The Living Circle
Aufgenommen: Hotel Widder, Zürich
Germany30 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir möchten den neuen Luxus definieren, der nicht mehr über Louis Vuitton und Rolex bestimmt wird, sondern über Zeitinseln, die wir schaffen.“
Jörg Arnold, 06:34
Jörg Arnold ist im Hotel Widder in Zürich für das Haus zuständig und spricht mit Ronald M. Arndt über die neun mittelalterlichen Häuser, aus denen das Hotel besteht, über die Gruppe The Living Circle und über das City Lake Resort aus Widder, Storchen und Alex in Thalwil. Er erzählt, wie er den Storchen vom Vier- zum Fünf-Sterne-Hotel brachte, was das mit Umsätzen und Kosten machte und wie er sein Kader davon überzeugte. Dazu sein Weg über zwei Jahre Medizinstudium an die Hotelfachschule Lausanne.
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Kernaussagen
- Drei Häuser, ein Resort: Widder, Storchen und das 2020 dazugekommene Alex in Thalwil wurden zum City Lake Resort verbunden, mit Resort Map, Boot, E-Bike und Elektroauto. Wer als Widder-Gast im Alex isst, bekommt es auf die Widder-Rechnung.
- Gleiche Gäste, kein Austausch: Storchen und Castello del Sole hatten zum Teil dieselben Gäste, ohne davon zu wissen. Erst nach dem Wechsel in der Inhaberfamilie liessen sich die Betriebe unter The Living Circle zusammenführen.
- Fünfter Stern statt Preiskampf: Ende 2016 war der Storchen als Vier-Sterne-Haus umsatzmässig an einer Grenze, Preiserhöhungen gingen wegen der Budgethotels nicht. Der Wechsel auf fünf Sterne trieb die Umsätze massiv nach oben, die Kosten für Personal und Schulung stiegen mit.
- Kader erst dagegen: Als Arnold den Fünf-Sterne-Plan in die Runde warf, hielt sein Kader es für Wahnsinn: lieber das beste Vier-Sterne-Haus als das schlechteste Fünf-Sterne-Haus. Er akzeptierte den ersten Teil, nicht den zweiten, und erklärte, warum der Schritt nötig war.
- Budget des besten Jahres: Arnold nahm 2019, das Best-Ever-Jahr, als Budgetbasis, obwohl der Verwaltungsrat das für zu viel hielt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme lagen die Häuser fast 20 Prozent beziehungsweise über 10 Prozent über Budget.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Am Ende wird Mut, wie auch der eines Jörg Arnold, immer belohnt.
So vereint The Living Circle heute erstklassige Hotels und Restaurants an den schönsten Orten. Allein in der größten Stadt der Schweiz zählen der Storchen Zürich, das Hotel Widder und das Alex Lake Zürich dazu. Aber auch das Castello del Sole in Ascona sowie mehrere Bauernhöfe, die Luxus auf ihre Art und Weise lebendig machen.
Im Hotel Widder benötigte man dennoch etwas Schmieröl, um das über 700 Jahre alte Ensemble, bestehend aus neun mittelalterlichen Gebäuden, zum fünften Stern zu erheben.
Dass man stets nur im Team gewinnen kann, hat Jörg Arnold bereits in frühen Jahren gelernt. Schließlich zählt er fünf Brüder und damit genug Manpower für eine kleine aber damals gefürchtete Fußballmannschaft.
Jörg Arnold und Gratian Anda stehen definitiv erst am Anfang einer ganz neuen Dimension an Gastlichkeit. Die Zusammenarbeit mit dem Drei-Sterne-Koch Andreas Caminada ist nur ein weiterer Beleg hierfür.
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Transkript öffnenTranskript schließen30 Min · Ronald M. Arndt und Jörg Arnold
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Ja, Herr Arnold, Sie sehen, ich bin immer aufgeregter vorm Hotel-Podcast als meine Gäste. Aber läuft alles, Kamera, Ton, Kaffee. Ganz lieben Dank, dass ich bei Ihnen heute zu Gast sein darf im Hotel Widder in Zürich.
- 00:23 Jörg Arnold
Genau, freut mich sehr.
- 00:25 Ronald M. Arndt
Tradition, wo man nur hinschaut. Ich habe irgendwo mal gehört, dass das Hotel wieder aus 9 mittelalterlichen Gebäuden besteht, Häusern.
- 00:34 Jörg Arnold
Das ist korrekt.
- 00:35 Ronald M. Arndt
Ich habe vorne mal versucht, gerade durchzuzählen, aber bin nicht ganz auf 9 gekommen. Kann man das noch nachverfolgen?
- 00:40 Jörg Arnold
Man kann es sehr gut nachvollziehen. Jedes Haus hat seinen Namen. Und innerhalb des Hauses stellt man fest, wenn man in einem anderen Haus ist, spätestens die Zimmertüren sind immer anders. Jedes Haus hat seine eigenen Zimmertüren.
- 00:53 Ronald M. Arndt
Ah, okay.
- 00:54 Jörg Arnold
Die sind mit Holzintarsien gemacht. Und jedes hat ein anderes Design. Das zeigt dann, dass man wieder in einem anderen Haus ist.
- 01:02 Ronald M. Arndt
Dass man sich noch nicht verlaufen hat. Oder man hat sich verlaufen.
- 01:06 Jörg Arnold
Das kann man nicht ausschließen. Mit diesen vielen Treppen und Gängen ist das schon sehr gut möglich. Und wenn man dann in die Katakomben kommt, dann wird es noch schwieriger.
- 01:14 Ronald M. Arndt
Okay, gut. Vielleicht ja später noch. 700 Jahre, meine ich, auch nachgelesen zu haben. Sprich vor 700 Jahren, aber da gab es noch kein Hotel. Hotels in der Form gab es sicherlich noch gar nicht. Sondern ich glaube, die Metzger hatten hier irgendwas mit zu tun. Sagen Sie da mal kurz was dazu.
- 01:34 Jörg Arnold
Also das ganze Gebiet unten an der Augustinerstraße war eine Metzgerei. Die haben dann natürlich viel Lärm, nicht nur gute Düfte rausgebracht, und dann gab es immer wieder Ärger. Haben dann aber, der hat dann so von Jahr zu Jahr die Häuser zusammengekauft.
- 01:56 Ronald M. Arndt
Und Ende 80er Jahre, weil die Nachbarn sich zu dem Gestank ohnehin wahrscheinlich wollten umziehen.
- 02:03 Jörg Arnold
Ende 80er Jahre, Anfang 90er Jahre hat er dann alles verkauft an die UBS. Und die wollten dann eigentlich ursprünglich einen Bürokomplex aus diesem Gebiet machen. Die Häuser waren in sehr schlechtem Zustand. Und die Stadt hat dann aber sofort reagiert und gesagt, in dieser Lage gibt es keine Bürogebäude, da müsst ihr was Schlaueres machen. Und da kam dann die Idee auf, ein Hotel zu bauen für die Stadt.
- 02:29 Ronald M. Arndt
Und hat damals schon die Familie Ander und Franz— nee, noch gar nicht.
- 02:33 Jörg Arnold
Überhaupt nicht. Nein, nein, das war nur die UBS. Das war dann Dr. Holzhach, der das dann unter dem Namen UBS gebaut hat, mit der Tilat Heuss, Architektin. In Angriff genommen, hat dann rund 5 Jahre gedauert und 1995 war dann die Eröffnung des Widderhotels, so wie es heute steht.
- 02:51 Ronald M. Arndt
Wahnsinn. Das heißt, alle 9 Häuser wurden in einem Zug renoviert?
- 02:56 Jörg Arnold
Ja, es war sehr, sehr schwierig. Es hat dann, weil man steht auch am Hang, das heißt, das ganze Haus hat eigentlich 12 Stockwerke, 7 überirdisch und 5 unterirdisch.
- 03:09 Ronald M. Arndt
5, okay.
- 03:10 Jörg Arnold
Und da konnte man natürlich nicht nur mit konventionellen Backen und so arbeiten, weil alles ein bisschen mini. Und man musste auch schauen, das war ja alles denkmalgeschützt. Man musste schauen, dass die Mauern nicht zusammenfielen. Es sind dann auch gewisse, sind dann tatsächlich ineinander verfallen und dann musste man dann stützen und, und, und. Das war sehr, sehr komplex und kompliziert und hat dann aber ein tolles Resultat herausgegeben.
- 03:37 Ronald M. Arndt
Und Sie sind hiermit an Bord seit 2019?
- 03:40 Jörg Arnold
Ich bin dann wieder an Bord seit 2000, 1. Januar 2020. Bin aber in der Gruppe respektive im Storen seit dem Januar oder seit 2001. Habe dann eigentlich 20 Jahre den Storen geführt und dann kam dann 2018, kam dann am 1. September kam das wieder dazu. Da gab es so eine Übergangsphase und in 2020 dann noch das Alex in Thalwil.
- 04:09 Ronald M. Arndt
Genau. Und all das wird mittlerweile zusammengefasst unter The Living Circle.
- 04:14 Jörg Arnold
Genau.
- 04:14 Ronald M. Arndt
Wunderschöner Name, gefällt mir gut.
- 04:16 Jörg Arnold
Ja, gehört dann noch was im Tessin dazu und im Jura, das sind noch ein paar Dinge mehr.
- 04:22 Ronald M. Arndt
Also zieht weite Kreise, ja. Immer mehr. Okay. Was ist da so die Vision mittelfristig?
- 04:29 Jörg Arnold
Also von der Größe her gibt es keine Vision. Also wir müssen nicht größer werden.
- 04:36 Ronald M. Arndt
Fühlt sich so schon gut an.
- 04:38 Jörg Arnold
Ja, auf jeden Fall. Also der Grund, dass wir das ja überhaupt gestartet haben, war eigentlich das Zusammenführen der bestehenden Besitztümer, die die Familie Arndt-Bührle und Arndt-Bührle, ja genau, die 2 Familien eigentlich hatten. Das war vor allem Castello del Sole. Der Storchen hier in Zürich, also Castello in Ascona, und dann die 3 Bauernhöfe. Das ist Terreni alla Maccia in Tessin, dann das Schlossgut Herliberg hier in Zürich, und im Jura gibt es noch einen Bauernhof, das ist das in Werm, das ist in der Nähe von Delsberg. Da gehört ein kleines Schlösschen dazu, viel Wald und ein Bauernhof.
- 05:15 Ronald M. Arndt
Und das hat man gemacht, um so eine Klammer einfach zu haben, um für das Portfolio, aber mit dem man natürlich auch gemeinsam auftreten kann.
- 05:25 Jörg Arnold
Das war ja eigentlich der Sinn. Vorher waren die, speziell die 2 Hotels, waren eigentlich nie wirklich, haben nicht zusammengearbeitet. Es war, hat, ist auch historisch anders gewachsen, innerhalb der Familie anders gewachsen.
- 05:38 Ronald M. Arndt
Wenn hier schon alle 9 Häuser unterschiedlich ausschauen innen drin.
- 05:41 Jörg Arnold
Genau. Und da war es dann, dann war es dann so, dass man gesagt hat, also Storchen wieder, Storchen Kastelle müssen irgendwie näher zusammenkommen. Auch deshalb, weil man plötzlich festgestellt hat, man hat ja eigentlich die gleichen Gäste zum Teil. Und wir wussten das nicht.
- 05:56 Ronald M. Arndt
Ach so, spannend, spannend.
- 05:57 Jörg Arnold
Die Gäste haben uns gesagt, jetzt gehen wir noch in ein anderes Hotel, das Kastell. Und dann kam immer mehr der Gedanke, es kann ja nicht sein, dass ich das als Hotel hier nicht weiß. Und da muss mehr zusammenkommen. Und dann ist dann die Mutter von Grazian Ander verstorben. Und da hat er das Zepter übernommen. Da konnten wir das Ganze unter The Living Circle zusammenführen.
- 06:20 Ronald M. Arndt
Das heißt auch rein technisch gesehen, auch Gastdaten fließen alle mittlerweile in einen Topf. Absolut.
- 06:25 Jörg Arnold
Noch vieles mehr.
- 06:29 Ronald M. Arndt
Und ich denke, immer mehr Gäste entdecken immer mehr ihre Standorte, ihre Häuser.
- 06:34 Jörg Arnold
Genau. Weil sie halt spannend sind. Weil wir aus diesem Living Circle eine Begegnungsstätte machen möchten. Wir möchten den neuen Luxus definieren, der nicht mehr über Louis Vuitton und Rolex bestimmt wird, sondern über Zeitinseln, die wir schaffen, wo Sie mit Ihren Liebsten eine tolle Zeit verbringen, Erlebnisse haben und dann nach Hause gehen und sagen: Wow, war das toll!
- 07:00 Ronald M. Arndt
Und Luxus auch, der für die Ewigkeit bestimmt ist, wenn man schon von 700 Jahren spricht.
- 07:05 Jörg Arnold
Ja gut, die Erinnerung sowieso. Es geht dann in verschiedenen Generationen, geht man dann wirklich hierhin und kann dann etwas erleben. Sei es im Castel del Sole, sei es hier im Widder in Zürich mit diesem City Lake Resort, das wir da ein bisschen kreiert haben.
- 07:18 Ronald M. Arndt
Nächstes Stichwort.
- 07:20 Jörg Arnold
Und um da eigentlich diese Momente wirklich den Gästen bieten zu können.
- 07:25 Ronald M. Arndt
City und Lake heißt es ja, Resort, ein neues, relativ neues Thema. Oder 2017, glaube ich, ging es da los.
- 07:33 Jörg Arnold
Nein, das ist jetzt ganz neu.
- 07:34 Ronald M. Arndt
Ganz neu?
- 07:35 Jörg Arnold
Okay. Eigentlich dank Covid, muss ich sagen.
- 07:39 Ronald M. Arndt
Ach doch, jetzt erst seit? Okay, verstehe.
- 07:41 Jörg Arnold
Weil ja eigentlich, also die Pandemie hat uns ja eigentlich in die Knie gezwungen und wir mussten schauen, wie kommen wir da raus? Was können wir daraus lernen? Was können wir besser machen? Und es war natürlich sofort klar, Business Traveling, Corporate Traveling wird sehr, sehr limitiert sein. Und zwar für die längere Zeit. Also mussten wir schauen, wie wir da irgendwie uns besser positionieren. Wieder war sehr stark Corporate Business lastenbelastet. Dort haben wir schon lange gewechselt, eigentlich versucht, auf Leisure zu gehen, weil das Corporate kann ich nicht beeinflussen. Das bestimmen die Firmen, die die Leute zum Reisen schicken oder nicht. Hingegen Leisure kann ich doch einiges dazu tun. Und da kam dann—
- 08:22 Ronald M. Arndt
Viel diverser einfach.
- 08:23 Jörg Arnold
Ja, genau.
- 08:24 Ronald M. Arndt
Der Kundenkreis.
- 08:25 Jörg Arnold
Dann im 2020 kam ja dann das Alex in Thalwil dazu, direkt am See. Mit diesem Hotel ein Boot, das eine Bewilligung hat, direkt vor den Störchen zu fahren, was sehr schwierig war.
- 08:36 Ronald M. Arndt
Aber sehr brauchbar.
- 08:37 Jörg Arnold
Sehr brauchbar. Ein richtig tolles USP. Und so kam dann der Gedanke auf, diese 3 Häuser zusammenzunehmen und den Gästen diese Momente zu bieten. Während Covid war natürlich genau der Punkt, dass die Gäste ja nur in Hotels konsumieren durften, in Restaurants, wenn sie Hotelgäste waren. Und so konnten wir die Gäste eigentlich über diese 3 Hotels ein bisschen verteilen. Und es war so eine Grauzone, weil es war nicht hundertprozentig gestattet, aber war auch nicht verboten. Und so konnten die Gäste mehr profitieren als nur von einem Restaurant, einem Hotel.
- 09:12 Ronald M. Arndt
Und schwuppsdiwupps haben wir ein ganzes Resort.
- 09:14 Jörg Arnold
Und so ist das sehr schnell gewachsen. Und so konnten wir dann auch wirklich tolle Moments kreieren, Erlebnisse kreieren für die Gäste. Zum Beispiel eine Bartour haben wir jetzt, eine Foodtour. Wir haben verschiedene Workshops mit unseren kulinarischen Fachleuten, unsere Sterneköche, die jetzt entsprechend auch natürlich etwas dazu beitragen, dass die Gäste so Momente erleben können. Also mit Stefan Heilmann kann man einen Tag begleiten in der Küche und am Abend dann mit ihm etwas kochen und dann essen. Und das sind natürlich tolle Erlebnisse, die dann natürlich bleiben.
- 09:50 Ronald M. Arndt
Ich darf Ihnen an der Stelle von Wilhelm Luxem aus dem Borlack einen lieben Gruß ausrichten.
- 09:53 Jörg Arnold
Danke bestens.
- 09:55 Ronald M. Arndt
Und ihm hatte ich damals im Hotel-Podcast auch die Frage gestellt, wie denn so das Zusammenspiel ist zwischen dem Hoteldirektor, dem Kopf einer solchen Hotelgruppe, und der Inhaberfamilie. Ja, wie oft tauscht man sich da aus? Oder wie geht man auf so eine Familie zu, wenn man neue Ideen hat? Das würde mich jetzt einfach mal so unternehmerisch interessieren.
- 10:16 Jörg Arnold
Ja, also gut, inzwischen hat— ich habe damals ein bisschen den Anstoß gegeben, dass man die Hotels zusammennimmt. Der Living Circle kam dann sehr schnell aus seinen Gedanken raus. Es hat sich dann eine Dynamik ergeben, wo wir natürlich— er für sich gesehen hat, was ihm das bringt. Nicht nur als Hotel, sondern diese Hotels, dieser Living Circle bringt ihm auch in anderen Unternehmen natürlich etwas, weil das ein guter Name, Geschichte, persönlich geführt. Und das kann er dann übertragen in andere Investitionskreise. Und er ist natürlich selber ein begnadeter Koch, Hobbykoch auch, in der Pandemie noch unheimlich gewachsen, weil er sehr viel Zeit hatte zu kochen. Und durch diese ganzen kulinarischen Verbindungen, durch die ganze Freude, die er bekommen hat, Hotellerie und Kuinarik, ist der Weg zu ihm sehr, sehr nah, immer schon gewesen. Also wir haben direkte Linie mit ihm. Wenn irgendwas ist, können wir das mit ihm besprechen. Wenn Projekte sind, wird das miteinander besprochen. Die Entscheidungswege sind sehr, sehr kurz und wir haben vollstes Vertrauen, indem wir das tun können, was wir für richtig finden. Er spricht uns nicht ins Operative rein, aber kommt natürlich auch mit Ideen. Und umgekehrt. Und so versuchen wir, das Beste aus diesem ganzen Konstrukt zu machen. Und jetzt die neueste Errungenschaft, Idee, Partnerschaft mit Andreas Caminada. Das kam natürlich auch aus dieser ganzen Kulinarikfreude raus und konnte dann relativ schnell umgesetzt werden. Und so kommt ein Ding zum anderen, das dann eigentlich uns in der Kraft, die wir haben, in der Dynamik, die wir haben, wirklich bereichert.
- 11:58 Ronald M. Arndt
Super. Ich war jetzt kürzlich rein privat auf der ProWein in Düsseldorf, große Weinmesse, weil ich habe ja früher 2 Jahre in Südfrankreich in Aix-en-Provence gelebt und mein erster Freund, den ich nach einer Woche kennengelernt hatte, der war da Winzer, Roséwinzer. Jetzt hatten wir uns coronabedingt 3 Jahre nicht gesehen und da schrieb er mir vor ein paar Wochen, Ronald, möchtest du nicht auf die ProWein kommen? Ja, er hätte einen Stand, Gemeinschaftsstand mit Warner Provence. Sage ich gerne, ja. Und naja, jetzt nach 2 Tagen Habe ich auch erst kapiert, wie nah die Hotellerie und die Kulinarik, wie Sie es jetzt auch sagten, überhaupt zusammenliegt. Weil da sprichst du dann mit den Besitzern der großen Châteaus und stellst fest, dass ja da eigentlich die meisten alle auch noch ein Hotel haben oder aus der Hotellerie kommen und das Weingut mittlerweile noch dazu genommen haben. Also von daher jetzt auch, kommt bald mal noch ein Hotel-Podcast raus mit rund ums Thema Roséwein und freue mich auch. Da den Kreis zu schließen. Hotellerie und Kulinarik. Ich habe jetzt lang gebraucht, aber jetzt glaube ich, kommen noch gute Zeiten vor uns.
- 13:01 Jörg Arnold
Die Pandemie hat uns natürlich geholfen, diese Kulinarik überhaupt aufzubauen. Es gab dann tolle Gelegenheiten, die wir dann einfach gepackt haben. Also Stefan Heilemann hier als 2-Sterne-Koch, der Er kam eigentlich aus einem Hotel, das geschlossen wurde. Und ich habe dann sofort reagiert. Wir haben uns getroffen, uns gefunden und konnten ihn so für uns gewinnen.
- 13:27 Ronald M. Arndt
Das heißt, große Momente der Unruhe, Unsicherheit, wo man nicht wusste, wie geht es weiter, Kopf in den Sand stecken etc., gab es gar nicht?
- 13:35 Jörg Arnold
Also bei uns definitiv nicht.
- 13:36 Ronald M. Arndt
Weil Sie da gleich auch eher die Chance drin gesehen haben?
- 13:40 Jörg Arnold
Das ist so. Also man musste, Gelegenheiten waren da, man musste sie sehen und dann auch packen. Und dann umsetzen. Und wir haben vieles in diesem Sinne machen können und haben jetzt natürlich plötzlich innerhalb von kurzer Zeit einige Sterne und GOMIO-Punkte erhalten, die wir eigentlich vor 3 Jahren nie gedacht hätten.
- 14:01 Ronald M. Arndt
Man hat das Blatt komplett umgedreht mit dem City and Lakes Resort. Also wie kommt man denn da drauf, einfach so einen Begriff Resort, sage ich mal, mit so einer Stadt zu verbinden? Das ist ja, also ich kann mir schon vorstellen, wie Sie da drauf kommen, ja, weil Das ist ja ganz was Neues für eine Stadt, dass man überhaupt von einem Resort spricht.
- 14:20 Jörg Arnold
Wir haben ja eins im Tessin, in Ascona, und der Sinn und Zweck war natürlich, die Gäste zu binden und diese 3 Hotels zusammenzuführen auf eine Art und Weise, die bisschen nicht alltäglich ist, sagen wir mal so. Und eben im Sinne des Leisure-Gastes natürlich, dem eigentlich die Möglichkeiten zu bieten, Was haben wir denn hier vor Ort? Sich so irgendwo zu verweilen in Orten, wo es sonst nur in einzelnen Hotels ist.
- 14:49 Ronald M. Arndt
Genial.
- 14:50 Jörg Arnold
Mit vielen, vielen kleinen Goodies. Also der Gast bekommt ja bei uns, wenn er ankommt, bekommt er jetzt eine Resort Map von der Stadt Zürich, wo genau unsere Assets drin sind und auch mit dem Restaurant Buchen Herliberg, wie wir uns verbinden, sei es mit dem Boot, sei es mit dem Elektro-Bike, sei es mit dem Schlussendlich auch mit dem Elektroauto. Und dann eben diese Momente, die man da genießen kann. Wenn ich jetzt heute als Widder-Gast im Alex esse, geht das direkt auf die Rechnung im Widder. Also wie eben halt in einem Resort. Und das kommt unheimlich gut an bei den Gästen.
- 15:22 Ronald M. Arndt
Erinnert mich so ein bisschen auch die Map an Disneyland. Ja, ja. Oder Europa-Park mit verschiedenen Ländern.
- 15:27 Jörg Arnold
Bisschen höher stehend als in Disneyland. Bisschen mehr Qualität.
- 15:31 Ronald M. Arndt
Den Vergleich wollen wir nicht ziehen. Aber es tut doch schon ab und an auch gut, auch in andere Branchen, Industrien zu schauen. Habe ich jetzt schon ein paar Podcasts gehört, einfach Inspiration von außen zu holen.
- 15:44 Jörg Arnold
Unbedingt, unbedingt.
- 15:46 Ronald M. Arndt
Haben Sie als Kind immer schon davon geträumt, mal so einem schönen Haus vorzustehen, oder wie führte Ihr Weg in die Hotellerie?
- 15:54 Jörg Arnold
Ja, eigentlich gar nicht direkt.
- 15:55 Ronald M. Arndt
Und gar nicht in die gehobene Hotellerie. Der Herr Luxemburg hat ja als Koch angefangen beispielsweise.
- 16:00 Jörg Arnold
Also ich habe ja, ich komme aus einer Unternehmerfamilie, überhaupt keine Hotellerie, Gastronomie. Ein Unternehmen, das Stein und Sand aus dem See rausholt und dann das zu Baumaterialien verarbeitet. Habe dann die 7 Jahre in der Klosterschule, Benediktinerschule in Engelberg, die Schule, Matura abgeschlossen und hatte da eigentlich schon den Gedanken, an die Hotelfachschule zu gehen, wurde aber durch meine Eltern des Besseren belehrt, dass ich ja humanistisches Gymnasium nicht in der Gastronomie verschwende, sondern da was Klügeres draus mache. Und dann habe ich dann zuerst 2 Jahre Medizin studiert und habe dann aber schnell gemerkt, das ist nicht meine Welt. Und habe dann nach 2 Jahren aufgehört, bin dann doch noch an die Hotelfachschule Lausanne Und das war eigentlich der beste Entscheid meines Lebens.
- 16:52 Ronald M. Arndt
Also da dann gegen die Eltern ein bisschen gewehrt. Ja, ja.
- 16:57 Jörg Arnold
Also ich hätte mir Medizin grundsätzlich auch vorstellen können. Aber es hat ja auch sehr viel mit Menschen zu tun.
- 17:03 Ronald M. Arndt
Das stimmt.
- 17:04 Jörg Arnold
Und das war eigentlich mein Ziel. Und so, aber mit der Hotellerie bin ich dann wirklich am richtigen Ort gelandet.
- 17:10 Ronald M. Arndt
Das spürt man auch schon schnell, dass man gern unter Menschen ist, mit Menschen. Ja, das merkt man auch als Kind schon.
- 17:17 Jörg Arnold
Ich komme aus einer großen Familie, habe 6 Brüder. Wir hatten schon bei uns zu Hause, war wie ein Hotel. Da waren immer noch Freunde und Kollegen, weil es halt immer viel los war. Eigene Fußballmannschaft gehabt und, und, und. Da war richtig was los.
- 17:31 Ronald M. Arndt
Von der Familie aus?
- 17:32 Jörg Arnold
Ja, ja, wir hatten so eine Brüder-Fußballmannschaft gehabt. Es gibt in der Schweiz so die kleinen Turniere, wo immer 6 spielen. Und da hatten wir dann unsere eigene Mannschaft, die echt gefürchtet war.
- 17:44 Ronald M. Arndt
Okay, na gut, ihr habt entsprechend viel Trainingszeit zusammen gehabt.
- 17:47 Jörg Arnold
Genau, genau.
- 17:49 Ronald M. Arndt
Stell ich mir gut vor. Wow, und dann zur EHL nach Lausanne. Da war ich auch mal ganz kurz, aber es war nur ein Tag der offenen Tür. Bin wieder abgereist. Jetzt haben Sie ja unterm Strich eine Menge Teammitglieder hier, Kollegen. Wie viele sind das ungefähr?
- 18:13 Jörg Arnold
Also jetzt in Zürich Mitarbeiter und alles, das sind rund 400 Mitarbeiter.
- 18:19 Ronald M. Arndt
Das ist schon ordentlich.
- 18:21 Jörg Arnold
Und da habe ich natürlich in Alex und im Stolgen einen Operational Manager, der die Hotels führt, und ich bin zuständig für den Widder. Und dann alles, was noch so nördlich vom Gotthard so ein bisschen zu tun hat mit uns, das bin ich eigentlich zuständig.
- 18:36 Ronald M. Arndt
Wie würden Sie Ihren Leadership Style, Ihr Management, Ihren Führungsstil beschreiben?
- 18:45 Jörg Arnold
Also ich bin kein Diktator und bin nicht top-down. Was ich gerne habe, dass ich Unternehmer um mich herum habe. Das mache ich eigentlich sofort mit all denen, die ich einstelle. Versuche ich denen klarzumachen, dass sie kleine Unternehmer sind, dass jeder seinen Bereich hat.
- 19:01 Ronald M. Arndt
Muss man aus denen Kleinunternehmer machen oder merkt man das? Muss man das vorab herausfinden?
- 19:06 Jörg Arnold
Nein, zum Teil sind sie, die einen sind weiter, die anderen weniger weiter. Für mich ist auch ein Tellerwäscher eigentlich schon ein kleiner Unternehmer. Der sein kleines Unternehmen führen muss, mit Verantwortung, Verbindlichkeit. Wenn er das gut tut, klar definierte Ziele hat und was man von ihm erwartet, wenn er es gut macht, hat er die Möglichkeit weiterzukommen. Und das ist so, in jeder Stufe ist das so. Und ich sehe mich dann eher als Coach, wo ich dann die Bedingungen schaffe ringsrum, Ideen reinbringe, motiviere und dann eben sie begleite, diese Ziele, die wir gemeinsam definieren, auch erfüllen zu können. Und dass wir dann so schlussendlich alle gemeinsam erfolgreich sind.
- 19:47 Ronald M. Arndt
Ich nehme an, dass das neue Konzept sehr gut angenommen wird und Ihnen ein geschäftiger Sommer bevorsteht. Oder jetzt schon?
- 19:57 Jörg Arnold
Es sieht unheimlich gut aus. Wir hatten eigentlich, muss ich sagen, seit Mitte November letzten Jahres schon unerwartet viele Gäste. Es ist eigentlich von null auf hundert losgegangen, nach einer Zeit, wo immer sehr unbeständig war und zum Teil geschlossen war, hatten wir eigentlich einige Monate best ever. Völlig unerwartet. Gäste aus dem ganzen üblichen Gästekreis, also Amerika, Deutschland, England, all diese üblichen Gäste, die eigentlich vor der Pandemie schon waren, waren plötzlich wieder da. Dezember dann kleines Bäss, weil der Bund dann uns kurzfristig mal 24 Länder geschlossen hat. Zum Einreisen. War dann aber sofort wieder aufgelöst. Aber dann so dieses Jahr läuft eigentlich wieder genau in diesem Sinne weiter. Also ich habe mutigerweise das Budget 2019 als Basis genommen für dieses Jahr. Das Best-Ever-Jahr eigentlich. Der Verwaltungsrat hat schon das Gefühl gehabt, ja, Jörg, da übernimmst du dich. Schauen wir mal.
- 20:59 Ronald M. Arndt
Lass mich mal machen.
- 21:00 Jörg Arnold
Jetzt sind wir im Storchen fast 20% über Budget. Und im Storchen eben wieder im Moment über 10% über Budget. Also wir sind mehr als auf Kurs, was dieses Budget angeht, und sehr erfreulich. Wir nehmen jetzt alles, was kommt, selbstverständlich. Keine Ahnung, was dann irgendwo in der zweiten Hälfte des Jahres oder Ende Jahr passiert. Da tauchen ja schon wieder die gefürchtetsten Szenarien auf. Aber mal schauen. Und wir sind unheimlich dankbar, dass es so ist.
- 21:30 Ronald M. Arndt
Ich fürchte erstmal, wie die Deutschen drauf reagieren, aber ich mache mir um die Schweizer noch nicht so Sorgen. Wenn einer zumacht, dann sind wir das erstmal, glaube ich. Wie bleibt man denn mit Gästen gerade über auch so einen langen Zeitraum der Schließung in Amerika in Kontakt? Habt ihr da, ich denke mal, über diese Konstruktion The Living Circle kann man ja auch sehr viel marketingseitig einfach gebündelt machen, selbstverständlich.
- 21:58 Jörg Arnold
Unheimlich stark. Ja, klar. Ich meine, die ganze Social Media und alles ermöglicht einem vieles und vereinfacht auch vieles.
- 22:07 Ronald M. Arndt
So was entsteht aber inhouse bei euch?
- 22:09 Jörg Arnold
Das entsteht alles inhouse.
- 22:10 Ronald M. Arndt
Bei der Größe, bei der Dimension kann ich mir das vorstellen.
- 22:12 Jörg Arnold
Haben wir natürlich eine eigene Marketingabteilung. Wir haben Leute, die nur noch zuständig sind für Social Media, Website. Dann haben wir natürlich Leute, die die ganzen Auftritte machen. Dann mit der Eventagentur, Eventagentur ist keine Agentur, das sind unsere eigenen Eventleute, mit denen zusammen, wo wir unsere Events planen, durchführen. Sei es unsere eigenen Events, wo wir natürlich jetzt immer mehr auch gezielt Events für unsere Betriebe machen möchten, um die Leute an uns zu binden.
- 22:43 Ronald M. Arndt
Also Mitarbeiter?
- 22:45 Jörg Arnold
Nein, also unsere Mitarbeiter organisieren es, aber dann für die Gäste.
- 22:48 Ronald M. Arndt
Ah, für die Gäste, okay.
- 22:49 Jörg Arnold
Wo wir natürlich Gäste so an uns binden durch tolle Anlässe. Vor allem viele kulinarische Anlässe.
- 22:55 Ronald M. Arndt
Also gar nicht mal, da geht es mir nicht mal nur um den Aufenthalt, sondern die Gäste an die Marke The Living Circle zu binden. Wie wenn Louis Vuitton, vorher haben Sie das Beispiel gebracht, mal zu einem Incentive einlädt.
- 23:07 Jörg Arnold
Ja, ja, also wir suchen nicht unbedingt den Living Circle, die Brand Living Circle in den Fokus zu stellen, aber weil jedes Haus per se natürlich ein starker Brand ist und wir versuchen es dann über unsere eigenen, die einzelnen Hotels natürlich an uns zu binden und zu zeigen, dass da noch mehr ist als nur ein Widder, was ja per se schon ein tolles Haus ist und vieles bietet, aber heute natürlich durch diese Möglichkeiten, die wir haben, noch ganz anders an uns binden können. Und das ist das Spannende eigentlich. Und das ist auch für den Gast natürlich das Erfreuliche und Spannende, dass es nicht nur in Anführungszeichen ein Haus ist, sondern plötzlich 3, 4 tolle Häuser sind. Man kann auf den Bauernhof schauen gehen, wo die Eier herkommen. Man weiß, wo das Fleisch herkommt, kann dahinfahren. Also man hat ganz andere Möglichkeiten, hat den Gast mitzunehmen.
- 23:56 Ronald M. Arndt
Ja, wenn man bedenkt, wie Sie sagten, dass es mit zerfallenen Häusern alles mal losging, und jetzt hat man eine neue Seite aufgeschlagen, die eigentlich der Vorstellungskraft keine Grenzen setzt.
- 24:09 Jörg Arnold
Das ist so, wir sind selber wieder überrascht von uns selber, wo uns das hinführt. Also wenn ich mir vorstelle, ich persönlich, ich war vor Bis 2017 war ich ein 4-Sterne-Hotelier mit dem Hotel Storchen. Das war ein 4-Sterne-Hotel. Und damals hatte ich dann mit dem Verwaltungsrat entschieden, wir müssen vorwärtsgehen, das muss ein 5-Sterne-Hotel werden. Aus dem Grund, weil halt die Stadt Zürich sich verändert hat mit den ganzen Budgethotels.
- 24:37 Ronald M. Arndt
Was hat da noch gefehlt zu den 5 Sternen?
- 24:38 Jörg Arnold
Eigentlich nicht sehr viel, rein technisch gesehen. Wir waren ja schon 4-Sterne-Plus. Das Haus per se, wunderschönes Haus, gute Lage. Services waren vielfach schon 5-Sterne. Aber die ganze— wir haben uns dann sehr, sehr stark vorbereitet auf diesen Wechsel zum 5-Sterne und mussten schon feststellen, dass dieses Mindset von 4 auf 5 schon enorm groß ist. Und obwohl wir uns mit Workshops und vielen, vielen Vorbereitungen, ganz klar auch mit externer Hilfe, viel vorbereitet haben, mussten wir dann effektiv feststellen, dass die 5-Sterne-Gäste kamen. Das ist noch mal ein Schritt mehr, weil die Anforderungen, die Wünsche, die Forderungen, die waren dann schon ziemlich heftig und klar und ließen keinen Spielraum nach unten mehr zu. Man spielt dann plötzlich in der Champions League und die Gäste erwarten das, sind es sich gewohnt und es gibt kein Nein und nichts, sondern man muss dann sehr schnell reagieren und wissen, was man da genau verkauft.
- 25:45 Ronald M. Arndt
An ganz seltenen Tagen wünscht man sich wahrscheinlich zurück zum 4-Sterne-Hotel. Aber ganz selten.
- 25:51 Jörg Arnold
Ich weiß auch nicht. Es ist aber eine andere Liga, wie Sie sagen. Die Herausforderung ist toll. Es macht unheimlich viel Spaß. Und wenn man die Leute— das Schwierige ist ja, dass man die Mitarbeiter dabei hat, die mitnehmen kann und diese Dienstleistung halt immer abrufen kann. Das ist die große Herausforderung.
- 26:10 Ronald M. Arndt
Wie konnte man da die Mitarbeiter motivieren, das jetzt?
- 26:13 Jörg Arnold
Ja gut, das erste Mal, als ich meinem Kader gesagt habe, wir werden 5-Sterne, habe ich so provokativ in die Runde geworfen, haben eigentlich alle gesagt, Jörg, jetzt drehst du völlig durch. Wir sind doch das beste 4-Sterne auf dem Platz. Wieso sollen wir das schlechteste 5-Sterne werden? Habe gesagt, okay, ich akzeptiere, dass ihr sagt, das beste 4-Sterne, aber ich akzeptiere nicht, dass wir das schlechteste 5-Sterne sind. Das müssen wir erst noch uns zeigen auf dem Markt, ob wir dann wirklich das Schlechteste sind. Und habe dann erklärt, wieso wir das überhaupt machen möchten und wollen und müssen. Und dann haben sie sehr schnell erkannt, das wird schon der beste Weg sein. Aber bis dahin war es doch eine Reise, die nicht ganz einfach war. Und viele, viele Einstellungen in den Köpfen brauchten ein bisschen Schmieröl.
- 27:04 Ronald M. Arndt
Ja, ja, gut. Aber der Schritt hat sich gelohnt.
- 27:06 Jörg Arnold
Auf jeden Fall. Also die Umsätze, wir waren so Ende 2016, waren wir an einer Grenze angelangt, wo ich das Gefühl gehabt hatte, da kommen wir nicht mehr weiter umsatzmäßig. Konnte nicht einfach die Preise erhöhen. Im Gegenteil, da war eher die Tendenz, günstiger zu werden durch diese Budgethotels, die im 3-, 4-Sterne-Bereich uns natürlich richtig gezeigt haben, wie man es auch machen kann. Und Wechsel zu 5 Sternen hat uns dann wie eine Rakete in die Höhe getrieben. Das heißt, da sind die Umsätze massiv gestiegen?
- 27:38 Ronald M. Arndt
Massiv gestiegen.
- 27:39 Jörg Arnold
Und wir brauchten natürlich auch— die Kosten sind gestiegen. Es ging ja nicht einfach so. Also wir mussten mehr Mitarbeiter haben, mehr Schulung machen, qualitativ schon noch einen ziemlichen Zacken zulegen.
- 27:51 Ronald M. Arndt
Aber die Rechnung geht auf?
- 27:52 Jörg Arnold
Die Rechnung geht definitiv auf.
- 27:56 Ronald M. Arndt
Wunderbar. Ja, nein, auch zu hören, was ich da in so einem kurzen Zeitraum verhältnismäßig einfach tun kann.
- 28:02 Jörg Arnold
Ja, unbedingt. Ja, das ist eigentlich das unheimlich Spannende. Und aus der Krise heraus, aus der vermeintlichen, eigentlich immer wieder ein bisschen aus der Krise raus. Also wir haben ja uns das, ich glaube, der große Vorteil war ja immer, dass wir uns nie zurückgelehnt haben und gesagt haben, wir sind die Besten, wir können das. Nicht die Besten, aber wir sind gut. Wir machen es gut, also können wir uns zurücklehnen, wir haben ja die Gäste. Haben wir nie gemacht. Wir haben uns immer wieder hinterfragt. Und jetzt, wie weiter? Was können wir verbessern? Wo müssen wir noch drehen? Wo können wir noch irgendwas dazulegen, was uns besser macht? Und ich habe mich eigentlich nie wirklich versucht, an der Konkurrenz zu messen, sondern immer eigentlich geschaut, was ist für uns der beste nächste Schritt? So sind wir eigentlich nie Gefahr gelaufen, dass wir irgendwas kopieren, sondern haben immer irgendwie etwas Eigenes, Neues kreiert. Das hat uns eigentlich, glaube ich, schneller und besser zum Erfolg gebracht.
- 29:00 Ronald M. Arndt
Und das einmal mehr, das haben Sie geschafft mit dem City Lake Resort jetzt zuletzt. Genial.
- 29:05 Jörg Arnold
Ja, das kann man wirklich so sagen, dass das wirklich im richtigen Moment die richtige Lösung war. Ob es dann morgen noch die richtige Lösung ist, das werden wir sehen.
- 29:13 Ronald M. Arndt
Dann findet Herr Arnold bestimmt den nächsten Schritt.
- 29:15 Jörg Arnold
Wir sind schon dran, wieder weiterzudenken und zu sagen, wo gehen wir weiterhin.
- 29:19 Ronald M. Arndt
Super, dann komme ich wieder vorbei, wenn der nächste große Schritt ansteht oder vollzogen ist.
- 29:25 Jörg Arnold
Sehr gerne.
- 29:26 Ronald M. Arndt
Bis dahin, Herr Arnold, möchte ich mich bedanken für unseren heutigen Austausch im Hotel-Podcast.
- 29:30 Jörg Arnold
Danke vielmals auch.
- 29:31 Ronald M. Arndt
Und Ihrem Team und Ihnen hier im Widder, aber auch in allen anderen Häusern, die zu The Living Circle gehören, alles, alles Gute.
- 29:39 Jörg Arnold
Danke vielmals.
- 29:40 Ronald M. Arndt
Merci.
- 29:40 Jörg Arnold
Vielen Dank fürs Gespräch.