Marco Weishaupt, b_smart selection
Aufgenommen: Gamprin-Bendern
Germany50 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir hatten kein Grundstück, wir hatten keine Ahnung von Hotels und wir hatten auch kein Geld in dem Ausmaß, wie es eigentlich nötig gewesen wäre.“
Marco Weishaupt, 06:12
Ronald M. Arndt und Katharina Beatriz Varga treffen Marco Weishaupt in Liechtenstein beim Feierabendbier, dort wo die b_smart selection entstanden ist. Er erzählt, wie er als Betriebswirt ohne Hotelerfahrung zusammen mit einem Bauleiter ein Hotel auf der grünen Wiese plante, das Grundstück im Baurecht bekam und den Betrieb vorher mit einem Prototyp mit acht Zimmern testete. Dazu: warum der Self-Check-in aus der Kostenrechnung kam und weshalb das Wachstum über Services für fremde Betriebe laufen soll.
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Kernaussagen
- Start ohne Kapital: Marco Weishaupt und ein befreundeter Bauleiter hatten kein Grundstück, keine Hotelerfahrung und nicht genug Geld. Die Gemeinde gab das Grundstück im Baurecht über 66 Jahre, danach kamen Bank und Eigenmittel dazu.
- Prototyp mit acht Zimmern: Vor dem eigenen Hotel richteten sie in einem gekauften Stockwerk mit 200 Quadratmetern ein Labor mit acht Zimmern ein, eröffnet am 1. Mai 2014. Begründung: Fehler bei acht Zimmern lassen sich noch korrigieren.
- Self-Check-in aus der Bilanz: Ein Haus mit 100 Zimmern war weder finanzierbar noch von der Nachfrage im Dorf gedeckt. Weil die Preise gut und günstig sein mussten, musste die Effizienz über die Personalkosten kommen, daraus entstand der Self-Check-in.
- Tante-Emma-Prinzip: Die Kernkompetenz sind Bed and Breakfasts mit 20 bis 30 Zimmern, die eine Region versorgen. Ein gutes Motel läuft bei 65, vielleicht 70 Prozent Auslastung, der Bäcker im Dorf liefert das Brot, Restaurants und Taxifahrer profitieren mit.
- Services statt Eigenbau: b_smart ist 26-mal Betreiber über Miet- und Pachtverträge, nicht Eigentümer. Die aktive Standortsuche wurde vor zwei Jahren beendet, unterstützt werden 30 Servicekunden und rund 60 Betriebe remote, Ziel sind 100 bis 200 Servicebetriebe in fünf bis sechs Jahren.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Für die heutige Episode trafen sich Katharina und Ronald auf ein entspanntes Feierabendbier mit Marco Weishaupt in Liechtenstein.
Genau hier begann vor 10 Jahren die beeindruckende Erfolgsgeschichte der b_smart selection.
Die Startbedingungen waren alles andere als ideal: kein Grundstück, keine Erfahrung in der Hotellerie und vor allem kein Kapital.
Heute betreibt das Unternehmen 26 eigene Betriebe und unterstützt zahlreiche weitere Hotels als kompetenter Servicedienstleister.
Besonders spannend ist die Geschichte des ersten Prototyps mit nur 8 Zimmern und die Vision, das Nahversorgungsprinzip eines Tante-Emma-Ladens auf die Hotellerie zu übertragen.
Wir gratulieren herzlich zum Jubiläum und wünschen weiterhin viel Erfolg!
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Transkript öffnenTranskript schließen50 Min · Ronald M. Arndt und Marco Weishaupt
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:00 Ronald M. Arndt
Das ist jetzt die Frage, wer anfängt, Marco. Aber eins ist klar: Die besten Dinge passieren beim Bier.
- 00:07 Marco Weishaupt
Zumindest wenn es um b_smart geht. Das ist so.
- 00:11 Katharina Beatriz Varga
Steht das B in b_smart für Bier?
- 00:13 Marco Weishaupt
Man könnte es wahrscheinlich heute zumindest im Nachhinein so sagen. Wir waren wahnsinnig kreativ. Wenn ich damit beginnen darf: Wer wollte denn dieses Hotel tatsächlich B-Hotel nennen? B_. Das Underline steht dann für die Modernität, so ein bisschen Typo, Schreibmaschine und Codiersprache. Und B stand für Bändern, weil wir sind hier in der kleinen Gemeinde Gamprin-Bändern, Ortsteil Bändern, und wir wollten Business-Hotelgäste empfangen. Dann wollten wir das B_ Hotel registrieren lassen, haben den Antrag gestellt, und dann kam ein vernichtendes Urteil. Nicht aus Marketingsicht, das wäre es dann ohnehin gewesen, sondern aus Markenschutz. Da gab es schon eines in Barcelona, auch B wie Barcelona. Die hatten wahrscheinlich den gleichen Ideenstrang wie wir. Dann ging das nicht. Dann hatten wir einen Austausch mit der Agentur. Dann hat er gesagt: Schreib doch einfach clever oder smart dazu. Das ist jetzt doch 12, 13 Jahre her. Damals war smart noch nicht so gängig wie heute. Damals hat man bei smart noch an die Autos gedacht, an die kleinen Schnuckeligen. So entstand b_smart. Heute könnte man durchaus sagen, das könnte auch für Bier stehen, weil die ganze Idee bei einem Feierabendbier entstanden ist.
- 01:31 Katharina Beatriz Varga
Also ein durchgängiges B.
- 01:33 Marco Weishaupt
Genau. Wobei heute hätte ich den Anspruch, wenigstens mit dem A-Hotel zu starten. Aber eigentlich der Zweite zu sein, ist ja auch schön.
- 01:40 Katharina Beatriz Varga
Aber der Zweite macht weniger Fehler als der Erste.
- 01:42 Marco Weishaupt
Das könnte sein. Und wir waren auch an vielen Stellen wirklich nicht die Ersten. Das können wir heute vielleicht noch ein bisschen beleuchten.
- 01:48 Ronald M. Arndt
Ja, jetzt bist du aber einer der wenigen bei uns im Hotel-Podcast, die nicht irgendwie über eine klassische Hotelfachausbildung, sage ich mal, in die Schiene reingerutscht sind, sondern bei dir war es ganz anders. Denn du hast Wirtschaft studiert. Wie kam es dann zu dem Feierabendbier?
- 02:04 Marco Weishaupt
Ich sage bis heute: Wir haben glücklicherweise 240 hochkompetente Menschen, die verstehen wahrscheinlich alle mehr von Hotel als ich bis heute. Es kann aber auch manchmal von Vorteil sein, weil man die Dinge von aussen sieht. Entstanden ist es bei einem Feierabendbier. Wir haben die Idee besprochen, ich und ein Freund, der war Bauleiter. Einmal? Ja, das war dann ein Prozess. Kreativer wurde er dann nach dem zweiten und dritten Bier. Er war Bauleiter und ich Betriebswirt. Ich bin ein Mensch, der eigentlich nicht gerne spekuliert, sondern Dinge eher nachhaltig, werthaltig entwickelt. Er hatte schon ein, zwei Immobilien entwickelt zur langfristigen Anlage, Wohnungen oder auch Büros zur Vermietung. Wir haben gesagt, schau, zusammen mal ein Projekt zu machen wäre cool, weil wir gerne beisammen sind und uns gut verstehen. Dann war die Idee: Komm, lass uns eine Immobilie entwickeln. Liechtenstein, ganz spezielle Ausgangslage: 40.000 Einwohner, 40.000 Arbeitsplätze, Kleinststaat, der zwar viele Leute hier nach Liechtenstein ziehen würde, aber das Gesetz erlaubt es nicht. Das heisst, die Restriktion der Zuwanderung ist relativ gross. So war es damals schon, dass es eigentlich einige freistehende Wohnungen gab, einige hundert sogar. Wir haben gesagt: Schau, wenn es heute schon freistehende Wohnungen gibt, dann werden wir nicht zusätzliche Wohnungen bauen. Warum nicht? Weil wir uns irgendwo der Sinnfrage verpflichtet fühlen. Das heißt, wenn wir was entscheiden, wenn wir was tun, dann soll es langfristig auch mit einem Mehrwert, nicht nur für uns sozusagen mit Rendite, sondern auch mit dem Mikroorganismus rund um diese Immobilie auch zusammenhängen. Und so haben wir gesagt, wenn es genug Wohnungen gibt, bauen wir keine Wohnungen, weil das macht keinen Sinn. Das war 2010. Dieses Bier. Und dann nächste Idee war Büros. Logisch, wie man so vorgeht, wahrscheinlich so intuitiv. Auch ein B. Nur war es damals auch so, 2008, 2009, Finanzplatz, Finanzmarktkrise. Es gab genug Büros. Und da die gleiche Problematik: Wenn es schon genügend Büros gibt, dann braucht es uns nicht. Und ja, so war dann das Ausschlusskriterium eigentlich da. Sinnfrage erfüllt ja, nein. Und zweimal mussten wir sagen nein. Und ich war damals Geschäftsführer. Das war ich bis 2020 eines mittelständischen Unternehmens, einer Sicherheitsunternehmung mit auch 200 Mitarbeitern. Wir hatten häufig einige Hundert im Jahr, sage jetzt mal, Businesskunden, Lieferanten, Softwareentwickler etc., Kunden, die bei uns übernachtet haben. Ich hatte das Problem, das ist Luftlinie her 2, 3 Kilometer weg, wo kann ich die unterbringen? Ich hatte tatsächlich das Problem, ich hatte keinen modernen, adäquaten Übernachtungsbetrieb. Ich müsste die nach Feldkirch über die Grenze tun oder in die Schweiz, Das war für mich eigentlich so ein Aha-Effekt. Geht es anderen auch so? Wir waren bei Weitem nicht die grösste Unternehmung daneben. Es waren viele Headquarters: die Hilti, die ThyssenKrupp hier in Liechtenstein, Ilcona, Ivoclar. Die hatten wahrscheinlich viel mehr Gäste als wir. Dann ging die Feierabendtour weiter und ich habe die Leute— das ist der Vorteil, wenn ein Land so klein ist, man kennt sich— gefragt: Habt ihr nicht dasselbe Problem? Oder wohin geht ihr mit euren Gästen? Die haben das Gleiche gesagt: Das fehlt. Dann haben die gesagt: Okay, wenn du ernsthaft mit dem Gedanken spielst, wir werden unsere Gäste bei dir reinbuchen. Nur 2 Kriterien müssen erfüllt sein. Das war vor Corona die 2G-Regel. Gut und günstig muss es sein. Aus Sicht des Kunden durchaus legitim, aus Sicht eines Betreibers durchaus anspruchsvoll. So starteten wir dann letztlich dieses Projekt.
- 05:49 Ronald M. Arndt
Und es war dann, ich glaube, im Jahr 2014, dann mit dem ersten Haus.
- 05:53 Marco Weishaupt
Übrigens zum Wohl.
- 05:53 Ronald M. Arndt
Zum Wohl. Genau. Ich habe schon mal gedippt.
- 05:56 Marco Weishaupt
Cheers.
- 05:56 Katharina Beatriz Varga
Auf die gute Idee.
- 05:58 Marco Weishaupt
Zum Wohl. Ja, und wie es bei vielen guten Ideen ist, sie brauchen natürlich auch Zeit. Und gerade wenn es darum geht, auch eine Immobilie erst einmal zu entwickeln.
- 06:11 Katharina Beatriz Varga
Also es stand noch nichts hier.
- 06:12 Marco Weishaupt
Das war grüne Wiese. Es stand gar nichts. Und ich habe das letztens gerade am Freitag, Entschuldigung, am Samstag hatten wir unsere 10-Jahres-Feier und da waren wir wirklich mit mit vielen langjährigen Mitarbeitern beisammen, habe die Story nochmals erzählt. Ich hätte ja wahnsinnig hohe Quoten gegen uns ausgesetzt, weil wir hatten kein Grundstück, wir hatten keine Ahnung von Hotels und wir hatten auch kein Geld in dem Ausmaß, wie es eigentlich nötig gewesen wäre.
- 06:38 Katharina Beatriz Varga
Ihr hattet beide keine Ahnung von Hotels, nicht nur du, sondern—
- 06:40 Marco Weishaupt
Beide, ein Bauleiter und ein einfacher Betriebswirt mit zwei linken Händen. Das ist eigentlich eine ungute Ausgangslage. Aber ich glaube, jung und dumm, in Anführungszeichen, mit einer gewissen Portion Naivität, auch nicht ganz fertig zu denken, was nicht meinem Naturellen entspricht, was da auf einen zukommen könnte, sind wir gestartet. Aber auch mit der Leichtigkeit: Das wird dann irgendwo wahrscheinlich versanden, weil irgendwo hängen wir dann fest. Ein wesentlicher Punkt, wieso wir hier heute sitzen, zwangsläufig, ist dieses Grundstück. Ich habe dann mitbekommen, dass ein Grundstück hier im Baurecht zu vergeben ist. Baurecht wirklich, dass man nicht a fort perdu voraussetzt, sozusagen den Grundstückspreis zu entrichten hat, sondern dass man sagen kann, man mietet das über 66 Jahre in unserem Fall und hat damit die Möglichkeit, Mittel sozusagen dann wirklich gleich schon in die Immobilie und in den Betrieb zu investieren und nicht nur in ein Stück Land. Und dann haben wir den Antrag gestellt, haben gesehen, das Grundstück gibt es, und sind zur Gemeinde und haben gesagt, schau, wir zwei, wir bauen jetzt ein Hotel und das ist das Grundstück, auf dem wir es bauen, und das gehört aktuell immer noch euch. Ein Baurecht wäre da genehm. Der Gemeindevorsteher kannte uns, hat uns mit einiger Verwunderung angeschaut und gesagt: Ihr beide, ein Bauleiter und ein Geschäftsführer der Sicherheitsfirma, baut ein Hotel? Wir konnten die Fragezeichen auflösen und sagten: Doch, so und so stellen wir uns das vor. Dann bekamen wir von der Gemeinde wirklich das grosse Vertrauen vorausgeschenkt. Auf diesem Grundstück ein Hotel überhaupt einmal planen zu dürfen, ohne dafür jetzt schon etwas bezahlen zu müssen. Und das war der Startpunkt Nummer 1. Dann hat man uns gefragt: Habt ihr eine Finanzierung? Bis heute sage ich: Lügen tut man nicht. Mein Freund hat dann die Retourfrage gestellt: Habt ihr wirklich die Meinung, dass, wenn wir keine Finanzierung hätten, wir hier um ein Grundstück ansuchen würden? Alle natürlich gesagt: Logisch nicht. War die Frage auch erledigt. Das Gleiche haben wir dann auch bei der Bank getan. Da haben wir dann schon gesagt, jetzt haben wir schon ein Grundstück. Bei der Frage nach den Eigenmitteln wird es wohl an den Eigenmitteln nicht fehlen. Okay, dann geben wir euch die Finanzierung. So sind wir dann eigentlich Stück für Stück vom Grundstück dann zur Finanzierung der Bank und dann irgendwie dann auch noch an die Eigenmittel gekommen mit zwei guten Freunden, um dieses Projekt hier auch wirklich von der Immobilienseite her entwickeln zu können. Und ja, das war natürlich ein längerer Prozess. Du hast gesagt, 2010 war die Idee und 2013 haben wir dann gewusst, wir haben eine Finanzierung und ein Grundstück.
- 09:18 Katharina Beatriz Varga
Habt ihr diesen Teufelskreis eigentlich gut ausgenutzt?
- 09:21 Marco Weishaupt
Ja, es wurde nicht einmal zu einem. Wir haben, glaube ich, dieses Spiel für uns gut gespielt. Und zwar auch seriös gespielt. Nicht so, aber ja, mit gesundem Optimismus, dass es dann schon irgendwie geht. Und das ist das, was sicher über die letzten 14 Jahre seit der Idee Für mich symptomatisch für dieses Projekt ist immer dann, wenn eine Türe aufgehen musste, dann ging sie auf. Das ist für mich wirklich im Nachhinein betrachtet phänomenal. Wenn man am Anfang eigentlich alle diese Themen vorweggesehen hätte, dann hätte man nicht drüber gesehen. Das wäre wirklich eine Mount-Everest-Besteigung und noch einiges drüber gewesen. So ging dann der Prozess los. Wie es meistens ist beim Bauen, es geht dann länger. Bewilligungsverfahren, Gestaltungsverfahren etc. Dann wurde die Ungeduld zu gross. Wir haben dann gesagt: Schau, jetzt Prospekte anschauen und andere Hotels besichtigen, alles gut und recht. Jetzt müssen wir handeln. Wir konnten dann in Seefellen, das ist hier über der Grenze, direkt gegenüber von Vaduz, dem Hauptort von Liechtenstein, ein kleines Stockwerk kaufen mit 200 Quadratmetern. Wir haben dort dann ein Labor eingerichtet, einen Echtzeitprototypen mit 8 Zimmern. Weil wir gewusst haben, wenn wir es falsch machen, dann vermögen wir es nicht, 57 Mal hier in den Ländern falsch zu machen. Dann lieber nur 8 Mal, das können wir noch korrigieren. Und das ging dann am 1. Mai 2014 sozusagen offen. Deshalb haben wir unser 10-jähriges Jubiläum, was den Live-Betrieb betrifft. Und ich denke, das feiern wir darum auch als wirkliche Geburtsstunde, weil da die ersten Gäste dann eingecheckt sind.
- 10:59 Katharina Beatriz Varga
Habt ihr es gefeiert, das 10-jährige Jubiläum?
- 11:02 Marco Weishaupt
Wir haben es gefeiert am letzten Samstag im internen Kreis. Genau. Und jetzt haben wir für den Herbst am Donnerstag das nächste Mal eine kleine Eventserie. Smart und unkompliziert. Keine Galas, aber einfach ein paar gemütliche Stunden beim Feierabendbier, jeweils am Donnerstagabend an 3, 4 unterschiedlichen Standorten.
- 11:23 Ronald M. Arndt
Auf jeden Fall an der Stelle Glückwunsch zu der tollen Entwicklung. Danke. Was ja einfach eine Unternehmerstory vor dem Herrn ist im Bereich der Hotellerie. Und jetzt, 10 Jahre später, steht b_smart auch an dem Punkt, ich glaube mit 26 Betrieben in Gänze, was ihr euch sicherlich auch nicht vorgestellt habt. Natürlich nicht.
- 11:45 Marco Weishaupt
Also eben, ich hätte hohe Wettquoten gegen einen Betrieb rausgelassen und noch mehr natürlich gegen irgendwie die Vision, die ich nicht hatte, dass es sich dann noch über mehrere Standorte verteilt und auch mehrere Geschäftsbereiche entstehen. Das war dann einfach der Lauf der Dinge, wie so manchmal. Es gibt dann diese Momente, wo es einfach läuft und wo man sieht, man trifft auch auf eine Situation, in der man gebraucht wird. Das ist für mich nach wie vor ein entscheidendes Moment, weil diese Sinnfrage letztlich genauso verantwortlich für den weiteren Verlauf unseres Unternehmens wie damals auch für das Gründen oder das Initiieren dieser Idee. Weil Wachstum war nicht unser Ziel. Das war ein Riesenwurf für uns, das hier alles zustande zu bringen an einem Ort. Und auch eine Risikoexposition. Da kommt keiner bei uns mit dem grossen Portemonnaie, sondern das war wirklich hart erspartes, auf Erbe eingelegtes Schuldenkapital, hier Eigenmittel einzubringen. Aber wir haben dann gesehen, das ging dann auf. Im Übrigen war dann klar von Anbeginn: Wir müssen es anders machen als andere. Das ist für den Entwicklungsmoment des Konzepts ganz wichtig. Weil wir wussten, wir wollen und werden keine 100 Zimmer bauen. Auch damals, wenn man Magazine gelesen hat, hat man immer gesehen: 70 Zimmer, eher 100, weil der Direktor und der Vizedirektor und der Stellvertreter des Vizedirektors brauchen Volumen. Wir haben gesagt: Erstens ist es uns nicht finanziell möglich, ein 100-Zimmer-Haus zu bauen, und zweitens sehen wir die Nachfrage in einem kleinen Dorf, das zwar ein attraktives Umfeld hat, aber letztlich ein Dorf ist und bleibt, für 100 Zimmer nicht. Diese 2G-Regel hat uns dann schon anständig straff spaziert gedanklich. Und dann war für mich klar, die Hotelbilanz wird vor allem nebst der Miete durch die Personalkosten beeinflusst, respektive die Erfolgsrechnung. Das heisst, wenn wir günstige Preise geben wollen und auch uns selbst ja eine Miete finanzieren wollen, dann müssen wir über die Effizienz kommen. Und so ist es dann gewesen, dass ich recherchiert habe, gesagt habe, okay, wie kann man auch mit nicht 70 Zimmern oder mehr eine Bilanz und eine Erfolgsrechnung produzieren, die für alle aufgeht, die für den Kunden aufgeht, aber auch für den Betreiber und den Eigentümer. An der Stelle hier war ich ja beides, Vermieter, Betreiber sozusagen. Und da kam dann der Self-Check-in ins Spiel. Und das war eigentlich dann die Geburtsstunde des Self-Check-ins, dass ich gesagt habe, da gibt es ein System, da muss man nicht 24/7, 7 Tage hier hineinsitzen und warten, dass am Sonntag dann vielleicht am schwächsten Anreisetag 10 Gäste kommen. Und Hier kamen dann zwei Kompetenzen zusammen. Ich hatte und habe bis heute wenig Ahnung von Hotelbetrieb, aber ich konnte 2, 3 Zahlen zusammenzählen. Ich wusste, wie eine Bilanz aussehen muss, damit sie funktioniert. Und ich hatte den Riesenvorteil, in meinem Leben schon einige 100 Nächte als Businessgast, also sprich als Vertreter unserer Kernzielgruppe, hier in Hotels verbracht. Und ich wusste, was die Pains und was die Convenience-Faktoren sind, eben später anzureisen und zu wissen, ich muss nicht irgendwo im Gebüsch nach meinem Schlüssel suchen. Und frühmorgens, wenn ich will, nicht eine halbe Stunde am Checkout zu verbringen und meinen Flieger zu verpassen. Das waren so die Experience-Faktoren, die ich einbringen konnte. Von der Seite habe ich das dann auch durchgedacht und gesehen: Okay, da stört nicht nur der Self-Check-in, der hilft eigentlich. Ich bin unabhängig, ich bin autonom, ich kann meine Reise eigentlich selbst auf meinen Zeitplan individuell abstimmen, kann auch früh wieder gehen, ohne auf jemanden warten zu müssen. Und so war das dann die Geburtsstunde des Self-Check-ins. Und das vielleicht noch vorneweg dazu. Zurück zur Frage, wieso dann Wachstum? Wir haben dann gesehen, dass wir halt in einer Phase sind, in der solche Konzepte wahrscheinlich durchaus gefragter sind als je zuvor. Und das haben wir nicht selbst herausgefunden. Das war dann einfach die Situation, dass wir immer wieder Anfragen, Anrufe bekommen haben, mindestens so viel wegen unserer 8 Zimmer in Seefallen. Weil das war eigentlich die USP.
- 15:58 Katharina Beatriz Varga
Self-Check-in.
- 15:59 Marco Weishaupt
Das war unser Prototyp. 8 Zimmer.
- 16:01 Katharina Beatriz Varga
Vor 10 Jahren.
- 16:02 Marco Weishaupt
Vor 10 Jahren, 1. Mai 2014. Und da haben wir wahnsinnig viele Anfragen bekommen. Unser Manager, den gibt es heute noch, den Peter Ritschen, haben wöchentlich 2, 3 Leute kontaktiert. Wir wollen das besichtigen. Wir müssen schauen, wie das geht, weil wir brauchen so was. Und da wurden wir hellhörig und haben gesagt: Warum denn überhaupt? Und haben den Markt verstehen gelernt und gesehen: Okay, Es gibt eine Statistik, und die Statistik, das wissen wir, die hat immer so viel Aussagekraft, wie man selbst an Analyse hinein investiert, die erst mal sehr positiv aussieht. Hotelverfügbare Nächte, gebuchte Nächte, die nehmen zu, und zwar seit vielen Jahren in ganz vielen Märkten. Auf den ersten Blick ein kerngesunder Markt, der wunderbar funktioniert. Zweite Statistik: Betriebssterben, also Anzahl verfügbarer Betriebe. Eine Erosion über viele Jahre. Fazit oder Summary: Hotellerie hat sich konzernisiert und Hotellerie hat sich urbanisiert. In Zürich finde ich heute, ich weiss nicht, 100 Konzepte, 50, ich weiss es nicht, aber ich habe Auswahl en masse, vom Budgetprodukt bis zum Luxuryprodukt. Aber 20 Minuten weg von Zürich, Kuhdorf, wie man bei uns sagt, 5000 Einwohner, letzter Betrieb. Schließt die Türe. Kein Interesse mehr, keine Nachfolgelösung etc. Und das war dann der Grund zu sagen: Okay, wir können auch mit 8 Zimmern, also können wir dort wahrscheinlich einen Mehrwert bieten und in eine Nische hineingehen, bei der uns viele gesagt haben: Das ist gar nicht bankable. Was tut ihr da? Und es stimmt, bankable ist es als Einzelbetrieb nicht, weil ein 8- oder 10- oder 20-Zimmer-Betrieb Ja, klein und sehr lokal strukturiert ist. Aber wenn man dann einige draus macht, einige Dutzend, dann kann es dann doch funktionieren. Und zwar als Gruppe dann auch.
- 17:53 Katharina Beatriz Varga
Aber es ist toll, wir müssen dir gar keine Fragen stellen und du erzählst einfach aus deiner Unternehmensgeschichte. b_smart, 26 an der Zahl gibt es in Liechtenstein, Schweiz und Österreich, richtig?
- 18:06 Marco Weishaupt
Genau.
- 18:06 Katharina Beatriz Varga
Was sind die Pläne? Wo geht es hin?
- 18:09 Marco Weishaupt
Klare Strategie, auch wieder dem Sinn folgend. Wir hatten jetzt die letzten Jahre wirklich viel zu tun mit dem Aufbau eines kleinen Portfolios, das wir jetzt selbst bewirtschaften, also die 26 Betriebe. Da vielleicht noch spannend zu wissen: Das sind 6 Hotels, wie wir es hier haben, und der überwiegende Teil, das sehe ich auch als unsere Kernkompetenz, sind wirklich Bed and Breakfasts. Die laufen bei uns dann unter Motel. Da gibt es b_smart Motel, Flexi Motel als Marken. Das ist unsere Kernkompetenz, wirklich mit 20, 30 Zimmern eine Region nahezu versorgen. Ich sage immer wieder, unsere Idee ist das Tante-Emma-Konzept. Zur Strategie zurück: Ein Trauf bei einem solchen Portfolio, das muss ich euch nicht sagen, der ist anstrengend, ist kostenintensiv. Zwischendurch noch ein bisschen Corona, zwischendurch noch ein bisschen Energiethemen. Und bereits vor 2 Jahren haben wir gesagt, auch wieder unter der Frage, wo können wir mit unseren bescheidenen Ressourcen den grössten Mehrwert liefern, dass es eigentlich gar nicht im Eigenbetrieb liegt, sondern es gibt schon tausende, aber tausende Betriebe, die heute eigentlich über die fertigen Strukturen verfügen, aber noch nicht vielleicht über das zeitgemässe und zukunftsgerichtete Konzept. Und wir haben bereits vor mittlerweile 8 Jahren, 2017, damit begonnen, unser Wissen auch zu teilen. Also wir haben gesehen, da gibt es einen Unternehmer 20 Minuten weg von hier, in der Zeitung gestanden, der baut jetzt ein Self-Check-in-Hotel. Und ich habe damals dem Peter Ritsch gesagt, ruf dort an. Weil der wird so viel falsch machen, wahrscheinlich wie wir. Nicht weil wir so schlau sind, aber wir haben die Fehler schon gemacht. Ruft den an und sagt dem, dass wir da vielleicht den einen oder anderen Tipp übrigens ohne Kostenfolge zu verteilen hätten, weil wir das jetzt schon zweimal gemacht haben. Und hieraus ergab sich dann die erste Kundenbeziehung, weil der gesagt hat, euer Wissen ist Gold wert. Da hätte ich mir jetzt Jahre um Jahre abverdienen müssen, um dieses Wissen zu erlangen.
- 20:07 Katharina Beatriz Varga
Also der war froh, dass ihr euch gemeldet habt?
- 20:09 Marco Weishaupt
Der war sehr froh. Vor allem auch, und das können wir heute noch ein bisschen thematisieren, unser Wissen liegt nicht in der Software. Wir nutzen Industrielösungen. Unsere Kompetenz, glaube ich, unsere bescheidene Kompetenz liegt darin, Digitalität in echte Lösungen umzusetzen. Und das geht bis zum Frühstück. Das ist dann eben nicht nur: Hey, wir machen da mit der KI deine Calls. Das ist das eine. Du musst diese Technologie dann auch in einen täglichen Prozess bis runter zum Frühstücksgipfel für den Gast herunterbringen. Und der war dann froh, hat er uns, weil es ihm einiges an Fehlern wahrscheinlich erspart. Hat. Zugleich hat er gesagt: Schau, ein solcher Self-Check-in kann zwar die Lösung sein, er kann aber auch zum Problem werden. Sage ich: Ja, weil den musst du dann auch 24 Stunden, 7 Tage bewirtschaften. Ich weiss das aus den ersten eineinhalb Jahren. Da war es meine Frau, weil für 8 Zimmer konnte man keinen Manager anstellen. Die war dann auch im Urlaub permanent auf der Suche nach WLAN. Und nach Mobilfunkempfang, um dann, wenn ein Gast abends Probleme hatte mit der Anreise oder eine Anfrage hatte, um den dann adäquat zu bearbeiten. Und das war dann eigentlich unsere Erkenntnis. Und die war geprägt übrigens aus meiner früheren Tätigkeit. Ich war eben Geschäftsführer einer Firma, die eine Sicherheitszentrale unter anderem betrieben hat und europaweit Kühlanlagen, Sicherheitsanlagen überwacht hat, zu sagen, okay, Dann lass uns das doch auch als Dienstleistung anderen gegenüber anbieten. Nicht nur diesen Know-how-Transfer, sondern dann vor allem auch zu sagen: Hey, 7 Tage, wenn das Telefon geht, wenn das E-Mail klingelt, wenn ein Incident ist, eine Störung kommt, dann übernehmen wir das für dich. Und du kannst auch deinen wohlverdienten Wertesonntag, deine freien Tage auch nutzen. Und so ist dieses Geschäftsfeld b_smart Services entstanden. Da dürfen wir heute mehr Betriebe bewirtschaften und unterstützen, als wir eigene haben. Da sind wir jetzt aktuell bei 30. Die Strategie liegt darin, unser Wissen jetzt in diesem Bereich und vor allem auch unsere Kapazitäten und Ressourcen in diesen Bereich zu investieren. Zu sagen: Okay, Eigenbetriebe haben wir. Wir wissen, wie diese Betriebe funktionieren. Dieses Wissen geben wir den Kunden auch eins zu eins weiter. Wir sind keine Theoretiker, wir sind auch keine Berater. Wir sind Unternehmer, die unser Wissen und unsere Ressourcen teilen zum Vorteil aller. Und so ist dieses Sharing-Konzept b_smart Services entstanden. Und dort möchten wir eigentlich in Zukunft die Partnerschaften ausbauen und diesen Bereich dann auch intensivieren.
- 22:43 Katharina Beatriz Varga
Und wie dürfen wir uns das vorstellen? Also b_smart, wie groß ist das Team? Und b_smart Hotels ist wiederum ein anderes Team wahrscheinlich. Also das eine ist 24/7, dann aufgeteilt, wer die Nachtschichten und die Tagschichten macht?
- 23:01 Marco Weishaupt
Das Schöne ist, wir sind unser immer noch größter Kunde, also einzelner betrachtet, also b_smart selbst. Die Hospitäler, die wir sie nennen, die eigenen Betriebe, sind Kunden von unserer Servicemannschaft, von unserem Serviceoffice. Und das Gleiche gilt dann für die Partnerbetriebe sozusagen. Ja, die arbeiten mit rund 35 Ich sage jetzt mal Vollzeitstellen. Da sind aber IT-Leute mit dabei, die schauen, dass diese Systeme laufen. Da sind die einzelnen Agents dabei. Da sind aber auch Leute für die Qualität drin etc., für die Entwicklung. Ein grosses Thema, können wir nachher noch kurz ansprechen. Dieses Team ist rund 30, 35 Mann und Frau stark und ist unser Herzstück. Wenn unser Herzstück funktioniert, funktioniert unser Unternehmen. Wenn unser Herzstück nicht funktioniert, dann haben wir ein Problem. Und ich kann das wirklich auch sagen, und das in aller Transparenz: Wir hatten heuer Anfang Jahr Aber einfach auch wachstumsbedingt hatten wir wirklich auch unsere Pains und auch unsere Qualitätsprobleme. Und das ist mir als Unternehmer wahnsinnig wichtig, eben Dinge auch nicht schönzureden. Ich denke, hier hören viele Hoteliers und Kollegen auch zu. Dinge schönzureden ist uninteressant. Ich finde es mindestens so spannend, auch darüber zu reden, was nicht funktioniert. Und wir hatten wirklich das Nadelöhr, dass wir nicht ausreichend Leute in schneller Zeit finden konnten, hat uns aber auch wieder weitergebracht. Wir haben kreativ und technologiebasiert neue Lösungen umso schneller forciert und dürfen heute wirklich sagen, dass wir rund 60 Betriebe 24/7 sozusagen vollumfänglich remote unterstützen und führen.
- 24:40 Ronald M. Arndt
Das ist eine wahnsinnige Zahl, 60 Betriebe zu unterstützen, aber allein schon 26 Betriebe in 10 Jahren aufzubauen, also eigene Betriebe. Wo steckt da unternehmerisch so ein bisschen das Geheimnis?
- 24:51 Marco Weishaupt
Gibt nur ein Wort für mich und das ist Teamwork. Also ich fühle mich hier auch in dem Sinne nur als Vertreter eines Teams. Wenn man Unternehmerstorys und Heldenstorys baut, dann bin ich eigentlich nicht dabei, weil der Held in dem Fall ist das Team. Da gibt es Leute, also eben das war ein hochemotionaler Moment da am letzten Samstag. Die sind seit 10 Jahren gut TV. Und das ist ein Knochenjob. Das muss ich niemandem sagen. Seit 10 Jahren hat die Tanja, hat die Elisabeth, das sind wirklich mit zwei der Ersten seit Motel. Da hatten wir nicht 50 Mitarbeiter, wir hatten 3. Und 2 davon sind am letzten Samstag respektive die eine vor einer Woche fürs Zehnjährige geehrt worden. Das ist der Erfolgsfaktor Nummer 1.
- 25:37 Katharina Beatriz Varga
Leute, die von Tag 1 dabei sind.
- 25:39 Marco Weishaupt
100%. Und ich sage auch eines aus tiefer Überzeugung: Je digitaler ein Konzept ist, desto mindestens so wichtig ist und bleibt der Mensch. Diese komische Unterstellung, dass Digitalisierung den Menschen sozusagen wegdrückt, an die glaube ich dann wirklich nicht. Bei uns übrigens auch von erster Stunde an war die Philosophie, Technologie nicht als Spielzeug zu nutzen. Ich bin zwar Mitgründer von b_smart, aber ich habe keine 3 Apps. Ich will Technik so nutzen, dass sie mir hilft, mich um das Wesentliche zu kümmern, nämlich um den Menschen. Das ist auch unser Konzept in einem Hotel wie hier. Hier ist die Phaedra Letrou in Bänden. Die ist hier Resident und hat das Glück, sich um den Gast kümmern zu können, weil im Serviceoffice viele Menschen parallel Buchungen machen, Abrechnungen schreiben oder Verträge tippen. Das ist unsere Idee: Technologie nicht einfach zu nutzen, weil wir technologieverliebt sind, Sondern wirklich als Mittel zum Zweck zu sehen, damit wir uns um die wesentlichen Dinge kümmern können.
- 26:42 Ronald M. Arndt
Ich habe auf der Webseite was gelesen mit—
- 26:46 Marco Weishaupt
Die ist übrigens bitte 8 Jahre alt und leicht modifizierbar.
- 26:51 Ronald M. Arndt
Schauen wir mal.
- 26:52 Katharina Beatriz Varga
Fragen zur Webseite.
- 26:54 Ronald M. Arndt
Sonst schneiden wir es raus.
- 26:56 Marco Weishaupt
Nein, nein, das passt perfekt. Wir sind immerhin in Progress.
- 27:00 Ronald M. Arndt
Temporäre Übernahme stand da irgendwo. Was bedeutet das?
- 27:06 Marco Weishaupt
Spannender Punkt. Der hat sich eigentlich aus der Geschichte ergeben. Und zwar hatten wir immer wieder Anfragen. Da ging es darum, dass Hotelliegenschaften weiterentwickelt oder teilweise auch verkauft werden sollten. Und das waren früher so Full-Service-Hotels mit allem, was dazugehört. Meistens städtisch, was nicht unser Markt ist. Warum ist städtisch nicht unser Markt? Weil wir sagen, da gibt es schon genug wieder. Wir sind eigentlich im Dorf daheim. Was sonst niemand tut. Und das waren Liegenschaften, die wollte man über 2, 3 Jahre entwickeln. Hat gesehen, eigentlich hätten die immer noch die Möglichkeit, betrieben zu werden. Aber wenn du einen Full Service baust, dann ist jeder Monat, den du es betreibst, einfach ein Verlustgeschäft. Und mit unserem Konzept konnten wir da jeweils relativ einfach onboarden, wie man das bei uns heute neudeutsch sagt, und konnten den Nutzern, Entschuldigung, also dem Ökosystem dort, den Gästen einen Mehrwert bieten, weil das Hotel noch buchbar bleibt oder blieb, je nachdem. Und auch dem Eigentümer einen Mehrwert stiften, indem man sagt, das Haus zerfällt nicht, es wird bewirtschaftet. Und wir konnten eigentlich relativ easy sozusagen ein solches Projekt dann in das Management nehmen. Das waren teilweise 2 Wochen oder 3 Wochen, die wir brauchten, von der Anfrage bis zum Going Live. Also das ist noch spannend.
- 28:25 Ronald M. Arndt
Auf meine Frage hin, wie man 26 Vertriebe aufbaut in 10 Jahren, hast du gerade gesagt Teamwork. Absolut. Aber da gehört ja ein bisschen mehr dann trotzdem dazu. Und deinem Banker hast du ja auch nicht immer die gleiche Geschichte erzählen können, dass ich habe schon das Grundstück.
- 28:38 Marco Weishaupt
Gut, dass du das erwähnst.
- 28:39 Ronald M. Arndt
Wie kann man da nachziehen in dieser Dimension?
- 28:42 Marco Weishaupt
Es ist nicht so, das ist super, dass du die Frage stellst. Mir ist das oftmals nicht mehr bewusst, weil es meine Innensicht ist. Hier in Benden haben wir die spezielle Situation, das war unser Local Project, das war unser Heimatprojekt.
- 28:55 Katharina Beatriz Varga
Da bin ich auch jeder willkommen. Also es Das hat ja auch jeder irgendwie einen Nutzen gesehen und gebraucht.
- 29:00 Marco Weishaupt
Genau. Und hier haben wir es auch selbst gebaut. Wir heißt ich und dann 3 Freunde, die uns hier unterstützt haben. Aber b_smart ist nicht so strukturiert, dass wir 26-mal Eigentümer sind, sondern im Umkehrschluss: Wir sind 26-mal Betreiber. Also selbst hier in diesem Haus, b_smart selbst ist eine Servicegesellschaft für sich und für Dritte. Und eine Betriebsgesellschaft. Das heißt, wir haben 26 Miet-/Pachtverträge, weil ansonsten relativ einfach wäre das, es wäre nach Projekt 1 fertig gewesen, weil schlicht die Eigenmittel gefehlt hätten, neue Hotels zu bauen oder sie reihenweise sozusagen zu kaufen.
- 29:46 Ronald M. Arndt
Aber über diesen Prototyp hier habt ihr es einfach geschafft, Betreiber auch in Pachtobjekten zu werden. Und das wurde natürlich dann auch zu halten vor anderen.
- 29:57 Marco Weishaupt
Genau, das wurde natürlich mit Betrieb zu Betrieb einfacher, weil man gesehen hat, das funktioniert. Die bezahlen seit 10 Jahren auch während Corona, die bezahlen ihre Miete. Das hat geholfen. Aber am Anfang natürlich für dieses Projekt war es nicht so, dass ich eine oder dass wir zwei damals eine Reihe von interessierten Investoren hatten. Da haben viele, by the way zu Recht, ich habe ja meine Wettquote zu Beginn gesagt, was soll das, in diese Wiese runter ins Dorf hinein 120 Betten zu stellen? Das ist ja dann schon irgendwo wagemutig. Das habe ich natürlich nicht viel gehört, im Nachhinein mehr gehört. Das hat mir damals niemand so gesagt, aber gedacht. Und dann natürlich mit zunehmendem Erfolg will ich nicht sagen, weil das ist dann immer auch die Frage, an was man es misst. Aber mit zunehmender Etablierung des Konzepts, dass man gesehen hat, das funktioniert und das geht auf und da ist Leben drin, hat natürlich auch die Vertrauens- und Glaubwürdigkeit zugenommen. Und wichtiger Punkt: Ich habe vorhin gesagt, dass wir auch schon unsere Downs hatten, eben was gerade unsere Service Office Performance betrifft. Ich habe einige Kunden gegenübergehabt und ich habe gesagt: Schau, wer Scheiße baut. Entschuldigung, kann man rausschneiden. Der steht auch dazu. Da bin ich selbst hingesessen und habe gesagt: Schau, wir sind mittendrin, wir haben das, das und das an Massnahmen. Das haben wir dann auch glücklicherweise schnell umgesetzt. Dann kam nur zurück: Schau, für mich gar kein Problem. Du hast mindestens 1000 Zimmer, die darauf warten, dass es perfekt funktioniert. Ich habe 20. Das ist für mich heute auch was Spezielles. Wir sind nicht Berater, die aus der Theorie was daherfaseln. Wir sind Unternehmer. Die Menschen, die sich für uns entscheiden, Hoteliers, Das sind auch Unternehmer. Und da hast du viele Verständnisfragen nicht zu klären. Wir sitzen im gleichen Boot. Wenn das Service Office gut läuft, haben wir alle was davon. Es ist zielharmonisch, es ist synergetisch. Und das ist für mich heute auch ganz wichtig. Und eben ein Erfolg für mich, an dem ich es messe, ist: Wir machen das jetzt 14 Jahre und eine solche Geschichte bedeutet auch mal, schwierige Entscheidungen zu treffen. Ich darf für mich sagen, Es sind keine Beziehungen zu Bruch gegangen. Im Gegenteil, es sind Freundschaften und gute Beziehungen dabei entstanden. Und das ist für mich mindestens so wichtig wie die reine EBIT-Betrachtung im monetären Sinn.
- 32:24 Ronald M. Arndt
Ihr scheint einen Weg gefunden zu haben, um Hotellerie zukunftsfähig einfach zu betreiben. Das definitiv mit diesem technologischen Ansatz, den Menschen dabei nicht zu vergessen. Da kann man schon mal auch Visionen für die Zukunft noch haben. Gibt es da so eine Zahl oder wie beim einen oder anderen Bier, was kommt da so manchmal hoch?
- 32:48 Marco Weishaupt
Also es gibt einen für uns eigentlich sehr konkreten Wachstumsplan. Da kann ich, das ist auch b_smart übrigens, b_smart steht für Transparenz, da kann ich nachher noch kurz was sagen. Wir reden nicht in Dimensionen, dass wir Tausende von Betrieben als Partnerbetriebe wollen und brauchen. Das ist gar nicht unser Case. Ich muss nach wie vor nicht der Größte sein. Das werde ich nie sein und will ich auch nicht. Das steht auch für unser Team.
- 33:13 Katharina Beatriz Varga
Aber die 100-Mann-Marke würdest du mittlerweile schon knacken, wenn jetzt jemand kommt?
- 33:18 Marco Weishaupt
Wir sind der Meinung, dass wir über die nächsten 5, 6 Jahre durchaus auf 100 bis 200 Servicebetriebe kommen wollen. Und das ist ein mehr als nur realistisches Ziel, weil wir haben jetzt 30. Und hatten nicht einmal Sales-Ressourcen. Also es ist einigermaßen okay und konservativ. Das passt aber auch zu uns. Und wenn es dann mehr wird, weil sich auch vielleicht nochmals technologische Entwicklungen ergeben, dann sehr gerne. Aber nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Wachstum dort, wo wir Sinn stiften und wo es auch für uns vertretbar und verträglich ist.
- 33:52 Katharina Beatriz Varga
Wie viele Zimmer hat das größte und wie viele das kleinste?
- 33:56 Marco Weishaupt
Das kleinste ist nach wie vor unser Prototyp in Seefallen, die 8 Zimmer. Wir haben noch einen zweiten, der 10 hat, und das größte hat rund 75 oder 80, ist aber symptomatischerweise eines dieser Pop-ups in der Stadt. In Aarau meine ich den Aarauerhof mit rund 75 Zimmern. Und das sind Projekte, die sind von Beginn an dann auf 3, 4, 5 Jahre ausgelegt und haben wirklich das Ziel, einfach diese Immobilie durch diesen Lebenszyklus in die nächste Phase zu begleiten und diese sinnvoll zu bewirtschaften.
- 34:31 Ronald M. Arndt
Ja, und ihr seid nach wie vor an vielen eurer Standorte noch der Einzige, ne?
- 34:36 Marco Weishaupt
Zwangsläufig, weil das ist immer noch nicht bankable, in Seefelden ein Hotel zu bauen. Von dem her ja. Was wir aber schon beobachten, und das ist eine spannende Entwicklung mit Corona, erkennen wir, dass gewisse Ketten doch Wachstumsdruck haben und dann doch auch ihre Konzepte, die sie eigentlich einmal für Großstädte oder sage jetzt mal Großagglomerationen gebaut haben, heute in die ländlicheren, kleinstrukturierten Regionen kopieren. Ich sage, glücklicherweise kann auf einem freien Markt jeder dann auch seine Entscheidungen treffen. Ich denke mir da oft, wie kommen 150 Leute in ein Kuhdorf, ohne dass es dann auch keinen Unsinn gibt. Ich will da gar nicht werten, aber ich stelle fest, dass diese Entwicklung— Unsinn heißt, dass es ein Überangebot ist. Ich habe immer den Anspruch gehabt, selbst in Seefallen— Seefallen ist ein 3500-Zellen-Dorf, die wollen keinen zusätzlichen Verkehr, die wollen keinen zusätzlichen Lärm, die brauchen auch kein Hochhaus und schon gar nicht künstlich generierte Sag jetzt Reisebus, Karawanen. Aber bitte ohne Wertung, einfach meine damalige und heutige Haltung. Deshalb haben wir gesagt, wir bauen jeweils das, was für den Ort aus unserer Sicht auch nahversorgungswürdig ist. Und das können 20 Zimmer oder 30 oder auch einmal 8 sein. Und mit diesem Konzept fahren wir natürlich auch entsprechend entspannt, weil was wir uns nicht so gewohnt sind, ist Zelte zu machen, weil wir eigentlich über dieses Tante-Emma-Konzept Grundnachfrage decken und über die Digitalisierung auch nicht über Strukturen verfügen, die 70, 80, 90% Auslastung brauchen. Bei uns hat ein gutes Motel 65, vielleicht einmal 70% Auslastung. Das funktioniert dann aber für alle richtig gut. Wir haben im Dorf jeweils den Bäcker, den wir mitnehmen, 3, 4 Teilzeitfrauen, meistens Damen, die bei uns reinigen. Die umliegenden 2, 3 Restaurants, die sagen: Hey, dank euch haben wir wieder 5, 6 Essen mehr pro Abend. Und den Taxifahrer, der sich auch freut. Von der Seite her finde ich es ein organisches und auch ökosystembasiertes Konzept. Das ist das, was mir gefällt. Andere würden es nachhaltig nennen. Wir leben es einfach so.
- 37:06 Katharina Beatriz Varga
Macht alle irgendwie glücklich. Be happy.
- 37:09 Marco Weishaupt
Ja, und das ist, glaube ich, auch ein Teil unseres Erfolgs.
- 37:14 Ronald M. Arndt
Ein Produkt, was natürlich am jeweiligen Ort mit den späteren Kunden auch irgendwo entschieden wird und entwickelt wird. Und man holt sich die Nachfrage da eigentlich schon rein, bevor man überhaupt angefangen hat. Ich würde gerne mal auf das Thema Digitalisierung, Automatisierung zu sprechen kommen. Über Check-in haben wir gesprochen. Ich glaube, AI hast du sogar schon fallen lassen als Schlagwort. Was denkst du da noch so? Muss ja noch nicht verfügbar sein, aber—
- 37:41 Marco Weishaupt
Also übrigens, immer noch ganz am Anfang steht die große, wirklich die nicht remote-fähige physische Leistung, heute ein Zimmer einfach einmal sauber zu haben. Und bei all der AI, das habe ich, ihr habt vorhin schon einen Podcast, habe ich gehört, gemacht, unter anderem mit solchen Personen auch schon diskutiert. Wer reinigt denn in Zukunft noch Zimmer? Alle wollen heute digitale, moderne Konzepte und wollen Roboter und KI. Aber sorry, ein Hotelzimmer lebt immer noch von der Hygiene. Die lässt sich beim Saugroboter vielleicht noch ein bisschen delegieren, aber beim Rest nicht. Das einfach vorneweg. Ich finde das ganz entscheidend. Wie gelingt es heute auch an 26 Standorten? Das hat mich gefreut bei unserem Mitarbeiterfeiern. Da waren ganz viele gute Fan. Die bei uns nicht outgesourcte Ressourcen sind, sondern die bei uns angestellt sind. Ich kann euch sagen, das ist nicht immer so einfach, rund 140 Reinigungsdamen und 2 Herren, die das übrigens schon lange und gut machen, jeden Morgen um 6 Uhr oder halb 7 dort zu haben und motiviert zu haben. Aber es gelingt. Das ist die mindestens genauso grosse Leistung wie remotefähige Prozesse und Strukturen aufzubauen. Übrigens war unser Frühstück Das wollte ich noch kurz sagen, bevor ich auf die Technologie komme. Das Frühstück war eine der grössten Challenges damals in unserem Prototyp mit 8 Zimmern. Warum? Wir wussten, wir wollten 4-Sterne-Standard von der Infrastruktur zu einem 3-Sterne-Preis, weil digital. Und zu dem gehört ein gutes, frisches Frühstück. Und jetzt kannst du wegen 8 Zimmern aber nicht um 5:30 Uhr in der Früh eine Frühstücksdame organisieren, die dann bis 10:00, 11:00 Uhr dort steht. Weil diese Personalkosten wirst du nie auf den Gast umzulegen haben. Und so war unsere große Überlegung. Und b_smart steht eben, das ist für mich symptomatisch für Prozessinnovation, nicht einmal für Digitalisierungskompetenz im Sinne der Eigenentwicklung. Und da haben wir lange überlegt und haben dann gesagt, okay, wir haben die Lösung. Das waren dann einige Flaschen Bier. Wir nehmen einen Export aus unserem damals noch sehr einfachen PMS. Und liefern um 3 Uhr früh unserem Bäcker des Vertrauens im Dorf eine Liste, datenschutzkonform. Das heißt, er weiß nicht, wer drin liegt, aber er weiß, wie viele. Und der bekommt dann von uns einen Schlüssel und kann zwischen halb 6 und Viertel nach 6 im Rahmen seiner Lieferung uns das frische Brot liefern. Tee, Kaffee, Wasser war ohnehin 24 Stunden zugänglich und das Frühstücksmöbel haben wir. Dann mit einem Schlüsselsystem versehen, schön beschriftet, dass du auch weißt, dass das, was am Abend oder am Vortag hineingelegt wurde, dann am Morgen auch noch drin ist und es nicht am Abend einer geplündert hat in der Community-Zone. Und dort dann unser Frischfrühstück sozusagen platziert. Und so haben wir es geschafft, dass auch im 8-Zimmer-Haus morgens um 6, als Businessreisender wichtig, weil du kannst dann gleich weiter, frisches Brot, frischer Kaffee und dann im Kühlmöbel von unserer guten Fee am Vortag sauber sortiert, frisches Fleisch, Käse, Butter, Milch, Joghurt etc. zur Verfügung stand und die gute Fee dann eben erst um halb 8, 8 einchecken musste. Was übrigens ein wichtiges Kriterium war, um gute Feen überhaupt zu finden, weil unsere gute Fee hat in der Regel 1, 2 Kinder, die wollen noch sozusagen am Morgen noch sauber verabschiedet werden, bevor sie in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Und so entsteht Lebensqualität und Effizienz. Dank einfachster Digitalität und ein bisschen Prozessinnovation. Das noch zum Thema Frühstück. Natürlich, wir versuchen jetzt gerade, diesen Technologieschub, der auch dank Corona entstanden ist— ich meine, das spricht nicht nur in der Hotellerie Bände, aber es brauchte auch in vielen anderen Industrien zuerst einmal eine solche doch historische Krise, um auch einen Investitionsschub auszulösen— den spüren wir. Das heisst, wir stehen jetzt im Projekt b_smart 2.0 mittendrin. Wir werden von unserer heutigen Systemlandschaft jetzt gerade den Wechsel vollziehen in die neue Welt. Die neue Welt hat dann, wie bei vielen anderen, das Mobile unter anderem bereits als Check-in und auch als Schlüsselsystem zur Wahl. Wir werden weiterhin hybrid fahren. Wir sind der Meinung, nur dieses Mobile hat Nachteile oder entspricht auch noch nicht gewissen Zielgruppen, die wir heute bedienen. Aber unser Ziel ist, dort jetzt diesen Systemwechsel nächstes Jahr zu vollziehen. Da sind wir mittendrin, haben ein Projektteam von 4 Leuten, die nichts anderes tun, und dann alle diese Systeme, die heute noch nicht drauf sind, in einem Eilzugstempo gut vorbereitet, sehr gut unterstützt zu migrieren. Das heißt, das wird ein großer Change nächstes Jahr. Schön ist, das sind keine Feldversuche, sondern wir laufen dort schon seit eineinhalb Jahren im Prototypmodus und wissen zum Glück, was wir tun.
- 42:45 Ronald M. Arndt
Das hat die Katharina schon vorher aufgezählt, in welchen Ländern ihr aktuell aktiv seid. Deutschland fehlt mir noch so ein bisschen auf der Karte.
- 42:52 Katharina Beatriz Varga
Stichwort Entwicklung, da wolltest du auch noch was dazu sagen. Da sind wir auch sehr neugierig.
- 42:57 Marco Weishaupt
Also eben Stichwort Entwicklung. Wir sind primär prozessgetrieben, darf ich wirklich sagen. Wir sehen uns nicht als Software Company, sondern wir sehen uns wirklich als technologiebasierten Servicedienstleister. Das heißt, wir nutzen Technologie, um Service entsprechend, egal ob am Endkunden oder für unseren Partner, um Service entsprechend effizient und gut liefern zu können. Und die Entwicklung bei uns liegt vor allem darin, diese vielen Systeme, die entstanden sind, auch jetzt wirklich gut gegenüberzustellen, kennenzulernen. Und was ja spannend ist, und das ist wahrscheinlich symptomatisch für viele Branchen: Früher kaufte man sich ein System und mit diesem System hattest du die vielzitierte eierlegende Wollmilchsau. Das ist sicher ein Riesen-Change, den wir auch als Unternehmen durchlaufen. Von dem Modell kommen wir weg. Die künftigen Digitalisierungsstrukturen sind agil, die sind vernetzt. Das hat Vor- und Nachteile. Das Schnittstellenmanagement wird zunehmen. Aber unser Fokus liegt wirklich darauf, jetzt die richtigen Systeme gut miteinander oder richtig miteinander zu verknüpfen, sodass Gast und auch unser Partner, wir auch selbst, den bestmöglichen Vorteil daraus ziehen können. Also das ist vor allem, sage jetzt mal, in unserer Entwicklung das große Thema. Und eben dieses Thema Mobile Check-in mit allem, was damit verknüpft ist, dass man eigentlich die ganze Gästereise dort auf dieses Mobile bringt und im Restaurant, also im Hotel, wo ein Restaurant verfügbar ist, gleich noch die Möglichkeit bietet, einen Tisch zu reservieren. Oder verrückt, heute müssen wir wirklich Firmenrechnungen noch manuell erstellen. Und ihr wisst, BW Business, dass wir viele Menschen haben, die nicht privat bei uns sind. Hat sich zwar nach Corona ein bisschen verschoben, aber immer noch ist es der überwiegende Teil. Und das wird künftig einfach möglich sein. Du kannst dann deine Mobile, deine Firmenadresse selbst so einrichten, wie du sie dann brauchst. Du bist schneller, du bist viel wirkungsvoller und belastet unsere Strukturen nicht. Also wirkliche Win-win-Situationen, die dort entstehen. Ein konkretes Beispiel noch schnell zur künstlichen Intelligenz: Wir arbeiten noch nicht mit dem Chatbot beim Endkunden, aber Wir sind dort schon relativ weit gereift, indem wir den Chatbot für das Ganze, Entschuldigung, die KI für das ganze Wissens-Knowledge-Database-Thema brauchen. Ihr müsst euch vorstellen, bis vor 3, 4 Jahren sind unsere Servicecenter-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter physisch die Betriebe abgefahren, um euch dann am Telefon Auskunft zu geben, wie es denn im Kreuz bei b_smart in Sachsen ausschaut, wie die Öffnungszeiten sind, wo die Elektroladestation steht etc. Und da haben wir dann auch festgestellt, das geht dann glaube ich nicht mehr, dass wir 30 oder 35 Mitarbeiter einfach 2 Wochen mal in den Urlaub schicken, um die Häuser kennenzulernen. Dort nutzen wir jetzt beispielsweise KeyEye als Knowledge Database, und das ist dann die Vorstufe, dass der Kunde dort, wo er es braucht, auch direkt mit einem solchen Tool kommunizieren kann. Uns aber wichtig, Er wird immer die Möglichkeit haben, das ist unsere Philosophie, wenn es ihm zu bunt wird, wirklich auch zu wechseln und zu sagen: Ich möchte jetzt die Katharina, den Franz oder den Marco am Hörer haben, um das einfach auch loszuwerden, auch emotional vielleicht sein zu dürfen, um diesen Weg zu gehen. Und zur Frage Länder: Bislang waren wir Deutschland, Österreich, Schweiz, Entschuldigung, Österreich, Schweiz und Liechtenstein. Und neu jetzt mit dem ersten Servicekunden seit 2 Monaten auch in Deutschland. Und ja, dort sehen wir durchaus natürlich—
- 46:37 Katharina Beatriz Varga
Auch eigene Häuser?
- 46:39 Marco Weishaupt
Nein. Nein.
- 46:40 Katharina Beatriz Varga
Also mit den eigenen Häusern bleibt ihr in Liechtenstein, Österreich und Schweiz?
- 46:44 Marco Weishaupt
Unser strategischer Fokus wird sein, die eigenen Häuser dort noch neu zu entwickeln, wo es auf der Hand liegt, wo vielleicht schon Beziehungen da sind, wo es wirklich einfach auf der Hand liegt. Aber wir haben vor 2 Jahren eigentlich die aktive Suche, die Standortsuche, das Development beendet, proaktiv von uns aus, weil wir gesagt haben, Wir sind nicht ein Konzern, der 100.000 und 200.000 Häuser braucht. Wir funktionieren so und sehen eigentlich, dass wir über die Service-Schiene viel besser unterstützen können, weil wir dort einfach schneller bestehende Strukturen, bestehende Gastgeber mit unserem Know-how und unseren Ressourcen boosten, unterstützen können. Und das Schöne ist, in diesem Modell, das stiftet wirklich Sinn. Wir konnten definitiv auch schon einige Nachfolgelösungen unterstützen oder sogar auslösen. Es gibt junge Gastgeber, es gibt sie. Also dieser Mythos, dass keiner, der irgendwie unter 50 ist, noch Gastgeber sein will, stimmt schlichtweg nicht. Aber diese Generation, und das kann ich nachvollziehen, ist nicht mehr bereit, einfach 7 Tage sich aufzuzopfen, damit Ende Jahr nichts übrig bleibt. Und wir haben viele junge Gastgeber, die sagen, ich bin Koch, ich habe mein Gasthaus, ich kann 4, 5 Tage wirklich alles geben, was ich, was ich kann, was ich gelernt habe. Aber ich bin kein Spezialist für Hotelsysteme, für Pricing, für Yielding, für Dynamic, whatever. Ich bin Koch und ich brauche einfach eigentlich die Zimmer, die 20, die noch oben sind, um meine Rentabilität, um mein Konzept auch wirklich umsetzen zu können. Und das sind so tolle Geschichten, wo wir sagen können: Weisst du was? Wir nehmen dir 7 Tage die Woche diesen Hotelteil ab. Sowohl Know-how, das wir reingeben, aber dann vor allem auch die Last, dass wir das abnehmen, 7 Tage erreichbar sein zu müssen. Du fokussierst dich auf deine Themen und wir unterstützen dich mit Hotel-Know-how oder spezifischem Technologie-Know-how von der Hinterhand sozusagen. Das sind coole Modelle und das ist Motivation. So viel zum Thema Sinn und Warum. Wieso wir auch wachsen wollen mit Services, weil es einfach schlichtweg Freude macht zu sehen, wie Gemeinden weiterhin Betriebe haben oder sogar neue bekommen und diejenigen, die drin arbeiten, Lebensqualität und aber auch, und das gehört einfach auch dazu im Unternehmertum, auch eine gewisse Wirtschaftlichkeit dann umsetzen können.
- 49:14 Katharina Beatriz Varga
Und das alles eigentlich ohne Hospitality-Background.
- 49:18 Marco Weishaupt
Da gibt es bei uns zum Glück viele Spezialisten, da braucht es nicht mich.
- 49:22 Katharina Beatriz Varga
Großartig.
- 49:23 Ronald M. Arndt
Großartig. Ganz lieben Dank.
- 49:26 Marco Weishaupt
Sehr gerne. Schön, dass ihr hier bei uns in Liechtenstein wart. Und ja, weiterhin viel Erfolg mit eurem Podcast.
- 49:33 Katharina Beatriz Varga
Danke.
- 49:34 Marco Weishaupt
Alles Gute.
- 49:35 Katharina Beatriz Varga
Und wir freuen uns schon auf Teil 2 nächstes Jahr, Marco.
- 49:39 Marco Weishaupt
Sehr gerne.
- 49:40 Katharina Beatriz Varga
Danke.