Tortue Hamburg, ceci n'est pas un hôtel
Aufgenommen: Tortue Hamburg, Hamburg
Germany16 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir hatten insgesamt tatsächlich 23 Tage auf, dann kam der Lockdown. Das war eine Katastrophe, aus vollem Lauf gegen die Wand quasi.“
Marc Ciunis, 08:42
Ronald M. Arndt ist zu Gast im Tortue in Hamburg und spricht im hauseigenen Podcast-Studio mit Marc Ciunis. Das Haus an der Stadthausbrücke 10 steht im ehemaligen französischen Viertel und wirbt mit “Ceci n’est pas un hôtel”, für Ciunis ist es ein Ort des Genusses und des Savoir-vivre. Er erzählt vom Frühstück à la carte, von den Eröffnungen Petit Tortue und Chez L’Ami in den Lockdowns und von der Dachterrasse, die für ‘23 geplant ist.
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Kernaussagen
- Kein Personal, nur Gastgeber: Ciunis korrigiert das Wort Personal gleich in der ersten Minute: im Tortue gibt es Mitarbeiter, Gastgeber und Kollegen. Vom Auszubildenden und der Aushilfe bis zum Geschäftsführer wird geduzt.
- Frühstück à la carte: Das À-la-carte-Frühstück macht das Haus von Anfang an, die Gäste sehen die Zubereitung live. Als nach dem Lockdown Buffets nicht mehr möglich waren, hat das das Tortue nach Ciunis im Prinzip gar nicht getroffen.
- Granit im Zimmerdurchgang: Die Durchgänge in den Zimmern sind mit Granit ausgeschlagen, damit Rollkoffer keine Spuren hinterlassen. Dafür wurde beim Bau von vornherein mehr Geld in die Hand genommen.
- Boutiquehotel ohne Concierge: Valet-Parking gibt es, einen Concierge-Service und einen Wagenmeister vor der Tür nicht. Die Leistungen werden erbracht, aber nicht als Standard angeboten, damit niemand damit rechnet.
- Dachterrasse für '23: Die Dachterrasse mit Blick auf Elbphilharmonie und Michel war lange geplant, scheiterte an den Lockdowns und daran, dass keine Rohmaterialien zu bekommen waren. Jetzt ist sie für '23 geplant, mit Yoga morgens für Hotelgäste.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Das Tortue in Hamburg behauptet von sich selbst kein Hotel zu sein, aber was dann?
Ich hätte hierzu direkt die ein oder andere Antwort parat, muss aber immer an das Frühstück à la carte denken. Einfach "granatenstark", wie der frühere Barkeeper und heutige Hausherr Marc Ciunis sagen würde.
Meinem Sohn Vincent käme bei dieser Frage vielleicht Giselle in den Sinn. Aber wer ist das schon wieder und braucht man für sie eigentlich eine Leine?
Ende des 18. Jahrhunderts waren viele Dinge anders als heute. Damals Napoleon im hoteleigenen Podcast-Studio höchstpersönlich zu begrüßen aber sicherlich ein Knaller.
Hätte man den Kaiser der Franzosen aber ebenfalls auf Anhieb geduzt? Wer weiß, Alexander Aisenbrey sicherlich nicht.
Ich hätte mich gerne noch länger mit Marc unterhalten, aber die Stimme hat nicht mehr mitgemacht. Nur eins von vielen Argumenten um spätestens im nächsten Frühjahr wiederzukommen.
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Transkript öffnenTranskript schließen16 Min · Ronald M. Arndt und Marc Ciunis
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Ich wusste ja auch, dass es hier das eine oder andere Gerät gibt, aber ja, wollte ich da jetzt nicht zu viel Arbeit machen, sage ich mal. Aber man sieht schon natürlich, hier ist ein voll ausgestattetes Podcast-Studio vorhanden, und ich habe es gerade schon mit deinen Leuten gesprochen. Ihr macht ja Aufnahmen mit dem eigenen Personal, mit dem eigenen Team. Super cool.
- 00:31 Marc Ciunis
Personal haben wir nicht, wir haben nur Mitarbeiter, nur Gastgeber und Kollegen.
- 00:35 Ronald M. Arndt
Und schon geht's los mit besser kennenlernen. Das Ziel vom Hotel-Podcast. Genau. Und ja, los geht's.
- 00:43 Marc Ciunis
Podcast-Studio ist nachgebaut nach dem Online-Marketing-Rockstars, also der, okay, die haben uns da so ein bisschen unterstützt und geholfen. Und ich finde, das ist richtig, richtig toll geworden.
- 00:52 Ronald M. Arndt
Richtig toll geworden. Super. Und ich freue mich, heute hier zu sein bei dir, bei euch.
- 00:56 Marc Ciunis
Schön, dass du da bist.
- 00:57 Ronald M. Arndt
Im Tortue in Hamburg.
- 01:00 Marc Ciunis
Ja, genau.
- 01:01 Ronald M. Arndt
Und mein Gegenüber Marc. Und jetzt helft mir kurz.
- 01:04 Marc Ciunis
Marc Ciunis.
- 01:04 Ronald M. Arndt
Ciunis. Guck, da kann man auch so viel falsch machen, wenn man sich erst so kurz kennt.
- 01:09 Marc Ciunis
Dass ich das schon so gehört habe. Wahnsinn.
- 01:11 Ronald M. Arndt
Genau, deswegen habe ich es gar nicht versucht.
- 01:13 Marc Ciunis
Deswegen bleiben wir bei Marc. Und das ist auch in Ordnung.
- 01:15 Ronald M. Arndt
Das freut mich. Ich bin Ronald.
- 01:16 Marc Ciunis
Wir haben hier sowieso die Kultur, dass wir uns untereinander duzen.
- 01:19 Ronald M. Arndt
Also ja, in Hamburg oder im Haus?
- 01:21 Marc Ciunis
Hier in Hamburg, aber im Haus auf jeden Fall. Also vom Auszubildenden oder von der Aushilfe bis hin zum Geschäftsführer wird untereinander geduzt. Und das ist eine sehr, sehr angenehme familiäre Atmosphäre.
- 01:30 Ronald M. Arndt
Das hört sich gut an, ganz nach meinem Geschmack. Das dauert bei mir im Schwabenländle, wo ich herkomme, dann in der Tat ein bisschen länger.
- 01:36 Marc Ciunis
Ja, ist das so?
- 01:36 Ronald M. Arndt
Oder wird es nie was? Kann auch sein.
- 01:39 Marc Ciunis
Gut, gibt's natürlich auch.
- 01:40 Ronald M. Arndt
Der Herr Eisenbrei hatte im Podcast gesagt vom Eschberghof, dass er dann einen Kollegen hatte. Ich weiß es gar nicht mehr, in welcher Funktion es war, aber mit dem war er jahrelang, vielleicht auch Jahrzehnte unterwegs, haben immer das Hotelzimmer geteilt, und die haben sich bis zum Ende hin immer gesiezt.
- 01:55 Marc Ciunis
Ja, Wahnsinn. Demnach ist er jetzt ja tot.
- 01:59 Ronald M. Arndt
Das weiß ich nicht.
- 02:01 Marc Ciunis
Alexander lebt, den habe ich gestern getroffen.
- 02:02 Ronald M. Arndt
Den haben wir gestern beide gesehen. Genau, der lebt. Was der andere macht, weiß ich nicht. Aber das gibt es dann auch im süddeutschen Raum. So, ich glaube, ich habe nicht nur ein neues Lieblingshotel, sondern auch ein neues Lieblingsfrühstück heute Morgen entdeckt.
- 02:16 Marc Ciunis
Du bist ein Genießer.
- 02:17 Ronald M. Arndt
Ja gut, die Auswahl war groß, das musste ich auf ein paar Tage verteilen. Aber heute Morgen bin ich dann in der Tat mit meinem Sohn beim Pain Perdu rausgekommen. Und Expedit nicht probiert?
- 02:31 Marc Ciunis
Nein, dafür stehen wir ganz viel.
- 02:34 Ronald M. Arndt
Eigentlich wollte ich noch eine Nacht länger bleiben, aber der Rückweg mit Familie von Hamburg nach Stuttgart, der ist echt so elends lang. Jetzt müssen wir das noch mal mit dem Auto halt. Jetzt müssen wir heute schon los, sonst kriegen wir das nicht mehr hin.
- 02:45 Marc Ciunis
Wobei ich glaube, dass auf den Straßen nicht so wahnsinnig viel los ist durch die Benzinpreise und so.
- 02:49 Ronald M. Arndt
Das mag sein, aber es ist dann doch eine lange Strecke.
- 02:52 Marc Ciunis
Ja klar, lange Strecke ist es und bleibt es.
- 02:54 Ronald M. Arndt
Und holprig, habe ich festgestellt. Also ich bin die Strecke lang nicht gefahren, aber sehr holprig irgendwie so zwischendurch. Pompadour, ja, okay, Empfehlung angenommen, nehme ich dann das nächste Mal. Das war die erste Empfehlung für alle, die es noch nicht kennen, das besondere Frühstück à la carte. Also die Stimmung, wenn man reinkommt, die Mannschaft in der Küche, traumhaft.
- 03:18 Marc Ciunis
Man sieht live, wie alles zubereitet wird. Wir lieben es und wir haben es tatsächlich auch von Anfang an gemacht. Insofern haben uns die, zumindest nach dem Lockdown, dann die ganzen neuen Regelungen mit Buffet nicht mehr möglich getroffen. Also im Prinzip gar nicht, weil wir von vornherein dieses À-la-carte-Frühstück gemacht haben. Hatten natürlich auch so kleine Stationen, wo man sich so kleine Küchlein wegnimmt und so was. Das haben wir dann umgestellt, aber es war kein großer Aufwand. Das war sehr schön.
- 03:44 Ronald M. Arndt
Okay, also ich bin ja definitiv, wissen auch die Fans, sage ich jetzt mal, des Hotel-Podcasts, dass ich da sehr frankophil bin. Ich habe in Frankreich studiert, ich habe in Frankreich gearbeitet. Das ist hier eigentlich ein Nachhausekommen ins Tortue, zu Deutsch.
- 03:58 Marc Ciunis
Und das, obwohl der Innenhof quasi noch gar nicht richtig belebt ist, weil wenn es dann schön draußen ist und warm und man geht durch den Haupteingang in unseren wunderschönen Innenhof, ist es so, als wenn man Hamburg verlässt.
- 04:09 Ronald M. Arndt
Ja, so ein bisschen windig und kühl hier, das hört man auch an meiner Stimme. Zum einen natürlich, weil es hier kühler ist. Ich glaube, Stuttgart hat 10 Grad mehr gehabt, als wir losgefahren sind. Hätte auch mal die Wettervorhersage checken können. Aber natürlich, wenn man so mal wieder raus darf und tolle Menschen kennenlernt, dann quatscht man halt in 2 Tagen mehr als die letzten 2 Jahre.
- 04:28 Marc Ciunis
Normal.
- 04:29 Ronald M. Arndt
Also so normal.
- 04:30 Marc Ciunis
Gestern war auch die Veranstaltung. Ich habe auch viel gesabbelt. Mein Gott, das war halt wie ein Klassentreffen. Aber schön war es.
- 04:37 Ronald M. Arndt
Kürzen wir es mal kurz ab. Tortue, französisch durch und durch. Jetzt weiß ich gar nicht, ob man Französisch sagen darf oder steckt da, hat es gar nichts mit der Sprache oder dem Land zu tun, sondern einfach mit der Kultur, dem Savoir-vivre? Wo kommt der her?
- 04:49 Marc Ciunis
Auch, aber tatsächlich ist es so, dass die Gebäude, wo wir uns drin befinden, also hier an der Stadthausbrücke 10, ist das ehemalige französische Viertel von Hamburg. Napoleon soll hier irgendwo in der Gegend mal übernachtet haben. So, ich sage mal fußläufig von hier 150, 200 Meter entfernt. Und der Name Schildkröte oder Tortue kommt tatsächlich daher, das kann man auch nachlesen, sage ich mal, bei Google oder so was, dass es zu der Zeit damals, als es Besatzungszone war von den Franzosen, also 19. Jahrhundert, genau, dass es en vogue war, mit der Schildkröte an der Leine flanieren zu gehen.
- 05:22 Ronald M. Arndt
Siehste.
- 05:24 Marc Ciunis
So wird es erzählt. Es gibt irgendwelche lustigen Zeichnungen und so was. Ja, wir haben zu Anfang gedacht, mein Gott, was für eine schöne Geschichte. Ich hätte gerne das, was uns der Mensch der Mensch geraucht hat, was der uns erzählt hat, die Geschichte hätte ich gerne auch. Die Fantasie fand ich super, aber es ist tatsächlich nachweisbar. Super stark.
- 05:44 Ronald M. Arndt
Ja, genau. Heute flaniert die Schildkröte nicht mehr, aber sie ist noch vor dem Haus zu finden, direkt am Eingang.
- 05:48 Marc Ciunis
Unsere Giselle.
- 05:50 Ronald M. Arndt
Genau. Bin gar nicht sicher, ob da sich ein kleines Kind von 3 Jahren überhaupt mal draufsetzen durfte.
- 05:54 Marc Ciunis
Doch, darf.
- 05:54 Ronald M. Arndt
Aber er hat es auch gemacht, ungefragt, und sie steht immer noch da.
- 05:59 Marc Ciunis
Alles gut. Doch noch wurde sie nicht geklaut. Finde ich auch ganz schön.
- 06:03 Ronald M. Arndt
Ceci n'est pas un Hotel, ja, steht da überall. Ja, was ist, was ist denn dann?
- 06:08 Marc Ciunis
Wir sind nicht nur ein Hotel, sondern wir sind eigentlich ein Ort des Genusses und des, ja, Savoir-vivre. Das, was du gesagt hast, das passt schon. Also man soll sich hier rundum wohlfühlen. Eigentlich ist die Idee, dass man das Hotel grundsätzlich quasi nicht verlassen braucht, weil man alles eigentlich erleben kann. Das Einzige, was du nicht richtig kannst, ist natürlich shoppen, aber dafür ist der Neue Wall Und die großen Bleichen und der Jungfernstieg hier gleich ums Eck.
- 06:32 Ronald M. Arndt
Definitiv.
- 06:32 Marc Ciunis
Wir sind ja hier mitten im Hamburger Zentrum, insofern.
- 06:34 Ronald M. Arndt
Genau, im Herzen der Hansestadt. Und irgendwo habe ich auch gelesen, schöner als die Fantasie. Und diese Detailverliebtheit, wofür die Franzosen übrigens auch bekannt sind, also ist ja durchaus nachvollziehbar. Wer hält denn so was aufrecht? Also ist es so, dass die Mitarbeitenden da alle vom gleichen Schlag sind, oder muss man die, muss man die suchen und ansonsten kann man nicht zusammenarbeiten, oder?
- 07:01 Marc Ciunis
Na ja, grundsätzlich ist erst mal das, was gebaut wurde, hat einen sehr, sehr, sehr, sehr hohen Standard. Ob das, ich sage mal, der Durchgang im Hotelzimmer ist, der mit Granit ausgeschlagen ist. Du wirst es erlebt haben, weil das sind, das sind so Sachen, da der normale Gast, sage ich mal, der mit seinem kleinen Rollkofferchen reinkommt, der knallt dagegen und dann sieht das nach kurzer Zeit, wenn es Holz ist oder ähnliches Material, sieht das relativ abgeranzt aus. Das kann bei uns nicht passieren. Das heißt, wir haben von vornherein mehr Geld in die Hand genommen und gesagt, wir machen das so. Und wir haben natürlich Mitarbeiter, die das pflegen. Also unsere Hausdame in Anführungsstrichen, Johannes, ist, also den Menschen ohne Putzlappen zu sehen, das geht einfach nicht. Er lebt.
- 07:45 Ronald M. Arndt
Okay.
- 07:45 Marc Ciunis
Und wir lieben, also wir leben und lieben das alles, was wir tun.
- 07:48 Ronald M. Arndt
Super.
- 07:49 Marc Ciunis
90%, 95%, vielleicht auch mehr. Ich kann es nicht sagen.
- 07:53 Ronald M. Arndt
Naja, ich habe schon das Gefühl, dass es über 100 zu Gast sind.
- 07:56 Marc Ciunis
Das wäre schön, das wäre schön.
- 07:59 Ronald M. Arndt
Ja, nee, ich bin in der Tat auch über eine Empfehlung hergekommen. Guter Freund von mir, Christian Struppheit, ich weiß gar nicht, ob der sogar mit euch zusammenschafft in irgendeiner Art und Weise, The Hotels Network.
- 08:09 Marc Ciunis
Ja, bekannt.
- 08:10 Ronald M. Arndt
Ja, hat gesagt, Ronald, wenn du mal in Hamburg bist, unbedingt Tortue.
- 08:14 Marc Ciunis
Vielen Dank an dieser Stelle.
- 08:20 Ronald M. Arndt
Jetzt, wenn man so ins Impressum schaut, steht da immer HGH Hotelgesellschaft.
- 08:24 Marc Ciunis
Ja, wir waren unheimlich kreativ.
- 08:26 Ronald M. Arndt
Großes, ja genau, genau, genau. Nicht mal Group oder irgendwas oder Collection oder also nicht gleich die große Nummer.
- 08:35 Marc Ciunis
Du meinst Hamburg, Deutschland, dann die Welt?
- 08:37 Ronald M. Arndt
Genau.
- 08:37 Marc Ciunis
Ja, großartig.
- 08:38 Ronald M. Arndt
Was hat der Marc noch vor?
- 08:41 Marc Ciunis
Also wir haben ja.
- 08:42 Ronald M. Arndt
Was war, was war, was war? Ja, wie kam es dazu?
- 08:44 Marc Ciunis
Also die Grundidee war, dass wir einen besonderen Ort schaffen hier im Zentrum der Hansestadt. Und inzwischen ist es so, dass wir vor 4 Jahren aufgemacht haben. Jeder weiß, wir hatten anderthalb Jahre zu, alle anderen im Prinzip ja auch. Und wir haben aber in dieser Zeit einige Sachen neu gemacht, unter anderem da, wo wir hier sitzen, also sprich die Lobby-Erweiterung, das Atelier vom Tortue, wo auch das Podcast-Studio steht. Zusätzlich haben wir noch das, im ersten Lockdown haben wir das Petit Tortue am Neuen Wall gebaut und eröffnet, hat Wir hatten insgesamt tatsächlich 23 Tage auf, dann kam der Lockdown. Das war eine Katastrophe, aus vollem Lauf gegen die Wand quasi. Und wir haben jetzt im zweiten Lockdown das Chez L'Ami gebaut. Das ist ein bisschen nachempfunden dem Chez L'Ami-Louis in Paris, ein sehr, sehr berühmtes Lokal. Ich sage immer mit dem unfreundlichsten Service der Welt. Aber das Essen ist halt granatenstark und super Qualität, richtig toll. Und das war unser Anspruch auch. Kleines Lokal mit nur 20, 25 Sitzplätzen für, ich sag mal, Closing Dinner oder kleine Familienfeste oder auch À-la-carte-Geschäft, ist das derzeit ein Riesenhighlight. Super.
- 10:03 Ronald M. Arndt
Wie kam es zur Gründung? Also wer hat sich da mit wem zusammengetan? Woher kam der Impuls? Mich interessiert einfach auch immer dieser Business-Aspekt.
- 10:10 Marc Ciunis
Der Impuls ist, also mein Geschäftsführerkollege Carsten von der Heide, der auch das Tarantella hier in Hamburg betreibt, war von vornherein hier in der Planung der Stadthöfe. Das ist von der Firma Quantum seinerzeit initiiert worden, das sind jetzt auch unsere Partner. Und er war von vornherein in der Planung, dass wenn hier ein Hotel entsteht oder Gastronomie entsteht, war er in der Bewerbung quasi schon namentlich mit erwähnt. Ich war damals im East Hotel noch als Gesellschafter, habe mich dann da verabschiedet, habe also da auch schon Mitunternehmer, Gesellschafter. Mitunternehmer schon sehr, also eigentlich mehr oder weniger schon.
- 10:50 Ronald M. Arndt
Okay, gut, wie bei mir.
- 10:53 Marc Ciunis
Und ich habe mich dann da verabschiedet, weil es einfach nicht mehr gepasst hat. So, da müssen wir auch gar nicht weiter drauf eingehen. Und dann kam der eine Gesellschafter, oder ja, Frank Schmidt kam auf mich zu und sagte, Mensch, wir müssen mal sprechen. Carsten hat gesagt, du bist jetzt frei, wollen wir uns nicht mal zusammensetzen? Und da haben wir uns das hier angeguckt, haben gesessen und nach relativ kurzer Zeit, ich konnte gar nicht nein sagen, weil das Projekt einfach mich so begeistert hat und die Idee, die dahinter steckte, und auch natürlich das, was Quantum bis dahin schon gemacht hatte. Und ich sag mal, da konnte man schon damals erkennen, was das für bauliche Qualitäten sind, wo der Fokus drauf gesetzt wird. Und ja, die beiden Partner jetzt von uns sind weltweit gereist, kennen sich in der Hotellerie sehr, sehr gut aus. Und ja, es konnte nichts Schlechtes draus werden. Das heißt, Carsten als Koch, ich als, wie soll ich sagen, Gastgeber, ehemals relativ bekannter Barkeeper und so, das passte einfach super zusammen. Und da haben wir gesagt, komm, dann geben wir Gas, machen wir.
- 11:58 Ronald M. Arndt
Macht ihr, habt ihr gemacht.
- 12:00 Marc Ciunis
Und haben wir gemacht.
- 12:01 Ronald M. Arndt
Fühlt sich alles an nach einem Haus, nach einem Haus für die Ewigkeit, wie du schon gesagt hast, einfach, ne. Also die besonderen Materialien, ja, das ist ja ein bisschen der Unterschied zu manch anderen Häusern, die dann auch von Ketten natürlich abstammen und ausgerollt werden.
- 12:14 Marc Ciunis
Und ein sehr, sehr individuelles Hotel, also wir bezeichnen das als Boutiquehotel. Die Zimmer sind zwar vom Design her alle sehr ähnlich, aber ist natürlich auch dem Bau geschuldet. Es ist ein Altbau, das Gebäude kommt irgendwann aus dem Ende des 18. Jahrhunderts irgendwie. Und da gibt es halt nicht so viele Räume, die gleich sind.
- 12:32 Ronald M. Arndt
Mal ganz naiv die Frage gestellt: Was wäre denn da jetzt der Unterschied zu einem Grand Hotel in deinen Augen? Du sagst Boutiquehotel, weil ihr habt ja 128 Zimmer und Suiten, glaube ich.
- 12:41 Marc Ciunis
Ja, wir haben Suiten, aber es gibt so was wie den Concierge-Service zum Beispiel haben wir nicht. Wir haben keinen, also wir haben Valet-Parking, aber auch nicht Konzern. Da steht nicht hinten der Anwaltmeister vor der Tür, der die Gäste in Empfang nimmt.
- 12:54 Ronald M. Arndt
Wird aber alles angeboten.
- 12:55 Marc Ciunis
Wir machen das, ja. Machen das, aber nicht, nicht als Standard. Und ich sag mal, in einem Grand Hotel, ich glaube, dass wenn du vorfährst, Vorspiel Jahreszeiten als Beispiel, da ist der Wagenmeister nicht da.
- 13:07 Ronald M. Arndt
Okay.
- 13:07 Marc Ciunis
Und Ingo kriegt das mit. Also Ingo Peters, der würde sagen, Entschuldigung, hier läuft gerade irgendwas ganz, ganz doll schief. Und wir sind halt, wir bieten es nicht als Standard an und jeder freut sich, wenn er das bekommt.
- 13:19 Ronald M. Arndt
Definitiv.
- 13:19 Marc Ciunis
Aber rechnet nicht damit.
- 13:20 Ronald M. Arndt
Okay, okay, verstehe. Habt ihr den Unterschied verstanden? Okay. Zur Tür noch mal die Frage: Habt ihr noch mal ein Projekt in der Planung? Also ich will es jetzt gar nicht—
- 13:33 Marc Ciunis
das, was als Nächstes kommen wird, ist eine Dachterrasse oben auf dem Gebäude, logischerweise da, wo die Dachterrasse hingehört, mit eventuell morgens ein bisschen Yoga für die Hotelgäste. Soll auch erstmal für Hotelgäste als Nutzungsfläche da sein. Und es wird, also die Fläche hat einen Blick auf die Elbphilharmonie und wir gucken auf den Michel und einen sehr wunderschönen Rundumblick. Wir haben eine südliche Ausrichtung, das heißt, wir haben den ganzen Tag Sonne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Es ist ein Traum. Und ja, es wird okay.
- 14:09 Ronald M. Arndt
Und so eine Terrasse war schon in Planung oder ist es so eine neue Idee?
- 14:13 Marc Ciunis
Wir haben schon relativ lange in Planung gehabt, Tatsächlich.
- 14:15 Ronald M. Arndt
Aber durch Lockdowns, das ist ja auch wieder was Besonderes für ein Stadthaus.
- 14:18 Marc Ciunis
Klar, aber durch Lockdowns einfach nicht umsetzbar. Jetzt hatten wir gerade das Problem, dass wir Rohmaterialien nicht an Land gekriegt haben. Deswegen wird das dieses Jahr nichts, sondern ist geplant jetzt für '23, also fürs nächste Jahr. Und das wird mal wieder ein Highlight.
- 14:34 Ronald M. Arndt
Okay, wenn du sagst Rohmaterialien, steckt dir da Stahl? Sprichst du dann nach was dir der Handwerker sagt, oder seid ihr da tiefer drin? Dinge selbst zu errichten.
- 14:49 Marc Ciunis
Dadurch, dass Quantum natürlich viel in der Bauindustrie unterwegs ist. Okay, gut. Ich habe das nachgequasselt, tatsächlich, was mir mein Partner gesagt hat. Aber ich habe mit keinem Stahllieferanten gesprochen.
- 15:03 Ronald M. Arndt
Hätte ja sein können, dass ihr hier selbst—
- 15:04 Marc Ciunis
Nein, nein, nein.
- 15:08 Ronald M. Arndt
Super, das hört sich gut an. Dachterrasse, Yoga. Yoga kann ich mir mal anschauen, aber meine Motivation wäre dann auf jeden Fall mal an der Frühstückskarte erstmal zu arbeiten, wegzuarbeiten, wegzuarbeiten. Ganz genau, den kann ich doch auch.
- 15:25 Marc Ciunis
Ja, das war die stellvertretende Hausdame.
- 15:30 Ronald M. Arndt
Habe ich doch schon gesehen.
- 15:31 Marc Ciunis
Ja, super, genau. Ja, Marc, ja, super.
- 15:34 Ronald M. Arndt
Dann bedanke ich mich fürs Kennenlernen.
- 15:37 Marc Ciunis
Ja, sehr, sehr gerne. Ich freue mich, wenn du das nächste Mal kommst und tiefer in die Frühstückskarte einsteigst.
- 15:42 Ronald M. Arndt
Und mit alter Stimme.
- 15:43 Marc Ciunis
Ja, genau.
- 15:44 Ronald M. Arndt
Heute muss ich da mal ein bisschen kürzer treten. Das wird's.
- 15:48 Marc Ciunis
Vielleicht ist es ja noch vor der Dachterrasse, sonst, wenn du Hotelgast bist, kommt man ja in jedem Fall hinauf.
- 15:54 Ronald M. Arndt
Definitiv. Herzlichen Dank, Marc. Dir eine gute Zeit weiterhin und bis zum nächsten Mal.
- 15:58 Marc Ciunis
Bis dahin.
- 15:58 Ronald M. Arndt
Ciao, ciao!