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Germany · Episode #3 · 04.08.2021 · 42 Min

Mein rechter, rechter Platz ist leer

Ulrich SchwerAlthoff Hotel am Schlossgarten
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Aufgenommen: Althoff Hotel am Schlossgarten, Stuttgart

Standbild aus der Episode mit Ulrich Schwer Germany42 Min

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„Ich habe immer gesagt, ich stelle jeden ein, der mit Leidenschaft dabei ist. Perfekten Service beibringen, das kann ich. Aber die Leidenschaft muss dabei sein.“

Ulrich Schwer, 29:04

Ulrich Schwer, geschäftsführender Direktor des Althoff Hotel am Schlossgarten in Stuttgart, erzählt Ronald M. Arndt, wie er sein BWL-Studium nach zwei Semestern abbrach und über McDonald’s und Disney World in Florida zur Hotellerie fand. Von der Ausbildung im Adlon ging es ins Savoy nach London, auf Saint-Martin, ins Plaza nach New York und nach Arizona, bevor er kommissarisch nach Stuttgart kam und acht Jahre blieb. Außerdem: warum sich die deutsche Luxushotellerie bei den Preisen unter Wert verkauft und warum Schwer noch Ausbildungsplätze zu vergeben hat.

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Kernaussagen

  1. Studium abgebrochen: Nach zwei Semestern BWL in Würzburg brach Schwer das Studium ab, weil es ihm zu theoretisch war. Entschieden hat er sich für die Hotellerie während seiner Zeit in Florida, nach Jobs bei McDonald's und bei Disney World im Epcot Center.
  2. Raten zu niedrig: Deutschland habe die tollsten 5-Sterne-Hotels, rufe aber kaum hohe Raten auf. Schwer sagt, ohne höhere Preise lasse sich der Serviceaufwand der Luxushotellerie und adäquate Löhne nicht finanzieren.
  3. Zirbelstube ohne Team: Nach Monaten Kurzarbeit verließen Kollegen die Branche, auch viele aus dem Team der Zirbelstube. Das Restaurantteam musste neu rekrutiert werden, und Schwer wollte damit warten, bis Schließungen ausgeschlossen waren.
  4. Direktoren bleiben lange: Bei Althoff sind die Direktoren auch Geschäftsführer ihrer Häuser, und Herr Althoff will, dass sie so lange wie möglich im Haus bleiben. Schwer war nach acht Jahren unter den 5-Sterne-Häusern der Direktor mit der kürzesten Zeit.
  5. Jeder mit Leidenschaft: Im Haus waren Ausbildungsstellen als Koch, Hotelfachmann und Restaurantfachmann offen. Schwer stellt jeden ein, der Leidenschaft mitbringt, perfekten Service bringt er selbst bei.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Der geschäftsführende Direktor des Althoff Hotel Am Schlossgarten in Stuttgart hält ein leidenschaftliches Plädoyer für seine Zunft, der gehobenen Hotellerie.

Dabei lässt Ulrich Schwer keinen Zweifel daran, dass er auch heute wieder sein BWL-Studium abbrechen würde um kurz darauf im Walt Disney World Resort in Florida anzuheuern. Amerikanische Unternehmen haben es ihm sowieso angetan und selbst McDonalds fasziniert ihn.

Aber was bedeutet es nun, den Namen „Althoff“ am Revers zu tragen und wie kam er nach Stationen im Hotel Adlon in Berlin, Savoy in London oder dem The Plaza in New York in das traditionsreiche 5-Sterne-Haus nach Stuttgart, welches er nun bereits seit über acht Jahren führt?

Bei einem ausgesprochen guten Glas Wein aus Baden vom Weingut Schloss Ortenberg, ist die Rede von großen Namen wie den legendären Hoteldirektoren Gianni van Daalen und Frank Marrenbach, aber auch Hollywood-Schauspieler Leonardo DiCaprio, dem früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder dem Sternekoch Karlheinz Hauser.

Der Zwillingsvater nimmt uns mit in seinen Arbeitsalltag im Hotel und den seiner Kollegen. Dabei gleicht kein Tag dem anderen. Sein größter Wunsch: dass es ihm bald wieder mehr junge Menschen gleichtun. Ein paar Plätze hätte er noch frei.

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Transkript

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Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:06
    Ronald M. Arndt

    Herzlich willkommen, Ulrich Schwer, geschäftsführender Direktor des Althoff Hotels am Schlossgarten in Stuttgart.

  2. 00:14
    Ulrich Schwer

    Ja, vielen Dank, Herr Arndt. Ich freue mich, dass ich hier sein darf.

  3. 00:16
    Ronald M. Arndt

    Danke, dass ich bei Ihnen sein darf. Aber Herr Schwer, warum Stuttgart?

  4. 00:22
    Ulrich Schwer

    Das ist ein bisschen dem Zufall geschuldet. Ja, Sie hören es ja, es ist wirklich ein bisschen dem Zufall geschuldet. Es ist so, dass ich nach vielen Jahren im Ausland zu den Althoff Hotels gekommen bin und ursprünglich erst im Seehotel Überfahrt angefangen habe und hier in Stuttgart sehr kurzfristig die Stelle des Direktors neu besetzt werden musste oder sollte und man mich gefragt hat, ob ich das gerne machen würde. Und ich muss gestehen, ich war, bevor ich hier nach Stuttgart gezogen bin, einmal bei privat in Stuttgart und hatte, das werde ich nie vergessen, ich hatte immer dieses, diesen Blick von der, von der Weinsteige, wenn man in die Stadt runterfährt, den habe ich nie vergessen. Da war ich damals, das war zu meiner Ausbildungszeit noch, als ich in Stuttgart war, und bin mit dem Auto hier runtergefahren. Wir sind abends im Perkins Park feiern gewesen, das weiß ich auch noch.

  5. 01:20
    Ronald M. Arndt

    Bei mir um die Ecke.

  6. 01:21
    Ulrich Schwer

    Unglaublich. Aber, aber dieser Blick in den Kessel, der hat mich damals schon beeindruckt. Und als es dann hieß, Mensch, Herr Schwer, Stuttgart, Sie das kommissarisch jetzt erstmal für ein paar Monate machen? Habe ich natürlich gar nicht gezögert und gesagt, gerne, mache ich, ist eine tolle Herausforderung. Ja, und aus dem kommissarischen kurzen 2, 3, 4 Monate sind jetzt 8 Jahre geworden.

  7. 01:45
    Ronald M. Arndt

    Also 8 Jahre schon im Kessel.

  8. 01:47
    Ulrich Schwer

    Genau so ist es.

  9. 01:48
    Ronald M. Arndt

    Weinsteige runter, im Kessel 8 Jahre. Ja, was trinken wir heute, Schwer? Die Gläser können ja nicht leer bleiben.

  10. 01:54
    Ulrich Schwer

    Ja, nee, also ich würde vorschlagen, Obwohl wir ja im Württembergischen sind, habe ich was Schönes aus Baden.

  11. 02:02
    Ronald M. Arndt

    Alles klar.

  12. 02:02
    Ulrich Schwer

    Ich habe nämlich einen sehr schönen Sauvignon Blanc Sauvignon Gris. Es ist ein Cuvée 2019er, und zwar vom Weingut Schloss Ortenberg. Warum Weingut Schloss Ortenberg? Ja, ganz interessant. Seit dem 1. Mai diesen Jahres gehört nämlich das Weingut Schloss Ortenberg zu den Althoff Hotels. Das ist das erste Unternehmen, was ja so ein bisschen eine Diversifikation, die wir dann haben im Unternehmen. Das heißt, ein eigenes Weingut.

  13. 02:32
    Ronald M. Arndt

    Seit diesem Jahr erst?

  14. 02:33
    Ulrich Schwer

    Seit diesem Jahr, also jetzt just 2 Monate. Und Herr Althoff hat dieses Weingut jetzt für die nächsten 30 Jahre gepachtet. Und wir haben natürlich schon ganz fantastische Qualitätsweine vorgefunden, wollen aber jetzt einfach weiterhin das noch ausbauen. Ja, und einfach es nutzen. Ich meine, diese Synergie Weingut, Hotellerie, gehobene Gastronomie, das passt perfekt. Und da habe ich heute, wie gesagt, ein Sauvignon Blanc und Sauvignon Gris aus dem Jahre 2019. Das ist ein sehr, ein sehr frischer, interessanter Wein. Er ist geschmacklich, geht in die Richtung Stachelbeere, Maracuja, Kräuternoten. Und es ist einfach für einen Sommertag wie heute perfekt. Also ich darf mal einschenken?

  15. 03:16
    Ronald M. Arndt

    Ja, sehr gern. Freue mich.

  16. 03:17
    Ulrich Schwer

    Habe ich auch mal gelernt. Und deswegen beginne ich jetzt mal. Ich hoffe, ich verkleckere mich nicht.

  17. 03:22
    Ronald M. Arndt

    Sie sind ja in der Tat gelernter Hotelfachmann. Ja, also genau, da gehört ja auch das hier zur Ausbildung.

  18. 03:29
    Ulrich Schwer

    Genauso ist es. Okay, genauso ist es. Und dann würde ich sagen, stoßen wir doch mal an. Et voilà. So schön, dass Sie da sind.

  19. 03:39
    Ronald M. Arndt

    Ja, vielen Dank, Herr Schwer.

  20. 03:39
    Ulrich Schwer

    Danke.

  21. 03:47
    Ronald M. Arndt

    Sehr lecker. Heute Mittag durfte ich schon Ihre Bouillabaisse auf der Terrasse hier vom Hotel am Schlossgarten genießen. Schön. Jetzt geht es hier weiter mit dem guten Tropfen hier.

  22. 03:57
    Ulrich Schwer

    Perfekt.

  23. 03:59
    Ronald M. Arndt

    Also bei mir war es so, eigentlich schon als Kind, mit 10 oder so, bin ich, wenn ich irgendwo an einem schönen Hotel vorbeigelaufen bin mit meinen Eltern im Urlaub, zumeist immer schnurstracks rein und Ja, hätte am liebsten direkt den Direktor kennengelernt und gesprochen und nach der Arbeit gefragt und so weiter. Ja, das war so, von was ich als Kind geträumt habe, und dann natürlich später auch ein solcher zu werden, Hoteldirektor. Aber sehr schwer. Von was haben Sie denn früher geträumt?

  24. 04:30
    Ulrich Schwer

    Also nicht von der Hotellerie, nee, das kam erst sehr, sehr spät. Ich glaube, als Kind Ja klar, die klassischen Wünsche: Feuerwehrmann oder Bankdirektor. Ja, Geld war immer toll. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, Hotellerie war—

  25. 04:48
    Ronald M. Arndt

    Also ob heute noch viele Kinder vom Bankdirektor träumen, weiß ich nicht.

  26. 04:53
    Ulrich Schwer

    Wahrscheinlich eher vom Influencer sein oder vom Bitcoin-Mogul. Ja, nein, ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe Ganz ehrlich, ich habe mich lange schwergetan zu wissen, in welche Richtung ich gehen möchte. Ich habe aber eines immer gerne gemacht, und das ist einfach sehr gerne gearbeitet. Und ich habe im Jahre 1994, da bin ich 18 geworden, die Möglichkeit ergriffen und habe neben der Schule, neben dem Abitur bei McDonald's angefangen zu arbeiten. Ich komme aus einer kleinen Stadt in Niedersachsen, Einbeck, und da hat damals ein McDonald's aufgemacht. Und das in den 90ern war noch ein Highlight. Heutzutage ist McDonald's ja überall und damals war es noch ein wahres Highlight. Und ich habe dort angefangen. Und was ich sehr, sehr, sehr früh zu schätzen gelernt habe, ist der Service und die Standardisierung. Bei McDonald's ist es ja von Alpha bis Omega alles standardisiert. Und das habe ich sehr, sehr zu schätzen gewusst. Diesen Qualitätsanspruch, die regelmäßigen Qualitätskontrollen. Und das hat mich so ein bisschen, also da habe ich gemerkt, das bewegt was bei mir. Und nach der Schule ganz klassisch dann erst mal zur Bundeswehr und überlegt, gut, studierst du mal. Und habe dann ein BWL-Studium in Würzburg begonnen, aber festgestellt, dass das einfach viel zu theoretisch für mich ist. Das musste ich mir eingestehen nach 2 Semestern. Das bin ich nicht. Habe mir aber auch gesagt, na ja, Lieber früh, lieber früher als später. Habe das Studium dann beendet und habe dann noch mal eine Weile kurz bei McDonald's gearbeitet, weil ich mich vorbereitet habe auf einen, ja, einen Sprung ins Ausland. Für mich war dann damals die Zeit gegeben, ich gehe ins Ausland. Ich wollte einfach mal raus und bin nach Florida gezogen und habe für Disney World gearbeitet und habe in Florida im Epcot Center im deutschen Pavillon gearbeitet. Das war also nach McDonald's der zweite große amerikanische Konzern, der auch sehr viel Gästeservice, sehr viel Qualität, sehr viel dieses Attention to Detail perfektioniert hat. Und ich glaube, in dieser Zeit ist in mir der Wunsch gereift, dass das ist genau das, was ich machen möchte, und habe mich dann in diesem Jahr in Florida entschieden, okay, ich mache jetzt eine Ausbildung zum ganz klassischen Hotelfachmann. Und dann schaue ich, wo die Reise hingeht. Ich war immer sehr USA-affin, immer sehr auslandsaffin generell, und dachte mir, na ja gut, welcher Beruf bietet dir denn die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten, wenn nicht die Hotellerie? Und habe dann die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, habe dann die klassische Ausbildung gemacht.

  27. 07:37
    Ronald M. Arndt

    Die Ausbildung war dann in Berlin?

  28. 07:39
    Ulrich Schwer

    Die war in Berlin, richtig, richtig, im Hotel Adlon. Das war vom Jahre 2000 bis 2003. Hatte ja sozusagen die Anfangsjahre des Adlons noch miterlebt. Es hat ja gerade mal erst '97 wiedereröffnet. Genau. Und kam natürlich in eine ganz andere Welt. Ja, Gianni van Dalen, der große Hoteldirektor, war damals der Hoteldirektor im Adlon. Und ich habe in diesen Jahren unglaublich viel gesehen, erlebt. Dinge, an die ich heute noch gern zurückdenke. Ich hatte das große Glück, auch ein halbes Jahr im Lorenz Adler, im Gourmetrestaurant, als Auszubildender arbeiten zu dürfen und habe vom damaligen Restaurantleiter, der hieß Jens Ast, so viel gelernt. Da denke ich heute noch dran zurück. Sei es jetzt Crêpes Suzette am Tisch zu machen und Käsewagen aufzubauen. Karl-Heinz Hauser war damals der Küchendirektor.

  29. 08:40
    Ronald M. Arndt

    Großer Name.

  30. 08:41
    Ulrich Schwer

    Großer Name. Den hatte ich übrigens vor nicht allzu langer Zeit auf der Intergasta hier wieder getroffen und haben uns gut ausgetauscht. Also wirklich schön zu sehen. Auch toll, unsere Branche, wie man— es ist eine kleine Branche.

  31. 08:53
    Ronald M. Arndt

    Ja, ich denke mal, wir haben jetzt vielleicht jüngere Zuschauer, Zuhörer hier, wie es so in jungen Jahren auch schon richtig spannend werden kann.

  32. 09:02
    Ulrich Schwer

    Genauso ist es.

  33. 09:02
    Ronald M. Arndt

    Also Ausland und dann Definitiv.

  34. 09:05
    Ulrich Schwer

    Also 3 Jahre Adlon, war wunderbar, eine tolle Zeit, viel gesehen, viel erlebt und dann gesagt, okay, jetzt geht's weiter, jetzt aussteigen, jetzt mal durch in der Karriere.

  35. 09:14
    Ronald M. Arndt

    Von Berlin nach London.

  36. 09:16
    Ulrich Schwer

    Korrekt.

  37. 09:17
    Ronald M. Arndt

    Und weiter ging es in die USA, glaube ich, wieder zurück.

  38. 09:21
    Ulrich Schwer

    Noch nicht ganz. Vorerst noch in die Karibik. Aber London war auch eher ein Zufall, denn die Mutter einer Kollegin hat dort eine Wohnung gehabt.

  39. 09:33
    Ronald M. Arndt

    Und Vorteil in London, wenn man schon mal eine Wohnung hat. Absolut.

  40. 09:37
    Ulrich Schwer

    Wer sich in London auskennt, Nähe Elephant and Castle, ja, war wirklich optimal, weil man hat immer so ein bisschen Respekt, wenn man ins Ausland geht. Wie ist das denn mit Wohnung finden? Wie ist es denn mit Konto und so weiter und so weiter? Krankenversicherung, alle die Dinge, die man natürlich im gewohnten Leben Deutschland, ob Schule, Auszubildendenverhältnis, ist ja alles einfach. Und vor London hatte ich so ein bisschen Respekt. Man kannte ja hohe Mieten und schwer, was zu finden. Also es bot sich an, die Mutter der Kollegin hat ein Hotel, eine Wohnung, hat auch Zimmer vermietet. Es war eine Wohngemeinschaft. Ich bin mit einer damaligen Auszubildenden zusammen nach London geflogen. Wir haben uns einfach Gespräche terminiert für den Tag, haben von morgens 9 bis nachmittags um 5 durchgehend Gespräche gehabt und am nächsten Tag dann hatten wir glücklicherweise ein paar Angebote und ja, einen Monat später war ich dann schon im Savoy. Das Savoy war, ist natürlich eine große Dame der Hotellerie, das muss man einfach sagen. Und ich hatte, nachdem ich da fürs Adlon gearbeitet habe, das Adlon war natürlich ein Neubau, aber mit sehr viel Historie, war natürlich auch naheliegend, wieder ein Grand Hotel wie das Savoy zu wählen. Dort am Empfang angefangen und hatte ganz fantastische 2 Jahre, wo ich von Rezeption, Schichtleiter bis zum Nightmanager einfach gearbeitet habe, auch mal in der Nacht, was unglaublich interessant ist und ich jedem empfehlen würde, ein Hotel mal in der Nacht zu erleben, gerade in einer großen Stadt wie London. Da können Sie schon, da erleben Sie schon Dinge, da können Sie ein Buch drüber schreiben, sage ich Ihnen ganz ehrlich. Ja, und das waren wie gesagt 2 Jahre dann in London.

  41. 11:16
    Ronald M. Arndt

    Spannend. Und da ging es von der Großstadt An Strand?

  42. 11:19
    Ulrich Schwer

    Ja, an Strand. Das hat folgende Bewandtnis: Nachdem ich dann 2 Hotels Stadt-Grand-Hotellerie kennengelernt habe, war es mir ganz wichtig, auch einfach mal die Resort-Hotellerie kennenzulernen. Und ich saß mit meiner damaligen Freundin, mittlerweile Frau, einfach einen Abend auf der Couch und überlegt, okay, was machen wir, wo wollen wir hin? Gesagt, okay, wir gehen jetzt.

  43. 11:45
    Ronald M. Arndt

    Also die damalige Freundin hat im gleichen Umfeld gearbeitet, oder?

  44. 11:48
    Ulrich Schwer

    Das, ja, das muss ich kurz erklären. Wir haben zusammen—

  45. 11:50
    Ronald M. Arndt

    Bedarf für eine gewisse Flexibilität, wenn man so ein Ulrich Schwer als Partner hat, kann ich mir vorstellen.

  46. 11:57
    Ulrich Schwer

    Ja, und interessanterweise, wir haben die Ausbildung zusammen auch gemacht und abgeschlossen. Also wir haben uns dieses typische Kennengelernt bei der Arbeit. Sie hat auch in der Hotellerie gearbeitet, dann auch nach London gekommen, und wir haben dann gesagt, okay, wir möchten dann— und das war so gerade 2005, wo die Anschläge in London waren. Also das war schon eine Zeit, die vielleicht nicht so die beste Zeit war, um in London zu sein, sage ich ganz ehrlich. Diesen Tag haben wir sehr, sehr nah erlebt und haben uns überlegt, gut, wir möchten jetzt mal in die weitere Welt gehen, in ein Resort-Hotel, haben dann einfach Initiativbewerbungen überall hingeschickt, von Mauritius nach Saint-Martin, wo wir dann auch gelandet sind, Das macht man aber nicht als Paar, sondern jeder einzeln.

  47. 12:43
    Ronald M. Arndt

    Oder sagt man schon hier, ich mit meiner Partnerin?

  48. 12:46
    Ulrich Schwer

    Ich muss überlegen, hatten wir das gemeinsam? Ich glaube, wir haben es gemeinsam verschickt. Nee, wir haben es als Doppelpack angeboten. Doch, doch, ich glaube schon.

  49. 12:54
    Ronald M. Arndt

    Weil oftmals werden ja auch so Stellen wirklich mit Pärchen, mit Paaren besetzt.

  50. 13:00
    Ulrich Schwer

    Ja, ja.

  51. 13:02
    Ronald M. Arndt

    Weil man ganz genau weiß, was da auch an privatem Einsatz erforderlich ist. So lässt sich natürlich das eine oder andere—

  52. 13:09
    Ulrich Schwer

    gibt auf jeden Fall immer den Partner, der mehr Verständnis dafür hat.

  53. 13:11
    Ronald M. Arndt

    Ja klar.

  54. 13:13
    Ulrich Schwer

    Und innerhalb kürzester Zeit hatte ich dann einen Anruf von dem Personalverantwortlichen aus dem Hotel Lassamanna. Das war ein Orient Express Hotels, jetzt Belmond Hotels. Und ich glaube, eine knappe Woche später telefoniert, Vorstellungsgespräch, Telefon, und jawohl, wann kannst du anfangen?

  55. 13:33
    Ronald M. Arndt

    Stark.

  56. 13:33
    Ulrich Schwer

    Ja, und dann war auf einmal schon das WG-Zimmer aufgelöst, die wenigen, die, die kleine Habe, die man hatte, aus London in Koffern gepackt und Flug gebucht. Und dann ging es dann in die Karibik. Und das war natürlich erstmal eine ganz andere Welt. Es war nicht alles verfügbar, so einfach wie in der Großstadt wie London natürlich. Und die Mentalität war vielleicht auch eine andere. Und ich habe aber in diesen 2 Jahren, die ich dann im Endeffekt auf der Insel war, die, die, die, die Locals unglaublich zu schätzen gelernt, unglaublich zu schätzen gelernt. Man, man musste einfach mit den Gegebenheiten besser klarkommen. Ich glaube, das hat mir persönlich sehr viel gebracht, einfach mit Schwierigkeiten auch klarzukommen, weil Sie können nicht mal eben zum nächsten Kiosk fahren und eine Tageszeitung kaufen, die gibt es einfach nicht. Wenn es wetterbedingt ein Schiff nicht kommt, oder ein Flugzeug nicht landet, dann haben Sie die Ware verloren. Und was machen Sie daraus? Und das Ganze natürlich auf höchstem Niveau. Wir hatten in La Samana, hatten wir, ich glaube, wenn ich mich recht entsinne, 71 Suiten und Villen und das auf einem höchsten Preisniveau mit einer sehr hohen Gästeerwartung auch. Und das einfach so zu handhaben, war sehr, sehr spannend. Und ich habe damals einen Vorgesetzten gehabt, das war der Frank Alcee, an den denke ich heute noch zurück. Leider schon verstorben, von dem ich unglaublich viel gelernt habe. Ganz besonders einen gewissen Tick auch Gelassenheit. Ich glaube, das ist gerade auf so einer Karibikinsel sehr, sehr, sehr von Vorteil.

  57. 15:07
    Ronald M. Arndt

    Wenn sich da so ein Gast jeden Morgen die Stuttgarter Zeitung wünscht, da muss man schon kreativ werden.

  58. 15:12
    Ulrich Schwer

    Muss man kreativ werden. Das war 2005 bis 2007, dass ich da war. Das war auch, selbst die Internetleitung war nicht immer stabil oder Ganz zu schweigen von Strom, den man auch manchmal nicht hatte. Da musste man wirklich kreativ sein.

  59. 15:26
    Ronald M. Arndt

    Gibt es eigentlich noch die Automaten in den Lobbys, wo man die Zeitung ausdrucken kann?

  60. 15:30
    Ulrich Schwer

    Ich glaube nicht mehr. Wir hatten das damals. Wir hatten das in der Tat. Wir haben den Automaten oder zum Selbstausdrucken für teures Geld so einen Riesendrucker gekauft und diese Abos abgeschlossen. Hat auch mehr schlecht als recht funktioniert. Also heute ist schon einfacher, wenn man seine Publikationen im Tablet lesen kann. Schon einfacher.

  61. 15:51
    Ronald M. Arndt

    Okay, und etwas einfacher wurde es dann auch, denke ich mal, in New York. Da ging es danach hin.

  62. 15:55
    Ulrich Schwer

    Ja, da ging es danach hin. Auch eine interessante Geschichte, die Position. Also beziehungsweise nach 2 Jahren Karibikinsel war mir dann auch schon, oder uns war da auch schon so ein bisschen der Wunsch wieder nach mehr Kultur, mehr Leben. Also wenn Sie wirklich auf einer Insel leben und Sie können essen gehen, Sie können Golf spielen, sie können sich sonnen am Strand, Casino, Kino, einkaufen. Das ist toll, aber irgendwo fehlt einem vielleicht noch mal die Kultur und man fehlt einfach so ein bisschen mehr, ja, die Möglichkeit. Weil wenn sie weggefahren sind, sind sie dann von St. Maarten nach St. Barts gefahren, nach Anguilla, St. Thomas. Im Endeffekt haben sie da genau das Gleiche auch gemacht. Und New York, das war interessant. Weil das Plaza, das ist das Hotel, wo ich hingegangen bin, war auch von Fairmont gemanagt, so wie das Savoy. Das heißt, das Savoy in London war in der Zeit, wo ich da war, wo das als Prince Al-Waleed das Hotel gekauft hat, ein Fairmont Hotel. Also dieses Rebranding habe ich noch mitgemacht und hatte dann den großen Vorteil, wieder in ein Fairmont Hotel zurückzugehen, Plaza. Und das Plaza war nach 3 Jahren Schließzeit und kompletter Renovierung natürlich dann hat, oder es hat sich angeschickt, wieder dieses berühmte, dieses Castle in the Park, dieses berühmte Schloss am Park wieder zu werden. Und hatte das große Glück, als Director of Front Office Operations dann die Stelle zu bekommen. Und dann ging es wieder Koffer packen, Kisten packen, mit dem Schiff nach New York und Flugzeug nach New York. Das war dann 2007. September.

  63. 17:33
    Ronald M. Arndt

    Ja, genau, The Plaza. Dann sind Sie im Land geblieben, ging es nach Arizona.

  64. 17:39
    Ulrich Schwer

    Genau, das war dann ein Intercompany-Transfer sozusagen.

  65. 17:43
    Ronald M. Arndt

    Genau, von Fairmont zu Fairmont.

  66. 17:45
    Ulrich Schwer

    Genau, Scottsdale Princess. Das Scottsdale Princess war wiederum für mich ein Anreiz, eine andere Art Hotellerie kennenzulernen, da das Scottsdale Princess 650 50 Gästezimmer hatte, damals ein, zwischenzeitlich und mittlerweile jetzt 2 Konferenzzentren, Riesenveranstaltungsfläche, Casitas, Villen, Fairmont Gold, das ist dieses, dieses Hotel-im-Hotel-Konzept von Fairmont. Also eine unglaubliche Operation auf vielen Hektar mit angeschlossenem Golfkurs. Und einfach dieses, aber allerdings, das muss ich auch dazu sagen, weiterhin ein Five-Diamond-Hotel. Gerade von der Academy aus war das Five Diamond und das hat mich gereizt. Wie schafft man es, ein Hotel in der Größe auf diesem Serviceniveau zu führen, zu halten? Und als dann die Möglichkeit kam, dorthin zu gehen, das habe ich beim Schopfe gepackt und bin dann mit meiner Frau, dann auch mit unseren Kindern, die sind in New York zur Welt gekommen, nach Arizona gezogen.

  67. 18:49
    Ronald M. Arndt

    2 Kinder haben Sie, Herr Schwer?

  68. 18:51
    Ulrich Schwer

    2 Kinder, Jungs, das sind Zwillinge.

  69. 18:52
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  70. 18:53
    Ulrich Schwer

    Und die sind 2009 in New York zur Welt gekommen. Und mit denen sind wir dann nach Arizona gezogen, was natürlich auch für Kinder noch mal eine ganz andere Welt ist. Viel mehr Platz und haben es sehr genossen, in Arizona zu sein. Klar, im Sommer auch mal 45 Grad, aber dieser Spruch, it's a dry heat, den man da drüben hört, das Trotzdem heiß. Trotzdem heiß.

  71. 19:19
    Ronald M. Arndt

    Ganz spannende Station. Ja, wenn ich dann, ich habe es ja vorher gesagt, so als Kind in die Hotels reinmarschiert bin, kamen ja so ein paar zusammen mit der Zeit. Da ist mir dann schon mal passiert, dass ich dem Hans-Dietrich Genscher, dem früheren Außenminister, in Badehose mit der Zeitung unterm Arm begegnet bin. Oder war mal auf dem Hotel oder bin in ein Hotel rein auf Rügen und auf einmal kam der Gerhard Schröder. Damalig Bundeskanzler mit seiner Entourage und Bodyguards raus. Also so meine Top-Bekanntschaften, die ich gemacht habe als junger Mann in Hotels.

  72. 19:53
    Ulrich Schwer

    Fallen Ihnen noch so ein paar ein, wo Sie sagen, ja, es ist lustig, dass Sie den Hans-Dietrich Genscher erwähnen?

  73. 20:00
    Ronald M. Arndt

    War der noch woanders auch in Badehose unterwegs?

  74. 20:03
    Ulrich Schwer

    Nee, ich habe ihn ehrlich gesagt mehrmals in Tegel abgeholt. Okay, wir haben ja im Adlon auch Klar, Limousineservice angeboten.

  75. 20:11
    Ronald M. Arndt

    Also von Bonn noch rübergeflogen ist?

  76. 20:13
    Ulrich Schwer

    Genau, wieder mehrmals, als er in Adlon zu Gast war, dann in Tegel abgeholt und hatte— ich war junger Azubi, Anfang 20, aber Herr Genscher hatte trotzdem immer sich auch die Zeit genommen, mit mir ein Gespräch zu führen. Das habe ich sehr geschätzt. Also wirklich, dass man da sieht, wow, da ist ein Politiker, ehemaliger, ich glaube, er war Außenminister Ich glaube, sich da einfach auch mit einem kleinen Azubi zu unterhalten, habe ich sehr geschätzt. Aber ich glaube, dass das Interessanteste sind einfach die Begegnungen mit wirklich A-List-Celebrities, weil ich glaube, dass Personen, die man sonst nur extrem aus dem Fernsehen, aus dem Kino kennt, die einfach so zu erleben, ganz persönlich. Das war beeindruckend. Und man redet ja nicht über die Gäste eigentlich, aber ich glaube, es ist ja nicht unbekannt, dass Gäste wie ein Leonardo DiCaprio in Hotels eincheckt. Und ich erinnere mich, dass ein junger Mann im Plaza in die Lobby kam, mit einer Schirmmütze ins Gesicht gezogen, zum Empfang lief und uns einfach nach einem Zimmer für seine Mutter fragte. Und wir uns so weiter dabei gedacht haben, das Zimmer eingebucht. Und als wir ihn genau angeschaut haben, haben wir gesehen, das ist Leonardo DiCaprio. Und ich war sprachlos. Also kein, kein Star-Ruhm, kein irgendwie, ich schicke meine Assistentin. Nein, er kam ganz persönlich, hat das Zimmer reserviert, und ich bin ihm dann durch die Lobby gefolgt, um zu sehen, wie die Leute reagieren. Es hat ihn keiner erkannt. Er ging aus dem Haupteingang die Stufen runter zum nächsten Laternenpfahl, schloss sein Fahrrad auf und radelte davon. Und das werde ich nie vergessen. Das sind, das sind so Dinge, die erlebt man wirklich, glaube ich, nur in New York oder in anderen großen Städten mit anderen. In Savoy hatte ich Jude Law, der mich nach Zigaretten fragte, obwohl ich gar nicht rauche. Das sind auch so Dinge, das vergisst man nicht.

  77. 22:15
    Ronald M. Arndt

    Ja, da gibt's noch nicht viele Möglichkeiten der Begegnung, außer eben in der gehobenen Hotellerie. Also richtig, um die Liste, die Liste fortzuführen, was einfach ja das Schöne an dem Beruf ausmacht. Jetzt waren Sie ja relativ viel so im amerikanischen Raum und aber auch im Adlon in Deutschland, jetzt in Stuttgart, Überfahrt zwischendurch. Was sind so die größten Unterschiede in der Luxushotellerie zwischen Deutschland und USA?

  78. 22:47
    Ulrich Schwer

    Ich glaube, wir haben im Ausland generell einfach eine sehr viel höhere Wertschätzung von Hotellerie und dem Servicegedanken. Warum sage ich das? Ich weiß natürlich, was für Hotelraten man in London, in New York verlangt, andere Metropolen, auch in Europa. Und ich sehe, wo wir in Deutschland stehen, und wir verkaufen uns in Deutschland unter Wert. Wir haben die tollsten 5-Sterne-Hotels. Es gibt wenige Häuser in Deutschland, die wirklich hohe Raten aufrufen und aufrufen können, aber die meisten tun es nicht. Wenn ich mir jetzt ein Mandarin Rental in München anschaue, das mit Raten die höchste Durchschnittsrate in Deutschland hat. Viele andere 5-Sterne-Häuser müssten in diesen Bereich kommen. Ich habe aber das Gefühl, man ist nicht bereit, dafür zu bezahlen. Ob das jetzt an Deutschland liegt oder woran, möchte ich jetzt gar nicht mal behaupten. Aber ich finde es sehr, sehr schade. Und ich glaube, das ist für mich der größte Unterschied, dass ich glaube, rein vom Preispunkt her, das in dem Ausland sehr viel mehr geschätzt wird, dass man auch für den Service, für die Leistung auch bezahlt. Und hier habe ich das Gefühl, es geht immer nur darum, noch günstigere Firmenraten abzuschließen oder hier etwas zu sparen. Aber da müssen wir auch von wegkommen, denn die Finanzierung eines Hotels ist höchst schwierig. Man hat einen sehr, sehr hohen Kostenfaktor durch Personal, durch Wareneinsätze, die ganzen sonstigen Kosten für den Einkauf, Gläser etc., Versicherungen. Ich glaube, da wird es in Deutschland aber bald auch einen Umschwung geben müssen, weil sich diese Luxushotellerie, wo ein sehr hoher Serviceaufwand auch ist, sich gar nicht sonst anders finanzieren lässt. Wir wollen die besten Mitarbeiter und diesen besten Mitarbeitern müssen wir auch adäquate Löhne zahlen, um diesen Service auch bieten zu können. Und da bin ich mir sicher, wird es bald einen Trendwechsel geben, vielleicht auch ein bisschen jetzt befeuert durch Corona.

  79. 24:59
    Ronald M. Arndt

    Ja, hoffen wir das. Jetzt sitzen wir hier gerade in der guten Stube der Stadt Stuttgart, kann man schon so sagen, die Zirbelstube. Sie haben gerade Corona angesprochen, ich meine, ganz drumherum kommen wir nicht um das Thema. Seit 2017 unter der Leitung oder Verantwortung von Herrn Feix. Hier die Zirbelstube, Michelin besternt, ich glaube 17 Gault Millau-Punkte. Aber wie Sie vorhin meinten, ich meine, wir sitzen heute hier, aber trotzdem seit März 2020 geschlossen. Also auch letztes Jahr im Sommer gar nicht aufgemacht. Was machen solche Monate der Schließung? Was für Veränderungen bringt das hervor?

  80. 25:45
    Ulrich Schwer

    Ich glaube, also zum einen, es tut in der Seele weh, ein Restaurant wie dieses geschlossen zu sehen. Die letzten 16 Monate seit jetzt März 2020 Corona soweit immer mehr sich ausgebreitet hat und wir auch im März 2020 entschieden haben, das Hotel für einen Monat zu schließen, Und dahingehend natürlich auch alle Restaurants, Zirbenstube ebenfalls. Und dann die danach folgende Lockerung. Man erwartet wieder die ersten Gäste. Viele haben sich noch zurückgehalten. Da war es wirklich sehr, sehr schwer, einfach zu sehen, okay, wo geht die Reise hin? Wie viel Vertrauen haben die Gäste wieder, in ein Restaurant zu gehen, abends zu sitzen, ein geschlossener Raum mit einem einem Virus, der sich natürlich über die Luft verbreitet. Und wir haben immer gesagt, wir warten ab, bis auch diese, ja, diese Corona-Pandemie vielleicht abgeebbt ist. Damals noch in dem Glauben, nach dem Sommer ist das vorbei. Und dann kam natürlich der November, wo wir das Hotel wieder geschlossen haben für weitere 6 Monate. Wir haben jetzt erst Anfang Mai 2021 wieder geöffnet. Und in all dieser Zeit ist, ist eines passiert: Wir haben fantastische Kollegen, die die Branche leider verlassen haben, unter anderem auch viele aus dem Team der Zurbelstube, die selbstverständlich gesagt haben, nach 6, 7, 8, 9, 10 und mehr Monaten Kurzarbeit einfach auch wieder arbeiten wollen. Es geht ja gar nicht nur ums Finanzielle. Ich habe ja ein Team hier, an Bord, die mit Leidenschaft das tun, was sie tun. Sind Gastgeber. Und wenn sie keine Gäste haben und kein Gastgeber sein können, dann suchen sie sich andere Möglichkeiten. Und allein diesen Weggang zu verzeichnen, das hat mit am meisten geschmerzt. Und wir sind aktuell in der Situation, dass wir für die Zubestube wieder ein neues Team rekrutieren. Möchten, das aber erst tun, wenn wir uns 100% sicher sein können, dass nicht noch mal eine vierte Welle kommt, dass nicht noch mal wieder Restaurants geschlossen werden müssen. Es ist ja so unsicher im Moment, und ich möchte ja auch niemanden einstellen, wenn ich wieder weiß, oje, gegebenenfalls muss ich den wieder in Kurzarbeit setzen oder ihn kündigen, in was auch immer, weil ich kann das Restaurant nicht öffnen. Genau, und da müssen wir als Unternehmen auch erst mal sein, dass wir sagen können: Jawohl, wir sind fest davon überzeugt, dass es wieder auch Gäste kommen wird. Wir haben viele Anfragen, viele Anrufe, aber es ist generell noch zu unsicher.

  81. 28:37
    Ronald M. Arndt

    Und ich meine, man findet auch nicht die besten Leute, die man braucht, wie Sie vorhin schon erwähnten. Man findet nicht die besten Leute ohne eine gewisse Sicherheit.

  82. 28:44
    Ulrich Schwer

    Genauso ist es.

  83. 28:45
    Ronald M. Arndt

    Ohne Perspektive beruflich. Aber in der gehobenen Hotellerie, sage ich mal, seine berufliche Karriere zu starten, wenn diese Sicherheit mal wieder da ist, da sind Sie großer Fürsprecher für. Also wir haben jetzt schon ganz viel gehört.

  84. 29:04
    Ulrich Schwer

    Selbstverständlich. Also ich bin ja auch Hotelier mit Leib und Seele und Alle meine Kollegen hier sind auch wirklich mit dem ganzen Herzen dabei. Und allein zu wissen oder allein zu hören, als wir dann gesagt haben, wir machen das Hotel wieder auf, diese positive Resonanz der Kollegen zu hören: Endlich darf ich wieder Gäste empfangen, endlich darf ich wieder arbeiten. Das ist schon was ganz Besonderes. Wir haben viele Kollegen, die die Branche verlassen haben, was sehr, sehr traurig ist. Im Nachgang habe ich ja auch mit einigen gesprochen, die gesagt haben: Ja, es ist vielleicht im Moment der sicherere Arbeitsplatz, aber mir fehlt dieser Teamzusammenhalt. Ich glaube, die Personen, die in der Hotellerie und Gastronomie arbeiten, das ist ein ganz besonderer Schlag Menschen. Und das haben sie in wenigen Industrien, diesen Zusammenhalt, dieses Verständnis, dieses aufeinander verlassen können und auch mal zusammen durch eine schwere Zeit zu gehen. Das ist sehr, sehr ausgeprägt. Und wir haben für dieses Jahr noch einige offene Ausbildungsstellen, ob Koch, Hotelfachmann, Restaurantfachmann. Glücklicherweise haben wir schon ein paar tolle junge zukünftige Hoteliers im Ausbildungsverhältnis, also einen Vertrag schon unterschrieben. Aber ich suche gerne mehr, weil wir müssen als Hoteliers natürlich auch für unseren eigenen Nachwuchs Sorgen. Wir hätten— ich habe immer hier im Haus die Devise gehabt: Solange jemand der Richtige ist von der Überzeugung her für diesen Beruf, dann wird er bei uns eine Ausbildung machen können. Ob jetzt eine Stelle per se frei ist oder ein Platz ist, sei jetzt mal dahingestellt. Aber wir haben die letzten Jahre schon gesehen, dass wir einen Fachkräftemangel sehen und Da müssen wir natürlich von uns aus schon gegensteuern, indem wir halt diese Fachkräfte von morgen auch ausbilden. Wir haben bei Althoff jedes Jahr einen Karrieretag, wo wir die Azubis und die Studenten, die unser Unternehmen dann erfolgreich eigentlich verlassen würden, versuchen als Unternehmen zu binden, indem wir sie in unseren Häusern weiter engagieren können. Ich habe zum Beispiel Azubis, die jetzt nach Davos gehen vom diesjährigen Azubi-Jahrgang. Es gibt Azubis, die von anderen Hotels nach Stuttgart auch wechseln, und wir sind da sehr, sehr stolz drauf. Also wir haben eine hohe Quote an jungen Talenten, die im Unternehmen bleiben, und wir hätten natürlich gerne auch mehr. Wir wachsen als Unternehmen. Wir haben dieses Jahr bereits 2 Hotels eröffnet. Unsere Amoron-Marke, das ist unsere 4-Sterne-Marke, hat in Zürich und in München ein Haus eröffnet. Da haben wir viel auch intern rekrutiert und die Stellen von den Althoff- und Ameron-Häusern intern besetzt. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich für diesen Ausbildungsberuf zu entscheiden, denn es gibt einem so viele Möglichkeiten. Die Welt steht einem wirklich offen. Und ich glaube, ich kann ein Beispiel dafür sein, wie man durch die Welt gehen kann. Und ich bin nur einer von vielen, vielen, vielen Kollegen, die die gleichen Wege gemacht haben, nach Asien, in die USA, Europa, überall gearbeitet haben, nach Deutschland zurückgekehrt sind und einfach das für ihre eigene Entwicklung, ihre Persönlichkeitsentwicklung mitgenommen haben. Und das macht eine Menge Freude. Sie haben die Möglichkeit, Gäste glücklich zu machen. Wenn Sie am Ende des Tages sagen können, das war jetzt ein anstrengender Tag, alle Gäste sind glücklich gegangen, Das gibt so ein Gefühl von Zufriedenheit, das man in manchen anderen Berufen vielleicht nicht hat. Ich sage nicht, dass es woanders nicht möglich ist, aber Sie sehen am Ende des Tages: Was habe ich geleistet? Was habe ich erbracht? Allein dieses Feedback von Gästen zu lesen: Sehr freundliches Personal. Ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Ich komme gerne wieder. Das ist so unser Lohn und den nehmen wir gerne. Und ich denke einfach, es ist in Zukunft, obwohl jetzt vielleicht während Corona vielleicht jetzt gerade wenig Geschäft ist, aber ich bleibe dabei, die Hotellerie und Gastronomie ist krisensicher. Sie finden immer einen Job. Das sieht man ja auch, wie viele offene Stellen es im Moment gibt. Wenn Sie es wollen, ich habe immer gesagt, ich stelle jeden ein, der mit Leidenschaft dabei ist. Perfekten Service beibringen, das kann ich. Aber die Leidenschaft muss dabei sein. Und deswegen freue ich mich auch, dass wir in den nächsten Tagen neue Kollegen begrüßen dürfen. Ich freue mich auch ganz besonders, dass wir aus allen Bereichen verschiedene kulturelle Hintergründe Kollegen hier einstellen können. Und das macht auch Freude, mit denen hier dann an der Zukunft des Althoff Hotels Schlossgarten zu arbeiten.

  85. 33:52
    Ronald M. Arndt

    Ich freue mich sehr zu hören, dass der Blick ganz klar nach vorne gerichtet ist. Definitiv. Und die Möglichkeiten bei Althoff um die 20 Hotels in 4 Ländern, glaube ich. Ja, genau, die sind ja wirklich riesig. Sie tragen auch das Althoff A am Revers mit vollem Stolz, nehme ich an.

  86. 34:09
    Ulrich Schwer

    Jawohl, ja, in der Tat.

  87. 34:11
    Ronald M. Arndt

    Das Hotel hier am Schlossgarten Stuttgart trägt den Namen Althoff im Namen. Aber was bedeutet denn das, so einen Namen Althoff, also der Name eines Privathoteliers, im Namen eines Luxushotels zu tragen?

  88. 34:25
    Ulrich Schwer

    Das Interessante ist, dass, und die Frage bekomme ich in der Tat öfter gestellt, das Schöne ist, es gibt einen Herrn Althoff, es gibt eine Frau Althoff. Das ist nicht gut, Hilton, ja, aber Herr Althoff ist sehr viel nahbarer. Herr Althoff ist ein Hotelier, er ist auch Gastgeber, und er hat uns auch immer dazu ermutigt, die diese Gastgeber zu sein und auch Mitunternehmer zu sein. Deswegen sind auch alle Direktoren auch Geschäftsführer der jeweiligen Häuser. Das ist auch nicht so gängig, sage ich einfach mal. Und er hat auch eine ganz starke Philosophie, dass er sagt, ich möchte, dass die Direktoren so lange wie möglich in einem Hotel bleiben. Ich bin seit 8 Jahren hier und ich bin von all den 5-Sterne-Hotels, der Direktor, der am kürzesten dabei ist. Jetzt ganz kurz eine Ausnahme: Wir haben einen neuen Kollegen in Bensberg. Das ist, weil wir einen langjährigen Kollegen, den Herrn Wagner, der über 20 Jahre im Unternehmen war, auch vom ersten Tag an, dann doch irgendwann gegangen ist. Das heißt, wir haben jetzt einen neuen jungen Kollegen in Bensberg, der jetzt seit einem guten Jahr, glaube ich, dabei ist. Aber es ist wirklich zu sehen, Herr Ludwig in der Überfahrt, Herr Schreiber in Celle, Herr van Straten in der Villa Belle Rose, viele, viele, viele Jahre bei Althoff, treue, loyale Kollegen. Und das Schöne ist, es ist wirklich ein Familienunternehmen. Wir kennen uns alle. Es ist wirklich so, ein Herr Althoff oder jetzt auch Herr Marrenbach, der ja seit Mai letzten Jahres unser CEO ist.

  89. 36:09
    Ronald M. Arndt

    Ist ja nicht nur so, dass es Herrn Althoff gibt es mittlerweile einen zweiten Namen, den die meisten kennen dürften: Frank Marrenbach. Früher CEO aus dem Brenner's Park Hotel Waden-Waden, CEO Oetker Collection und jetzt Mitgesellschafter.

  90. 36:24
    Ulrich Schwer

    Genauso ist es, ja, Mitgesellschafter. Eine fantastische Entscheidung, muss ich einfach jetzt sagen.

  91. 36:31
    Ronald M. Arndt

    Von wem ging sie aus? Vom Herrn Althoff oder vom Herrn Marrenbach? Was glauben Sie?

  92. 36:35
    Ulrich Schwer

    Ich denke, von Herrn Althoff.

  93. 36:36
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  94. 36:36
    Ulrich Schwer

    Ich glaube, ich meine, beide Herren kennen uns an sich seit vielen, vielen, vielen Jahren.

  95. 36:42
    Ronald M. Arndt

    Aber die Idee dahinter, wer hat sie gehabt?

  96. 36:44
    Ulrich Schwer

    Ich glaube, Herr Althoff. Und ich muss einfach sagen, es ist schön zu wissen, dass wir uns weiterentwickeln. Sie sagten es, es sind fast 20 Hotels. 2 haben wir aufgemacht. Nächstes Jahr wird in Berlin noch ein Hotel eröffnet. Das Domhotel in Köln, unser nächstes großes Althoff-Hotel. Wird aller Voraussicht nach 2023 eröffnen. Dieses Wachstum ist sehr, sehr, sehr gesund. Aber wir entwickeln uns von diesem kleinen Unternehmen auch fast schon nicht mehr mittelständisch zu einem wirklich großen Unternehmen, wo wir auch ganz andere Strukturen brauchen. Und ich glaube, jetzt sind wir mit Weingut noch, mit dem Weingut, was noch dazugekommen ist. Genauso ist es. Sie sehen also diese, diese dieses Wachstum ist sehr gesund und sehr gut. Und diese Strukturen, die wir jetzt auch mit Herrn Marrenbach weiter umsetzen können, tun uns sehr gut und tun dem Unternehmen auch gut für die Zukunft. Ich glaube, da sind wir sehr gut aufgestellt, um weiter dieses Wachstum auch zu sehen. Es sind alle Hotels durch die Krise gekommen. Es werden weiterhin alle Hotels durch die Krise kommen. Wir werden nichts veräußern müssen. Wir sind ein sehr gesundes Unternehmen, da sind wir auch sehr stolz drauf. Herr Althoff als Kaufmann hat uns immer auch als Direktoren die Verantwortung gegeben, auch mal kaufmännisch zu handeln. Und das war unser großer Pluspunkt, durch diese Krise auch zu gehen und so stabil, wie wir sind. Wir haben keine Kündigungen aussprechen müssen und wir haben im Gegenteil jetzt weiterhin auch wieder Kollegen und Mitarbeiter eingestellt, natürlich auch um den Weggang zu kompensieren. Aber ich möchte auch sagen, alle Kollegen, die hier das Hotel im Schlossgarten verlassen haben in der Krise, sind auch aus der Branche herausgegangen. Und es ist schön zu wissen, dass viele gesagt haben, ich bin sehr— also ich finde es sehr traurig, das Hotel zu verlassen, muss aber auch irgendwo schauen, wie es weitergeht, und finde es schön, dass weitere Kollegen dann wieder auch dazukommen, um dieses Team wieder aufzubauen, auch aus anderen Hotels der Umgebung, die zu uns wechseln. Das schätze ich sehr.

  97. 38:53
    Ronald M. Arndt

    Wunderbar. Herr Schwer, ich lebe meinen Kindheitstraum weiter. Ich marschiere nicht nur in die Hotels rein, mittlerweile spreche ich auch den Hoteldirektor und trinke noch mit ihm ein gutes Glas Wein. Ich würde vorschlagen, wir trinken die Flasche jetzt einfach nachher aus.

  98. 39:07
    Ulrich Schwer

    Darf ich nachschenken?

  99. 39:09
    Ronald M. Arndt

    Ja, gerne. Und möchte mich von Herzen bedanken für Ihre Zeit und für unseren Austausch hier bei Ihnen im Hotel am Schlossgarten in Stuttgart.

  100. 39:20
    Ulrich Schwer

    Vielen Dank, Herr Arndt. Sie sehen, ich bin noch mitten am Einschenken des Weines, das, das muss jetzt kurz vorgehen. Aber ich sage vielen Dank. Ich glaube, als wir uns darüber unterhalten hatten, diesen Podcast zu machen, habe ich erstmal überlegt, okay, in welcher Art und Weise können wir denn darüber sprechen? Und ich habe doch bisher eigentlich nichts so Interessantes gemacht. Für mich war das eine große Selbstverständlichkeit. Aber was mir wirklich am Herzen liegt, ist, ich hoffe, dass wir weiterhin interessierte junge Menschen finden oder auch begeistern können, die vielleicht diesen Podcast hören und die sich entscheiden, doch in die Hotellerie zu gehen. Es ist ein eine spannende, abwechslungsreiche Branche. Es gibt kein Tag gleich dem anderen und ich finde es einfach nur unglaublich aufregend. Und jeder, der eine Affinität für gutes Essen hat, für Reisen hat, für Architektur, für Design, für Qualität, der ist in unserer Branche einfach nur gut aufgehoben. Und wir machen jetzt auch am kommenden Mittwoch übermorgen einen Karrieretag hier in Stuttgart. Das wird vor dem Commerzbankgebäude stattfinden auf der Königstraße. Da wird das via Gastfreunde Gastromobil des DEHOGA sein. Wir sind nachmittags um 14 Uhr da. Ich habe zwei junge Auszubildende, die als, als ja, als, als beste Beispiele sich auch präsentieren werden. Ich muss auch sagen, es sind auch zwei Kollegen, die jetzt ihre Ausbildung beenden und dann von uns auch übernommen werden. Wo ich sehr stolz drauf bin, dass sie im Unternehmen bleiben. Und wir wollen einfach ja weiter Werbung machen für diese wirklich tolle Branche, denn es ist eine Branche mit Zukunft, muss ich ganz einfach sagen. Da bleibe ich dabei.

  101. 41:07
    Ronald M. Arndt

    Ich werde alles tun, Herr Schwer, um Ihre Botschaft, die Sie mit voller Leidenschaft überbracht haben, in die Welt weiterhin auszutragen, entsprechend meiner Möglichkeiten natürlich. Und ja, Nochmals ganz lieben Dank.

  102. 41:21
    Ulrich Schwer

    Wunderbar, Herr Arndt, ich danke. Merci. Merci.