Schindlerhof mit dem Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet
Hotel: Schindlerhof, Nürnberg
Germany11 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Da wirst du ja als Ressource gesehen. Du wirst als Mensch zum Objekt gemacht.“
Nicole Kobjoll, 07:56
Ronald M. Arndt spricht im Kurzformat Coffee Break mit Nicole Kobjoll über den Ludwig-Erhard-Preis, den der Schindlerhof zum vierten Mal gewonnen hat. Kobjoll erklärt, wie das Haus mit dem EFQM-Modell arbeitet und warum sie ihr Team Human Stars und Mitunternehmer nennt. Dazu erzählt sie, wie ihr Vater nach rund zwölf Pachtkonzepten den verfallenen Bauernhof übernahm.
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Kernaussagen
- Vierter Preis: Der Schindlerhof hat den Ludwig-Erhard-Preis zuvor dreimal gewonnen, zuerst 1998, zuletzt 2012. Kobjoll nennt ihn die Königin der Preise in Deutschland, weil er branchenübergreifend ausgezeichnet wird, neben Siemens, Bosch und BMW.
- EFQM als Grundlage: Kobjoll arbeitet mit dem Modell der European Foundation for Quality Management: Ausrichtung mit Zweck, Vision, Strategie und Kultur, dann Realisierung und Transformationsfähigkeit, dann die Ergebnisse. Die müssen über einen langen Zeitraum positiv nachgewiesen werden, Einbrüche wie 300 Schließungstage in Corona lassen sich erklären.
- Mitunternehmer statt Ressource: Für Kobjoll ist das Wort Mitarbeiter eine bodenlose Frechheit, weil der Mensch darin zum Objekt wird. Mitunternehmer sehen das Unternehmen als Ganzes und nicht nur ihre Abteilung.
- Feiern als Kultur: Das Team stößt nicht einmal an, sondern feiert den Preis über Wochen in kleinen Runden, weil nicht alle gleichzeitig zusammenkommen können. Die Ersten wollen sich jetzt beim Global Excellence Award bewerben.
- Max wächst rein: Ihr 13-jähriger Sohn Max stand mit auf der Bühne beim Ludwig-Erhard-Preis und hält 3 Prozent der Anteile der KG, so ähnlich wie Kobjoll früher. Die Familie wohnt seit knapp drei Jahren direkt am Schindlerhof.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Mit unserem neuen Kurzformat „Coffee Break“ haben wir uns zuletzt bei Nicole Kobjoll gemeldet.
Bereits seit 39 Jahre gibt es ihn, jetzt wurde der Schindlerhof erneut mit dem renommierten Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet.
Was sind die Voraussetzungen, um nachhaltig erfolgreich zu sein und wann überhaupt ging der 300 Jahre alte Bauernhof in den Besitz der Familie über?
HOTEL-PODCAST.COM und unser offizieller Partner J.J. Darboven gratulieren von Herzen und wünschen allen „Humanstars“, dass die Feier bis zum heutigen Tage anhält.
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Transkript öffnenTranskript schließen11 Min · Ronald M. Arndt und Nicole Kobjoll
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:06 Ronald M. Arndt
Ja, dann freue ich mich, Nicole Kobjoll heute Morgen zu begrüßen. Die Kaffeebar hier im Hintergrund ist nicht ganz fertig geworden, und dennoch, ja, ich wollte es nicht warten, bis die Nicole hier den nächsten Preis gewinnt, oder dann irgendwann den Preis für Lebenswerk, wer weiß.
- 00:26 Nicole Kobjoll
Das dauert hoffentlich noch 20, 30, 40 Jahre.
- 00:31 Ronald M. Arndt
Ich glaube, 30 Jahre sind es auch her, seitdem der Schindlerhof ins Leben kam.
- 00:36 Nicole Kobjoll
39.
- 00:37 Ronald M. Arndt
39, okay.
- 00:39 Nicole Kobjoll
Fast 40.
- 00:41 Ronald M. Arndt
Fast 40.
- 00:41 Nicole Kobjoll
Wurde an meinem 7. Geburtstag eröffnet. Es war meine Geburtstagsparty.
- 00:46 Ronald M. Arndt
Okay. Also da hatte ich jetzt auch keine Zweifel, dass der Schindlerhof immer eng mit Ihrem Leben verknüpft war. Aber natürlich schon seit dem 7. Geburtstag. Gab es da so einen—
- 00:58 Nicole Kobjoll
Seit dem 10.
- 01:00 Ronald M. Arndt
Wie kamen die Eltern damals zur Hotellerie? Gab es davor schon irgendwie einen Bezug?
- 01:06 Nicole Kobjoll
Also mein Vater wusste nur eins, er will frei sein. Dann ist er zufällig im Ausland gelandet, auch mit einer Hotelfachschule. Er war erst in Tegernsee und dann ist er nach Straßburg gegangen. Und da hat er dann diese französische Lebensart kennengelernt und Crêpes. Und er hat sich dann quasi mit der ersten Crêperie Deutschlands selbstständig gemacht. Ein ganz kleiner Laden, die Crêperie René's, vielleicht 20 Quadratmeter, und die ist sehr gut gelaufen. Dann hat er sich die nächstgrößere Crêperie geschnappt. Dann hatten wir verschiedene Konzepte von Nightclubs bis hin zu Themenrestaurants, bis auch das erste Hotel war dabei, die Mörsbergai. Aber alle diese 10, 12 Konzepte, ich weiß gar nicht genau, wie viel es waren, waren immer nur im Pachtverhältnis. Und das war natürlich nicht ideal, weil du konntest deine Träume nicht wirklich umsetzen. Und es war immer sein Traum, irgendwann mal auch die Immobilien quasi in seine Hand zu kriegen. Und dann haben wir den Schindlerhof entdeckt, ein verfallener alter Bauernhof, und haben ihn zu neuem Leben erweckt.
- 02:17 Ronald M. Arndt
Ja, ich glaube, 300 Jahre ist er alt, bei Nürnberg in Franken. Jetzt ist ja Nürnberg nicht ganz so weit weg von Stuttgart, aber es ist so ein bisschen wie mit vielen anderen Persönlichkeiten in der Hospitality. Ich würde gerne schon lange vor Ort gewesen sein für die Aufzeichnung eines Hotel-Podcasts, also der klassischen Episode, wie man sie eben kennt, wo ich wirklich vor Ort bin. Und eben deswegen heute mal ein neues, frisches Format, online basiert, wie gesagt mittelfristig hier aus meinem, so einer kleinen Kaffeebar, die man im Hintergrund sehen wird. Und ich habe es eingangs gesagt, Frau Kobjoll, ein weiterer Preis ging nach Nürnberg an den Schindlerhof Ludwig-Erhard-Preis. Für den natürlich erstmal herzlichen Glückwunsch vom ganzen Hotel-Podcast-Team und von mir.
- 03:05 Nicole Kobjoll
Danke Ihnen, freut mich sehr.
- 03:08 Ronald M. Arndt
Was bedeutet so ein Preis für, für Sie und dann vor allem auch fürs Team?
- 03:13 Nicole Kobjoll
Ja, der Preis bedeutet uns viel. Wir haben uns ja bewusst dazu entschieden, ihn wieder anzugehen. Wir hatten ihn schon 3-mal gewonnen, 1998 zuerst. Den gibt es seit '97, den Preis. '98 hatten wir gewonnen, dann der letzte letzte war 2012. Dann wollten wir eigentlich so turnusmäßig, treten wir da alle 5, 6 Jahre an. Und dann wollten wir eigentlich während Corona antreten, aber das hat keinen Sinn gemacht. Und als Corona jetzt vorbei war, haben wir gesagt, dieses Jahr gehen wir alles an. Wir haben uns ja beworben bei Great Place to Work, Top Service Deutschland und beim Ludwig-Erhard-Preis. Und der Ludwig-Erhard-Preis ist sozusagen sowas wie, also für uns die, die Königin der Preise in Deutschland. Das ist ja so der nennt sich auch German Excellence Award und zeichnet Spitzenleistungen im Unternehmen aus, aber branchenübergreifend. Also neben uns war Siemens, Bosch, BMW, und es geht darum, eben um Qualitätsmanagement, eben mit dem ganzheitlichen Managementmodell der EFQM. Die EFQM ist diese European Foundation for Quality Management, und die hat ein tolles System entwickelt, und das lässt sich auf alle Branchen übertragen. Und damit kann man wirklich im Unternehmen Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein, wenn man das anwendet. Also sind eigentlich 3 Dinge wichtig. Das ist die Ausrichtung, also was ist der Zweck, was ist die Vision, was ist die Strategie, und auch was ist die Kultur in dem Laden. Und der nächste Baustein ist die Realisierung, also wie setzt du es um, was hast du für Interessengruppen, ja, wie schaffst du es, nachhaltigen Nutzen herzustellen? Und ja, und wie ist deine Leistungsfähigkeit, aber auch deine Transformationsfähigkeit? Also auch die, diese EFQMler haben festgestellt, Unternehmen müssen sich wandeln können in der heutigen Zeit, und deswegen ist Transformation eben auch wichtig. Und die letzte Säule sind dann die Ergebnisse. Also auch da wieder als Ergebnis, was ist die Wahrnehmung deiner Interessensgruppen? Und ja, was sind deine strategiebezogenen Ergebnisse und Leistungs- bezogenen Ergebnisse. Und das musst du dann über einen langen Zeitraum nachweisen, dass das auch positiv ist, also nach Corona wieder hochgeht. Und natürlich kannst du Downs auch erklären, ne. Ich meine, Corona hatten wir 300 Schließungstage, ist klar, da war jetzt kein Hoch, aber das kann man dann auch erklären. Und aber wir haben das immer angewendet, dieses Modell, und es hat uns sehr, sehr geholfen. Also es ist wirklich ein tolles Modell.
- 05:58 Ronald M. Arndt
Da macht der Ludwig Erhard, der Wirtschaftsminister war, in Zeiten des Aufbruchs nach dem Krieg seinem Namen auf jeden Fall alle Ehre.
- 06:07 Nicole Kobjoll
Ja, ja, ja.
- 06:07 Ronald M. Arndt
Zwar kann man die Pandemie nicht mit dem Krieg vergleichen, aber natürlich war es irgendwo ein, ja, doch auch ein Neustart, wo man sich erst wieder neu finden und neu erfinden musste.
- 06:16 Nicole Kobjoll
Ja, die Laudatio hat der Steinmeier gehalten und der hat wohl Ludwig Erhard als Kind selbst kennengelernt. Der durfte Fähnchen schwenken, als der mal vorbeigekommen ist. Fand ich auch interessant.
- 06:27 Ronald M. Arndt
Ja, ja, Wirtschaftsminister, und dann glaube noch 3 Jahre war Bundeskanzler. Ja, wird dann sowas auch bei euch mit— und Sie nennen ja Ihr Team die Human Stars, wie ich herausgefunden habe— ja, das dann groß gefeiert?
- 06:43 Nicole Kobjoll
Ja, das wird natürlich gefeiert. Also wir haben im Team miteinander angestoßen, und wir sind immer noch eigentlich am Feiern, immer wieder im Kleinen, weil es können nicht alle zusammenkommen, ist klar. In dem Laden Wir können ja nicht schließen, es sind immer auch welche im Urlaub. Und so sind wir eigentlich immer noch am Feiern. Das ist schön. Ich könnte mich an den Zustand gewöhnen. Aber es ist auch wichtig, dass ein Team feiert und man nicht nur einfach so was schafft und dann zum Alltag übergeht. Das ist auch Teil unserer Kultur. Aber ich glaube, das hilft jedem Unternehmen, dass es kleine, mittlere und große Erfolge auch feiert. Und das würde ich schon sagen, ist ein großer Erfolg. Es war richtig cool. Und die Ersten im Team wollen sich jetzt bei diesem Global Excellence Award bewerben. Müssen wir mal gucken, was wir da alles liefern müssen. Das wäre natürlich noch der absolute Kracher, wenn wir den heimholen.
- 07:37 Ronald M. Arndt
Ja, und ihr macht ja eure, euer Team wirklich ganz klar, es ist ja gewollt, zum Mitunternehmern. Ja, und ich glaube, Mitunternehmer, der lebt und arbeitet ja auch lange Phasen ab und an, wo er denkt, okay, ist gerade alles ein bisschen schmerzhaft, aber eines Tages wird dann die die Belohnung da, da wieder kommen.
- 07:56 Nicole Kobjoll
Ja, vor allen Dingen haben sie eben dieses unternehmerische Denken, dass man das Unternehmen als Ganzes sieht, nicht als Abteilung. Und ja, dass man auch selbst seine Möglichkeiten immer sieht, wie man sich selber einbringen kann. Und das ist ganz wichtig, dass ein Mitunternehmer ist was viel Aktiveres als also ein Mitarbeiter. Also da wundere ich mich, dass die Leute noch nicht auf die Barrikaden gegangen sind, das eigentlich eine bodenlose Frechheit, dieses Wort. Da wirst du ja als Ressource gesehen, ne? Du wirst als Mensch zum Objekt gemacht. Und das hat früher funktioniert, aber das, das denke ich, wird in keinem Laden dauerhaft weiter funktionieren. Human Stars bedeutet ja auch nicht Starallüren, ne? Damit gemeint, aber wir bilden quasi als Organisation die, die Sterne mit, oder andersrum angefangen, mit Sternen bildest du ja Formationen, ne. Man kennt die Jungfrau, der große Bär, und wir bilden gedanklich als Formation die Organisation des großen Herzens. Und so sind wir quasi formiert, formieren uns immer wieder neu. Jetzt im September fangen ja 8 neue Azubis an, dass immer wieder ein bisschen mehr Neue reinkommen, ist immer wieder ein bisschen Trubel und alle müssen sich neu finden. Und dann ist der Gast für uns der große Himmel, und der ist damit auch nicht nur im Mittelpunkt, sondern der durchdringt uns. Und das oben, unten, rechts, links, hinten, vorne Und als Sterne hast du auch den Vorteil, du hast nicht nur die Vogelperspektive, du hast ja eine Sternenperspektive. Kannst so eigentlich die Welt ganz gut im Blick halten. Und wir versuchen immer wieder, sie ein bisschen heller zu machen.
- 09:42 Ronald M. Arndt
Wenn Sie das jetzt so sagen, und das wird Ihr Sohn, ich glaube Max, auch schon gehört haben. Was denkt er sich dabei jetzt so mit seinen, ich glaube, 13 Jahren, die er gerade hat?
- 09:53 Nicole Kobjoll
Ach so, von der Idee mit den Human Stars?
- 09:56 Ronald M. Arndt
Ja, was erzählst du da immer mit Sternen und so? Oder kann er das alles schon lange?
- 09:59 Nicole Kobjoll
Der ist damit aufgewachsen, der kennt eher den Begriff Human Resources nicht. Und wir haben ihn auch mitgenommen auf die Bühne zum Ludwig-Erhard-Preis, dass er sich schon mal dran gewöhnt. Er hält auch schon 3% der Anteile der KG, also so ähnlich wie bei mir damals. Er wächst schon rein und für ihn ist dieser Begriff was ganz Normales. Also das ist für ihn nichts Besonderes. Und der wächst ja hier auf. Wir wohnen ja sogar seit 2, 3 Jahren hier in der, am Unternehmen direkt dran. Vorher waren wir in der Altstadt, waren 10 Kilometer weit weg, und jetzt so seit 2, 3 Jahren, weiß gar nicht mehr genau, sind schon fast 3 Jahre, sind wir jetzt direkt am Schindlerhof, und dadurch ist er noch näher dran.
- 10:45 Ronald M. Arndt
Frau Kobjoll, ich freue mich. Wie gesagt, Stuttgart, Nürnberg, eigentlich gar nicht so weit weg.
- 10:50 Nicole Kobjoll
Bitte kommen Sie doch mal, lassen Sie uns Kaffee hier trinken.
- 10:54 Ronald M. Arndt
Wird höchste Zeit, dass wir den Kaffee bei Ihnen trinken, ganz genau, und ich den Schindlerhof auch vor Ort entdecke. Wie gesagt, heute ein kleines Format anlässlich jetzt des Ludwig-Erhard-Preises. Ganz noch mal herzlichen Glückwunsch von uns allen, und vielen lieben Dank. Wir sehen uns bald zu einer längeren Episode dann vor Ort bei Ihnen.
- 11:13 Nicole Kobjoll
Ich freue mich drauf. Dankeschön. Tschüss!