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Germany · Episode #73 · 21.04.2023 · 73 Min

Auf Grand Tour von Wien über Bad Gastein nach München

Erich BernardBWM Designers & Architects
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Aufgenommen: Hotel Gilbert, Wien

Standbild aus der Episode mit Erich Bernard Germany73 Min

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„Die Spuren nimmt man als Wert, weil ich kann alles neu machen, nur die Spuren der Vergangenheit kann ich nicht neu machen.“

Erich Bernard, 47:49

Erich Bernard von BWM Architekten erzählt Ronald M. Arndt auf der Empore des Hotel Gilbert in Wien, wie er über Shopdesign und Ausstellungen in die Hotellerie kam. Er erklärt, warum er beim Grand Hotel Straubinger in Bad Gastein alte Türen, Fenster und Deckenmalereien erhält und wie aus Recherche die Story eines Hauses entsteht. Dazu kommen das Konzept Revo in München, wo das Büro auch Betten hat, und seine Trennung von Hardware und Software im Interieur.

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Kernaussagen

  1. Shop plus Kultur: In den ersten zehn Jahren hat Erich Bernard an die 200 Shops und 20 bis 30 Ausstellungen betreut. Sein Satz dazu: mischt man Shop und Kultur zusammen, kommt Hotellerie raus.
  2. Spuren als Wert: Er beruft sich auf Adolf Loos: alles kann man verändern, wenn man weiß, was man verändert. Neu machen kann er alles, nur die Spuren der Vergangenheit nicht, deshalb bleiben beim Straubinger alte Fenster, Türen und Deckenmalereien.
  3. Straubinger und Badeschloss: Das Straubinger hatte nicht einmal 50 Zimmer, das Badeschloss 25, dazu viele Säle und Stüberl. Mit einem Neubau auf dem abgebrannten Teil kommen beide Häuser zusammen auf 160 Zimmer.
  4. Büro hat Betten: Für das Revo in München lautete das Briefing nur, das Hotel soll auch Ort des Arbeitens sein. Bernard drehte es um, das Büro hat auch Betten, das Konzept entstand in zwei Nachmittagen.
  5. Kastenfenster schlagen Neubau: Nach Erkenntnissen der TU Graz hat das alte Wiener Kastenfenster das neue Fenster in der energetischen Gesamtbilanz spätestens nach 30 Jahren überholt. Deshalb kämpft BWM in Dresden und Bad Gastein für die alten Fenster.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

Fast hätten wir Erich Bernard an den Maschinenbau oder gar die Philosophie verloren. Doch das ist nochmal gut gegangen, bis hin zur Gründung von BWM Architekten.

Wie hätte das Hotel Ensemble Straubingerplatz in Bad Gastein wohl sonst ausgesehen? Oder das Hotel Gilbert, welches uns zur Aufzeichnung dieser ersten Wiener Episode auf seine Empore geladen hat?

Im „Manhattan der Alpen“ tut sich derzeit viel. Großen Anteil daran hat Hirmer Hospitality aus München (siehe auch HOTEL-PODCAST #56 mit Moana Raphaela Sax).

Aber wie weit sind die Arbeiten vorangeschritten, was bleibt, was muss weg? Ich freue mich jedenfalls, bald bei Michael Posch vor Ort zu sein und mir selbst ein Bild davon zu machen.

Aber auch rund vier Stunden südlicher ist was los. Nicht wahr Christoph Hoffmann?

Die letzte Etappe unserer Grand Tour führt nach Deutschland. Genauer gesagt ins von Delugan Meissl Associated Architects entworfene Revo München. Findet sich hier etwa der wahr gewordene Traum vom perfekten Homeoffice?

Herzlichen Dank Erich, vielleicht klappt’s doch noch mit einem Praktikum bei dir.

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Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:01
    Ronald M. Arndt

    Wir kennen uns jetzt 5 Minuten, Erich. Sind wir schon beim Du oder noch kurz Sie oder warten wir den Podcast noch ab?

  2. 00:11
    Erich Bernard

    Nein, wir sind schon beim Du.

  3. 00:13
    Ronald M. Arndt

    Okay, wunderbar.

  4. 00:14
    Erich Bernard

    Das ist natürlich auch eine Generationsfrage. In meiner Generation ist man sozusagen ganz früh und ganz lang beim Du.

  5. 00:21
    Ronald M. Arndt

    Meinst du, da liegen so viele Generationen zwischen uns beiden?

  6. 00:24
    Erich Bernard

    Glaube ich nicht.

  7. 00:25
    Ronald M. Arndt

    Glaubst du nicht?

  8. 00:27
    Erich Bernard

    Hoffe ich nicht.

  9. 00:28
    Ronald M. Arndt

    Ich sage aus Erfahrung, weil es gab ja auch ein Leben vor dem Hotel. Hotel-Podcast bei mir. Und ich habe früher mal 2016 so das eine oder andere Event gemacht mit dem Leo Hillinger. Er dürfte dir ein Begriff sein.

  10. 00:41
    Erich Bernard

    Ja, natürlich.

  11. 00:41
    Ronald M. Arndt

    Er ist ja das im Wein, was du in der Architektur bist.

  12. 00:44
    Erich Bernard

    Ja, ja, Leo Hillinger ist natürlich eine— das ist vielleicht zu weit gegriffen, dass ich das in der Architektur bin, was er bei Wein ist. Aber Leo Hillinger ist natürlich eine sehr prominente Person in Österreich, sehr präsent mit allen möglichen Dingern.

  13. 00:57
    Ronald M. Arndt

    So, jetzt bin ich heute hier, habe extra das Taxi heute Morgen genommen in Stuttgart um 4 Uhr.

  14. 01:03
    Erich Bernard

    Sehr zeitlich.

  15. 01:05
    Ronald M. Arndt

    Ja, um bei dir pünktlich anzukommen. Ich bin schon beim zweiten Verlängerten, so wie der Kaffee bei euch hier heißt.

  16. 01:13
    Erich Bernard

    Ja, genau, bei uns heißt er so.

  17. 01:16
    Ronald M. Arndt

    Auch das habe ich noch in Erinnerung von damals. Aber es war ja nicht nur das Event mit Leo Hillinger damals, sondern habe ich auch schon ab und an erwähnt im Podcast. Ich habe auch irgendwo Wiener Wurzeln. Meine Großtante hat hier in Wien ihr Leben lang verbracht und ich als Kind eben die ganzen Sommerferien. Also ich freue mich aus mehreren Gründen, aber aus dem insbesondere, einfach mal wieder hier zu sein und jetzt natürlich auch meine Leidenschaft der Hotels, aber auch die Leidenschaft der Architektur und Wien miteinander zu verbinden. Denn ich war nämlich auch mal in einem Kurzpraktikum bei Benisch und Partner in Stuttgart.

  18. 01:49
    Erich Bernard

    Ah ja, Benisch und Partner habe ich einmal besucht in meiner Studienzeit.

  19. 01:52
    Ronald M. Arndt

    Da haben sie mir alle davon abgeraten, Architekt zu werden. Weshalb? Es hieß immer, wenn deine Eltern nicht selbst ein Architekturbüro hätten, dann sei der Weg sehr schwer. Wie war das bei dir damals?

  20. 02:02
    Erich Bernard

    Mein Vater hatte ein Architekturbüro. Aber ich bin nicht dort eingestiegen. Ich habe alles neu begonnen. Also mein Vater hatte in einer anderen Stadt, in Graz, sein Architekturbüro.

  21. 02:12
    Ronald M. Arndt

    Also du hast die Inspiration vom Vater, aber jetzt richtig gemacht.

  22. 02:16
    Erich Bernard

    Aber ich bin aufgewachsen mit dem Thema. Ich bin aufgewachsen mit den ganzen Schwierigkeiten, die der Beruf auch mit sich bringt. Honorarverhandlungen am Mittagstisch sozusagen, Bauaufsicht nach dem Mittagstisch.

  23. 02:29
    Ronald M. Arndt

    Ist das jetzt positiv oder negativ? Oder wegen Gläschen Wein ab und an?

  24. 02:33
    Erich Bernard

    Oder nein, eigentlich hat mein Vater immer nur gearbeitet, Tag und Nacht und Tag und Nacht. Ja, sozusagen, das, so bin ich aufgewachsen. Und da ist es für mich auch natürlich ein bisschen ein Benchmark auch und auch was Normales, die Welt, in der ich dann beruflich hineingeschlittert bin.

  25. 02:52
    Ronald M. Arndt

    Ja, wenn du sagst, immer nur gearbeitet, Ist es bei dir jetzt weniger, oder kriegst du es besser hin? Weil wenn ich mir das mal anschaue, was der Erich alles macht mit seinem Büro.

  26. 03:01
    Erich Bernard

    Die Arbeit ist ja relativ, sozusagen. Ich unterscheide mein Leben ja nicht in Arbeit und Nichtarbeit, sondern als Architekt, wenn man das mit Begeisterung macht. Ich habe ursprünglich gar nicht begonnen, Architektur zu studieren. Ich habe begonnen Philosophie und Maschinenbau und alles Mögliche habe ich inskribiert. Aber dann am ersten Studientag, als ich die anderen Studien besuchen wollte, bin ich doch abgebrochen und doch zur Architektur gegangen, weil es halt doch meine Leidenschaft war, bin ich draufgekommen.

  27. 03:26
    Ronald M. Arndt

    Oder war irgendeine Tür offen und hast du gedacht, sieht auch spannend aus, was da so ähnlich, so ähnlich.

  28. 03:31
    Erich Bernard

    Und da, wenn man das als Leidenschaft hat, fließen natürlich Arbeit und Freizeit ungetrennt ineinander, sagen wir so.

  29. 03:42
    Ronald M. Arndt

    Jetzt ist Architektur natürlich das eine, aber dein Portfolio, wie man es ja nennt, ist ja auch sehr durch die Hospitality geprägt, glaube ich. Wie kam es dazu?

  30. 03:52
    Erich Bernard

    Naja, das ist ja, also ich habe mich sehr früh begonnen, mit Interieur zu beschäftigen, bin auch damit ein bisschen aufgewachsen, hat mein Vater schon gemacht. Und mein Vater hat schon Shops gemacht und viele Interieurs, der ist schon von seinem, bei seinem Lehrmeister so aufgewachsen, ja, der in Wien, Oswald Hertl, ein bekannter, sehr bekannter Interieurdesigner und Architekt war. Und so war das Interior-Feld ein ebenso Vertrautes. Und auf der anderen Seite hatte ich einen Großvater, der Geschäftsführer war in einem Hotel und in einem Kaffeehaus lange Zeit. Ich habe diese Zeit nicht selbst erlebt, sondern immer nur von Geschichten, aber dadurch, so ist meine Interpretation, hat sich natürlich auch eine Nähe zu dieser Branche, zur Hospitality-Branche gebildet. Das ist ja nicht nur Hotellerie, sondern es ist Gastronomie auch, die ich sehr mag. Und das geht praktisch vom Essen weg bis zum Ambiente und von den Menschen, die da drinnen arbeiten, bis zur Umgebung so eines Hauses, die mitgedacht werden.

  31. 05:02
    Ronald M. Arndt

    Ich habe da jetzt noch so ein paar Namen im Kopf: Figlmüller, wenn wir mal bei der Gastro anfangen, Oberlaa, Sacher, Salon Sacher, Sacher Eck. Da hast du deine Finger mit drin und mit drin gehabt.

  32. 05:16
    Erich Bernard

    Ja, also man muss sagen, dass ich zuerst lange Zeit Shopdesign gemacht habe, und es war gleich nach dem Studium. Eines der ersten Projekte war ein gewonnener Wettbewerb für ein Future Outlet, eine Buchhandelskette. Und mit diesem Wettbewerb, da sind wir praktisch, ich mit meinem damaligen Büropartner, wir haben uns eigentlich sozusagen fast für dieses Projekt gegründet. Wir haben schon ein paar Projekte gemeinsam gemacht, sind dann gleich in eine Auftragsserie geschlittert und sind ins kalte Wasser geworfen worden. Eben dann fast 10 Jahre fast nur Shopdesign gemacht, schon Architektur auch, aber verschiedenste Shops. Da lernt man natürlich diese Schnittstelle der Stadt zum Inneren eines Hauses sehr gut kennen. Aber Shop ist immer Thema der Schnittstelle. Wie bringt man die Leute herein? Was vermittelt man immer die Schnittstelle zur Öffentlichkeit. Und das war eine gute, aber auch harte Übung. Also die Shopwelt ist sehr taff, weil da wird ein Entschluss gefällt, was zu machen, und 16 Wochen später musst du— sind 4 Monate— wäre heute nicht mehr denkbar, weil diese Lieferketten so schwieriger geworden sind.

  33. 06:30
    Ronald M. Arndt

    Aber ich denke, deine Arbeit, aber natürlich nachher musst du es noch ausführen.

  34. 06:33
    Erich Bernard

    Genau, aber 16 Wochen später musste der Shop aufsperren. Also es war damals echt so super taff, und dazwischen musste man unsere Arbeit machen, also Konzept und so weiter. Das heißt, man hat eigentlich, haben wir in der Hochschule immer über unseren Professor, meinen Professor auf der Angewandten gelacht, der gesagt hat, in einem Semester muss ein Projekt fertig sein. Er hat aber nur die Konzeptphase gemeint, die Entwurfsphase. Dass es in Realität so sein sollte, dass in einem Semester praktisch das Projekt schon gebaut sein muss, damit haben wir nicht gerechnet. Damals haben wir noch gelacht, später haben wir dann gewusst, okay, das ist die Realität. Und da habe ich dieses Arbeiten am Interieur auch mit schnellen Entscheidungen, trotzdem stringentem Konzept, weil auf dem haben wir immer aufgebaut. Also wir haben immer darauf bestanden, dass man ein starkes Konzept macht, was uns ja auch Nachhaltigkeit beschert hat, unseren Produkten. Also manche Shops sind jetzt 30 Jahre alt, die wir gemacht haben. Und also unter anderem der zweite Shop, den wir gemacht haben, ist unverändert bis heute, was bei Shops Seltenheit ist, weil das ist 7 Jahre Halbwertszeit normalerweise.

  35. 07:49
    Ronald M. Arndt

    Aber in der Hotellerie spricht man ja beim Hotelzimmer auch so von 8 Jahren.

  36. 07:52
    Erich Bernard

    Ja, ich würde sagen, Hotel ist ein bisschen länger erfahrungsgemäß. Die Hoteliers sprechen zwar von 8 Jahren, aber damit meinen sie sozusagen dieses erste Lipstick-Refurbishment und so weiter. Aber ein Shop, der zum Beispiel Kleider verkauft oder irgendwas mit Mode zu tun hat, ist nach 7 Jahren einfach an einem Punkt angelangt, wo man, je nachdem wie modisch er vorher war, wo man hinterfragt.

  37. 08:14
    Ronald M. Arndt

    Das heißt, also meinst du nicht mal nur die Abnutzung, sondern natürlich auch die ganze Idee dahinter, sage ich mal?

  38. 08:19
    Erich Bernard

    Genau, Erscheinung und Idee und Man muss da schon gröbere Sachen ändern, so wie es in der Hotellerie dann praktisch diese Lipstick Renovations, also diese einfachen Refurbishments gibt, so nach 7 Jahren. So gibt es bei Shops zumindest einfache Refurbishments, wenn nicht totale Umkehr. Oft ist das Sortiment ein anderes geworden und so weiter. Es ist viel schnelllebiger. Und da habe ich das gelernt. Und dann, ich sage deshalb dazu, dass es doch ein hartes Lernfeld war, weil die, die, die, das Umfeld sozusagen, der Verkauf, die Verkaufsleiter, die ganzen Einkäufer und so weiter, das war ein bisschen ein gröberes als in der Hotellerie. Ich habe dann irgendwann verstanden, natürlich mit den ersten Gastronomieprojekten auch und, und mit dem ersten Hotelkontakt habe ich irgendwann verstanden, dass es in der Hotellerie ganz anderes, ganz andere Atmosphäre gibt und ganz andere Atmosphäre praktisch diese Zusammenarbeit bestimmt. Ich habe einmal den Direktor vom Hotel Sacher, der dann nach und nach auch ein Freund von uns, von mir geworden ist, gefragt. Rainer Heilmann hat der damalige Direktor geheißen. Sag Rainer, warum sind in der Hotellerie alle Leute so nett? Ganz einfach, sonst wären Sie nicht in der Hotellerie. Also das ist natürlich ganz was anderes, weil in der Hotellerie die Leute immer sehr viel Kontakt zu anderen Menschen haben. Das heißt, der Mensch steht total im Mittelpunkt, während im Shopbereich die Ware im Mittelpunkt steht. Und das zweite Feld, in dem ich gelernt habe, war das Kulturfeld, Ausstellungen, auch wieder an dieser Schnittstelle zur Öffentlichkeit. Ist eigentlich ein nicht unähnliches Thema wie Shop, aber trotzdem vom Ethos noch einmal ganz was anderes, weil was da verkauft wird, ist ja nicht verkaufte Ware, sondern was da vermittelt wird, es wird nämlich nicht verkauft, sondern vermittelt, es ist Inhalt, Content. Was beim Shop praktisch Einkaufs- und Verkaufsexperten sind, ist in der Museologie und im Ausstellungswesen und im Kulturbereich, sind das die Kuratoren. Und entsprechend, also der Museumsdirektor könnte man sagen, ist wie ein Hoteldirektor, und der Kurator ist wie F&B-Direktor und so weiter in der Hotellerie. Und im Museumsbusiness ist es, oder Ausstellungsbusiness, ist aber noch ein bisschen anders, weil die Kuratoren auch relativ wenig Kontakt nach außen haben, weil die haben ihr Forschungsfeld, die kümmern sich sozusagen total intensiv um die Inhalte, sind sozusagen die Konzeptionisten, und da haben wir dann oft diese Schnittstelle zur Öffentlichkeit gebildet. Und ich sage immer so ein bisschen mit Augenzwinkern, mischt du jetzt Shop und Kultur zusammen, kommt Hotellerie raus. Also das heißt, das sind die zwei Felder, in denen wir sehr viele Ausstellungen gemacht haben und sehr viele Shops gemacht haben. In den ersten 10 Jahren sicher an die 200 Shops, wenn nicht noch mehr, betreut und Ausstellungen. Macht man natürlich weniger, aber waren sicher auch an die 20, 30 Ausstellungen und Museumsumbauten und so Sachen. Und wir haben uns dann nach 10 Jahren SBWM neu gegründet und sind dann noch mit Shop und Ausstellungen weitergefahren, weil es genau das Team war, das diese Sache gemacht hat. Und also auch vorher schon.

  39. 11:47
    Ronald M. Arndt

    Und genau, einen Retail-Ableger habt ihr ja auch, ne?

  40. 11:49
    Erich Bernard

    Genau, genau. Ist geblieben. Unser Retail-Ableger, der hat sich sozusagen beibehalten und auch noch weiter professionalisiert. Also wir haben gesagt, es gibt wenig, die so viel Erfahrung in Shop haben. Also wir sind eine Zeit lang immer kontaktiert worden, als praktisch, wir sind fast die Einzigen in Österreich, die so viel Erfahrung haben. Und googelt man Shop und Architektur, kommen wir raus. Mittlerweile hat sich das Feld natürlich ein bisschen gewandelt, weil es viel mehr Concept Stores gibt und Und das macht natürlich das Feld ein bisschen breiter. Und aber Retail haben wir beibehalten. Aber wenn man dann nach weiteren 4, 5 Jahren in diesem— wir haben dann Hochbau noch dazu gemacht, mehr Hochbau, also Development City, Development, viel Denkmalschutzprojekte haben wir immer gemacht. Das hängt auch mit dieser feinen Auseinandersetzung mit dem Äußeren und dem Inneren der Gebäude auseinander. Zusammen. Also Denkmalschutz ohne Interior denken halte ich für fast undenkbar. Du musst das Gebäude erweitert denken, und da in diesem Feld haben wir viel gemacht. Und dann nach ein paar Jahren ist dort die Hotellerie so natürlich von uns auch als Zielgebiet gedacht, aber auch ein bisschen dann entstanden und gewollt entstanden und als Feld. Geschäftsfeld. Und weil einer meiner Partner, Markus Kaplan, kommt auch aus einer Hoteliersfamilie, und wir zwei haben uns sehr stark, er noch ein bisschen mehr auf der Hochbauseite und ich ein bisschen stärker an der Interiöreseite, mit diesem Hotelthema einfach identifizieren können. Mittlerweile lebe ich in diesem Feld sozusagen seit 12, 13, 14 Jahren, von Jahren. Und man kennt sich dann, die Szene ist ja dann doch relativ klein. Ich kenne sehr viele Hoteliers in Österreich, ich kenne die ganze Beraterszene, ich kenne auch Fachexpertenberater, mit denen wir vielfach zusammenarbeiten, F&B-Experten und Gastrokritiker. Und also man kennt die Szene dann sehr genau, auch über über Österreich hinaus mittlerweile. Und das ist natürlich sehr spannend, weil da sehr viele interessante Leute dabei sind. Also das ist sozusagen ein Alltag, und da kommen wir zu deiner ersten Frage wieder zurück, sozusagen, wie das ist mit Arbeiten und Freizeit, ob ich auch so viel arbeite. Nachdem dieses Milieu einfach ein sehr sympathisches Milieu ist und eine sehr sehr freundschaftliche Konstellation sich mit vielen aus diesem Milieu mittlerweile ergeben hat, trenne ich das noch weniger. Also sozusagen, wenn wir wo auf Urlaub fahren, ich mit meiner Familie, dann fahren wir sehr oft in ein Hotel, das wir umgebaut haben. Meine Family macht dann mit sozusagen in der in der Analyse dieser Hotels, wenn sie noch nicht fertig sind, weil sie sozusagen immer stückweise umgebaut werden. Was könnte man als Nächstes machen? Was fehlt noch? Oder was ist nicht gelungen? Was fehlt im Zimmer sozusagen? Wir sind unsere eigenen Testpersonen auch und bewegen uns dann sozusagen auch in unserem gestalterischen Ambiente. Und das ist schon ganz lustig.

  41. 15:12
    Ronald M. Arndt

    Siehst du, mein Sohn fragt mich mittlerweile auch, wenn wir irgendwo im Urlaub sind und nach dem Frühstück heißt es wieder, Papa macht Hotel-Podcast. Dann sitzt er meistens schon nebendran irgendwo. Aber da sind auch beide Welten eng miteinander verbunden. Aber kann ich nur bestätigen. Also Erik, du hast keine freundlichere Branche oder Milieu, wie du jetzt gesagt hast, gefunden. Freut mich. So treffen wir uns auch heute an einem öffentlichen Ort. Denn wie nennst du hier diese— erster Stock ist es nicht— Empore vielleicht? Im Hotel Gilbert.

  42. 15:43
    Erich Bernard

    Ja, siehst du, wir haben es auch schon Empore genannt. Eigentlich ist es eine Art Galerie, die da rundherum rumläuft. Und aber es hat ein bisschen was von einer Empore auch, weil es sozusagen die zweite Ebene einer Lounge ist. Die eine Lounge ist praktisch das Restaurant, das im Erdgeschoss ist, und das ist die öffentlichere, weil es eben Teil des Restaurants ist, das Restaurant ja für alle offen ist, also auch für die Locals und nicht nur für die Hotelgäste. Und das ist ein Bereich, der eigentlich die ruhigere Lounge ist, die intimere Lounge. Die eigentlich nur den Hotelgästen, die das hier extra buchen, zur Verfügung steht.

  43. 16:21
    Ronald M. Arndt

    Das heißt, als Gast von auswärts kann man hier so ein bisschen aufs Stadtvolk auch hinunterschauen und beobachten. Von der Empore, ein bisschen wie im Theater.

  44. 16:31
    Erich Bernard

    Ja, eben deshalb haben wir auch Empore gesagt. Und Empore ist ja sozusagen nicht nur was Exklusives, nicht nur was Ausschließendes, sondern Es ist ja auch, man hat seinen eigenen Platz, ohne irgendwo weggesperrt zu sein. Das war unsere Idee, an das Hinunterschauen so sehr gedacht, sondern wir haben eher diese Idee, ich gehe nicht hinunter oder irgendwo in ein Hinterzimmer, sondern ich gehe hinauf und bin dann sozusagen noch ein bisschen im Licht. Man sieht ja hier das Tageslicht, man ist dann dem Licht noch ein bisschen näher, man ist dem Tag noch ein bisschen näher. Das ist eigentlich die Idee von dieser Zone hier und das sehr ruhige, aber das Wohnzimmer von den Leuten. Das ist so, wenn ich sage, da habe ich mein Wohnzimmer, dann habe ich das Zimmer, das Esszimmer, wo auch die Gäste kommen. Ins Wohnzimmer kommen sie nicht immer.

  45. 17:21
    Ronald M. Arndt

    Ja, also kann ich nur bestätigen. Jetzt bin ich noch nicht lange hier, aber das nächste Mal, wenn ich in Wien bin, werde ich mal hier einchecken.

  46. 17:26
    Erich Bernard

    Ich hoffe, du übernachtest auch.

  47. 17:27
    Ronald M. Arndt

    Mich einbuchen und ganz genau. Aber ansonsten wunderbar. Und wann war das Projekt hier für, für BWM? Wie sah das aus? Was war es davor?

  48. 17:38
    Erich Bernard

    Naja, das war, das war schon ein Hotel. Das war ein Hotel, das war ein, es hat geheißen Vienna Art Hotel, mit einem Kunstwerk.

  49. 17:46
    Ronald M. Arndt

    So wie bei der Kunst.

  50. 17:48
    Erich Bernard

    Ja, aber es hat mit Art eigentlich nicht viel zu tun gehabt. Das war sozusagen seine Serie, eine Art Franchise-Idee, wie Designhotels, dass sich Hotels über das Kunsthema verbinden, und es stand halt in jedem dieser Hotels ein Kunstwerk rum. Aber das ist dann von einer Generation in die nächste übergegangen, und sowohl die eine als auch die nächste Generation haben gesagt, eigentlich reicht uns das nicht mehr so, wie es jetzt immer war. Wir wollen eigentlich sozusagen auch für die nächste und für die übernächste Generation ein Haus schaffen, das viel Wärme ausstrahlt und das auch viel von dem verkörpert, was wir vorhin über das Milieu gesprochen haben. Haben. Das Haus war kalt, war akustisch kalt, es gab eine Steiltreppe, es hat das ganze Haus gehalten. Da hier, wo wir jetzt uns in diesem sogenannten Wohnzimmer auf dieser Empore befinden, waren eigentlich Büros. Und das heißt, die Galerie war nicht als solche existent. Und wir haben aber dann doch versucht, viel von der Hardware zu übernehmen. Und also auch im Sinne der Nachhaltigkeit, da haben wir geschaut, dass wir vor allem mit Oberflächen arbeiten, mit Perforationen, die vorher nicht da waren. Wir haben eher Dinge weggenommen als weggenommen und wieder dazugebaut. Das heißt, wir haben mehr aufgemacht. Also diese Transparenz, vorhin hinaus, vorhin war Geschäftslokal, das war vermietet, und wir haben versucht, ein sehr durchlässiges Haus zu schaffen, das von der Akustik her, man merkt das von der Akustik her, sehr gedämpft ist, um diese Gemütlichkeit auch zu vermitteln. Und ein Haus, das ein bisschen, auch wenn du reingehst aus der Stadt, ein bisschen langsamer wird, also wo man sagt, da lehne ich mich zurück und da fühle ich mich richtig wohl. Also Cosiness ist dieses Wohlfühlen, das ist für mich, auch für unser Arbeiten im Büro, eines der wichtigsten Kriterien. Das ist was, was wir versuchen, immer zu erreichen. Also sozusagen, das ist nicht Natürlich versuchen wir, oder natürlich ist unser Ziel, immer ein straightes Konzept zu haben, aber das Konzept darf nicht über den Betrieb und über die Leute, über die Gäste so dominieren, dass es ein Cosy wird. Also der Idealfall ist für uns immer, ein strenges Konzept zu haben und Cosiness zu erreichen. Ich finde, das mit der Cosiness ist uns daher du hörst, wir sind mit dem Produkt auch sehr glücklich, ja, ist uns das sehr gut gelungen. Also der Erfolg gibt uns recht. Also das ist, am Wochenende ist da hier halb Wien anzutreffen, ja, das weiß ich. Meine Tochter arbeitet hier im Servicehaus, okay, okay, und die berichtet mir immer, was alles gut funktioniert, was nicht so gut funktioniert. Also auch da spielt das dann zusammen und und da weiß ich eben, dass das richtig voll sein kann. Und das war unser Ziel, auch die Locals reinzubringen, weil man sich fragen muss, was gibt ein Hotel der Stadt auch zurück? Hotel nimmt von der Stadt natürlich die Sehenswürdigkeiten nicht weg, aber es benutzt sie. Der Stephansdom, deshalb kommen die Leute nach Wien, schön wohnen, und, und was weiß ich, die Stadt und Museumskvarter und viele Sachen. Aber wir haben uns gemeinsam mit den Eigentümern und den Betreibern, owner-operated. Das ist sehr oft ein sehr erfolgversprechendes, eine erfolgversprechende Konstellation, owner-operator. Und mit den Eigentümern gemeinsam haben wir uns die Frage gestellt, was gibt dieses Haus, was kann dieses Haus eigentlich der Stadt zurückgeben, wenn es immer konsumiert von der Stadt, oder die Gäste konsumieren? Und und das benutzt die Stadt. Und dabei eigentlich dieses Thema Shop einerseits, Shop, das ist erwachsene Sache, also dass man einen Blumenladen vorne macht, es ist alles vorgesehen dafür, das dauert aber noch. Und das andere ist natürlich die Hauptsache Gastronomie.

  51. 21:49
    Ronald M. Arndt

    Flora heißt es ja schon vorher.

  52. 21:50
    Erich Bernard

    Und Flora, genau, deshalb heißt es auch und Flora. Gilbert und Flora. Die Kat ist nach Gilbert. Gilbert-Kat. Und Flora ist das Restaurant. Und dieses und Flora ist praktisch das ganze Erdgeschoss von vorne bis hinten. Hinten gibt es eine kleine Kirchberggasse, sieht man auch hinten raus durch die Küche durch. Alle sind part of the game. Also man sieht auch, auch der Abwäscher ist nicht versteckt oder so, weil es oft heißt, den Abwäscher darf man nicht sehen in der Küche. Alles offen, weil wir gesagt haben, everybody is part of the team. Und die Stadt, die Leute der Umgebung, für die soll das auch ein Lokal sein, dass alle einlädt hereinzukommen und zu partizipieren, vice versa. Also das Team des Hauses partizipiert am Leben da drinnen und die Locals partizipieren auch am Leben da drinnen. Und das ist keine leichte Aufgabe gewesen, weil die Wiener gehen normal nicht in Hotels, in Hotelrestaurants. Diese Regel galt ganz lange Zeit, das hat sich mittlerweile ein bisschen geändert, weil die Restaurants, die Gastronomie in den Hotels verstanden hat, was man machen muss. Aber nicht immer und überall. Aber das zählt zweifellos zu einem der Orte, wo das funktioniert. Das erste, unser überhaupt fast erstes Projekt war das 25 Hours. Die haben das überhaupt erst einmal eingeführt, das 25 Hours. Die waren die Ersten, die gesagt haben, wir machen Gastronomie open for everybody. Sage ich jetzt auf Englisch, weil natürlich die Umgangssprache in der Hotellerie ist. Und ich kann mich erinnern, die Wiener Szene hat gelacht, hat gesagt, na, die werden sich anschauen, wer geht da rein? In ein Hotel geht keiner rein, das ist nur Frühstückspublikum. Und 25 Hours hat es geschafft, dass dieser Dachboden noch dazu war, nicht im Erdgeschoss zugänglich, sondern es war im Rooftop. Es war praktisch, Erdgeschoss war Studentenheim, 4, 5 Geschosse, und drüber hat das jetzt Hotel begonnen, und die Bude war brechend voll. Es war so, dass das dann in einem zweiten Gang später noch einmal erweitert, zweimal noch erweitert wurde, dass man dort diesen Dachboden, dieses Rooftop— danach ist ja das Berliner 25 House mit der Monkey Bar gekommen, dort haben sie das dann weiter fortgeführt, aber für die war das selber Überraschung. Und dieses Dachgeschoss ist hier richtig weiter zelebriert. Hätten ursprünglich Hotelzimmer werden sollen, nachdem das Erdgeschoss dazugekommen ist. Aber die waren die Benchmarks, und dort haben wir das natürlich auch gelernt und haben gesehen, okay, was muss man machen, um erfolgreiche Gastronomie, die wir natürlich auch in Wien kennen, die Gastroszene, ja, aber erfolgreiche Gastronomie in der Hotellerie zu machen.

  53. 24:25
    Ronald M. Arndt

    Da schließt sich der Kreis, denn genau im 25 Hours habe ich damals einen Großteil meiner Stuttgarter oder deutschen Gäste untergebracht beim Event beim Leo Hillinger. Das war so 2016 und da war eben 25hours Kooperationspartner.

  54. 24:38
    Erich Bernard

    Ja, da war er relativ neu.

  55. 24:39
    Ronald M. Arndt

    Genau, gerade aufgemacht. Aber auch der Christoph Hoffmann ist ein Fan des Hotel-Podcasts und wird hier auch bald mal zu Gast sein.

  56. 24:47
    Erich Bernard

    Ja, mit dem Christoph Hoffmann machen wir auch viele Projekte.

  57. 24:49
    Ronald M. Arndt

    Denke ich mir, denke ich mir.

  58. 24:50
    Erich Bernard

    Eines der ersten, eines der ersten waren eben das 25hours.

  59. 24:53
    Ronald M. Arndt

    Der ist ja auch regelmäßig tätig.

  60. 24:54
    Erich Bernard

    Also es hat mich echt erregt, wie viele Stunden er bei uns im Büro verbracht hat. Er hatte schon sein eigenes Ladegerät am Tisch stecken, weil er sozusagen seine ganzen Electronic Devices bei uns aufgeladen, weil so viel Zeit bei uns im Büro war. Und wir machen jetzt ein Projekt in Triest mit ihm. Also das ist in Triest, und das Italienische.

  61. 25:17
    Ronald M. Arndt

    Und in Triest machst du ja sowieso das eine andere.

  62. 25:19
    Erich Bernard

    Genau, in Triest mache ich einiges, aber 25 Hours ist natürlich eine richtig große Nummer, und das macht schon Spaß mit dem Christoph Hoffmann. Also sozusagen, es ist ja Die 25Haus-Produkte sind ein bisschen um ihn herumgeschneidert, aber wir kennen uns eben sehr lang. Wir haben da nicht das Interieur gemacht von diesem Wiener Hotel, zwar als Generalplaner die Implementierung auch des Interieurs gemacht, aber wir kennen einander natürlich aus dieser intensiven Zeit von damals. War auch eines seiner ersten Hotels, die er so selbstständig gemacht hat, und Jetzt ist er ja nach dem 25 Hours an Accor gegangen, ist er nach wie vor die Galionsfigur, sagen wir so dazu, von 25 Hours und unser Gesprächspartner. Und das ist schon auch eine sehr spannende Herausforderung. Es macht mir unglaublichen Spaß, mit dem Christoph Hoffmann auch ein bisschen um die Themen Authentizität und Storytelling zu fighten. Sozusagen. Und mittlerweile viel gelernt, wie er denkt und wie er auch dieses Thema der Nachhaltigkeit auf einer anderen Ebene in den Hotels mitnimmt, nämlich dass die Hotels schon, würde ich mal sagen, Spuren von vornherein haben, ja, also sozusagen, dass sie Spuren aufnehmen können und die Spuren verzeihen auch. Also sozusagen, das ist eins der Themen von 25 Hours, würde ich sagen.

  63. 26:51
    Ronald M. Arndt

    Ja, und der Christoph hat mir mal bei unserer letzten Begegnung gesagt, dass er so ein großer Fan auch sei der Grand Hotellerie. Und vielleicht machen wir da kurz, schlagen wir die Brücke nach Bad Gastein. Das meinte Christoph, der das gesagt hatte, aber auch in einem meiner letzten Podcasts, glaube es war Episode 56 mit der Moana Sachs von Hörmer, da sind das erste Mal auch Ich glaube, nach dem Podcast, nach der Aufzeichnung, dann der Name BWM und Erich gefallen. Und so kamen wir dann auch irgendwo indirekt zusammen. Ihr seid dabei, ein Grand Hotel, das Grand Hotel Straubinger in Bad Gastein, und man nennt es ja auch Ensemble, weil da gehört noch ein bisschen mehr dazu, gerade zu überarbeiten, ist der falsche Ausdruck, zu revitalisieren.

  64. 27:35
    Erich Bernard

    Wie sagt man revitalisieren? Ist ein Aspekt, über Arbeiten ist ein anderer Aspekt. Beides ist zutreffend. Arbeit ist auf jeden Fall, ja, das ist ja sehr, sehr umfassende Sache, das Bad Gastein, weil das Bad Gastein sozusagen, also das Bad Gastein Projekt, und das Bad Gastein Projekt auch von Bad Gastein her schon einmal zu denken ist.

  65. 27:57
    Ronald M. Arndt

    Bad Gastein, Moana Sachs wird vielleicht eher auch ein bisschen was erzählt haben über Bad Gastein, aber Bad Gastein Wir haben uns verabredet, dann in Bad Gastein, aber jetzt bin ich heute schon bei dir, also von daher verschiebt sich mein Besuch in Bad Gastein dann vielleicht doch noch mal bis zur Eröffnung.

  66. 28:15
    Erich Bernard

    Bad Gastein ist absolut sehenswert.

  67. 28:18
    Ronald M. Arndt

    Ich check dann direkt im Straubinger ein.

  68. 28:22
    Erich Bernard

    Ja, genau, du musst noch ein bisschen warten, aber nicht lange. Wir sind im Finale und Bad Gastein ist insofern einer einer der bizarrsten, im positiven Sinne bizarrsten Orte in den Alpen. Also es gibt natürlich noch St. Moritz und ein paar auch in den französischen Alpen gibt es einen Ort, aber es gibt dann noch den Semmering in Frankreich. Mir fällt er nicht ein jetzt, aber es gibt ganz wenig Orte, die so Kunstorte sind. Und der Semmering auch in in Österreich. Also das hat natürlich, haben die Alpen mit sich gebracht, dass sie einfach schwerer zugänglich waren und der Tourismus lange Zeit ausgeschlossen war. Mit der Eisenbahn, es war im Wesentlichen, weißt du, Eisenbahn, die das erschlossen hat. Und mit der Eisenbahn sind plötzlich Orte zugänglich geworden, die so ein bisschen, das eine war ein kleiner Bergarbeiterort, ein anderes war ein kleiner die hatten aber immer was Spektakuläres. Ein kleines, maximal eine Bauernansiedlung, das Hemmering war maximal eine Bauernansiedlung. In Bad Gastein waren Bergarbeiter, und also es gab Gold- und Silberbergwerke. Und in Bad Gastein gab es aber auch das Wasser mit der besonderen Wirkung, radonhaltig, also sozusagen. Radon ist auch ein strahlendes Element, Das heißt, man ist dann draufgekommen, dass das irgendwas mit dem Körper tut und manche Krankheiten lindert. Und Bad Gastein hat sich so ein bisschen Richtung Kurort geschoben, aber die Infrastruktur war einfach über, würde ich sagen, Jahrhunderte erbärmlich. Also man hat so kleine Badehütten gemacht, und in den 1870er Jahren ist dann die Eisenbahn konzipiert worden und und die Tauernbahn gekommen, und damit ist der Ort erreichbar gewesen. Und gab schon vorher Aristokraten, die sich angesiedelt haben, und plötzlich ist die Stadt praktisch, oder ist der Ort hochgeschossen wie eine Stadt, so muss man sagen. Und heute gibt es so, das unterscheidet allerdings vom Bad Gastein vom Semmering, weil Semmering, am Semmering sind zwar die größten Hotels dieser Zeit überhaupt in den Alpen entstanden, oder in den Bergen entstanden. Aber Semmering, da war immer nur vereinzelte Brocken, das war nie ein zusammenhängender Ort, also immer Hotelbrocken, Distanz, Hotelbrocken, Distanz und so. Und Bad Gastein hat sich das um diesen Wasserfall zusammengeballt, weil der Wasserfall war die, die, es waren eigentlich ursprünglich zwei Wasserfälle, war die Hauptanziehungskraft für, für den touristischen Milieu, ja. Und es haben sich zwei gefunden. Das war der touristische Voyeur sozusagen, der—

  69. 31:15
    Ronald M. Arndt

    das habe ich jetzt auch noch nie gehört im Zusammenhang, aber gefällt mir.

  70. 31:17
    Erich Bernard

    Ja, habe ich gerade erfunden. Aber der einfach die Landschaft ansehen wollte, ohne sie oft zu benutzen sozusagen. Das war nicht der Bergwanderer, deshalb sage ich, es war der Voyeur. Es war der, der eigentlich ein mundanes städtisches Leben nicht vermissen wollte. Deshalb sind die Häuser sehr modern und städtisch. Und eigentlich ist das Grand Hotel de l'Europe in Bad Gastein das Vorbild vom Grand Budapest Hotel, also sozusagen. Und das waren dann diese Grand Hotels, die da entstanden sind, die eigentlich ein Stück Stadt, so wie ein kleines Pattern, einen Patternausschnitt Stadt dorthin transportiert haben. Und in Bad Gastein speziell ist, gibt es in St. Moritz auch, diese Dichte. Und dadurch sind die Häuser sehr in die Höhe gewachsen. Das Grand Hotel Europa war zum Beispiel 13- oder ist 13-geschossig. Und das ist auch das, was man am Filmplakat sieht, vom Grand Budapest Hotel. Und das sieht man von hinten gar nicht, weil wenn man von hinten zugeht, weil das alles am Hang liegt, hat es 4 Geschosse und von von 13 geschossen. Also so ungefähr ist das. Also es war schon richtige Hochhausstadt. Und man sagt oft auch dazu Berlin in den Alpen, Monaco in den Alpen und Manhattan in den Alpen. Und solche Sprüche gibt es zu Bad Gastein. Aber, und jetzt schlage ich vielleicht diesen, schließe ich diesen Kreis ein bisschen zu Grand Hotel. Das, was das Grand Hotel unterscheidet von den, von den alpinen Unterkünften, die heute nach wie vor, aber schon seit 100 Jahren auch, auch im alpinen Bereich entstehen, die eher sozusagen auf Alpine Style setzen, hat das Grand Hotel immer mit der, mit dem städtischen Publikum und immer mit dem Thema Stadt gespielt. Und das ist auch was, was wir in, in, mit dem Grand Hotel Straubinger machen. Also ich finde Grand Hotel überhaupt ein sehr spannendes Phänomen, weil für mich ist das ein bisschen dieser Zusammenhang mit der sogenannten Grand Tour. Ich weiß nicht, ob du die Grand Tour kennst. Dieses, die zuerst die britischen Aristokraten, später dann auch die russischen und die französischen Aristokraten auf eine Tour geschickt hat, bei der die großen Weltstädte waren, Teil davon. Dann ist die Schweiz dazugekommen, und dann sind auch die, die österreichischen Alpen dazugekommen irgendwann. Zuerst war es London, Rom, also London, Paris, Rom. Später ist dann Russland dazugekommen, hat man Moskau, Sankt Petersburg eher noch, Moskau auch, aber Sankt Petersburg besucht. Und dann hat man, hat man begonnen, die Schweiz mitzunehmen als, als Bild der Alpen schlechthin. Da war einfach die Schweiz sozusagen das Image der Alpen, und man hatte auch das Innere Österreichs, Salzkammergut oder so, hat man zum Beispiel die österreichische Schweiz genannt. Also sozusagen Schweiz war praktisch das Alpenbild, und Bad Gastein ist dann ab 1880, da ist es dann so hochgeschossen, dann auch mitgenommen worden in dieser Grand Tour. Und die Grand Tour, natürlich, ein Grand Hotel hat nicht unmittelbar mit Grand Tour zu tun, tun. Aber, aber für mich hat schon viel mit diesem Denken der Grand Tour zu tun, weil was die Aristokraten sehen wollten, war natürlich spektakuläre Situationen in der Stadt Rom, die Ausgrabungen in Paris, wie halt Haussmann die Stadt verändert hat, in Sankt Petersburg, das ist Venedig des Ostens und so und so weiter. Und im Alpenbereich waren es immer praktisch die bizarren Berge und der Wasserfall. Das war immer, der Wasserfall war ein Ziel von diesem Grand-Tour-Publikum. Die wollten aber auf ihren Luxus nicht verzichten, und dann haben sie Hotels mitgenommen. Und die Hotels haben sich dann nach ihren Bedürfnissen geformt und haben sich dann Grand Hotel genannt. Natürlich hängt es auch mit der Größe zusammen, aber es war vor allem die Größe der Idee aus meiner Sicht, die beim Grand Hotel mitgespielt hat. Und Bad Gastein ist dann eben so eine Ansammlung von Grand Hotels geworden. Und dann mit dem, mit der Möglichkeit des Reisens, mit dem Auto ist man schnell nach Italien gekommen und überall hin, ist das, ist der Tourismus abgeflacht, die Ideen sind geringer geworden. In den 70er Jahren war noch Liza Minnelli, oder späten 60er oder 70er Jahren, glaube ich, war noch Liza Minnelli dort zu Gast in Bad Gastein. Wie ich Bad Gasteiner erlebt habe, Ende der 80er Jahre sind dort Horden von Touristen aus aller Herren Länder herumgelaufen, die alle so Tafeln umgehängt hatten. Das war mein erstes Gastgebererlebnis. Tafeln umgehängt hatten mit der Adresse und der Telefonnummer und ihrem Namen, wo sie wohnen, weil die dann so viel getrunken haben, dass sie nicht mehr sagen konnten, wo sie wohnen. Und dann hat man sie in ein Taxi gesetzt und die sind dann daheim gebracht worden. Das ist mittlerweile nicht mehr so, aber Bad Gastein ist irgendwie ein Abandoned Place geworden, also ein bisschen abandonierter Ort. Und genau das ist das Spannende, ne, dass also Bad Gastein ist jetzt schon einmal gestorben, aber, aber auf eine spannende Art sozusagen. So wie die Ruinen Roms ja auch spannend sind auf ihre Art, ist auch dieses Abandonierte, ein bisschen Abandonierte Gastein, das einfach die, diese Spuren der Geschichte in sich trägt, spannend geworden. Als abandonierter Platz auch, ne. Das heißt, wenn man Bad Gastein jetzt wieder rausputzt und sagt, es soll wie St. Moritz werden, ist es nicht mehr so spannend, wie es jetzt ist, ne. Und das ist für unsere Challenge, weil das Straubinger ist der Nukleus von Bad Gastein, das ist praktisch der Kern.

  71. 37:11
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, da ging es 1991 los damals so mit der Baustelle als angefangen haben, da was neben dem Wasserfall, so unmittelbar daneben, zu entwickeln. Und wenn du sagst Nukleus—

  72. 37:24
    Erich Bernard

    und Bad Gastein hat überhaupt begonnen, um Straubing herum zu wachsen. Also das heißt, das lässt sich zurückverfolgen bis 1390 oder was, die erste Hütte der Straubinger. Hat mehrere Jahrhunderte Familiengeschichte, Straubinger hinter hinter sich gehabt, bevor dann der letzte Straubinger-Nachkomme das irgendwann aufgegeben hat. Wie wir gekommen sind, sind noch die Schilder an der Tür gehangen: Im Moment geschlossen, wir öffnen im September 1905.

  73. 37:55
    Ronald M. Arndt

    Okay, also letzte Straubinger, hat das Schildchen noch aufgehängt.

  74. 37:58
    Erich Bernard

    Und wenn man aber hineingegangen ist, ist das Dach aufgerissen gewesen und die waren die Decken eingestürzt, also sozusagen, man konnte die innersten Teile des Straubinger gar nicht begehen. Also es war wirklich einer der Orte, die am stärksten zerstört sind von allen den Orten, die ich erlebt habe, zerstörten Orten, also sozusagen, es war fein. Und deshalb hat es wirklich, es hat dem Straubinger Spekulationen und andere Dinge haben dem Straubinger wirklich arg zugesetzt. Das Badeschloss war halb abgebrannt dahinten, Teil. Und es hat sich bei einer genaueren Analyse auch gezeigt, wer sich in der Hotellerie auskennt wie du, wird das auch verstehen, dass unendlich viele Allgemeinflächen sind, also Säle und Stüberl und was weiß ich was alles. Und das Straubinger hat gerade einmal, nicht einmal 50 Zimmer gehabt, und das Bayerische Schloss hat gerade einmal 25 Zimmer geboten. Und die zu Teil auch ohne Badezimmer dazu. Das heißt, da ist dann der Entschluss gefasst worden, dem wieder ein Stück Höhenentwicklung dazuzusetzen. Aber es ging niemandem um die Höhenentwicklung, aber es ging um den geringeren Fußabdruck, dass man sagt, dort war der abgebrannte Teil des Badeschlosses, setzt man einen kleinen, auf einem kleinen, relativ kleinen Grundriss ein Gebäude hin, das in diesem Kanon von Bad Gastein auch mitmacht. Das ist ja so dieser Kanon, der immer so zwischen Hochhausstadt und Felsenstadt oszilliert. Und wir haben uns zwar hochgebaut, aber wir haben uns dem Felsen ein bisschen angeschlossen, jetzt so im Habitus des Gebäudes. Und um dann die nötige Zimmeranzahl zu erreichen, dass sich das alles auch wirtschaftlich lohnt.

  75. 39:47
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, da kommt ihr so auf 150 Zimmer ungefähr?

  76. 39:49
    Erich Bernard

    Baden-Schweiz und Straubing zusammen, 160 Zimmer. Und die sind auch ein bisschen unterschiedlich positioniert. Und der Vorsatz ist natürlich, war von Anfang an, das hat vielleicht meiner Sachs auch noch erzählt, auch ein bisschen diesen Grand-Hotel-Gedanken wieder zu verstärken. Es waren am Anfang, waren sich nicht alle Beteiligten sicher, ob man wirklich auf Grand Hotel gehen soll. Weil natürlich die Grand-Hotel-Thematik auch ein bisschen unter dem Verdacht gestanden ist, dass man vielleicht eine Hemmschwelle schafft, dass sich die Leute vielleicht nicht in ein Grand Hotel zu gehen trauen. Aber das war zu Planungsbeginn, und mittlerweile hat sich dieses Thema Grand Hotel so in den Vordergrund gearbeitet, also so wie auch deine Frage zeigt, dass das Grand Hotel eigentlich ein anstrebenswerter Ort geworden ist und, und das jetzt eigentlich gar keine Frage ist, dass man dort ein Grand Hotel macht und wieder macht. Das steht ja auch noch, die alte Schrift drauf, Grand Hotel Straubinger. Und diese Idee der Stadt auf dem Land mit dem voyeuristischen Ausblick auf die Alpen, aber eigentlich so eine Welt zu schaffen, dass ich das Haus theoretisch gar nicht verlassen muss. Ja, also sozusagen, es geht natürlich darum, auch dort geht es darum, dass man die Locals reinholt. Die Locals sind aber die Gäste auch der anderen Hotels, weil Gastein selber ja sehr eingeschränkt Anzahl an lokalen autochthoner Bevölkerung hat. Also sozusagen, die meisten sind im Tourismus beschäftigt, und auch für die soll das Haus sein. Also auch dort geht es wieder darum, was mache ich, ich öffne, ich mal überlegt, dass man auch die Positionierung von Bad Gastein— und das war eigentlich die große Aufgabe, deshalb habe ich gesagt, wir haben bei Bad Gastein begonnen— dass man auch Bad Gastein mit dem Ganzen hebt und dass man Bad Gastein was zurückgibt, einen schönen Platz, um den gesessen werden kann, an dem Kaffeehaus ist, der ja früher mal vielleicht was war, aber schon Jahre jetzt brach liegt. Und das ist eigentlich der Platz von Bad Gastein. Ja, also sozusagen, es gibt keinen Platz in Bad Gastein sonst. Das ist der Straubingerplatz, ist da wie ein kleiner Hauptplatz.

  77. 42:11
    Ronald M. Arndt

    Frage, die ich vorher schon zu Beginn unseres Gesprächs stellen können, als du so einen Unterschied gemacht hast zwischen Planungsphase und dann der Umsetzung, oder gesagt hast ein Semester und so weiter für den Shop. Wie sieht so was am Beispiel entweder hier vom Gilbert oder auch natürlich vom Straubinger aus Wenn man da von dem Moment, wo man den Schlüssel umdreht und Hörmer sagt, hey, wir würden hier gerne mit dir zusammen, mit euch, mit BWM da Neustart machen, wie lange dauert die Planungsphase, und dass man sagen kann, okay, und jetzt legen wir los mit dem Handwerk? Setzt du dich da erstmal mit so einem Stuhl mitten rein und lässt es auf dich wirken, oder?

  78. 42:52
    Erich Bernard

    Ja, auch.

  79. 42:54
    Ronald M. Arndt

    Anders geht es ja nicht.

  80. 42:56
    Erich Bernard

    Wir lassen nicht nur den Ort ziemlich stark in uns hinein und auf uns wirken, sondern auch natürlich die Leute, die damit zu tun haben.

  81. 43:05
    Ronald M. Arndt

    Workshop hast du ja vorher gesagt.

  82. 43:07
    Erich Bernard

    Das ist das, was ich eingangs gesagt habe, das ist ja das, was mir an der Hotellerie so gut gefällt, dass man auch mit den Leuten, die dann drinnen leben, schnell in Kontakt einen Kontakt findet und schnell diesen Konsens, dass man gemeinsam an was arbeitet und gemeinsam was entwickelt. Und das geht natürlich nicht bei jedem Hotel, aber also es gibt verschiedene Kettenhotels, die haben ein bisschen mehr Distanz zu einem. Oft plant man dann für einen noch, man plant für den Investor, aber auf Basis eines noch unbekannten Betreibers, betreiberneutral. Das kommt vor, auch in der Gastronomie für Hotels manchmal, dass man nicht weiß, kommt ein Pächter oder wer bestimmt das dann. Aber im Idealfall ist der Betreiber präsent, und im idealen Idealfall ist der Betreiber auch der Operator. Und das heißt, entscheidet dann auch über die Investitionen. Sonst stehen wir dazwischen, sonst stehen wir unter dem Auftrag des Investors und aber machen unsere Konzeption gemeinsam mit dem Betreiber. Aber wir machen das eben sehr schnell in einem Workshop-Setting, weil das uns eigentlich nahebringt— den Ort kann man sich so anschauen, indem man sich hinsetzt, indem man sich oft mit dem Ort auseinandersetzt und im wahrsten Sinne des Wortes auseinandersetzt. Aber den Betreiber, den muss man genauso verstehen wie den Ort. Und das ist, ein Hotel ist immer die Mischung aus dem Ort, natürlich dem erweiterten Ort, also dem Gebäude, dem Ort drumherum und dem Betreiber, das ist also dem Personal. Also nur dann, und der Architektur dann zum Schluss natürlich, die daraus entsteht. Das heißt, diese Komponenten bestimmen die Qualität eines Hotelproduktes, und mit all diesen 3 Komponenten versuchen wir uns möglichst präzise und sehr intensiv auseinanderzusetzen. Und deshalb hat der Workshop für uns so eine, oder haben die Workshops eine so fundamentale Bedeutung.

  83. 45:25
    Ronald M. Arndt

    Ja, ich habe mal über dich gelesen, dass du so die Schichten der Vergangenheit zum Vorschein hebst. Und ich glaube, bei so einem Haus von 1791 gibt es da so ein paar Schichten. Ja, ja, da muss man dann sicherlich aufpassen, dass man nicht so beim ersten Durchkehren zu viel kaputt macht, oder? Das ist für uns ganz wichtig jetzt, dass wir erstmal wie bei so einem gerade geschehenen Mord erstmal eine Bestandsaufnahme machen. Wo liegt was, dass nichts verloren geht.

  84. 45:56
    Erich Bernard

    Das ist auch, weil wir in Bad Gastein zum Beispiel haben wir, wie beim gerade geschehenen Mord, auch diese Dinge in unser Archiv verbracht, kleine Sachen abmontiert und sozusagen so, wie man es kennt aus den Kriminalfilmen, wo das dann sozusagen zackert.

  85. 46:12
    Ronald M. Arndt

    Genau, das Bild habe ich gerade vor Augen.

  86. 46:14
    Erich Bernard

    Aber nur mit dem Unterschied zu den Kriminalfilmen wird das bei uns ja dann wieder montiert.

  87. 46:20
    Ronald M. Arndt

    Wer weiß, wo noch so ein Straubinger liegt, weißt du?

  88. 46:24
    Erich Bernard

    Ja, genau. Aber auf jeden Fall ist es so, dass wir uns mit diesen— wir machen zu vielen unserer Gebäude auch eine Recherche, sozusagen. Eine meiner Leidenschaften ist auch, an Büchern zu arbeiten, also sozusagen, dass ich auch sehr präzise mache, sozusagen, mit einer entsprechenden Tiefe. Ich hasse nichts mehr als Oberflächlichkeit. Und also, das ist mir sehr wichtig, dass man da wirklich präzise, ohne falsche Bilder auch recherchiert, auch bei den Büchern, aber auch bei den Hotels, wenn man die Vergangenheit, sich einfach mal die Puzzleteile alle zusammensucht.

  89. 47:09
    Ronald M. Arndt

    Und wenn man sie dann hat oder denkt, alle gefunden zu haben, dann eben loslegt.

  90. 47:13
    Erich Bernard

    Und es gibt von Adolf Loos einen guten Ausspruch, ich verwandle ihn immer ein bisschen für mich, aber der heißt, weil immer sich die Frage stellt, was darf man umbauen, darf man Sachen, alte Sachen verändern, und die Frage hat man sich schon Mitte des 20. Jahrhunderts gestellt, eigentlich mit dem aufkommenden Denkmalschutzthema, und Adolf Loos hat dazu gesagt, alles kann man verändern, wenn man weiß, was man verändert. Und mit dem Wissen kommt nämlich automatisch eine Vorsicht, ja, also sozusagen, dass man weiß, was steckt alles dahinter.

  91. 47:49
    Ronald M. Arndt

    Respekt.

  92. 47:49
    Erich Bernard

    Und in Wirklichkeit steckt auch die Nachhaltigkeit drinnen, dass man sagt, mit den Spuren, die Spuren nimmt man als Wert, weil ich kann alles neu machen, nur die Spuren der Vergangenheit kann ich nicht neu machen. Also das ist Das heißt, so wie mit der Authentizität. Authentizität ist da oder nicht da, die kann ich nicht— also neue Authentizität, das Wort nehme ich oft in den Mund, weil man kann schon diese Atmosphäre kreieren eines authentischen Ortes, aber Authentizität per se ist eigentlich immer da. Aber die originale Authentizität sozusagen die ist dann auch weg, wenn du das Ding wegnimmst. Also, und das heißt, es ist recht komplex. Und da trifft sich ja, da trifft sich meine Philosophie auch mit der vom Christoph Hoffmann ein bisschen, der ja auch verliebt ist und auch sehr schätzt, Materialien, die Spuren aufnehmen können, also sozusagen eher die Betonfliese als die bedruckte Steinzeugfliese. Ja, zum Beispiel. Also Dinge, die sich verwandeln können, die von vornherein schon Spuren haben, die ein bisschen Tiefe und Wärme zeigen. Und dieses Thema der Spuren zulassen und der Spuren haben. 25 Hours hat versucht, früher sozusagen diese Spuren noch stärker reinzubringen über die Vintage-Elemente. Das ist eine Philosophie, wie man Spuren hereinbringt oder wie man mit diesen Schichten der Vergangenheit umgeht, die eigentlich gar nicht dort waren. Also da holt man sich eine andere Authentizität, nämlich authentische Möbel herein. Wir beginnen noch ein bisschen früher und intensiver, uns mit dem Haus selbst auseinanderzusetzen, mit dem Gebäude selbst. Und da gibt es für uns auch keine Grenzen. Also nicht, dass ich sage, nur die Spuren des frühen 20. Jahrhunderts oder des 19. oder 18. oder 17. Jahrhunderts sind für uns spannend, sondern das geht herauf bis Bis vorgestern, kann man sagen. Nicht ganz natürlich, weil irgendwann ist die Spur ja, wird die Spur in den Augen aller ja nur mehr ein Schatten. Aber ich würde mal sagen, ein Jahrzehnt zurück hat die Spur schon einen Wert.

  93. 50:05
    Ronald M. Arndt

    Interessant.

  94. 50:06
    Erich Bernard

    Und dieses Thema Spuren und Schichten, das verfolgt uns bei allen bei allen unseren Projekten, weil wir sagen, in den meisten Fällen ist meine Erfahrung, wir haben das sicher auch mit den anderen immer wieder, was Thema Storytelling und so gesprochen, meine Erfahrung ist die, dass man die Story meistens nicht künstlich erfinden muss. Das ist sozusagen so eine akademische, verkopfte Idee, sondern dass, wenn du genug forschst, findet sich meistens das Story. Und ich finde auch, manchmal kann die Story, so wie wir es da hier auch gesagt haben, auch ruhig Hotel-Hotel sein. Also das Grand Budapest ist auch nichts anderes, als dass das Hotel Hotel ist. Und das ist bei Hotel auch legitim. Natürlich, wenn jedes Hotel Hotel-Hotel ist, dann gibt es wieder keinen Unterschied. Aber wenn alle Hotels verzweifelt irgendwelche dritten und vierten Stories suchen, dann darf man für manche auch wieder Hotel-Hotel sein. Weil dann ist das wieder unique. Aber meistens ergibt sich die Story. Beim Straubinger ergibt sich natürlich durch die alte Geschichte des Straubinger, und da ist es natürlich die Geschichte des Grand Hotels und des Straubingers, des Straubinger ganz einfach. Beim Badeschloss ist es ein bisschen anders, weil das Badeschloss war ja kein Hotel, das ist zweiter Gebäude.

  95. 51:23
    Ronald M. Arndt

    Da ist unsere Story aber auch, dass aber jetzt am Ende dann mehr Zimmer hat wahrscheinlich.

  96. 51:27
    Erich Bernard

    Genau, eben aufgrund des, aber der Altbau weniger, aber der Neubau hat mehr Zimmer und Aber dort ist unsere Story sowohl für den Altbau als auch für den Neubau das Thema Baden. Also wir haben gesagt Badeschloss, wir spielen ein bisschen mit dem Begriff, jetzt abstrakt, aber hat natürlich, Baden hat mit Bademeister zu suchen. Genau, eben. Und all diese Terminologie, oder ein Hoteldirektor mit Bademeister, Bademeisteroutfit. Und das, diese, über diese Sachen haben wir tatsächlich auch gesprochen. Wir spielen ein bisschen metaphorisch auch mit dem Thema, mit dem Thema Baden, aber auch real natürlich, indem wir sagen, wir drehen die Gedanken in Gedanken oder die Idee des Zimmers ein bisschen um und sagen, das Zimmer hat ein Bad und es hat auch Betten. Also sozusagen nicht, es hat Betten und auch das Bad, sondern das Bad steht Zentrum. Und dort ist es dann die Badewanne, die praktisch in den verschiedensten Konstellationen auftritt. So wie man oft sagt, wie inszeniere ich das Bett mit dem Betthaupt und mit dem Ausblick und so weiter, so inszenieren wir dort die Badewanne und oder die Badekonstellation. Es sind nicht immer nur Badewannen. In den 25 Zimmern ist es besonders intensiv, weil die sind relativ groß. Und da gibt es dann die 2 Badewannen nebeneinander, in denen ich liegen kann und auch fernsehen kann. Viele Sachen, von denen man träumt, die man gerne eigentlich vielleicht zu Hause hätte, wo man sich denkt, das mache ich nie, weil für diese 5 Mal in meinem Leben stelle ich mir nicht eine Badewanne mitten ins Wohnzimmer. Aber die 5 Mal im Leben können ja genau dann dort stattfinden. Und das ist in dem Fall unsere Story. Aber dieses, um zurückzukommen, mit einer guten Recherche ergibt sich das Thema Storytelling meistens von selbst. Und oft ist der Arbeitstitel, der sich aufgrund der Recherche irgendwie einschleift, auch Programm, bleibt dann oft auch fürs Hotel über. Bei Gilbert war es so, dass Gilbert schon da war. Das war die Moodly, die übrigens auch interessante Gesprächspartner für dich wären, als Agentur, die uns dann ins Boot geholt haben, daher, die hatten schon diesen Namen Gilbert, der ein bisschen mit dem Familiennamen der Eigentümer spielt, und Spittelberg auf der einen Seite und, und Gindl auf der anderen Seite, der Name. Und sozusagen, das ist so ein Anagramm von diesen, von diesen Namen, die da mit dem Ort auch zu tun haben. Gilbert war schon ein Setting da, weil wir sind nie auf die diese, es war nie diese Idee, dann sozusagen das so zu personifizieren, dass man sagt, da gibt es dann den künstlichen Gilbert und der Gilbert schreibt eine Nachricht, die dann am Nachtkästchen liegt oder so irgendwas. Da haben wir eben geschaut, dass man die Story eben eigentlich aus dem Haus heraus entwickelt, haben gesagt, es ist einfach ein Hotel, Hotel mit dem Restaurant, so was. Was du vielleicht gesehen hast hier, es fließen da, und das ist auch vielleicht typisch für unsere Arbeit, es fließen die unterschiedlichen Funktionen sehr in einem Raum zusammen. Du hast zwar zwei getrennte Eingänge, aber 10 Meter weiter triffst du dich wieder. Das heißt, du gehst beim Hotel dort rein, hast die Rezeption, die aber dadurch ein bisschen auf der Seite ist, aber der große Raum ist Restaurant und Lobby, gleichzeitig ist Wohnzimmer und so. Das leistet alles. Und das ist was, was sowohl für die Gäste von innen als auch für die Gäste von außen interessant ist, dieses Hybridisieren der Räume. Und das ist das, was wir oft machen, auch jetzt im neuen REWO-Konzept in München oder in Gastein wird es auch so sein, dass man—

  97. 55:24
    Ronald M. Arndt

    Stimmt, REWO München mit 600 Einheiten, glaube ich.

  98. 55:27
    Erich Bernard

    Genau.

  99. 55:27
    Ronald M. Arndt

    Hast du auch Interior Design verantwortet?

  100. 55:30
    Erich Bernard

    Genau.

  101. 55:30
    Ronald M. Arndt

    Obwohl das selbst kommt, glaube ich, vom Dedogan.

  102. 55:32
    Erich Bernard

    Hier aus Wien. Das gibt es beides, heißt es von Delogan.

  103. 55:35
    Ronald M. Arndt

    Ist das schwierig manchmal so mit der Außenhülle? Dann muss man sich da eigentlich anpassen, oder?

  104. 55:40
    Erich Bernard

    Naja, das ist auch eine Auseinandersetzung. Ich finde sie super, also die ist sehr prägnant. Und ich muss dazu sagen, Roman Delogan ist ein Studienkollege von mir und bin auch mit Elke Delogan-Meißl gut befreundet. Kennen Sie auch seit ein paar Jahren.

  105. 55:55
    Ronald M. Arndt

    Porsche Museum Stuttgart fällt mir gerade ein. Delogan.

  106. 55:57
    Erich Bernard

    Genau, also sozusagen, ich schätze sie sehr und ich habe mit Roman gemeinsam wir waren ja in unserem Semester nur 2, die Diplom gemacht haben, Roman Delogan und ich eben. Und wir schätzen, wir schätzen einander sehr, oder ich weiß nicht, ob er mich schätzt, aber ich nehme an. Aber ich schätze ihn sehr und, und finde das Gebäude eigentlich super. Und ist für ihn vielleicht nicht ganz einfach, weil natürlich hätte er auch gerne das Interior gemacht. Er hat, das weiß ich nicht genau, ein Konzept gemacht hat dafür schon. Aber das ist oft so, wenn man das, das Hochbau macht, dass man ganz Interior macht. Ist aber auch oft so, dass das getrennt wird, auch für uns manchmal. Wenn wir Hochbau machen, kommt der andere mit dem Interior. Und zwar, wir sind ja eine sehr, eine sehr rare Kombination, dass wir Hochbau und Interior in Hotellerie sozusagen mit tiefer Expertise machen. Ja, das heißt, uns, bei uns ist es wenig oft. Aber es war super, sich mit dem Gebäude auseinanderzusetzen Und ich finde, es ist auch der Aufbau ganz toll gelungen, sehr prägnantes Gebäude. Und dort war die Idee, weil man von Hybrid vorhin gesprochen hat, dort war die Idee, Arbeiten in einer anderen Form ins Hotel zu bringen. Man fragt sich, was heißt Revo eigentlich? Revo ist ja eigentlich Revolution und Evolution und kombiniert in einem Wort.

  107. 57:19
    Ronald M. Arndt

    Und Ich schenke dir was nach. Du redest, ich schenke nach.

  108. 57:22
    Erich Bernard

    Jedenfalls, der revolutionäre Aspekt dieses Namens, revolutionär und evolutionärer Aspekt dieses Begriffs Revo, ist an uns herangetragen worden mit der Message, es soll einfach ein Gebäude sein, das jetzt eine neue Art von Hotel, also eine, ich meine, den operativen Betrieb und das Interieur auch, dass das Hotel ein bisschen anders sieht, nämlich auch als Ort des Arbeitens. Und das war schon alles, das war das ganze Briefing, das wir bekommen haben. Und wir haben dann eigentlich in einem Quick and Dirty konzipiert.

  109. 58:00
    Ronald M. Arndt

    Ich meine, er war ja auch eingeschnappt, weil er das Interieurdesign nicht machen durfte.

  110. 58:05
    Erich Bernard

    Das war nicht von Roman das Briefing, sondern wir haben ja das Briefing von Vienna House. Und aber ich habe ganz brav immer so gemacht, Roman Diller, vorher angerufen, habe ihn gefragt, ob das in Ordnung ist, weil sonst hätte ich da auch noch einmal ein Gespräch mit unseren Auftraggebern geführt, sozusagen. Das macht man unter den Nachdenkenden, dass man die sich kennen, zumindest, dass man das vorher auch abklärt. Jedenfalls war das Briefing quick and dirty, und unser Konzept war auch quick and dirty. Wir haben das in 2 Nachmittagen gemacht, und wir haben gesagt, wir machen ein, so ähnlich wie das vorhin erzählt habe, von das Badezimmer hat auch Betten, haben wir gesagt, das Büro hat auch Betten. Also wir haben das auch noch einmal umgedreht, und wir haben gesagt, wir bleiben in einer Sprache des Büros, und ich darf aber in dem Büro alles machen, was ich sozusagen im echten im Büro nicht machen darf. Ich darf im Büro essen, darf im Büro schlafen, ich darf im Büro die Füße auf den Tisch legen und so weiter. Und wir spielen mit diesem— natürlich, Cosiness ist immer noch großgeschrieben, aber wir spielen mit diesem, mit dieser Grammatik, könnte man sagen, oder ein bisschen mit der Metapher. Aber es ist mehr als eine Metapher, es ist auch ein bisschen mehr als die Grammatik. Des Büros. Es ist, wir spielen eigentlich auch mit der Funktion des Arbeitsplatzes, mit dem transformierten Arbeitsplatz. Der, der irgendwie gesagt, wieso darf der Arbeitsplatz eigentlich nicht richtig bequem sein? Das war noch vor Corona, dass das begonnen hat.

  111. 59:45
    Ronald M. Arndt

    Und der Traum des Homeoffice eigentlich, was Sie da machen.

  112. 59:47
    Erich Bernard

    Ja, genau, wir haben gesagt, wir übersetzen das Homeoffice. Aber das Homeoffice haben wir noch nicht so gekannt.

  113. 59:54
    Ronald M. Arndt

    Aber wir Wir haben natürlich noch nicht so in der Breite erprobt, das Homeoffice, gab's noch nicht so viel Recherche dazu.

  114. 59:59
    Erich Bernard

    Das Homeoffice war eine unbeliebte Kooperationsform für die, für die Unternehmer, sehr unbeliebte Kooperationsform. Also das plötzlich verschwinden die Mitarbeiter, sie sind nicht da, nicht mehr greifbar und so weiter. Und wo sind die eigentlich? Das dann durch Corona natürlich Aktualität erlangte. Und wir haben aber gesagt, okay, Wieso darf ich nicht, wenn ich Businessreisender bin, temporär, sagen wir 2, 3, 6 Monate, ein Jahr in München lebe, in diesem Haus lebe, wieso darf die Arbeitssituation nicht, weil ich lebe ja dann deshalb vielleicht dort, weil ich dort untertags auch arbeite, ja, und dann ist natürlich mein Alltag nicht vom, a priori nicht von dort leben, sondern von Arbeit bestimmt. Und wir haben gesagt, dann darf doch Arbeit auch richtig eine bequeme Komponente haben, also cozy Komponente haben, und nicht nur bequem, sondern auch gemütlich. Und das ist das Konzept von Revo, dass wir gesagt haben, wir revolutionieren nicht das Hotel, das ist die Evo, also die Evolution, aber wir revolutionieren die Form des Arbeitsreisens. Also das ist das Reh von Revo. Und dieses Projekt muss man ganz stark unter diesem Gesichtspunkt auch anschauen, weil sonst, wenn man einfach so von außen drauf schaut und nicht als Arbeitender dahin kommt, versteht man das sonst nicht, das Produkt. Also das ist wichtig.

  115. 1:01:36
    Ronald M. Arndt

    Jetzt hast du vorhin den Begriff der Nachhaltigkeit noch eingebracht. Beim Straubinger, als es auch darum ging, Dinge, die man da vorfindet, vielleicht auch wiederzuverwenden, wiederzuverarbeiten. Ist das nachhaltig?

  116. 1:01:48
    Erich Bernard

    Ja, also ja, ja, klar.

  117. 1:01:49
    Ronald M. Arndt

    Aber wie weit kannst du da gehen? Also was kannst du da noch verwenden? Wie sieht es zum ganzen Thema, also rein technisch gesehen, zum Thema Strom, Lichtschalter etc. aus?

  118. 1:01:59
    Erich Bernard

    Ja, natürlich technische Dinge, bei technischen Dingen schwierig, weil es gibt neue Normen und wir haben auch auch das Problem, das jetzt auch was, was man in Dresden zum Beispiel haben, auch das, dieses Thema, sagen wir so, für uns, wir machen es jetzt zum Thema, vom Problem zum Thema der alten Türen. Ja, ich habe Ansprüche an die Brandschutzansprüche, an die akustische Qualifikation der Türen, der Zimmertrennwände und so weiter. Das heißt, ich kann nicht einfach alles so verwenden, wenn Dresden haben wir auch einen Riesenpalazzo, so wie beim Straubinger, mit lauter hohen Doppeltüren. Und der erste Einsatz aller von Investorenseite war natürlich zuerst einmal, die Türen müssen weg, müssen dort neue Türen rein, wie werden die Türen aussehen? Ich habe gesagt, nein, wir behalten uns die Türen trotzdem, wir lassen sie halt offen stehen. Man glaubt ja gar nicht, dass es doch ein massiver Kampf ist, dass man das offen stehen lässt. Ich erspare mir das. Erstens einmal bleibt dieses Teil im Haus, wenn einmal irgendwie da irgendwann wieder was anderes kommt und ich möchte sozusagen das Haus in Straubing von 1880 zurückführen, dann habe ich die Türen immer noch da, dann nehme ich die neuen Türen von 2022 raus und Aber wieder das Alte. Aber gleichzeitig hilft uns das natürlich auch beim Erzählen der Geschichte, ist ein Teil dieser Schichten und Spuren, von denen ich erzählt habe. Und in Dresden machen wir das Gleiche, wir kämpfen da auch sehr für die alten Fenster. Das ist, man ist in einer primären Reaktion, ist man natürlich versucht zu sagen, die Fenster sind nachteilig für für Klimasituationen und so weiter. Aber wir haben mit Kollegen eine wirklich für die Gemeinde Wien sehr vertiefte Studie der alten Wiener Kastenfenster, nämlich sind diese Doppelfenster, die praktisch einen Luftkasten bilden, gemacht. Und da gemeinsam mit der TU Graz, also mit Studienerkenntnissen aus der TU Graz und so weiter.

  119. 1:04:13
    Ronald M. Arndt

    Nur solche Fenster hat meine Großtante gehabt.

  120. 1:04:15
    Erich Bernard

    Genau. In Wien üblich, und die Fenster sind an die 100 bis manchmal 200, 220, die ältesten sind 250 Jahre alt, die ältesten sind eigentlich Barockfenster, sind an die 300 Jahre alt, immer noch funktionstüchtig. Und wenn man die, so die Erkenntnisse der TU Graz, wenn man die energetische Gesamtbilanz ansieht, spätestens nach 30 Jahren hat das Kastenfenster das neue Fenster überholt, weil die neuen Fenster nicht so lang haltbar sind, nicht vor allem diese, diese in Altbauten, diesen Übergang durch den, durch den Mauerschenkel, die Ketteübergang, wenn es Einfachfenster sind, als Problemzone haben. Da muss ich außen Vollwärmeschutz drangeben, dann habe ich weniger Licht, da muss ich mehr Licht, also weil die Fensterprofile dicker werden, da muss ich mehr Licht einschalten und so weiter. Und das heißt, die interessanterweise Gesamtbilanz ist jetzt rein ökologisch gesprochen, okay, über einen Zeitraum, längeren Zeitraum betrachtet, auch besser bei den alten Fenstern. So kämpfen wir für die alten Fenster auch in diesen Fällen. Und mittlerweile ist es auch schon angekommen, dass die alten Fenster ja auch wie die Augen des Hauses sozusagen Teil dieser Spuren sind. Und so haben wir beim Straubinger eben, und in Dresden kämpfen wir noch dafür, einen guten Teil der alten Fenster erhalten und saniert. Also sozusagen, das macht viel von der Stimmung aus, dass sie, dass sie, weil habe ich da neue Fenster drin, denke mal, okay, wo sind jetzt die Spuren? Teile, eben alte Deckenmalereien, die Decke zum Teil abgeschraubt, zum Teil alte Spuren an der Decke wieder sichtbar gemacht, zum Teil einfach dort gelassen und so weiter. Sozusagen, das sind diese, diese Das ist dieses Thema der Schichten. Aber wir haben jetzt zum Beispiel das Magdas Hotel gemacht, wo man einfach auch gemeinsam mit den Leuten von der Caritas, die Betreiber, spannendes Konzept, das Thema Reuse, das ja sozusagen auch in der Corporate Identity von Magdas und von der Caritas auch drinsteckt, das Thema Reuse sozusagen in einem noch intensiveren Sinne gemacht haben. Also, und ja, aber doch an anderen Projekten wo man, wo man, wo es nicht nur um Reuse geht, sondern wo man sagen, alle Produkte kommen aus einem eingeschränkten Radius. Also wir, unser Arbeitstitel ist Slow Hotel, ja, also so wie Slow Food, das ja auch diese Idee hat, aus einem eingeschränkten Umkreis mit geringeren Transportwegen die Nahrungsmittel, so sage ich eben, sind die Materialien, beim Hotel einzubringen und sozusagen lokale Materialien, wenig Transportwege, wenig CO2, und so mit Dingen, möglichst vielen Dingen, die ich vor Ort finde, also auch Reuse, sowohl Reuse als auch diese lokalen Komponenten zu arbeiten. Und der dritte Nachhaltigkeitsaspekt, der für uns eine Rolle spielt, ist dieses ist ein rein gestalterischer Aspekt. Wir analysieren auch im Büro, auch gemeinsam mit dem ganzen Interieur-Team, machen wir das regelmäßig, analysieren wir, was macht einen Shop oder ein Interieur— sind vor allem Shops natürlich, die übergeblieben sind, aber auch Gastronomie, Shop, manchmal sind Hotels auch zu einem Klassiker— und da sind wir bei anfangs erwähnten 7 oder 12 Jahren und so weiter. Wenn man in Wien, gibt es ein paar von diesen Klassikern, Adolf Loos zum Beispiel, kennst du wahrscheinlich, von dem ungewöhnlich viele Dinge übergeblieben sind. Da ist die Loosbar, da ist der Kniesche, da ist der Mainz, das Looshaus, sozusagen Architektur und Interiors sind übergeblieben, also auch Privatere, ein Schachclub da, eine Wohnung dort und so. Und nicht nur Adafloss, es gibt noch ein paar andere. Wenn man das konsequent analysiert, kommt man darauf, dass es da ein paar Faktoren gibt, mit denen man sich auch der Mode entziehen kann, indem man, oder der Kurzlebigkeit, der gestalterischen Kurzlebigkeit entziehen kann, indem man eben sagt, fertig, trennt zwischen Hardware und Software, ist eines unserer Prinzipien, wo wir sagen, Wir machen eine Hardware, die möglichst leistungsfähig ist, die sehr stark aus funktionalen Grundsätzen abgeleitet ist. Und spektakuläre Dinge, die können natürlich auch in der Hardware sein. Also sozusagen, es braucht schon eine Grundansage, braucht schon eine Identität. Vor allem bei Adelfloß immer die Fassade, die war immer sozusagen was Spektakuläres mit dem Stein und so weiter. Aber auf der nächsten Ebene dann, dort wo ich richtig Mode wo ich spektakuläre Instagram-Bilder habe, bin ich auf einer Softwareebene, die auch relativ leicht ausgetauscht werden kann. Das heißt, wenn du dich umschaust, wirst du sehen, wir verwenden relativ wenig Muster, wo man sagt, das ist halt ein seriöses Muster, man kann es schon immer sehen. Ich denke daran, an diese Paradiistapeten, die, wenn sie nicht raffiniert genug sind, die diese, diese Bananenblättermotive, war alles drüber. Das hat man dann plötzlich so oft gesehen, dass man es eigentlich nicht mehr sehen kann. Die Paradiestapete, die gehört als Erstes raus. Das ist aber noch keine 10 Jahre alt. Das heißt, solche Sachen versuchen wir eben durch aufmerksame Recherche und Analyse der Vergangenheit auch mit zu berücksichtigen, um dieses Thema der Nachhaltigkeit auch auf der gestalterischen Ebene einzubringen. Starkes Konzept, ohne total modisch, eine Zeit lang war es modisch, überall alle Ecken abzurunden. Wir haben auch manchmal die Ecken abgerundet, so wie hinter mir, aber das haben wir gemacht, weil wir gesagt haben, dass die scharfe Ecke natürlich einen unangenehmen Impact hat. Aber wir machen es nicht aus einem formalen Grund, Design. Wir machen es dort, wo es Sinn macht, dass ich sozusagen die unendliche Linie habe und nicht die endet und an der Ecke aufhört. Also sozusagen so bei den Tischen oder so, dass ich um einen Tisch herumsitzen kann, wenn er rund ist. Wenn er eckig ist, kann ich ihn aber dafür besser zusammenschieben. Aber wir machen es nicht aus formalen Corporate Identity Gestus, weil das kann man dann bald nicht mehr sehen. Und das ist, was was man sehr sorgfältig auch bedenken, bedenken. Also Reuse, natürlich ökologische Materialien ist auch eine Komponente der Nachhaltigkeit.

  121. 1:10:53
    Ronald M. Arndt

    Aber ja, hätte ich meinen Beruf jetzt noch nicht gefunden, dann würde ich mich vielleicht gerade hier und live zum weiteren Praktikum bei dir im Büro bewerben.

  122. 1:11:05
    Erich Bernard

    Ja, bitte gerne.

  123. 1:11:06
    Ronald M. Arndt

    Sehr spannend. Und Erich, ich freue mich auch, dass wir uns vielleicht noch ein-, zwei- oder dreimal auch dieses dieses Jahr sehen in Gastein. Ich glaube aber auch in Mailand Mitte April beim Hotel Design Award.

  124. 1:11:20
    Erich Bernard

    Demnächst in 3 Wochen, oder?

  125. 1:11:21
    Ronald M. Arndt

    In 3 Wochen, genau, nicht mehr lange hin. Aber das war schon mal ein guter Auftakt und so viel erfahren über dich, deinen Werdegang. In Graz bist du ja geboren und hast glaube auch studiert, wo du aus der Studie wieder herkamst zum Fenstern.

  126. 1:11:37
    Erich Bernard

    Genau, ich hatte so wie Deine Großtante hat— meine Großmutter in Wien, und die ist zu meinen Eltern nach Graz gezogen. Ich bin stattdessen nach Wien gezogen und habe dann in Wien fertig studiert. Ich habe in Graz nur den ersten Schulabschnitt gemacht, habe nur 2 Jahre tatsächlich studiert und bin dann nach Wien und habe eigentlich in Wien studiert.

  127. 1:11:58
    Ronald M. Arndt

    Ich konnte heute Morgen am Gate entscheiden, ob ich nach Wien fliege oder direkt daneben nach Graz. Es ging dann nach Wien.

  128. 1:12:05
    Erich Bernard

    Überfliegen konnte. Gestern war ja noch eine Reisesituation, die war nur gestern so, wie sie war.

  129. 1:12:11
    Ronald M. Arndt

    Erich, Bernhard, ganz lieben Dank. Machen wir mal Stopp hier, und ich freue mich auf alles, was noch kommt, und dass wir uns heute mal hier in Ruhe kennenlernen durften.

  130. 1:12:21
    Erich Bernard

    Vielen, vielen Dank für deine Teilnahme. Bist herzlich eingeladen, einmal zu uns ins Büro Praktikum machen und mehr.

  131. 1:12:29
    Ronald M. Arndt

    Alles klar, danke dir. Danke.

  132. 1:12:32
    Erich Bernard

    Merci.

  133. 1:12:34
    Ronald M. Arndt

    Tschüss.