Max Luscher, Coffee, Brownies & Downies
Aufgenommen: Coffee, Brownies & Downies, Oberursel
Germany49 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir müssen eine faktische Inklusion herstellen. Und faktisch heißt, wir müssen die Menschen im Alltag wiedersehen.“
Max Luscher, 05:38
Max Luscher hat nach acht Jahren bei KPMG und einer Station bei B&B Hotels in Oberursel das Café Coffee, Brownies & Downies eröffnet, in dem 11 Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten. Er erklärt, warum er Inklusion betriebswirtschaftlich angeht, wie er sich durch das Förderwesen gearbeitet hat und warum es ein Café und kein Hotel geworden ist. Dazu das Ziel von 100 Betrieben per Franchise und was Hotels und Betriebskantinen davon übernehmen könnten.
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Kernaussagen
- 11 Arbeitsplätze geschaffen: Seit dem 1. August arbeiten im Café 11 Menschen mit Schwerbehinderung und 4 bis 5 Mitarbeiter ohne Schwerbehinderung im Team. Bei Google steht das Café bei 4,8 von 5 Sternen.
- Kein Gehalt für Gesellschafter: Luscher und sein Geschäftspartner Roland zahlen sich kein Gehalt aus und haben eigenes Geld investiert, das sie als Rente zur Seite gelegt hatten. Der Betrieb soll sich selbst tragen und Gewinn erwirtschaften.
- Mietvertrag vor Förderbescheid: Den Mietvertrag haben sie fast ein Jahr vor dem Förderbescheid unterschrieben und dabei Investitionskosten von mehreren 100.000 Euro riskiert. Als Inklusionsbetrieb bekommt man je nach Bundesland bis zu rund 50 Prozent der Investitionskosten zurück.
- 0,5 Prozent Vermittlung: Aus Werkstätten werden pro Jahr 0,5 Prozent der Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Für Luscher ist das der Beleg, dass Inklusion über Werkstätten faktisch nicht stattfindet.
- Rechnung für Arbeitgeber: Ein Arbeitgeber mit rund 200 Arbeitsplätzen zahlt ohne schwerbehinderte Mitarbeiter fast 50.000 Euro Strafabgabe pro Jahr. In Hessen gibt es zusätzlich bis zu 13.000 Euro Prämie, wenn ein Mitarbeiter zwei Jahre im Betrieb bleibt.
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Transkript öffnenTranskript schließen49 Min · Ronald M. Arndt und Max Luscher
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:00 Katharina Beatriz Varga
Also wir sind ja heute hier im Coffee, Brownies and Downies in Oberursel bei dem lieben Max.
- 00:05 Max Luscher
Hallo, herzlich willkommen.
- 00:06 Katharina Beatriz Varga
Vielen, vielen Dank, dass wir das hier machen können. Ich bin ja heute Morgen schon ein bisschen früher hier angekommen und bin ja mit so einem herzlichen Willkommen hier begrüßt worden. Und ich als nicht so wirklich Early Bird war schon für meine Verhältnisse echt früh unterwegs und habe mir nur gedacht, boah, also ich glaube, hier komme ich morgens öfter her.
- 00:24 Max Luscher
Weißt du, schön richtig in your face, ja?
- 00:26 Katharina Beatriz Varga
Ja, genau.
- 00:27 Max Luscher
Guten Morgen.
- 00:27 Katharina Beatriz Varga
Ja.
- 00:28 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Es ist hell, es ist freundlich, es ist schön, hier zu sein.
- 00:31 Katharina Beatriz Varga
Und es, also ich muss auch wirklich sagen, man fühlt sich auch sofort wohl. Das ist ja noch nicht mal, bevor eine Ansprache oder bevor einen guten Morgen gesagt wird und du hier reinkommst und die Atmosphäre schon spürst. Das machen ja die Menschen hier aus, dass bevor ein Austausch stattfindet, dass du dich eigentlich schon willkommen fühlst.
- 00:51 Max Luscher
Dann haben wir nicht alles komplett falsch gemacht.
- 00:53 Katharina Beatriz Varga
Im Gegenteil. Ja, mitgebracht habe ich auch den Alex, unseren Co-Host beim Hotel-Podcast.
- 01:01 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Genau, erstes Mal jetzt auf Deutsch auch, aber das versuchen wir, das klappt.
- 01:04 Katharina Beatriz Varga
Ja, Max, wir haben ja schon festgestellt, dass wir den holländischen Akzent sehr charmant finden.
- 01:08 Max Luscher
Finden wir super, aber bitte beim Fußball ab jetzt schlechter spielen, wir müssen wieder gewinnen.
- 01:12 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Ja, genau, aber das passiert doch immer schon, kein Problem.
- 01:16 Katharina Beatriz Varga
Also wir würden eigentlich gerne mit dem Warum anfangen. Wie bist du mit deiner internationalen Hotelkarriere bei B&B, du warst Sommelier in der Karibik, also du hast so viel Erfahrung Erfahrung in der Hotelbranche und auch durch deine Ausbildung oder dein Studium, was ja ein wirtschaftliches Studium war, diese, das Warum quasi vom Weltenbummler zum Sozialunternehmer auf dem Niveau, wie ihr das hier macht, über, ja, wie bist du auf die Idee gekommen?
- 01:55 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Und vielleicht dann noch am wichtigsten, warum ein Café und kein Hotel?
- 02:00 Max Luscher
Naja, also erstmal herzlich willkommen noch mal, schön, dass ihr da seid, weiß ich sehr zu schätzen. Wir brauchen Aufmerksamkeit fürs Thema Inklusion, weil es nach wie vor ein Tabuthema in Deutschland ist. Insofern bitte liken, teilen, mitmachen, finde ich klasse. Tja, wer nichts wird, wird, wird. Insofern sind wir jetzt hier. Ich bin Gastronom wieder geworden, oder Gastronom, nein, ist natürlich eine berechtigte Frage. Ich glaube, es sind mehrere Punkte, die zusammengekommen sind. Auf der einen Seite hatte ich super, super Jobs in den letzten Jahren, davor bei der KPMG den Bereich aufgebaut für Hotel-, Gastronomie-, Immobilienberatung.
- 02:38 Katharina Beatriz Varga
Dann also die ganze Bandbreite eigentlich, die du—
- 02:40 Max Luscher
die ganze Bandbreite, im Ausland unterwegs gewesen, dann eben eine Station bei B&B Hotels, die ich absolut galaktisch fand, konnte mir nichts Besseres vorstellen. Aber ich glaube, alles hat auch so ein bisschen seine Zeit. Also ich bin nicht einer, der irgendwie am Stuhl klebt und dann irgendwie Wenn man denkt, man hat alles getan, was man für richtig hält, dann sollte man auch was anderes machen. Insofern ist 8 Jahre witzigerweise auch bei mir im Leben so ein Zeitraum, der schon— ich war 8 Jahre bei der KPMG, 8 Jahre bei BNB, 8 Jahre davor operativ im Hotel- und Gastronomiesegment unterwegs. Ich wollte auch was Eigenes machen, was Selbstständiges machen. Meine Kids sind gerade auch in dem Alter, die beiden Jungs sind 13, meine Tochter ist 15, wo ich einfach auch ein bisschen mehr Zeit mit denen verbringen wollte. Wollte und möchte und auch tue, tatsächlich.
- 03:28 Katharina Beatriz Varga
Das hat schon mal geklappt.
- 03:29 Max Luscher
Ja, wobei die eine Tochter ist nach Kanada verkauft worden für ein Jahr und jetzt seit einem halben Jahr weg. Aber zumindest davor konnte ich sehr viel Zeit mit ihr verbringen, was mir wichtig war. Nein, ich wollte auch was Selbstständiges machen, was Eigenes machen. Und dann ist man natürlich am Überlegen und dann kommt eben das Thema auch zur Inklusion. Warum Inklusion? Warum Sozialunternehmer? Ich glaube, wir haben viel zu wenige sozial orientierte Unternehmer. Ich glaube, oftmals ist das Thema auch falsch gedacht in Deutschland. Dass es sozial romantisch ist. Ich glaube, dass wenn man es betriebswirtschaftlich angeht, dass sich Dinge selber tragen und profitabel sind, kann man eine ganz andere Reichweite erreichen, ohne Leute auszunützen. Wir nützen hier überhaupt niemanden aus, sondern die Mitarbeiter arbeiten hier sehr gerne und werden fair bezahlt, kriegen tolles Trinkgeld, haben absoluten Purpose, genauso wie die Mitarbeiter ohne Schwerbehinderung, die hier mitarbeiten. Nein, eins meiner Kinder ist schwerbehindert, von Zwillingsjungs. Der eine hat eine halbseitige Körperlähmung seit Geburt an, also kein Down-Syndrom. Downie sich bei uns ja nur stellvertretend für Menschen mit Schwerbehinderung, und wir sehen einfach jeden Tag, wie unfair das Leben für ihn ist. Er macht es genial, er geht sogar fechten. Wenn er in der Schule lernt, schreibt er gute Noten, lernt er nicht, schreibt er schlecht. Also ist ein ganz normales Kind im Endeffekt, aber dennoch merkt man, dass Inklusion so in Deutschland eigentlich überhaupt nicht stattfindet. Nach dem Kindergarten geht es schon auseinander. Also im Kindergarten wird man noch inklusiv quasi betreut und danach Förderschule für Menschen mit Schwerbehinderung, weil die Inklusion in die Regelschulen so gar nicht stattfindet, zu wenig Lehrer, zu wenig Sozialarbeiter und so weiter. Und hinterher ist eben festgelegt der Weg dann in Werkstätten oder andere Themen. Und ich will Werkstätten nicht bashen, aber ich glaube, mittlerweile haben viele in Deutschland auch erkannt, dass das System der Werkstätten, so wie wir es aufgebaut haben, eigentlich gar keine Inklusion ist, sondern das Gegenteil von Inklusion, weil die Leute ja separiert werden. Man sieht Menschen mit Schwerbehinderung überhaupt nicht mehr im Lebensalltag. Ja, wir haben sie als, als Sonderthema Spezialisten gegeben, Sozial- und Sonderpädagogen. Und Achtung, wieder kein Bashing dieser Leute, sondern es sind geniale Leute, die ja ihr Leben dafür aufwenden, anderen Leuten zu helfen.
- 05:36 Katharina Beatriz Varga
Die es ja auch braucht an der Stelle.
- 05:38 Max Luscher
Die es auch braucht, definitiv. Ganz viele Leute mit Schwerbehinderung brauchen das. Aber ich glaube, wir müssen es anders machen. Wir müssen es, wir müssen eine faktische Inklusion herstellen. Und faktisch heißt, wir müssen die Menschen im Alltag wiedersehen. Ich glaube, jeder Privatwirtschaftler, jeder Kleinwirtschaftler und Mittelständler muss Inklusion betreiben, sonst findet es nicht statt. Und das sehen wir viel zu wenig. Wir haben deswegen Coffee, Brownies and Downies hier ins Leben gerufen, seit 1. August letzten Jahres geöffnet, sehr zufrieden. 4,8 von 5 Sternen bei Google, damit wahrscheinlich das beste Gastronomiekonzept im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Und das als dusseliges Café in Oberursel, sage ich immer ganz gerne. 11 Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung geschaffen, 4, 5 Mitarbeiter ohne Schwerbehinderung arbeiten zusammen als Team. Wir haben uns überlegt, wir wollen wirklich den Premium-Service Herzenswärme anbieten durch tolle Mitarbeiter, die stolz sind, hier zu arbeiten. Gleichzeitig kommt man eben rein, es soll eine tolle Atmosphäre sein, eine Wohlfühlatmosphäre. Bei uns hängen Sessel von der Decke, Sofas von der Decke, wir haben runde Sitzecken, eine Sofalandschaft, Zugabteilsitze, wo man ein bisschen separiert sitzen kann. Die gastronomische Leistung muss eben aber auch stimmen, das haben wir zu oft im Inklusionsunternehmen in Deutschland gesehen, die gemeinwirtschaftlich betrieben wird, werden, dann stimmt am Schluss die Leistung nicht und die Leute kommen nur einmal aus Sozialromantik und kommen sie nicht wieder. Und ich glaube, das haben wir ganz ordentlich hinbekommen hier. Das Team um die Katrin, die Betriebsleiterin, machen fantastischen Job. Also wir kriegen tolles, tolles Feedback, sind auch sehr zufrieden von der betriebswirtschaftlichen Entwicklung. Wir wollen, dass es sich selber trägt, aber natürlich kann uns auch jeder in nah und fern unterstützen. Komm vorbei. Am besten zum Mittagessen, ist der große Bon. Die Gastronomen brauchen den großen Bon, das ist viel nominale Profitabilität. Aber natürlich kann man zum Beispiel auch unseren Kaffee online kaufen, unsere Kaffeebohnen, Espressobohnen, gerade auch im Bürobereich, ne, der Meetingraum im Headquarter der Hotelkette, da kann man unsere Bohnen reinmachen. Wir haben kleine Aufsteller dazu, wir unterstützen Coffee Brownies and Downies. Natürlich, unser Kaffee ist schweineteuer, aber der gut ist, und B, weil eben sozialer Kurs auch hinten dran ist. Aber man kann eben auch im Kleinen für sich entscheiden, und am Schluss glaube ich, gibt es in nach wie vor sehr viele Leute, wo es egal ist, ob die 250 Gramm für 9 Euro oder 10 Euro kaufen. Insofern, das ist so ein bisschen, was wir vorhaben. Darüber hinaus noch viel mehr. Und wir sind eigentlich ganz froh, dass wir das letzte Jahr so gut hinbekommen haben. War anstrengend. Und jetzt kann es weitergehen.
- 08:09 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Wir hören viel über Personalmangel. Wie ist das hier dann, um Personal zu finden? Ist da eine Warteliste für Personal oder können Sie die leicht finden?
- 08:19 Max Luscher
Also ich fange mal so an.
- 08:21 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Auf Mitarbeiter ist doch ziemlich viel.
- 08:24 Max Luscher
Wir haben in Summe bestimmt mittlerweile, wir zählen es gar nicht, also wir führen keine Liste, das können wir gar nicht. Dafür müssten wir jemanden einstellen, der Listen führt. Dafür haben wir kein Geld und keine Zeit. Aber wir haben bestimmt über 300, 350 Bewerbungen mittlerweile bekommen. Und das wieder für ein Café in Oberursel. Der Durchschnittsgastronom kriegt keine Bewerbungen. Und da sind auch viele Bewerbungen dabei, für eben die Jobs für die Kollegen ohne Schwerbehinderung. Das heißt also nicht nur, dass wir quasi, dass die Behinderten Deutschlands sich jetzt hier in die Schlange stellen, sondern tatsächlich auch viele Menschen ohne Schwerbehinderung. Als wir dann eben die Betriebsleitungsrolle vergeben haben, hatten wir wirklich viel zu viele, viel zu gute Bewerbungen auf dem Tisch. Und mein Geschäftspartner und ich saßen da und, wen nehmen wir denn jetzt eigentlich? Also wir wussten relativ schnell, wen wir nehmen wollen, die Katrin, die den Laden hier auch leitet, weil wir es von Anfang an gespürt haben, sie ist die richtige Person mit der richtigen Erfahrung, richtigem Mindset und so weiter. Aber da waren wirklich auch viele andere Kandidaten dabei, wo wir uns überlegt haben, denen absagen zu müssen.
- 09:21 Katharina Beatriz Varga
Wie können wir dieser Person denn auch noch irgendwie eine Position geben?
- 09:25 Max Luscher
Und deswegen, nee, da sind wir sehr zufrieden. Zeigt eben auch, wenn man es vielleicht anders aufbaut, ja, mehr Sinnhaftigkeit in die Arbeit steckt, dann passt es. Und zu deiner Frage von vorhin noch mal, Alex, die habe ich noch nicht beantwortet: Warum kein Hotel? Ich habe über das Thema Hotel-Inklusion, es fällt tatsächlich schon oft nachgedacht. Es gibt ja auch gute Beispiele. Grüße an Christian Helferich und seine Frau Jutta vom Anna-Sophie in Künzelsau, die auch Privatwirtschaftler sind. Ehrlicherweise wahrscheinlich nicht eine schwarze Null erwirtschaften müssen. Also die machen einen Mega-Job dort, aber natürlich Familie Wirth vielleicht mit einem anderen Budget dahinter. Absolute Vorreiter, machen das genial. Jedes Mal, wenn ich dort bin, geht mir das Herz auf. Absolut Spitzenklasse.
- 10:04 Katharina Beatriz Varga
Ja, in einem Hotel wäre ja auch noch mehr Fachkräfte, Möglichkeit, auch bei einem Krebs noch mehr.
- 10:12 Max Luscher
Für mich beißt halt eben sich an der Stelle eigentlich die Menschen, damit sie Wirkung erzielen können mit Schwerbehinderung, brauche ich Jobs, die sehr serviceorientiert sind. Weil einfach nur zu sagen, die Zimmermädchen oder die Zimmerreinigungskräfte sind schwerbehindert, das finde ich ein bisschen zu einfach. Da bin ich halt in einem Segment unterwegs, Konferenzhotel, Restauranthotel und so weiter, wo ich dann vom Grunde her wieder in wenig profitablen Segmenten unterwegs bin, weil es vielleicht dann auch nicht ganz zu einem Kettenbetrieb passt. Im Kleinen ja, aber im Großen eher nicht. Und dann bin ich halt am Schluss wieder dabei, ich muss viele Probleme auf einmal lösen und wahrscheinlich kriege ich dann gar kein Problem richtig gelöst und habe hinterher einen hochdefizitären Betrieb. Eigentlich müsste ich ja sagen, ich nehme Budgethotel, die hoch profitabel sind, und versucht, da Mitarbeiter mit Schwerbehinderung reinzubekommen. Da habe ich aber gar keine Customer-Facing-Jobs wirklich, digitaler Check-in und so weiter. Deswegen, für mich beißt sich das noch ein bisschen. Vielleicht komme ich irgendwann mal drüber hinweg. Im Moment bin ich es noch nicht. Da gibt es auch ein paar Entrepreneure draußen, die das versuchen. Ich wünsche denen alles Gute und bin gerne bereit zu helfen, wenn jemand meine Hilfe haben möchte. Ich kenne mich so ein bisschen bei Hotels aus, aber eben auch bei diesem Kaffeekonzept hier. Es kamen von Anfang an Leute her, haben gesagt, ja, seid ihr auch regional und noch Bio und noch nachhaltig und noch vegan und noch keine Ahnung was, und kleine Katzen werden auch nicht umgebracht oder wie auch immer.
- 11:30 Katharina Beatriz Varga
Was alles noch so wichtig ist.
- 11:32 Max Luscher
Nee, wir lösen ein Problem und es ist nicht mal für alle Menschen mit Schwerbehinderung. Also wir tun schwer, Rollstuhlfahrer haben wir nicht eingestellt, weil ein Teil der Fläche tatsächlich auch nicht barrierefrei ist und auch das Lager unten nicht barrierefrei. Und es würde einfach nicht gehen. Wir haben zum Beispiel keine blinden Mitarbeiter eingestellt, weil wir uns, da haben wir zu hohen Respekt dafür, sagen dann auch, vielleicht ist die Lösung, die wir anbieten, eben dann nicht für aber für die, wo es passt, ist es vielleicht eine sehr gute Lösung. Ich glaube, wir müssen weg, das ist so ein bisschen eine deutsche Fundamentalkritik, Verzeihung dafür, bin ich vielleicht mittlerweile bekannt dafür, ich liebe Deutschen, aber wir machen einfach so viel.
- 12:09 Katharina Beatriz Varga
Du bist der einzige Deutsche hier am Tisch, ich bin Österreicherin.
- 12:12 Max Luscher
Okay, jetzt geht's los, Achtung, anschnallen. Nein, wir Deutschen haben einen Ansatz, immer die ethisch-moralische bessere Lösung, die besser durchdachte Lösung zu haben. Dadurch haben wir uns in der Welt mittlerweile sehr unbeliebt auch gemacht, und am Schluss kommen wir immer mit einer Regel, eine Thema Corona und andere Themen, dass wir quasi schlauer sind wie alle anderen, aber das Ergebnis führt dazu, dass nichts mehr funktioniert. Wir erfinden eine Regel, die alle Eventualitäten abdeckt, aber am Schluss dazu führt, dass es nicht gemacht wird. Und es ist das gleiche Thema mit dem Förderrahmen für Inklusionsbetriebe, gerade in der Gastronomie. Der Förderrahmen der öffentlichen Hand ist sehr gut. Es gibt Fördermittel, deswegen machen wir es ja auch und bieten auch Franchise an, können wir nachher noch mal drüber sprechen, weil wir andere mitnehmen wollen, sagen, Achtung, der Staat unterstützt das, wir als Gesellschaft unterstützen dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Aber die Regeln sind so kompliziert, dass es keiner macht.
- 13:06 Katharina Beatriz Varga
Da ist der Staat auch zu leise, oder, mit dem Thema? Da müsste er eigentlich doch auch viel lauter sein, um das rauszuschreien.
- 13:13 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Aber sie schaffen es trotzdem.
- 13:15 Max Luscher
Wir haben es trotzdem gemacht. Wir haben uns einmal durchgeprügelt durch das Förderwesen, und wir können sagen, es ist da. Es sind halt Absurditäten wie, wir haben den Mietvertrag unterschrieben quasi fast ein Jahr, bevor wir den Förderbescheid bekommen haben. Das heißt also, welcher Privatperson Wirtschaftler ist denn so bekloppt und sagt, ich gehe ein Jahr lang in Investitionskostenrisiko von wirklich mehreren 100.000 € hier in diesem Café? Wir haben drauf vertraut, insofern wollten wir es auch einmal zeigen. Wir können auch sagen, das klappt im System. Haben tolle, arbeiten tolle Mitarbeiter, die uns sehr geholfen haben, beim Landeswohlfahrtsverband in Hessen beispielsweise in Kassel, wirklich beste Grüße, super. Aber es gibt halt kein Kleingedrucktes zu den Förderbedingungen, du musst ganz viel Vertrauen auch mitbringen, und das natürlich in einer bürokratisierten Welt ist dann wieder schwierig. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir müssen einfacher werden. Wir müssen weg von den Lösungen, die für alles gelten, hin zu Lösungen, die 80% funktionieren und da richtig, richtig gut sind an der Stelle. Und ja, der Staat macht da überhaupt keine Werbung, weil halt auch eigentlich nicht betriebswirtschaftlich gedacht wird. Werbung ist ja eine Disziplin der Betriebswirtschaft im Endeffekt. Und wenn ich mir da überlege, an was liegt es? Ich habe natürlich auch viele Leute kennengelernt. Ich war im Bundestag, habe mit Abgeordneten diskutiert, weil wir tatsächlich das Thema der Inklusion nach vorne bringen wollen. Das Café ist ja nur ein Mittel dazu an der Stelle. Naja, meine Erkenntnis ist folgende: Die Sozialpolitiker in den relevanten Parteien— eine Partei ist für mich nicht relevant, mit denen rede ich nicht, er hat eine blaue Farbe— werde ich auch nie mitreden. In anderen Parteien sind die sozial orientierten Politiker auch meistens aus dem sozial orientierten Umfeld. Das sozial orientierte Umfeld in Deutschland ist eben, ich sag mal, Studienrichtungen, Ausbildung und so weiter, wo Betriebswirtschaft vom Grunde her nie eine Rolle spielt. Und wenn wir dann mit unserem Gründerkonzept hingehen und sagen, Achtung, wir müssten es doch mal anders machen, dann war die erste, erste—
- 15:23 Katharina Beatriz Varga
anders, da stocken sie schon auch bei mir, meinem Familienkreis von, von Sozialpädagogen.
- 15:29 Max Luscher
Max, also lass mich noch mal genau verstehen, dann wollt ihr auf dem Rücken Schwerbehinderter Geld verdienen? Allein diese—
- 15:35 Katharina Beatriz Varga
Dann haben sie es aber nicht verstanden.
- 15:37 Max Luscher
Na ja, aber es zeigt ja auch das, was in den Klamotten hängt. Das heißt, wir Deutschen denken, dass soziales Engagement und betriebswirtschaftlich nicht zusammengehört. Und diejenigen, die es machen, nutzen Systeme aus. Ich glaube, das ist falsch.
- 15:51 Katharina Beatriz Varga
Ja, absolut.
- 15:52 Max Luscher
Also ich zahle mir hier null Gehalt aus. Mein Geschäftspartner auch nicht. Halt, lüge ich. Wir haben uns, glaube ich, einmal ein Minijobgehalt ausgezahlt, dass wir einmal registriert sind als Geschäftsführer. Wir ziehen hier überhaupt kein Geld raus, wir wollen, dass dieses Ding hier läuft. Wir hatten die Möglichkeiten, das zu machen, und zwar ohne dass wir jetzt irgendwie stinkreich sind. Aber ich bin zu meiner Frau hingegangen, habe gesagt, Achtung, uns geht's gut, ich habe gutes Geld verdient in meinen letzten Jobs, auch ein bisschen auf die Seite legen können. Habe gesagt, Schätzelein, schau es dir einmal an, das war unsere Rente. Und sie hat gesagt, jawohl, das Richtige, was zu tun ist an der Stelle. Insofern haben wir es getan. Aber lange Rede, kurzer Sinn, wir Deutschen sind a) kaum noch Entrepreneure, ja, und auch nicht mehr mutig. Wir sind überhaupt nicht mehr mutig, wirklich Und ja, ich würde mir wünschen, dass vielleicht unser Projekt dazu beiträgt, dass Dinge sich verändern.
- 16:41 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Ja, ich müsste nicht zu negativ werden, aber ich bin seit 12 Jahren aus Holland nach Deutschland gekommen und Unternehmer und denke auch von, boah, 12 Jahre lang schwer, schwer als Unternehmer zu sein in Deutschland.
- 16:57 Katharina Beatriz Varga
Ja, das Land macht es dir nicht leicht.
- 16:58 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Genau das. Perfektionismus, alles muss genau richtig stimmen. Aber wie erfahren Sie es jetzt, seit einem Jahr eröffnet, glaube ich, oder seit einem halben Jahr? Und wie läuft es bis jetzt? Geht es gut voran? Ist die Politik oder in Oberursel auch gefreut, dass es eröffnet ist?
- 17:21 Max Luscher
Dann fange ich mal mit Oberursel an. Also hier war ja in den Flächen davor ein Einzelhändler drin, ein Intersporthaunus vor vielen Jahren auf 3 Etagen. Die sind dann irgendwann mal rausgegangen in diesem Sporthaus-Kaufhaus-Sterben. Dann war Nachnutzer drin, der jetzt auch noch in einer Etage über uns ist, auch ein Warenhaus, ein kleines, was aber eher sehr zielgruppenspezifisch war. Das heißt, es hat ja eigentlich hier mit dem Innenstadtleben wenig zu tun. Und ich glaube tatsächlich, Oberursel ist jetzt ja auch nicht riesig, wir haben hier die beste Lage an der Kreuzung der beiden Einkaufsstraßen quasi.
- 17:54 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Das denke ich auch. Ich habe es in 30 Sekunden gefunden.
- 17:58 Max Luscher
Genau, Lage, Lage, Lage, auch hier, ne. Und die Lage ist natürlich teurer wie die um 2 Ecken, wo Leerstand ist, aber wir wollten hier rein, und der Vermieter hat uns dann auch sehr geholfen, als er es mitbekommen hat, hat uns mega unterstützt. Noch mal vielen Dank dafür. Also es unterstützen auch Leute. Das Feedback, was wir bekommen haben, ist, eigentlich haben wir Oberursel aufgewertet. Und das soll jetzt gar nicht egoistisch klingen, aber ich glaube, die Fläche hier bespielt, schön bespielt, mit einem guten Zweck bespielt, draußen haben wir 40 Sitzplätze im Sommer und so weiter, sind einfach alles Dinge, die werten die Stadt auf, im Gegensatz zu einem möglichen Leerstand oder irgendeinem Billigheim oder wie auch immer die reinkommen. Insofern haken dran. Das ist gut. Für mich das Wichtigste sind die Menschen. Wir haben wirklich ein tolles Team. Da gab es jetzt noch mal die letzten Veränderungen, ist glaube ich ganz normal, ne. Man findet sich als Team zusammen, beim einen passt, beim anderen passt nicht. Deswegen, wir sind da total zufrieden. Die Gästezufriedenheit habe ich schon erwähnt, 4,85. Also unser hehres Ziel ist auch, auf 4,9 zu kommen, aber es gibt halt leider immer wieder ein paar Arschgeigen, die einem eine schlechte Bewertung reindrücken. Vielleicht vielleicht oftmals aus, aus, also ohne Absicht, ne. Also einer hatte mal geschrieben, irgendwie tolles Ambiente, komme auf jeden Fall wieder, und macht bei Ambiente 3 von 5 Punkten. Wo ich dann auch sage, also wenn das 3 von 5 Punkte sind, wie sehen dann 2 von 5 Punkten aus?
- 19:18 Katharina Beatriz Varga
Oder in deren Augen dann eben mehr.
- 19:21 Max Luscher
Da muss man sich auch locker machen, alles gut. Insofern Kundenzufriedenheit passt auch. Und zu den betriebswirtschaftlichen Zahlen, da sind wir natürlich noch viel am Lernen, wir sind am Nachbasteln. Im Sommer, im August, mit draußen Terrassengeschäft, ist der Umsatz gefühlt 50% höher wie im Saure-Gurken-Monat November, wo die Leute alle ihr Geld erstmal zusammenhalten für die Weihnachtsgeschenke und Weihnachtsmarkt. Aber haben da tolle Ideen entwickelt. Wir haben jetzt zum Beispiel auch eine Mittagskarte eingeführt mit wechselnden Tagesgerichten. Wir haben ein paar Produkte dazu genommen, paar andere runter. Also sind wir noch so ein bisschen am Basteln. Man kann uns auch mieten für exklusive Feiern, also die Räumlichkeiten natürlich ein bisschen zu unseren Bedingungen. Das heißt von 18 bis 21 Uhr, danach müssen unsere Mitarbeiter halt nach Hause. Es gibt dann halt nicht irgendwie à la carte, sondern eher ein Schöpfgericht, meistens unsere Kartoffelsuppe, die nach einem Rezept vom Sternekoch immer wieder ganz gut nachgekocht wird. Die Perfektion des Sternekochs Markus Pape, beste Grüße, kriegen wir nie hin, aber die Suppe schmeckt. Und da hatten wir tatsächlich auch jetzt vor Weihnachten wirklich viele Feiern und jetzt auch hier oder da mal wieder ein paar Sachen. Wenn wir das gut aufgebaut bekommen, dann sind wir absolut on track.
- 20:31 Katharina Beatriz Varga
Max, kannst du benennen, wie ihr das hinkriegt, diese Atmosphäre hier zu schaffen, also zwischen Menschen mit und ohne Handicap? Wie, also habt ihr deine, guidet ihr das, du und der Roland, oder habt ihr da ein eigenes Konzept, oder wie kriegt man sowas hin?
- 20:54 Max Luscher
Ob wir, also ob Roland und ich das guiden, natürlich, also wir sind ja die Gesellschafter hier von dem Unternehmen, wir arbeiten zwar beide operativ nicht mit.
- 21:03 Katharina Beatriz Varga
Ja, und dann wäre die Frage, wie guidet ihr das? Klar, dass ihr es guidet.
- 21:05 Max Luscher
Ja, am Anfang haben wir sehr viel noch mitgearbeitet, ersten Monat, ne, da war viel los, Team muss sich erst finden, und dann wirklich jeden Monat sukzessive weniger, und eigentlich seit 3 oder 4 Monaten gar nicht mehr. Also ich mache ein bisschen irgendwie gefühlt 6 Stunden in der Woche Admin-Themen, um der Katrin in der Betriebsleitung Rücken freizuhalten. Roland ist morgens immer da, wenn er seine Kinder in Schule gebracht hat, schaut nach dem Rechten, ob er irgendwo was basteln kann, irgendwie Schilder aufhängen, hin und her. Aber eigentlich arbeiten wir operativ nicht mit. Nein, Ich glaube, es ist schon auch eine Grundhaltung von uns, dass wir mit beiden Beinen im Leben stehen, hier jetzt nicht Profit rausquetschen müssen im Sinne von alles scheiße und wir müssen mehr Geld verdienen oder so was. Insofern, ich glaube, wir leben das schon irgendwo ein bisschen vor, aber am Schluss sind es tatsächlich die Menschen, die das hier selber machen.
- 21:47 Katharina Beatriz Varga
Und das Vertrauen, das ihr in die Menschen auch habt und dass die was an euch spüren lässt.
- 21:52 Max Luscher
Ja, total. Also wenn man hier reinkommt, die eine Mitarbeiterin umarmt einen erst mal, beim anderen gibt es High Five, der nächste lacht sich tot, dass die Eintracht wieder verloren hat und ich ein langes Gesicht ziehe.
- 22:02 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Was vor kurzem hier passiert ist.
- 22:04 Max Luscher
Oh, es passiert viel zu oft hier. Also kurzer Time-Stop, heute Abend spielen wir in Bremen, und liebe Bremen-Fans, ihr müsst tapfer sein. Wir müssen Bremen echt 4:0 putzen gehen, anders wird es sonst nichts mehr. Aber das ist jetzt eher nur ein Wunsch von mir, verzeihen. Nein, es sind einfach tolle Leute am Schluss. Ja, und man muss natürlich bei der Zusammensetzung der Teammitglieder ein bisschen drauf schauen. Also ein Beispiel bei den Stellenanforderungsprofilen, da haben wir jetzt auch keine Rocket Science draus gemacht. Wir haben gesagt, ah, die Mitarbeiter mit Schwerbehinderung, Punkt 1, sie müssen alleine arbeiten Und da fallen natürlich viele weg, die mit nur Teilhabeassistenten arbeiten können. Punkt Nummer 2: Sie müssen mobil sein. Also Gastro, 6 Stunden am Stück arbeiten, ist so ein bisschen auch die Minimumschicht, die wir haben. Sonst lohnt es sich nicht, sonst ist zu wenig Anwesenheit auch da. Das muss man leisten können. Und wir sagen, die Mitarbeiter müssen auf Englisch well-groomed sein. Also wenn einer kommt mit der dicksten Schuppenflechte oder so was, ist halt Gastro, das geht halt nicht. Insofern, ja, da fallen auch wieder Leute weg. Und ja, das ist dann ethisch, moralisch vielleicht verwerflich, dass wir Leute nicht berücksichtigen können, aber das geht dann halt nicht an der Stelle. Ja, ich kann ja auch keinen Anästhesisten einstellen, der Parkinson hat. Ja, also lass den die Nadel setzen, viel Erfolg. Insofern, da haben wir drauf geachtet, dass eben auch die Mischung der Kollegen zueinander passt.
- 23:21 Katharina Beatriz Varga
Also wie ist denn die Mischung, also prozentual?
- 23:25 Max Luscher
Wir haben, wie gesagt, um die 11 Köpfe ohne Schwerbehinderung Jobs geschaffen. Wir haben 4, 5 ohne Schwerbehinderung, also 11 mit, 4, 5 ohne und dann noch viele Aushilfen außenrum. Insofern ist immer eine bunte Mischung, sage ich jetzt mal ganz salopp, die da zusammenpasst. Und ich glaube, es ist auch wichtig von den Behinderungsausprägungen her. Also es arbeiten ja nicht nur Menschen hier mit Down-Syndrom, sondern wir haben, glaube ich, 3, 4 Kollegen mit Down-Syndrom. Jede Behinderungsform hat so ein bisschen ihre Stärken und Schwächen. Also ich sage immer ganz salopp, mit einem Kollegen mit Down-Syndrom draußen die Sommerterrasse aufzubauen im Sinne von, ist schon seit 3 Monaten da, hier ist der Plan, kann alles lesen, alles verstehen. Das können viele nicht, ist auch völlig in Ordnung, müssen sie gar nicht können. Die sind super im Service, super freundlich, herzlich, so ein bisschen Aushängeschild vielleicht auch an der Stelle für unseren Betrieb. Auf der anderen Seite haben wir einige Kollegen dabei, die haben Autismus und so weiter. Wir haben auch viele Kollegen, da wissen wir gar nicht, was sie haben, geht uns ja auch ehrlicherweise gar nichts an.
- 24:30 Katharina Beatriz Varga
Müsst ihr das nicht wissen? Also nicht, was sie genau haben.
- 24:32 Max Luscher
Den Grad der Behinderung und so weiter für die Förderanträge müssen wir wissen, aber also ich tue mich allein schon schwer, da gibt es hier halt hat eine körperliche Einschränkung, seelische Einschränkung, steht dann auch zum Teil nicht mehr auf den Schwerbehindertenausweisen drauf. Wir achten ein bisschen drauf, dass eine psychische Beeinträchtigung eher nicht dabei ist, weil Gastronomie lebt halt dann auch von einer gewissen Lockerheit irgendwo. Also ich glaube, hochdepressive Menschen oder so was, da ist das auch wieder leider nicht das Richtige. Die eierlegende Wollmilchsau. Aber nein, ich kann nur sagen, das Team ist super, die machen das genial. Da geht mir das Herz auf, wenn ich die sehe.
- 25:10 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Wie ist die Resonanz von Familien von Mitarbeitenden? Ich meine, die freuen sich vielleicht auch, weil es ist nicht immer leicht, um eine Arbeitsstelle zu finden mit einer Behinderung. Oder haben die alle vorher irgendwo anders gearbeitet?
- 25:25 Max Luscher
Nein, nein, nein. Es ist tatsächlich eine Erleichterung. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass viele Familien mit Kindern mit Schwerbehinderung dann bis die bei uns sind, 20, 25, 30 Jahre alt oder sowas, die haben natürlich auch, ich sag mal, einen längeren Weg hinter sich, wo sie viele negative Erfahrungen gemacht haben, eine gewisse Skepsis vielleicht bekommen haben, weil einfach das System so ist, dass die Kinder in eine Richtung geschoben werden, ja, also Förderschule, Reha-Ausbildung, dann die Werkstätte und dann eigentlich kaum noch Chancen auf den ersten Arbeitsmarkt. Deswegen, also tatsächlich ist das Managen der Angehörigen außenrum tatsächlich was, was man nicht unterschätzen sollte, weil man ja nicht dann nur mit seinen 11 Köpfen Mensch mit Schwerbehinderung kommuniziert, sondern hinten dran noch mal mannigfaltige andere Personen. Und tatsächlich muss man eben auch am Schluss immer wieder die Grundvoraussetzungen eines Arbeitsplatzes im ersten Arbeitsmarkt schildern. Ja, das ist so. Und zwar ist es, ich muss pünktlich sein, ich muss irgendwo eine gewisse Arbeitsbereitschaft haben, ich muss eine Anleitungsbereitschaft sein, dass wenn jemand was mir anleitet, dass das auch akzeptiere. Und da haben wir leider auch gesehen und auch Erfahrungen machen müssen, viele Menschen mit Schwerbehinderung haben, wenn sie noch nicht gearbeitet haben, halt, ich sag mal, tagesstrukturierte Themen wie ein Sportverein, eine Theatergruppe oder wie auch immer. Das ist denen sehr wichtig, so rüber definieren sie sich. Und dann kann es mal natürlich dienstplantechnisch auch zu einer Kollision kommen, ja. Auch wir haben samstags offen, sonntags absichtlich geschlossen, damit wir da eben auch freinehmen können und bei den Familien sein können. Aber man muss schon klar machen, Achtung, samstags kann ein Regelarbeitstag sein, und wir wollen nicht drüber diskutieren, dass es 3 oder vielleicht sogar 4 Mal im Monat sein kann. Wir versuchen immer drauf zu achten, dass es nur maximal 3 Mal ist. Aber hey, es ist am Schluss Arbeit in der Gastronomie. Und wenn man dann mit Familien spricht, die da eher unerfahren sind, und dann eben sich auch vielleicht der Familienrhythmus sehr stark ändert an der Stelle, kann das Ganze wirklich auch diskussionsfreudig werden. Und dann muss man eben immer wieder auch sagen, Achtung, was kann ein solcher Betrieb überhaupt leisten? Und da können wir immer nur sagen, wir können leisten, die Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, wir können leisten, dass es den Leuten hier hoffentlich gut geht, dass sie hier mit Spaß dabei sind, dass sie auch ihr Geld bekommen. Ja, wir haften dafür, dass Leute ihr Geld bekommen als Arbeitgeber. Punkt, aber müssen eben auch sagen, Achtung, vielleicht ist es dann drüber hinaus auch nicht arg viel mehr.
- 28:05 Katharina Beatriz Varga
Ladet ihr die Familien auch ein, um hier den Alltag der Mitarbeiter oder deren Familienmitglied mitzukriegen?
- 28:12 Max Luscher
Also nicht absichtlich, nein.
- 28:14 Katharina Beatriz Varga
Frühstücksgutscheine, kommt einmal im Monat vorbei und schaut euch an, wie das hier läuft.
- 28:18 Max Luscher
Nee, tatsächlich, also ich glaube, die meisten waren sowieso schon mal da, die Angehörigen mal abholen, selber mal vorbeigehen im Sinne von, hey, wir haben alle samstags frei, wir gehen hier mal frühstücken. Der Arbeit die Tochter oder wie auch immer. Das heißt, wir haben die meisten Angehörigen schon kennengelernt. Aber auch da jetzt, ne, du sagst Frühstücken, Frühstücksgutschein hin und her, wir planen als erste Privatwirtschaftler Deutschlands im gastronomischen Bereich, Hessens garantiert, Deutschlands meines Wissens nach auch, einen wirtschaftlich sich selbst tragenden und Gewinn erwirtschaftenden Betrieb auf die Beine zu stellen in einem sonst hochdefizitären Umfeld von Betrieben. Deswegen kann ich nur sagen, das klingt so toll, hey, kriegt ihr alle mal einen Frühstücksgutschein, Das kostet alles Geld.
- 29:02 Katharina Beatriz Varga
Ja, genau. Ich habe eher gemeint, so als dieses Verständnis zu wecken und das Vertrauen zu gewinnen.
- 29:08 Max Luscher
Wir haben uns alle kennengelernt.
- 29:08 Katharina Beatriz Varga
Auch von jetzt Familienmitgliedern, die da ohne Erfahrung drangehen.
- 29:13 Max Luscher
Die haben uns kennengelernt, die kommen vorbei. Also natürlich in der Gründungsphase, als es noch nicht gab, haben wir uns außerhalb kennengelernt, miteinander gesprochen. Nach 6 Monaten, die waren alle mal da, sie haben sich alle mal angeschaut. Haben sehr positives Feedback.
- 29:28 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Ist es nach 6 Monaten, ist es da, wo es sein muss, wo die Idee war, oder gibt es noch Änderungen in der Firma oder Optimisierungen oder sonst was?
- 29:41 Max Luscher
Grundsätzliche Veränderungen haben wir überhaupt nicht vor, es sind lauter Kleinigkeiten. Also wir haben jetzt zum Beispiel gerade eine freche Aktion draußen gemacht, die haben wir uns abgeschaut von anderen Gastronomen. Also wir haben ja, ich sag mal, ein paar Gerichte, ein Club-Sandwich ist wahrscheinlich das höchsttrabendste Gastronomische. Wir haben ein tolles Salat, einen Caesar Salad, wir haben so eine Art Chefsalat, heißt bei uns Lieblingssalat, wir haben vegetarisches Sandwich mit Grillgemüse, wir haben Birchermüsli, also wir haben Waffeln, total lecker, Waffeln mit Radieschen, Frischkäse und Räucherlachs dazu, Salat, total geil, schmeckt total lecker. Ist auch so ein bisschen Product Innovation gewesen, hat glaube ich sonst niemand außer uns.
- 30:17 Katharina Beatriz Varga
Ja, ich hatte schon die Qual der Wahl heute Morgen, ich konnte mich schon nicht entscheiden.
- 30:21 Max Luscher
Hast dich gut entschieden, Birchermüsli ist auch gut, aber nein, da sind wir so eher am Basteln und wir haben dann uns eben abgeschaut, wir haben uns gekauft eine Flasche Dom Pérignon 2011 oder sowas, sauteuer im Einkauf, liegt bei uns im Keller kalt abgeschlossen und haben einfach mal ein freches Schild draußen hingeschrieben, irgendwie die freche Coffee, Brownies, Downies Aktion, irgendwie Downies und Dompi oder so. Ich weiß gar nicht, für was wir uns final entschieden haben. Eine Flasche Dom Pérignon Jahrgangs-Champagner gereift mit 2 Gläsern, musste selber aufmachen die Flasche, mit 2 Club Sandwiches für glaube ich, ich weiß nicht, 699€ oder wie auch immer. Da kann man jetzt denken, jetzt sind sie völlig durchgedreht. Passt aber, glaube ich, auch zu uns. Und wenn man mal ehrlich ist, also wenn nicht im Umfeld nördlich von Frankfurt, wo Rechtsanwälte wohnen, hin und her. Hey, mal ganz ehrlich, wie viele Leute geben bei Business-Lunches in Frankfurt, wenn sie was zu feiern haben, wirklich ohne mit der Wimper zu zucken, das aus? Und wäre das nicht ein geiles Statement, wenn man sagt, Achtung, die nächste Großtransaktion, die die großen Rechtsanwaltskanzleien machen, die alle hoffentlich hier zuhören, bitte alle zuhören, auch die Hotelketten. Kommt alle nach Oberursel, ihr habt die Hotelkette. Ihr macht euer Closing Lunch dann statt einem Closing Dinner und ihr kommt her und schreibt davor, Max, statt einer Flasche Champagner bitte 2 Flaschen kaufen, wir kommen zu zehnt oder wie auch immer. Hey, ist das nicht mal ein geiles Statement, statt zum Edelitaliener in die Alte Oper zu gehen? Klammer auf, da ist auch geil. Klammer zu. Das wollen wir erreichen. Wir wollen wirklich Leute zum Nachdenken bringen, weil ganz ehrlich, ich glaube, 6,99 € der Preis, ich weiß gar nicht, dann die Flasche im Einkauf kostet glaube 3,50 €, 4 €. So, das heißt, verdienen wir da richtig viel Geld in Sachen Gastro-Markup? Nee, überhaupt nicht. Aber nominal, hey, wenn wir nominal Cash einen Profit von 300€ jede Woche vielleicht zusätzlich dazu bekommen, können wir vielleicht noch einen Arbeitsplatz schaffen am Schluss. Wir wollen Leute zum Nachdenken bringen. Und es ist auch ganz interessant, so ein bisschen aus dem familiären Umfeld genauso wie aus dem Arbeitsumfeld Natürlich haben ganz viele Leute gesagt, es waren auch schon total viele Leute da, nicht nur einmal, sondern mehrfach. Ich mache ja auch immer gerne Postings auf LinkedIn. Finde schon interessant. Ganz viele Leute haben mir Stock und Stein geschworen, sie kommen sofort vorbei, hin und her. Hey, 6 Monate später, sie waren nicht da. Hey, nehmt eure Kollegen, kommt zum Mittagessen her, macht's einfach. Nach 6 Monaten hast du wirklich keine Ausrede mehr. Da kannst du wirklich sagen, Freunde, war ich da oder war ich nicht da?
- 32:47 Katharina Beatriz Varga
Irgendwie kann man sich die Zeit ja schon mal nehmen. So schwierig ist das ja nicht.
- 32:50 Max Luscher
Oder die Rechtsanwälte, die Unternehmensberater, die Hotelketten einfach zu sagen, hey, finden wir eine geile Idee? Ab jetzt, wir beziehen für die kleine Gästekaffeemaschine im Konferenzraum, nicht, nicht der Frühstücksservice im 400-Zimmer-Kettenhotel, da sind wir viel zu teuer, aber für dieses Kleine an die Bar, da kommt, haben wir sowieso einen saugeilen Espresso, sowieso einen teuren, da machen wir den rein, Aufsteller hin, jeder kann unterstützen. Faktisch sind wir total happy, es waren super viele da, die haben super geholfen, wir könnten jetzt auch noch einen gemeinnützigen Verein da nehmen. Wo Leute reinspenden können, damit wir weitere Arbeitsplätze schaffen können durch Expansion oder andere Dinge. Aber tatsächlich geht da, glaube ich, noch viel mehr, dass Leute einfach sagen, hey, verdammt noch mal, finden wir eigentlich eine echt coole Geschichte. Wo können wir helfen? Was kann man tun?
- 33:40 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Ja, um hier hinzukommen, wir sitzen gerade in einem Privatraum, naja, in großem Raum, aber man kann da auch noch Verträge unterschreiben, sage ich mal, das feiern und dann Absolut.
- 33:52 Max Luscher
Kleinen Konferenzraum haben wir jetzt, weil es die Fläche hergegeben hat, einbauen lassen, auch mit einem Screen, den man benutzen kann. Und wir haben tatsächlich so 2, 3, 4 Mal die Woche wirklich eine kleine Gruppe, Arbeitsgruppe. Man kann hier zumachen, ist jetzt nicht schalldicht, also ist jetzt nicht Fort Knox der Vertragsverhandlung, aber mal ganz ehrlich, man kann ja auch die Kirche ein bisschen im Dorf lassen. So, und vielleicht einfach, hey, Event mit einem kleinen Team, wo man irgendwie einen Sitzungstag hat. Wir verlangen da auch kein großes Geld für. Wenn eine Gruppe, also wir hatten jetzt eine Anfrage, wo 4 Leute irgendwie den ganzen Tag da sind, da sagen wir, ja gut, dann machen wir bitte 100 € am Tag oder oder sowas, weil nominal können die nicht so viel essen, dass sich lohnt, und 3 andere Gruppen können nicht reinkommen. Aber vom Grunde her wollen wir hier, ohne Raummieten groß zu verlangen, vielleicht dann mal schon, aber vom Grunde her nein, hey, wie toll ist es, Frankfurt, hör zu, Wiesbaden, Mainz, da gibt es so viele Unternehmen da draußen, überlegt euch, selbst wenn ihr mich persönlich blöd findet, dann findet wenigstens die Idee gut, kommt vorbei, unterstützt uns.
- 34:48 Katharina Beatriz Varga
Das kann ich mir kaum vorstellen, Max.
- 34:51 Max Luscher
Manchmal findet ja selbst meine Frau mich blöd. Insofern wäre das ja mehr wie nachvollziehbar.
- 35:00 Katharina Beatriz Varga
Ich würde gerne noch auf eure Ziele zu sprechen kommen. Du hast das schon ein paar Mal angedeutet. Zukunft, Zukunft, Zukunft, die Zukunft von Coffee, Brownies und Downies. Wie sieht denn die Zukunft von diesem Franchise-Modell aus?
- 35:14 Max Luscher
Bevor wir zum Franchise kommen, vielleicht so, was das Ziel, also das Ziel ist tatsächlich, Wir wurden mal gefragt am Anfang, 100 Betriebe haben wir dann gesagt, wäre geil. Warum sagen wir 100? Na ja, weil man halt nicht 42 sagt. Irgendwie 100 ist eine coole Zahl. Und wenn es in Oberursel funktioniert, Oberursel ist ja nicht groß, 40.000, 45.000 Einwohner, viele davon eher so Schlafdörfer außenrum, die gar nicht fußläufig jetzt hier ins Café kommen könnten. Also insofern, wenn es hier funktioniert, funktioniert es überall. Klammer auf, bis auf Offenbach. Aber das ist ein Frankfurter Witz. Sorry nach Offenbach, ich mag euch gerne.
- 35:44 Katharina Beatriz Varga
Wir haben es ja in Oberursel, brauchen wir nicht nach Offenbach.
- 35:46 Max Luscher
Nein, ich liebe Offenbach. War nur ein Eintracht-Witz, Verzeihung dafür. Nein, aber wenn es hier funktioniert, dann funktioniert es in 100 Städten, dann in Gütersloh, in Münster, in Mainz, spielt gar keine Rolle. Dann hätten wir 100 mal 10 Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung geschafft, sind dann 1000 Arbeitsplätze. Ändern wir damit schon die Welt? Nee, ändern wir nicht. Wir wollen tatsächlich dieses Thema der Inklusion in der Arbeitswelt, das wollen wir plakativ voranbringen.
- 36:11 Katharina Beatriz Varga
Aber das würdet ihr ändern, ne? Der kleine Schritt in der Welt, aber der große Schritt in der Inklusionswelt.
- 36:16 Max Luscher
Ja, wir wollen gerne mit der Politik diskutieren, wir wollen gerne in die FAZ ein politisches Schreibgespräch mit einem Vertreter der Inklusionsbranche oder so was. Also da sind wir auch am Machen. Nachher kommt wieder das Fernsehen vorbei und dreht hier und so weiter. Also uns geht es, wir wollen wirklich das große Rad drehen, was völlig vermessen ist. Aber hey Freunde, Tabuthema, lasst uns anpacken. Helft bitte mit. Think big, absolut an der Stelle, weil im Endeffekt, wir müssen diese Art und Weise der Inklusion verändern. Ja, und wenn wir es schaffen, hier plakativ das zu verändern, das ist wunderbar. Ich habe mal so ein bisschen als mein Ziel von formuliert, ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann mal sonntagsabends bei Anne Will sitze in der Diskussionsrunde zum Thema Inklusion im Arbeitsleben. Ich kann daran nicht scheitern, es gibt Anne Will im Talkformat nicht mehr. Insofern kann ich daran nicht gemessen werden. Aber nein, Quatsch beiseite, Verzeihung dafür, das soll ja gar nicht zu flapsig sein, ist, wir brauchen wirklich Unterstützung. Wir brauchen, wer Fernsehen kennt, Medien kennt, Politiker kennt, schickt die mir her, hetzt sie mir auf den Hals, Ich nehme alle Zeit der Welt, die ich dafür habe, dafür sehr gerne. Mein Sohn mit Schwerbehinderung hat sich nicht ausgesucht, schwerbehindert zu sein. Und wir haben viel Geld im System. Es geht nicht darum, dass wir mehr Geld brauchen, sondern wir müssen alles effizienter machen. Wir müssen es lösungsorientierter gestalten. Wir müssen es sich selbst tragender gestalten. Und die Diskussion, die wir da führen, ist, Wir haben zig Fördertöpfe nebeneinander. Ich muss als Entrepreneur garantieren, dass ich die nicht missbräuchlich aufeinander nehme. Das kann ich gar nicht, weil ich gar nicht weiß, wie die Förderbedingungen alle sind. Es ist faktisch gar nicht möglich. Und gleichzeitig schließen sich die Töpfe untereinander auch wieder ein bisschen aus. Und dann sind dabei unterschiedliche Stellen von Agentur für Arbeit über Agentur hier und da und Landeswohl. Allein das müssen wir zentralisieren als eine der politischen Forderungen, die wir gerade am Das ist Feedback aus der Inklusionsbranche von leitenden Leuten aus der Inklusionsbranche. Das kannst du völlig vergessen. Warum? Das eine ist ein Bundestopf, das andere ist ein Landestopf, das andere ist ein regionaler Topf über die Agentur für Arbeit. Und wenn es ums Geld geht, ist Verteilungskampf. Wenn du rangehst, hat sie hinterher weniger Geld. Deswegen geht er nicht ran. Hey Freunde, es kann doch nicht sein, dass wir Geld für Verwaltung, für Bürokratie aufwenden. Ich als Arbeitgeber muss mich hier darum kümmern, herauszufinden, welche Förderung ich pro einzelnen Mitarbeiter bekomme, weil jeder irgendwo anders im Leben steht. Hey, wenn du zu viel Freizeit hast wie ich vielleicht im Moment, dann machst du es wunderbar gerne am Sonntagabend. Haben wir gemacht für 11 Leute, sogar für viel mehr, weil wir viele, viele Bewerber und so weiter hatten. Das kann so nicht sein. Wir brauchen einen Fördermanager. Ich habe im ganzen Inklusions- Universum hier in Hessen nicht festgestellt, dass besonders viele Leute sich über alles hinweg auskennen, sagen, so funktioniert's. Zurück zum Thema Franchise. Wir sind in Gesprächen mit einigen interessierten Stellen. Der Pitch ist natürlich jetzt nicht einer wie McDonald's, der sofort auf, ich sag mal, ein Netzwerk von Entrepreneuren trifft, die das dann auch schnell machen können. Ja, was ist der Pitch? Arno braucht Geld, ja, um das machen zu können, auch vorfinanzieren können. Wie viel ist es? Vielleicht 300, vielleicht 500.000 €, je nach Kaffeegröße. Man braucht auch Gastroerfahrung. Und ja, am Schluss ist das Ziel, einen profitablen Betrieb hinten raus zu haben. Wir glauben da fest dran. Wir sind top zufrieden hier an der Stelle. Jeder kann herkommen, wir zeigen alle Zahlen, ist überhaupt gar kein Problem. Aber es ist natürlich nicht ein, es ist nicht ein Feld draußen, wie wenn du sagst, hey, wer will McDonald's-Franchisenehmer werden? Und von Henry Maske bis Ralf Schumacher sind sie alle irgendwie McDonald's-Franchisenehmer geworden, weil du nur Geld haben musst und dann Leute einstellen kannst. Nee, da braucht man schon ein bisschen mehr Herz, man braucht schon ein bisschen was. Aber es gibt so viele reiche Leute, Familienstiftungen, Großunternehmen, und vor allem ist ja auch Win-win. Du sparst dir die Strafabgaben dafür, dass du keine Menschen mit Schwerbehinderung sonst eingestellt hast. Also wo sind denn die Gemeinschaftsverpfleger, die, die Amaraks dieser Welt und so weiter? Nehmt doch auf in euer Konzept, dass ihr so ein Kaffeekonzept mit anbietet in der neuen Betriebskantine für Siemens beispielsweise. Ihr spart euch Geld. Also ein Arbeitgeber mit rund 200 Arbeitsplätzen in Deutschland zahlt Strafabgaben, wenn er keine Schwerbehinderten eingestellt hat, von fast 50.000 € plus minus pro Jahr. Das kannst du dir sparen, wenn du so was hier machst.
- 40:42 Katharina Beatriz Varga
Aber ist das vielleicht noch zu wenig?
- 40:44 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Aber einen Coffee, Brownies und Downies in einer Firma dann.
- 40:49 Max Luscher
Genau. Wie viele Hotelketten gibt es? Familien, die haben 2, 3 Hotels, 2, 3 Restaurants, die finden keine Mitarbeiter mehr. Mach daraus das Azubi-Programm. Mitarbeiterbindung, Kundenbindung, Loyalität, Buddy-Prinzip für die Menschen mit Schwerbehinderung, Purpose und so weiter. Und gleichzeitig sparst du dir 50.000€ noch mal oben drauf. Zu deiner Frage, ist es zu wenig?
- 41:12 Katharina Beatriz Varga
Man kann immer mit, mit Strafen noch arbeiten, aber es ist auch nicht der richtige Weg, über eine Strafe dann—
- 41:17 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Ich würde mich freuen, wenn wir die vorhandenen Gelder schlichtweg effektiver und effizienter Aber in diesem Weg braucht es nicht nur ein Standalone-Filial zu sein, was neu eröffnet wird. Es kann auch integriert werden in etwas, was schon da ist.
- 41:34 Max Luscher
Ja, also stell dir vor, ein großes Resort-Hotel, wo vielleicht auch eine Stadt dabei ist. Man braucht ja dann auch Mitarbeiter und so weiter mit mehreren Outlets. Ich habe mit ein, zwei Hoteliers auch schon gesprochen, da also Tagesgastronomie-Konzept statt dem normalen irgendwie Apotheke mittags oder sowas zu sagen, man macht dann Coffee, Brownies und Downies rein, man holt Mitarbeiter rein. Hey, das sind Statements. Also wir sehen es im ganz Kleinen. In Frankfurt gab es scheinbar letztes oder vorletztes Jahr ein ganz großes Kettenhotel, die aufgrund ihrer neuen CSR-Strategie tatsächlich auch eine Mitarbeiterin mit Schwerbehinderung eingestellt hat. Also Fun Fact: Wie hoch ist der Vermittlungsquotient, also prozentual, von Werkstätten? Die für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren, transferieren müssen. Wie viel Prozent der Mitarbeiter werden jedes Jahr in den ersten Arbeitsmarkt transferiert?
- 42:25 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Tipp, wie viel? Oh Gott, keine Ahnung.
- 42:27 Max Luscher
10, 20, 30% der Mitarbeiter?
- 42:30 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
5, 0, 1, 20%?
- 42:32 Max Luscher
0,5%. Es findet nicht statt. Ein Hotel in Frankfurt hat es gemacht, weil scheinbar da die große internationale Kette das Thema Diversity mit auf die Agenda schon lange genommen hat und das auch konkretisiert hat im Sinne von, ach, Achtung, liebe Hotels, sorgt dafür, dass zum Beispiel an der Rezeption ein Mitarbeiter mit Schwerbehinderung auch da ist, präsent ist, die Arbeiten übernehmen kann, die man machen kann. Und es ist dann vielleicht nicht der Check-in mit Dokumentenabgleich hin und her, sondern dieses: Achtung, da drüben ist der Lift, der Herr, wir haben hier den Mitarbeiter, den Klaus-Peter, der zeigt Ihnen einmal, wie der Lift ist, wo der Lift ist, und erklärt Ihnen noch, wie es mit dem Frühstück funktioniert.
- 43:11 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Man kann, wenn man will, kann Aber es steht zu wenig auf der Agenda dann. Und Coffee, Brownies und Downies kann als Vorreiter das hoffentlich ändern.
- 43:22 Max Luscher
We are open for business.
- 43:24 Katharina Beatriz Varga
Ja, die freie Wirtschaft kann jedenfalls noch viel lernen. Also ist ja auch ein Appell an die freie Wirtschaft.
- 43:30 Max Luscher
Ehrlicherweise, wenn mein Kollege Roland, er ist so schlau, ich kann arbeiten. Nee, andersrum, ich weiß gar nicht.
- 43:38 Katharina Beatriz Varga
Das ist ein anderes Thema.
- 43:39 Max Luscher
Wenn wir beide es hinbekommen haben, einfach nur mit ein bisschen bisschen Engagement und Fleiß. Haben uns reingelesen. Wir haben bis nachts, saßen wir da, teilweise auch Wein trinken natürlich, irgendwelche Förderrichtlinien zu verstehen und so weiter. Hey, wenn wir beide das können, dann können das ganz, ganz viele Leute da draußen auch.
- 44:01 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Sehr gut. Schön zu hören. Und schön zu hören, dass es, ich finde es interessant zu hören, dass es nicht nur Standalone, nicht ein Filial irgendwo in einer Stadt oder Dorf sein muss, aber man kann es integrieren in ein in eine Kantine von einer Großunternehmung oder in ein bestehendes Hotel oder sonst was.
- 44:19 Max Luscher
Ja, total.
- 44:21 Katharina Beatriz Varga
Das hat ja auch noch mal einen ganz anderen Werbeeffekt. Also wenn das die Kantine von Siemens ist, zum Beispiel, ist es ja auch ein lauter Schrei in die Wirtschaft.
- 44:31 Max Luscher
Und es gibt, wie gesagt, Investitionskostenförderung. Ja, also wir haben als Inklusionsbetrieb, also je nach Bundesland auch wieder verschieden, deswegen schwierig, aber man kann mit einer guten Verlässlichkeit davon ausgehen, dass man bis zu rund 50% der Investitionskosten vom Staat wiederbekommt, wenn man diese Arbeitsplätze schafft. Das muss man sich mal vorstellen.
- 44:52 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Waren da schon Unternehmer, die sich gemeldet haben und gesagt haben, ich habe mal Interesse, oder wie machst du das?
- 44:58 Max Luscher
Wir haben ein paar Gespräche, also es waren, ich sag mal, bestimmt 60, 70 Interessenten schon hier. Da waren aber, ich sag mal, gefühlt 95% natürlich Interessenten da, die ich will es jetzt mal flapsig sagen, so ein bisschen à la Deutschland, die Auswanderer auf RTL 2. Er Kfz-Mechaniker, sie Friseurin, wollten schon immer mal was anderes machen und finden diese Idee so geil. Und da sind wir natürlich auch relativ klar, die sollen alle erstmal herkommen, sich das anschauen, dann merken sie, oh, ist ja wirklich ein gastronomischer Betrieb und ich muss ja Gastro können. Und dann sagen wir natürlich auch, hey, kannst du Gastro? Wenn nicht, musst du jemand bezahlen können, der Gastro kann. Und hey, hast du Geld dafür? Und da sind dann viele Gespräche halt auch nicht weitergegangen, weil eher auch ein sozial-romantischer Ansatz vielleicht dahinter stand. Ich finde es ja gar nicht negativ, ist ja wunderbar, dass Leute diese Ideen haben.
- 45:49 Katharina Beatriz Varga
Ja, aber es soll ja auch funktionieren. Also genau, das kann ja dann nicht einfach jeder Dahergelaufene übernehmen.
- 45:55 Max Luscher
Ja, vor allem, es muss ja auch gut sein.
- 45:56 Katharina Beatriz Varga
Ja, genau, es muss funktionieren, es muss gut sein, es muss kommuniziert werden können, und es muss ja eine Überzeugung dahinter stehen.
- 46:03 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Und am wichtigsten, ein Nullamtsstrich, schwarze Zahlen, oder mindestens kein großes Minus, ansonsten kann man das auch nicht betreiben.
- 46:13 Max Luscher
Genau, ja, es muss sich selbst tragen. Aber allein da ein faktisches Beispiel: Je nachdem, also Menschen aus der richtigen Zielgruppe, und die Zielgruppendefinitionen sind immer ein bisschen anders, je nach Förderthema. Man bekommt in Hessen derzeit, HEPA heißt das Programm, Perspektiven-Chancen-Tralala-Programm, bekommt, wenn der Mitarbeiter Mitarbeiter 2 Jahre lang beim Betrieb geblieben ist, kriegt man als einstellendes Unternehmen eine Förderprämie von bis zu 13.000 €. Das ist viel Geld. Natürlich muss der Mitarbeiter das erstmal schaffen, 2 Jahre, und das ist alles nicht ganz trivial, aber es ist, es gibt Geld im System. Und uns geht es nicht darum, das System zu melken oder auszunützen, sondern wir sagen da, wenn wir sagen, wenn wir als Gesellschaft definiert haben, das Thema ist uns wichtig, und wir Förderprogramme aufgebaut haben, weil die Inklusion nicht stattfindet, und Inklusion ein Menschenrecht geworden ist, dann muss man das doch irgendwie auf die Straße bekommen.
- 47:10 Katharina Beatriz Varga
Ja, und bei euch bekommt man ja nicht nur ein echt durchdachtes Konzept, sondern auch noch die Consultants für die Fördermittel. Also ihr seid ja rundum informiert und—
- 47:20 Max Luscher
One-Stop-Shop.
- 47:21 Katharina Beatriz Varga
Genau. Fand ich aber auch ein sehr schönes Statement von dir, we are open. Das ist eigentlich ein schöner Schlusssatz auch. Auch um das Gespräch auch irgendwie abzuschließen, beziehungsweise zu sagen, hey, das kommt, schaut euch das an und macht mit.
- 47:39 Max Luscher
Ja, nein, ich würde mich sehr freuen. Wie gesagt, man kann uns mannigfaltig unterstützen. Die einfachste Unterstützung ist einfach vorbeikommen, konsumieren, Online-Kaffee bestellen und so weiter. Ja, ich weiß, viele Dinge gehen dann im Arbeitsalltag auch wieder unter, aber am Schluss sind es halt die Dinge, die man gemacht hat, die dann funktionieren. Kommt gerne vorbei, Sprecht mich an, meinen Geschäftspartner Roland, mich, wen auch immer. Würde uns sehr freuen. Ich kann mich nur bedanken, dass ihr euch die Zeit genommen habt, hierher zu kommen. Weiß ich wirklich sehr zu schätzen.
- 48:11 Katharina Beatriz Varga
Ja, es ist auch ein schöner Ausflug im Hotel-Podcast. Also du als Hotelier mit dieser Schnittstelle jetzt zum Café und mit deiner Erfahrung ist einfach auch mal was anderes.
- 48:20 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Und wir haben heute gelernt, dass es möglich ist, auch in ein Hotel so etwas zu öffnen. So, das finde ich auch sehr interessant. Danke, danke.
- 48:30 Katharina Beatriz Varga
Vielen Dank.
- 48:31 Max Luscher
Sehr gerne.
- 48:32 Katharina Beatriz Varga
Also wie gesagt, wir bleiben dabei, oder? We are open.
- 48:34 Max Luscher
We are open for business. Dankeschön.
- 48:36 Alex (Co-Host, Nachname unklar)
Viel Erfolg.
- 48:37 Max Luscher
Danke.