und wir müssen jetzt nicht Insolvenz beantragen und versuchen uns dann da irgendwie zu Und ja, ich glaube auch ehrlich gesagt, wenn man so wahrscheinlich so sich so ein bisschen umhört, auch über uns oder über mich, dann wäre das wahrscheinlich das auch, was so ein bisschen als Antwort kommen würde. Oder würde ich mir zumindest wünschen.
- 43:42 Ronald M. Arndt
Läuft das alles so, wie sich dein Vater das auch vorgestellt hat? Hat er auf die Hotellerie noch einen anderen Blick gehabt damals? Wollte er—
- 43:48 Sven J. Köllmann
Nö, nö, nö, sehr ähnlich. Mein Vater war immer der Zeit, muss ich sagen, gedanklich extrem voraus. War 71, seine heimlichen Stärken.
- 43:57 Ronald M. Arndt
Ja, und das war so in ihm drin, oder hat er auch besondere Inspiration, oder?
- 44:02 Sven J. Köllmann
Nee, das war immer in ihm drin. Also mein Vater hat ja, egal was er gemacht hat, auch wenn man in der Branche fragen würde, wäre das glaube ich die Antwort. Und das war so extrem, dass mein Vater teilweise mit Projekten oder Projektideen zu früh dran war, dass das auch in die Hose gegangen ist, weil er zu früh dran war. Und später, man kann gesagt hat, boah, das ist ja sau cool, aber erst später, und da war schon in die Hose gegangen. Also kann auch passieren. Und ich weiß nicht, ob ich so abenteuerlustig am Ende des Tages bin wie mein Vater, ne. Das ist sicherlich, also ich würde sagen, ich bin ihm, hohes Risiko hast du vorher gesagt, genau, ich bin ihm vom Mindset schon sehr ähnlich, zumindest wird mir das immer nachgesagt. Aber das war eine andere Zeit. Ich glaube, das kann man überhaupt nicht vergleichen mit heute. Das ist eine andere Welt gewesen.
- 44:53 Ronald M. Arndt
Gab es in deiner Zeit auch schon mal ein Projekt, wo du gesagt hast, jetzt ist Schluss, jetzt stoppen wir das irgendwie?
- 44:58 Sven J. Köllmann
Nö, stoppen nicht.
- 45:01 Ronald M. Arndt
Dass man eher pausieren, oder?
- 45:03 Sven J. Köllmann
Ja, also natürlich habe ich Projekte gestoppt, klar, logisch. Also ich habe Projekte teilweise, die ich gekauft, schon weiterverkauft hatte, habe ich gestoppt. Das war 2022, als dann die Krise begann, oder ich sah Ich bin ja so von Hause irgendwann mal Volkswirt gewesen und sah natürlich die Parallelen zur Immobilien-, Gewerbeimmobilienkrise um die 2000er rum mit lahmender Wirtschaft, eigentlich also Stagflation, Stagnation, Inflation zur gleichen Zeit. Und ich damals rabiat hier gesagt habe, wir hören auf zu bauen. Das war, als wir das Leger Hotel in Erfurt an der Messe fertig gebaut haben, und ich gesagt habe, wir stoppen unsere gesamte Projektpipeline. Und ehrlich gesagt, alle mich für verrückt erklärt haben, gesagt, wie machst du das, und dies und das. Aber ich habe gesagt, ach nee, ich habe dann mit meinem Vater oft genug drüber gesprochen, ich kenne so ein bisschen das Setup, ich glaube, jetzt wird's übel. So, ja, Glück gehabt, dass ich da recht behalten habe. Und so waren wir dann eigentlich ganz gut aufgestellt und konnten dann eben auch bei sowas wie Lindau dann auch zuschlagen. Und ja, und dann auch die Finanzierung dafür bekommen soll man nicht so einfach. Und ja, also das passiert immer mal wieder. Wohlhabend wird man in diesem Geschäft sowieso vom Neinsagen und nicht vom Jasagen. Also das vergessen viele. Die Neins retten oft mehr als die Jas.
- 46:34 Ronald M. Arndt
Jetzt hast du schon richtig Appetit gemacht, in Lindau, aber auch woanders natürlich bei LeGer mal vorbeizuschauen.
- 46:40 Sven J. Köllmann
Ja, genau.
- 46:40 Ronald M. Arndt
Nicht nur, was du zu LeGer gesagt hast, sondern ich mag mag es auch immer, und vor allem auch im Hotel-Podcast mit Unternehmern einfach da zusammen zu sein, weil die einfach auch ja was einfach noch mal ganz anders mit verkörpern. Ja, also ab wann ist es möglich?
- 46:56 Sven J. Köllmann
Lindau? Ja, Lindau. Also wenn alles gut geht, wird es im zweiten Quartal, Ende zweites Quartal 2027 sind wir fertig. Also das ist so, wir versuchen so, es gibt ja in Lindau die großen Psychotherapiewochen, das ist ein großes Event in Lindau. Da versuchen wir eigentlich idealerweise am Start zu sein. Das wäre wichtig.
- 47:18 Ronald M. Arndt
Jetzt haben wir deinen Blick auf das Ganze ja ausreichend kennengelernt. Also ihr nennt euch Eigentümer der Immobilien, ihr betreibt selber.
- 47:25 Sven J. Köllmann
Ja, das nennt sich, wie sagst du so schön neudeutsch, Operator-Owner.
- 47:31 Ronald M. Arndt
Operator-Owner, genau. Aber da mal ein Franchise draus zu machen, aus Leger, oder?
- 47:36 Sven J. Köllmann
Ja, ich glaube, dann verwässert es in etwas, wo ich nicht dahinter stehe, ne. Also da irgendwie einen schönen Namen dran zu schreiben, und ich weiß, das sind Riesengeschäftsmodelle heute, Ja, irre, was aus diesen Unternehmen, die eigentlich so ein Setup hatten wie wir, ne, sei es Hilton, sei es Marriott, sei es wie sie auch alle heißen, heute halt eben Franchise-Unternehmen geworden sind, ne. Egal, ist auch bei allen McDonald's und wie sie alle heißen, nichts anderes. Ich weiß nicht, ob ich darauf Lust habe, ich glaube nein.
- 48:08 Ronald M. Arndt
Magst du zum Abschluss noch kurz was zu der Plattform sagen? Investmentplattform hast du vorher erwähnt, ganz am Anfang.
- 48:12 Sven J. Köllmann
Ja, wie gesagt, InRevion ist eigentlich das Ergebnis einer unternehmerischen Zusammenarbeit der letzten Jahre. Mit dem Axel Siebmann und Marc Kuchenbecker. Und irgendwann musste ja zu dem Ergebnis kommen, also entweder wir machen das so projektweise und gucken mal, was geht, oder wir geben dem Kind einen Namen. Und wir haben dann aber auch gesagt, naja, dem Kind einen Namen geben geht auch nur, wenn wir jemanden finden, der das operativ auch macht. Wir haben uns dann ja relativ viele Sachen angeschaut oder relativ viele Leute angeschaut. Ich bin dann auf meinen alten Kommilitonen tatsächlich, Patrick Zauner, gekommen, der Director bei der LBBW war, und also bei der LBBW Immobilien. Und ja, mit dem habe ich dann die Gespräche geführt, und ich glaube, der hatte Lust, noch mal was Neues zu machen und auch in eine, ja, wie soll man sagen, deutlich flexiblere, vielleicht auch aggressivere unternehmerische Welt zu gehen. Und das kam auch daher, ich würde das oder hätte das nie mit jedem x-beliebig gemacht, weil Tatsächlich, der Axel Siepmann, der Marc Kuchenbecker sind, ich würde sagen, ich habe schon ein paar Unternehmer in meinem Leben gesehen, das sind zwei derer, die ich absolut bewundere, sind zwei absolute Top-Unternehmer mit einem irren Netzwerk.
- 49:34 Ronald M. Arndt
Was bedeutet das, Top-Unternehmer für dich?
- 49:36 Sven J. Köllmann
Hochflexibel, intelligent, wissen aber zugleich, wo ihre Kompetenzgrenzen sind, haben aber dann das Netzwerk, diese Lücken zu schließen. Haben sich über die Jahrzehnte immer wieder neu erfunden, kommen aus der Schiffsrestrukturierung. Irgendwann war das vorbei, da musste man eben was Neues finden. Also erfinden sich immer wieder neu, konstant, haben eine irre Bandbreite an Know-how, haben ein, findet man, ich habe ja die ganze Zeit jetzt gesagt, wir haben so schwierige Mitarbeiter, haben ein bombastisches Team, alles junge Leute, hochmotiviert, natürlich bisschen anderes Setup, auch viel M&A. Geschäft, also bei CFC gesehen, was sicherlich auch, würde ich mal sagen, auch natürlich ein anderes Level an Leute noch mal so ein bisschen anzieht. Aber ja, die einfach mir neuen Fokus auch mal gezeigt haben, was alles geht. Und ich glaube auch natürlich, ich eine Kompetenz an den Tisch gebracht habe, die gefehlt hat bei vielen Sachen, die man nicht anfassen konnte, weil jemand fehlte, der da einen ehrlichen Blick dann von der Seite drauf macht. Und ja, ich glaube, ich habe so ein paar Kompetenzen, die da, oder mein Team auch, die da gut reinpassen. Und so haben wir dann am Ende gesagt, also jetzt kommt auch der Moment, jetzt machen wir das. Und ja, wurde dann gegründet, hat dann auch aus meiner Sicht doch ein relativ großes Echo so im Markt auch gegeben. Hätte ich gar nicht erwartet, aber war so. Und ja, wir starten jetzt gerade, also am 1. Mai geht's los, am 1.
- 51:12 Ronald M. Arndt
Mai kommen die Leute, und ja, dann gehen wir, wie sie so schön auf Also kein Geheimnis, Leute wie dich, Leute wie euch, Teams wie euch braucht's in Deutschland. Wir hoffen, dass das alles in Zukunft vielleicht ein bisschen leichter wird.
- 51:29 Sven J. Köllmann
Ich hoffe, wobei es wäre schade, wenn nicht.
- 51:32 Ronald M. Arndt
Ja, weil irgendwann ist auch genug.
- 51:36 Sven J. Köllmann
Ja, ich weiß ja gut, ich weiß nicht, wie lange wir das ertragen können, also wie lange diese Wirtschaft und diese Gesellschaft das auch ertragen kann. Und Vielleicht noch mal so zum Abschluss. Ich meine, das, was wir heute sehen, dass sowas wie eine AfD in diese Sphären vordringt, sind das alles Nazis? Nein, das sind enttäuschte Menschen, die einfach das Gefühl haben, dass die normalen Politiker ihre drängendsten Fragen nicht mehr beantworten und auch die Realität dessen, was da in Berlin gedacht wird, von irgendwelchen grün-kommunistischen Utopien bis hin natürlich zu auch nicht handelnden Konservativen, das endet am Ende darin. Und immer wenn die Mitte schwach wird, werden die Ränder stark. Und das gilt nach links und nach rechts. Und ja, vielleicht, das hört sich immer so ein bisschen apokalyptisch an, vielleicht müssen wir dadurch, vielleicht müssen wir dadurch, damit wir es auch einmal für uns alle gesehen haben. Weil auch da sage ich, die Demokratie, die wir haben, ist stark, die hält auch sowas wie die AfD aus. Und auch die AfD, sollte sie denn irgendwie in Regierungsverantwortung kommen, muss sich dann natürlich auch Realitäten stellen, ne, also die, die halt jedem hier gestellt sind. Und dann muss man mal schauen, was passiert, ne. Ich hoffe aber irgendwie, dass sie sich zusammenreißen und wir jetzt so ein bisschen vorwärtskommen. 2006 war das übrigens auch ging das ja gleichgeschaltet mit der WM, ne. Ich weiß nicht, ob das alle noch so im Blick haben. Es war ja auch davor relativ düster, dann kam dieses Sommermärchen, und ich weiß auch nicht, danach war ja irgendwie so eine unfassbar gute Stimmung, dass sich dann alles so— selbst die Finanzkrise hat dann trotzdem so über die Zeit jetzt dem keinen Abbruch getan. Das war dann so die Merkel-Jahre, wo wir von dieser Agenda 2010 natürlich von Schröder wahnsinnig profitiert hatten. Das brauchen wir heute wieder. Ja, und vielleicht gewinnen wir diesen Sommer die WM und dann geht's wieder aufwärts. Also da hoffe ich natürlich.
- 53:39 Ronald M. Arndt
Und Kubicki hat sich auch angekündigt.
- 53:40 Sven J. Köllmann
Ja, der wird auch sicherlich, das wird auch noch mal spannend. Natürlich, sag mal so, vom Setup natürlich auch so Typen wie mich anspricht. Ob er jetzt alle anspricht, zwar neigt er auch gerne hier und da zu Übertreibungen, aber ja, gucken wir mal, was passiert. Am Ende Endes her sage ich immer, wir sind Unternehmer, wir müssen die Antwort finden. Keiner sitzt neben uns, hält unser Händchen und sagt, es tut mir so leid für Sie, dafür kannst du dir nichts kaufen. Muss halt die, muss eine Antwort finden, ja, so, oder zu dem Ergebnis kommen, mir gefällt es hier nicht mehr. Aber das kann ich nicht sagen. Ich finde Deutschland immer noch eigentlich einen hochattraktiven Platz zum Investieren und Leben. Man sieht es auch ganz gut an dieser Dubai-Story gerade. Glaube ich, ne. Also was haben mir, also was habe ich Angebote aus Dubai bekommen. Also ich weiß gar nicht, da hätte ich, also wie oft ich da hätte investieren können und es wäre der Traum. Ja, jetzt gucken wir mal, was da passiert, ne. Jetzt rennen alle Influencer, kommen zurück nach Wiesbaden, rennen jetzt.
- 54:43 Ronald M. Arndt
Es hat richtig Bock gemacht. Danke dir, Sven.
- 54:45 Sven J. Köllmann
Vielen Dank, dass ihr gekommen seid.
- 54:46 Ronald M. Arndt
Vielen, vielen Dank euch. Alles Gute und ja, vielen Dank. Alles Gute für den Weg, ist ja klar. Danke.
- 54:52 Sven J. Köllmann
Ciao. Okay, danke.
- 54:52 Ronald M. Arndt
Ciao.