Man macht's oder macht's nicht
Aufgenommen: limehome Office, München
Germany38 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir haben auch drüber nachgedacht, mal eine Opening Party zu machen, aber dann müssten wir halt 2 bis 3 Opening Partys im Monat machen.“
Dr. Josef Vollmayr, 21:47
Ronald M. Arndt trifft Josef Vollmayr im limehome-Office in der Nähe vom Münchner Ostbahnhof. Der Gründer erklärt, warum limehome für ihn ein technologiebasiertes Hospitality-Unternehmen ist, wie er in einem Haus drei Designkonzepte auf identischen Grundrissen gegeneinander testet und was mit den 45 Millionen Euro aus der letzten Runde passiert. Dazu: Italien als nächster Markt, über 100 Standorte in sieben Ländern und warum es keine Opening Partys mehr gibt.
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Kernaussagen
- Technologiebasierte Hospitality: Vollmayr lehnt das Label Tech-Unternehmen ab, für ihn verkauft ein Tech-Unternehmen Software. Bei limehome hilft die Technologie, effizienter und kostengünstiger zu operieren und vor allem schneller zu lernen.
- Drei Etagen im Test: In einem Standort mit identischen Grundrissen auf drei Etagen rollt limehome drei verschiedene Designkonzepte aus, die sich in den Kosten um Faktor 2 unterscheiden. Weil der Preis automatisch der Nachfrage folgt, soll nach zwei bis drei Wochen klar sein, was Gäste für welches Konzept zahlen.
- Italien vor UK: Italien kommt vor UK und Frankreich, weil der Mittelbau dort an Konsistenz und einheitlichen Qualitätsstandards fehlt, die ADRs hoch sind und Städte wie Bologna, Florenz und Genua große Märkte ohne professionelles Angebot sind.
- Standorte tragen die Zentrale: Die laufenden Standorte erwirtschaften genug Deckungsbeitrag, um den gesamten Overhead inklusive 50 Leute im Tech-Team zu finanzieren. Die 45 Millionen gehen komplett in Wachstum, damit sind vier bis fünf Jahre mit je 2 bis 2,5x Wachstum durchfinanziert.
- Keine Slacks am Abend: Vollmayr fährt nach wie vor eine hohe Taktung, will sie aber nicht an die 170 Mitarbeiter weitergeben. Schon eine Nachricht spät am Abend hat Implikationen für die Organisation.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Ist limehome überhaupt noch ein Hotel wie etwa Motel One oder B&B Hotels? Die Antwort hierauf gibt uns der Gründer Dr. Josef Vollmayr auf Hotel-Podcast.com selbst.
Sonderlich gefeiert wird die Eröffnung eines neuen Standortes jedenfalls nicht mehr, einfach weil es zu viele wären im Monat. Die hohe Taktung ist dabei nicht jedermanns Sache, der richtige Umgang mit den Mitarbeitenden dafür umso mehr.
Wie aber wurde Josef überhaupt zum Gründer und was hat er mit den kürzlich erhaltenen 45 Millionen Euro an Kapital vor? Der Weg scheint hierfür glasklar, die Pipeline ist mehr als gut gefüllt.
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Transkript öffnenTranskript schließen38 Min · Ronald M. Arndt und Dr. Josef Vollmayr
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:07 Ronald M. Arndt
Das habe ich mir gedacht, Josef. Wenn ich mit Hotel-Podcast komme, dann musst du Limehome anziehen. Oder wenn du Limehome anziehst, muss ich mit Hotel-Podcast kommen. Extra für dich gedruckt letzte Woche. Ja, und Nicola hat es weitergegeben oder latscht der immer mit dem T-Shirt rum?
- 00:23 Dr. Josef Vollmayr
Jein. Also ich kann nicht jeden Tag selber anziehen und wer bei jetzt 170 Mitarbeitern 500 T-Shirts wären dann schon teuer. Also ich wasche es gelegentlich.
- 00:35 Ronald M. Arndt
Genau, okay, super. Wie du siehst, ich irgendwie heute habt ihr S-Bahn-Stammstreckensperrung gehabt, ja, pünktlich zu meiner Ankunft aus Stuttgart. Deswegen war ich ein paar Minuten verspätet, habe wieder bisschen was aufgeholt, indem ich gerannt bin. Aber ich brauche erstmal ein Bier zur Erfrischung, ja, sonst hätten wir es gleich sein lassen können mit dem Hotel-Podcast. Ich freue mich sehr, dass du als Gast dabei bist. seid ihr eigentlich noch ein Hotelbetrieb, oder wie nennst du Limehome?
- 01:06 Dr. Josef Vollmayr
Ist eine gute Frage.
- 01:07 Ronald M. Arndt
Also erstmal Podcast mal kurz umbenennen.
- 01:08 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also erstmal vielen Dank für die Einladung. ich würde es mal so definieren, also wir bewegen uns auf jeden Fall im Hotelspace. also wenn wir uns unsere Kunden ansehen, dann sind wir einfach sehr häufig eine Option, für den klassischen 2- bis 3-Tagesaufenthalt. Das heißt, wir sind im Relevant Set zwischen einem Mittelklassehotel und dann eben Limehome als als, als mögliches Angebot. Wir selbst sehen uns als Hospitality Company und mit Sicherheit auch als technologiegetriebene Hospitality Company. Und ich glaube, das umfasst dann auch alles, was wir tun.
- 01:44 Ronald M. Arndt
Okay. Die Idee kam dir wann und wo?
- 01:51 Dr. Josef Vollmayr
Ich glaube, man kann immer schöne Gründerstorys sich überlegen. Genau, also unter uns, glaube ich, war es ein sehr, sehr iterativer Prozess. Und die Idee in sich selbst—
- 02:02 Ronald M. Arndt
die Frage ist ja auch immer, will man gründen und arbeitet darauf hin und wägt verschiedene Geschäftsideen oder Märkte ab, oder probiert man irgendwas wie Airbnb und man vermietet da— ob die Story stimmt, weiß ich nicht— und vermietet halt da seine Luftmatratze unter und daraus wird ein Milliardenunternehmen? Das ist halt verschiedene Herleitungen, auch wie man zum Gründer wird. Genau, ich habe ja auch schon das eine oder andere gegründet.
- 02:28 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also ich glaube, die, die Leute, die halt mit 12 zu ihren Eltern sagen, ich will Gründer werden, und dann drauf hinarbeiten, die waren mir tatsächlich selbst immer ein bisschen suspekt. War auch bei mir tatsächlich nicht so, sondern es war immer so eine Ansammlung an, aus vielen Zufällen. Und ich bin einfach eine sehr kompetitive Person, manchmal zu kompetitiv beim Technikspielen, und es hat sich einfach am Ende ergeben. So, wie kam es jetzt konkret zur Idee? ich war 5 Jahre bei McKinsey, bin einfach sehr, sehr viel gereist und habe auch festgestellt, dass es interessanterweise jetzt außerhalb von dem Loyalty-Programm, das man bei den großen Ketten bekommt, natürlich immer sehr verlockend ist dann für die privaten Reisen, für mich selbst sehr wenige Angebote gab, die erschwinglich waren und mit denen ich mich auch identifizieren konnte und die ich auch selber gerne gebucht habe, die du einfach cool fandest.
- 03:18 Ronald M. Arndt
Ja, genau, erschwinglich war ja nicht Thema. Du warst ja geschäftlich unterwegs, oder?
- 03:21 Dr. Josef Vollmayr
Ja, genau. Also ich glaube, geschäftlich hat da am Ende das Budget da gar nicht die große Rolle gespielt. Da hat man tatsächlich, war ja kein kleines Unternehmen, wo du zuletzt warst, hat man tatsächlich versucht, die Punkte zu optimieren. Aber wenn man dann privat dafür bezahlt hat, da habe ich mich oft ein bisschen schwer getan. Und die Erfahrung aus vielen Projekten, die, ich sag mal, größere Unternehmen versucht haben zu digitalisieren und auch ein bisschen ins Moderne, in die modernere Zeit zu führen, hat dann am Ende zur Kombination geführt, ne. Wie kann man so einen Riesenmarkt mit tatsächlich einem Geschäftsmodell, das seit Ewigkeiten super funktioniert, sag mal, mit einem ähnlichen Blick betrachten und ähnliche Digitalisierungsthemen auch implementieren? Und das war eigentlich so das große Thema. Und dann sind einfach Gespräche geführt worden. Wir hatten natürlich auch sehr früh mit Picus Capital, Investor, der genau das in verschiedenen Industrien auch macht, mit an Bord. Wir hatten auch, sag mal, gute persönliche Kontakte dort, und dann hat man gemeinsam an der Idee gearbeitet.
- 04:24 Ronald M. Arndt
Und typischerweise sogar mit dem ersten Investor an der Idee gearbeitet. Genau, ganz spannend.
- 04:28 Dr. Josef Vollmayr
Genau, wir haben uns entschieden, einfach, wir testen mal so ein bisschen das Wasser, was kann man tun. Haben sehr frühe, ich sag mal, Objekte dann auch im Kleinen ausgerollt und versucht, wie das wie das eben ankommt, wie es funktioniert.
- 04:43 Ronald M. Arndt
Und haben schon unter der Brand, oder war das so im Stealth-Modus?
- 04:48 Dr. Josef Vollmayr
Genau, die, die Brand gab's damals schon tatsächlich beim ersten Mal, weil man am Ende auch einen Vertrag unterschreiben muss, ne. Also wir gehen ja hauptsächlich auch in, in Mietverträge, das heißt, man muss da schon eine Brand, eine Firma auch dahinter haben. Tatsächlich war die Brand erstmal ein Arbeitstitel, und wir haben sie uns öfter mal angeschaut und Auf nichts Besseres gekommen? Ja, das, das, das, wir haben viele Optionen verprobt und sind immer da gelandet, dass wir gesagt haben, der Erfolg gibt euch recht.
- 05:20 Ronald M. Arndt
Jetzt stehen wir bei über 100 Standorten, glaube ich. Genau. Und das ist erst der Anfang. Genauso ist es, ja. Jetzt habe ich das Bier nicht nur aufgemacht wegen der S-Bahn-Geschichte, sondern auch, weil da neulich ein paar Euros in die Kasse bei euch kamen. Ja, also dafür noch mal herzlichen Glückwunsch. An der Zahl, ich glaube 45 Millionen, steht dabei knapp 90, glaube ich, Fremdkapital.
- 05:45 Dr. Josef Vollmayr
Also Gesamtkapital.
- 05:46 Ronald M. Arndt
Gesamtkapital, pardon. Alles, ja, also herzlichen Glückwunsch dafür, für den weiteren Beleg, dass da noch viel mehr und neue Investoren aus Dubai jetzt zuletzt auch ans Geschäftsmodell und die weitere Expansion glauben. Wird dann sowas auch hier in dem Raum, wo wir gerade sitzen, besiegelt und gefeiert, oder findet es woanders statt?
- 06:06 Dr. Josef Vollmayr
wir haben hier eine größere Office-Einzugs- und Fundraise-Party veranstaltet.
- 06:11 Ronald M. Arndt
Da hinten sehe ich schon da so Partyballons.
- 06:15 Dr. Josef Vollmayr
Ja, ich glaube, die sind tatsächlich auch von der, sind tatsächlich von der Veranstaltung. nein, es gab dann schon eine größere Feier für alle. Ich glaube, es auch tatsächlich in einem, einem Unternehmen wie unserem, das halt sehr stark auch von der Kultur von den Mitarbeitern lebt, ist es wichtig, dass man so 2 bis 3 Mal im Jahr wirklich große Events hat, wo man zusammenkommt und feiert und auch die Leute aus den anderen Ländern mittlerweile auch mal zusammenbringt.
- 06:41 Ronald M. Arndt
7 Länder, glaube ich, ne?
- 06:42 Dr. Josef Vollmayr
Genau, das— wir haben jetzt—
- 06:44 Ronald M. Arndt
das geht ja weiter mit Italien.
- 06:46 Dr. Josef Vollmayr
Genau, es geht weiter. Wir haben jetzt nicht in jedem Land ein Office, aber die verschiedenen Offices zusammenführen ist einfach wichtig, dass die Kultur auch über die Länder gemeinsam wächst.
- 06:55 Ronald M. Arndt
Okay, krass. Angesprochen, Italien ist der nächste Schritt vor UK, vor Frankreich. Was war da so der ausschlaggebende, das ausschlaggebende Argument?
- 07:07 Dr. Josef Vollmayr
Ich glaube, wie vieles ist es eine Mischung aus sehr rationaler Entscheidungsfindung und Zufällen. Wir hatten tatsächlich ursprünglich, bisschen wie die Gründung, genau. Also wir hatten tatsächlich ursprünglich geplant, UK und Spanien gemeinsam zu eröffnen in 2020, und hatten dann in Spanien sehr schnell herausragendes Team mit an Bord.
- 07:33 Ronald M. Arndt
Warst du auch mal in Spanien?
- 07:35 Dr. Josef Vollmayr
Ich war, genau, also selbst war ich auch mal. Ich habe auch tatsächlich gewisse persönliche Affinität zu Spanien und ich mag das Land sehr gern. Aber wir hatten, wie gesagt, hauptsächlich das Team und haben uns dann entschieden, direkt mit Ausbruch der Pandemie auch Spanien umzusetzen. Und das war Das war schon eine gewagte Entscheidung, auch im Nachhinein. Also wir sind, wir sind alle nicht davon ausgegangen zu dem Zeitpunkt, dass das über 2 Jahre dauert. Und es kostet natürlich schon einiges an Ressourcen, Zeit und auch Geld am Ende, neues Land aufzumachen. Man hat erstmal ein Team, bis man dann Umsätze generiert. Gerade in unserem Geschäft kostet das ein bisschen Geld. Wir haben uns dann entschieden, UK erstmal zu pausieren, und haben dann ein Jahr später eigentlich die die gleiche Übung noch mal gemacht. Welche Länder sind eigentlich für uns die, die am meisten Potenzial haben? Und wir glauben nach wie vor auch sehr stark an, an UK und Frankreich. Tatsächlich ist aber Italien mit der Kombination aus, ich sag mal, mittelmäßigem Hotelmittelbau— es gibt unfassbar geile, sorry für die Wortwahl, Hotels auch in Italien, absolut angemessen, zu hohen, zu, zu sehr hohen Preisen. Es gibt einfach sehr viele auch spannende Standorte Standorte. Aber der Mittelbau ist, ist, ist in Italien tatsächlich noch optimierungsbedürftig, und es fehlt halt oft einfach die Konsistenz und die einheitlichen Qualitätsstandards. Und die Kombination aus dem Markt mit relativ hohen ADRs, durchaus Potenzial noch im Real Estate Markt, vielen Leuten, die auch in Italien aktuell investieren wollen, und eben sehr vielen Standorten, die wir extrem spannend finden dort, Ich glaube, so ein Rom und Mailand stehen immer im Fokus von vielen internationalen Investoren auch. Aber es gibt halt auch Städte wie ein Bologna, auch ein Florenz, ein Genua, in denen man einen sehr großen Markt hat, der noch nicht professionell bearbeitet wird, die der Urlauber meistens nur so von den Autobahnkreuzen her kennt, aber das große Städte sind.
- 09:41 Ronald M. Arndt
Ja. Außer Florenz natürlich.
- 09:43 Dr. Josef Vollmayr
Ja, also ich glaube, wenn man so—
- 09:45 Ronald M. Arndt
Bologna stehe ich immer im Stau nach Umbrien runter.
- 09:49 Dr. Josef Vollmayr
Ich glaube, wenn man tatsächlich mal nach Bologna reingeht, das ist eine Stadt mit extrem viel Geschichte und auch einer extrem schönen Altstadt plus Industrie. Das sind Standorte, in denen wir halt auch tourismusseitig sehr viel Nachholpotenzial sehen und die umso interessanter werden, auch wenn Limehome eben da entsprechendes Angebot hat.
- 10:09 Ronald M. Arndt
Also vielleicht kann man da sogar die Leute erstmal dahin zu bewegen, nach Bologna zu reisen. Genau, ich glaube, wenn das entsprechende Angebot ist, dem man vertraut etc.
- 10:18 Dr. Josef Vollmayr
Genau, ich glaube, es ist ein sehr romantisches, ein sehr romantischer Gedanke.
- 10:23 Ronald M. Arndt
Ihr habt ja ein paar in der, in der, ein paar Kunden habt ihr ja sicherlich schon. Genau, die man auch durchaus irgendwie mal inspirieren kann auf neue Reiseziele.
- 10:31 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also ich, wir haben jetzt Booking.com und Co.
- 10:35 Ronald M. Arndt
machen.
- 10:35 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also wir haben jetzt natürlich schon irgendwie eine halbe Million auch Gäste, sag mal, durch das Limehome oder mit dem Limehome-Konzept auch vertraut gemacht und haben eine Basis.
- 10:44 Ronald M. Arndt
Die gebucht haben?
- 10:45 Dr. Josef Vollmayr
Die, ja, okay.
- 10:46 Ronald M. Arndt
Genau. Sind das dann Gäste oder die Buchenden? Also wahrscheinlich immer der Buchende mit Begleitung, und das gibt dann in Summe eine halbe Million.
- 10:53 Dr. Josef Vollmayr
Ja, genauso in etwa bisher, und das wächst natürlich stark. Und damit haben wir schon eine gewisse Basis, die uns kennt, die wir auch bespielen können mit Marketingmaßnahmen. Ich glaube aber nicht, dass wir Stand heute schon ein Konzept sind, das in einer Stadt Nachfrage generieren kann oder in einem Standort. Also wir sind, wir sind kein Modell, das jetzt an verlassenen Strand gehen kann und sagt, here we are, ihr bekommt alles, was ihr braucht. Wir sind, wir sind aktuell noch, wie sagt man so schön in der BWL-Sprache, ein No-Flows-Angebot. Also wir, wir bieten Übernachtung, die bieten wir auch seamless bieten wir problemlos zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Und wir arbeiten natürlich auch am Serviceniveau. Es wird aber immer so sein, dass wir zumindest Extended Services nicht selbst anbieten werden. Wenn wir über Gastronomieangebote sprechen, da ist nicht unser USP. Das heißt, wir müssen auch in den Markt gehen, wo schon entsprechend auch Angebot da ist.
- 11:50 Ronald M. Arndt
Also geht beim Frühstück los, sage ich mal, im nahen Umfeld und darüber hinaus.
- 11:55 Dr. Josef Vollmayr
Genauso ist es. Und ja, glaube aber, dass—
- 11:57 Ronald M. Arndt
würde aber sowas auch über Limehome mitverkauft werden können, oder wird's schon?
- 12:02 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also da gibt's, das gibt's schon. Es gab auch einige Tests, wie man das am besten umsetzt. Die Komplexität an der Stelle ist tatsächlich, sobald man es mitverkauft, hat man zwar sehr viele Vorteile, weil Geschäftsreise natürlich in der Abrechnung dann, sag mal, gewisse Benefits auch mit sich zieht. Man ist aber für die Qualität des Angebots selbst verantwortlich und muss dann auch in Kauf nehmen, dass man auch mal einen schlechten Review bekommt, weil der Partner vielleicht nicht alles richtig umgesetzt hat. Dann ist auch ein Café mal geschlossen, und da wird's tatsächlich kompliziert.
- 12:35 Ronald M. Arndt
Kannst du nur schwer beeinflussen oder genau aktuell halten. Und da ist eine einfache Empfehlung, hey, bei uns gibt's Bäckerei um die Ecke, eben das Risikolosere erstmal. Erstmal, aber wer weiß, vielleicht tut sich auch da was Neues auf. Um in die Details zu springen, die Frage, wie viel Zeit wir heute haben, Josef, weil jetzt gleich mal am Frühstück hängen, aber gerne, mach Details weiter.
- 12:59 Dr. Josef Vollmayr
Nein, also wir haben da ja irgendwie ein relativ großes Team auch an Softwareentwicklern oder auch Data Scientists.
- 13:07 Ronald M. Arndt
So 35 an der Zahl, glaube ich, ne?
- 13:08 Dr. Josef Vollmayr
Ja, genau.
- 13:09 Ronald M. Arndt
Hast du gerade gesagt, dass eine Entwicklerparty hat hier stattgefunden? Wir sind ja hier im neuen Office seit 2 Monaten hast gesagt, zweieinhalb Monaten, ne, in der Nähe vom Münchner Ostbahnhof. Und ja, muss ich sagen, war schon ein schöner Spirit hier unter den Kollegen zu erkennen.
- 13:28 Dr. Josef Vollmayr
Ja, das ist so. Soll ich noch kurz aufs Frühstück vielleicht eingehen?
- 13:32 Ronald M. Arndt
Ich will nicht ins Wort fallen, das mache ich manchmal.
- 13:34 Dr. Josef Vollmayr
Nein, tut mir leid. Sehr gerne. Also ich glaube, das beschreibt tatsächlich ein bisschen auch unsere Entscheidungsfindung. Und ich würde jetzt mal 2 Beispiele auch rauspicken. Das eine ist tatsächlich die Frühstücksthematik. Wenn wir so einen Test starten mit einem Frühstück, dann sehen wir halt sehr schnell, wie viel Klicks wir bekommen, dadurch dass wir ein zusätzliches Frühstücksangebot mit anbieten. Ja, und dadurch, dass wir unser Pricing auch so dynamisch gestaltet haben, sehen wir, was ist die Zahlungsbereitschaft für ein zusätzliches Serviceangebot, was sind die Kosten für uns, können wir es margenmäßig abdecken, was ist die Implikation für Reviews, weil wir halt wirklich jede Buchung komplett durch die Journey auch nachverfolgen können. Und wir haben schon gesehen, Frühstück mit anzubieten hat für uns einen positiven Effekt, auch nach Kosten auf die ADRs. Und deswegen ist das auch eines der Hauptthemen, die wir angehen werden. Ich glaube, man muss halt am Ende genau schauen, wie kriegt man Qualitätserwartung und, ich sag mal, Umsatzziele da übereinandergelegt. Und entsprechend werden wir da auch Ressourcen reinstecken. Okay, ein zweites Beispiel würde ich tatsächlich noch gerne geben, da freue ich mich sehr drauf. Wir, wir werden den Standort nämlich morgen tatsächlich live nehmen. Wir hatten, wir haben einen Standort, in dem wir auf 3 Etagen identische Grundrisse haben. Das ist bei uns bei vielen Conversions nicht, nicht unbedingt selbstverständlich. Und wir haben dort jetzt auch einen Test gefahren, dass wir auf allen 3 Etagen komplett unterschiedliche Designkonzepte ausrollen in quasi den gleichen Zimmern. Das ist auch für uns operativ leicht umsetzbar, sind die gleichen Lieferanten, auch im Rollout ist es, ist es relativ einfach. aber wir werden wahrscheinlich in 2 bis 3 Wochen schon ziemlich genau wissen, was der Kunde bereit ist, für ein unterschiedliches Designkonzept zu bezahlen, weil wir halt sehen, wie die Nachfrage ist.
- 15:19 Ronald M. Arndt
Nur Design oder auch Standardausstattungsunterschiede?
- 15:25 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also es sind, es sind sehr unterschiedliche Kosten im F&I, die für uns angefallen sind. Tatsächlich Faktor 2 unterscheiden die sich und werden da auch mal ein bisschen gewagter jetzt was ausprobieren. Und deswegen freuen wir uns da sehr drauf.
- 15:36 Ronald M. Arndt
Was für einen Unterschied macht das dann bei der Rate ungefähr, wenn die Ausstattung Faktor 2 hat?
- 15:41 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also erstmal gar nichts. Wir haben den Algorithmus—
- 15:46 Ronald M. Arndt
Nee, nee, klar, also da musst du erstmal natürlich gleich bleiben, sonst kannst du nicht die Vorzüge erkennen.
- 15:52 Dr. Josef Vollmayr
Klassischer A/B-Test. Und die Rate ändert sich automatisch auf Basis der Nachfrage. Das heißt, wenn jetzt Gäste über die verschiedenen Kanäle eine höhere Nachfrage für das eine Designkonzept haben, geht der Preis automatisch hoch. Und bis zu einem Punkt, wo die Nachfrage gleich ist. Und auf Basis des Unterschieds können wir dann feststellen, lohnt es sich mehr, in das F&E zu investieren oder eben nicht. Einfach mal die pragmatische Herangehensweise.
- 16:18 Ronald M. Arndt
Da sieht man mal, welche Intelligenz da in Limehome steckt. Und das beantwortet ja auch mit die Frage vom Anfang, seid ihr noch ein Hotel oder seid ihr was ganz anderes oder eine Hospitality-nahe Unternehmung? Denn Was ihr definitiv seid, ist ja eigentlich ein Tech-Unternehmen durch und durch. Also mit der Power eben, all das ist eine sehr spannende Diskussion.
- 16:40 Dr. Josef Vollmayr
Also ich würde uns nicht als Tech-Unternehmen bezeichnen. Für mich ist ein Tech-Unternehmen eines, das Software verkauft und das fast ausschließlich an einer neuen Technologielösung arbeitet. Wenn ich jetzt als Gast auf uns drauf schaue, dann bekomme ich das gar nicht mit. Ich buche eine Unterkunft und mir ist es ehrlicherweise relativ egal, was die da im Hintergrund machen. Ich will ein schönes Zimmer, das muss funktionieren. Deswegen glaube ich, wir sind ein Hospitality, also ein technologiebasiertes Hospitality-Unternehmen. Wir, die Technologie hilft uns effizienter, kostengünstiger zu operieren und vor allem schneller zu lernen. Und das glaube ich unterscheidet uns ein bisschen.
- 17:16 Ronald M. Arndt
Genau, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen zu treffen, haben wir gerade gehört, mit dem Frühstück und dem Design.
- 17:21 Dr. Josef Vollmayr
Genau, und das hilft uns glaube ich so ein bisschen aus in diese Industrie, die extrem lange Entscheidungszyklen hat. Neuer Standort, der ist für 20 Jahre unter Vertrag. Und da glaube ich, dass die schnelle Entscheidungsfindung, das schnelle Lernen sehr hilfreich ist. Ich bewundere Motel One, die haben ein geniales Konzept geschaffen, oder B&B, die haben auch die ersten ein, zwei Jahre nicht alles richtig gemacht, auch wie wir. Und ich glaube, es hilft uns einfach schneller, dort, sag mal, in ein Konzept zu kommen, wenn das von den Gästen auch komplett angenommen wird.
- 17:54 Ronald M. Arndt
Jetzt hast du die beiden Großen genannt, B&B und Motel One. Das sind schon die, die du so immer mit auf dem Schirm hast, ne? Oder wo du sagst, na ja, man muss ganz ehrlich sein, da lässt sich Kundschaft noch holen bei den Gästen.
- 18:12 Dr. Josef Vollmayr
Ich, ich glaube, es gibt nicht diesen einen Wettbewerber. Die, der Markt ist einfach riesig, mhm, und er funktioniert eigentlich auch ähnlich wie so eine eigentlich wie eine Börse, Angebot und Nachfrage. Wenn ich jetzt selbst nach Augsburg gehe, da gibt's halt 800.000 Gästeübernachtungen im Jahr. Jetzt muss ich selber mal Kopfrechnen, man braucht wahrscheinlich 3.000 Zimmer, um die Nachfrage zu decken, wenn ich es mal übers Jahr jetzt runterrechne. Das heißt, selbst an einem Sonntag sind wahrscheinlich 1.500 der 3.000 Zimmer belegt. Wenn wir jetzt mit einem Konzept reingehen, das 20, 30 Zimmer an dem Standort hat, dann sind das maximal 2% der Nachfrage an einem Sonntag. Das heißt, es ist nicht so, dass wir jetzt dann Gäste von einem B&B, Motel One, wie auch immer, abgreifen, sondern wir sind halt für gewisse Zielgruppen oft die einzige Option. Wenn ich eine Familie bin, die halt Platz haben will, kenne ich, habe auch zwei Jungs, die eine Küche braucht, zwei kleine. Und für andere sind wir halt ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für jemand, der sonst auch mal zum Motel One geht.
- 19:13 Ronald M. Arndt
Und das sind 2% der Nachfrage, wird natürlich mehr, wenn man 18 Standorte hat wie in Berlin. In Berlin ist eher die Idee, mehrere Standorte zu haben oder größere Standorte? In Berlin, leichter, das ist aber die andere Frage in der Akquise, oder mit wem sprecht ihr, oder wie geht man davor? Das interessiert mich ja. Also in Berlin 100 Standorte sind wir auch schon eine Ansage in 4 Jahren, und bei den 4 Jahren hat man 2 Jahre gehabt, wo man sich eigentlich nicht begegnen durfte, und das auf verschiedene Länder verteilt.
- 19:43 Dr. Josef Vollmayr
Also in Berlin braucht man natürlich auch mehr als mehr Apartments für 2% Marktanteil. Also da, da geht das schon deutlich über die 1000, die ihr dann habt, ne? Deutlich über 1000 aktuell noch nicht. Also wir haben natürlich auf Gesamtunternehmensebene, haben wir, sind wir aktuell deutlich über 3000 auch unterschrieben. Okay. Aber der Berliner Markt ist einfach riesengroß, da, da kann man auch sehr leicht 18 Standorte absorbieren.
- 20:10 Ronald M. Arndt
Jetzt gefällt mir richtig gut hier bei euch.
- 20:14 Dr. Josef Vollmayr
Es gibt noch mehr im Kühlschrank. Wenn wir jetzt zurück zum Expansionsprofil gehen, was uns ja auszeichnet, ist, dass wir eine extrem hohe Flexibilität in der Größe und in Assets auch haben. Das heißt, wir gehen, ich sag mal, von 10 bis 150 Apartmentszimmer können wir an Standorte gehen. Okay, das ermöglicht einerseits auch kleinere Standorte wie in Rottenburg, wie in Bodenmais, die ich jetzt selbst nicht unbedingt auf dem Schirm gehabt hätte im Vorfeld, wenn man nicht mal auf die Zahlen schaut.
- 20:47 Ronald M. Arndt
Und 10 ist nicht viel.
- 20:48 Dr. Josef Vollmayr
Genau, und 10 ist auch dort nicht viel.
- 20:49 Ronald M. Arndt
Das kann ein Gasthof sein, also wird's nicht sein, aber könnte es sein.
- 20:52 Dr. Josef Vollmayr
Genau, das könnte es auch sein. Und andererseits sind wir damit auch in der Lage, in, in Mixed-Use-Gebäude zu gehen, die man auch für den Eigentümer dann sag mal, mietseitig optimieren kann. Die Erdgeschossfläche ist halt oft optimiert mit Retail oder mit einer Gastronomie. Man kann auch tatsächlich in Gebäude gehen, wo dann in oberen Etagen auch Wohnen ist und wir halt quasi die, die gewerblichen Zwischenmieter sind. Das bietet uns sehr viele Optionen zu wachsen an vielen Standorten. Und wir haben mal technologiegetrieben jetzt auch eine Betriebsinfrastruktur geschaffen, die uns ermöglicht, das relativ ich sag mal, aufwandsreduziert zu betreiben, auch live zu nehmen. Genau, also der ganze, genau, der Live, der Livegang-Prozess ist tatsächlich eigentlich komplett ein Standardprozess.
- 21:42 Ronald M. Arndt
Du sagst, nehmen wir live, früher hat man mal gesagt, wir eröffnen ein neues Haus.
- 21:47 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also einer der Unterschiede, wir haben auch drüber nachgedacht, mal eine Opening Party zu machen, aber wir machen halt, dann müssten wir halt 2 bis 3 Opening Partys im Monat machen und wie viel? 2 bis 3, ja, in, in jedem Land. zurück zu den Aufwandtreibern. du hast immer so viel Information in deinen Fragen, dass ich eigentlich grenzenlos reden könnte.
- 22:08 Ronald M. Arndt
Woher weißt du immer? Warum, warum immer? Du kennst mich doch gar nicht.
- 22:13 Dr. Josef Vollmayr
zu den Aufwandtreibern, komm auch im Frühjahr noch mal, egal. Das, der Aufwand ist tatsächlich meistens in der, in der Standortvertragsverhandlung. Ja, man braucht dann Expansion Manager, die Prozesse ziehen sich dann schon immer. Und wenn wir jetzt unsere Expansion Manager effizient steuern, dann ist es natürlich einfacher, einen Vertrag mit irgendwie 100 Apartments zu managen, zu steuern, als irgendwie jetzt 15 für 7 oder so. Deswegen legen wir da schon eine gewisse Grenze ein. Für den laufenden Betrieb macht's tatsächlich kaum Unterschied. Ansonsten halt Finance, Reporting, da hängt immer ein gewisser Rattenschwanz dran, aber das ist ist eigentlich so weit automatisiert, dass es kaum aufwandfrei ist.
- 22:51 Ronald M. Arndt
Kommen wir vielleicht mal zum Mensch. Mensch Josef Vollmayr mit Doktortitel sogar. Für was gab es den?
- 22:59 Dr. Josef Vollmayr
Ja, eine Promotion an der Uni Mannheim, war dort am Lehrstuhl und war tatsächlich auch mal eine Option, die akademische Karriere einzuschlagen.
- 23:09 Ronald M. Arndt
Also nach dem BWL-Studium, nehme ich mal an?
- 23:12 Dr. Josef Vollmayr
Genau, ich habe BWL-Statistik studiert und genau, habe mich dann entschieden, am Lehrstuhl zu bleiben. Das ist irgendwie auch so ein bisschen in der Familie, dass man sich das mal anschauen muss, zumindest nachdem ich da einen harten Kampf führen musste, auch mit dem BWL-Studium. Das war ein Schlag ins Gesicht, aber das war schon außer der Reihe. Das war außer der Reihe. Und ja, war eine sehr gute Zeit, hat Spaß gemacht. Und die wissenschaftliche Arbeit, glaube ich, Schadet nicht, schadet nicht, hilft einem auch persönlich.
- 23:43 Ronald M. Arndt
Magst verraten, hatte das schon irgendwas Immobiliennahes, das Thema?
- 23:48 Dr. Josef Vollmayr
Nee, gar nicht. Also war tatsächlich eine Finance-Marketing-Schnittstelle.
- 23:54 Ronald M. Arndt
Okay, genau. Und danach ging es in die Beratung, ja, direkt zu McKinsey oder noch woanders?
- 24:00 Dr. Josef Vollmayr
Genau, gehen dann direkt, also direkt nach der Promotion zu McKinsey. War eine super Zeit.
- 24:06 Ronald M. Arndt
Da dann schon der Gedanke, hey, irgendwann möchte ich mal was Eigenes starten? Oder wann kam es jetzt? Weil mit 12 Jahren war es ja noch nicht der Fall.
- 24:13 Dr. Josef Vollmayr
Genau, mit 12 war es noch nicht der Fall. Nach der Uni haben wir mal so ein paar Sachen ausprobiert. Das ist tatsächlich dann auch in einem erfolgreichen Unternehmen auch geendet, vor allem von, von Freunden.
- 24:25 Ronald M. Arndt
Also die Freunde waren erfolgreich oder du?
- 24:27 Dr. Josef Vollmayr
Die Freunde waren erfolgreich. Ich habe dann von der Seitenlinie gut zugeschaut und am Anfang bisschen mitgearbeitet. der Gedanke war so ein bisschen im Hintergrund tatsächlich, aber ich, ich glaube, man wird, man wird Gründer, weil sich eine Gelegenheit ergibt, weil, weil man selber sich das zutraut, weil man vielleicht in ganz wenigen Fällen irgendwas gesehen hat, was noch keiner gemacht hat, und weil man Support von externen Leuten bekommt. Also ich, wenn ich jetzt selber unser, oder unser Team angucke, dann glaube ich, haben wir sicher 30 Leute, denen ich das mindestens genauso zutraue. Weil am Anfang, wenn man startet, man weiß nie, was auf einen zukommt. Und entweder man macht's oder man macht's nicht und bleibt dann dran, oder auch nicht, und bleibt dann dran.
- 25:14 Ronald M. Arndt
Genau, eine gewisse Zeit lang.
- 25:15 Dr. Josef Vollmayr
Ja, deswegen will ich das gar nicht so jetzt glorifizieren an der Stelle. Also es hätte bei mir auch ganz anders kommen können. Es war nie die Vision, Gründer zu werden und eine große Firma mit jetzt 170 Leuten zu führen.
- 25:28 Ronald M. Arndt
Mhm, genau. Nee, aber die richtigen Leute dann im Moment um sich zu schauen, wenn du sagst, hier gibt's 30, die es auch hinbekommen hätten, das ist dann auch wieder eine Qualität, die nicht jeder hat und die eben zum erfolgreichen Unternehmertum, wie ich denke, ich bin jetzt keiner, aber dazugehört. Es ist inklusive Investoren, wo du sagst, die sind von Anfang an dabei gewesen und haben das Produkt eigentlich mitentwickelt.
- 25:51 Dr. Josef Vollmayr
Ja, genau, das ist auch meine, das ist was, das finde ich smart. Also ich glaube, es ist Produkt tatsächlich.
- 25:57 Ronald M. Arndt
Und du hast ja, sorry, da falle ich das letzte Mal ins Wort, ein bisschen Geld hast du am Anfang benötigt, um mal ein Haus auszustatten und zu starten.
- 26:06 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also das, ich glaube, in dem Geschäftsmodell, in dem wir unterwegs sind, ist ein gewisser Kapitalstock auch notwendig. Und ich glaube, fast alle Hotelspieler oder Hospitality-Unternehmen haben irgendwo sag mal Finanzierungsoptionen gehabt zu Beginn, bis man den Markt etabliert hat, bis man auch die Standorte bekommt, muss eine gewisse finanzielle Sicherheit auch einfach da sein. Ob das jetzt von Real Estate Seite kommt, von einem, von einem Private Equity Growth Investor oder halt aus persönlicher Hand, das ist immer, das ist dann am Ende, ich glaube, zweitrangig. Ich glaube tatsächlich, dass diese Menschenführungsdimension das ist gar nicht unbedingt meine Stärke, und da habe ich auch nie gedacht, dass das so unfassbar entscheidend ist, aber da bekommt man glücklicherweise sehr viel Guidance. Man lernt auch extrem viel den, den ganzen Weg entlang. Das ist aber mittlerweile fast das Entscheidendste, weil man, man kann es halt einfach nicht mehr selber machen, so viel man will. Im Zweifel, wenn man zu viel selber macht, macht man es eher kaputt, weil die Leute sind halt in Details deutlich stärker drin, und irgendwann wird's so komplex, dass man es gar nicht mehr selber überschauen kann.
- 27:20 Ronald M. Arndt
Wie alt bist du jetzt?
- 27:22 Dr. Josef Vollmayr
Kurz überlegen, 39. 39, ja, Gottes Willen, das klingt schlimm.
- 27:29 Ronald M. Arndt
Gibt's, also früher, als ich mich da auch mehr mit so Startup-Geschichten befasst hatte, da gab's immer so die Samba-Brüder, sind immer noch groß im Spiel. Ja, aber die haben ja immer viel Copy-Paste gemacht aus den USA und sind dann eben der Player in Europa geworden und haben es dann wieder verkauft an die Amerikaner. Gibt's dann so eurem Bereich vergleichbare Unternehmen? Musst jetzt nicht beim Namen nennen, aber gibt's die, oder kam auch da Inspiration drüber?
- 27:56 Dr. Josef Vollmayr
Ja, also als, als wir gestartet sind, tatsächlich haben wir uns den, haben wir den Markt uns gar nicht so genau angeguckt, weil wir halt selber erstmal explodieren wollten, in welche Richtung wir laufen. Wir haben dann schon, schon gesehen, dass es, sag mal, Spieler in dem breiteren Marktkontext gibt, die, die etwas Ähnliches bauen wollen. Ja, also in USA gibt's sicher ein Sonder— ich glaube, über die Execution kann man, kann man sicher nachdenken, aber haben mit Sicherheit eine sehr starke Brand auch dort gebaut. Es gibt sicher ein Celina, wir haben ja auch Mitarbeiter von Celina, die die dort auch eine extrem spannende Marke gebaut haben.
- 28:34 Ronald M. Arndt
Und dann hast du Markus auch, ne?
- 28:38 Dr. Josef Vollmayr
Genau, Magnus gibt's in Deutschland, Magnus Busch. Genau, mit dem machen wir auch ein bisschen was, aber es ist ja auch ein internationales Unternehmen, das in Panama gestartet ist. Und dann ein paar Monate nach uns ist ja auch, glaube ich, Numa auf den Markt gegangen. Das tut aber der Szene eigentlich nur gut.
- 28:55 Ronald M. Arndt
Ich glaube, du hast ja die Größe angesprochen. Und die, genau, des Marktes.
- 29:01 Dr. Josef Vollmayr
Genau, das ist das eine, das eine. Und am Ende, der limitierende Faktor für unser Wachstum ist, ist aktuell der Supply. Das heißt, gute Standorte zu finden. Und es hilft einfach, wenn es mehr etablierte Spieler gibt, die auch ein solides Wirtschaften, die das Segment mitentwickeln. Und deswegen haben wir da eine gesunde Rivalität. Natürlich flucht man mal, wenn man um Standort kämpft, Aber in Summe ist es, glaube ich, sehr positiv für beide.
- 29:28 Ronald M. Arndt
Zuletzt kam auch, oder glaube ich, kam erst dazu ein Palast aus dem 16. Jahrhundert, meine ich. Hast du mir erzählt, wo war das?
- 29:38 Dr. Josef Vollmayr
Ja, wir haben, ich muss das Jahrhundert, muss ich tatsächlich nachgucken.
- 29:42 Ronald M. Arndt
Klingt irgendwie kühl vom Mauerwerk her.
- 29:47 Dr. Josef Vollmayr
Ja, und 1 Meter dicke Mauern und Genau, unsere, unsere Standorte, niedrige Türen, ja, das, das, aber große Fenster, ist kein Gefängnis. Unsere Standorte haben, haben schon eine gewisse, ich sag mal, Diversität.
- 30:04 Ronald M. Arndt
Diversität, kann ich jetzt auch keine, keine Linie erkennen erstmal, was cool ist.
- 30:08 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also von innen ist es, ist es komplett standardisiert. Wir haben natürlich auch technische Ausbaustandards und, und die, das, das muss auch alles passen. Aber wir haben z.B. Granada ein Gebäude, wie halt das klassisch gebaut ist, wie es, wie die Granada-alten Paläste natürlich aus der Zeit auch sind, mit dem offenen Innenhof. Und wir haben in Vitoria auch einen tatsächlichen Palast unter Vertrag genommen. Da freut sich das Architekturteam natürlich.
- 30:34 Ronald M. Arndt
Sind das vielleicht sogar Objekte, wo sich ein normaler Hotelbetrieb nicht dran gemacht hätte und ihr da irgendwelche Vorteile habt vom, vom Businessmodell her? Also, ich, lässt sich nicht so einfach als Hotel betreiben, aber vielleicht als Apartmenthaus mit, wie ihr es eben macht.
- 30:51 Dr. Josef Vollmayr
Ja, also ich glaube, eine große internationale Hotelkette kann sowas nicht tun, weil die Grundrisse nicht standardisiert genug sind. Die Business Cases sind ganz andere, weil da ist dann noch mal ein Franchise-Konzept, da ist ein Betreiber drauf. Bis sich, bis sich das dann rechnet und man die Standards einführt, das Das würde nicht funktionieren. Die sind dann auch oft zu klein. Ich glaube, so ein lokales Boutique-Hotel, Familienbetrieb, die könnten auch die Standorte teils selbst betreiben. Aber jetzt glaube ich, in einem skalierbaren Modell sind wir eigentlich die einzigen, die so was betreiben können.
- 31:24 Ronald M. Arndt
Ja, die Frage ist ja auch, ob für so was dann der Familienbetrieb überhaupt heutzutage noch den Zuschlag bekäme, wenn ihr auch anklopft. Denn das tragfähigere Konzept etc. kommt natürlich von, von deinem Home her.
- 31:41 Dr. Josef Vollmayr
Ja, die Marke hat einen Vorteil, das ist mit Sicherheit so, und die Kapitalstärke ist, ist auch ein Vorteil. Es ist aber schon so, dass Lokalität auf Immobilienmärkten ein wichtiger Faktor ist. Das ist auch einer der Gründe, weshalb wir sehr regional vorgehen. Also wir haben auch in Spanien komplett spanisches Expansionsteam, wir haben jetzt auch in Italien ein komplett italienisches Expansionsteam mit den, mit der regionalen Verwurzelung auch etabliert. Das hilft gemein ungemein. Und wenn man jetzt ein lokales Familienunternehmen ist, eine Familie dort, dann haben die teilweise auch Zugang zu Real Estate, den auch wir wiederum dann nicht haben. Das heißt, ich, ich glaube schon, aber es ist wieder die gleiche Geschichte wie vorher: Wettbewerb ist da, das ist auch gut. Am Ende ist es eigentlich relativ zweitrangig, ob man jetzt ein spezielles Objekt mal bekommt oder nicht bekommt, sondern Es ist, glaube ich, die rationale Entscheidungsfindung, ein sehr effizientes und schlankes Modell und ein gutes Produkt, das den Erfolg der Firma ausmacht, und weniger ein Standort.
- 32:41 Ronald M. Arndt
Was tust du so privat für dich, um bei klaren Gedanken zu bleiben und Ausgleich, gewissen Ausgleich zu haben?
- 32:49 Dr. Josef Vollmayr
Ja, ist eine gute Frage.
- 32:50 Ronald M. Arndt
Oder gar nicht so viel gerade, oder zu wenig?
- 32:55 Dr. Josef Vollmayr
Also ich glaube, ich habe meine Work-Life-Balance schon ein bisschen versaut, auch durch, auch durch meine berufliche Vergangenheit.
- 33:03 Ronald M. Arndt
Gut, aber ist natürlich bei McKinsey auch ein hohes Tempo erstmal.
- 33:07 Dr. Josef Vollmayr
Genau, und es ist nicht so leicht, aus dem Hamsterrad wieder rauszukommen. Also ich will jetzt in die Richtung gar nichts, gar nichts Falsches sagen. Es war eine extrem gute Zeit, kann es auch jedem nur empfehlen, aber ich fahre nach wie vor noch eine sehr hohe Taktung. Ich glaube, das Wichtige ist, dass man das auch nicht an die Mitarbeiter weitergibt und sie da unter Druck setzt. Also das sind so Kleinigkeiten wie dann abends noch ein Slack zu schicken. Ja klar, das glaubt man gar nicht, was für Implikationen das dann teilweise für die, für die, für die Organisation hat.
- 33:37 Ronald M. Arndt
Weil man natürlich als Mitarbeiter davon ausgeht, dass es jetzt immer wieder kommen kann, ne?
- 33:40 Dr. Josef Vollmayr
Ja, genau. Also ich, ich erwarte auch nicht, dass die Leute sofort reagieren und so. Unterschiedliches Thema, ich glaube jetzt zu meinem persönlichen Ausgleich. Ich habe früher sehr, sehr viel Sport gemacht, jetzt deutlich zu wenig für mein, ja, Wohlbefinden. Aber so 3- bis 4-mal die Woche versuche ich schon noch irgendwie Sport zu machen, und das hilft dann auch, an nichts zu denken.
- 34:02 Ronald M. Arndt
Super, dann würde ich sagen, wir halten mal so die Fakten an der Stelle fest: 100 Standorte, 7 Länder. Und beim nächsten Update gucken wir genauso die 45 Millionen vielleicht noch mal Sind die jetzt auf die nächsten Jahre verplant, oder wie, wie geht man mit so einem Betrag um? Der ist jetzt auch nicht frei gewählt. Hat man da so gesagt, ich brauche 10 Millionen hier, 5 Millionen da, und dann genau machen wir das erstmal und beweisen das, und dann geht's in die nächste Runde, oder?
- 34:40 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also ich, es ist so, man geht in den Fundraise-Prozess natürlich mit einem klaren Ziel, wie viel Kapital man für was gerne, ich sag mal, aufnehmen würde. Und wenn das dann erfolgreich ist, und tatsächlich die Größenordnung haben wir auch uns im Vorfeld so definiert, dann muss man irgendwo damit hinkommen. Und für uns ist das Ziel eigentlich sehr, sehr klar: Wir sind mit dieser Runde komplett durchfinanziert in dem Wachstumsziel, das wir haben. Für die nächsten Jahre. Also was heißt für die nächsten Jahre? Das Unternehmen trägt sich selbst. Die Standorte, die wir aktuell betreiben, erwirtschaften genug Profitdeckungsbeitrag, dass wir jetzt den gesamten Overhead auch damit finanzieren. Das heißt, wir können das Geld komplett in Wachstum investieren. Das Wachstum an der Stelle kann einerseits sein natürlich neue Länder, das kann auch sein, Standort an sich ist ja profitabel. Genau.
- 35:35 Ronald M. Arndt
Und bei den Belegungszahlen im Schnitt, die ich so kenne von dir.
- 35:39 Dr. Josef Vollmayr
Genau. Und das Wichtige ist tatsächlich, dass die Standorte so profitabel sind, dass sie den gesamten, die gesamte Zentrale auch abdecken.
- 35:47 Ronald M. Arndt
Dann sprichst du von profitabel.
- 35:48 Dr. Josef Vollmayr
Genau. Und das ist jetzt auch schon der Fall.
- 35:50 Ronald M. Arndt
Die Pacht ist bezahlt.
- 35:51 Dr. Josef Vollmayr
Genau, das ist jetzt auch schon der Fall.
- 35:53 Ronald M. Arndt
Okay.
- 35:54 Dr. Josef Vollmayr
Wir haben hier 50 Leute im Tech-Team, die halt neue Lösungen entwickeln, und die musst du mit Genau, die muss man natürlich auch mit abdecken. Und das ist, glaube ich, das, das Besondere an uns. Wir haben eigentlich alles zentralisiert, und damit die Zentrale auch quasi abgedeckt ist, braucht man eine gewisse Anzahl an Apartments, an Units. Und wir sind jetzt in der Größenordnung, dass das gecovert, gedeckt ist. Das heißt, zukünftige Apartments machen die Profitabilität des Unternehmens deutlich, deutlich besser, weil nur ein ganz kleiner Bruchteil des Teams, das wir haben, tatsächlich für den, für den aktuellen Betrieb notwendig ist. Zurück zum Fundraise: Wir sind eigentlich jetzt unabhängig von Finanzierungen. Wir haben noch eine Pipeline an Objekten, die mehr als doppelt so groß ist als das, was wir aktuell betreiben. Okay, das heißt, die Umsätze wachsen automatisch.
- 36:47 Ronald M. Arndt
Wir wachsen 100 plus 100, oder die Pipeline?
- 36:51 Dr. Josef Vollmayr
Ja, genau. So Standorte sind ein bisschen weniger, sind ein bisschen größer geworden. Das ist aktuell die Pipeline.
- 36:55 Ronald M. Arndt
Wenn man von ausgeht, dass das was wird.
- 36:59 Dr. Josef Vollmayr
Genau, also Vertrag ist unterschrieben, wir haben einen festen Vertrag, okay, wir wissen jetzt nach aktueller Planung, dass das im März 2023 live geht, dann ist das quasi unsere Pipeline. Und mit dem Expansionsteam, das wir haben, aktuell nehmen wir so 3 bis 5 Standorte jeden Monat zusätzlich unter Vertrag. Das heißt, das Wachstum ist damit abgeschlossen. Jetzt habe ich sehr komplex gemacht. Mit der Finanzierung, die wir haben, sind wir in der Lage, die nächsten 4, 5 Jahre jedes Jahr um 2, 2,5x zu wachsen. Und wir können jederzeit selbst beeinflussen, wie schnell wir wachsen wollen. Wenn wir jetzt sagen, wir wollen weniger schnell wachsen, wir wollen mehr Profitabilität, nehmen wir ein bisschen Wachstumsgeschwindigkeit raus. Aber diese Wachstumsgeschwindigkeit ist durchfinanziert.
- 37:50 Ronald M. Arndt
Super, also von Herzen alles, alles Gute für den weiteren Weg, Josef.
- 37:56 Dr. Josef Vollmayr
Danke, Roland, vielen, vielen Dank, hat sehr viel Spaß gemacht.
- 37:58 Ronald M. Arndt
Und toll, toll, was ich jetzt schon alles gelernt habe, und Zuhörerinnen und Zuhörer des Hotel-Podcasts dann natürlich automatisch auch. Dir wünsche ich weiterhin guten Schlaf, klingt aber so, dass du den die nächsten 4 bis 5 Jahre hast, und trotzdem braucht's immer das glückliche Händchen ab und an. Aber wirklich alles, alles Gute für dich persönlich und für Limehome.
- 38:18 Dr. Josef Vollmayr
Danke, merci, vielen Dank und bis bald.
- 38:20 Ronald M. Arndt
Bis bald.