Die besten Zeiten liegen noch vor uns
Aufgenommen: Baur au Lac, Zürich
Germany42 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Man muss den Leuten einfach Wind unter die Flügel geben, damit sie Lust haben zu fliegen.“
Wilhelm Luxem, 33:54
Wilhelm Luxem führt das Baur au Lac in Zürich, ein Haus, das seit 177 Jahren derselben Familie gehört, inzwischen in siebter Generation. Er erklärt, wie er mit der jährlichen Renovierung von ungefähr zehn Prozent der 119 Zimmer verhindert, dass das Haus zum Museum wird, und warum er nie für eine Kette gearbeitet hat. Dazu sein Weg von der Kochlehre über eine Privatyacht im Mittelmeer und ein Inselresort am Barrier Reef bis nach Zürich.
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Kernaussagen
- Jedes Jahr renovieren: Von den 119 Zimmern renoviert das Haus jedes Jahr ungefähr zehn Prozent, also 15 bis 20 Zimmer, und davon nur zwei oder drei auf einmal. So wird der Betrieb nicht gestört und die Investitionen verteilen sich über die Jahre.
- Evolution statt Umbruch: Umgebaut wird so, dass der Stammgast sein Haus wiedererkennt und nicht glaubt, er sei in einem anderen Hotel. Für den neuen Eingang wird das Hotel fünf Monate lang von links auf rechts gedreht, die Rezeption zieht in Veranstaltungsräume, der Eingang von der Talstraße auf die Glärnischstraße.
- Menschen sind 51 Prozent: Neben den konstanten Investitionen zählen für Luxem die Menschen mindestens 51 Prozent. Das bestausgestattete Hotel nützt nichts, wenn niemand da ist, der das Dienen als schöne Aufgabe begreift.
- Haltung vor Fähigkeit: Die Personalpolitik lautet: we hire for attitude, we train for skills. Technik und Erfahrung bringt die eigene Training- und Entwicklungsabteilung bei, die innere Einstellung muss jemand mitbringen.
- Mentoren und Chancen: Als Luxem nach seiner Beförderung zum Postenchef für die Stelle auf der Privatyacht kündigen wollte, fragte ihn sein Küchenchef nur, auf was er noch warte. Diese Haltung gibt er an junge Leute weiter, denen er heute als Mentor zur Seite steht.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Ein persönlicher Traum ist wahr geworden und Wilhelm Luxem hat mir die Türen zu seinem Hotel Baur au Lac in Zürich geöffnet.
Früher war das bereits 1844 gegründete Haus das erste mit Telegraphenraum, heute tanzt der Direktor auch schon mal mit seinen Gästen. Immer auf der Suche, wie er deren Erwartungen am besten treffen oder gar übertreffen kann.
Aber wie kam es, dass der Vater von fünf Kindern mit nur Anfang Zwanzig mit der britischen Filmdiva Jacqueline Bisset und Anthony Quinn in hohe See stach? Und es der legendäre Alfred Brenner höchstpersönlich war, der bei Wilhelm Luxem nicht nur die Leidenschaft zur Luxushotellerie weckte, sondern ihn auch für eine besonders nachhaltige Form von Geschäftspolitik begeisterte?
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Transkript öffnenTranskript schließen42 Min · Ronald M. Arndt und Wilhelm Luxem
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Herzlich willkommen, Wilhelm Luxem, hier in Ihrem Haus, dem Beur au Lac in Zürich in der Schweiz. Ich freue mich sehr, dass ich heute bei Ihnen sein darf.
- 00:16 Wilhelm Luxem
Herzlich willkommen, Herr Arndt. Ich freue mich, dass Sie die Reise auf sich genommen haben und wir heute hier dieses Gespräch führen dürfen.
- 00:22 Ronald M. Arndt
Ich habe auf leicht schöneres Wetter gehofft, aber es ist ja hier eher eine Nebelsuppe mit ein bisschen Schneeregen.
- 00:30 Wilhelm Luxem
Schnee gehört eben dazu. Das ist jetzt quasi die Ansage, das Präludium. Ich denke, der richtige Schnee ist jetzt im Anmarsch.
- 00:39 Ronald M. Arndt
Da können auch Sie als einer der mächtigsten Männer Zürichs nichts dran ändern.
- 00:43 Wilhelm Luxem
Gott sei Dank kann man da nichts ändern, dann wären wir wirklich in größter Bredouille.
- 00:50 Ronald M. Arndt
Lieben Sie eher den Sommer oder den Winter, oder hat beides seine schönen Seiten?
- 00:55 Wilhelm Luxem
Eigentlich hat hier in der Schweiz jede Jahreszeit etwas Besonderes. Sicher, der Sommer ist irgendwo, da kommt so eine Stimmung von Riviera, ein schöner großer See, Segelboote ohne Ende. Das ist natürlich schon eine sehr speziell schöne Atmosphäre, die träumen lässt, weil die Stadt dann auch wirklich lebt. Da sind viele Menschen unterwegs und das ist wunderbar. Aber ich finde auch, der Herbst, wenn alles so bunt ist und die Blätter fallen, ist eine traumhaft schöne Zeit. Und wir haben in der Regel eigentlich dann sehr stabiles Wetter in der Phase auch. Und Winter, wenn dann Schnee liegt hier und jetzt im Dezember, wenn alles so weihnachtlich dekoriert ist. Das hat auch was. Also insofern, in Zürich kann man sich zu jeder Jahreszeit wirklich sehr wohlfühlen.
- 01:40 Ronald M. Arndt
Jetzt bin ich ja vom Bahnhof rübergekommen. Sie habe ich aufgrund des Nebels noch nicht entdecken können, aber Sie haben da schon auch Zugang, glaube ich.
- 01:46 Wilhelm Luxem
Ja, wir heißen ja Beaux Hauts Lacs.
- 01:48 Ronald M. Arndt
Beaux Hauts Lacs, ja.
- 01:49 Wilhelm Luxem
Das Hotel Beaux Hauts Lacs, so französisch kann ich das mal sagen. Das ist so ein bisschen natürlich was typisch Schweizerisches. Auch in der deutschen Schweiz hat das Französische durchaus seinen Platz, gerade im Hotelwesen. Unsere Menüs sind von alters her seit 177 Jahren, so lange gibt es das Hotel, immer in Französisch geschrieben worden. Das gehört einfach so zur Tradition und deshalb heißt das Haus auch das Borolac, weil der Herr Bauer, der das Haus ja gegründet hat vor 177 Jahren—
- 02:18 Ronald M. Arndt
Sie sagen jetzt Bauer oder sagen Sie Bauer?
- 02:20 Wilhelm Luxem
Bauer, man kann das—
- 02:22 Ronald M. Arndt
Ja, ja, genau, ich war mir da gar nicht sicher.
- 02:24 Wilhelm Luxem
Aber eigentlich ist es der Familienname Bauer ohne E, der dem Haus den Namen gegeben hat, eben aufgrund des Gründers und dessen Nachkommen inzwischen in 7. Generation besitzen ja immer noch das Haus.
- 02:38 Ronald M. Arndt
Tatsächlich.
- 02:39 Wilhelm Luxem
Das ist wirklich selten, dass ein Haus eine so lange Zeit im gleichen Familienbesitz bleibt. Dadurch hat das Haus natürlich eine ganz besondere Aura der Kontinuität. Gleichzeitig, und das ist schön eigentlich dabei, wurde es nie zu einem Museum, weil die Inhaberschaft immer dafür Wann wird ein Hotel ein Haus zum Museum? Ja, wenn man nichts tut. Wenn man nichts tut, wenn man stehen bleibt, wenn man quasi in die Seele irgendwann mal— ja, wenn man so in der Geschichte verstaubt. Geschichte ist schön, das kreiert eine Aura, das gibt irgendwo Substanz, aber ein Hotel ist ja ein Produkt, ein Ort der Jetztzeit. Da geht man jetzt hin, um jetzt schöne, wunderbare Momente zu erleben, und das darf nicht verstaubt sein. Das muss lebendig sein, sowohl in der Art des Serviceanspruchs, aber auch in der Die Ansprüche sind natürlich heute anders als vor 177 Jahren. Damals konnte man werben: Waschbecken am Ende des Flurs. Das war damals Luxus. Das geht heute nicht mehr.
- 03:45 Ronald M. Arndt
Da fällt mir ein, und das darf ich auf keinen Fall vergessen: Ich darf Ihnen einen lieben Gruß ausrichten vom Philipp Ingenillem. Jetzt bin ich froh, dass ich auch den Namen richtig ausgesprochen habe. Von Online Birds. Weil ich glaube, wir standen, als wir uns kennengelernt hatten, da so in einer kleinen Runde. Wir haben auch später Mittag gegessen im August. Aber genau, das möchte ich nicht vergessen. Und als Sie sich mit ihm unterhalten hatten und ich zum Gespräch dazugestoßen bin, ging es gerade um den Bereich Eingang, glaube ich, Lobby, Conciergerie, weil Sie jetzt gerade sagten, nicht zum Museum werden. Ich glaube, da tut sich viel in absehbarer Zeit.
- 04:17 Wilhelm Luxem
Das ist unser nächstes Projekt. Also wir renovieren ja jedes Jahr. Also unsere Philosophie ist die, dass wir von den 119 Zimmern, die das Haus hat, jedes Jahr ungefähr 10% renovieren. Das sind also so 15 bis 20 Zimmer pro Jahr und die machen wir dann nicht alle auf einmal, sondern 2 oder 3 auf einmal und dann die nächsten 2 oder 3.
- 04:39 Ronald M. Arndt
Aus Kostengründen oder aus Krachgründen?
- 04:42 Wilhelm Luxem
Nein, um den Betrieb nicht zu stören. Atmosphäre, ja. Und auch weil wir ja ein Einzelunternehmen sind, auch um die Investitionen zu verteilen. Also das hat auch was mit Cashflow zu tun. Wir müssen das Geld ja verdienen, das wir hier investieren. Aber wir investieren dieses Geld wirklich immer wieder und regelmäßig und halten damit das Haus frisch und haben keine Unterbrüche, wo dann die große Renovierung kommt, wo man dann das halbe Haus vielleicht mal schließen muss und die Gäste Sie vergessen unter Umständen. Ganz genau.
- 05:08 Ronald M. Arndt
Wird bei 170 und mehr Jahren schwer, aber trotzdem.
- 05:12 Wilhelm Luxem
Ja, und jetzt kommt eben die nächste große Phase. Wir haben die letzten 10 Jahre auch das Erdgeschoss immer mitgenommen, Bereich um Bereich renoviert. Die schöne Halle unten, die Sie vorhin gesehen haben, den Weihnachtsbaum haben wir vor 7 Jahren gemacht. Wir haben vor 3 Jahren das Bauers neu kreiert als Brasserie. Das war vorher ein Bistro, lief als Riefgursch, war sehr erfolgreich, Aber wir wollen immer, bevor die Gäste kommen und sagen, jetzt wird es aber Zeit, dass ihr mal was tut, wollen wir schon den nächsten Schritt unternehmen. Deshalb haben wir das Rievkursch völlig neu konzipiert, auch ganz anders gestaltet. Es ist jetzt eine zeitgemäße, urbane Brasserie, Talk of Town, wirklich sehr erfolgreich.
- 05:52 Ronald M. Arndt
Also das kann ich bestätigen. Heute Morgen habe ich aus dem Zug noch angerufen bei Ihren Mitarbeitern in der Brasserie und da war kein Platz mehr zu bekommen.
- 06:00 Wilhelm Luxem
Ja, das ist im Moment wirklich sehr beliebt.
- 06:02 Ronald M. Arndt
Da müssen wir dann doch nochmal Teil 2 hier irgendwann hinterher schieben.
- 06:05 Wilhelm Luxem
Ein gutes Beispiel auch, wie wichtig es ist, in der Gastronomie heute wirklich ein gut durchdachtes Konzept zu haben. Es ist nicht nur eine Frage von einem guten Architekten, der das schön designt und ausstattet. Das ist natürlich wichtig, aber es ist die ganze Atmosphäre, die dort herrscht, bis hin zur Musik, das Licht, die Lichtfarben, natürlich das Menü. Das muss stimmen, das muss zum Konzept passen. Die Bar, die Cocktails, der ganze Ablauf, die Mitarbeiter, die Uniformen, das ist alles ein Gesamterlebnis. Also man geht da nicht hin zum Essen, Das Essen muss natürlich hervorragend sein, aber man geht dann eigentlich hin, um besondere schöne Momente zu erleben. Und das gelingt dort gut. Aber Ihre Frage habe ich noch nicht beantwortet zu dem Eingang. Das ist eben jetzt der Abschluss, der vorläufige Abschluss dieses 10-Jahres-Programms, wo das gesamte Erdgeschoss renoviert wurde. Und das ist natürlich jetzt mit dem Eingang sozusagen die Operation am offenen Herzen. Die sind wir gerade am Planen. Das heißt, die Planung ist abgeschlossen. Die Durchführung beginnt jetzt schon, indem wir die Provisorien gegenwärtig einrichten, dass quasi die Rezeption, der Concierge verlegt werden in Veranstaltungsräume. Der Eingang wird von der Talstraße auf die Glärnischstraße verlegt. Wir haben also dann 5 Monate lang quasi das Hotel von links auf rechts gedreht, damit die Rezeption und die ganze Vorfahrt, der Hof wunderschön neu gestaltet werden können. Das wird also alles mit Naturstein gemacht. Die Rezeption wird zeitgemäß umgestaltet. Aber umgestaltet heißt bei uns im Borolack immer auch nicht alles total auf den Kopf stellen, sondern Evolution, eine sorgfältige Weiterentwicklung, Respekt vor dem Gewachsenen, dass der Stammgast, von denen wir sehr viele haben, nicht zurückkommt und glaubt, er sei in einem anderen Hotel, sondern er kommt immer wieder in sein Borolack zurück. Aber er sieht, es hat sich wieder was getan.
- 07:59 Ronald M. Arndt
Nicht im neuen Borolack, sondern im Es ist weiterentwickelt worden. Vorarlberg von heute. Genau. Okay, spannend. Veränderungen sind die Konstante, haben Sie mal über sich gesagt.
- 08:10 Wilhelm Luxem
Ja, genau.
- 08:12 Ronald M. Arndt
Also passt eigentlich dazu. Passt zum Haus, passt aber auch zum Herrn Luxem.
- 08:16 Wilhelm Luxem
Ja, ich meine, stehen bleiben geht gar nicht. Das muss vorangehen, denn unsere Gäste sind ja Globetrotter. Die sind auf der ganzen Welt unterwegs und denen muss man gut zuhören, denn die wissen, wie es geht. Die sehen viele Dinge und das Zuhören heißt dann nicht alles nachmachen, aber wissen, was sehen unsere Gäste, was erwachsen für unsere Gäste daraus für Erwartungen. Das müssen wir aufsaugen, dafür müssen wir sämtliche Antennen ausfahren.
- 08:45 Ronald M. Arndt
Und wie kommt die Botschaft bei Ihnen an? Also nicht nur bei Ihnen, sondern auch beim Team?
- 08:49 Wilhelm Luxem
Ja, nicht nur ich, sondern jeder eigentlich im Haus sollte möglichst nah am Gast sein, dem Gast zuhören, Gespräche suchen, wo man diese Dinge eben erfährt. Das kann der Direktor nicht alleine machen, aber natürlich hat ein Direktor vielleicht in der einen oder anderen Situation noch mal einen anderen Zugang zum Gast, gewisse Dinge zu erfahren oder ein Gespräch zu fördern als der Mitarbeiter im Service, der ja auch eine andere Aufgabe hat. Aber das geht wirklich insgesamt nur als Team, dass man sich da dann auch gut austauscht. Was weiß man denn über den oder jenen Gast, damit wir ihn gut abholen? Denn es bedeutet ja auch bei Stammgästen dann, wenn sein Zimmer renoviert wird, dass er, wenn er zurückkommt, sein Zimmer wiederfindet in der von ihm erwarteten Form. Das gelingt in der Regel, aber manchmal ist es auch ein bisschen anders. Dann empfange ich diese Gäste eigentlich selbst beim ersten Wiederbesuch, zeige ihnen dann ihr neues Zimmer oder ihr altes, jetzt aber in neuem Kleid hergestelltes Zimmer und versuche, den Gast dann da wirklich ganz gut abzuholen.
- 09:56 Ronald M. Arndt
Mag jetzt ein bisschen naiv klingen, aber haben so viele Gäste ihr Zimmer?
- 09:59 Wilhelm Luxem
Ja, ja, ja, ja.
- 10:01 Ronald M. Arndt
Also sehr viel hat ein Stammgast in der Regel sein Zimmer.
- 10:04 Wilhelm Luxem
Genau, also quasi das Zimmer, das er als erste Präferenz wünscht. Wir haben aber in der Regel auch eine zweite oder sogar eine dritte Präferenz hinterlegt, weil es gibt schon auch Zimmer, das von 2, 3, 4 Gästen gerne genutzt wird. Wenn die dann zufällig zum gleichen Zeitpunkt da sind oder der eine ist schon da und verlängert jetzt noch mal, dann ist irgendwo ein Dilemma da. Da muss man ausweichen können. Ja, das Aber da muss man eben gut kommunizieren und Stammgäste verstehen das ja auch.
- 10:31 Ronald M. Arndt
Und nochmal die Frage: Wenn da jetzt Vorschläge seitens der Gäste kommen, die ans Team vielleicht weitergegeben werden, wie kommen die dann konkret beim Herrn Luxem an?
- 10:40 Wilhelm Luxem
Wir haben da ein internes System, wo solche Dinge quasi aufgeschrieben werden. Das wird dann wirklich alles gut festgehalten, damit keine dieser wertvollen Informationen verloren geht. Das wäre schade, weil der Gast ist eigentlich für uns der wichtigste Consultant, ja, definitiv.
- 10:56 Ronald M. Arndt
Ja, wie immer eigentlich, gell? So ein bisschen auch die, die, die neue Denke, einfach alles kundenorientiert, kundenzentriert.
- 11:01 Wilhelm Luxem
Wir müssen ja nicht an dem orientieren, was wir für wichtig halten, sondern das, was der Gast für wichtig hält. Das ist doch letztendlich entscheidend, ja. Und, und, und das geht nur durch gutes Service.
- 11:11 Ronald M. Arndt
Und Ihr Gast ist ja so schwer zu fassen wie vielleicht in keiner anderen Branche, weil ist ja ein kosmopolitisches Umfeld, wie, wie es unvergleichbar. Ja, das ist alle Kulturen aus allen Herren Ländern, Das ist ein Spagat.
- 11:27 Wilhelm Luxem
Das ist ein Spagat in der Form, dass—
- 11:30 Ronald M. Arndt
Wo einigt man sich?
- 11:31 Wilhelm Luxem
Ja, eigentlich darf man sich nicht einigen. Man muss genau hinschauen, denn einerseits sollte man natürlich immer den kulturellen Blick haben. Aus welchem Kulturkreis, woher kommt dieser Gast, was hat er vielleicht für einen Hintergrund? Das ist wichtig zu wissen, darf aber nicht dazu verführen, in ein Klischee zu verfallen, dass es ein Gast aus dem Land X und deshalb die Lösung Y. Das kann ganz gefährlich sein, sondern so ein bisschen, ja, das ist wie so eine Annäherungsmathematik. Man versucht so quasi gewisse Dinge auszuschließen und nähert sich dann einem Bild an, das hoffentlich passt. Aber ganz heikel, braucht Feingefühl. Aber das macht es eigentlich auch spannend, weil das ist ja fast so ein bisschen wie im Sport. Ich meine, man tanzt mit dem Gast. Man kämpft nicht mit ihm, wer hat recht, sondern man versucht herauszufinden, was ist gut, was ist richtig, was erfüllt am besten die Erwartungshaltung dieses Gastes und heute. Weil er ist vielleicht heute alleine da als geschäftlich Reisender und ist vielleicht in 3 Wochen hier mit seiner Frau und da sind die Bedürfnisse vielleicht andere. Er hat dann mehr Zeit, er ist dann vielleicht mehr kulturell oder sonstwie unterwegs, während er als Geschäftsreisender unterwegs ist, einen ganz engen Kalender hat und für ihn einfach Timing entscheidend ist. Diese Dinge zu verstehen, das ist eigentlich die Kunst.
- 12:59 Ronald M. Arndt
Sie haben auch so ein bisschen den Begriff Pleasure mitgeprägt, eben die Verbindung aus Business und Leisure-Gast. Und ich glaube auch, überall, was ich über Sie gelesen habe, ins Haus nachgelesen zu haben, dass Sie ja eigentlich einen Großteil Ihrer Gäste genau diese Pleasure. Ja, im Moment ist das ja genau jetzt. Nee, nee, nein, nein, das waren so zum Teil Artikel, die liegen schon 3, 4 Jahre zurück. Jetzt ist es gerade in aller Munde. Das muss korrigierend dazu noch erwähnt sein. Ja, definitiv.
- 13:28 Wilhelm Luxem
Ja, wir benutzen diesen Begriff schon seit vielen Jahren eigentlich. Ja, weil eigentlich das den Typus unserer Gäste am ehesten beschreibt. Das ist nicht der typische Geschäftsreisende, es ist nicht der typische Ferien-Privatreisende, sondern das sind sehr unabhängige Menschen, die selbst entscheiden, wann, wie und in welchem Aufwand.
- 13:48 Ronald M. Arndt
Das, was heutzutage so ein bisschen jeder Angestellte fast kann, ja, indem man nicht mehr ins Büro muss.
- 13:53 Wilhelm Luxem
Ja, und dann, und dann verbinden sich natürlich, vermischen sich private und geschäftliche Dinge, die bei der gleichen Reise dann erledigt werden oder anstehen.
- 14:02 Ronald M. Arndt
Das heißt, die Möglichkeit hier ein bisschen auch, gut, die Frage ist ja, wie arbeitet jemand oder muss jemand arbeiten? Ist es nur am Handy oder muss er sich mal hinsetzen? So, irgendwelche Ecken, Räumlichkeiten, um ein bisschen in Ruhe auch arbeiten zu können, gab es ja auch schon immer in einem Hotel wie im Burak.
- 14:18 Wilhelm Luxem
Das braucht es, es braucht ruhige Ecken. Gut, wir haben natürlich auch eine gute Ausstattung mit sehr vielen, fast 40% unserer Zimmer sind eigentlich Suiten.
- 14:25 Ronald M. Arndt
Sind Suiten und haben dann die entsprechende Equipment.
- 14:28 Wilhelm Luxem
Aber auch Technologie ist natürlich wichtig, gut ausgestattet zu sein, gute Internetverbindung, schnelle Internetverbindung, stabile. Das sind wichtige Dinge. Auch das ist so ein bisschen in der DNA des Borolac. Wir waren mal in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts das erste Hotel in der Schweiz, das einen Telegrafenraum hatte. Das führte dazu, dass damals wichtige internationale Konferenzen schon hier stattgefunden haben, weil eben die Kommunikation notwendig war. Die Diplomaten mussten mit ihren Hauptstädten korrespondieren können. Also insofern, Technologie war immer wichtig, heute natürlich in anderer Form.
- 15:08 Ronald M. Arndt
Jetzt haben wir heute hier ein abhörsicheres Telefon. Ausgezeichnet, ganz spannend. Ja, ich glaube, die Inhaberfamilie heißt ja heute nicht mehr Bauer oder Bohr, sondern Kracht.
- 15:22 Wilhelm Luxem
Ja, aber das ist die gleiche Familie.
- 15:23 Ronald M. Arndt
Aber es ist noch die gleiche Familie. Vielleicht da noch mal kurz, weil, ja, weil das, wie kann man sich denn so über 7 Generationen miteinander vertragen? Gibt es da, haben Sie mal nachgefragt, was das Geheimnis ist?
- 15:32 Wilhelm Luxem
Ja, eine gute Familienpolitik, dass man einfach von Generation zu Generation es schafft zusammenzubleiben, die Investitionen im Haus zu lassen, nicht zu viel Kapital abfließen lässt. Ja, das ist ja normalerweise das Problem, dass irgendeiner mal sagt, ja, oft in der zweiten, dritten, vierten Generation der eine will Geld, der andere möchte das Unternehmen voranbringen, und beides geht gleichzeitig in der Regel nicht. Das hat hier gut funktioniert, immer zumindest bis jetzt, 7 Generationen lang. Okay. Und der Namenswechsel übrigens kam nur, weil in der 3. Generation das über die weibliche Linie ging. Also das Fräulein Bauer hat dann den Herrn Kracht geheiratet, und dadurch kam der Namenswechsel. Aber das ist die gleiche Familie.
- 16:18 Ronald M. Arndt
Ja, ja, okay. Sie hat ihren Namen abgegeben, Mädchennamen Bauer, und das war damals so das Kracht. Okay. Super. Ja, der Herr Luxem, Sie sind ja schon ganz, ganz lange auch in der Luxushotellerie tätig, nie eigentlich in einem anderen Haus, gell? Immer auf sehr hohem Niveau.
- 16:36 Wilhelm Luxem
Ja, ich hatte das Glück, dass ich immer schöne Häuser führen durfte. Ich habe mich auch schon früh eigentlich entschieden, nicht für irgendwelche Brands oder Ketten zu arbeiten. Nicht aus wertender Betrachtung, sondern einfach, weil ich gespürt habe, für mich war das die bessere Formel. Ich konnte direkt mit Inhabern, mit Unternehmern direkt arbeiten und habe gespürt, dort gibt es andere Freiräume, eine andere Art, wie man so ein Haus führt. Vor allen Dingen glaube ich, dass das eine ganz andere langfristige Geschäftspolitik hervorbringt. Heute würde man sagen eine nachhaltige, also nicht nur nachhaltig im Sinne von Umweltansprüchen, sondern nachhaltig im Sinne von Wirtschaftlichkeit. Dass ein Unternehmen an sich einen Wert hat. Zum Unternehmen gehört nicht nur das Gebäude und die Investition, zum Unternehmen gehören auch die Mitarbeiter, natürlich die Interessen der Familie, aber auch alle Partner, die Gäste nicht zuletzt. Und all das zusammen, wenn es gut ausbalanciert ist, gelingt eigentlich in einem Familienunternehmen, das ist meine Erfahrung zumindest, sehr gut. Deshalb habe ich das immer gesucht und hatte das Glück, immer dann, wenn mal wieder ein Wechsel nötig war, da den richtigen Anschluss zu finden.
- 17:54 Ronald M. Arndt
Nötig, weil Sie Veränderung mögen und das die Konstante ist, auch in Ihrem Leben?
- 17:59 Wilhelm Luxem
Ja, wenn ich da mal zurückdenke.
- 18:00 Ronald M. Arndt
Wobei man darf mal 8 Jahre hier, 9 Jahre schon hier, also es sind jetzt ja nicht, genau, es waren keine kurzen Sprünge. Da kann man schon was hinterlassen.
- 18:08 Wilhelm Luxem
Ja gut, es war irgendwo auch, ich meine, ich habe ja mal ganz am Anfang meiner Karriere im Management stand ja das Brenners Parkhotel in Baden-Baden.
- 18:17 Ronald M. Arndt
Aber auch 8 Jahre, glaube ich.
- 18:18 Wilhelm Luxem
Da war ich 8 Jahre Vizedirektor. Und ja, da war damals noch nicht Oetker wahrscheinlich. Doch, das war schon. Nein, Oetker besitzt, die Familie Oetker besitzt das Haus schon seit dem Zweiten Weltkrieg. Lange Jahre als stille Teilhabe, gar nicht sichtbar nach draußen. Die Familie Brenner war damals noch präsent, als ich dort war, mit Alfred Brenner. Und das war natürlich auch Familien-Ego und vor allen Dingen Persönlichkeit, ein Haus präsent prägende Persönlichkeit. Und da habe ich eben, ja, da hat mich vielleicht dieser Virus erfasst, was es ausmacht, ein Haus mit so einer solchen familiär geprägten Geschäftspolitik führen zu dürfen. Ja, und dann bin ich dort weg, weil ich eine schöne Möglichkeit bekam, nach Australien zu gehen. Das war dann too nice to refuse, wie man so schön sagt. Ja, das war eine wunderschöne Aufgabe, dort ein Inselresort im Barrier Reef führen zu dürfen, zum ersten Mal dann an erster Stelle ein Haus führen zu dürfen. Das war eine tolle Aufgabe. Damals waren auch meine Kinder noch jung und das war unkompliziert, dann auch so Robinson-Cruiso-mäßig quasi auf so einer einsamen Insel ein Hotel führen zu dürfen. Das war wunderbar.
- 19:29 Ronald M. Arndt
Unkompliziert heißt vor Beginn der Schulpflicht in Deutschland?
- 19:32 Wilhelm Luxem
Nein, die Kinder, die Älteste war dann schon in der Schulpflicht.
- 19:35 Ronald M. Arndt
Ich frage deshalb, weil ich mit solchen Gedanken natürlich auch immer wieder spiele. Ja, jetzt habe ich ein 5 Monate alten Sohn und einen 3 Jahre alten Sohn, ne. Und perspektivisch denkst jetzt, okay, die nächsten 3 Jahre kannst du machen, was du willst, weil dann mit 6, 7 Jahren, dann willst du ja auch nicht mehr rausnehmen aus der Schule.
- 19:50 Wilhelm Luxem
Nein, oder doch? Würde ich gar nicht so sehen. Nein, habe ich auch gemacht. Also meine älteste Tochter hat das erste Schuljahr noch in Baden-Baden gemacht, quasi Grundschule, Kindergarten, dann Grundschule. Und die zweite Tochter wäre dann im Jahr drauf auch in die Grundschule gekommen. Und in der Phase sind wir umgezogen nach Australien, Die Kinder sprachen kein Wort Englisch. Die ersten 3 Monate waren ein bisschen Herausforderung und dann ging das schon. In dem Alter lernen die Kinder sehr schnell. Und im Rückblick, ich habe auch meine Kinder öfter schon gefragt, war das schmerzhaft für euch?
- 20:20 Ronald M. Arndt
Wäre jetzt meine Frage gewesen.
- 20:22 Wilhelm Luxem
Und die sagen mir immer, nein, nein, Papa, das war wunderbar. Diese Jahre werden wir nie vergessen. Die haben uns auch eine Möglichkeit gegeben, einfach Dinge auch kulturell, sprachlich aus einer anderen Warte zu erleben. Uns hat es positiv geprägt.
- 20:38 Ronald M. Arndt
Jetzt gab es ja früher noch nicht so die Kommunikationsmöglichkeiten wie heute, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Aber haben Ihre Kinder jetzt noch Kontakt zu Kindern, die sie früher als Kind wiederum kennengelernt hatten, so zwischen 5, 6, 7 bis 10 Jahren?
- 20:50 Wilhelm Luxem
Ja, absolut.
- 20:52 Ronald M. Arndt
Das muss ja über die Eltern dann gegangen sein, oder?
- 20:54 Wilhelm Luxem
Ja, heute durch die Medien.
- 20:56 Ronald M. Arndt
Oder hat man es wieder aufgewärmt, dann ein bisschen später, als es dann leichter war?
- 20:59 Wilhelm Luxem
2 meiner Töchter haben dann später in in London studiert und haben dort wieder, haben dann wieder ehemalige Schulkollegen aus Australien, aus Mauritius, aus Zypern wieder getroffen. Also da ist die Welt wirklich klein und da lernen die schon sehr früh eigentlich, sich zu vernetzen, Beziehungen zu pflegen.
- 21:18 Ronald M. Arndt
Und wenn sie mal, ist ja auch immer ein kleiner Kreis, muss man auch sagen.
- 21:21 Wilhelm Luxem
Ja, genau. Also, aber das ist natürlich wie immer im Leben, man muss natürlich Freundschaften pflegen. Und die kann man heute einfacher denn je über alle Distanzen pflegen.
- 21:33 Ronald M. Arndt
Keine Entschuldigung mehr.
- 21:34 Wilhelm Luxem
Keine Entschuldigung mehr.
- 21:35 Ronald M. Arndt
Definitiv. Na ja, und jetzt haben Sie das Wort Virus, aber es war auch jetzt das zweite Mal und das letzte Mal im Hotel-Podcast, virusbezogen, aber auf Ihre Arbeit. Sind denn Ihre, oder eine, zwei Töchter waren es?
- 21:50 Wilhelm Luxem
Ich habe 4 Töchter.
- 21:51 Ronald M. Arndt
4 Töchter, okay. Eines der Töchter dem Virus auch erlegen, der Hotellerie?
- 21:57 Wilhelm Luxem
Jein, jein. Also meine älteste Tochter, die hatte immer so ein bisschen ein Faible Richtung Hotellerie, hat aber dann doch Betriebswirtschaft und Marketing studiert und ist dann im Eventmanagement gelandet, wo sie heute auch selbstständig in London tätig ist.
- 22:11 Ronald M. Arndt
Mir war auch die ÖH Elze teuer, als ich da mit 18 beim Tag der offenen Tür stand, und habe ich auch halt BWL, in Frankreich immerhin, studiert. Aber ich suche noch den Weg zurück.
- 22:21 Wilhelm Luxem
Ja, sie ist heute wieder ganz nah an der Hotellerie, hat sehr viel mit Hotels zu tun. Und meine zweite Tochter, die hat Innenarchitektur studiert und die baut hauptsächlich Hotels und Restaurants heute. Also insofern ist das ganz spannend eigentlich, sich auch mit ihr auszutauschen da. Und unser Sohn, das ist der Jüngste, der geht zurzeit auf die Hotelfachschule in Lausanne. Also der ist ganz nah dran.
- 22:40 Ronald M. Arndt
Ah, okay, super. Also 4 Töchter und ein Sohn. Toll. Also kann man nicht sagen, dass Hotellerie oder Direktion in der Hotellerie und Familie nicht miteinander, nicht zwingend nicht miteinander harmoniert? Also, oder wo bleibt die Arbeit?
- 22:58 Wilhelm Luxem
Schwer, sowas absolut.
- 22:59 Ronald M. Arndt
Die muss man aufgestellt sein als Ehepaar vielleicht auch.
- 23:02 Wilhelm Luxem
Ich glaube, man muss einen gemeinsamen Lebensplan haben. Man kann das nicht alleine machen. Also ohne meine Frau hätte ich das alles nicht hinbekommen. Wir waren da immer Ja, wir haben die Pläne gemeinsam geschmiedet und haben uns immer gegenseitig unterstützt.
- 23:16 Ronald M. Arndt
Zusammen auf Australien gefreut.
- 23:17 Wilhelm Luxem
Gemeinsam. Ja, da gab es sogar eine Phase kurz vor der Abreise, wo das am Kippen war. Und dann habe ich mit meiner Frau noch mal Kriegsrat gehalten. Wollen wir da einen Rückzieher machen? Das sieht plötzlich alles ein bisschen anders aus als ursprünglich geplant. Und da hat sie gesagt, nein, wir machen das jetzt.
- 23:35 Ronald M. Arndt
Das letzte Wort hätte sie gehabt.
- 23:36 Wilhelm Luxem
Wenn es schiefgeht, dann kommen wir halt zurück und machen was anderes. Also sie war da immer auch risikobereit.
- 23:41 Ronald M. Arndt
Ja, okay, stark. Also letzte Wort hätte dann Ihre Frau gehabt, sage ich mal.
- 23:46 Wilhelm Luxem
Ja klar, also ja, happy wife, happy life. Nein, das klingt ja so ein bisschen, ja, das klingt ein bisschen machohaft, aber ich denke, es ist wichtig, dass man wirklich auch in unserem Beruf, der uns ja viel abverlangt, zeitlich Engagement, dass man dort trotzdem auch das Privatleben nicht vernachlässigt. Und, und, und ja, die Pläne gemeinsam machen, weil dann kann man es gemeinsam gestalten und, und rennt den Dingen nicht hinterher. Also ich muss sagen, im Rückblick, ich würde das wieder machen.
- 24:18 Ronald M. Arndt
Super.
- 24:18 Wilhelm Luxem
Ja, meine Frau, bin ich ganz sicher, wird auch wieder mitmachen.
- 24:22 Ronald M. Arndt
Aber als Sie das erste Mal einen Fuß in ein Hotel gesetzt haben, genau, als wahrscheinlich Auszubildender damals, Was hat da Herr Luxem gedacht, was mal aus Ihnen wird? Oder war er da ganz demütig?
- 24:36 Wilhelm Luxem
Ja, mein Anfang war ja in der Küche. Ich habe ja eine Kochlehre gemacht.
- 24:40 Ronald M. Arndt
Mit wie vielen Jahren angefangen?
- 24:42 Wilhelm Luxem
Mit 17 habe ich angefangen. Und damals war nicht der Gedanke, Hoteldirektor zu werden. Ich wollte kochen. Das hat mir unwahrscheinlich viel Spaß gemacht. Übrigens heute noch. Ich koche nach wie vor gerne.
- 24:51 Ronald M. Arndt
Dann kann Ihre Frau ja nur zufrieden sein. Ich hoffe es. Wenn er das auch noch übernimmt.
- 24:55 Wilhelm Luxem
Sie kocht auch gut. Nein, und so hat sich das entwickelt. Und eigentlich, wenn ich das jetzt so mal so im Rückblick reflektiere, dann hatte ich viel Glück, weil ich an entscheidenden Stellen immer auch mit Menschen arbeiten durfte, die mich geprägt haben, die mir geholfen haben, wenn es um Entscheidungen ging, mir auch Mut gemacht haben, Entscheidungen zu treffen und neue Dinge anzugehen. Und so ist es eben gekommen, dass ich nach einigen Jahren in der Küche dann zunächst mal spontan gesagt habe, jetzt fahre ich mal zur See, ja, und dann bin ich zur Hotelfachschule gegangen und konnte so die Dinge immer weiterentwickeln und immer den nächsten Schritt annehmen. Und das war wichtig, weil ich immer wieder auch Mentoren hatte, die mich dabei gut beraten und unterstützt haben. Deshalb mache ich das auch selber heute gerne, weil ich sehe, wie wichtig es ist, in jungen Jahren Leute zu haben, die einem ein bisschen Erfahrung anbieten. Und entscheiden muss man natürlich selbst.
- 26:01 Ronald M. Arndt
Ja, und den nächsten Schritt suchen muss man auch selbst.
- 26:05 Wilhelm Luxem
Also der wird einem ja nicht auf dem Silberteller da zugeschmissen, sondern auch mal den Mut haben, das etwas vielleicht Abwegige, Scheinende mal auszuprobieren, mal was anderes zu machen. Und damit einfach neue Erfahrungen auch.
- 26:20 Ronald M. Arndt
Warum fährt man zur See? Weil man das in dem Moment einfach hochspannend fand?
- 26:24 Wilhelm Luxem
Ja, in dem Moment fand ich das hochspannend, weil es war eine Privatyacht und das war natürlich— ich war ja vorher in der Gastronomie unterwegs und jetzt plötzlich das Angebot auf einer Privatyacht, totaler Luxus, also nur vom Feinsten.
- 26:39 Ronald M. Arndt
Es war aber nicht der Zürichsee?
- 26:40 Wilhelm Luxem
Nein, das war Mittelmeer, kreuz und quer über den Atlantik, also Also das war wirklich ein seetüchtiges, hochseetüchtiges Hotel.
- 26:47 Ronald M. Arndt
Also das wäre nichts für mich.
- 26:49 Wilhelm Luxem
Das war wunderbar. Und was hat mich da am meisten begeistert eigentlich? Wir waren 2 Köche, ein Freund von mir, der mich dorthin geholt hat. Ach ja, danke.
- 27:00 Ronald M. Arndt
Dem war das nicht geheuer alleine.
- 27:02 Wilhelm Luxem
Wir durften machen, was wir wollen. Es musste einfach nur gut sein. Geld spielte keine Rolle.
- 27:07 Ronald M. Arndt
Aber war das jetzt noch nach der Kochausbildung?
- 27:10 Wilhelm Luxem
Ja, das war nach der Kochausbildung.
- 27:12 Ronald M. Arndt
Ausbildung. Mit 20 dann, oder?
- 27:14 Wilhelm Luxem
21. Das war eine ganz tolle Erfahrung, nicht nur menschlich, weil ich— wir haben Dinge gesehen, die hätte ich sonst nie gesehen. Da wurde das Boot dann mal verchartert an eine Filmgesellschaft, da wurde ein Film gedreht, da hatten wir wochenlang Anthony Quinn und Jacqueline Bizet an Bord. Da waren wir also ganz hautnah an diesen Leuten dran und haben miterlebt, wie so ein Film entsteht, so ganz nebenher als Koch.
- 27:36 Ronald M. Arndt
Und Jung, zwar, essen mussten die alle, ist alle bei Ihnen vorbeigekommen am Ende des Tages.
- 27:42 Wilhelm Luxem
Genau, nee, spannende Zeiten. Und ja, das ist schön, wenn man solche Möglichkeiten in jungen Jahren auch hat.
- 27:49 Ronald M. Arndt
Ja, aber genau, ich meine, Sie haben die, wie gesagt, gesucht. Man muss dann auch Lust haben, wieder was Neues zu machen, was anderes zu machen, sich selbst zu challengen.
- 27:57 Wilhelm Luxem
Ja, genau.
- 27:58 Ronald M. Arndt
Und dann kann ich mir einen Mentor suchen, der vielleicht schon ein bisschen was gesehen hat von der Welt und Entscheidungen getroffen hatte.
- 28:04 Wilhelm Luxem
Und dann, ja, aber auch bei der Entscheidung war wieder ein Mentor wichtig, weil ich war damals in Berlin als Koch und mein Freund, Kollege, der war schon auf dem Schiff. Und bevor er dorthin ging, habe ich ihm gesagt, falls ihr noch jemanden braucht, gebt mir Bescheid, das würde mich doch auch interessieren. Und ein Vierteljahr später rief er mich dann an und sagte, ja, jetzt wäre der Moment, wir suchen noch jemanden. Und ich war gerade, ich hatte gerade eine Beförderung bekommen von meinem Chef Küchenchef, Postenchef geworden und verbesserte Saläre, natürlich auch Verlängerung.
- 28:39 Ronald M. Arndt
Das war dann im Erbprinz, oder?
- 28:40 Wilhelm Luxem
Nein, das war im Interconti damals in Berlin.
- 28:45 Ronald M. Arndt
Ja, stimmt.
- 28:46 Wilhelm Luxem
Und ja, und jetzt hatte ich gerade diese Beförderung bekommen, mein Küchenchef hatte mir die Chance gegeben und jetzt quasi soll ich ihn verlassen. Und da habe ich erst mal 2 Tage nicht gewusst, was soll ich jetzt tun? Und dann habe ich mir den Mut gefasst und bin zum Küchenchef gegangen, habe ihm das dargelegt, und er hat mich angeschaut, sagt, auf was wartest du denn? Glaubst du, ich werde dir diese Chance verbauen? Das musst du machen. Das fand ich ganz toll, werde ich ihm nie vergessen. Ja, sprich, wenn es heute jemand aus Ihrem Team zu Ihnen sagt, dann würde ich so, genau, das, das hat, weil jetzt haben Sie wieder anderes Interesse, aber ganz genau, Sie sagen, okay, ist ganz wichtig, jungen Leuten in solchen Momenten nicht den Weg zu legen, sondern ihnen die Chance zu geben, etwas zu tun, für das sie vielleicht nur einmal eine Chance bekommen. Da darf man nicht im Weg stehen.
- 29:32 Ronald M. Arndt
Sehen Sie bei jüngeren Menschen da jetzt auch wieder welche, die ähnliche Lebensläufe haben, oder ist es heutzutage alles ein bisschen, weiß ich nicht, komplizierter, komplexer? Macht man sich zu viele Gedanken? Probiert man weniger aus?
- 29:46 Wilhelm Luxem
Ja, es ist vielleicht so, jetzt will ich ja nicht reden wie ein alter Mann.
- 29:52 Ronald M. Arndt
Den Vergleich wollte ich auch gar nicht ziehen.
- 29:54 Wilhelm Luxem
Aber es ist eher so, dass natürlich, sag mal, vor 20, vor 30 Jahren die Chance, auf ein Schiff zu gehen oder ins Ausland zu gehen, nicht so selbstverständlich war. Damals gab es noch Grenzen, da gab es noch Visabestimmungen. Also es war viel komplizierter und deshalb war vielleicht doch der Traum von der weiten Welt noch viel stärker, weil schwieriger zu erreichen. Heute kann ja ein 18-Jähriger sich ein Ticket nach irgendwo auf der Welt kaufen. Ja, jetzt in der Pandemie vielleicht gerade nicht, aber zu normalen Zeiten. Insofern ist das vielleicht ein bisschen einfacher und das führt vielleicht bei dem einen oder anderen zu einer gewissen Blasiertheit. Also diese Sehnsucht nach der Ferne und sich woanders verwirklichen zu können oder Erfahrungen zu sammeln, ist vielleicht nicht mehr ganz so stark.
- 30:43 Ronald M. Arndt
Vielleicht auch die Notwendigkeit, den Drang, irgendwie sich selbst weiterzuentwickeln, weil es einem so, wo man ist, mit dem, was man hat, ganz gut geht. Ja, kann natürlich auch sein, saturiert halt.
- 30:55 Wilhelm Luxem
Ja, die ist sicher da, aber es gibt viele junge Leute, die hungrig sind, die vorankommen wollen, die noch träumen und das wollen wir auch realisieren wollen.
- 31:07 Ronald M. Arndt
Das heißt, eine Ikone hier wie das Burak der Luxushotellerie weltweit, die wird immer, immer und immer wieder so spannende Menschen wie Sie anziehen.
- 31:16 Wilhelm Luxem
Ja, ob das immer so sein wird, weiß ich nicht, aber wir werden alles dafür tun, dass es so bleibt.
- 31:21 Ronald M. Arndt
Was kann man dafür tun? Was kann man falsch machen?
- 31:24 Wilhelm Luxem
Also dranbleiben, immer dranbleiben, nichts für gesetzt halten, wirklich für Veränderung offen sein, aber nicht die Veränderung der Veränderung halber einfach suchen, sondern wenn sie gute Gründe hat, wenn sie Substanz hat, und und das Entscheidende ist eigentlich, neben den genannten konstanten Investitionen, sind, und das ist mindestens genauso wichtig, die Menschen. Vielleicht sogar, wenn ich das jetzt mal in Prozenten sage, 51% müssen die Menschen sein. Denn was nützt mir das schönste, das bestausgestattete Hotel, wenn ich nicht die Menschen habe, die da drin gerne dienen, die Dienen als eine wunderschöne Aufgabe begreifen und nicht als devot sein oder als etwas, das ich mir quasi von meiner Persönlichkeit abverlangen muss, weil ich mich da untertan fühle. Nein, es ist etwas, das mir Freude macht, anderen Menschen eine Freude zu machen, anderen ihre Wünsche abzulesen und abends nach Hause gehen: Heute hatten wir ein paar herausfordernde Situationen. Wir sprechen aber nicht von schwierigen Gästen, sondern von anspruchsvollen Gästen. Und dann wird's eine positive Herausforderung, dann ist es ein Sport, der mir wirklich Freude und am Schluss auch einfach eine Befriedigung gibt, weil ich am Ende des Tages spüre, ich konnte was Positives vermitteln.
- 32:41 Ronald M. Arndt
Ja, und einfach eine Dienstleistung, jemanden glücklich zu machen.
- 32:45 Wilhelm Luxem
Genau.
- 32:46 Ronald M. Arndt
Also das kann man ja auf alle möglichen Arten und Weisen.
- 32:49 Wilhelm Luxem
Das ist doch eine wunderschöne Aufgabe.
- 32:51 Ronald M. Arndt
Genau, und das muss gelernt sein, und wenn man das mag, gerne macht, dann kann man auch richtig gut sein, dann wird es auch bezahlt.
- 32:58 Wilhelm Luxem
Es muss einem liegen. Deshalb sagen wir ja auch bei uns hier im Borolack, in unserem Personalpolitik: We hire for attitude, we train for skills. Also derjenige, der die richtige Einstellung hat, der passt hier rein. Das kann ich ihm auch nur bedingt noch beibringen, das muss er irgendwie von innen mitbringen.
- 33:16 Ronald M. Arndt
Das heißt, wenn das erfüllt ist, sind die Hürden eigentlich erstmal gar nicht so hoch?
- 33:19 Wilhelm Luxem
Gar nicht so hoch. Dann, was er vielleicht technisch oder an Erfahrung noch braucht, das können wir ihm hier beibringen. Wir haben eine sehr gute Training- und Entwicklungsabteilung, die wir sich sehr um Nachwuchskräfte kümmern, ihnen Möglichkeiten geben, sich weiterzuentwickeln. Das funktioniert sehr gut. Aber die innere Einstellung, die muss vorhanden sein.
- 33:37 Ronald M. Arndt
Und dann kann man schon mal zum besten Rezeptionisten der Welt werden, wie der Max Vetter, oder?
- 33:43 Wilhelm Luxem
Ja, oder auch zum besten Sommelier. Ja, genau. Ja, das macht mich natürlich sehr stolz, dass wir solche Stars im Team haben. Ja, man muss einfach den Leuten—
- 33:54 Ronald M. Arndt
einfach auch wahnsinnig gute Botschafter für das Haus.
- 33:56 Wilhelm Luxem
Ja, man muss den Leuten einfach Wind unter die Flügel geben, damit sie Lust haben zu fliegen.
- 34:03 Ronald M. Arndt
Ja, ausgezeichnet. Wie sehen Sie generell so die Luxushotellerie? Also wo sind da die Herausforderungen in Zukunft? Ich habe neulich mal in einem ähnlichen Gespräch gesagt, kann man bei der Blächerstrategie bleiben, ändert sich das alles ganz grundlegend mal, muss ein bisschen Zukunft zu schauen.
- 34:20 Wilhelm Luxem
Ja, also sag mal, Prognosen in die Zukunft sind ja immer sehr schwierig. Ich würde mal so sagen, einfach die Antennen weiterhin ausgefahren lassen und schauen, was ist relevant. Ich glaube nicht, dass sich alles total von heute auf morgen verändert, aber es wird sich alles immer wieder weiter verändern. Themen wie Nachhaltigkeit, Themen wie soziale Responsibilität, all diese Dinge prägen zunehmend unsere Gesellschaften. Dem muss sich auch ein Hotel stellen. Ich denke, das sind die wir nicht ignorieren dürfen. Aber in der Summe bin ich eigentlich der festen Überzeugung, gerade jetzt in diesen auch für unsere Branche sehr herausfordernden Zeiten, dass die besten Zeiten der Luxushotellerie vor uns liegen. Okay, warum sage ich so was? Nicht um hier irgendwo—
- 35:11 Ronald M. Arndt
ich erinnere mich gerade, wir haben doch den Christoph Hoffmann da auch sprechen gehört, ist auch so ein Verfechter der Grand-Hotellerie. Ja, okay, vielleicht noch ein paar Worte dazu.
- 35:23 Wilhelm Luxem
Anderes Spektrum von Hotellerie, aber eigentlich beides.
- 35:26 Ronald M. Arndt
Er hat ja wirklich spezifisch Grand-Hotellerie genannt, also da, wo eigentlich die meisten Menschen ja keinen Bezug zu haben.
- 35:32 Wilhelm Luxem
Ja, ganz genau. Ja, und wir sind uns da einig, Christoph Hoffmann und ich, weil wie komme ich auf so einen Gedanken? Ich bin auf den Gedanken gekommen gerade jetzt in der Pandemie, weil wir da gespürt haben, wie sehr uns Menschen doch die persönlichen, reellen Begegnungen wichtig sind. Das haben wir jetzt wirklich gespürt. Das haben wir jetzt verstehen dürfen, dass man vieles digital erledigen kann, dass das ein oder andere auch nach einer schnellen Reise mal schnell nach Berlin für ein paar Stunden, dass das vielleicht nicht immer sinnvoll ist, aber dass letztendlich die persönliche Begegnung doch was ganz Wichtiges ist, sowohl privat wie auch beruflich. Und welche Umfeld ist besser geeignet als ein 5-Sterne-Hotel, dafür den Rahmen zu bieten. Also insofern bin ich sehr zuversichtlich, dass die Hotellerie, die Grand-Hotellerie eine wunderbare Zukunft hat, weil wir eben in einer zunehmend digitalen Welt, wo vieles entpersonifiziert wird— es heißt zwar immer, es wird alles personifiziert, aber versuchen Sie dann mal jemanden in so einem Callcenter zu erreichen oder in einem Geschäft irgendwo eine persönliche Verbindung aufzubauen. Das ist zunehmend eigentlich schwer, aber in einem Hotel funktioniert sowas noch. Da ist ein Ambiente, da ist eine Aura, da kommen Menschen eben reell echt zusammen und finden sich. Und ich glaube, das ist so eine gute Basis für unser Geschäft.
- 36:58 Ronald M. Arndt
Also ich habe ja auch eine Riesenaffinität zu solchen Häusern wie hier in dem Burghaus. Seit ich Kind bin. Früher bin ich immer schon als, weiß nicht, 10-Jähriger, wenn wir da irgendwo im Urlaub waren und ich habe nur ein großes Hotel gesehen, das nach was aussah, reingelaufen, habe nach einer Broschüre, da gab es ja noch nicht so viel Internet oder ich hatte kein Smartphone natürlich, gefragt, habe den mit nach Hause genommen in die Ferienwohnung und da drin rumgeblättert und geträumt, wie Sie vorher sagten, von der großen Welt. Und aber natürlich auch da immer schon, was ich halt spannend fand, Ort der Begegnung. Genau, in der Lobby, ne. Also Menschen jeglicher Couleur, ganz unterschiedliche Kleidung. Also ja, absolut. Und das scheint sich dann wirklich, wie du jetzt sagst, noch mal neuer—
- 37:41 Wilhelm Luxem
ich glaube, es kristallisiert sich noch.
- 37:44 Ronald M. Arndt
Ja, ja, ja, genau.
- 37:45 Wilhelm Luxem
Mir fiel das auf, beispielsweise während der Zeit, wir hatten ja keinen Totallockdown hier in der Schweiz, aber es gab auch Phasen, wo Restaurants geschlossen waren für den Publikumsverkehr. Das Hotel durfte aufbleiben. Wir haben uns auch entschieden, das Hotel in der ganzen Zeit weiterzuführen, zwar mit sehr schwacher Belegung phasenweise, aber das Hotel lief immer weiter. Aber in der Phase war mir schon bewusst, wenn die Gäste, die die Restaurants oder die Halle für einen Kaffee besuchen, einfach um jemanden vom Hotel oder auch von draußen kurz zu treffen, da habe ich gespürt, dass etwas fehlte. Diese Eben diese Begegnung, Hotelgäste, Stadtgäste, das befruchtet sich gegenseitig enorm. Eben dieser Begegnungsraum, da begegnen sich zwei Welten, da kommen unterschiedliche Universen zusammen aus ganz unterschiedlichen auch gesellschaftlichen Spektren und das macht so ein Hotel unglaublich spannend.
- 38:42 Ronald M. Arndt
Also es ist natürlich am Ende auch immer eine sehr homogene Klientel. Da habe ich mir ab und an so ein bisschen Gedanken gemacht, wie kann man das aber unternehmerisch macht es keinen Sinn, da jetzt Leute ins Hotel zu holen, die sich eben die Zimmerrate nicht leisten können, gar keine Frage. Aber gesellschaftlich erstmal eine Plattform zu haben, mit Menschen zusammenzubringen, wie es so anders gar nicht gegeben ist, spannend. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal noch—
- 39:06 Wilhelm Luxem
Ja, und es gibt ja immer so unterschiedliche Bereiche. Also im Sommer beispielsweise auf unserer Terrasse, da sind natürlich sehr viele Gäste aus der Stadt und da geht es ganz entspannt einher. Und da soll ja auch keine Barriere sein, dass man denkt, oh, das ist ja so ein Luxushotel, das ist nur die feinen, weitgereisten Gäste. Nein, das ist, das soll ja eine ganz entspannte, offene Atmosphäre sein, damit für den Gast aus der Stadt keine Hemmschwelle da ist. Und für den ferngereisten Gast, der hier ist, ist es Teil des lokalen Erlebens. Ja, denn Hotel gerade mit so einer großen internationalen Ausrichtung wie ein Borolak, 90% unserer Hotelgäste kommen aus der ganzen Welt. Also nur 10% der Hotelgäste sind Schweizer, aber es braucht dieses Spannungsfeld. Diese Internationalität hat immer auch eine ganz starke lokale Verankerung. Also think local, act global. Das ist für so ein Hotel, das gehört einfach dazu.
- 40:03 Ronald M. Arndt
Ja, ich bin ganz berührt, dass ich heute mal hier mir das von innen anschauen dürfte im Rahmen vom Hotel-Podcast. Wie gesagt, ich habe schon vieles gesehen, als Kind überall schon reinmarschiert. Ihnen jetzt heute mit Ihnen hier zusammenzusitzen, Herr Luxem, ganz lieben Dank, herzlichen Dank.
- 40:22 Wilhelm Luxem
Ja, vielen Dank.
- 40:23 Ronald M. Arndt
Ich glaube, das war mehr als klar, dass man in unserer Branche da sich auch ein schönes Leben machen kann, ja, ein spannendes Leben, viel sehen kann. Dass es mit Familie funktioniert, wenn man dann da einen richtigen Partner, richtige Partnerin an der Seite hat. Und ja, das ist eigentlich auch eine durchlässige— es ist eigentlich möglich, in den Bereichen Betrieb, selbst ein 5-Sterne-Haus wie das Bora reinzukommen, wenn man dann die richtige Attitude hat. Und danach ist alles möglich.
- 40:57 Wilhelm Luxem
Ist alles möglich. Man muss es wollen und auch den Mut haben.
- 41:01 Ronald M. Arndt
Da fängt man an mit einer Kochlehre und am Ende sitzt man hier. Chancen wahrnehmen, Chancen wahrnehmen, Chancen wahrnehmen. Und wenn man dann doch mal nicht weiß, ob jetzt links oder rechts, dann einfach gucken, wen man fragen kann.
- 41:12 Wilhelm Luxem
Ganz genau.
- 41:12 Ronald M. Arndt
Und da gibt es ja wohl, dann habe ich gehört, ein paar, die da gerne mal auch ein offenes Ohr für haben. Absolut.
- 41:18 Wilhelm Luxem
In dem Sinne, ganz vielen Dank für das Gespräch und für die Einladung heute, und Ihnen eine gute Rückreise.
- 41:25 Ronald M. Arndt
Dankeschön, bis zum nächsten Mal. Tschüss.