Suche
Germany · Episode #2 · 04.12.2020 · 39 Min

Einmal Fett weg bitte

Franz KellerAdlerwirtschaft
Episode hören39 Min Läuft weiter, während du auf der Seite stöberst

Aufgenommen: Hotel und Restaurant Friedrich von Schiller, Bietigheim-Bissingen

Standbild aus der Episode mit Franz Keller Germany39 Min

Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.

„Ich sage immer, was ich meinen Gästen gebe, kann ich auch meinen Schweinen geben.“

Franz Keller, 23:48

Franz Keller, Koch, Winzer, Weinhändler und Buchautor, spricht mit Ronald M. Arndt über seine Kindheit in einem Gasthaus mit Metzgerei, die Kochlehre und vier Stationen in Frankreich, den Streit mit dem Vater und die Jahre in Köln, auf der Bühlerhöhe und im Rheingau. Er erzählt, warum er die Adlerwirtschaft als normale Wirtschaft eröffnet hat und wie er auf dem Falkenhof Kaninchen, bunte Bentheimer Freilandschweine und Limousin-Rinder hält. Dazu rechnet er mit billigem Fleisch, Putenmast und dem Essen in Kliniken und Schulen ab.

Die Audiodatei kommt beim Abspielen von Spotify for Creators. Vorher wird nichts geladen.

Kernaussagen

  1. Fleisch zu billig: Keller sagt, Fleisch sei zu billig und immer mehr davon mache die Leute krank. Wenn Fleisch billiger sei als Gemüse, stimme etwas nicht.
  2. Rinder reifen lassen: Er hält Limousin-Rinder statt der großstämmigen Charolais und zieht sie mindestens zweieinhalb bis drei Jahre auf, statt sie mit 20 oder 22 Monaten zu schlachten. Für ihn braucht Fleisch auch beim Entstehen Reife, nicht nur beim Abhängen.
  3. Geschlossener Kreislauf: Seine bunten Bentheimer Freilandschweine bekommen Gemüse-, Brot- und Salatabfälle. Fleisch verfüttert er nicht, weil der Hof ein geschlossener Kreislauf ist.
  4. 3,90 Euro pro Tag: Für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot mit bis zu zehn verschiedenen Diäten zahlt die Versicherung der Klinik nach seiner Rechnung 3,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Logistik, Verpackung und Marge stecken da schon drin.
  5. Über die Kinder: Keller arbeitet mit der IHK Akademie in München in Schulen und will Programme mit Schulen und Kindergärten aufbauen. Mit Kindern macht er Fischstäbchen selbst, damit sie sehen, dass das geht.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

In dieser Episode bekommen so manche ihr Fett weg. Ob Tönnies, Wiesenhof, McDonald's oder auch der Deutsche Fußball-Bund, dessen Präsident sein Bruder ist. Franz Keller holt zum Rundumschlag aus. Im Jahr 1950 in Freiburg im Breisgau geboren, berichtet der Winzer, Gastgeber, Weinhändler, Buchautor und Koch aus seiner Kindheit. Darunter wie damals Geburtshilfe am Küchentisch funktionierte oder warum ihm die Polizei stets Freund und Helfer war, wenn er wieder mal mit 15 Jahren hinterm Steuer saß. Seine Mutter war eine echte Powerfrau und die erste Köchin Deutschlands mit Michelin-Stern. Große Anerkennung erhielt sie dafür aber nicht. Er selbst hat sich bereits vor 23 Jahren von der Sterne-Gastronomie verabschiedet und die “Adler Wirtschaft” im Rheingau als “normale” Wirtschaft eröffnet. Heute gibt er sein Können gerne an Kinder weiter und versucht zu retten, was zuvor in zwei, drei Generationen verloren ging.

Appetit auf mehr? Dann klicke auf "Abonnieren" oder "Folgen" und lasse Dich in Zukunft persönlich von Ronald M. Arndt über Neuigkeiten informieren. Einfach hier anmelden.

Keine Episode verpassen

Folge HOTEL-PODCAST dort, wo du sowieso hörst. Neue Episoden aus sechs Ländern kommen dann ganz von selbst. Oder tritt unserer WhatsApp-Community bei, um über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden zu bleiben.

Weitere Episoden

Alle Episoden

Transkript

Transkript öffnenTranskript schließen39 Min · Ronald M. Arndt und Franz Keller

Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:07
    Ronald M. Arndt

    Herzlich willkommen, Franz Keller, hier im Hotel und Restaurant Friedrich von Schiller in Bietigheim-Bissingen.

  2. 00:13
    Franz Keller

    Beim Schorki, ich freue mich, hier zu sein.

  3. 00:16
    Ronald M. Arndt

    Haben Sie gut nach Bietigheim gefunden?

  4. 00:18
    Franz Keller

    Ja, wunderbar, ich bin ja nicht zum ersten Mal da.

  5. 00:20
    Ronald M. Arndt

    Okay, Sie kennen Burkhard Schork schon ein bisschen länger, gell?

  6. 00:24
    Franz Keller

    Ein bisschen länger, ja, Gott sei Dank.

  7. 00:26
    Ronald M. Arndt

    Okay, darf ich gleich fragen, war das zum Seit wann ihr euch ungefähr kennt?

  8. 00:29
    Franz Keller

    Ich glaube, schon seit Jahren haben wir schon mal miteinander zu tun gehabt. Aber näher sind wir uns, glaube ich, erst vor ein paar Jahren gekommen. Aber wir sind so Brüder im Geiste von dem, was wir machen und wie wir es machen. Und ja, auch Metzger und back to the root und halt zu dem zurück, auf was es ankommt. Ohne Die Teller-Ikebanas und so.

  9. 00:56
    Ronald M. Arndt

    Okay, ja, da kommen wir doch nachher noch drauf zu sprechen, auch auf Ihr aktuellstes Buch Vom Einfachen das Beste und ab in die Küche. Und ab in die Küche.

  10. 01:07
    Franz Keller

    Genau, passt alles zusammen.

  11. 01:09
    Ronald M. Arndt

    Passt alles zusammen. Super. Ja, aber begonnen hat es mit dem Franz Keller 1950 in Freiburg, richtig?

  12. 01:15
    Franz Keller

    Ja, da bin ich auf die Welt gekommen. Ja, so ein bisschen her.

  13. 01:19
    Ronald M. Arndt

    Freiburg im Breisgau. Ich glaube immer noch die Stadt mit den meisten Sonnenstunden, sagt man immer.

  14. 01:25
    Franz Keller

    Sagt man, ja.

  15. 01:26
    Ronald M. Arndt

    Sagt man?

  16. 01:26
    Franz Keller

    War es nicht so?

  17. 01:27
    Ronald M. Arndt

    Ist es nicht so?

  18. 01:28
    Franz Keller

    Weiß ich nicht. Ich bin ja schon lange weg.

  19. 01:30
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  20. 01:32
    Franz Keller

    Aber auf jeden Fall ist es ein schönes Örtchen.

  21. 01:34
    Ronald M. Arndt

    Schönes Örtchen. Ja, genau.

  22. 01:37
    Franz Keller

    Meckern die bestimmt, die Freiburger, weil ich Örtchen gesagt habe. Aber es ist schon ein Kleinstädtchen.

  23. 01:43
    Ronald M. Arndt

    Okay. Und die Familie Keller, Ihre Eltern, wo haben die damals gelebt? Also wenn Sie in Freiburg auf die Welt gekommen sind?

  24. 01:51
    Franz Keller

    In Oberbergen. Da kam man halt in der Uniklinik in Freiburg auf die Welt. Wir waren ja schließlich keine Großbauern aus dem Allgäu, wo man das Kind daheim auf die Welt gebracht hat. Okay.

  25. 02:03
    Ronald M. Arndt

    Also es war so, dass die Großbauern früher daheim—

  26. 02:06
    Franz Keller

    Ich hatte mal einen praktischen Arzt und Geburtshelfer als Patenonkel im Allgäu, in Roth an der Roth. Ja, und der hat eine Riesenpraxis gehabt. Und wenn die Großbauern ein Kind bekommen haben, die Frau, dann kamen 2 Frauen aus dem Kloster, eine für den Haushalt und die andere zum im Stall helfen und so. Und dann haben die halt 2 Küchentische zusammengeschoben, Kessel heißes Wasser aufgesetzt und dann möglichst kurzfristig und direkt den Doktor dazu bestellt, wenn es soweit war. Der hat wirklich, da stand praktischer Arzt und Geburtshelfer auf der auf dem Ding. Und das war natürlich immer ein Riesenfest dann hinterher, weil die ganzen Jungs saßen schon irgendwo in der Wohnstube und haben schon mal einen gesoffen. Und das war auch der Grund, warum ich mit 15 schon Auto fahren durfte. Dann konnte ich den nämlich nach Hause fahren. Mit 2 Kissen unterm Hintern und den Sitz vorgeschoben, so weit wie möglich für die Füße. Und so habe ich schon in dicken BMWs und Cadillacs und alles, was der gehabt hat in der Zeit, durfte ich immer schon Auto fahren.

  27. 03:12
    Ronald M. Arndt

    Ei, ei, ei. Okay. Ja.

  28. 03:16
    Franz Keller

    Einmal sogar im Graben gelandet. Und dann kam sogar die Polizei und hat geholfen, dass wir da wieder rauskamen. Und der Bauer und die Polizei hat uns dann heimgefahren, sind vorgefahren.

  29. 03:28
    Ronald M. Arndt

    Freund und Helfer.

  30. 03:28
    Franz Keller

    Ja, wie sich das gehört. Heute undenkbar.

  31. 03:31
    Ronald M. Arndt

    Heute undenkbar.

  32. 03:31
    Franz Keller

    Ich habe auch gedacht, ich habe Blut und Wasser geschwitzt, weil der Alte saß rechts daneben, war völlig done, war völlig platt und hat nichts mitgekriegt. Und dann hat er gesagt: Wir fahren Ihnen vor. Und dann sind die uns wirklich noch 10 Kilometer vorausgefahren, haben geklingelt bei der Tante Lotte. Und die: Oje, ist meinem Mann was passiert? Ist meinem Mann was passiert? Und dann hab ich gesagt: Nein, nein, wir bringen ihn nur nach Hause. Alles gut. Da kommt er jetzt gleich.

  33. 03:58
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  34. 03:59
    Franz Keller

    Da hat man bestimmt gesehen, dass ich noch keinen Führerschein habe. Aber das hat scheinbar gar nicht interessiert. War ja auch der Dorfarzt.

  35. 04:06
    Ronald M. Arndt

    Okay. Super. Ja, Herr Keller, Winzer, Gastgeber, Weinhändler, Buchautor.

  36. 04:15
    Franz Keller

    Koch.

  37. 04:16
    Ronald M. Arndt

    Koch.

  38. 04:16
    Franz Keller

    Nicht vergessen.

  39. 04:17
    Ronald M. Arndt

    Metzger.

  40. 04:19
    Franz Keller

    Metzger habe ich ja nicht gelernt, sondern das habe ich mitgekriegt von zu Hause, weil wir hatten eine Metzgerei ursprünglich noch. Also bevor der Weinhandel so richtig angefangen hat, hatten wir noch eine Metzgerei, weil früher eine anständige Wirtschaft auf dem Land konnte gar nicht existieren, wenn keine Metzgerei dabei war. Das war fürs Image wichtig und für die großen Portionen halt. Darunter, wo wir heute noch leiden, weil die Leute nur noch Fleisch essen wollen.

  41. 04:47
    Ronald M. Arndt

    Ja, wie meinen Sie das?

  42. 04:48
    Franz Keller

    Ja, weil das Fleisch zu billig ist.

  43. 04:50
    Ronald M. Arndt

    Ach so, weil es früher schon einfach einen großen Volumen halt immer hatte. Hat die Leute so auch erzogen, oder?

  44. 04:56
    Franz Keller

    Klar, ich kenne das noch aus den 50er Jahren und das war ja auch damals ein nicht unwichtiges Projekt, dass man gesagt hat, es ist eine soziale Aufgabe des Staates, seine Leute richtig ernähren zu können. Und da gehört Fleisch dazu. Und nicht wie früher, wo nur der Herr Fabrikdirektor und der Großbauer und die Leute, die viel Geld hatten, sich Fleisch ständig leisten konnten. Fleisch sollte für jedermann machbar sein, und zwar täglich. Und das hat sich halt jetzt pervertiert bis heute und wird immer billiger und immer mehr. Und die Leute werden krank, weil sie nur noch das essen. Und wenn Fleisch billiger ist wie Gemüse, dann stimmt ja auch was nicht.

  45. 05:41
    Ronald M. Arndt

    Um da kurz die Parallelen zu ziehen nach Frankreich, wo Sie auch gearbeitet haben, gelernt haben.

  46. 05:47
    Franz Keller

    Da war es schon immer so, aber doch nicht so extrem wie bei uns. Also man isst dort auch gerne Fleisch und viel. Aber in den klassischen Restaurants ist Fleisch allgegenwärtig, vegetarisch relativ wenig. Aber ich denke doch, dass die eigentlich vor allen Dingen in den Restaurants weniger Fleisch verbrauchen wie wir.

  47. 06:10
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, die Portionen waren da immer schon auch kleiner, gell?

  48. 06:14
    Franz Keller

    Also natürlich, das ist, weil man dort ja einen anderen Lebensstil hat. Dort will man ein Menü essen, und bei uns muss es ein Teller sein, wo es links und rechts runterhängt, und billig und viel, ne. Das ist der kleine Unterschied. Okay.

  49. 06:31
    Ronald M. Arndt

    Ja, Ihre Eltern, die waren ja auch schon, haben ja, klar, Ihre Mutter Irma hat schon Michelin-Stern sicher gekocht gehabt.

  50. 06:39
    Franz Keller

    Meine Mutter kam aus einem Gasthof auch. Das war die Krone in Achkarren, auch mit Metzgerei dabei und kleines Hotel. Und ja, Wir hatten eine Metzgerei und einen kleinen Laden und eigentlich nur damals 3 oder 4 Gastzimmer, kleine. Und das hieß damals noch Fremdenzimmer. Was ja alles heißt eigentlich. Sagt man ja heute nicht mehr.

  51. 07:08
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja. Als Stuttgarter bin ich neulich wieder an einem Gebäude vorbeigefahren, wo wirklich noch Fremdenzimmer steht. Echt? Aber vor dem Hintergrund gerade der ganzen Diskussionen, die da aus den USA kommt.

  52. 07:18
    Franz Keller

    Ja, ja, das klingt schon ein bisschen dramatisch jetzt langsam.

  53. 07:24
    Ronald M. Arndt

    Ja. Ihre Mutter damals, ich habe es ja gerade schon erwähnt, Michelin-Stern. Als Frau in den 60er Jahren.

  54. 07:32
    Franz Keller

    Ja, das haben wir ja auch erst vor 6, 7 Jahren mal kapiert, mein Bruder und ich. Weil das war für uns, da haben wir nie drüber nachgedacht, dass eigentlich unsere Mutter die erste Sterneköchin war in Deutschland. Das war aber auch so, weil sich da halt der alte Herr immer vorne drangestellt hat und die Frauen haben dann immer—

  55. 07:50
    Ronald M. Arndt

    War der Stern dann ihr zugeordnet oder dem Vater?

  56. 07:53
    Franz Keller

    Dem Haus, dem Schwarzen Adler. Aber der Koch kriegt den ja.

  57. 07:57
    Ronald M. Arndt

    Sie ja die Chefin hinterm Herd.

  58. 07:58
    Franz Keller

    Aber da hat nie jemand drüber nachgedacht. Das war völlig selbstverständlich, so wie man halt früher mit den Frauen umgegangen ist. Und der Alte hat sich halt vorne drangestellt und fertig. Okay. Ja, die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

  59. 08:16
    Ronald M. Arndt

    Gut, Sie haben dann irgendwann das Elternhaus natürlich verlassen.

  60. 08:21
    Franz Keller

    Ja, natürlich nicht. Natürlich, ich habe Koch gelernt in Freiburg und wollte eigentlich gar nicht Koch lernen. Da hat man mich mehr oder weniger dazu gezwungen.

  61. 08:33
    Ronald M. Arndt

    Also von elterlicher Seite?

  62. 08:34
    Franz Keller

    Ja, ja, weil es halt ein Betrieb da war und mein Bruder sollte den Wein machen und ich die Gastronomie.

  63. 08:40
    Ronald M. Arndt

    Der Bruder ist jünger, älter?

  64. 08:41
    Franz Keller

    Jünger, 7 Jahre jünger.

  65. 08:42
    Ronald M. Arndt

    7 Jahre, okay.

  66. 08:43
    Franz Keller

    Sieht man zwar nicht so genau, aber es ist so. Und das war eigentlich selbstverständlich und wir wurden mehr oder weniger dazu gezwungen, berufen und dann hat es sich halt so ergeben. Und danach habe ich das Glück gehabt, nach Frankreich zu kommen. Und da war ich, glaube ich, 5,5 Jahre und dann habe ich aber Nach der Rückkehr—

  67. 09:11
    Ronald M. Arndt

    5,5 Jahre mit 2 Stationen, glaube ich, oder?

  68. 09:14
    Franz Keller

    Nee, waren insgesamt, das war Duclos in Toulouse, Léon de Lyon in Lyon, dann Paul Bocuse in Colonges und dann noch Michel Guérard in Paris.

  69. 09:30
    Ronald M. Arndt

    Also 4 Stationen. Schöne Route.

  70. 09:32
    Franz Keller

    Genau. Ja, da waren die völlig entsetzt, weil ich nach Paris wollte. Weil Lyon und Paris, das war so quasi Feindschaft. Die haben immer gesagt, hier, das größte Zentrum der Gastronomie ist nicht Paris, sondern Lyon. Und der Alte war richtig sauer.

  71. 09:49
    Ronald M. Arndt

    Bis heute dafür bekannt, Lyon.

  72. 09:50
    Franz Keller

    Also der Alte war richtig sauer, als ich gesagt habe, ich möchte nach Paris zum Arbeiten. Das habe ich damals gar nicht verstanden.

  73. 09:59
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  74. 10:01
    Franz Keller

    Ja, und dann bin ich nach Hause gekommen und da hat es aber leider zu größeren Generationskonflikten geführt.

  75. 10:09
    Ronald M. Arndt

    Also ich höre schon raus, da gab es das eine oder andere an Ecken. Ja.

  76. 10:14
    Franz Keller

    Und dann bin ich halt irgendwann wieder abgehauen.

  77. 10:18
    Ronald M. Arndt

    Diesmal aber nicht nach Frankreich, sondern Richtung Italien.

  78. 10:21
    Franz Keller

    Ja, dann habe ich eine Auszeit, ein Jahr gemacht und wollte erst mal schauen, wie ich mich orientiere, was ich mache. Und da war ich dann noch in Italien, und das war mein Glück, dass ich also nicht dieses bombastische Französische gelernt habe, sondern auch dieses Lockere, Unaufwendigere und Legerere der italienischen Küche gelernt habe. Und das war mein Glück, weil das hat so ein bisschen meine strenge französische klassische Küche sehr gut beeinflusst, auch vom Charakter her, weil ich das alles nicht mehr so— ich habe da auch gemeint, weil ich vom Bocuse komme und so, das ist nur, es gibt nur eine Küche auf der Welt und es gibt nur den Stil und alles andere ist nichts und 3 Sterne müssen her. Wahrscheinlich hätte ich die Sachen ohne Italien viel ernster genommen in meinem Leben.

  79. 11:21
    Ronald M. Arndt

    Aber von Frankreich bis nach Italien, da haben Sie die deutsche Küche nicht zwischenzeitlich vergessen, sondern immer?

  80. 11:28
    Franz Keller

    Nein, ich bin da einfach in Italien rumgezogen und kam zum Riccardo Luraschi. Der hatte Quercette, so ein Lokal in der Nähe vom Comer See. Und der hat gleich gemerkt, dass ich ein Profi bin, beim Essen schon, und konnte auch toll Französisch. Ja, mit dem Ergebnis, dass ich dann 3 Monate bei ihm gearbeitet habe. Da hat er gesagt, komm doch mit in die Küche. Und da habe ich Nudeln machen gelernt, habe mir später auch Maschinen gekauft, habe die dann selber gemacht. Und wir sind jeden Montag, wie es Tradition auch in Oberbergen bei meiner Familie war, jeden Montag, wenn wir frei haben, sind wir manchmal Hunderte von Kilometern gefahren, nur bei einem Kollegen toll essen zu gehen und gucken, was halt die anderen machen. Das hat man ja, das war, das lief unter Weiterbildung und so weiter.

  81. 12:14
    Ronald M. Arndt

    Aber Sie sprechen jetzt von den 3 Monaten am Comersee?

  82. 12:17
    Franz Keller

    3 Monate war ich da.

  83. 12:18
    Ronald M. Arndt

    Von da aus dann immer Entdeckungstouren?

  84. 12:20
    Franz Keller

    Ja, und da habe ich dann den Gualtiero Marchesi kennengelernt beim Essen und habe mich auch mit ihm unterhalten. Und er hat mir gesagt, wenn du willst, kannst du ja auch mal zu mir kommen. Und bei dem war ich dann auch noch mal, glaube ich, 5 Monate. Und dann bin ich wieder nach Hause und wusste, was ich machen will. Zwar noch Sterne, aber lockerer. Ja.

  85. 12:43
    Ronald M. Arndt

    Ich finde es schön, wenn man so 3 Monate mal nur, in Anführungszeichen, in den Betrieb reinschauen kann.

  86. 12:48
    Franz Keller

    In eine ganz andere Kultur. Ich meine, ich war damals schon verheiratet, habe schon eine Tochter gehabt. Das war alles schon. Und kein Geld. Das war alles nicht ganz so leicht.

  87. 12:59
    Ronald M. Arndt

    Ja, aber da ist dann die die Tochter mit? Nee, das ging gar nicht.

  88. 13:04
    Franz Keller

    Ich glaube, die nächste war schon unterwegs. Okay, da ist ja sowieso besser, wenn man nicht stört zu Hause. Also heute versteht das auch keiner mehr, weil manchmal denkst du, die Männer kriegen eher die Kinder wie die Frauen. Aber mal schauen, bei mir war es jedenfalls so.

  89. 13:26
    Ronald M. Arndt

    Ja, dann nach Milano ging es wieder zurück nach Oberbergen.

  90. 13:31
    Franz Keller

    Nee, eben nicht. Da musste ich ja, ich habe mich ja verkracht mit meinem Vater und ich wollte auf keinen Fall zurück und wollte mich selbstständig machen, aber hatte kein Geld und nichts. Und so musste ich halt erst mal die Stadt suchen und nach der Stadt auch einen Partner, der mir das finanziert. Ob das jetzt ein Hotel oder ein Privatmensch oder wie auch immer ist. Das habe ich dann versucht und dann kamen für mich 4 Städte infrage. Das war Hamburg, Düsseldorf, Köln oder Frankfurt. Komischerweise Stuttgart und München gar nicht. Warum Stuttgart nicht infrage kam, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, weil ich Angst vor den Schwaben hatte.

  91. 14:10
    Ronald M. Arndt

    Ja, oder die waren für einen Hochgenuss einfach auch nicht bekannt damals.

  92. 14:14
    Franz Keller

    Die Badener sind ja auch, also zwar, die genießen auch schon, aber die haben auch sehr oft zugenähte Säcke. Also so großzügig sind die auch nicht. Aber dann habe ich eben, bin ich hängen geblieben in Köln, weil ich dort einen Partner gesucht habe, gefunden habe, von dem ich annahme, das könnte klappen mit dem. Hat dann nicht so hundertprozentig funktioniert, aber sind dann trotzdem 10 Jahre draus geworden in Köln. Aber war eine wilde, verrückte Zeit.

  93. 14:51
    Ronald M. Arndt

    Da dann zwischenzeitlich mit Kind?

  94. 14:53
    Franz Keller

    Ja, mit 3 dann schon.

  95. 14:55
    Ronald M. Arndt

    Damit, okay. Also da ist es dann auch ein bisschen komplizierter.

  96. 14:57
    Franz Keller

    Mein Sohn ist in Köln auf die Welt gekommen. Der ist Kölner.

  97. 15:00
    Ronald M. Arndt

    Der ist Kölner. 10 Jahre dann in Köln. Wenn Sie sagen Partner oder Investor oder wie, wie hat sich das gestaltet?

  98. 15:08
    Franz Keller

    Ja, das können Sie sich mal vorstellen. Der Mann hatte eine Werbeagentur und der verdiente sein Geld mit der Werbeagentur und meinte, wir machen ein tolles Lokal und das wird schon gehen und alles. Aber leider hat es nicht so geklappt, wie er sich das vorgestellt hat, weil die Bank wollte mich unbedingt mit drin haben. Und dann habe ich leider alles unterschrieben.

  99. 15:28
    Ronald M. Arndt

    Ja.

  100. 15:29
    Franz Keller

    Na, ich habe 10 Jahre für die Bank gearbeitet.

  101. 15:32
    Ronald M. Arndt

    Also vom Startpunkt weg, als man halt aufgemacht hat. Und nach 10 Jahren habt ihr dann gesagt: Aber wir waren völlig verrückt.

  102. 15:43
    Franz Keller

    Wir haben in ein Pachtobjekt wahnsinnig viel Geld investiert, sind auch noch einem Pächter auf den Leim gegangen, einem Verpächter, der uns einen nicht ganz seriösen Vertrag aufgeschwätzt hat. Und der hat dann so, glaube ich, jedes Jahr die Miete um 20% erhöht, so ungefähr. War schrecklich. Ja, und da kam ich Gott sei Dank wieder raus über den Herrn Dr. Grundig mit der Bühlerhöhe.

  103. 16:11
    Ronald M. Arndt

    Dann ging es. Na ja, essen Sie weiter. Was haben wir da gerade auf dem Tisch? Ist ja jetzt nichts. Kandiszucker.

  104. 16:19
    Franz Keller

    Kracht dann immer so, aber ich lutsche ihn jetzt einfach mal.

  105. 16:23
    Ronald M. Arndt

    Machen Sie es gern oder ist es jetzt aus Not und Verzweiflung?

  106. 16:25
    Franz Keller

    Nein, mache ich gerne. Gut, Chili.

  107. 16:29
    Ronald M. Arndt

    Oder weil es bei Herrn Schwoch hier nichts anderes gerade gibt? Um die Uhrzeit.

  108. 16:33
    Franz Keller

    Müssen wir sagen, kann sich Zucker wegbeißen. Wieso denn? Wir haben doch schon was Schönes bekommen.

  109. 16:38
    Ronald M. Arndt

    Wobei ja, genau.

  110. 16:40
    Franz Keller

    Mittags um halb 3 oder um halb 4 gab es Kutteln.

  111. 16:45
    Ronald M. Arndt

    Kutteln.

  112. 16:45
    Franz Keller

    Herrlich, mit Bratkartoffeln.

  113. 16:47
    Ronald M. Arndt

    Ausgezeichnet.

  114. 16:48
    Franz Keller

    Wunderbar.

  115. 16:49
    Ronald M. Arndt

    Und einen guten Wein dazu hier aus der Umgebung. Ja, die Flasche ist aber schon leer. Genau.

  116. 16:53
    Franz Keller

    Das war ein sehr guter sogar.

  117. 16:54
    Ronald M. Arndt

    Steht hier noch auf dem Tisch. Aus Löchgau, gell? Vom Funk. So, dann Bühlerhöhe. Ziehen wir kurz. Wie ging es weiter, Herr Keller? Bühlerhöhe. Und ja, bis heute gibt es die Bühlerhöhe. Hat die wieder eröffnet?

  118. 17:10
    Franz Keller

    Die ist zu. Das hat ein Investor, ein russischer, gekauft und der macht nichts da. Okay, da hat er nur sein Vermögen hingelegt, aber es ist nicht offen.

  119. 17:20
    Ronald M. Arndt

    Okay, namhaftes Haus.

  120. 17:23
    Franz Keller

    Tolles Haus auch, aber halt auch die Krankheit, zu viel investiert in die Mauern und nachher kein Geld mehr ins Personal. Und deshalb war das auch ziemlich schicksalhaft klar, dass das nicht so lange funktioniert. Und ich war auch nicht lange da. Ich sollte zweimal, zweimal 5 Jahre dort bleiben. Weil ich glaube, man durfte gar keine Verträge machen länger wie 5 Jahre. War auch eine schöne Zeit, aber halt erfolgreich auch, weil ich richtig gutes Geld dafür bekommen habe. Und danach habe ich mich wieder im Kronenschlösschen wieder mit einem Partner eingelassen, was auch nicht funktioniert hat. Und danach Habe ich die Schnauze voll gehabt mit Partnern und dann haben wir uns selbstständig gemacht.

  121. 18:19
    Ronald M. Arndt

    Uns heißt?

  122. 18:20
    Franz Keller

    Immer noch.

  123. 18:21
    Ronald M. Arndt

    Ja. Sie und? Wenn Sie sagen, wir haben uns selbstständig gemacht, dann heißt das?

  124. 18:27
    Franz Keller

    Meine Frau, meine damalige Frau, meine zweite, haben wir uns selbstständig gemacht im Rheingau mit der Adlerwirtschaft.

  125. 18:34
    Ronald M. Arndt

    Okay, genau.

  126. 18:36
    Franz Keller

    Und den Namen Adlerwirtschaft mit Absicht gewählt, weil das Stammhaus heißt ja eigentlich Schwarzer Adler. Aber die Einheimischen haben da immer gesagt, das ist der Adlerwirtschaft, das ist die Adlerwirtschaft. Und ich wollte mit diesem Namen einfach wieder back to the roots, zu den Anfängen, normale Wirtschaft machen.

  127. 18:57
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  128. 18:57
    Franz Keller

    Ja, und die gibt es jetzt auch schon 23 Jahre.

  129. 19:00
    Ronald M. Arndt

    Sehr schön. Eine wahre Erfolgsgeschichte. Wie sah es da zwischenzeitlich mit dem Vater aus, als Sie zurückgekommen sind in die Heimat?

  130. 19:09
    Franz Keller

    Ja, wir haben nach vielen, vielen Jahren haben wir wieder Frieden geschlossen. Da wollte er sogar, dass ich nach Hause komme, aber das hat dann nicht so geklappt. Und ja, ich wollte auch meine Selbstständigkeit nicht aufgeben. Und mein Bruder hat den alten Herrn ja Jahrzehnte ausgehalten.

  131. 19:28
    Ronald M. Arndt

    Okay, und der ist daheim geblieben. Aber habe ich richtig verstanden, der hat ja dann, sage ich mal, Koch hat der ja nicht gelernt.

  132. 19:34
    Franz Keller

    Nee, der hat Wein studiert, Weinbau studiert.

  133. 19:37
    Ronald M. Arndt

    Das war bei ihm auch eine Eigenentscheidung, oder? Auch Vaters.

  134. 19:41
    Franz Keller

    Ich glaube, das war auch patriarchisch vorbestimmt und fertig. Aber es hat ihm ja auch Spaß gemacht. Aber Fußball macht ihm halt noch mehr Spaß scheinbar.

  135. 19:54
    Ronald M. Arndt

    Daher kennt man den Bruder aus dem Fußballbusiness.

  136. 19:58
    Franz Keller

    Von Freiburg her halt.

  137. 19:59
    Ronald M. Arndt

    Freiburg, Präsident lange, lange Zeit gewesen.

  138. 20:03
    Franz Keller

    Genau.

  139. 20:04
    Ronald M. Arndt

    Vom SC Freiburg. Und seit letztem Jahr in einer neuen Funktion tätig.

  140. 20:08
    Franz Keller

    Ja, in diesem Spezialladen da in Frankfurt.

  141. 20:14
    Ronald M. Arndt

    Frankfurter Spezialladen, auch Deutscher Fußballbund, DFB genannt.

  142. 20:19
    Franz Keller

    Genau.

  143. 20:19
    Ronald M. Arndt

    Ja, da hat er jetzt ja gerade auch einige Herausforderungen. Die Fußballwelt hat sich dann doch auch durch Corona stark gewandelt. Europameisterschaft verschoben. Schauen wir mal. Aber macht ihr noch was mit Wein?

  144. 20:37
    Franz Keller

    Ja, hauptsächlich macht das aber sein Sohn, der Friedrich, der Älteste. Der hat ja auch 3 Söhne. Und der Zweite ist Betriebswirtschaftler und der Dritte, der Kleine, der hat jetzt Koch gelernt bei einem sehr guten Chef und ist jetzt gerade in Frankreich unterwegs. Funktioniert alles bestens. Und diesmal nicht vorbestimmt, sondern sagen wir mal, ja, gefragt, ob sie es machen würden.

  145. 21:09
    Ronald M. Arndt

    Da hat man draus gelernt. Das ist auch schön.

  146. 21:12
    Franz Keller

    Natürlich.

  147. 21:15
    Ronald M. Arndt

    Okay, na ja, es blieb da nicht bei der Adlerwirtschaft, sondern Sie haben Ihre, sage ich mal, Ihre Aktivitäten auch weiter ausgedehnt.

  148. 21:23
    Franz Keller

    Ja, mein Sohn macht die Adlerwirtschaft jetzt ja schon seit Jahren, habe ich gedacht, ich lass den lieber gleich alleine arbeiten, bevor wir Krach kriegen und der haut mir auch ab, so wie ich dem Alten abgehauen bin. Und das hat super funktioniert und deshalb mache ich auch den Falkenhof für mich und mach da aber ein bisschen Gastronomie, weil sich alleine immer nur mit Schweinen und mit Rindern und mit Kaninchen unterhalten, bringt auf die Dauer auch nichts.

  149. 21:49
    Ronald M. Arndt

    Man möchte es ja mal auf dem Teller haben. Genau.

  150. 21:53
    Franz Keller

    Und da kann man nicht so gut diskutieren.

  151. 21:58
    Ronald M. Arndt

    Ja, ich habe irgendwo gelesen, Abkehr von der Sternegastronomie, die erfolgte ja schon viel früher. Das war die generelle Haltung.

  152. 22:05
    Franz Keller

    Vor 23 Jahren, damals hatte ich die Adlerwirtschaft.

  153. 22:07
    Ronald M. Arndt

    Mit der Adlerwirtschaft, genau. Und das Thema Viehzucht, ich meine, was ja dann auch auf dem Falkenhof jetzt ja wirklich dann muss ich ja ausüben, sage ich mal. Das hat Sie ja auch immer schon interessiert.

  154. 22:23
    Franz Keller

    Also ja klar, wir waren zwar, wir hatten zwar keine Viehwirtschaft, mein Vater war ja Viehhändler am Anfang, aber es gab bei uns im Dorf noch so 3, 4 Bauern, also so Mischbauern, die hatten entweder Pferde oder Ochsen, die haben ihre Schweine aufgezüchtet, die haben Rinder gehabt für die Milch. Gab ein Rind, eine Milchzentrale. Also es war so eine kleine, gesunde, bäuerliche, normale Landwirtschaft, nicht diese Industrielandwirtschaft, die wir heute leider hauptsächlich haben. Und deshalb hatte ich da schon ganz klare Visionen, was ich will. Und früher war es auch mit den Tieren nicht viel besser. Also man sagt zwar immer, früher war alles besser, das war aber auch nicht so, weil diese Achtung vor den Tieren gab es damals auch schon relativ wenig. Das waren halt Nutztiere, Schlachttiere und fertig.

  155. 23:21
    Ronald M. Arndt

    Also die Haltungsform war früher auch nicht besser?

  156. 23:23
    Franz Keller

    Ja, zum Teil.

  157. 23:24
    Ronald M. Arndt

    Was vielleicht zugenommen hat, ist einfach die Anzahl.

  158. 23:27
    Franz Keller

    Die Massenhaltung, ja. Und früher hat man, also wenn ich dran denke, wie wir unsere Schweine, von jeder Wirtschaft hatte auch die eigenen Schweine, das Heute würde man Recycling dazu sagen. Damals wurde einfach alles verwertet und wir haben auch extra Kartoffeln gepflanzt für die Schweine und, und, und.

  159. 23:46
    Ronald M. Arndt

    Und das ist heute gar nicht mehr erlaubt, oder?

  160. 23:48
    Franz Keller

    Abfälle ist nicht erlaubt, aber mir ist das egal. Ich sage immer, was ich meinen Gästen gebe, kann ich auch meinen Schweinen geben. Das ist so ein Schwachsinn, der halt wegen dieser ganzen Angst vor der Schweinepest halt ist, ne. Aber hat eigentlich mit diesem, mit der Ressourcenaufbrauchung, zum Beispiel die Bäckereien, die wahnsinnig viel Brot heute wegschmeißen, das wurde früher alles verwertet. Und heute hat man Angst vor der Schweinepest. Also ehrlich gesagt, kommt ein LKW-Fahrer aus Ungarn, der bringt seine Salami weg mit und schmeißt sie aus dem Fenster, und Wildschwein frisst das und hat dann die Schweinepest. Davor hat man Angst und deshalb hat man verboten, das Zeug zu verfüttern. Aber bei mir ist es ja ein geschlossener Kreislauf. Also bei mir kommt kein Gast und bringt seine Salami mit und so. Wir machen das zum Teil, aber wir machen es halt nicht mit Fleisch. Wir machen es mit Gemüse, wir machen es mit Brotabfällen und wir machen es mit Salatabfällen und so, ne. Das kriegen die auf jeden Fall. Weil warum soll man das wegschmeißen?

  161. 24:58
    Ronald M. Arndt

    Das ist einfach richtig gut. Was für Tiere findet man jetzt auf dem Falkenhof heutzutage?

  162. 25:04
    Franz Keller

    Also wir züchten einmal Kaninchen. Da kam mein Sohn mal auf die Idee vor Jahren, weil Kaninchen geht ja relativ schnell.

  163. 25:12
    Ronald M. Arndt

    Schnell in Zubereitung oder im Entstehen?

  164. 25:15
    Franz Keller

    Im Entstehen und in der Zubereitung. Die brauchen nur ein paar Wochen, gell? Deshalb nennt man die ja auch Rammler. Und er hat mal vor 3 Jahren, hat er einen Rammler und 2 Häschen gekauft im Juni. Und ich glaube, Ende Januar danach haben wir schon 30 Stück geschlachtet. Also das ist natürlich günstig, weil es schnell geht, und es ist auch ein sehr mageres Fleisch.

  165. 25:39
    Ronald M. Arndt

    Und wer jetzt mageres Fleisch essen will, findet man auch nicht so oft auf der Karte.

  166. 25:43
    Franz Keller

    Also ja, in Deutschland nicht, komischerweise. Die Die Deutschen denken immer noch, Kaninchen werden nur zum Kuscheln oder so. Aber es gab schon mal eine Zeit, in der Kaninchenfleisch, Stallhase, sehr, sehr verbreitet war. Das war in den, in den, in der, bei der Industrialisierung und auch bei den Bauern und so. Die haben auch, werden, und gab ja auch, also sagen wir mal, der Kleinbauer hatte Ziegen und Schafe, der Großbauer hatte Schweine, und der einfache Arbeiter aus der Arbeiterklasse, der hat einen Schrebergarten, und da waren noch 4, 5 Kanickel. Zum Teil war das Hobby wegen der Zucht, wo sie Shows gemacht haben, aber die haben die auch gegessen. Und aus dem Gedanken heraus ist das gekommen. Und heute isst man ja so furchtbares Putenfleisch, also was ich wirklich keinem empfehlen kann, es sei denn, es ist die bio aufgezogene Silberpute. Aber das Zeug, was heute für die Muckis, ein Tier, das so schwer wird, bis zu 30 Kilo, dass es am Schluss nicht mehr laufen kann, das ist einfach pervers. Und das essen die Leute, weil es mager ist. Aber Antibiotika brauchen die hinterher dann auch nicht mehr, das ist dann schon drin.

  167. 26:58
    Ronald M. Arndt

    Das ist dann schon drin, das ist richtig.

  168. 27:00
    Franz Keller

    Ihr Schlachtalter überhaupt erreichen.

  169. 27:03
    Ronald M. Arndt

    Also kein großer Fan von Tönnies und Co., ne?

  170. 27:05
    Franz Keller

    Garantiert nicht.

  171. 27:06
    Ronald M. Arndt

    Garantiert nicht.

  172. 27:08
    Franz Keller

    Ja, und Wiesenhof und wie die ganzen Dinger da heißen. Ja, dann lieber Gemüse, bevor man so einen Dreck zu sich nimmt.

  173. 27:22
    Ronald M. Arndt

    Was habt ihr noch? Kaninchen haben wir gerade aufgezählt.

  174. 27:24
    Franz Keller

    Kaninchen, dann habe ich Schweine, bunte Bentheimer Freilandschweine. Aus der Grafschaft Bentheim. Das ist auch noch eine alte Rasse, ähnlich wie die Schwäbisch-Hällische, die auch noch alle Borsten hat, also nicht so gezüchtet wurde, dass es ein bisschen schneller geschlachtet werden kann. Und dann hatte ich ursprünglich Charolais-Rinder, aber jetzt habe ich Limousin, also diese französische Fleischrasse. Charolais habe ich aufgehört, weil das sind sehr große großstämmige Rinder, und die muss man einfach mästen, um die rund zu kriegen. Aber ich bin kein Freund von Mästen, sondern ich möchte die normal groß und aufziehen und mindestens zweieinhalb bis 3 Jahre und dann schlachten. Heute wird ein Rind mit 20, 22 Monaten geschlachtet. Das ist weder reif noch sonst was. Und meistens halt auch hochgemästet, ne. Machst und so. Für mich braucht das Fleisch auch eine gewisse Reife, und zwar nicht nur beim Abhängen, sondern vorher auch beim Entstehen. Man schlachtet ja auch nur die Schweine schon mit 5,5 Monaten, weil sie dann ausgewachsen sind und eigentlich ab dem Alter dann erst anfangen, fett zu werden. Und es existiert ja so eine komische Mär in Deutschland, dass Rindfleisch fett sein muss und Schweinefleisch mager.

  175. 28:49
    Ronald M. Arndt

    Haben Sie da irgendwie eine Hoffnung, also dass sich das gesellschaftlich positiv entwickelt?

  176. 28:55
    Franz Keller

    Das lässt sich schwer ändern, weil die Leute einfach keine Ahnung haben und das auch nicht wissen wollen. Es herrscht ja schon bei uns eine gewisse Angst vor Fett, die uns aber auch diktiert wird aus Amerika. Low Fat und der ganze Kram. Kram. Und dabei weiß man ganz genau, Fett kann eigentlich so schlecht nicht sein, weil unser Hirn besteht ja größtenteils auch daraus. Und Leute haben Angst vorm Fett, weil das angeblich krank macht. Aber es ist wie mit allem: Zu viel und nicht richtig verarbeitet und verwertet, also im Körper verbraucht, auch wenn die Energie zugeführt wird, wenn Essen zugeführt wird in Form von einer brauchbaren Energie, dann muss sie halt auch genutzt werden über Sport, über körperliche Arbeit und, und, und. Und heute gibt es Leute, die machen extrem Sport und essen trotzdem kein Fett und sehen manchmal aus, ich würde jetzt mal vorsichtig sagen, nicht gut, weil sie gar nicht begriffen haben, wie man sich richtig ernährt.

  177. 30:00
    Ronald M. Arndt

    Aber haben Sie Hoffnung? Gibt es irgendwelche gesellschaftlichen Trends, wo Sie sagen, wir arbeiten, gefallen mir, und arbeiten dran? Der Scholz, ich meine, Sie sind natürlich ein Botschafter dessen.

  178. 30:11
    Franz Keller

    Ja, aber das sind aber kein Verschwinden kleiner Prozente. Und halt auch gerade nicht nur die Edelteile gerade immer zu verarbeiten, oder deshalb bleibe ich in der Nische und mache das, was mir gefällt, und versuche, das den Leuten beizubringen.

  179. 30:25
    Ronald M. Arndt

    Aber wächst da das Interesse, oder auch, ich sag mal, auch in meiner Generation Ich bin jetzt knapp 35.

  180. 30:30
    Franz Keller

    Also ich glaube, das Interesse wächst sehr, aber es hat mehr mit dem Tierwohl zu tun wie mit dem Fett, weil die Menschen können langsam begreifen, dass wenn man Tiere quält oder nicht artgerecht hält oder nicht richtig ernährt, dass das gar nicht schmecken kann. Und es hat auch etwas mit dem Gewissen zu tun.

  181. 30:54
    Ronald M. Arndt

    Die Leute kennen den Unterschied doch gar nicht, oder von dem Preis her.

  182. 30:56
    Franz Keller

    Nein, die kennen den Unterschied nicht, aber sie kennen die Preise. Die kennen diese einfach viel zu billigen Schweinepreise und Wurstpreise, die nur so entstehen können überhaupt, weil es eben diese Mengen und Massen gibt. Und da gibt es aber jetzt doch einige, die langsam ein bisschen nachdenken, weil erstens macht uns das alles krank, Nicht nur wegen Fett, sondern auch einfach zu viel tierisches Eiweiß. Man muss ja da die Butter, man muss die Sahne, man muss den Käse, alles dazu zählen. Das ist einfach eine falsche Ernährung, wegen oder weil es so preiswert und billig zur Verfügung steht. Und das muss sich ändern, weil sonst gibt es auch ein gesellschaftliches Problem. Früher hatten nur die Adligen und der Herr Fabrikdirektor Zipperlein und dann die ganzen Gicht und alles, weil sie zu viel Fleisch gegessen haben und zu wenig Gemüse. Heute hat jeder Depp das Zipperlein, weil er sich falsch ernährt. Und warum ernährt er sich falsch? Weil ein Schnitzel in die Pfanne hauen oder auf den Grill oder so was oder ein Stück Wurst aufs Brot ist einfacher wie kochen oder sich ein Gemüse zuzubereiten. Und wenn das auch noch so billig ist, dann geht es natürlich noch mehr.

  183. 32:20
    Ronald M. Arndt

    Also da liegt noch eine Menge Arbeit vor der Menschheit.

  184. 32:22
    Franz Keller

    Arbeiten wir dran, ja, und hoffen, dass wir es vielleicht auch über die Kinder, über Kindergärten und Schulen rüberbringen.

  185. 32:29
    Ronald M. Arndt

    Ja, ich glaube, da ist immer noch ein großer Hebel, gell?

  186. 32:31
    Franz Keller

    Ja, ja.

  187. 32:32
    Ronald M. Arndt

    Haben Sie dann aktives Projekt, oder?

  188. 32:35
    Franz Keller

    Ja, mehrere. Also einmal in Schulen mit der IHK, was wir machen.

  189. 32:40
    Ronald M. Arndt

    Also mit Ihrer örtlichen IHK?

  190. 32:42
    Franz Keller

    Nee, in München, von meiner Frau.

  191. 32:43
    Ronald M. Arndt

    München, okay.

  192. 32:45
    Franz Keller

    Und IHK Akademie nennt sich das Ding. Und dann aber auch wollen wir mit Schulen, mit Kollegen, in Kindergärten auch was anfangen. Das gibt es ja schon in Baden-Württemberg auch mit so einem Wohnen, mit so einem kleinen umgebauten Foodtruck, aber es gibt ganz viele Schulen, die wollen da noch nicht mal mitmachen, weil sie alle sagen, sie haben keine Lehrer oder schwierig. Aber was bei den Alten in 2, 3 Generationen verloren ging, lässt sich nur schwer wieder aufarbeiten. Oder kann man eben versuchen über die Kinder, über normale oder eine gute Ernährung. Aber wir sind ja auch so furchtbar idiotisch mit Gesetzgebung in Altersheimen, in Kliniken, in Kindergärten wird so schlechtes Zeug oft verabreicht, nur einfach, weil es aus hygienischen Gründen nicht dort gemacht werden kann. Und ich habe mal auch für so ein Altenheim eine Studie gemacht. Da gibt es wirklich viele Menschen, die würden gerne noch was arbeiten, aber die werden dann stillgestellt, Nach Möglichkeit auch noch mit irgendwelchen Tabletten und vegetieren vor sich hin. Und die wären froh, wenn sie vielleicht in so einem Laden mithelfen könnten, das Essen zuzubereiten. Aber das ist ja alles wegrationalisiert worden. Heute wird das Essen manchmal über Hunderte von Kilometern mit LKWs angefahren und in der Klinik vorgewärmt oder heiß, ne? Regeneriert? Nein, man das sogar. Und das muss man sich vorstellen, in Kliniken bis zu 10 verschiedene Diäten, Frühstück, Mittagessen und das sogenannte Abendbrot, bezahlt die Versicherung der Klinik 3,90€ inklusive Mehrwertsteuer. Ich glaube, das ist jetzt auf 4€ gegangen.

  193. 34:40
    Ronald M. Arndt

    Dann wird es bei der Schule auch nicht höher sein, wahrscheinlich.

  194. 34:43
    Franz Keller

    Das ist, und das ist das Schreckliche, weil weil es nichts wert ist. Und dann muss man sich das vorstellen, die ganze Logistik, die ganze Verpackung, die Marge, die muss ja auch noch drinstecken. Da kannst du dir vorstellen, deshalb sage ich ja auch, dass die Leute, die sich nicht selber kochen, einfach dumm sind. Weil wenn die in so einen Fast-Food-Laden, McDo oder wie die Dinger heißen, gehen und geben 18 Euro aus für so eine Riesenkolonne Coca-Cola und so ein Big Mac Scheiße und so. Da haben sie keinen Warenwert. Da haben sie einen Warenwert im Gegenwert von vielleicht 3 Euro. Der Rest ist Luft. Von der Mehrwertsteuer über die Marge, über Marketing mit allem Drum und Dran. Da ist nichts da an einem guten Produkt. Aber ich sage immer, die armen Milchkühe, die nur 4-mal gebären, weil sie dann schon fertig sind, weil sie am Tag 45 Liter Milch geben müssen. Die müssen ja auch irgendwo verarbeitet werden. Das sind diese furchtbar knochigen Rinder mit Rieseneutern und wo kaum was dran ist. Die kann dann meinetwegen McDonald's verarbeiten und noch ein bisschen Fett dazu untergemischt von den Leuten, die kein Fett essen wollen.

  195. 35:57
    Ronald M. Arndt

    Ich finde es wunderschön, dass Sie einfach die Überzeugung, die Haltung und die ganzen Erkenntnisse wie Sie auch vorher sagten, direkt an die Kinder.

  196. 36:05
    Franz Keller

    Natürlich, wir wollen wirklich jetzt mit Schulen Programme machen.

  197. 36:08
    Ronald M. Arndt

    Wenn man da jetzt auch einfach noch richtig Gas geben kann, ein ganz neues Projekt einfach auch.

  198. 36:14
    Franz Keller

    Wir sind dabei, auch Kollegen zu motivieren, dass sie das vielleicht einmal im Monat einen Tag dafür opfern. Wir sind am Überlegen, ob wir ein festes Programm machen. Ich sage jetzt mal, was ich immer gemacht habe für Kinder, ist Fischstäbchen, weil es gibt kaum Kinder, die keine Fischstäbchen kennen. Und das dann mal zeigen, dass man das auch durchaus selber machen kann. Und darüber, und Kinder kann man am besten begeistern und lernen lassen mit Freude. Und ja, vielleicht können Sie es dann mal den Alten zeigen, die es noch nicht mehr können zu Hause.

  199. 36:49
    Ronald M. Arndt

    Ja, das ist so, auf jeden Fall.

  200. 36:52
    Franz Keller

    Gib mir noch einen Schluck, war sehr Mit dem Wein warte ich noch ein bisschen. Jetzt noch mal ein böses Gewitter, oder? Sieht so aus, ne?

  201. 37:01
    Ronald M. Arndt

    Guck mal, ich freue mich sehr, jetzt Sie, Franz Keller, da schon so gut in Anführungszeichen kennengelernt zu haben, von der Kindheit, von der Geburt an, ja, das war bis hin jetzt den Bogen gespannt zu haben.

  202. 37:18
    Franz Keller

    Ich hatte gar keine Wahl, ich wollte das. Ich bin da drin aufgewachsen. Ich bin in einer Wirtschaftsküche groß geworden. Also meine Eltern, meine Großmutter, die hatten kein Wohnzimmer oder so. Da hat jeder sein Schlafzimmer gehabt und das Leben hat in der Kneipe stattgefunden. Meistens in der Küche, weil draußen die Gäste waren. Gab es auch den sogenannten Küchenwirt.

  203. 37:40
    Ronald M. Arndt

    Was aber auch schön ist, immer neue Leute kennenzulernen. Nicht immer.

  204. 37:44
    Franz Keller

    Vor allen Dingen, wenn es Zeugen es gab von der verscheitelten Mannschaft, dann war es nicht so nett. Aber meistens schon.

  205. 37:52
    Ronald M. Arndt

    Da fällt mir gerade ein, als bei mir der blaue Brief kam von der Schule, dass ich das Jahr zu wiederholen habe. Das war auch Samstagmorgen, 9:30 Uhr, ganze Familie in der Küche. Und dann klopft, glaube ich, noch die Briefträgerin am Fenster, weil sie uns drin gesehen hat in der Küche. Hier, habt die Briefe für euch. Das war gerade so meins. Mein Rückblick aufs Leben in der Küche. Aber ansonsten, mein Opa, der mich aufgezogen hat eigentlich, die ganze Woche über für mich da war, der saß wirklich auch. Ja, für den hat sich das Leben in der Küche abgespielt.

  206. 38:25
    Franz Keller

    Ja, das ist ja auch der wichtigste Raum. Also man meint immer, dass der wichtigste Raum in der Familie das Schlafzimmer wäre. Stimmt überhaupt nicht. Vielleicht anfangs, aber später ist das mehr und mehr in der Küche dann.

  207. 38:39
    Ronald M. Arndt

    Hat mich sehr, sehr gefreut, Sie kennenzulernen auf die Art und Weise. Und ja, bis bald, und ich komme auf jeden Fall vorbei in die Eure Gegend.