Das große "Dorint" Update 2023
Aufgenommen: Dorint Hotel am Heumarkt, Köln
Germany60 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir müssen Erlebnisse schaffen, die unsere Gäste in ihren Herzen mit nach Hause nehmen, weil dann kommen sie zurück.“
Jörg T. Böckeler, 16:34
Jörg T. Böckeler, CEO der Dorint-Gruppe, empfängt Ronald M. Arndt im Le Bistrot 99 des Dorint Hotel am Heumarkt in Köln. Er erzählt von der Kochausbildung in der Traube Tonbach, dem Titel Kellner des Jahres im Savoy in London und Stationen auf vier Kontinenten, bevor Dirk Iserlohe ihn vor knapp sechs Jahren zu Dorint holte. Dazu der Stand der Gruppe: 59 geöffnete Hotels, 3800 Hotelhelden, das Ziel von über 100 Häusern und klare Worte zu Corona-Hilfen und Mehrwertsteuer.
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Kernaussagen
- 59 Hotels, Ziel 100: Dorint hat 59 Hotels geöffnet, ist vertraglich auf 68 und verhandelt drei weitere Verträge. Mit Dirk Iserlohe will Böckeler die Marke von 100 Häusern knacken und beim Umsatz bei einer Dreiviertelmilliarde liegen.
- Gastfokus vor Geschmack: Böckeler prüft jede Entscheidung an der Frage, was der Gast davon hat. Was für den Gast keinen Sinn macht, wird gelassen, auch wenn es dem Hotelier gefällt.
- Büdchen statt Concierge: Statt eines klassischen Concierge steht in den Häusern ein kölsches Büdchen, dessen Team gecastet wird. Es verkauft Getränke und Snacks, gibt Tipps zum lokalen Markt, kann ein- und auschecken und steht auch in Berlin am Ku'damm.
- Ungleiche Corona-Hilfen: Dorint fiel bei den Corona-Hilfen in die Lücke zwischen KMU und großen Unternehmen. Von 180 Millionen Euro wurde deutlich weniger als die Hälfte entschädigt, die Gruppe zieht über die deutsche Gerichtsbarkeit auf Gleichbehandlung.
- Leserbrief zur Mehrwertsteuer: Böckeler hat einen Leserbrief zu den 7 Prozent geschrieben und ist entsetzt, dass die Entscheidung auf Dezember verschoben wird. Häuser verkaufen längst Veranstaltungen für 2024 und 2025 und brauchen Planbarkeit.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Jörg T. Böckeler empfängt mich ganz nach meinem Geschmack, im LeBistrot99 des Dorint Hotel am Heumarkt Köln.
Erst vor Kurzem habe ich hier übernachtet, mit Blick auf den Dom. Und die Hotelheldinnen und -helden vor Ort lieben gelernt.
Eine Ausbildung im Hotel Traube Tonbach bildet bis heute das Fundament seines Handwerks, die Leidenschaft ist seit Kindheitstagen gegeben.
Gerne wäre der heutige CEO auch Schauspieler geworden, heute bleibt ihm zumindest der ein oder andere Auftritt im hoteleigenen Büdchen.
Mit der englischen Sprache tut er sich anfangs schwer, am Ende sollte es zu mehreren sehr erfolgreichen Zwischenstopps von England, über Südafrika und bis nach Australien reichen.
Im The Savoy in London wird er nicht nur jahresbester Kellner, sondern macht auch die ersten Schritte Richtung Management. Sir Giles Shepard zum Dank.
Vor knapp sechs Jahren holt ihn schließlich Dirk Iserlohe an Bord seines Familienunternehmens, welches in Kürze 65. Geburtstag feiert. Wie aber kam es zu dem Namen „Dorint“ überhaupt?
Der Fokus liegt klar auf dem deutschsprachigen Markt, das Unternehmen ein Paradebeispiel für den deutschen Mittelstand. Umso mehr gilt es diesen in alle Richtungen zu verteidigen, hierzu kommende Woche ein Update von Dirk Iserlohn höchstpersönlich auf HOTEL-PODCAST.COM.
Gemeinsam sollen es insgesamt einmal über 100 Hotels werden, der Umsatz bei 750 Millionen Euro liegen. Die Prämisse eines „kontrollierten Wachstums“, eine kluge Partnerschaft wie beispielsweise mit der Barcelo Hotel Group aus Spanien, verbunden mit den bereits angekündigten Neueröffnungen, lassen diesen unternehmerischen Traum Stück für Stück Realität werden.
HOTEL-PODCAST.COM, J.J. Darboven und DAZN wünschen auf dem weiteren Weg alles Gute. Bis zum nächsten Jahr!
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Transkript öffnenTranskript schließen60 Min · Ronald M. Arndt und Jörg T. Böckeler
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Mein lieber Joerg, es ist soweit. Ja, ich habe es nach Köln geschafft. Du bist da in Köln. Wir sind im Dorint Hotel am Heumarkt, ein Haus, das ich ja auch schon gut kenne als Gast. Ich glaube, vor 2 oder 3 Wochen hatte ich die Ehre, mal in der Suite oben mit Blick auf den Kölner Dom zu schlafen. Habe mich jetzt natürlich in der Vorbereitung noch mal intensivst mit Dorint auch beschäftigt und muss sagen, freue mich für dich.
- 00:32 Jörg T. Böckeler
Ja, ich danke dir, Roland. Toll, dass ich dabei sein darf heute und herzlich willkommen in Köln. Viva Colonia, wie man so schön sagt.
- 00:40 Ronald M. Arndt
Viva Colonia, ganz genau. Den einen oder anderen Bezugspunkt habe auch ich zu Köln. Das kann man in dem einen oder anderen Podcast nachhören. Zu Dorint, ja, ist nicht lange her. Episode Nummer 86 hat stattgefunden im Kö59 in Düsseldorf. Bei Daniela Danz. Und wie ich da gehört habe, oder wie wir da erfahren haben, war der Jörg da auch schon aktiv.
- 01:05 Jörg T. Böckeler
Ja, ja, das ist richtig. Das ist schon sehr lange her. Also ich habe während meiner Zeit bei InterContinental Hotels Group, aus Südafrika kommend und nach Australien aufbrechend, 4 Jahre das InterContinental Düsseldorf geleitet und habe mich sehr wohl gefühlt. Ich habe immer gesagt, das Hotel muss die Kö reflektieren. Und jetzt hast du ja zwei weitere Mitbewerber auf der Kö, die das schon in ihrem Stil machen. Also mussten wir uns in irgendeiner Form differenzieren. Deshalb haben wir immer gesagt, wir sind ein Lifestyle-Hotel. Und als wir die Möglichkeit hatten, den Pitch abzugeben, um den Vertrag für das InterContinental Düsseldorf, was dann ja markenfrei auf dem Markt war, haben wir mit der Hommage Luxury Hotels Collection uns an diesem Pitch beteiligt und haben den Zuschlag bekommen und haben dann mit 4 Wochen oder 5 Wochen Notice im Grunde dieses Hotel wiedereröffnet. Das war kurz Corona geschlossen und dann ist es '22 losgegangen. Und ich muss ganz klar sagen, wir sind nicht enttäuscht. Wir haben viel verändert und wir sind sehr, sehr froh, dass wir da sein dürfen.
- 02:19 Ronald M. Arndt
Also ich glaube, du hast dich dann auch persönlich gefreut, dass es dann geklappt hat am Ende und eben heute. Wie viel habt ihr jetzt bei Hommage? 6 Häuser, glaube ich, gell? Im Moment sind es 6 Häuser, richtig.
- 02:29 Jörg T. Böckeler
Das Hotel ist natürlich ein ganz besonderes Kronjuwel, muss man klar sagen. Einmal, weil es wirklich zur Philosophie passt. Wir mussten ihm dann natürlich einen Eigennamen geben, weil das Hotel war ja bekannt als das Intercontinental Düsseldorf. Deshalb Hotel Kö 59. Kö für Königsallee und 59 ist die Hausnummer. Es könnte eigentlich nicht praktischer sein. Und das Zurückkommen war im Grunde, das Schiff zurückzufahren in einen sehr bekannten Hafen. Das heißt, der Anker ist rausgegangen in einen sehr bekanntes Flussbett, wenn du so möchtest. Und ich habe ganz, ganz, ganz viele Menschen, mit denen ich viel bewegt habe in Düsseldorf, dann auch direkt wieder getroffen. Und die Dynamik in der Stadt ist ja großartig. Deshalb umso besser, dass wir jetzt dabei sein dürfen.
- 03:15 Ronald M. Arndt
Also wir haben ja da ein bisschen gewitzelt in der Episode, dass der Jörg da jede Leitung kennt, bis in den Keller runter. Und naja, du warst damals da GM, auf dem Weg eben jetzt zum CEO von Dorint zu werden, damals für IHG. Und definitiv muss ein gutes und schönes Gefühl sein. Australien hast du erwähnt. Ich glaube, UK waren anstatt an Stationen noch dabei. Ja, ist tatsächlich einiges schon gesehen.
- 03:43 Jörg T. Böckeler
Ich habe reflektiert und ich habe auf 4 Kontinenten gearbeitet, wobei natürlich die letzte große Erfahrung Australien war. Also Australasien als, als Kontinent großartig. Wenn wir hier Kaninchen haben, haben die Kängurus. Und wenn wir hier Raben haben, dann haben die Krokodile, große Papageien. Ja, und wenn wir mit harmlosen Forellen schwimmen, dann schwimmst du da halt mit den Haien. So ist das.
- 04:17 Ronald M. Arndt
Die IHG hat dich nach Wien geführt. Angefangen hat alles im Taschenbergpalais für Kempinski. Wie hast du damals, und wir wollen jetzt nicht nur, sage ich mal, über deinen Weg sprechen, sondern natürlich auch explizit über Dorint. Aber spannend ist immer die Frage, wie hat jemand, wie hat der Joerg den Weg in die Hotellerie überhaupt gefunden? Wie kam es dazu? Es war ja damals F&B.
- 04:37 Jörg T. Böckeler
Ja, es gab eigentlich nur 2 Richtungen, die ich gerne machen wollte. Das eine—
- 04:43 Ronald M. Arndt
In welchem Alter? Hast du das gewusst schon?
- 04:45 Jörg T. Böckeler
Mit 16, glaube ich, ist so langsam die Entscheidung gefallen. Ich habe auf der einen Seite unfassbar gerne geschauspielert. Ich habe ja auch sehr viel Musik gemacht und war dann auch in einer AG auf dem Gymnasium und habe dann auch irgendwann mal Goethes Faust gespielt, den Faust nämlich, und war so vollkommen vollkommen fasziniert von Gustav Gründgens und Karl Maria Brandauer, der ihn dann ja später auch gespielt hat, und habe gedacht, das muss es sein. Ich habe geschauspielert, ich habe gesungen, ich habe Klavier gespielt, ich habe die Menschen entertaint. Das fand ich also großartig. Aber tatsächlich ist es schwierig, dann so viel Talent zu haben, dass du tatsächlich in diese Schiene reinrutschen kannst. Und die Alternative war, dass ich unglaublich gerne gekocht habe. Und ich hatte vom Wilsberger lag die Edition Gourmet zu Hause. Mein Vater hatte die schon im Abo und ich habe das dann weitergeführt. Wir haben einen tollen Herd zu Hause gehabt und wir hatten so eine kleine Kochzelle im Keller und da lag auch immer irgendwas Tolles drin, was man zubereiten konnte. Und ich habe wahnsinnig gerne gekocht.
- 05:54 Ronald M. Arndt
Also noch mal eine Kochzelle im Keller, wo du dich so ein bisschen ausprobieren konntest, oder?
- 05:57 Jörg T. Böckeler
Ja, also eine Frischhaltezelle.
- 05:59 Ronald M. Arndt
Ah, Frischhaltezelle. Okay, alles klar.
- 06:01 Jörg T. Böckeler
Und Papa hat dann viele Freunde gehabt, die Jäger waren. Dann hielt man mal ein Wildschwein oder mal ein Reh oder so und dann konnte man eben damit Sachen machen. Außerdem hatten wir einen schönen Weinkeller. Also im Grunde bin ich durch meinen Vater an diese Dinge herangeführt worden. Und als dann die große Entscheidung war, was soll denn jetzt eigentlich passieren, habe ich gesagt, okay, vielleicht ist es doch vernünftig, erstmal eine ordentliche Ausbildung zu machen, bevor man irgendwelche Wolkenkuckucksreime macht, und habe mich dann um eine Ausbildungsstelle als Koch beworben. Und das habe ich ganz einfach so gemacht, indem ich den Michelin gekauft habe, und ich bin bei 3 Sternen angefangen und habe mich runtergearbeitet. Und da war natürlich der Ausbildungsbetrieb Die Traube Thunbach dabei, und ich glaube, Da kann man nur sagen, alles richtig gemacht, weil ich habe durch die Ausbildung in der Traube Thurnbach so ein Fundament gegossen bekommen, dass alles andere danach im Grunde irgendwo immer wieder auf dieses Fundament zurückkommt.
- 06:56 Ronald M. Arndt
Aufbaut, ja.
- 06:57 Jörg T. Böckeler
Also hohe Servicekultur, hoher Gastfokus, großartige Kulinarik. Das sind natürlich Elemente, die auch in ihrer Komplexität schon ihresgleichen suchen. Und aus der Komplexität heraus dann etwas zu machen, war großartig. Und nach der Ausbildung war es dann gar keine Frage mehr, dass ich das weitermachen möchte. Also im Grunde war das Feuer entfacht. Ich bin passionate über das, was ich tue. Das hat sich auch in 35 Jahren nicht verändert. Und ich bin natürlich Heiner Finkbeiner, der damals schon in der Traube Tonbach war, unendlich dankbar. Denn Heiner war ein bisschen ein Mentor, war auch jemand, der korrigierend eingegriffen hat, und ein unfassbares Vorbild. Denn er ist wahrscheinlich bis heute einer der größten Gastgeber, die wir in Deutschland haben. Na ja, und all das haben wir eben mitbekommen über die Ausbildung.
- 07:47 Ronald M. Arndt
Und dann ging es ins Taschenbergpalais danach, oder?
- 07:50 Jörg T. Böckeler
Dann ging es erst mal nach London, nach London. Und ich bin dort dann auch im Service angefangen und habe mich dann ins F&B-Management hochgearbeitet. Und ich habe sehr, sehr gerne Service gemacht, muss ich sagen. Also unglaublich gerne gekellnert.
- 08:04 Ronald M. Arndt
Wahrscheinlich auch singend gekellnert.
- 08:06 Jörg T. Böckeler
Ja, so ähnlich. Und mein italienischer Maître d'Hôtel hat dann damals damals gesagt, Böckeler, du machst das gar nicht so schlecht, ich möchte, dass du bei dem Kellnerwettbewerb des Jahres dabei bist. Und dann habe ich also mit schlechtem Englisch mich diesem Wettbewerb gestellt und bin dann Zweiter geworden. Das muss ich sagen, mit großem Stolz, immerhin Zweiter. Regionales Finale, dann das nationale Finale. Und Zweiter ist aber nicht Erster, das ist ganz klar. Also habe ich das Jahr danach mich noch mal beworben und habe dann den Titel gewonnen. Und dann hat im Evening Standard gestanden, was ist mit Großbritanniens Hotellerie los, wenn ein Deutscher den Kellner des Jahres gewinnt. Aber die im Savoy waren sehr, sehr stolz, und das hat schon auch ein Stück geprägt, die Servicekultur auch dort. Und da waren dann die ersten, die ersten Schritte auch dann ins Management. Und da ist dann die zweite große Persönlichkeit in meinem Leben mir über den Weg gelaufen. Das war nämlich der Managing Director der Savoy Group of Hotels, Sir Giles Shepherd. Und Sir Giles hat gesagt, Jörg, du musst dich auch theoretisch weiterentwickeln. Ich sorge dafür, dass du zu einer Universität gehst. Und er war Alumni Oxford und hat dann da tatsächlich seine, seine Beziehungen spielen lassen. Und am Ende habe ich dann, nachdem ich zwischendurch auch noch zum Militär musste, dort meinen Bachelor gemacht und später auch meinen Master und bin zur Oxford Brookes University gegangen. Und das wäre natürlich nicht gegangen, wäre diese unglaublich gute Connection nicht da gewesen. Es war im Grunde Sir Giles, der immer gesagt hat, handwerklich ist wichtig, aber du musst das auch irgendwo theoretisch ein Stück untermauern, damit du beides kannst. Und ich bin ihm unendlich dankbar dafür, dass ich Stipendiat der Savoy-Stiftung war und damit natürlich auch Hilfe hatte bei den Universitätsgebühren.
- 10:09 Ronald M. Arndt
Heute wirst du beides gut brauchen, und es kommt sicherlich auch sehr, sehr gut an bei deinem Team, bei deinen Kollegen. Ihr sagt ja Hotelhelden.
- 10:21 Jörg T. Böckeler
Richtig.
- 10:21 Ronald M. Arndt
Und davon habt ihr wohl hier, glaube ich, 4500. Kann das sein? Bei Dorint?
- 10:26 Jörg T. Böckeler
Nicht ganz, ganz, nicht ganz so viele. Also wir haben ungefähr 3800 Hotelhelden über die gesamte Gruppe. Da sind natürlich auch die Damen und Herren mitgezählt, die in der Hauptverwaltung die Unterstützung geben und auch den Rahmen machen, in dem wir uns bewegen und arbeiten. Und da sind auch schon die Mitarbeitenden unserer Franchise-Betriebe mit drin.
- 10:52 Ronald M. Arndt
Und wir sprechen in Gänze von wie viel Hotels sind es jetzt aktuell gerade? 65, ein bisschen mehr.
- 10:57 Jörg T. Böckeler
Also wir sind, wir haben 59 Hotels geöffnet, wir haben ja ein Hotel zugemacht gerade und also wir haben 59 geöffnet und sind jetzt vertraglich auf 68. Das heißt also 9, die kommen in den nächsten Jahren, die sind schon sicher. Wir sind im Moment in der Verhandlung von 3 Verträgen, von denen ich denke, dass wir sie mit Hilfe unseres Aufsichtsrats bis zum Ende dieses Jahres über die Ziellinie bringen.
- 11:25 Ronald M. Arndt
Ist aber keins dabei, wo du auch früher schon als GM tätig warst, oder?
- 11:28 Jörg T. Böckeler
Nein, da ist keins dabei, wo ich schon als GM tätig war. Aber es sind—
- 11:34 Ronald M. Arndt
Südafrika wäre auch noch, glaube ein Jahr war noch Südafrika dabei bei dir, gell?
- 11:37 Jörg T. Böckeler
Ja, richtig, afrikanischer Kontinent, damals für Arabella. Da war das allerdings noch ein bisschen anderes Konstrukt, als es heute ist. Und dort war ich ja dann auch das erste Mal in der C-Suite und war CEO Südafrika für die Hotelgesellschaft, aber auch mitverantwortlich für die Blue Line. Das ist die private Investition, war die private Investition von Stefan Schörkofer, der damals noch lebte.
- 12:07 Ronald M. Arndt
Wenn ich mir das alles so anhöre, dann bin ich sicher, dass aus dem Englisch noch was geworden ist am Ende, mit Australien, mit Südafrika, mit UK.
- 12:15 Jörg T. Böckeler
Ja, das ist ganz interessant, weil was die meisten nicht wissen, ist, ich habe das Abitur nicht auf Anhieb geschafft. Okay, ich habe in der ersten Runde leider noch mal wiederholen müssen, weil ich tatsächlich Leistungskurs Englisch nicht geschafft habe. Und für jemanden, der Leistungskurs Englisch im ersten Ansatz nicht geschafft hat, ist es natürlich schon auch besonders, dann später im Vereinigten Königreich studiert zu haben.
- 12:37 Ronald M. Arndt
Ja, siehste, ich durfte in der 8. Klasse nicht mit zum Schüleraustausch nach Frankreich. Das war eine Woche, weil die Lehrerschaft meinte, dass mir diese eine Woche Fehlen in der Schule nicht gut täte. Aber ich war einfach der, ich hatte schon alle Reiseführer zu Paris mir geholt und wurde am Ende nicht mitgenommen. Später habe ich, bin ich mit 19 für 2 Jahre nach Frankreich, habe ein Diplom in Französisch in Wirtschaft gemacht und eben 2018, 2019 noch mal 2 Jahre in Frankreich gelebt und gearbeitet. Ähnliches Beispiel. Le Bistro 99, wo wir hier gerade sitzen, passt ja gerade so ein bisschen zum Gesprächsinhalt, sehr französisch. Kommt es rüber. Sehr französisch wird es auf dem Teller nachher zugehen, wenn wir beide noch was zusammenspeisen. Und definitiv ganz klar Teil der DNA von Dorint. 3 Stück gibt es, glaube ich, mittlerweile.
- 13:29 Jörg T. Böckeler
Das ist richtig. Also Roland, die DNA—
- 13:32 Ronald M. Arndt
Ronald. Ronald.
- 13:34 Jörg T. Böckeler
Ich sage immer Ronald.
- 13:35 Ronald M. Arndt
Kennst mich?
- 13:35 Jörg T. Böckeler
Ja, ja, du hast gesagt, für dich gibt es nur der englische Ronald. Ronald, die DNA der Dorint per se ist ja mal, dass wir großen Wert legen auf der einen Seite auf Full-Service, Service, und dazu stehen wir auch jetzt nach Corona mit allem, was dazugehört. Und wir haben auf der anderen Seite eine sehr hohe Individualität. Woran liegt das? Das liegt daran, dass wir ein sehr breit gefächertes Portfolio an Hotels in unseren 3 Marken haben, und da ist Individualität einfach wichtig, damit man ein Hotel in einer C-Destination genauso gut bespielen kann wie in einer B- oder in einer A-Lage. So, zu dieser Individualität gehört natürlich auch, dass wir uns Gedanken darüber machen, was können wir Besonderes tun, und Ich hoffe, dass ich keinem meiner Kollegen zu nahe trete, wenn ich sage, dass ja oft die Hotelgastronomie ein bisschen schwächelt, weil sie oft konzeptlos ist. Und da haben wir uns einige Konzepte überlegt, und in einem davon sitzen wir heute. Das ist das Libistro 99. So, wenn ich jetzt wir sage, muss ich auch das erklären. Die wirkliche Mutter dieses Konzepts ist Heike Iserloh, die Ehefrau unseres Aufsichtsratsvorsitzenden, die als Künstlerin ja schon in Paris gelebt hat und die französische Lebenskultur liebt. Und Heike Iserloh ist im Grunde die Ideengeberin und die Impulsgeberin für dieses Konzept gewesen, indem wir die Sinne bespielen. Das heißt also, wir haben die Kulinarik, wir haben die tollen Getränke, wir haben, hoffentlich wirst du das heute so sehen, einen sehr guten und persönlichen Service. Und wir verbinden das dann auch mit der Lebensart und vor allen Dingen mit der Kunst, die du ja auch jetzt hinter mir siehst. Heike Iserloher hat eine große Galerie, hat viele, viele tolle Künstler, und in den Libistros setzen wir sehr viel Wert darauf, dass eben diese Kunst mit Regelmäßigkeit auch wechselt. Wir bespielen übrigens nicht nur die Kunst, die an den Wänden hängt, also nicht nur Gemälde und so weiter, sondern wir machen auch Veranstaltungen mit Lesungen, mit Musik etc. Um einfach dieses Konzept ein bisschen interessanter zu machen. So gehst du also nicht nur zum Essen, sondern du hast einen zusätzlichen Erlebniswert. Und dieser zusätzliche Erlebniswert ist, dass du eben entweder Kunst erleben kannst oder Vorträge erleben kannst oder eben Musik erleben kannst. Und das Ganze natürlich gepaart mit dem frankophilen Lebensgedanken. Jetzt stell dir einfach vor, wir sitzen nicht in Köln am Heumarkt, sondern wir sitzen in Paris, ja, und mit einem Kölsch in der Hand, mit einem Und die Künstler kommen rein und sind eben Bestandteil von dem Restaurantkonzept. Und das genau wollen wir hier spiegeln.
- 16:28 Ronald M. Arndt
Und irgendwie sind wir jetzt von dem, was du jetzt so erzählst und wie du schwärmst, gar nicht so weit weg von der Traube Tonbach, ne?
- 16:34 Jörg T. Böckeler
So, ja, die Traube Tonbach, was so die Haltung, die Werte angeht etc. Die Traube Tonbach hat auch ein französisches Restaurant, einen anderen Anspruch. Das ist natürlich kein Bistro, aber Aber schau, was in der Traube Tonbach sicherlich mir ein Stückchen auch in die Wiege gelegt worden ist, ist, dass Dinge vollkommen durchdacht sein müssen und sinnvoll sein müssen. Und die Frage, die du dir bei allem, was du tust in der Hotellerie, im Grunde stellen musst, ist: Was hat der Gast davon? Es geht doch gar nicht darum, was wir schön finden oder nicht. Es geht auch nicht darum, was wir gut finden oder nicht und was wir gerne essen oder nicht, sondern es geht darum, womit kann ich meinen Gast begeistern? Und das muss ich an jedem Touchpoint in der sogenannten Gästegeschenke natürlich machen. Das ist die Serviceerfüllung und die Dienstleistung auf der einen Seite, das ist das Produkt auf der anderen Seite, und dann kommt die Softkomponente, und das ist der Erlebniswert. Wir müssen Erlebnisse schaffen, die unsere Gäste in ihren Herzen mit nach Hause nehmen, weil dann kommen sie zurück.
- 17:34 Ronald M. Arndt
Ja, und das gepaart mit dieser Leidenschaft, diesem Herzblut, sage ich mal, der jetzt wieder von dir ausgeht, aber den natürlich auch schon im Gespräch mit Daniela Danz und rund um Hommage kennengelernt habe. Also da ein sehr unternehmerischer Ansatz, einfach eine Luxusmarke ja vom weißen Blatt Papier aus aufzubauen. Ist das ein Herzensprojekt noch mal für dich, auch Hommage?
- 18:00 Jörg T. Böckeler
Ja, also wenn ich, wenn ich reflektiere über meine Karriere, dann gibt es ein paar—
- 18:05 Ronald M. Arndt
jetzt bist du ja auch schon 6 Jahre, knapp 6 Jahre bei Dorint, ne?
- 18:07 Jörg T. Böckeler
Ja, genau, gibt ein paar sogenannte Karrieremeilestones. Und schau, ein Karrieremeilestone, den ich nie vergessen werde und für den ich unfassbar dankbar bin, ist, dass IHG irgendwann gesagt hat, Joerg, wir haben einen Bedarf auf dem australischen Kontinent, ein bisschen frisches Blut auf den Kontinent zu bringen. Wir brauchen einen europäischen Hotelier, der dort sich noch mal mit der Art und Weise, wie wir Intercontinental an den Gast bringen, beschäftigt. So, was man mir nicht gesagt hat, ist, dass es für Europäer eigentlich sehr schwierig ist, nach Australien zu gehen, weil die Australier warten nicht auf die Europäer. Und die Australier warten per se nicht auf Menschen, die ihnen erklären, wie es geht, sondern du musst im Grunde erstmal dich dem Australier anpassen. Also du musst dich australisieren oder so ähnlich, um eben auch australisch zu sein. Nur wenn du Bestandteil der australischen Community bist, kannst du auch Dinge bewegen. Das heißt also, du hast erstmal ein Reverse Learning, bevor du überhaupt deinen Impact machen kannst. Und dafür braucht man eine hohe Empathie, dafür braucht man ein hohes Verständnis von Fairness, und man muss verstehen, dass in dieser Kultur niemand höher wächst als die breite Masse. Ja, das ist sehr, sehr wichtig für die Australier. So, das war also ein großes Geschenk im Grunde, und ich habe dort sicherlich mein persönliches Führungsverhalten extrem aufpoliert bekommen und auch aufpoliert. Ich hatte einen Executive Coach eine Zeit lang, und ich habe mich dem angepasst. Und du bist eben in einer Gesellschaft, die sehr divers ist, die sehr offen ist und die alles Mögliche miteinander vereint. So, das war ein großes Geschenk. Und dann kam das zweite große Geschenk, auf das ich eigentlich jetzt zurückkommen möchte. Und das ist, die Dorint-Gruppe hat einen CEO gesucht und hat sehr, sehr fokussiert nach jemandem gesucht, der ihnen hilft in dem Prozess der Markendifferenzierung. Und in unserem allerersten Gespräch hat mir Dirk Iserloh als damaliger Aufsichtsrat, heute Aufsichtsratsvorsitzender, schon sehr deutlich gesagt, ich brauche jemanden, der unter anderem uns hilft, eine Luxusmarke zu bauen. Und das ist eine Once-in-a-Lifetime-Opportunity. Wann hast du mal die Möglichkeit, eine Marke zu bauen? Das war ein Riesenberg, der zu erklimmen war, weil es muss ja auch mit Sinn und Verstand passieren und da muss man wirklich aus seiner Hotelierskomfortzone raus, weil du willst es ja für den Gast machen und nicht für dich. Du willst ja das machen, was für den Gast gut ist und nicht, was ich schön finde. So, und diese Möglichkeit der Markenbildung ist sicherlich, wenn ich über die letzten 6 Jahre reflektiere, eine der ganz großen Herausforderungen, aber auch eine der ganz großen Leistungen gewesen. Ich bin unfassbar unfassbar stolz auf das, was wir heute haben mit der Hommage Luxury Hotels Collection. Und wir sind ja noch nicht am Ende. Es ist eine junge Marke, 2019 auf den Markt gekommen, die wir weiter ausbauen, an der wir arbeiten. Und das geht natürlich nur, wenn du ein Führungsteam hast, so wie die Daniela Dans und auch ihre Kollegen, die Lust haben mitzumachen, die dieses Feuer spüren und die jeden Tag ein bisschen besser sein wollen als gestern und morgen immer noch ein bisschen besser als heute. Dieses, dieser Spirit, und den, den konvertieren wir dann in Where moments make memories, also wo Momente Erinnerungen kreieren. Und das ist dann auch der Leitspruch der Hommage Luxury Hotels Collection. So reflektiere ich also zurück auf 2018. Da gab es die Dorint GmbH, die hatte eine Marke. Heute stehen wir mit der Holding der Dorint Hospital Innovation Gruppe. Darunter gibt es die Dorint GmbH, darunter gibt es die Hommage Luxury Hotels Collection, darunter gibt es die Essential by Dorint. Wir haben also das Portfolio sinnvoll aufgeteilt und haben es auch sinnvoll wachsen lassen, von damals knapp 40 Hotels zu heute 60 und mehrere noch in der, in der Mache.
- 22:16 Ronald M. Arndt
Maison Messmer habe ich so für meinen Hotel-Podcast auf jeden Fall auch noch auf der Liste und freue mich da schon drauf.
- 22:23 Jörg T. Böckeler
Da wird man sich sehr freundlich dort willkommen heißen. Ja, du hast vom 7. Hotel geredet. Für uns ist natürlich das Wachstum bei der Gruppe extrem wichtig. Also mehr Hotels, mehr Hotelzimmer gleich mehr Gäste, und das ist natürlich für den Umsatz auch wichtig. Bei der Dorint ist das sehr klar, das ist kontrolliertes Wachstum im 4-Sterne-, 4-Sterne-S-Segment, Full-Service-Fokus auf die Facilitäten und vor allen Dingen auf den Meetingbereich. In der Hommage ist das anders, da ist es sehr viel komplexer, weil wir haben ja mit der Hommage eine sogenannte, eine eine Marke, die davon lebt, sogenannte Hotelpersönlichkeiten zu haben. Diese Hotelpersönlichkeiten sind alles Hotels, die Geschichten zu erzählen haben, die also einen Markenkern bilden, der eine eigene DNA hat. Und das kannst du ja nicht mal eben auf der Exporeal vom Stand nehmen, sondern das ist etwas, wo ein bisschen der Zug Zufall auch sich eine Rolle spielt. Wir müssen einfach sicherstellen, dass wir hier organisch wachsen. Und wenn wir ein tolles Projekt angeboten bekommen, dann untersuchen wir das eben auf die Prinzipien, die wir brauchen für die Hommage. Und wenn das dann so richtig ist, dann würde man da loslegen. Aber es ist ganz schwierig, da zu sagen, wann das 7. oder 8. oder 9. kommt. Natürlich würde ich gerne intern sagen, bis 2025 machen wir aus 6 9, aber wir sehen, ob das klappt.
- 23:54 Ronald M. Arndt
Ja, aber wie du sagst, Zufall ist das eine, aber es gibt diese Marke, die einfach wunderschön ist, die wird natürlich gesehen, und man nimmt wahr, sage ich mal, was ihr da macht. Und klar, das führt am Ende auch wieder zu Anfragen, ob man da nicht irgendwie in die Familie mit aufgenommen werden könnte. So läuft's ja dann am Ende auch. Man muss sich ja nur anschauen, was da einfach Biskitsbühl, Söllringhof etc., was da einem alles schon dabei ist. Dorint, du hast hier die Idee vom Le Bistro 99 angesprochen. Warum da auch so ein großer Schwerpunkt draufgelegt wird? Weil, und das habe ich gelesen, ihr möchtet einfach da der führende Full-Service-Anbieter in der Tagung Hotellerie werden. Ja, das ist eine Nische oder ist einfach ein Bekenntnis, ist eine Ansage, wenn dann richtig.
- 24:53 Jörg T. Böckeler
Ja, ich glaube, dass das ist heute eher eine Ansage als irgendetwas anderes. Warum? Es scheint einen Trend zu geben, dass man sich ein bisschen mit dem Arbeitskräftemangel, früher haben wir dazu Fachkräftemangel genannt, gesagt, heute ist es aber mehr ein Es ist also grundsätzlich mal, dass wir nicht genügend Arbeitskräfte haben, und damit haben wir übrigens auch nicht genug ausgebildete Arbeitskräfte. Ist also ein, ein Gemisch von beidem, denke ich. Und es ist natürlich wahnsinnig zeitintensiv, und du brauchst sehr viel Fokus, um deine Mitarbeitenden im Unternehmen zu halten, eine Kultur zu kreieren, einen Wertekosmos zu kreieren, bei dem die Menschen auch gerne bleiben. Und du brauchst Perspektiven für die Mitarbeitenden, ist überhaupt keine Frage. Und wir versuchen sehr stark, unseren Hotelhelden wie wir unsere Mitarbeitenden nennen, eben genau diese Perspektive zu geben, sodass es auch Wachstum gibt. Deshalb wirst du sehen, dass wir relativ viele GM-Positionen aus dem eigenen trainierten Nachwuchs besetzen können, weil wir eben auch ein Senior Leadership Development Center haben für unsere Executives und so weiter, um ihnen auch Perspektive zu geben. Und dasselbe gibt natürlich auch für Azubis, die wir dann übernehmen, die dann ihre, ihre ersten Karriereschritte bei uns machen können. Und die Vielseitigkeit der Standorte spielt eine große Rolle. Ich glaube schon, dass wir diese Individualität der Hotels auch ein Stück als Arbeitgeber reinbringen müssen. Und da ist es dann so, dass andere Hotelgesellschaften, die wahrscheinlich mit demselben Level losgelaufen sind, heute sagen, wir kompensieren das durch Dekor, womöglich auch durch Automatisation und solche Dinge. Und wir sagen sehr klar, nein, wir bekennen uns dazu, wir wollen im Tagungsbereich einer der führenden Hotelanbieter sein, aber auch da muss das individuell laufen. Das heißt, die Kaffeepausen müssen einmal dem lokalen Markt angepasst werden, sie müssen dem Wunsch der Gäste angepasst werden. Wir müssen sicherstellen, dass es auch in dem Bereich Service gibt, dass es immer noch ein Serviceerlebnis gibt etc. Und das machen wir eben, indem wir gewisse Touchpoints im Hotel schaffen. Also ich habe ja vorhin über die Individualität gesprochen und du bist eben dran vorbeigelaufen. Hier im Hotel steht ein kölsches Büdchen.
- 27:21 Ronald M. Arndt
Also das ist das eine. Und wie gesagt, vor 2, 3 Wochen habe ich es ja selbst erlebt, als ich hier zu Gast war am Heumarkt. Und auch das Büdchen habe ich mir natürlich angeschaut und ich wurde sehr, sehr herzlich willkommen geheißen. Definitiv.
- 27:35 Jörg T. Böckeler
Also das Büdchen ist im Grunde aus der Idee entstanden, dass wir auch im 4-Sterne-Hotel immer noch einen Concierge-Service brauchen. Wir sind aber kein traditionelles 5-Sterne-Hotel, wo es noch die Concierges mit dem Cordon gibt, sondern vielmehr brauchen wir Menschen, die mit ihrer eigenen Erfahrung den Gästen sagen können, was man im lokalen Markt macht. Was ist trendy in Berlin oder in Mannheim oder in Köln oder in Hamburg? Und wir casten also für das Bütchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die besonders geeignet sind, um ein bisschen auf dieser, auf dieser extrovertierten Bühne zu stehen, die also im Grunde das Bütchen als die Camouflage auf die Kölner Trinkhalle nehmen, indem du natürlich auch Getränke kaufen kannst und auch Snacks kaufen kannst und auch die notwendigsten Dinge, die man womöglich zu Hause vergessen hat, bekommst. Voll ausgestattet, weiß immer, was in der Stadt los ist, wie man an Tickets kommt, wie man besondere Momente erleben kann, kann auch ein- und auschecken, wenn also die Rezeption zu viel zu tun hat, kann dir die lokale Karte geben und kann ja auch das Parkticket im Zweifelsfalle auslesen. Also all das ist möglich. Das Büdchen ist voll eingerichtet, eben wie ein Arbeitsplatz an der Rezeption, kann aber so viel mehr, weil es eben zusätzliche Dienstleistungen bringt. So, und das Ganze haben wir eben in diese Bühne des Büdchens gepackt, dieser Trinkhalle eben, damit es auch ein Interesse weckt bei den Gästen. Ja, und das ist eins der vielen Dinge, die wir tun, um eben individuell zu sein und ein zusätzliches Gästerlebnis zu haben. Dazu kommt übrigens noch was anderes: Wir sind ja Hofburg des kölschen Karnevals, genau in diesem Hotel hier. Und für all die, die uns zuhören und nicht aus Köln kommen: Karneval ist ja nicht das, was man am Rosenmontagszug sieht, wo ganz viele Menschen verkleidet sind, die dann später womöglich auch einen zu viel getrunken haben, sondern Karneval ist ja ganz, ganz, ganz essenzielles Brauchtum in dieser Stadt, wo was sich immer über viele, viele Wochen zieht, mit vielen Veranstaltungen, vom Lachschuhkarneval bis hin zum verkleideten Karneval auf der Straße. Und wir haben damals im Festkomitee Kölscher Karneval gesagt, wenn wir die Hofburg des Kölschen Karnevals geben, werden wir die kölsche DNA auch in andere Städte tragen. Findest du natürlich auch ein kölsches Büdchen in Berlin am Ku'damm.
- 30:09 Ronald M. Arndt
Das wäre jetzt die Frage gewesen.
- 30:12 Jörg T. Böckeler
Und auch da gibt es einmal die Kölner Karte und dann natürlich auch die lokale Karte. Und dort gibt es auch überall Kölsch und es gibt auch überall Souvenirs aus dem kölschen Karneval. Das heißt, wir nehmen die DNA von Köln ein Stück mit auf Reisen mit dem kölschen Büdchen, was natürlich dann noch andere Funktionen hat.
- 30:32 Ronald M. Arndt
Und ich habe so die kleine Vermutung, mit deiner Schauspielervergangenheit, dass der Jörg da eigentlich am liebsten den ganzen Tag selbst im Büdchen stehen würde.
- 30:40 Jörg T. Böckeler
Ja, es gibt tatsächlich auf Social Media ein Bild von mir, wo ich in dem Büdchen stehe, und das ist sehr oft kommentiert worden, sehr positiv kommentiert worden, scheine ich reinzupassen.
- 30:49 Ronald M. Arndt
Ja, der Hotel-Podcast sieht ja auch so ein bisschen seinen Auftrag, einfach Menschen, die mit Hospitality noch gar nichts zu tun haben, heranzuführen, neugierig zu machen, natürlich auch auf Konzepte, auf Marken, An der Stelle muss ich kurz erwähnen, wie denn Dorint überhaupt zu seinem Namen kam. Denn da gab es 1959, schon über 60 Jahre her, eben den Werner Dornieden. Er war, glaube ich, Architekt oder Möbelbauer seines Zeichens. Und er hat ein Musterhaus für Hotel-Innenarchitektur gebaut. Und dieses Haus hatte den Namen Dor, also für Dornieden. Du kennst die Story, aber ich muss ja trotzdem kurz wiedergeben. Und international Dorint. Aber das ist lange her, viel ist seitdem passiert, und trotzdem ging es, glaube ich, schon 1981 eben damals für Dorint ins Ausland. Gerade heute im Zug, wir feiern im nächsten Jahr den 65.
- 31:42 Jörg T. Böckeler
Geburtstag der Firma, und zum 60. Geburtstag, also 2019, haben wir sehr groß gefeiert, und dort haben wir auch die nachfolgende Generation, also ich glaube glaube, das ist 2 Generationen nach der Gründerfamilie, haben wir die Dornidens auch da gehabt und haben die noch mal ein bisschen erzählen lassen, wie sie das als Enkel erlebt haben oder auch als Söhne und Töchter erlebt haben. Und in der Tat war es so, dass Herr Dorniden die Idee hatte, wenn die Menschen in ein Hotel kommen und meine Hotelausstattung dort erleben können, dann kaufen sie sie auch für ihre eigenen Hotels. Das war die Idee. Also ein großer Hotel-Showroom.
- 32:21 Ronald M. Arndt
Ja, die Idee ist gar nicht so alt geworden. Also die ist alt, die gibt es ja in der Tat auch heute noch. '81 ging Stars das erste Mal für Dorint ins Ausland. Erst heute Morgen im Zug von Stuttgart nach Köln kam die Meldung Locarno, dass sich da was tut für Dorint. Herzlichen Glückwunsch! Vielleicht da noch kurz ein paar Worte.
- 32:42 Jörg T. Böckeler
Dass wir auch in der Schweiz wachsen.
- 32:43 Ronald M. Arndt
Fünftes Haus aber schon. 1, 2, 3 Worte dazu.
- 32:49 Jörg T. Böckeler
Also ganz klar ist, wir haben, anders als wir es im Jahr 2003 betrieben haben, gesagt, Dorint ist DACH, ist Deutschland, Österreich und die Schweiz. Warum? Weil wir eben in all unseren Grundsätzen mit dieser einen Sprache, mit der deutschen Sprache arbeiten können, und darüber hinaus natürlich alles auch auf Englisch Englisch und, und andere Sprachen übersetzt ist. Aber das ist das, was wir können, und das, was wir kennen. Deshalb wollen wir uns nicht verirren damit, dass wir ein Hotel in der Tschechischen Republik und ein Hotel in Frankreich und so weiter— wir wollen also diese Energien im Grunde nutzen. Deshalb sind das auch die 3 Märkte, wo wir sehr fokussiert wachsen wollen. Und klar, in der Schweiz haben wir ja einige Hotels jetzt in der Pipeline, da geht es ganz klar darum, dass wir die Dorint-Marke stärken, dass wir mit der Essential-Marke weitermachen. Wir haben ja ein tolles Essential in Basel, das ist tatsächlich auch ein wirklich markendefinierendes Essential Hotel. Und so geht es jetzt auch in Locarno weiter. Ganz toller Standort, nicht weit weg vom See, wo man also richtig viel auch machen kann. Also so ein Ort, wo man unter der Woche seine Geschäfte macht, wo man am Wochenende dann auch gerne mit der Familie hinkommt. Und das ist ja für die Schweiz sowieso bezeichnend, dass sie eigentlich beides ganz gut abdecken können. Auch in Beatenberg, was ja eigentlich eine Resortdestination ist, hast du unter der Woche durchaus Meetings und dann am Wochenende wieder die Familien und in der Hochsaison natürlich dann die Skifahrer oder die Wanderer.
- 34:27 Ronald M. Arndt
Also in Dorint steckt definitiv eine Menge Familie auch drin, aber auch Spaß. Sport. Ja, also denke ich an Garmisch unter anderem. Golf, ich glaube, 2 eigene Golfplätze habt ihr.
- 34:40 Jörg T. Böckeler
Ja, also ja, das ist, das ist ein ganz interessantes Thema. Man muss diese Dinge auch lernen. Nur weil man jetzt einen Golfplatz hat, heißt das noch nicht, dass man das gut macht.
- 34:50 Ronald M. Arndt
Und du oder, oder man?
- 34:53 Jörg T. Böckeler
Sowohl als auch, überhaupt keine Frage. Schau, Das Leben ist ja im Grunde eine immerwährende Lernkurve und wir haben den Golfplatz in Usedom übernommen und haben dann wirklich gelernt, wie kann man den bespielen und wie kann man den auch über einen lokalen Club hinaus bespielen mit Fernmitgliedschaften und anderen Dingen? Wie kann man die Synergien zum Hotel machen? So, und jetzt sind wir ja in Kitzbühel mit dem unglaublich prominenten Golfclub, dem Golfclub Eichenheim, gesegnet, muss man wirklich sagen. Es ist einer der besten Golfplätze in Österreich. Und hier haben wir das, was wir schon in Usedom gelernt haben, können wir dort natürlich anbringen und noch ein bisschen mehr, weil das ist ein Golfplatz, der ist so hoch gerankt, dass wir also sicherstellen müssen, dass wir diese unglaubliche Qualität halten. Ja, und das bedeutet auch, dass wenn der CEO oder der Aufsichtsratsvorsitzende mal im Standort Kitzbühel ist, dass wir uns auch dort dann ganz genau mit den Details auf dem Golfplatz beschäftigen, damit wir einen sehr, sehr hohen hohe, ein sehr hohes Qualitätsniveau auch halten können.
- 36:00 Ronald M. Arndt
Mir sagt's zu. Meine Kinder sind jetzt auch schon 2 und 4 und kommen allmählich in ein Alter, wo sie auch mal 2 oder 3 Stunden auch ohne Papa sein können. Oder der Vierjährige, wir waren jetzt am Wochenende für 2 Podcasts und Familienaufenthalt im Oeschberghof, und es war der Moment gekommen, auf den habe ich immer gewartet, dass der Vierjährige sagt, du Papa, ich will auch mal dieses Golf da ausprobieren. Ja, also besser, besser geht's nicht.
- 36:24 Jörg T. Böckeler
Ich kann es ja nur von meinem Sohn ableiten, der Max hat mit 13 angefangen, mal den Golfschläger zu schwingen, war mit 13,5 schon besser als ich, weil er einfach den natürlichen Swing hat. Also da, wo ich darüber nachdenke, wie ich denn jetzt den Schläger halte, wo das Bällchen liegt, wie ich denn am besten die Drehung hinbekomme, ohne dass ich mir die Hüfte ausrenke und so weiter, geht das bei ihm einfach in einem durch und bumm, und dann fliegt der Ball. Genau, 150, 200, 210 Meter, ohne dass er nachdenkt, und er fliegt gerade und er fliegt dahin, wo er hin muss, hat ein gutes Ballgefühl. Und es macht große Freude zu sehen, wie Kinder das so viel natürlicher machen, als wenn du das, wenn du alt bist, neu lernen musst.
- 37:06 Ronald M. Arndt
Bin mir abschließend nicht sicher, ob er vielleicht nicht auch Gefallen an dem kleinen Auto gefunden hat, mit dem er da so über den Golfplatz fährt. Also kann natürlich auch sein. Das Handelsblatt, und es wird ja so sein, hatte mal tituliert: Dorint, der zweitgrößte Übernachtungskonzern in deutscher Hand. Genau, in deutscher Hand nach Motel One höchstwahrscheinlich. Auch unglaublich eigentlich.
- 37:34 Jörg T. Böckeler
Ja, das ist unglaublich. Schau, die, die, dass das, was eigentlich schade ist, ist zu sehen, dass eben, kann man so, kann man gar nicht so verkaufen an den Gast. Naja, Zweiter ist immer schwer zu verkaufen.
- 37:47 Ronald M. Arndt
Ja, wir können in deutscher Hand, meine ich.
- 37:50 Jörg T. Böckeler
Wir können sehr, sehr froh darüber sein, überhaupt keine Frage. Aber das Interessante da ist, wir haben also die Marktbewegungen ja gesehen, und die einen haben jetzt eine chinesische Mehrheit, die anderen haben sich verlegt in die Schweiz und so weiter und so fort. Und für all das gibt es natürlich sicherlich gute Gründe, aber es ist wahnsinnig wichtig, dass wir uns zurückbesinnen auf eine Sache: Wir sind in Deutschland, in der deutschen Volkswirtschaft haben wir eindeutig Riesenfund, was eigentlich keiner unserer europäischen Nachbarn in dieser Form hatte, und das ist der deutsche Mittelstand. Der deutsche Mittelstand war eigentlich immer das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und war auch sicherlich der Motor für das sogenannte deutsche Wirtschaftswunder. So, das ist alles sehr lange her, und natürlich hat sich sehr viel getan. Konsolidierungen sind passiert, internationale Markenpräsenz ist da, Marke per se spielt eine andere Rolle als noch vor 30 oder 40 Jahren. Und deshalb ist es so schön zu sehen, dass wir mit unserem Fokus auf die Markenwelt der, der Dorint-Gruppe es schaffen, tatsächlich eine Relevanz zu haben. Wir sind sehr, sehr beliebt bei den deutschen Kunden in Deutschland. Das ist super. Wir haben 82% deutsches Klientel, deutsche Gäste. Auf der anderen Seite sehen wir es auch ein bisschen als ein diesen deutschen Mittelstand auch in der Hotellerie entsprechend zu stärken. Und schau, deshalb haben wir auch nicht aufgehört, über Corona zu reden. Denn in der Tat ist es ja so gewesen, dass bei den ausgelobten sogenannten Corona-Hilfen, die ja irgendwann mal als Wumms und später als Doppelwumms verkauft worden sind vom heutigen Bundeskanzler, damaligen Finanzminister und seinem Wirtschaftsministerkollegen wo es einfach darum geht, keiner, keiner soll benachteiligt werden wegen Corona. Das war doch die Ausgangssituation. Sondern sind Hilfsprogramme aufgesetzt worden für kleine und mittelständische Unternehmen, für große Unternehmen, und dann gibt es eine große Lücke dazwischen. Und das sind die Unternehmen, die eigentlich keine KMUs mehr sind, aber eben nicht groß genug, um ein großes Wirtschaftsunternehmen zu sein. Da gehören wir dazu mit dem Umsatz, den wir machen. Und hier hat es bei den Hilfen eine Nichtgleichberechtigung gegeben. Das heißt also, wir sind nicht so behandelt worden wie zum Beispiel KMUs. Und der Punkt, den wir machen, ist, dass wir einfach der Politik über die deutsche Gerichtsbarkeit immer wieder den Punkt machen, zu sagen, ihr müsst hier über richtig und falsch entscheiden. Ja, wir sind benachteiligt, wir können beweisen, dass wir benachteiligt sind, und wir wollen, dass ihr das noch korrigiert. Deshalb sind wir als deutsches mittelständisches Unternehmen Unternehmen, was hier eigentümergeführt ist durch die Familie Iserloh unter anderem. Ganz wichtig, dass wir hier auf dem Fokus den Fokus behalten und sicherstellen, dass es hier für die Gemeinschaft der Nicht-KMU doch noch eine Besserstellung gibt zum späteren Zeitpunkt.
- 40:47 Ronald M. Arndt
Und auch der Presse habe ich das natürlich entnommen, der Herr Iserloh beruft sich da jetzt auf den Gleichheitsgrundsatz Artikel 3 des Grundgesetzes, was ja da absolut passt. Die große 180-Millionen-Rechnung hatte ich gelesen. Wo eben wirklich weniger als die Hälfte eben bislang entschädigt worden ist, deutlich weniger. Ich glaube, 20 Millionen über den Gesellschafterkreis eben noch beigesteuert wurde etc.
- 41:10 Jörg T. Böckeler
Ja, wir können sehr froh sein, dass wir, dass wir diese Eigentümer- und diese Gesellschafterstruktur haben. Es hat also auch eine Kapitalerhöhung gegeben, um zu helfen. Aber, aber das ist ja alles richtig. Ja, nur sinnvoll wäre natürlich, wenn man das, was man politisch verspricht, auch dann tatsächlich einhält und keine Ausnahmen macht.
- 41:33 Ronald M. Arndt
Definitiv. Also ein Signal, das ja, das einfach kommt, das einfach so— da fallen mir auch, fällt mir jetzt auch nichts mehr zu ein. Aber das kann einfach nicht sein, Punkt. Der Hotel-Podcast wird sich auch— deswegen finde ich solche Äußerungen natürlich jetzt auch immer spannend, auch mehr und mehr mal auch an einen Politiker richten. Das heißt, der Ronald macht sich im Hotel-Podcast in seiner kleinen Funktion auch mal auf den Weg nach Berlin. Ihr seid ja vor Ort, aber das wäre mal so ein Thema, sage ich mal, was ich da auf jeden Fall auch noch mal gerne mit reinnehme. Familienunternehmen, Dirk Iserloh bezeichnet sich auch mal als Familienunternehmer, was er ist. Stichwort kontrollierte Expansion. Expansion, höre ich immer wieder im Zusammenhang mit Dorint. Das heißt ja, sehr nachhaltig wirtschaften, nicht viele Fehler machen.
- 42:32 Jörg T. Böckeler
Das ist richtig.
- 42:34 Ronald M. Arndt
Was unterscheidet da die tägliche Arbeit oder auch die Expansion, sage ich mal, im Vergleich zu einem B&B-Konzept beispielsweise?
- 42:43 Jörg T. Böckeler
Na ja, zunächst muss man Folgendes wissen: Wir als Dorint Gruppe bedienen Managementverträge, Pachtverträge und sind Markengeber, also Lizenzgeber für Franchise-Konzepte. Und das bedeutet, dass uns nicht die Mauer und der Mörtel gehören, in dem die Hotels drin sind. Das heißt also, wir haben durch dieses Betriebskonzept, weil wir eine Betreibergesellschaft sind, natürlich sehr, sehr hohe fixe Kosten, die in erster Linie mal manifestiert werden durch die sogenannten Pachten. Das unterscheidet uns auch substanziell von der anderen Firma, mit der du uns da eben verglichen hast. So, in einem mittelständischen unternehmergeführten Unternehmen ist es natürlich so, dass du als Geschäftsführer oder auch als CEO den Dialog führen musst. Und du musst akzeptieren, dass ein Mehrheitseigentümer Ideen hat, und du musst dich einlassen auf diesen Diskurs, diese Ideen zu besprechen. Herr Iserloh sagt immer von sich, das beste Argument gewinnt, und da steht er auch zu. Aber wir arbeiten sehr, sehr eng zusammen. Das heißt also, das eine oder andere in der DNA mag von der Geschäftsführung kommen, das eine oder andere der DNA kommt ganz klar vom Aufsichtsratsvorsitzenden. Ein hochkreativer und übrigens sehr, sehr intelligenter Mensch und hat tolle, tolle Ideen, die wir dann in die Umsetzung bringen. Und dieser Diskurs ist wahnsinnig wichtig. Wir haben einen anderen Podcast gemacht vor geraumer Zeit, wo ich gefragt worden bin, man mischt sich ein, geht denn das überhaupt? Und in der Tat, natürlich geht das. Wir machen das partnerschaftlich und im Schulterschluss, und am Ende des Tages ist er derjenige, der ja das mehrheitliche Eigentum hält. Da ist es meine heilige Verpflichtung als ein Geschäftsführer, diesen Diskurs natürlich auch zu gehen. Aber er ist eben sehr befruchtend und sehr partnerschaftlich. Und ich glaube, ich kann sehr, sehr froh sein, weil ich sehr, sehr viele Ideen umsetzen darf und weil wir miteinander einfach einen sehr, sehr guten Schulterschluss haben.
- 44:56 Ronald M. Arndt
Ist dann Expansion betriebswirtschaftliche Notwendigkeit? Also was passiert, wenn, je mehr Häuser ich habe?
- 45:03 Jörg T. Böckeler
Also 2 Dinge. Wir sind natürlich als Dorint eine Firma, die ein sogenanntes, eine sogenannte Hauptverwaltung hat. In der Hauptverwaltung finden die gesamten Unterstützungsmechanismen statt fürs Feld draußen. Das heißt, wir machen die Reservierungen, wir machen das Marketing, Wir machen die Finanzverwaltung und all diese Themen. Und wir haben sehr viele Dinge über die Digitalisierung dann während Corona auch zentralisiert, um einfach den Generaldirektorinnen mit ihren Hotelheldinnen und Hotelhelden draußen die Möglichkeit zu geben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich darauf, den Gästeservice zu bringen und die Gäste glücklich zu machen während ihrem Aufenthalt. Eben die verwaltungstechnischen Arbeiten ein Stück zentralisiert reingezogen, eben in die Hauptverwaltung. So eine Hauptverwaltung muss finanziert werden. Das heißt also, hier schon lasse ich den Schluss zu, je mehr Hotels ich habe, desto geringer sind meine Hauptverwaltungskosten, um diesen Apparat eben entsprechend zu unterstützen. Auf der anderen Seite muss man auch klar sagen, wenn du nur über Rate oder oder über Auslastung wachsen möchtest in einem Markt, der doch verhältnismäßig gesättigt ist, der deutsche Markt, dann sind das eigentlich nur Nuancen, die du bewegen kannst. Und deshalb sind mehr Hotels gleich mehr Zimmer gleich mehr Betten gleich mehr Gäste, und das bedeutet natürlich auch mehr Umsatz, um eben da die Synergien zu schaffen, die wir brauchen, um wirtschaftlich gut aufgestellt zu sein.
- 46:39 Ronald M. Arndt
Und kann mir vorstellen, dass zu der Verwaltung natürlich auch noch der Vertrieb dazu kommt, Vertriebskosten, die da eben dann gewisse Skaleneffekte mit sich bringen, je mehr Häuser. Und natürlich denke ich mir, jedes neue Haus bietet ja auch wieder die Chance, was ganz Neues, neues Produkt angepasst an die heutige Marktsituation, an die Kundenbedürfnisse zu schaffen und da wieder richtig erfolgreich mit zu sein, ja, das richtig Neues zu schaffen. Da sind wir wieder beim Thema Hommage, also wieder bei dem Thema Gastfokus.
- 47:10 Jörg T. Böckeler
Und Gastfokus, wenn es für den Gast keinen Sinn macht, dann lass es uns nicht tun.
- 47:16 Ronald M. Arndt
Was ist die große Vision? Was, gib mal so eine Anzahl an Häusern bis 2030.
- 47:23 Jörg T. Böckeler
Also kann man das sagen? Ja, ja, ich glaube, wenn ich heute mit Herrn Iserloh sitzen würde, dann wollen wir auf jeden Fall die 100-Häuser-Marke knacken miteinander. Wir haben immer gesagt, wir wollen im Umsatz bei einer Dreiviertelmilliarde liegen. Das ist noch mal ein guter Schlag drüber, über das, wo wir im Moment sind. Und das sind natürlich ehrgeizige Ziele, die wir aber weiterverfolgen werden. Und schau, Ronald, in der, in der Zeit, wo wir, wo wir alle mit der Pandemie zu kämpfen hatten, haben wir natürlich eins unserer Milestone-Hotels übernommen, nämlich das Dorint am Ku'damm Berlin. Das war sehr mutig, weil das ist ein großes Haus mit auch einer entsprechenden Pachtverpflichtung. Aber der Mut hat sich ausgezahlt. Wir haben das Hotel Kö 59 in der letzten Phase der Pandemie übernommen. Auch das war die richtige Entscheidung. Ich glaube, man muss hier mutig sein. Und diesen Weg weiterverfolgen.
- 48:27 Ronald M. Arndt
Und auch hier natürlich wieder eine Sache, die den Unternehmer am Ende auszeichnet: mutig zu sein und Dinge auszuprobieren, auch in Lagen und Situationen, die es jetzt eigentlich erst mal nicht zulassen würden. Schloss Lerbach, ich glaube, auch eine ganz tolle Neuigkeit gewesen. 2026 soll es hier soweit sein.
- 48:47 Jörg T. Böckeler
Richtig. Wir haben hier gute Erfahrungen, habt ihr schon Oberursel gemacht in die Richtung? Ja, es ist gut, dass du diesen Vergleich ziehst, weil tatsächlich könnten die beiden artverwandt sein. Also in beiden denkmalgeschütztes Anwesen, was eben entsprechend gepflegt werden muss, was kernsaniert werden muss. Untere Denkmalbehörde, obere Denkmalbehörde mit im Tandem. Wir haben in beiden Fällen sehr, sehr engagierte Eigentümer, die wirklich für das Projekt das Beste wollen. Und gerade für Schloss Lerbach war das ein recht langer Pitch. Da waren wir sicherlich in einem sehr, sehr aktiven Mitbewerb mit anderen Firmen. Umso mehr bin ich unglaublich glücklich, dass die Eigentümerfamilie uns am Ende den Zuschlag gegeben hat. Dafür haben wir hart gekämpft. Wir haben für das Hotel schon in der Entstehungsphase dieses, dieses Pachtvertrages entsprechende Visionen entwickelt, ein Betriebskonzept entwickelt und so weiter. Und ich freue mich total drauf, weil es ist eine super Ergänzung in der Peripherie um Köln. Wenn du dorthin fährst, bist du im Grunde schon im Naherholungsbereich. Es ist unheimlich schön. Und die Vision der Eigentümer, das Schloss zu seinem alten Glanz zu bringen, aber auf der anderen Seite neue Bereiche zu schaffen, die 100% nachhaltig sind, die dann auch Veranstaltungen abdecken können, die die kritische Masse an Gästen bringen können und so weiter, ist natürlich ein absolutes Plus. Es wird ein Hotel sein, was unter der Woche sicherlich schon sehr gut positioniert sein wird im Konferenzmarkt. Aber wird dann am Wochenende ganz nahtlos in eine Naherholungsdestination kommen mit all den Dingen, die man braucht. Ein toller Spa, Indoorpool, ein Schwimmteich, dann den Schlossplatz, wo du tolle Events machen kannst, dann den Riesenpark drumherum. Fahrradfahren, Golfspielen ist nicht weit weg. Wir haben die Natur, wir werden einen Trail haben durch den Wald, wo man joggen kann, wo man sich sportlich aktivieren kann. Aktivieren kann und so weiter. Also alles in allem sehr rund. Und natürlich werden wir dort eine wirklich gute Gastronomie haben. Wir möchten nicht unbedingt anknüpfen an die gastronomische Vergangenheit. Das ist die Vergangenheit, die hatte zu dem Zeitpunkt ihren Stellenwert. Aber dort zum Beispiel wird unter anderem auch eine Bistro entstehen. Da, wo früher das italienische Restaurant war, und dann gibt es das Schlossrestaurant. Es wird eine tolle Bar geben, es wird auch eine Küche geben, in der wir Kochkurse machen können, die also nur dafür gebaut wird, wo man auch mal filmen kann und so weiter. Also es wird ein sehr breites Angebot geben, wo man sich richtig wohlfühlt.
- 51:50 Ronald M. Arndt
Und ein Haus mit dieser Geschichte, vergangener wird aber am Ende eben keine Hommage, weil es nicht dieser, dieses Alleinstehende, diese alleinstehende Ikone ein bisschen ist in der Hotellerie.
- 52:01 Jörg T. Böckeler
Naja, es ist schon eine Ikone, aber wir müssen uns natürlich damit beschäftigen, wer würde dahin gehen. Und da haben wir ganz klar gesagt, wir müssen hier sehr, sehr viel Wert legen auf den Konferenz- und Tagungsgast, und wir wollen auch natürlich nicht unbedingt in direkten Mitbewerb mit dem einzigen Mitbewerber gehen, der ja das Luxussegment dort schon ganz hervorragend abdeckt. Das heißt, wir wollen uns im 4-Sterne-S-Bereich positionieren und werden da sicherlich eine ganz führende Rolle spielen, das ist keine Frage. Aber wir müssen da nicht in die Konkurrenz gehen zu anderen.
- 52:39 Ronald M. Arndt
Du hast von den Eigentümern gesprochen, dass die Familie Reisdorf und von einem langen Pitch. Das heißt, so eine Familie, die da einfach etwas wieder revitalisieren möchte, die hört sich dann von verschiedenen Hotelgesellschaften die Ideen an, ja. Da muss man richtig für arbeiten, ja.
- 52:58 Jörg T. Böckeler
Das ist richtig. Und ich glaube, das ist auch der einzig richtige Weg, weil es geht ja hier um eine private Investition, und die ist mit Sicherheit signifikant, und die muss natürlich eine entsprechend auch untergebracht werden. Und deshalb brauchst du dann natürlich einen Partner, der das entsprechend umsetzt, auf den du dich verlassen kannst. Und da muss man schon sagen, man prüfe, bevor man sich ewig bindet. So ein Pachtvertrag ist eine lange Zeit. Das muss auch zwischenmenschlich passen. Und da muss ich klar sagen, bin ich total happy, heute zu sagen, dass wir miteinander einfach auch gut können und ein gutes Verständnis dafür haben, was wir gemeinsam kreieren wollen.
- 53:40 Ronald M. Arndt
Ich freue mich auf die dann 125 Zimmer und Suiten etc. ab 2026, und davor geht es ja noch in Interlaken weiter. Und also es steht ja, es steht ja einiges an, es steht einiges an.
- 53:54 Jörg T. Böckeler
Nicht zu vergessen, wir werden ein ganz, ganz, ganz tolles Resort haben am Müritzsee in Klink. Das wird Anfang 2025 schon eröffnen und das wird sicherlich auch in der Region ein echter Gamechanger direkt am Wasser. Das wird auch ein Hotel sein, was sehr viel kann, was sich sehr breit aufstellt, um eben auch Meetings und Konferenzen zu machen und auf der anderen Seite dann natürlich auch entsprechend die Individualreisenden zum Ferienmachen kommen mit Familie. Zum Teil auch ohne Familie entsprechend zu beglücken.
- 54:29 Ronald M. Arndt
Ihr habt so eine kleine Vertriebskooperation mit Barceló, richtig? Schwerpunkt Spanien, nehme ich mal an. Sag da vielleicht noch mal kurz was dazu.
- 54:41 Jörg T. Böckeler
Ja, Barceló war im Grunde ein sehr logischer Partner, weil wir sind nicht im Territorium von Barceló unterwegs mit unserer Marke, und Barceló ist nicht im Territorium von uns unterwegs, mit der einen Ausnahme des Hamburger Hauses. Das macht aber nichts, Hamburg ist groß genug für zwei, die sich das auch ein Stück teilen können. Wir sind von der Philosophie nicht unähnlich. Barceló hat natürlich deutlich mehr Resorts als wir, aber wir haben natürlich auch eine Menge Resorts. Wir sind auch der zweit- oder drittgrößte Resortbetreiber Deutschlands. Das ist etwas, das die meisten gar nicht so von uns wissen. Und so war es relativ schnell klar, wir wollen etwas miteinander machen. Und was gibt es Besseres, als seine Stärken zu bündeln und den Vertrieb miteinander zu machen, das Marketing miteinander zu machen, E-Commerce miteinander zu verbinden und das Ganze dann über die, über die Distributionskanäle, die man sowieso schon bespielt.
- 55:37 Ronald M. Arndt
Das heißt also, das wird aber so ein bisschen gespiegelt, sage ich mal, gegenseitig, nicht irgendwie tiefer integriert.
- 55:42 Jörg T. Böckeler
Das ist toll, ja, weil wir haben hier natürlich dann auch eine Plattform, wo wir voneinander lernen. Wir treffen uns 4-mal im Jahr, also alle, alle 3 Monate, haben einen Austausch zwischen Marketing, zwischen E-Commerce, zwischen Sales, zwischen der Geschäftsführung und befruchten uns auch, sehen natürlich auch, was sind die Trends, wovon, was können wir lernen, was können die von uns lernen und so weiter. Ist eine tolle, tolle Partnerschaft, die natürlich einen enormen Mehrwert auch für unsere Gäste bringt.
- 56:12 Ronald M. Arndt
Ja, ich freue mich schon richtig aufs Le Bistro und was wir hier gleich zu uns nehmen.
- 56:16 Jörg T. Böckeler
Gerne.
- 56:17 Ronald M. Arndt
Jörg, hast du noch eine Botschaft, die du auf dem Zettel hast, die du loswerden möchtest? Ansonsten komme ich einfach nächstes Jahr wieder zum nächsten großen Dorint-Update.
- 56:27 Jörg T. Böckeler
Ich freue mich natürlich, wenn du wiederkommst und wir wieder Update machen miteinander.
- 56:33 Ronald M. Arndt
Und denn wir haben die Dreiviertelmilliarde im Blick. Und die 100 Häuser.
- 56:37 Jörg T. Böckeler
Ja, das ist aber nicht für 2024. Nein, nein, also es wird ein Weg. Ja, schau, ich habe noch eine ganz besondere Sache. Wir haben uns ja vorhin über die Politik unterhalten und so weiter, und wir als Dorint-Gruppe haben uns natürlich auch mit dieser langen Diskussion zu 7 oder 19% Mehrwertsteuer beschäftigt. Und ich habe jetzt gerade einen entsprechenden Leserbrief auch geschrieben, wo wir uns ganz klar zu den 7% committen. Ich bin zu einem gewissen Grad persönlich entsetzt darüber, dass man diesen Diskurs und diese Debatte jetzt auf den Dezember schieben möchte. Ein bisschen, als hätte die Politik nicht verstanden, wie Business geht. Und es ist so, dass alle unsere Kolleginnen und Kollegen und wir selber ja auch jetzt in der Budgetierungsphase sind und jetzt ja bereits verkaufen für 2024 und 2025 große Veranstaltungen und so weiter, die ja all diese Komponente, die da jetzt infrage steht, auch beinhaltet. Wie geht man also damit um? Und hier ist meine ganz klare Nachricht an die, an die Politik: Erstens, wenn man die Wertschöpfungskette Hospitality per se nicht noch weiter schädigen möchte, und es gab ja genug Schäden in den letzten Jahren, dann darf es diese Diskussion nicht geben. Dann muss man sich zurückbesinnen darauf, dass es hier ein politisches Versprechen gegeben hat. An dem würde ich nicht mehr rütteln. Auch deshalb nicht, damit wir im europäischen Vergleich standhalten können. Und zweitens, wenn wir denn Entscheidungen haben, müssen die Entscheidungen so getroffen werden, dass dem Geschäftsbetreibenden wenigstens die Möglichkeit bleibt, ein bisschen in die Planbarkeit zu gehen. Und das ist in diesem Falle leider nicht gewährleistet. So hoffe ich, dass die Entscheidung, die Diskussion auf den Dezember zu legen, nur eine Formalie ist, wo man formell die 7% entsprechend bestätigt und es einfach weitergeht. Und das ist meine große Hoffnung.
- 58:39 Ronald M. Arndt
Vorher fehlten mir bei dem Punkt, wo ich gesagt habe, es ist ein schlechtes Signal, so ein bisschen die Worte. Da ging es um die Corona-Hilfen und Gleichbehandlung. Hier ist ja eigentlich dann leider schon das nächste Beispiel eben genannt, dass man einfach Dinge, die man gesagt hat, am Ende nicht tut. Und der heutige Bundeskanzler meint ja wirklich damals, das wird sich eben nicht mehr ändern. 7% sind 7%. Korrekt. Gut, da arbeiten wir alle dran, zum Teil auch unterhaltsam mit Markus Wohler und ganz vielen anderen, und hoffen da einfach aufs Beste, dass sich da bald und spätestens eben bis Dezember die Dinge dann doch noch zum Guten wenden. Jörg, ganz, ganz lieben Dank.
- 59:19 Jörg T. Böckeler
Danke, dass du da warst, Ronald. Entschuldige, dass ich 10-mal Roland gesagt habe. Es ist jetzt drin.
- 59:26 Ronald M. Arndt
Deswegen komme ich ja dann auch.
- 59:27 Jörg T. Böckeler
Wir kennen uns ja schon sehr lange.
- 59:28 Ronald M. Arndt
Wir kennen uns schon lange.
- 59:28 Jörg T. Böckeler
Und das ist ja das, was das Ganze ja noch verrückter macht.
- 59:32 Ronald M. Arndt
Das war die Aufregung.
- 59:33 Jörg T. Böckeler
Das war ganz klar die Aufregung. Ja, genau. Ja, du kannst mich auch Björki nennen oder so. Da reagiere ich auch drauf. Also ganz herzlichen Dank, Ronald, und ich hoffe, dass wir uns in spätestens einem Jahr wiederhören.
- 59:43 Ronald M. Arndt
Das machen wir.
- 59:44 Jörg T. Böckeler
Dann kann ich ein bisschen erzählen, was sich getan hat.
- 59:46 Ronald M. Arndt
Das war das große Dorint-Update. Herzlichen Dank, Joerg, und bis zum nächsten Jahr. Alles, alles Gute.
- 59:52 Jörg T. Böckeler
Vielen Dank dir.
- 59:53 Ronald M. Arndt
Danke. Ciao.