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Germany · Episode #87 · 16.09.2023 · 57 Min

Ein Grand Hotel auf kölsche Art

Georg PlesserExcelsior Hotel Ernst
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Aufgenommen: Excelsior Hotel Ernst, Köln

Standbild aus der Episode mit Georg Plesser Germany57 Min

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„Hier wird nicht kurz gedacht, hier wird über Generationen gedacht. … Mach es ein bisschen teurer, mach es aber richtig, weil wir wollen Ruhe haben für die nächsten Jahrzehnte.“

Georg Plesser, 32:22

Georg Plesser leitet das Excelsior Hotel Ernst in Köln, sein elftes Haus nach Stationen bei Kempinski, Waldorf Astoria, Ritz-Carlton und Rocco Forte. Er erzählt, wie Horst Schulze ihn geprägt hat, warum über 80 Prozent der Restaurantgäste aus Köln kommen und was es bedeutet, ein Privathotel in fünfter Generation zu führen. Dazu sein Bild vom Wagenrad aus Eigentümer, Mitarbeitenden und Gast, das ohne Unwucht laufen soll.

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Kernaussagen

  1. Hotel der Kölner: In den Restaurants sind über 80 Prozent der Gäste lokal, im Hotel kommen 40 Prozent aus Deutschland und der Rest hauptsächlich aus Amerika. Plesser sagt, der Hotelgast tauche dadurch sofort in Köln ein, statt in einem Fremdkörper zu sitzen.
  2. Wagenrad ohne Unwucht: Neuen Mitarbeitenden erklärt er seine Arbeit mit einem Wagenrad aus Eigentümer, Mitarbeitenden und Gast. Ist einer zu happy, etwa der Eigentümer, weil das Hotel finanziell zu stark ausgesaugt wurde, kommt Unwucht ins Rad.
  3. Sichtzimmer werden vererbt: Zu Rosenmontag steht vor dem Haus eine Tribüne mit knapp 400 Plätzen, die Zimmer zum Dom werden zu Sichtzimmern. Einige davon sind über 60 Jahre in derselben Familienhand, ein 99-jähriger Senior gab sein Zimmer vor seinem Tod weiter.
  4. Invest aus eigener Kraft: Der Eigentümer gibt dem Haus den Auftrag, sich und den Invest selbst zu finanzieren. Sein Spruch: lieber ein bisschen teurer und richtig, also auch Leitungen und Rohre neu, damit für die nächsten Jahrzehnte Ruhe ist.
  5. Nachwuchs im Haus: Das Hotel hält 35 Auszubildende, pro Jahr fangen rund 12 Personen an. Zwei der vier Kinder des Eigentümers sollten in den Aufsichtsrat kommen, die Jüngste war schon eine Woche im Haus.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed

In über zehn Häusern war Georg Plesser bereits tätig. Seit knapp vier Jahren im Excelsior Hotel Ernst in Köln.

Zurück im Rheinland, führt er die 160 Jahre alte Dame in die Zukunft. Motto hierbei: „Von ganzem Herzen Grand Hotel“.

Wir blicken zurück auf seine ersten Erfahrungen in der Luxushotellerie im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski in München, einem ersten Auslandsaufenthalt im The Waldorf Astoria in New York, eine aufregende Zeit bei The Ritz-Carlton, dem ein oder anderen Privathotel sowie den Rocco Forte Hotels.

Wie viele andere auch, hat ihn Horst Schulze dabei nachhaltig geprägt. Aber was dieser wohl damals wirklich unter dem Kuchenbuffet gesucht hat?

In Frankfurt empfängt der leidenschaftliche Hobbykoch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und späteren Weltmeister vor ihrem Abflug nach Brasilien.

In Köln sind es zu über 80% Gäste aus der Nachbarschaft, welche das Grand Hotel mit seinen einmaligen Restaurants wie der Hanse Stube rund um Joschua Tepner und dem Sterne-Restaurant taku von Mirko Gaul zu einem ganz besonderen Ort der Begegnung machen.

Hoch her geht es jedes Jahr zu Karneval, das ein oder andere Zimmer dürfte hier seit über 60 Jahren fest in Familienhand sein.

Als Wagenrad, das stets ohne Unwucht laufen sollte, beschreibt er die Konstellation aus Eigentümer, Mitarbeitenden und Gast. Aber worauf ist hierbei zu achten und wie schafft man es, ein Hotel dieser Klasse von einer Generation zur nächsten zu übertragen?

Die Zeit, in denen Georg Plesser mit nur zwei Koffern um die Welt reist, scheint erstmal vorbei zu sein. Sollte es ihn aber eines Tages doch wieder packen, dann steht das extralange Bett bei seinen Eltern zur Abholung bereit.

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Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.

  1. 00:06
    Ronald M. Arndt

    Sie sind Teetrinker, ich bin Kaffeetrinker. Ja, immer schon aus Tradition? Lustigerweise das eine oder auch das andere, nee, so seit 7, 8 Jahren.

  2. 00:16
    Georg Plesser

    Das war tatsächlich eine Ayurveda-Tour durch Indien, und da habe ich mich umgestellt.

  3. 00:23
    Ronald M. Arndt

    Sie haben schon vieles gesehen, sind ja einige Stationen auf Ihrem Lebenslauf, Herr Plesser. Aber in Indien haben Sie ja zumindest noch nicht im Hotel gearbeitet.

  4. 00:30
    Georg Plesser

    Nein, arbeitenderweise nicht, aber ich bin tatsächlich so dieser typische noch Hotelier, der ja— ist mein 11. Haus jetzt, das 6. Hotel Ernst, und habe so meine kleine Weltreise hinter mir. Und das hat mir auch einfach wirklich immer Spaß gemacht.

  5. 00:48
    Ronald M. Arndt

    Und ja, ich glaube aber, überhaupt in die Hotellerie zu gehen, fangen wir kurz mal da an, das war, wenn ich mich richtig informiert habe, so ein bisschen auch die Idee der Eltern, oder? Ist das richtig wiedergegeben?

  6. 00:59
    Georg Plesser

    Ja, also ich bin überhaupt nicht vorbelastet, aber dem Reisen war ich schon immer hold, mit den Eltern schon früh durch die weite Welt gereist, und die Mutter hat dann doch relativ schnell festgestellt, dass Bürojob im klassischen Sinne nichts für mich wäre und ich auch immer ganz gern gekocht habe. Es ist dann nicht der Koch geworden. Ja, und dann ging das Bewerben so los und bin dann schlussendlich im Hotel Viaseit München Kempinski, habe ich da meine Hotelfachlehre begonnen 1990, also jetzt 33 Jahre her, und seitdem immer der Hotellerie hold geblieben. Mir war dann eigentlich ziemlich schnell klar, du möchtest Luxushotellerie nach der Lehre und du möchtest so deine Karriere, glaube ich, starten im F&B-Bereich. Und du möchtest dahin, wenn es irgendwie geht, wo andere Urlaub machen. Und alle 3 Sachen habe ich, glaube ich, ganz gut hingekriegt.

  7. 01:59
    Ronald M. Arndt

    Schön zu hören, dass man so was schon relativ frühen jungen Jahren weißt, denn sonst wäre es ein bisschen schwer gewesen, bis heute, Sie sind immer noch ein Newcomer fast, 12 Stationen schon hinter sich zu haben.

  8. 02:12
    Georg Plesser

    Ja, also das war natürlich so die Sturm-und-Drang-Phase am Anfang, wenn man Karriere macht. Man wechselt die Position schneller, man wechselt die Hotels schneller. Ich habe zwar irgendwo, würde ich sagen, hotellmäßig 3 Heimaten. Das ist doch sehr lange mit Ritz-Carlton. Und auch meinem großen Mentor Horst Schulze. Und die zweite lange Phase war dann mit Rocco Forte Hotels. Da war ich sehr stabil mit der Villa Kennedy in Frankfurt.

  9. 02:41
    Ronald M. Arndt

    14 Jahre, ne?

  10. 02:43
    Georg Plesser

    14 Jahre. Und die dritte Sache, die mich sehr begleitet hat und jetzt eben auch wieder hier, war, dass ich doch das ein oder andere wirkliche Privathotel gemacht habe. Direkt für den Eigentümer arbeiten. Das hat mir sehr Spaß gemacht und das macht mir heute sehr viel Spaß.

  11. 03:00
    Ronald M. Arndt

    Fällt mir gerade ein, war nicht 2006 die WM in Deutschland?

  12. 03:03
    Georg Plesser

    2006 war die WM in Deutschland und war mein Premierenjahr. Also ich war zwar schon davor Direktor gewesen, aber in einem kleinen Haus in der Schweiz. Aber es war natürlich so, was für uns in der Hotellerie ja immer so der goldene Handschlag ist. Also Handschlag ist das falsche Wort, aber in der Hoteleröffnung. Und die Villa Kennedy hat tatsächlich im März 2006 aufgemacht und im Juni ging es dann los mit vollem Haus. Und Sie können sich vorstellen, es war natürlich noch nicht wie geschmiert nach 3 Monaten Eröffnung. Und dann ein Haus zu haben, was einen Monat mehr oder minder voll war und auch gastronomisch komplett auf Anschlag lief. Da haben wir viel gelernt, sagen wir es mal so.

  13. 03:51
    Ronald M. Arndt

    Okay. Wer hat sich von den späteren Weltmeistern am meisten beschwert? Oder niemand?

  14. 03:55
    Georg Plesser

    Wir hatten tatsächlich das große Halbfinale, weiß ich noch genau, Brasilien-Frankreich. Da hatten wir tatsächlich die französische Mannschaft im Haus. Wir waren, weil wir so spät eröffnet hatten, jetzt kein klassisches Spielerhotel, sondern—

  15. 04:10
    Ronald M. Arndt

    Aber die deutsche Mannschaft war doch bei euch am Anfang, ne?

  16. 04:13
    Georg Plesser

    Nee, die deutsche Mannschaft hat sich über die Jahrzehnte dann als große freundschaftliche Mannschaft entwickelt. Wir waren das Haus- und Hofhotel. Der Nationalmannschaft, insbesondere unter der Zeit Jogi Löw, und durften sie damals auch sowohl verabschieden, dann sind sie ja direkt nach Berlin, aber wir haben sie 2014, haben sie sich gesammelt bei uns, wo es dann zur Weltmeisterschaft nach Brasilien ging.

  17. 04:40
    Ronald M. Arndt

    Ach so war das, genau, weil ich habe nämlich so Bilder vor Augen, wo wir noch vor der Handy-Armee, genau, da war das nämlich die Parallele. Gut, und An der Stelle, bevor ich es vergesse, Sie haben es ja gerade schon gesagt, Sie hätten sich vorstellen können, Koch zu werden. Da erinnere ich mich an einen sehr schönen Podcast mit dem Wilhelm Luxem, der hier das Hotel Ernst— wie sagt man, ist Excelsior Ernst oder wie ist so die offizielle Formulierung?

  18. 05:06
    Georg Plesser

    Also wir haben das Excelsior und wir haben das Ernst und es ist das Excelsior Hotel Ernst. Da nur ganz kurz dazu, der Herr Ernst ist unser Begründer, 1863, hat es dann 8 Jahre geführt, geleitet, besessen und dann sind wir seit dem Tag in der Familie Kracht-Rollet untergekommen. Also sprich jetzt in der 5., eigentlich, ich sage jetzt schon immer in der 6. Generation. Und das ist das Tolle, dass wir so eine lange Geschichte feiern. Und das Excelsior ist dann in den Anfang 19— im Anfang des 19. Jahrhunderts dazugekommen, weil Excelsior heißt ja Größe, Schönheit. Und das hat man damals dann dazugetan, weil das Hotel zu dem damaligen Zeitpunkt eben schon fließendes Wasser, Toiletten auf den Gängen und, und, und hatte.

  19. 05:54
    Ronald M. Arndt

    Großes Novum damals. Ja, das einfach.

  20. 05:56
    Georg Plesser

    Absolut, absolut. Und deshalb dann eben das Excelsior. Im Kölner Sprachgebrauch kommt meist, kürzt man es ab und sagt, wir gehen ins Excelsior oder wir gehen ins Ernst. Meist ins Excelsior.

  21. 06:10
    Ronald M. Arndt

    Alles klar. Wilhelm Luxem, er wollte nämlich damals Koch, oder er wurde damals Koch. So war das. Genau.

  22. 06:15
    Georg Plesser

    Und hat dann einfach seinen Weg in der Luxushotellerie und dann eben zuletzt dem Borlack Na, also bei mir hat es nur zum leidenschaftlichen Hobbykoch gereicht, aber tatsächlich leidenschaftlich. Und meine 2 Küchenchefs, ich habe ja derer 2 hier im Haus, die machen ihre Arbeit auch ganz gut, die schmunzeln schon immer, weil ich sehr gerne am Pasch stehe und mich mit ihnen auseinandersetze. Auch gerade, wenn es dann so in meine Freizeit geht, wo ich dann noch mal sage, wie würdest du das und das machen? Nein, das Kochen ist für mich tatsächlich ein Ausgleich und macht mir großen Spaß.

  23. 06:48
    Ronald M. Arndt

    Kochen ist der eine Ausgleich, Sport ist der andere?

  24. 06:50
    Georg Plesser

    Ja, also, oder ich kann jetzt nicht sagen, dass ich der Supersportler bin.

  25. 06:55
    Ronald M. Arndt

    Nein, ich gehe gerne. Was macht man mit Ihren 2 Metern besonders gut?

  26. 06:58
    Georg Plesser

    Ich gehe tatsächlich ganz gerne, also im Tagesgebrauch gehe ich ganz gerne joggen und das bietet sich natürlich hier wunderbar an, um den Rhein zu laufen. Die Brücken geben einem genau vor, wie viele Kilometer es sind. Also da braucht man keine Uhr oder, oder. Und sonst, das kann man natürlich aus Köln nicht jeden Tag machen, aber ist das Skifahren die andere große Leidenschaft?

  27. 07:20
    Ronald M. Arndt

    Nach den beiden Vier Jahreszeiten ging es dann, glaube ich, schon nach New York. Richtig. Ins Waldorf Astoria.

  28. 07:25
    Georg Plesser

    Ja, ist auch bis heute prägend. Ich komme gerade wieder zurück aus Amerika. Ich muss einmal im Jahr in New York sein, irgendwo.

  29. 07:34
    Ronald M. Arndt

    Wie alt waren Sie damals, als Sie nach New York sind?

  30. 07:36
    Georg Plesser

    Da muss ich jetzt, muss ich nachdenken. '93, '94. Ich bin '68er Baujahr, also so '23, '24 war ich da.

  31. 07:44
    Ronald M. Arndt

    Ja.

  32. 07:45
    Georg Plesser

    Und das war eine tolle Zeit. Es war das erste Mal Ausland im Sinne des Arbeitens. Es war natürlich auch Ausland komplett alleine. Also ich bin da wirklich ohne doppelten Boden hin und dann in so eine große Legende tatsächlich. Und das Haus hatte damals über 1400 Zimmer und muss sagen, das hat mich doppelt und dreifach geprägt. Also erst mal das erste Mal wirklich Ausland arbeiten. Ein Haus wirklich mit Legende. Ich sage nur Waldorfer-Storia-Salat, den haben wir tonnenweise jeden Tag machen müssen. Ich war im F&B und habe sehr, sehr viel gelernt, habe sehr viel auch kostenmäßig gelernt. Und deshalb, und New York einfach als junger Mensch, als Mittelalter-, als alter Mensch, New York ist einfach eine faszinierende Stadt und an die Zeit denke ich sehr, sehr gerne zurück. Muss aber sagen, ich habe überhaupt nirgendwo Groll. Also ich denke eigentlich an alle Zeiten zurück. Ich hatte so ein bisschen das Glück, weil da gehört glaube ich auch ein bisschen Glück dazu, dass ich wirklich an tollen Orten gearbeitet habe. Also ich bin nie versetzt worden irgendwie an Orte, ich rede jetzt nicht von Hotels, aber an Orte, wo man nicht unbedingt vielleicht hin muss.

  33. 09:07
    Ronald M. Arndt

    Aber das, ich meine, Sie haben es so Ihren Schwerpunkt auf der Luxushotellerie. Ja, also so viele Orte gab es da wahrscheinlich.

  34. 09:13
    Georg Plesser

    Ja doch, ich meine, sie haben wunderschöne Hotels auch in Saudi-Arabien und wunderschöne Hotels wo auch immer, wo man jetzt vielleicht nicht direkt ganz, ganz weit oben auf der Liste hat.

  35. 09:28
    Ronald M. Arndt

    Sie sagen, Sie haben kostenmäßig viel gelernt damals dann in New York. Gab es da so ein paar Punkte damals zur damaligen Zeit, wo Sie sagen, die Amerikaner waren da einfach in Hotellerie weiter als wir hier in Europa?

  36. 09:40
    Georg Plesser

    Ich glaube weiter. Sie haben ja doch sehr auf europäische Tugenden gesetzt. Also zu meiner Zeit war ja eigentlich die internationale Hotellerie komplett deutsch-schweizerisch-österreichisch besetzt, was GMs anging. Also die alte Garde, nenne ich sie jetzt mal, kam ja prinzipiell hier aus dem westlichen Europa, weltweit, auch in Asien natürlich, und viele Legenden sind daraus entstanden. Die Amerikaner haben einem, glaube ich, auch bis heute— ich finde, dazu gehört sicherlich auch irgendwo die Weltstadt London— einfach an Konzepten einiges vorgemacht, wie man Konzepte umsetzt. Und ich meine, wir brauchen nicht drüber reden, wie viele Konzepte übergeschwappt sind zu uns nach Deutschland mit Mit großem Zeitunterschied zum Teil. Also ich weiß noch, ist jetzt gerade undenkbar, wenn ich an meine Kinder denke, die das schon irgendwie mit 10 oder noch weniger gegessen haben. Ich habe tatsächlich mit 23 das erste Mal Sushi gegessen. Das gab es in Deutschland meiner Meinung nach nicht. Also ich wüsste nicht, wo es das gab. Ich bin zumindest nicht drauf gestoßen. Und das sind so Sachen, da war schon viel zu sehen und viel Neues da. Und das ist auch so, was mich heute immer noch, also das gebe ich auch meinen Mitarbeitern mit, informiert euch draußen, also guckt über den Tellerrand Köln jetzt in meinem Fall hinaus. Man sieht so, so viel in diesen Städten, sei es New York, London, natürlich in Asien, ob jetzt Tokio, Bangkok, Singapur, aber auch in Europa. London hatte ich gesagt, Kopenhagen, solche Städte. Geben so viel Impuls an Gastronomie, Hotellerie.

  37. 11:31
    Ronald M. Arndt

    Und nach dem Waldorf Astoria kam es zum Kennenlernen wahrscheinlich von Horst Schulze, oder?

  38. 11:37
    Georg Plesser

    Ja, ich habe dann noch den tollen Abstecher machen dürfen vom Waldorf nach Cornell, habe dann noch ein langes Sommerstudium gemacht, habe dort viele auch die ich heute noch kenne, Freunde bekommen. Und dann kam tatsächlich das allererste Mal der Ruf Ritz-Carlton. Und da ging es nach Barcelona. Barcelona habe ich einmal hin und zurück gemacht. Ich bin, habe einen kleinen Ausflug noch mal nach China gemacht, bin dann aber schnell zurück und bin dann eben mit Horst Schulze Habe 3 Hotels richtig gemacht. Ich sage deshalb richtig, weil ich in seiner sogenannten Taskforce war. Wir, jedes Ritz-Carlton damals wurde von einer riesigen Taskforce mindestens 3 Wochen begleitet. Wenn man Single war, waren es dann auch manchmal 2, 3 Monate, wo man ein neues Hotel eben miteröffnete. Und das durfte ich unter Horst Schulze Wie groß war so eine Taskforce? Das waren bestimmt immer 30, 40 Leute für. Also man war dann zum Beispiel, wenn man FMB-Manager war, war man nur für Roomservice zuständig und dann gab es eben anderen FMB-Manager, der war zuständig für ein Restaurant und und und. So kam das dann doch recht zusammen und das war eigentlich auch immer so aufgebaut, so halbe halbe, also oder sagen wir Drittel Drittel Drittel. Ein Drittel war klassisches Setup. Ein Drittel war Ritz-Carlton-Philosophie und das letzte Drittel war dann wirklich, die Standards zu bringen, dass man es an dem Tag X eröffnen könnte. Weil die Philosophie war eben, wir eröffnen nicht im Soft, wir eröffnen voll, voll und ganz und wir machen alles auf. Und dann verließen eben immer unheimlich viele Trainer das Haus. Und manche blieben eben noch zurück. Und da gehörte ich manchmal eben dazu, weil wie gesagt, ich war ungebunden und dann hat man gesagt, hey, der kann ja ein paar Monate länger in Dubai bleiben.

  39. 13:44
    Ronald M. Arndt

    Der kann nicht mit der Arbeit.

  40. 13:45
    Georg Plesser

    Genau, der kann länger in Dubai bleiben oder oder oder. Und das hat Riesenspaß gemacht. Und die richtigen Häuser waren dann eben noch Florida Naples, was damals das absolute Flaggschiff war von Ritz-Carlton zu dem Zeitpunkt. Ich hatte gerade von Kosten gesprochen, da habe ich Qualität gelernt. Das war fantastisch. Da durfte ich meinen ersten Executive-Job dann auch bekleiden als F&B-Direktor. Und ja, die letzte Station mit Ritz-Carlton dann war dann noch Los Angeles. Also Sie sehen, es sind schon schöne Städte dabei.

  41. 14:20
    Ronald M. Arndt

    Und was bleibt vom Horst Schulze?

  42. 14:23
    Georg Plesser

    Der Horst Schulze bleibt—

  43. 14:25
    Ronald M. Arndt

    Was hat er mitgegeben auf dem Weg?

  44. 14:26
    Georg Plesser

    Ach, ich glaube, wenn Sie seine Jünger fragen, wir ertappen uns dabei, so oft die gleichen Wörter zu benutzen.

  45. 14:34
    Ronald M. Arndt

    Also wiederholen wir es gerne mal.

  46. 14:35
    Georg Plesser

    Ich sage einfach Ladies, Gentlemen, Serving Ladies and Gentlemen. Management, das fällt schon öfters, die Service Excellence, dieses Qualitätsbewusstsein, diese Idee, wenn man oben ist, auch schnell wieder auf Platz 2 zu fallen, dass es viel wichtiger ist, genauso wie beim Fußball, das zweite Mal Weltmeister werden ist viel schwerer als einmal. Er hat das gelebt und uns vorgelebt und jeden Tag gelebt. Und diese Credo-Karte, Die war, die war nicht bei uns in den Jacken, die, die wurde jeden Tag gezückt und die wurde jeden Tag benutzt.

  47. 15:17
    Ronald M. Arndt

    Und war er selbst bei einer Eröffnung dann auch zum gewissen—

  48. 15:21
    Georg Plesser

    Bei jeder, jeder, also bei jeder, bei jeder.

  49. 15:24
    Ronald M. Arndt

    Und nicht mit dem Team, nicht um sich zu feiern, sondern ich habe ihn—

  50. 15:31
    Georg Plesser

    Das waren lange Tage bei diesen Eröffnungen. Also die gingen um 5 Uhr morgens los und endeten um Mitternacht. Wenn man Glück hatte. Und ich habe ihn— wir sind dann ein— ich weiß noch genau, das war in Dubai, da sind wir 2 Tage vor Eröffnung, sind wir dann losgezogen, um noch einen Drink zu nehmen. Und ich wollte aufs Zimmer und merke plötzlich in meinem Bereich, das war nämlich die Lobby-Lounge, und da gab es so ein Kuchenbuffet. Und ich hörte es da klappern und rattern, und dann bin ich dahin, und da lag Horst Schulze unter diesem Kuchenbuffet, weil er irgendwas gesehen hatte, was er da reparieren wollte. Also das war er. Und nein, Sie sehen meine glänzenden Augen. Das hat mich viel begleitet. Und ich muss sagen, wenn man mit den Teams so in gerade auch in privat geführten Hotels mal wieder so ein Mission Statement, eine Philosophie vielleicht noch mal neu besprechen will oder ein bisschen adjusten will, dann guckt man ganz schnell auch mal wieder in die Credo-Karte. Man will es nicht kopieren. Aber es sind schon noch einige Formeln drin. Ich muss sagen, wir haben sowas auch hier im Excelsior und da kommen schon ein paar drin vor.

  51. 16:42
    Ronald M. Arndt

    Man muss das Rad ja nicht neu erfinden.

  52. 16:44
    Georg Plesser

    Genau.

  53. 16:44
    Ronald M. Arndt

    Jetzt sind Sie seit knapp 4 Jahren hier in Köln, auch hier in der Gegend geboren, glaube ich, in Essen.

  54. 16:50
    Georg Plesser

    Richtig.

  55. 16:51
    Ronald M. Arndt

    In Mülheim, soweit ich weiß.

  56. 16:53
    Georg Plesser

    Bestens informiert.

  57. 16:54
    Ronald M. Arndt

    Groß geworden. Ich gebe mein Bestes. Gerne wieder hier zurück, wahrscheinlich, oder auch in der Heimat?

  58. 17:00
    Georg Plesser

    Ja, also das Rheinländische naturell. Jetzt würde der Kölner sagen, was erzählt er da aus dem Ruhrgebiet?

  59. 17:05
    Ronald M. Arndt

    Ich nehme es ja wahr. Ja, ich bin hier.

  60. 17:07
    Georg Plesser

    Dass der Rheinländer ist, ist ja anmaßend, aber die Gemarkung ist tatsächlich Rheinland.

  61. 17:16
    Ronald M. Arndt

    Und an Karneval werden Sie sich auch nicht im Keller verstecken, glaube ich.

  62. 17:19
    Georg Plesser

    Nein, überhaupt nicht. Und es ist vielleicht ein kleiner Unterschied. Also meine sehr geschätzten Vorgänger, Der letzte war aus Hamburg. Das ist dann doch ein bisschen was anderes. Und ich lebe das tatsächlich mit und mir macht das auch großen Spaß. Ich durfte beim 200-Jährigen jetzt auch mit auf dem Zug fahren und das ist ein Erlebnis, das ist eingerahmt, muss ich wirklich sagen. Das möchte ich auch noch mal machen. Da arbeite ich auch dran.

  63. 17:45
    Ronald M. Arndt

    Also allein dafür hat sichs Zurückkommen in die Heimat schon gelohnt.

  64. 17:49
    Georg Plesser

    Absolut.

  65. 17:50
    Ronald M. Arndt

    Ja. Wie viel kann man denn da von Ihrem Naturell, von Ihrem rheinländischen Naturell jetzt auf das Hotel übertragen, auf das Hotelerlebnis?

  66. 17:57
    Georg Plesser

    Ich glaube, dass, oder ich weiß, dass das Excelsior Hotel Ernst tatsächlich hilft, einem das Haus auch zu machen. Es ist ein Hotel, das habe ich in Deutschland, in Deutschland noch nie so extremst erlebt, dass das auch wirklich ein Hotel der Kölner ist. Es ist sehr wenig Schwellenangst drin, obwohl es von außen ja vielleicht auch wieder etwas Schwellenangst aufbringen sollte. Oder könnte. Es ist aber wirklich, nehmen Sie unsere Restaurants, über 80% ist lokal. Und das ist wiederum so ein bisschen die Win-win-Situation auch für unseren Hotelgast, der natürlich dann sofort in diese, in Köln eintaucht.

  67. 18:40
    Ronald M. Arndt

    Genau, richtig.

  68. 18:41
    Georg Plesser

    Er ist hier nicht in einem Fremdkörper, sondern er ist part of it. Sie sprachen gerade Karneval an. In Karneval ist es natürlich ganz frappant. Wir haben zur Rosenmontag eine Tribüne hier vor der Tür, natürlich mit der tollen Lage direkt am Dom. Die ist jedes Jahr mit knapp 400 Leuten besetzt und unsere normalen Hotelzimmer zum Dom raus werden an dem Tag zu Sichtzimmern. Und es gibt gewisse Sichtzimmer zum Zug, die sind über 60 Jahre in gleicher Hand. Also in der gleichen Familienhand, und das wird sogar zum Teil vererbt. Wir hatten das dieses Jahr, dass unser wirklich absoluter Senior, 99 Jahre ist er geworden, verstorben, sein Sichtzimmer weitergegeben hat. Und da dürfen wir auch nicht dran. Die Familie ist für Mitte Februar wieder reserviert, und das ist das Tolle. Und das ist glaube ich, wenn man das dann nicht lebt oder sich schwer tut, das zu leben, dann glaube ich, ist man selber auch nicht glücklich dabei. Und in anderen Hotels ist vielleicht mehr, dass man mehr fokussieren muss für Hotelgäste, dass man sich mehr fokussieren muss für internationale Gäste. Wir haben das sehr viel, also jetzt wieder rein Hotel. Sind 40% nur aus Deutschland, der Rest kommt hauptsächlich aus Amerika. Also das heißt, der Verkauf und, und, der ist natürlich in Amerika unterwegs, ich bin es auch, aber man macht den Unterschied, wenn man in Köln dabei ist.

  69. 20:28
    Ronald M. Arndt

    Was heißt das, Sie sind in Amerika unterwegs für den Verkauf?

  70. 20:31
    Georg Plesser

    Wir sind ja, wir sind da heute ja noch nicht drauf gekommen, die Besonderheit des Hotel Excelsior ist ja, wir sind ja wirklich eines der letzten wirklichen Privathotels, seit 5. Generation wirklich in der kleinen Familienhand. Und wir haben auch wirklich keine Freunde und Partner, Partner natürlich, aber wir haben keine anderen Hotels, die irgendwie mit uns zusammen sind. So, das heißt, wir sind auf uns alleine gestellt. Wir haben natürlich Partnerschaften geschlossen. Das ist innerhalb Deutschlands die tolle Partnerschaft mit der Selektion Deutscher Luxushotels. Das ist international mit Leading Hotels of the World und dann natürlich mit diversen Kooperationen, die man so in der Luxushotellerie eben anschlägt. Und das bedarf natürlich auch, dass wir so gut wie alles selber machen, in der Operative sowieso, ob es jetzt die Küche ist, ob es die Patisserie ist, ob es das Housekeeping ist, aber eben auch der Verkauf. Und der Verkauf muss eben dahin, wo die Märkte sind, und das ist eben Amerika, das ist die große weite Welt in dem Sinne. Amerika, England, die Schweiz, früher der asiatische Raum mit China. Das kommt hoffentlich bald wieder zurück. Das war sehr stark hier und da muss der Verkauf hin. Und ich bin der Meinung, da muss auch manchmal das Gesicht nach uns hin. Und deshalb mache ich das auch immer mal ganz gerne, dahin zu gehen, wo unsere Kunden sind.

  71. 22:03
    Ronald M. Arndt

    Ja, Sie meinen es praktisch wie Sir Rocco Forte, der auch viel in den USA ist, habe ich gehört.

  72. 22:08
    Georg Plesser

    Ich habe in dieser Sekunde dran gedacht, dort war es Pflicht. Wir hatten um die 3, 4 GMs-Rotschuss, wo er selber mit dabei war. Und Sie glauben gar nicht, was das— also die GMs waren dann eher unwichtig sogar, aber was das für einen Impact hatte, dass der Cheffe selber mitging. Und das haben wir immer in Amerika gemacht, immer. Das haben wir sehr oft damals noch, wo alles normal war, in Russland gemacht, eben wo die großen Märkte sind.

  73. 22:39
    Ronald M. Arndt

    Ja, also das fällt mir leicht zu spüren, wie, wo Sie sich hier fühlen. Ich freue mich da einfach extremst sehr für einen Menschen, der da so seinen Weg sehr früh gefunden hat und auch jetzt einfach wieder in der Heimat ist, genau das machen kann und darf, was er, was ihn prägt, ist die Luxushotellerie. Und dann gab's ja noch mal vom, fällt mir auch gerade ein, glaub so ein Leitsatz vom Horst Schulze, Mitarbeiter happy, Gäste happy, Owner happy. Haben wir auch mal irgendwo gesehen und gehört. Das ist ja auch noch mal so Ihre Spezialität, viel eben mit inhabergeführten Häusern zusammenzuarbeiten.

  74. 23:16
    Georg Plesser

    Ja, Sie werden lachen, sehen Sie die leichte Abwandlung drin? Wenn wir Einführungstage haben für neue Mitarbeitende, bringe ich tatsächlich immer so einen Sie schmunzeln dann immer, weil dann sage ich, jetzt fragt ihr euch sicherlich, was mache ich eigentlich hier so den lieben langen Tag? Und dann beschreibe ich das eigentlich, das ist eigentlich genau, was Sie gerade gesagt haben. Ich beschreibe das dann immer mit einem Wagenrad, wo es den Owner, den Mitarbeitenden und den Gast gibt. Und das Rad soll ohne Unwucht laufen. Weil wenn einer zu happy ist, auch zu happy, oder eben zu unhappy, nennt man es ja dann.

  75. 24:03
    Ronald M. Arndt

    Was führt, wenn man zu happy ist? Was passiert dann?

  76. 24:05
    Georg Plesser

    Ja, wenn er, ich sage jetzt mal, wenn er, ich mache es jetzt mal, wenn der Gast, machen wir mal der Eigentümer, zu happy ist, dann habe ich vielleicht das Hotel finanzmäßig zu sehr ausgesogen. Und dann ist die Unwucht drin, vielleicht in dem Rad zu dem Mitarbeitenden, weil wir uns zu wenig um ihn kümmern. Könnte es sein. Und deshalb glaube ich, sollte es ein gleichmäßiges Rad sein und was gleichzeitig auch ein Zahnrad ist, weil die 3 fassen einfach ineinander und wir sind innerhalb dieses Kreises auch unheimlich innerhalb innerhalb auf uns angewiesen. Ich kann nicht ohne die Mitarbeiter, ich will nicht ohne die Mitarbeiter, ich kann nicht ohne unsere Gäste, ich will nicht ohne unsere Gäste. Und das Gleiche gilt für den Eigentümer, der in unserem Fall sehr mitlebt. Das ist das Tolle. War gerade da, also hat mich gestern verlassen, wieder zurück in die Schweiz. Der aber hier hinkommt und nicht als oberstes Ziel hat, mit mir Finanzzahlen zu besprechen, sondern der mit mir durchs Hotel geht, der mit mir Themen, auch Alltagsthemen bespricht, der natürlich Investitionen bespricht, der aber auch sehr auf die Qualität guckt. Und, und das ist das Tolle, Er begleitet das Haus jetzt als Eigentümer seit 1990, also wo ich gerade Lehre gemacht habe, und kennt wirklich jeden Mitarbeiter. Und das zeichnet dieses Haus auch aus. Ich habe ja wirklich von allem etwas. Ich habe vom Azubi, der seinen ersten Tag jetzt gerade hier im August hatte, bis zu meinem Spitzenreiter, 45 Jahre wird er dieses Jahr feiern, Oberkellner in der Hansestube. Und ich habe tatsächlich in dieser Rubrik 25 bis 45 einige Mitarbeiter im Haus.

  77. 26:14
    Ronald M. Arndt

    Ich bin gerade unten im Eingangsbereich auf ganz tolle junge Menschen gestoßen.

  78. 26:19
    Georg Plesser

    Ja, ja, es ist jetzt gerade wieder so dieses, der August ist immer so, wir haben ja 35 Auszubildende und also eben in diesem Dreijahresturnus, das heißt Pi mal Daumen fangen immer 12 Personen an pro Jahr. Und jetzt waren eben wieder, jetzt kam der neue Schwung.

  79. 26:39
    Ronald M. Arndt

    Fühlt es sich also, ja, und es sind stolz, man hat einfach den Stolz gesehen.

  80. 26:43
    Georg Plesser

    Es sind jetzt einige da, die tatsächlich ihre ersten Tage haben, und das ist immer ein toller Moment. Absolut.

  81. 26:49
    Ronald M. Arndt

    Ja, lassen Sie uns kurz auf den Eigentümer bisschen zu sprechen kommen.

  82. 26:53
    Georg Plesser

    Ja, Charles Rolli, Schweizer und Vollbluthotelier. Und das ist auch das Tolle, er ist kein Investor. Er hat das von der Pike auf gelernt. Er kommt ja aus der Dynastie auch Bauer Olag in Zürich und ist auch schon in frühen Jahren international unterwegs gewesen. Er hat viel in Amerika gearbeitet und durfte, musste, man, ich sage jetzt auch musste, das Jahr das Haus hier ein Jahr leiten, weil ein Vorvorgänger von mir plötzlich verstorben war. Und dann hat er es tatsächlich auch ein Jahr geleitet und war vor 1990 schon viele Jahre im Aufsichtsrat. Wir sind hier eine AG, ich bin Vorstand und Schweizer Modell eben. Und es gibt einen dreiköpfigen Aufsichtsrat und hat das damals auch schon lange mit begleitet, war parallel im Aufsichtsrat auch vom Bauerlack und ist dann eben alleiniger Eigentümer geworden mit 1990 dann. Und begleitet dieses Haus sehr intensiv, hat eine vierköpfige Kinderschar. Und darum sagte ich, es ist die 5. Halbgeneration. Wir werden dieses Jahr 2 der 4 Kinder in den Aufsichtsrat bekommen.

  83. 28:14
    Ronald M. Arndt

    Okay.

  84. 28:14
    Georg Plesser

    Das heißt, ich kriege 2 neue Chefs.

  85. 28:16
    Ronald M. Arndt

    Ja.

  86. 28:17
    Georg Plesser

    Und das ist spannend zu sehen, dass wir das, glaube ich, so ein bisschen mit vereinten Kräften, also sowohl Herr Rollet als auch ich irgendwo mich in der Verpflichtung sehe, die Jugend daranzuführen. Ich hatte gerade die Jüngste vor ein paar Monaten mal eine Woche hier.

  87. 28:36
    Ronald M. Arndt

    Von welchem Alter sprechen wir da?

  88. 28:37
    Georg Plesser

    Da reden wir von noch mit der 2 davor, und sie ist noch im Studium. Und die hatte ich einfach mal eine Woche hier, so, ja, ich nenne es jetzt einmal so ein bisschen unter die Fittiche zu nehmen, so ein bisschen die Hotellerie zu zeigen, und das macht Riesenspaß.

  89. 28:55
    Ronald M. Arndt

    Und sich einfach auch schon früh kennenzulernen.

  90. 28:58
    Georg Plesser

    Absolut, absolut.

  91. 28:59
    Ronald M. Arndt

    Die Praxis kennenzulernen.

  92. 29:00
    Georg Plesser

    Absolut. Ja, und das ist so, mein Verhältnis zum Eigentümer ist sehr, sehr eng. Wie gesagt, er kommt 5, 6 Mal im Jahr. Wir tauschen uns natürlich auch formell aus über die Aufsichtsratssitzung, aber ich sage jetzt mal mindestens so 1, 2 Mal in der Woche per Telefon.

  93. 29:23
    Ronald M. Arndt

    Das ist eine Grande Dame, das Haus. 160 Jahre jetzt, auch nochmal Jubiläum gefeiert im Mai. Herzlichen Glückwunsch an der Stelle. Haben Sie manchmal so Momente, wo Sie sagen, ja, es ist eine Grande Dame und ich habe da viel Geschichte drin und das ist eigentlich genau das, was ich machen möchte, aber es gibt Dinge, die kann ich einfach nicht so machen, weil es einfach ein gewachsenes Haus ist? Ich kann irgendwas nicht anbieten. Ich kann—

  94. 29:50
    Georg Plesser

    es ist eine—

  95. 29:52
    Ronald M. Arndt

    irgendwie, ich möchte— ich kann einen Schritt, den ich gerne noch—

  96. 29:54
    Georg Plesser

    ich nenne sie liebevoll die alte Dame. Und eine alte Dame braucht viel Pflege, sehr viel Pflege. Und es ist natürlich so, wir haben sicherlich keinen Invest-Stau, weil es wird ständig was gemacht. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, dass nicht irgendwo gerade In dieser Sekunde wird wieder gerade gemalt in einem unserer Ballsäle.

  97. 30:18
    Ronald M. Arndt

    Ich habe auch einen Herrn unten gesehen.

  98. 30:20
    Georg Plesser

    Es ist immer, und ich habe auch noch 2, 3 andere Baustellen in diesem Moment. Wir haben sogar in der Corona-Phase den Mut gehabt, unsere Domseite, also unsere wirkliche Schokoladenseite, quasi zu renovieren. Es fehlen noch 3, 4 Zimmer, die kommen aber jetzt dann nach Karneval dran, weil da brauchen wir ein bisschen länger für. Nein, es ist ein gestandenes Haus, wo wir innerhalb unserer Mauern sicherlich auch was, immer wieder was verändern können. Uns fehlt vielleicht ein bisschen Außenfläche. Es ist nicht immer einfach mit meiner lieben Stadt Köln. Wir sind natürlich, wir sind natürlich große Nutznießer auf der einen Seite, ganz große Nutznießer, dass wir das tolle, tolle Bauwerk, den Dom, direkt, direkt vor der Haustür haben.

  99. 31:09
    Ronald M. Arndt

    Absolut, direkt vor der Haustür.

  100. 31:10
    Georg Plesser

    Aber der Dom gibt natürlich auch viele— der Dom ist immer der Chef.

  101. 31:14
    Ronald M. Arndt

    Okay, der Dom ist immer der Boss. Der Dom wirft auch Schatten manchmal.

  102. 31:17
    Georg Plesser

    Der Dom hat immer recht und das ist auch gut so. Und der Dom gibt einem aber auch viel Denkmalschutz und sehr viele Obligationen. Ich sage nur, zum Beispiel eine Dachterrasse wäre so, könnte man vielleicht bauen. Es ist aber unter dem schützenden Dach des Domes, da alles ein bisschen schwieriger.

  103. 31:37
    Ronald M. Arndt

    Also wo hätte die Dachterrasse hingesollt?

  104. 31:39
    Georg Plesser

    Ganz normal auf unser Dach.

  105. 31:40
    Ronald M. Arndt

    Über die Straße oder bei euch? Hier auf dem Dach.

  106. 31:42
    Georg Plesser

    Wirklich oben aufs Dach, aber gewisse Sachen sind da vielleicht ein bisschen schwieriger. Ich habe ein leichtes Hobby, jetzt spreche ich es auch wieder an, ich werde nicht müde drum, mit der Stadt. Ich würde logischerweise in der heutigen Zeit, ich hätte sehr gerne E-Mobilität, aber ich darf nirgendwo eine E-Tankstelle hinstellen, nicht mal in diesem Parkhaus gegenüber. Okay, na ja, irgendwann schaffe ich es.

  107. 32:06
    Ronald M. Arndt

    Also hoteleigene Ladestation oder im Allgemeinen?

  108. 32:09
    Georg Plesser

    Richtig. Ja, wir haben in dem Sinne keinen klassischen eigenen Parkplatz. Die sind eben gegenüber. Also man ist mitten in der Stadt. Dadurch gibt es unheimlich viele Pluspunkte.

  109. 32:19
    Ronald M. Arndt

    Genau, das ist ja ein Punkt, da kann der Eigentümer nichts für, da kann überhaupt niemand was für.

  110. 32:22
    Georg Plesser

    Richtig. Nein, nein, innerhalb des Hauses. Ach, wissen Sie, ich glaube, viele Hotelmenschen sind mit Ungeduld gepaart. Natürlich könnte alles schneller laufen. Und natürlich hätte ich gerne schon alle Zimmer fertig und hätte alle direkt umgebaut, aber wir haben ja auch eine finanzielle Verpflichtung. Und das Tolle ist, wir haben in diesem Haus auch eine Langzeitverpflichtung. Hier wird nicht kurz gedacht, hier wird über Generationen gedacht. Und ein klassischer Spruch meines Eigentümers ist: Mach es ein bisschen teurer, mach es aber richtig, weil wir wollen Ruhe haben für die nächsten Jahrzehnte. Das heißt, mach es nicht nur nach außen, sondern guck dir auch bitte die Leitungen dahinter an, guck dir die Rohre dahinter an und mach sie neu. Und das macht es komplexer, das macht es schwieriger. Und Sie können sich vorstellen, in Köln gibt es einen großen wichtigen Spruch: Gehe niemals in den Keller und buddel niemals in dem Keller, weil du wirst eine Scheibe von dem alten Rom finden oder, oder. Und dann ist erst mal lange Stopp. Und aus dem Grund müssen wir das natürlich auch immer alles behutsam machen und müssen genau gucken, Was wir aus eigenen Mitteln, und das ist uns ganz, ganz wichtig. Herr Rollet ist ein uns sehr geschätzter Eigentümer, aber er hat an uns auch ganz klar den Auftrag: Ihr finanziert euch selber und ihr finanziert auch euren Invest selber. Da ist kein Mezzanatentum hinter, sondern das ist ein Wirtschaftszweig für ihn auch. Und aus dem Grund müssen wir gucken, dass wir das auch erwirtschaften, was wir ausgeben wollen.

  111. 34:04
    Ronald M. Arndt

    Dass das Rad einfach auch von selber weiterläuft. Richtig. Sie haben 2 Kinder. Ist das schon irgendwie erkennbar?

  112. 34:15
    Georg Plesser

    Also der Sohn ist an der Hotellerie verloren, das weiß ich. Das ist nicht sein Ding, ist falsch, aber nein, der ist nicht da. Meiner Tochter, die jetzt 17 ist, dieses Jahr noch 18 wird, in der Schule, 2 Praktikums, beide Praktikums in der Hotellerie. Schauen wir mal. Ich bin der Vater, die Kinder sollen glücklich sein, die Kinder sollen das machen, was sie meinen, dass das das Richtige ist. Deshalb werde ich da absolut nicht zurückhaltend sein, sehr zurückhaltend sein. Wenn es die Hotellerie werde, habe ich natürlich den ein oder anderen Kontakt, wo wir dann ganz gut starten könnten, sicherlich.

  113. 34:58
    Ronald M. Arndt

    Ja, ich glaube, das kann auch, ist auch schön dann zu sehen, wenn es am Ende so ist, natürlich. Wenn es kam zur Familiengründung, das war sicherlich auch ein Ziel, sage ich mal, irgendwann im Leben. Und davor waren Sie ja sehr, sehr viel unterwegs, also haben wir gerade schon gesprochen, allein mit Ritz-Carlton von Stadt zu Stadt. Wie sieht es so da, der Koffer aus? Hat man einen Koffer, 2 Koffer, und dann ist aber gut?

  114. 35:25
    Georg Plesser

    War wirklich so, war wirklich so. Sie werden lachen.

  115. 35:28
    Ronald M. Arndt

    Laptop etc. gab es ja damals noch nicht so, glaube ich.

  116. 35:30
    Georg Plesser

    Nee, wenn es meine Mutter jetzt hören würde, die lacht. Eine Sache ist immer mitgefahren.

  117. 35:35
    Ronald M. Arndt

    Ich bin 2 Meter und ich, mein 2 Meter, bin gespannt, was mein 2 Meter bedingen.

  118. 35:40
    Georg Plesser

    Mein 2 Meter 20 Bett ist überall mitgegangen. Okay, ja, ja, weil in einem 2 Meter Bett so schlafen oder, oder nein, das hat eine Weltreise hinter sich gehabt.

  119. 35:52
    Ronald M. Arndt

    Das steht jetzt noch in, also man ist nicht nur 2 Koffer, sondern auch noch, nein, das Bett steht noch im Heimatland.

  120. 35:58
    Georg Plesser

    In Mülheim an der Ruhr bei meinen Eltern, aber das hat tatsächlich eine Weltreise hinter sich. Nein, ich bin tatsächlich mit 2 Koffern dann weitergezogen in dieser Sturm-und-Drang-Phase insbesondere. Wie gesagt, ich habe dann wirklich einen sehr, sehr langen Aufenthalt in Frankfurt hingelegt, was nach wie vor meine Heimatstadt ist. Ich weiß, Sie hatten gerade ein anderes Gespräch, wo man muss jetzt wirklich auch mal die Lanze für Frankfurt halten. Also ich habe es gesehen und gehört, von einer sehr geschätzten Kollegin, die meine Stellvertreterin war, und lebe erstwohnsitzmäßig immer noch in Frankfurt.

  121. 36:44
    Ronald M. Arndt

    Okay, ja, also ich selbst habe natürlich noch nicht in Frankfurt gearbeitet, aber ich habe auch nur ausschließlich positive Erinnerungen an Frankfurt. Richten wir den Scheinwerfer mal ein bisschen so auf Ihr Team. Da ist auch im Gastronomischen Mirko Gaul zu nennen. Ich sage es mal ein bisschen, wir haben ein Patissier des Jahres im Haus.

  122. 37:08
    Georg Plesser

    Gastronomie ist uns extrem wichtig. Jetzt habe ich das Herzblut im F&B karrieremäßig, mein Eigentümer extrem. Und Gastronomie war dem Haus schon immer wichtig und wird es auch immer sein. Und da hacken wir auch immer wieder neue Sachen aus. Und das Schöne ist auch, dass unsere Konzepte ja so wunderbar auch funktionieren.

  123. 37:30
    Ronald M. Arndt

    Ja, wir haben angenommen werden.

  124. 37:31
    Georg Plesser

    Ja, wir haben mit Mirko Gaul einen immer noch sehr jungen Koch, der aber seinen Stern jetzt seit 10 Jahren am Stück hält. Und da war er wirklich erst Mitte 20. Und das ja so mit dem asiatischen Anstrich. Er bedient sich sicherlich den westlichen Methoden, aber es ist schon geht sehr in die asiatische Richtung mit dem Taco, was jetzt genau 20 Jahre alt ist und damals ein absoluter Trendsetter war. Und aber irgendwo, weil es auch nach wie vor— wir haben es gefeilt, das Konzept, und nochmal mehr ausgearbeitet, klar, nur in einer Menü-Sprache. Früher gab es auch à la carte und Pekingente und, und, und. Das haben wir abgeschafft, Und es erfreut sich wirklich auch absolut bei den Kölnern und natürlich auch beim internationalen Publikum. Und das andere ist natürlich unsere Hansestube und unser Afternoon Tea, um auch zusätzlich noch unsere Bar zu nennen. Die Hansestube ist ein Phänomen. Die gibt es seit 1000 Jahren. Die ist in dem Sinne designmäßig unverändert seit gut 30 Jahren. Und die Hansestube, wenn Sie die sehen in den Wintermonaten, insbesondere November, Dezember, wo wir aus der Hansestube fast eine Gansstube werden, also eine Gänsestube. Wir verkaufen zwischen November und Ende Dezember um die 7 Tonnen Gänse. Das sind 2 Seatings jeden Tag. Und es ist, neben dass sie wirklich auch gut ist, ist sie wirklich ein gesellschaftlicher Mittelpunkt in dieser Zeit, in dieser Weihnachtszeit. Weihnachten, Silvester, volles Haus. Es ist traditionell. Wir haben da aber auch einen sehr jungen Koch mit dem Joshua Thebner, der sehr ambitioniert inzwischen kocht, der dem wir auch freien Lauf lassen. Ja, es gehören Klassiker drauf, also die Gans ist das eine, aber auch übers Jahr gehören Klassiker drauf. Und der so diesen Weg findet in dieser Tradition und Innovation, die bei uns auch als Hotel im Leitspruch steht, beides zu verbinden, das Gute aus der Tradition zu nehmen. Gewisse Sachen dürfen wir nicht wegnehmen. Wenn es am Donnerstag keine Ochsenbrust gäbe, dann hätte ich hier Protestaktionen vorm Haus, aber eben auch wirklich seinen Stiefel kochen darf. Und das wird sehr gut angenommen und das macht eben Spaß. Und das Gleiche gilt, wir haben so viele Traditionsveranstaltungen in unseren Bankettsälen über das Jahr. Karneval ist das eine, aber es gibt viele, viele andere, die eben alle Jahre wiederkommen. Und die uns irgendwie auch liebgewonnen sind. Das sind einfach, und das ist das Schöne, nicht nur, dass wir Mitarbeiter haben, die lange dabei sind, wir haben eben auch unheimlich viele Gäste, die echte, echte Stammgäste sind. Also es gibt gewisse Gäste, die in der Hansestube tatsächlich ihre Taufe gefeiert haben und dann auch ihren endgültigen Abschied. Das ist wirklich so. Das ist wirklich so.

  125. 41:01
    Ronald M. Arndt

    Zwischendurch ein paar Mal. Zu Karneval zu Gast waren, richtig, in ihrer Stamm-Suite. Ja, okay. Jetzt hat das Haus ja wirklich eine ewig lange Geschichte, und hier im Schatten des Doms, ja, das Haus gute Zeiten, also geschichtlich einfach historisch Gutes und Schlechtes gesehen, gar keine Frage. Nehmen wir mal die Grand-Hôtellerie, Tradition, Innovation. Ich glaube, mit den Worten hat sich auch der Wilhelm Luxem damals schon im Podcast genannt. Was ist denn für Sie die Grand-Hôtellerie von morgen? Sehen Sie da sehr optimistisch auf die Grand-Hôtellerie als Thema, vielleicht auch explizit in Deutschland oder DACH-Region?

  126. 41:52
    Georg Plesser

    Also ich glaube, Die Pandemie hat uns das wunderbar gezeigt, oder besser gesagt nach der Pandemie. Die 2 großen Gewinner, wenn es um die Hotellerie geht, sind die beiden Extreme. Das ist das Luxussegment und das ist das gute Budgetsegment. Die große Mitte, Tagungshotels und so weiter, die tun sich schwerer. Da drin tummeln sich natürlich auch viele Giganten, die werden immer überleben, Und die werden auch den einen oder anderen sicherlich nochmal aufkaufen. Aber wenn man über den Bereich geht, der mich betrifft, die Luxus-, die Grand-Hotellerie, wenn man sich dort differenziert hat und auch nicht nach der Pandemie gespart hat, und das war auch so ein weiser Entschluss meines Eigentümers, der gesagt hat, hier wird keiner gehen, wir werden aufstocken bei der Kurzarbeit. Ja, auch wir mussten da rein, das blieb an uns, ist das auch nicht vorbeigegangen. Deshalb glaube ich, wenn man sich differenziert, wenn man seine USPs wirklich ausarbeitet und weiß, was man hat, nicht stehen bleibt. Ich bin kein Fan bei der Tradition Innovation, bei der Innovation Trends nachhecheln und hinterherlaufen. So schnell kommt man sowieso nicht hinterher.

  127. 43:14
    Ronald M. Arndt

    Und es soll ja auch immer 30, 40 Jahre halten.

  128. 43:16
    Georg Plesser

    Das beste Beispiel ist, kaufst einen neuen Fernseher, ist er schon wieder alt, wenn du ihn eingebaut hast. Nee, das nicht, aber ja, nicht die Augen verschließen und umdenken. Das geht ja auch in den Softfaktoren so. Also wir haben es heute noch nicht angesprochen, das ist ja sicherlich auch der Bereich Mitarbeitende. Da wandelt sich ja wirklich viel. Wenn ich das noch so betreiben würde, wie ich aufgewachsen bin zur Lehre, dann wäre das Haus leer.

  129. 43:47
    Ronald M. Arndt

    Einfach weil dann ein anderer Ton wahrscheinlich herrscht.

  130. 43:48
    Georg Plesser

    Richtig, dann wäre das Haus leer von Mitarbeitenden und aus dem Grund gehört dann Umdenken und Mitdenken mit. Aber gleichzeitig, und da nochmal zurück auf die Grand-Hotellerie, aus der Tradition das Tolle herausziehen. Und wir haben tolle lange Geschichte und ich wäre ja wirklich dumm, wenn ich Sachen wie die Gans, wie unseren Stollen oder sagen würde, da gibt es jetzt ein neues Rezept, da gibt es jetzt, das gibt es gar nicht mehr oder das machen wir ganz anders. Das wäre nicht gut fürs Haus und das ist a) im Sinne nicht unseres Eigentümers. Und da bin ich, ich habe den Weg gewählt, Privathotellerie, und da bin ich auch sehr klassisch zu mir. Ich mache das, was der Eigentümer möchte, und ich komme da sehr mit konform. Wenn ich da nicht mit konform käme, müsste ich gehen. Und Würde gehen, aber das ist hier wahrlich überhaupt nicht so. Und der möchte eben auch das nicht verschließen zur Zukunft, aber an seinen Werten treu halten. Und ich gehöre zu der Fraktion, ich gehöre zu der Fraktion, die offen das Wort Luxus ausspricht. Wir stehen für Luxus und wir möchten Luxus zelebrieren. Wir möchten— Luxus heißt für mich Zeit auch, Wir möchten dem Gast Zeit geben, wir möchten dem Gast besondere Momente geben. Und ich finde, manchmal sind Brainstormings ja so wunderbar. Und eines der schönsten Sachen, die im letzten Jahr entstanden sind, zusammen mit unserer Partneragentur für unsere Webseite, ist von ganzem Herzen Rohhotel. Das ist unser Claim, der gefällt mir unheimlich gut. Ja, weil wir so richtig sind. Wir sind das Grand Hotel, aber da ist eben auch unheimlich viel Herz dabei.

  131. 45:46
    Ronald M. Arndt

    Bindet übers Herz das Grand Hotel mit den Menschen.

  132. 45:49
    Georg Plesser

    Ja, okay, das ist eben die kölsche Art.

  133. 45:51
    Ronald M. Arndt

    Die kölsche Art. Mitarbeiter haben Sie gerade angesprochen. Wir haben einen neuen Mitarbeitertyp, sage ich mal, mittlerweile. Was schätzen Sie an dem neuen Typ?

  134. 46:06
    Georg Plesser

    Er ist, er kommt mit neuen Ideen rein und er denkt auch mal um die Ecke.

  135. 46:11
    Ronald M. Arndt

    Ich glaube, also sie kennen beide Welten.

  136. 46:13
    Georg Plesser

    Unsere Systeme waren manchmal zu starr, auch wenn ich an Beförderungen denke, so in der Gastronomie vom, vom Commis zum Demi zum Chef de Rohr etc. Und du musst erstmal 2 Jahre gearbeitet haben und musst dies und das und jenes können. Wie viel Quereinsteiger wir jetzt gerade haben, wir gucken immer mehr nur nach Talent. Talent des, ja, das Dienen gehört schon auch noch dazu.

  137. 46:39
    Ronald M. Arndt

    Talent des Gastgebers.

  138. 46:41
    Georg Plesser

    Talent des Gastgebers, richtig.

  139. 46:43
    Ronald M. Arndt

    Aber ein Gastgeber muss jetzt nicht sich zwingend als Diener verstehen.

  140. 46:46
    Georg Plesser

    Nee, da komme ich jetzt noch mal zur Schulze. Da ist natürlich auch auf Augenhöhe. Das ist ja nichts anderes wie Ladies and Gentlemen.

  141. 46:54
    Ronald M. Arndt

    Genau.

  142. 46:55
    Georg Plesser

    Serving Ladies and Gentlemen ist auf Augenhöhe, aber immer noch wissend, dass der Gast uns alle bezahlt am Ende, weil ohne Gast gäbe es keinen Paycheck. Und das ist schon sehr wichtig, aber trotzdem auf Augenhöhe. Und wir wissen natürlich auch viel über unsere Gäste und unsere Mitarbeiter nehmen das anders auf, haben eine andere Umgangssprache. Das kommt aber auch gut an. Ich sage nur, gestern Abend gab es in der Bar einen DJ-Abend. Hätten Sie das vorher Herrn Luxem erzählt, der hätte die erschlagen vor noch 15 Jahren.

  143. 47:36
    Ronald M. Arndt

    Ja, ja. In der früher, als eben da die der Umgang noch härter war, meinen Sie, dass dann trotzdem manche Dinge damals oder in welchem Interesse die Dinge besser funktioniert haben?

  144. 47:51
    Georg Plesser

    Ja, ich glaube, die Anforderungen—

  145. 47:54
    Ronald M. Arndt

    Klar, heute stünde man alleine da.

  146. 47:56
    Georg Plesser

    Die Anforderungen an den Hoteldirektor waren auch anders.

  147. 47:59
    Ronald M. Arndt

    Anders, okay.

  148. 48:01
    Georg Plesser

    Das war sicherlich genauso komplex, weil es die Technik ja zum Teil auch gar nicht gab, aber der alte Direktor war der Gastgeber, der alte Direktor war da für Disziplin und für Ordnung. Dass das eingehalten wird, war natürlich auch der Repräsentant des Hauses. Aber ich kann mich an meine Lehrzeit erinnern, es gab in dem Sinne ja nur zwei Königswege. Es gab F&B oder Rooms. Diese Geschichten wie Sales und Marketing, Revenue Management, HR, das gab es ja alles nicht. Da gab es eine Personalabteilung, die hieß aber auch nur Personalabteilung, weil da der Lohn gemacht wurde und man vielleicht mal eine Abmahnung kriegt oder rote Ohren gezogen. Das war eine Personalabteilung. Das ist heute schon alles viel komplexer und man ist natürlich eben auch weltweit vernetzt. Und gerade natürlich auch, wenn man in internationalen Ketten arbeitet, ist ja viel Reportwesen dabei, viel Zahlenmanagement, Owner Relationship, was auch immer. Aus dem Und ich will nicht sagen, dass es komplexer geworden ist, aber es ist eben auch einfach anders geworden. Und da so die Mischung finden, ich bin jetzt auch nicht mehr der Jüngste, also was das Berufsleben angeht, gehöre ich auf jeden Fall jetzt schon mal zu dem letzten Drittel. Und mir macht das aber nach wie vor unheimlich Spaß, dass man im stillen Kämmerlein manchmal sagt, früher war es schöner. Ja, manchmal kommt das vor, aber meistens nicht. Also da bin ich auch ganz realistisch zu mir. Es hat nicht alles geglänzt, was wir da damals gemacht haben. Man verklärt auch manche Sachen ein bisschen, glaube ich. Ich bin immer noch hundertprozentig bei meiner Lehre. Ich glaube aber, Lehre ist einfach so, die bleibt im Kopf hängen für immer, weil es einfach der Anfang war und viele Orte auch, wo ich gesagt habe, wow, das war toll. Aber jeder Ort hatte seinen Reiz. Ich traue aber auch keinem Ort nach, also wahrlich nicht.

  149. 50:11
    Ronald M. Arndt

    Also gibt es jetzt nicht Orte, oder ich kehre einfach zurück, oder wo Sie auch sagen, hey, da gibt es doch noch so ein paar Dinge im Bereich der Grand-Hôtellerie, die mich nach wie vor inspirieren, oder wo ich auch lerne?

  150. 50:24
    Georg Plesser

    Immer, immer, immer. Also ich finde das andere, fragen Sie mal meine Familie, Menschen, Konzepte, Häuser, Länder, fragen Sie meine Familie vielleicht auch Absolut. Fragen Sie meine Familie. Ich muss, ich muss gute Hotels angucken. Ich muss, ich muss gute Restaurants angucken. Ich laufe in Konzepte rein. Da kann ich nicht abschalten. Aber das ist gar kein Abschalten. Das macht ja Spaß. Ich lerne, ich lerne in jedem Hotel dazu, was gut ist. Und ich gehöre auch zu der Fraktion, die fleißig dann Bilder macht und meinem Team auf den Geist gehe, dass ich das und das gesehen habe, ob das nicht in abgewandelter Form auch was was für uns wäre. Und es ist zum Beispiel auch toll in der Selektion deutscher Luxushotels. Wir tauschen uns sehr viel aus und das sind Bombenhäuser. Und das, da gehen wir auch ganz offen dann mit uns um, dass wir sagen, hey, wo hast du denn das gekauft? Wo hast du denn das her? Und dann kann das schon passieren, dass das dann auch mal in das ein oder andere Haus dann auch plötzlich da ist.

  151. 51:31
    Ronald M. Arndt

    Fühlt man sich dann doch in manchen Punkten nicht ganz so alleine, weil Sie ja vorher gesagt hatten, wir sind natürlich eigenständig. Und die Community Hotel ist ja, ist ja wirklich auch in Ihrem Segment, sage ich mal, genau, gibt's einfach die, die verschiedensten Kreise. Jetzt haben wir vorher schon mal ein bisschen auch im Osten auf der Landkarte geschaut. Dubai ist gefallen, wo Sie waren, in China glaube ich kurz zumindest gewesen, Saudi-Arabien habe ich so ein bisschen noch nicht so War ich jetzt nicht zwingend hin. Ja, Sales Calls, okay. Das heißt, da ein paar Saudis nach Köln zu holen zum—

  152. 52:11
    Georg Plesser

    Das war explizit jetzt mal Frankfurt, war ich da.

  153. 52:13
    Ronald M. Arndt

    Okay, Frankfurt. Nein, aber gibt es denn da auch hier wieder die Frage im Bereich der Grand-Hôtellerie, Luxushotellerie gibt es ja da in der Form nicht. Luxushotellerie irgendwas, wo Sie sagen, ja, das sind die echt gut drin, oder da bauen die ein Gasterlebnis mit allen Mitteln natürlich verbunden, ja, also Dubai, oder kulturell?

  154. 52:35
    Georg Plesser

    Dubai ist absolut für mich ein Ort, wo man sich inspirieren lassen kann von Gastronomie. Man muss sich natürlich immer im Kopf halten, dass dann so ein Restaurant mehrere Millionen kostet im Bau, und dann sagt man sich wieder schnell, naja, das rüberzubringen ist schwierig. Man muss auch immer ein bisschen aufpassen, dass manche Großkonzepte wirklich nur mit Metropolen funktionieren, weil ich sage jetzt mal so ein Zuma als Beispiel, das sehe ich in Deutschland weniger. Also da brauchst du auch Masse für und da brauchst du so eine 10-Millionen-Stadt wie London oder, oder. Nein, es inspiriert mich immer wieder. Es inspirieren mich natürlich auch die ganz kleinen Hotels. Wenn Sie mich jetzt— ich weiß nicht, ob die Frage kommt, aber Lieblingshotels gibt es im klassischen Sinne nicht. Aber weil es für mich viel mit Momenten natürlich auch, besonderen Momenten zu tun hat, primär natürlich auch privat. Und da sind bei mir ganz, ganz weit vorne kleine, tolle Lodges in Afrika. Da ist für mich die, die 10-fache Perfektion einfach drin, weil es ist dieses, es ist dieses Afrika, es sind die Tiere natürlich, die Landschaft, es ist aber auch die kleinen Touches, die so eine Lodge mit 10 Zimmern eben dann auch wirklich hinkriegt und einem die Tränen in die Augen eben treibt. Und das sind Sachen, wo ich immer wieder gucke und sage, toll, toll, toll, wie ihr das macht. Asiatische Perfektion, braucht man nicht sehen, ist so ein Thema. Es gibt ja immer so, ich glaube, ich habe mich 10-mal beworben als junger Mensch im Mandarin, also im Oriente, im Oriente in Bangkok bei Herrn Kurt Wachtfeitel.

  155. 54:31
    Ronald M. Arndt

    Richtig.

  156. 54:31
    Georg Plesser

    Und habe immer wieder Absagen bekommen. Das ärgert mich bis heute, aber der wollte mich nie. Und das waren so Legenden, da wolltest du arbeiten. Das hat mich auch immer angetrieben. Genauso Waldorf, da wollte ich arbeiten. Und das habe ich geschafft. Aber der Herr Wachtweitel, der hat mir immer in tollen Briefen, aber der hat mir immer wieder Absagen geschickt.

  157. 54:58
    Ronald M. Arndt

    Aber genau, gerade über ihn und das Mandarin damals habe ich als, ich weiß nicht, was ich da war, Kind oder junger Jugendlicher, eine Reportage im Fernsehen gesehen, wo es darum ging, wie die Mitarbeiter einfach die Namen der Gäste auswendig gelernt und dann einfach kannten. Und das war auch auf meinem Weg, sage ich mal, fürs Interesse an Deluxe-Hotellerie so ein Name.

  158. 55:19
    Georg Plesser

    Ja, ich habe dann tatsächlich— beworben habe ich mich nie, aber ich habe den Test gemacht, weil es war auch—

  159. 55:24
    Ronald M. Arndt

    Was heißt Test? Also man musste dann—

  160. 55:25
    Georg Plesser

    Nee, in dem Film, in dem Film, also ich habe— Es gab ja diverse Berichte über dieses legendäre Hotel und es gab eine Magic-Sache, dass— Und dann wurde er gefragt, wie macht ihr das denn? Das Zimmer immer geserviced wird, wenn du rausgehst. Aber woher soll er das wissen? Und der Trick war, ein Streichholz an die Tür legen, und wenn er umkippte, liefen sofort die Servants hin und haben das Zimmer geputzt. Und ich habe dann von dem normalen Zimmer kleine Streichhölzer vorlegen und so. Und ich habe das dann getestet, weil ich war dann da als Gast, weil ich musste es mir dringend angucken. Und dann habe ich das Streichholz entdeckt. Das gab es tatsächlich da noch. Und dann habe ich es auch umkippen lassen natürlich, und eine Minute später waren die da.

  161. 56:14
    Ronald M. Arndt

    Das war noch reingehuscht.

  162. 56:15
    Georg Plesser

    Ja, ja, ja. Also das sind so diese kleinen Tricks, wenn Sie fragen. Also Streichhölzer fallen bei uns jetzt hier nicht im Excelsior, aber ja, das begeistert mich immer wieder auf meinen Touren durch die Welt.

  163. 56:30
    Ronald M. Arndt

    Und ich wünsche Ihnen noch ganz, ganz, ganz viele davon. Das hat mich richtig gefreut, dass Sie jetzt endlich mal Gast waren im Hotel-Podcast.

  164. 56:40
    Georg Plesser

    Ja, sehr, sehr gerne. Hat Spaß gemacht. Und wir haben dieses Jahr die 160 Jahre gefeiert, wollen noch viele Jahre weitermachen. Und ich sage Dankeschön.

  165. 56:51
    Ronald M. Arndt

    Dafür sind die Voraussetzungen definitiv da. Den Dom wird es auch für die Ewigkeit bleiben und geben. Und ja, gerade mit der ganzen Struktur, familiengeführt, sage ich mal, mit der nächsten Generation schon kommend, mit Ihnen jetzt jemand, der hier einfach auch hingehört, sage ich mal, und hierher kommt, freut mich einfach von außen, das Ganze erstmal gesehen zu haben.

  166. 57:13
    Georg Plesser

    Besten Dank!

  167. 57:14
    Ronald M. Arndt

    Danke, Herr Plesser, alles Gute für die Zukunft!