Wenn’s alle machen, dann sind wir raus
Aufgenommen: Koncept Hotels, Haus in Tübingen, Tübingen
Germany47 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Wir kommunizieren dann, wenn wir eröffnen, und nicht dann, wenn irgendjemand irgendeinen blöden Vertrag unterschrieben hat.“
Martin Stockburger, 09:59
Martin Stockburger betreibt mit Koncept Hotels kleine Häuser in Köln, Siegburg, Bern und Tübingen und erklärt Ronald M. Arndt, warum er bei der Gründung jeden Standard der Branche einzeln auf den Prüfstand gestellt hat. Er rechnet vor, dass das Haus in Tübingen mit 46 Zimmern über 92 Prozent Auslastung erreichte, während der Durchschnitt der Stadt unter 40 Prozent lag. Dazu: Nachhaltigkeit bis hinunter zur Duschgel-Rezeptur, eine gekaufte Wiese als Renaturierungsfläche und ein Kredit auf das eigene Haus, um in der Pandemie Löhne zu zahlen.
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Kernaussagen
- Erst eröffnen, dann reden: Koncept Hotels gibt Projekte erst zur Eröffnung bekannt, nicht zur Vertragsunterschrift. Der PR-Agentur droht Stockburger dafür nach eigener Aussage mit der Kündigung.
- Nische statt Zimmerzahl: Das kleinste Haus hat 20 Zimmer, Tübingen 46. Dort lag die Auslastung bei über 92 Prozent, der Tübinger Durchschnitt unter 40 Prozent. Die Zielgruppe ist nach seinen Worten nicht preisgetrieben.
- Nachhaltigkeit vor der Haustür: Drei Jahre ließ das Unternehmen Bäume in Ghana pflanzen und stieg aus, weil es zum Claim digital, fair und lokal nicht passte. Stattdessen kaufte es 5000 Quadratmeter Wiese als Renaturierungsfläche, pro Eigenbuchung einen Quadratmeter, mit dem Ziel einer Stiftung.
- Trial and Error: Handgemachte Hartseifen landeten halb verbraucht im Müll, also stellte das Unternehmen auf Flüssigseife um. Eine Hausdame hielt Stockburger zunächst für überflüssig, fünf Jahre später stellte er eine ein.
- Franchise zurückgezogen: Das Betriebsmodell wurde als Franchise angeboten, ein Vertrag unterschrieben und zwei Projekte begleitet. Stockburger zog sich als Franchisegeber zurück und wächst mit Investoren weiter, um Qualität und Marke selbst zu steuern.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Martin Stockburger und ich machen es uns gemütlich, dann geht’s Schlag auf Schlag. Ganz nach meinem Geschmack.
Steigenberger, Starwood, Althoff. Bei den Althoff Hotels verantwortet er die Bereiche Marketing und Vertrieb und wagt später den Schritt in die Selbstständigkeit. Dabei zollt Martin seinem früheren Chef Thomas Althoff großen Respekt, der Schlumpf von der Kölner Stadtkasse sollte aber lieber nie bei den Koncept Hotels einchecken.
Nach Köln, Siegburg und Bern fasst das Unternehmen nun auch in Baden-Württemberg Fuß, ganz zur Freude seiner Frau. Ghana schließt er bei der weiteren Expansion aus, wäre aber auch ein etwas weiter Weg für seinen Wanderzirkus.
„Digital, fair, lokal“ wird in aller Konsequenz gelebt, die Nachbarschaft dabei stets mit eingebunden. Der bisherige Weg war hart, die Zweifel zwischenzeitlich groß, aber einer muss es eben machen.
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Transkript öffnenTranskript schließen47 Min · Ronald M. Arndt und Martin Stockburger
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:06 Ronald M. Arndt
Im Hotel-Podcast starten wir immer spontan rein und fangen an mit dem, was mir so gerade einfällt. Gerade fällt mir ein, viele Grüße vom Florian Montag. Ja, mit dem war ich gestern Abend noch in München essen. Und dann freue ich mich, hier heute bei dir in Tübingen zu sein. Für mich kein unbekanntes Städtchen oder zumindest die Gegend, denn ich habe in Reutlingen mal 2 Jahre gelebt und somit war mir die Straße hier von Stuttgart bis Tübingen sehr bekannt und haben wir gerade schon gewitzelt, wenn wir so ein paar Bierchen trinken, ist ja, kann nur von Vorteil sein, wenn die Straße einem schon bekannt ist.
- 00:41 Martin Stockburger
Das ist leider badisches Bier, also ja, wenn wir noch kein vernünftiges württembergisches haben, aber ansonsten ist alles gut.
- 00:48 Ronald M. Arndt
Ansonsten alles vorgefunden, was man vorfinden muss. Wunderschönes Apartment. Sagt ihr Apartment oder Studio oder Zimmer, oder gibt es da so konzepthotelmäßig einen Begriff, oder unterscheidet sich das?
- 01:01 Martin Stockburger
Ja, da dürfen wir auch nicht drüber sprechen. Eigentlich heißt das anders. Also aktuell sind wir mit diesen Betrieben, die eigentlich eher hybrid sind und die man auch in die Apartment-Ecke schieben könnte, agieren wir noch unter Concept Hotels. Das wird so nicht auf Dauer sein. Ja, also der, die—
- 01:23 Ronald M. Arndt
Weil ich da in die Richtung schon mal was gehört habe irgendwie oder auch gesehen habe. Das muss ja veröffentlicht worden sein.
- 01:28 Martin Stockburger
Also die Muttermarke, Schwester- oder Brudermarke wird immer Concept Hotels sein. Das ist der Betreiber im Hintergrund, aber am Markt wird das Produkt, was dann eher auch im temporären Wohnen sein wird, anderes Branding bekommen.
- 01:49 Ronald M. Arndt
Gut.
- 01:50 Martin Stockburger
Schönes Branding.
- 01:51 Ronald M. Arndt
Hauptsache Hotel neu gedacht, das ist ja so ein bisschen das Motto, oder? Oder war das die Gründungsidee, oder ist es was, wo bei euch irgendwie im Büro so an der Wand steht und euch jeden Tag neu beflügelt, oder?
- 02:04 Martin Stockburger
Naja, also wir sind ganz gut damit gefahren. Diese Branche lebt ja davon, dass viele Dinge standardisiert sind und standardisierte Dinge macht man immer wieder gleich. Also diese SOPs, die es in unserer Branche gibt, gibt es in, glaube ich, vielen anderen Branchen nicht. Und das ist natürlich ein standardisierter Prozess, ist natürlich auch ein Innovationshemmnis. Und damals habe ich mir klipp und klar vorgenommen, als ich mich selbstständig machte, dass wir jedes einzelne Ding auf den Prüfstand stellen und fragen, wollen wir das? Grüße an die Kollegen der Hotelklassifizierung. Man braucht keine Schuhputzmaschinen. Ich finde Verbandsarbeit auch toll, aber mal viele Dinge sind dann in diesen Prozessen, in denen sie da halt sind, viel zu langsam. Und da haben wir schon extrem davon profitiert, dass wir vieles auf den Kopf gestellt haben und bei vielem gesagt haben, nee, wir wollen das nicht. Jetzt muss man fairerweise aus heutiger Sicht auch sagen, mit manchen Dingen haben wir auch begonnen, als es vielleicht noch gar nicht erlaubt war. Ja, also in Deutschland, da hatten wir einen digitalen Meldeschein. Als das noch keine juristische Grauzone war, sondern schlicht nicht vorgesehen. Aber die Idee, Dinge auf den Kopf zu stellen, ja, die ist glaube ich richtig. Und das ist der Weg, um innovativ zu sein. Ja, also wenn ich in diesem Land dann immer wieder sehe, dass nichts nach vorne geht, ja, dann deshalb, weil da jede Menge Leute sitzen, die sagen, ja, machen wir doch so. Nee, brauchen wir nicht probieren. Nee, machen wir wieder so.
- 03:33 Ronald M. Arndt
Aber es kam jetzt schon bei raus, also auch erstmal Dinge weglassen, um dann wieder Ressourcenmöglichkeiten für Neues zu haben.
- 03:40 Martin Stockburger
Hey, wir haben die Weisheit auch nie mit Löffeln gefressen. Ich habe früher immer gesagt, wenn wir eine Hausdame haben, dann geht der Sexappeal zum Fenster raus. 5 Jahre später stellen wir eine Hausdame ein, weil wir sagen, wir müssen die Qualität verbessern in dem Bereich. Also da haben wir keine Unfehlbarkeit und alles immer anders zu machen und zu sagen, das machen wir jetzt so oder so. Merkst dann zwischendurch schon, naja, es ist vielleicht doch was Wahres dran an dem, wie es die Menge macht. Aber was wir uns grundsätzlich auserbieten und was ich verlange von meinen Leuten, ist Trial and Error. Dinge probieren, wenn sie klappen, optimieren, wenn sie nicht klappen, zurückziehen. Also wenn du 5-mal gegen die Wand gelaufen bist und da war keine Tür, dann bringt es nicht noch ein sechstes Mal dagegen zu laufen. Ja, du musst weiter links oder rechts schauen.
- 04:35 Ronald M. Arndt
Ja, hast du gesagt, wie es die Kollegen so machen und wie man es halt so macht in der Hotellerie. Du hast schon sehr viel gesehen, hast auf einer Pike aufgelernt, die Hotellerie, Hotelfachmann, glaube im Hause Steigenberger, und dann bei Starwood gewesen. Entschuldige, wenn ich ein paar Sprünge vielleicht drin habe in der Zeitleiste. Dann zuletzt, also da rein fester Stellung bei Althoff Collection, da fast 5 Jahre, glaube ich, für Marketing und noch was zuständig gewesen.
- 05:08 Martin Stockburger
Ich habe damals angefangen im Althoff Grand Hotel Schloss Bensberg und war dort irgendwie, ich glaube, ein bisschen mehr als 3 Jahre und bin dann in die Zentrale gewechselt und war dort für Vertrieb und Marketing zuständig. Rückblickend extrem dankbar für die Zeit, weil es eine tolle, extrem lehrreiche Zeit war. Jetzt muss ich immer wieder schmunzeln, weil rückblickend habe ich, glaube ich, von der Unternehmerpersönlichkeit Thomas Althoff viel profitiert und ertappe mich heute, wie man das wahrscheinlich bei den eigenen Vätern auch zwischendurch so hat, dass man denkt, nee, also das werde ich nie so machen und dann ist man auf einmal selber Vater und macht das eine oder andere auch so. Ja, also da sehe ich manchmal schon, wo ich vielleicht vor 5 Jahren noch den Kopf geschüttelt habe, dass ich sage, ja, manches kann ich vielleicht heute nachvollziehen.
- 06:06 Ronald M. Arndt
Also meinst du das in Bezug auf Kinder oder in Bezug auf das Unternehmen als Kind?
- 06:11 Martin Stockburger
Ehrlich gesagt sowohl als auch.
- 06:13 Ronald M. Arndt
Oder beides, okay. Und das wächst jetzt vielleicht noch über die Jahre, dass du immer mehr sagst, ja, hat er doch recht gehabt.
- 06:24 Martin Stockburger
Also, wenn wir dann noch mal auf das Thema Innovation kommen, ich glaube, manche Dinge müssen wir wirklich zwischendurch auch hinterfragen. Das ist richtig, das zu tun. Aber wir sagen, diese Jahre in irgendwelchen Unternehmen, ich war auch bei Starwood sehr lange, für die Hotellerie sehr lange, da habe ich schon viel profitiert. Und witzigerweise auch, also in 2 Wochen haben wir ein paar Menschen zum Karneval eingeladen und da kommt zum Beispiel meine alte Chefin von Starwood. Und damals Tina und ich hatten, glaube ich, zwischendurch unterschiedliche Ansichten. Und trotzdem ist es dann schön, wenn man sich als Mensch respektiert und vielleicht auch der Vorgesetzte toleriert, dass jemand herausfordernd ist und Dinge infrage stellt und nicht immer nur sagt, ja, genauso machen wir es, wie du das sagst, weil ich glaube, sonst bräuchten die auch nicht solche Menschen wie mich damals eingestellt haben.
- 07:21 Ronald M. Arndt
Karneval steht für Köln.
- 07:23 Martin Stockburger
So ist das.
- 07:23 Ronald M. Arndt
Ich glaube, ihr habt doch 3 Häuser in Köln, kann das sein? Ja. Wir waren in Siegburg und jetzt habt ihr einen großen Sprung dann gemacht Richtung Süden in meine Heimat hier Stuttgart und Tübingen.
- 07:34 Martin Stockburger
Also meine Frau wollte nie ein Ferienhaus in Württemberg, jetzt bauen wir halt hier Hotels, damit ist die Sache entschieden.
- 07:42 Ronald M. Arndt
Voraus, nicht nur ein Hotel, sondern Hotels. Wenn ich so dein Gepäck hier anschaue, bist du wahrscheinlich schon eine Weile hier unterwegs, du sitzt heute schon da oben, ja? Genau.
- 07:53 Martin Stockburger
2 Sixpacks Bier und eine Unterhose. Ja, naja, die—
- 08:01 Ronald M. Arndt
oder was prägt da jetzt so den Alltag gerade eines Martin Stockburgers? Naja, also Der Rest läuft ja vollautomatisiert.
- 08:13 Martin Stockburger
Vollautomatisiert, genau. Also was uns natürlich, muss ich fairerweise sagen, auch erreicht, ist, dass auch wir merken, dass die Mitarbeiter nicht an jeder Ecke stehen und warten, dass wir sie brauchen. Auch wenn unsere Problemintensität sicher eine andere sein wird als von einem Grand Hotel mit 250 Mitarbeitern. Aber was prägt meinen Alltag? Ich habe letzte Woche verschiedene Hausmeistertätigkeiten gemacht, weil es irgendwie keinen mehr gibt für das, was Handwerker Edelscheiß nennen. Also irgendeine kleine Arbeit, für die man keine 200 Euro Wegekosten in Rechnung stellen kann und nicht irgendwie einen 5-stelligen Auftrag schreibt. Das ist ein Thema, was mich prägt.
- 09:03 Ronald M. Arndt
Hat bestimmt Herr Althoff auch schon gemacht.
- 09:05 Martin Stockburger
Das hat Herr Althoff bestimmt auch gemacht. Und ich sehe mich in 5 Jahren mit so einem Combo-Lieferwagen durch Deutschland fahren, steht groß Konzept, vielleicht Hotels drauf und dann mache ich Silikonfugen und irgendwelche Bilder, die ich aufhänge. Habe dann weniger Sorgen als heute. Ja, also freue mich auch drauf. Das ist ein Teil von meinem Leben und der andere Teil meines Lebens ist, die Welt zu sehen. Deswegen das Gepäck hier. Ja, genau, das sind 2 Koffer, einmal das.
- 09:34 Ronald M. Arndt
Die Handwerker zum Wasserhahn, alles gut.
- 09:38 Martin Stockburger
Und der andere Teil meines Lebens ist, dass wir Städte segnen mit Hotels, die keine haben und keine kriegen.
- 09:47 Ronald M. Arndt
Die es auch noch gar nicht wissen.
- 09:48 Martin Stockburger
Die es auch gar nicht wissen teilweise. Und dann gehen wir hin, so wie der Zirkus Krone und plakatieren in der Straße und dann sind wir übermorgen da. So ist das.
- 09:56 Ronald M. Arndt
Das war dann der Koffer mit Bier.
- 09:59 Martin Stockburger
Genau, so ist das. Und da sind wir wirklich anders als die üblichen Hotelkonzerne. Droht mir auch zwischendurch unsere PR-Agentur immer die Kündigung an. Wir kommunizieren dann, wenn wir eröffnen, und nicht dann, wenn irgendjemand irgendeinen blöden Vertrag unterschrieben hat. Weil wenn es irgendwo einen Planeten gäbe mit all den Hotels, die alle schon mal bekannt gegeben haben und die nie eröffnet haben, dann wäre das wahrscheinlich ein Planet, der größer wäre als diese Erde. Und das machen wir anders. Wir haben da glaube ich ein paar coole Projekte in der Pipeline. Das ist ganz, ganz schön zu sehen. Auch an wirklich teilweise außergewöhnlichen Orten. Die Tage, mich jemand fragte, wo ist das? Ich sagte, ja, es ist Deutschland. Da kommen ein paar coole Destinationen.
- 10:52 Ronald M. Arndt
Und Tübingen ist aber nicht das Südlichste, sondern ihr seid ja sogar in Bern in der Schweiz. Wir sind auch nicht mal mehr nur in Deutschland. Wie kam es dazu?
- 10:59 Martin Stockburger
Ah, das war ein Zufall.
- 11:00 Ronald M. Arndt
Ein Zufall. Also, weil beruflich warst du ja schon in der Schweiz unterwegs.
- 11:03 Martin Stockburger
Ja, genau.
- 11:04 Ronald M. Arndt
Wenn ich mich so richtig informiert habe.
- 11:05 Martin Stockburger
Ja, ja, wir haben alles in der Firma immer strategisch gemacht, also das Betriebskonzept strategisch mit Fraunhofer entwickelt, Teile davon, haben strategisch eine Weile lang nur Mitarbeiter eingestellt, die in der Hausnummer 3 wohnten, und ganz am Anfang habe ich gesagt, ich will alle Hauptstädte in Europa, die deutschsprachig sind, und dann haben wir also in der Tat Wien eröffnet und Bern, Berlin nicht. Also das ist die Erklärung für Bern. Es gibt noch einen ehrlichen zweiten Grund im Hintergrund. Wir machen Bern mit einem Eigentümer, mit dem wir auch ein zweites Hotel hier in Deutschland betreiben und der uns dann einfach gebeten hat, ob wir nicht dieses Produkt da machen würden. Aber es ist ein extrem schönes Beispiel. Das ist ein 650 Jahre alter Gasthof. Der nicht mehr lebensfähig war, mit 17 heruntergewirtschafteten Zimmern und 3 Restaurants, die da dazugehörten. Die Restaurants haben wir in der Zwischenzeit geschlossen und haben gerade einen Bauantrag laufen, um da Zimmer einzubauen. Aus den 17 Zimmern, da haben wir erstmal die 17 Zimmer renoviert, dann 10 weitere in einen ehemaligen Saal eingebaut, dann haben wir 27 Zimmer. Das Hotel lief noch nie so gut. Wir hatten ein sensationelles Jahr. Die unsere Bank in der Schweiz ruft uns ständig an und fragt, woher das alles so sei, weil früher war es nie so im Löwen. Ist ein Beispiel, dass wenn man Dinge anders macht, das klappen kann. Und als wir den Betrieb übernommen haben, gab es da irgendwie Dutzend Mitarbeiter in der Gastronomie und das Hotel war komplett vernachlässigt und keiner ging dahin. Und die haben sich aber zu Tode gekocht mit Mittag- und Abendessen. Schönes Beispiel, dass es gehen kann.
- 12:51 Ronald M. Arndt
Du sagst, das ist der gleiche Eigentümer wie bei einem Haus in Deutschland?
- 12:55 Martin Stockburger
Genau.
- 12:55 Ronald M. Arndt
Das heißt, der Eigentümer hat damals schon mit den Problemen, war mit den Problemen konfrontiert. Genau. Und kann mir vorstellen, dass er auch dann dich ein bisschen als Experte natürlich erstmal reingeholt hat.
- 13:06 Martin Stockburger
Naja, wir können schon Dinge, die die anderen nicht können. Ja, muss man ganz deutlich sagen. Unser kleinstes Hotel hat nur 20 Zimmer und wir führen das höchst erfolgreich in einer sehr, sehr guten Lage und zu exzellenten Ergebnissen. Dieser Betrieb da mit jetzt aktuell 27 Zimmern, nach Umbau der Gastronomie sind es dann irgendwie 35 Zimmer, war über Jahre schon defizitär und hat nur davon gelebt irgendwie, dass die Substanz immer mehr verzehrt wurde. Und ich glaube, das können wir schon. Also wenn da die, weiß ich nicht, Dorints und Moxys dieser Welt alle mit ihren 200 und 300 Zimmern an den Start gehen, dann muss ich sagen, viel Spaß. Deshalb schlagen die sich dann auch alle mit Novum und Centro um die gleichen Destinationen. Muss ich auch sagen, viel Spaß. Das machen wir nicht, weil wir was können, was die nicht können, und das ist eben sehr in der Nische, eine spezielle Zielgruppe abzuholen, die nicht preisgetrieben ist, und Hotels in einer anderen Größe. Ja, also hier in Tübingen, wo wir jetzt da sind, haben wir 46 Zimmer, die sind im letzten Jahr zu über 92% ausgelastet gewesen. Die Durchschnittshotelauslastung in Tübingen ist unter 40%.
- 14:23 Ronald M. Arndt
Okay.
- 14:23 Martin Stockburger
Und das zeigt, dass wir offensichtlich A den Markt erreichen und B mit diesen Größen, mit denen wir antreten, ganz gut aufgestellt sind. Und dann freue ich mich, wenn die anderen 180-Zimmer-Wäscher da hinbauen. Können sie gerne machen.
- 14:36 Ronald M. Arndt
Ich habe vorhin mal reingeschaut, was Einzelzimmerheizer kosten würde. Ich glaube 108€, ab 108€.
- 14:41 Martin Stockburger
Das ist so, ja.
- 14:42 Ronald M. Arndt
Schon ein bisschen Geld, gell?
- 14:44 Martin Stockburger
Na ja, aber für ein sehr schönes Produkt ist das eine, ein sehr ehrliches Produkt und C, ein sehr gutes Produkt. Also wir führen einen festen Umsatzanteil in Biodiversitätsmaßnahmen ab. Wir unterstützen mit unseren ganzen, mit der ganzen Vielzahl an Maßnahmen extrem viele eigene, aber auch fremde Nachhaltigkeitsprojekte. Also mein Tier, wenn wir da so lässig auf dem Sofa sitzen, diese Kissen, werden in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen hergestellt, mit denen wir seit 5 Jahren arbeiten. Ja, da gibt es 3 Arbeitsplätze, die ausschließlich wir auslasten mit unseren Wäschesäcken, Kissen, T-Shirts, weiß der Kuckuck, was wir da alles machen.
- 15:35 Ronald M. Arndt
Schöne Sache, habe ich schon gesehen.
- 15:36 Martin Stockburger
Genau, wenn man hier rumschaut, da oben hängt so eine Lampe an der Decke, die wurde in so einer Drechselei ein paar Kilometer weiter hergestellt, in der dritten Generation. Ich glaube nicht, dass so wahnsinnig viele Moxie Hotels jemals alte Handwerksbetriebe unterstützt haben.
- 15:49 Ronald M. Arndt
Ja, selten.
- 15:50 Martin Stockburger
Und so Projekte wie mit dem Kindergarten nebenan, wo gerade, wir sind manchmal auch speziell, ja, da wurde jetzt in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg wurde ein Insektenhotel gebaut, 3 Meter hoch und 2 Meter breit, was da die Kinder aus dem Kindergarten nebenan dann befüllen werden mit irgendwie Hölzchen und Stöckchen. Das ist uns wichtig und das macht uns auch Spaß, unterscheidet uns, ist aber auch was, wo wir unsere Zielgruppe mit abholen. Ja, und ich glaube, es gibt so ein paar Dinge, über die man nicht diskutieren braucht. Das ist ganz sicherlich, dass unsere Welt immer digitaler wird. Und über was wir auch nicht sprechen müssen, ist, dass unsere Welt immer nachhaltiger werden muss. Und wenn da die Großen unserer Branche auf ihre Bullshit-Duschgels Organic draufschreiben und damit zufrieden sind, weil Ada den Scheiß halt liefert, dann finde ich es wichtig, dass jemand sagt, nee Leute, wir sind nicht alle dumm, das will ich so nicht. Und deshalb machen wir das auch, geben da auch Geld für aus und solange wir es uns leisten können, werden wir das tun. Die Gäste müssen es aber auch ein Stück weit mitgehen und offensichtlich an diesen Auslastungszahlen, diesen Durchschnittsraten sieht man, dass es funktioniert. Dann darf das Ibis gerne sein Billigduschgel ins Bad hängen, Die kriegen heute Nacht vielleicht 99, wir machen unsere ganzen Nachhaltigkeitsmaßnahmen und kriegen dann vielleicht 109.
- 17:24 Ronald M. Arndt
Und du lässt das Duschgel dann weg oder hast du eine Alternative?
- 17:26 Martin Stockburger
Nein, wir haben eine Alternative, aber auch das ist witzig. Wir haben jetzt 5 Jahre das gleiche Duschgel genutzt, was alle coolen Lifestyle-Brands so haben, also Stop Water. Das steht in jedem, weiß ich nicht, 25 Hours und wie sie alle heißen auch rum. Nicht zertifiziert. Die schreiben zwar drauf, dass sie irgendwie Bio und Zeugs und keine Ahnung sind. Das haben wir ein paar Mal hinterfragt und dann die Antwort bekommen, nee, das würde nicht hinhauen. Dann haben wir bei dem internationalen Marktführer für nachhaltige Duschgels zertifizierte Produkte abgefragt. Die haben gesagt, ja, die gibt's, die werden aber alle in China hergestellt ausschließlich. Das passt für uns mit dem Carbon Footprint nicht. Wenn wir da Klimaneutralität erreichen wollen, dann wird Duschgel aus China nicht funktionieren. Und da haben wir so lange weitergesucht, bis wir jemanden fanden, der a) die Refill-Lösung bietet, die wir wollen, b) in Europa herstellt, c) eine zertifizierte Rezeptur hat und das dann auch noch in einer plastikarmen Verpackung uns liefert, sodass wir pro Liter Duschgel, den wir da verbrauchen, nach den Gesetzgebungen von Hygiene und Produkthaftung, die bestehen, eben da eine optimale Lösung erzielen. Und auf so Details bin ich stolz. Das ist Arbeit, das ist mühsam, kostet auch Geld, aber das lässt mich dann auch kopfschüttelnd weglaufen. Und wo ich dann sage, ihr alle, die euch da irgendwie Plaketten an die Türe schraubt und das alles nur macht, um den Gast zu verarschen, da habe ich recht wenig Verständnis für.
- 19:03 Ronald M. Arndt
Kannst schon mal Haken hinters Duschgel machen zumindest.
- 19:06 Martin Stockburger
Genau, Duschgel haben wir.
- 19:09 Ronald M. Arndt
Wenn es ums, nein, nein, aber tut Hörst ja raus, die Dinge werden einfach Teil für Teil konsequent zu Ende gedacht.
- 19:17 Martin Stockburger
Ja, also auch das Duschgel ist so ein Beispiel. Ja, wir haben eröffnet im ersten Hotel mit von Hand hergestellten klimaneutralen Seifen, Hartseifen. Die wurden in Österreich irgendwie auf der Alm, wurden die Kräuter gezupft und dann irgendwie zu Seife verarbeitet. Das war original unser erstes Hotel und bis die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln endlich uns die Mülleimer hingestellt haben, die wir bestellt sind 6 Monate vergangen. Das ist in Köln manchmal so. In der Zeit habe ich dann irgendwie zweimal die Woche da den Müll abholen müssen und den zu Hause dann auseinandergepflückt und irgendwie die Pfandflasche in den einen Eimer und das andere in den anderen Eimer gelesen. Und dann fallen dir die ganzen harten Seifen auf und dann musste ich irgendwie sagen, okay, jetzt haben wir zwar 1000 Hartseifen da gekauft, aber die Leute waschen sich die Hände und dann fliegen die restlichen 18,5 Gramm weg. Das war dann der Moment, als wir umgestellt haben auf Flüssigseife. Und das ist, glaube ich, so ein Beispiel für Trial and Error, dass wir Dinge ausprobieren. Und wenn es dann halt nicht funktioniert, muss man eine andere Lösung finden. Und da gehört auch Stop Water dazu. Also wenn die nicht in der Lage sind, ein zertifiziertes, ordentliches Produkt beizubringen, dann ist es halt nicht mehr unser Hersteller. Und dann ist das so.
- 20:29 Ronald M. Arndt
Ich habe heute vom Finanzamt ein Schreiben bekommen. Übrigens, die Stadt, wo du heute auch schon warst, da habe ich mal vor ein paar Jahren, vor 10 Jahren oder so, einen Weinberg gekauft. War der Wein aber nicht so gut. Und der Pächter, oder der Pächter, genau, der Winzer, der wollte dann einen neuen Pachtvertrag haben, der nochmal 30 Jahre läuft, da neue Reben einpflanzen. Und ich sag, nee, lass mal gut sein. Das mache ich vielleicht irgendwann und solange lassen wir das mal als Blumenwiese laufen. Zu dem Punkt Blumenwiese war ich mit der Stadt intensivst im Austausch damals. Aber ich erzähle das zum einen, weil sie mir heute ein Schreiben geschickt haben, hier Ihre Nummer, Ich sei jetzt ein landwirtschaftlicher Betrieb, also nach 10 Jahren stellen sie fest, dass ich da einen Acker habe und die Nummer bräuchte ich jetzt irgendwie wegen der Grundsteuererklärung. Aber ich komme auf den Punkt zu sprechen, weil ihr ja so konsequent seid, dass ihr hier euch allein am Standort Tübingen jetzt auch noch mal mit einer Wiese, sage ich mal, wie soll ich sagen, wie soll man den Satz darauf beenden, Wie kam es dazu?
- 21:34 Martin Stockburger
Wie kam es dazu? Also wir hatten von Anfang an, wie so jedes Hotelunternehmen, immer das Ziel, möglichst viele Eigenbuchungen zu generieren. Klar. Und das schaffen wir, indem wir a) nett sind zu den Gästen, b) unverschämt sind zu den Gästen und c) was Gutes tun für die Welt. Also meint nett sind, wir geben den Gästen üblicherweise die besten Zimmer, wenn sie bei uns direkt buchen. Wir sind unverschämt zu den Gästen, weil sie halt bei Booking leider mehr bezahlen und da auch kein Entgegenkommen bei irgendwelchen Stornierungen bekommen. Und C, weil wir den Gästen klar erklären, wenn du bei uns buchst, dann kriegst du A, das beste Zimmer, B, die beste Rate und C, führen wir für jede Buchung von dir noch was ab in Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Und das waren tatsächlich die ersten 3 Jahre Baumpflanzungen, die wir vorwiegend in Ghana gemacht haben mit einem Partner. Und letztlich wird es nie Konzepthotels in Ghana geben. Hinfahren und gucken, ob da die Bäume stehen, kann ja auch nicht, weil dann die—
- 22:48 Ronald M. Arndt
Das wäre jetzt so die nächste Frage gewesen, weil das Beispiel Seife hat ja gezeigt, da verkauft sich irgendwas als Maßnahme, die nachhaltig ist und funktioniert. Genau. Das mit Bäumen ist ja auch wirklich mega im Trend.
- 22:58 Martin Stockburger
Ja, das ist im Trend. Das war auch, wenn es alle machen, dann sind wir raus. Das ist das eine. Und zum anderen lässt du es halt lieber weg. Ja, genau. Zum anderen ist dann halt die Frage auch, macht das wirklich Sinn, in Ghana Bäume zu pflanzen? Wir haben als Claim digital, fair und lokal unten drunter stehen. Da wüsste ich jetzt nicht, was Ghana damit zu tun hat. Und so kam dann eben der Ansatz, dass wir sagten, also Das, was man vor der eigenen Haustür tun kann, das sollte man auch vor der eigenen Haustüre tun. Und daher kommen unsere Ökotainment-Maßnahmen, wie beispielsweise mit dem Kindergarten nebenan, oder im Jahr zuvor haben wir irgendwie Steinkauzkästen gezimmert und in Bäume aufgehängt, oder eben, dass wir da diese Wiese als Renaturierungsfläche aufkauften. Was ein extrem mühsamer Prozess war. In Deutschland kann ich einfach nur ein Wirtschaftsunternehmen Wiesen kaufen, solange Landwirte die auch gerne haben wollen. Jetzt ist das eine Wiese am Rand von einem Biosphärenreservat, nicht im, sondern direkt angrenzend an. Also die letzte, das letzte Wiesenstück, bevor es da auf die Schwäbische Alb hochgeht. Und man kann auch im Grundbuch in Deutschland nicht Quadratmeter für Quadratmeter buchen. Also kann ich jetzt nicht hingehen und sagen, im Dezember haben 1000 Leute bei uns gebucht, also kaufe ich 1000 Quadratmeter und im Januar kaufe ich die nächsten 500, sondern da muss halt mal eine Wiese kaufen. Und da haben wir dieses Jahr wirklich richtig Geld in die Hand genommen, um eine intensiv bewirtschaftete Wiese zu erwerben und im Rahmen von so einem Renaturierungsplan in die eigentliche traditionelle Nutzung einer Mähwiese zu transportieren. Das ist immer noch ein bisschen mühsam, ja, also die ist tatsächlich 6, 7 Mal gemäht worden, da wächst dann irgendwann Gras, aber da blüht nichts mehr, da leben auch keine Insekten mehr und der Bauer macht da Biogas draus und die wird jetzt im Rahmen von so einem Renaturierungsplan im Laufe von 2 Jahren nicht mehr gedüngt und dann nur noch einmal im Jahr gemäht, dass da wieder Pflanzen nachkommen, die zum Blühen kommen und sich dann natürlich aussäen und dadurch steigt dann wieder die Artenvielfalt.
- 25:12 Ronald M. Arndt
Also es funktioniert wirklich? Ich mache es jetzt schon ein paar Jahre. Und was am Anfang nur Acker war oder zerpflügt, weil du halt die Reben rausgerissen hast, wird jetzt von Jahr zu Jahr eine immer buntere Wildblumenwiese. Da wachsen Dinge, die habe ich noch nie gesehen.
- 25:28 Martin Stockburger
Freue mich auch total drauf.
- 25:29 Ronald M. Arndt
Links und rechts die normalen Weinberge.
- 25:31 Martin Stockburger
Ja, mega. Und wir haben da tatsächlich Optionen, um weitere Wiesenteile da angrenzend zu erwerben, die dann auch so ein Biotop Verbund schließen sollen. Werden da also jetzt nicht aufhören damit. Es ist nicht so, dass wir eine Wiese gekauft haben und sagen, wunderbar, das war's, sondern das sind jetzt halt die ersten 5000 Quadratmeter mit dem klaren Ziel, das in einer sinnvollen Ergänzung dann zu einem großen Ganzen zu führen. Das wird wahrscheinlich nicht dauerhaft da am Großen Heuberg bleiben. Das kann auch sein, dass das irgendwann mal noch woanders ist, aber unser klares Ziel ist, dass wenn jemand fragt, wo ist denn das, Dass man sagen kann, bitteschön, da ist es, dass wir das klar dokumentieren für Gäste, ja, dass die Gäste sehen können, so sah das Ding aus, als wir es gekauft haben. Da gibt es eine Drohnenaufnahme, da sieht man original noch die Spuren von diesem, weiß ich nicht, 20 Tonnen schweren Traktor, der da drüber geeiert ist mit seinem absaugenden Silageladewagen da. Und in wahrscheinlich 3 Jahren wird die Wiese anders sein, wenn man mit der Drohne drüber fliegt. Und das ist was, was uns antreibt, was wir jetzt auch ab diesem Jahr viel stärker an den Gast kommunizieren werden. Also da wird es auf den Betten, wird es da einen Hinweis geben, dass da jetzt ein Quadratmeter Wiese gekauft ist, und das werden wir auch in aller Konsequenz erfüllen, dass wir pro Eigenbuchung einen Quadratmeter erwerben und das dann darstellen, nachhalten mit dem Ziel, das in eine Stiftung zu überführen.
- 27:11 Ronald M. Arndt
Okay, cool. Weißt du was, ich kaufe dir das auch alles ab. Ja, manche könnten ja denken, okay, jetzt kaufst du da Wiese für Wiese und wartest nur drauf, um da irgendwann Bauland draus zu machen, neues Hotel hochzuziehen. Das ist sogar, ja, da haben wir, aber das Ganze jetzt mit Stiftung endet, die Ausführung.
- 27:29 Martin Stockburger
Ja, also das ist sogar eben, aber da im Notarvertrag drinstehen, dass das ein Vorkaufsrecht für die Stadt Also wenn das je Bauerwartungsland oder Bauland werden würde, hätte die Stadt das Vorkaufsrecht, was sie dann sicher auch ausüben würde. Aber das ist auch nicht unsere Idee, sondern die Idee ist eine andere. Und da glaube ich, gilt nur eins, wenn Colgate auf die Zahnpasta draufschreibt, diese Zahnpastaverpackung ist nachhaltig, weil man sie recyceln kann, dann ist das Verarschung. Ja, und das ist was ganz Gefährliches. Ja, da darf man Kindern nicht so gegenübertreten und glaube ich Gästen und Geschäftspartnern auch nicht. Und deshalb ist uns sehr, sehr wichtig, dass wir da ganz vorsichtig und sorgfältig mit umgehen und nichts sagen, was nicht so ist, und das, was wir sagen, so belegen, dass es jeder nachvollziehen kann, weil ich will eines nicht, dass wir da irgendwie wo ein Vorwurf oder ein Fragezeichen bekommt und uns jemand sagt, ja, das ist ja nicht ganz so, wie du das darstellst. Wir machen da so wahnsinnig viel und das kostet uns auch echt wirklich viel Geld. Deshalb macht es gar keinen Sinn, was zu erzählen, was nicht so ist, weil wir so viel tun, was tatsächlich so ist.
- 28:48 Ronald M. Arndt
Passt ja wieder zu der Aussage von Beginn Hotels, wenn sie dann eröffnet sind, dann wird kommuniziert.
- 28:54 Martin Stockburger
Ja, ich bin, also jetzt sind wir hier im Kernland Württembergs. Ich bin gebürtiger Württemberger und der unterscheidet sich ja zum Beispiel vom Rheinländer, erst denkt und dann redet. Der Rheinländer redet, um zu denken. Und wo kommst du her ursprünglich? Ich bin gebürtig aus Rottweil. Okay. Also da ist schon wichtig, dass man erstmal die Schnauze hält und seine Arbeit macht. Und wenn man dann die Arbeit gemacht hat, dann kann man den Mund aufmachen. Also so wie man immer so schön sagt, man sollte nicht gackern, bevor das Ei gelegt ist, würde ich manchem vielleicht auf der Exporeal als Gedanken mal mitgeben.
- 29:27 Ronald M. Arndt
Ja, ja, also ich komme ja auch so rum jetzt mit dem Hotel-Podcast und Exporeal, die scheint einige beflügelt zu haben. Also die sehen sich schon ganz, ganz, ganz groß. Aber du bist für die Ausbildung von Rottweil weggezogen oder wie war das? Naja, also warum hast du jetzt den Weg damals gewählt zum Hotelfachmann?
- 29:51 Martin Stockburger
Ja, ganz schwierig.
- 29:53 Ronald M. Arndt
Schwierig.
- 29:55 Martin Stockburger
Keine gute Geschichte für meine Eltern. Ich komme aus so einer Beamtenfamilie. Mein Opa war Beamter, mein Vater war Beamter. Alle waren in der Hoffnung, dass ich da auch so was machen würde.
- 30:05 Ronald M. Arndt
Jetzt hast du wieder viel mit Beamten zu tun.
- 30:07 Martin Stockburger
Ja, jetzt wieder. Genau. Und dann habe ich Zivildienst gemacht auf einer Jugendherberge. Und in der Zeit, also damals hatte man ja halt nach dem Abi irgendwie sich um einen Studienplatz beworben und dann Zivildienst angetreten. Ich hatte einen Studienplatz für BWL in Mannheim. Und hatte ein Assessment Center noch bei einem DAX-Unternehmen da angefangen, wo es um irgendwie so ein quasi unternehmensbegleitetes Studium gegangen wäre durch Bayer. Und da musste ich dann ständig zu diesen komischen Assessment Centern dann nach Leverkusen und kam dann immer wieder todunglücklich zurück in der Jugendherberge. Und da war eine ältere Dame, die mal ein Hotel hatten da auf dem Feldberg. Und da habe ich dann immer wieder kommen und sagte, oh je, jetzt sehen Sie wieder so schlimm aus und jetzt geht es Ihnen gar nicht gut. Und dann hat die einen Termin für mich gemacht. Da sind wir dann gemeinsam Kaffee trinken gegangen, Schwarzwälder Kirschtorte essen im Hotel Adel in Hinterzarten. Und da kam so ein DEHOGA-Mensch dazu.
- 31:09 Ronald M. Arndt
Parkhotel Adel.
- 31:10 Martin Stockburger
Ja, genau.
- 31:11 Ronald M. Arndt
Weiß ich letztens erst. Ja, schau.
- 31:12 Martin Stockburger
Und der hat mich dann zugeschwadet und gesagt, warum Leute wie ich in der Hotellerie arbeiten sollten. Und da ich ja so derangiert und verunsichert war von diesem anderen Zeugs, da habe ich dann zu meinen Eltern gesagt, also den Studienplatz, den werde ich nicht antreten. War ein Desaster für meine Eltern. Und habe dann ein erstes Praktikum begonnen. Und das war nicht doof. Und habe dann ein zweites gemacht und ein drittes und habe dann eine Ausbildung begonnen.
- 31:36 Ronald M. Arndt
Wo?
- 31:38 Martin Stockburger
Im Steigenberger Inselhotel in Konstanz. Das war damals von meinem Heimatort das nächstgelegene 5-Sterne-Hotel. Ja, und dann war der Anspruch von meinen Eltern, war halt, wenn der Junge schon so was Unmögliches sich ausdenkt, dass man dann in der Unmöglichkeit zumindest das Beste sich raussucht.
- 31:59 Ronald M. Arndt
Zumindest vom 5-Sterne-Haus sprechen können.
- 32:01 Martin Stockburger
Und also insofern, das ist ja, das Steigenberger Inselhotel gehört ja bis heute der Rothausbrauerei. Ja, insofern zum Wohl.
- 32:11 Ronald M. Arndt
Na ja, und dann bist du ja in der Hotellerie als Angestellter lange, lange, lange treu geblieben. Und wann kam so der erste Gedanke auf, hey, das kann man vielleicht noch mal besser und selbst machen?
- 32:25 Martin Stockburger
Na ja, das kann man besser machen, den Gedanken, den hatte ich schon zwischendurch. Das ist, glaube ich, auch ein Privileg der Jugend.
- 32:33 Ronald M. Arndt
Schon konstant gehabt, oder?
- 32:35 Martin Stockburger
Ja, Dinge besser zu machen geht, glaube ich, mit der Unvoreingenommenheit der Jugend geht das. Ja, dann kennt man nicht alle Verhaftungen, die da hinten dranhängen und was da sonst noch so mit reinspielt. Aber ich habe schon immer so anfangs so einen Ordner und dann später so Dateien gehabt, wo ich mir so überlegt habe, wie kann man das noch machen? Was geht noch? Und letztlich der Antritt zu sagen, ich mache mich selbstständig, war eine Verkettung von Umständen, also sowohl aus der damaligen, dem damaligen Job heraus, den Umständen, auch aus meinem Alter raus, ja, dass ich dann dachte, so, jetzt bin ich so alt, will ich das jetzt noch 10 Jahre weitermachen?
- 33:27 Ronald M. Arndt
Okay, viel älter. Wann kommt dieser Punkt? Weil ich bin jetzt 37. Bist du über?
- 33:33 Martin Stockburger
Nee. Ich bin 45, ja, bin seit 5 Jahren selbstständig.
- 33:38 Ronald M. Arndt
Also mit 40 kommt der Punkt dann.
- 33:39 Martin Stockburger
Also kurz vor 40 habe ich gedacht, so finde ich das geil. Das waren tolle Positionen und tolle Unternehmen, für die ich bis dahin gearbeitet habe. Aber dann war schon die Frage, dass ich sagte, okay, ich war immer verhältnismäßig jung in den Positionen, in denen ich war. Und dann war halt schon die Frage, okay, wenn jetzt 10 Jahre draufpackst, dann bin ich 50, was mache ich dann? Ja, und dann wäre schon so ein Moment gewesen, wo die Frage für mich stand, okay, bis wohin kann ich das beruflich treiben? Also was muss das für ein Unternehmen sein und was muss das für eine Position sein, dass ich mich da wirklich in der Art ausleben kann?
- 34:17 Ronald M. Arndt
Ja, weil wenn du 50 bist, dann bist du auch schnell dann 65 und 67 und so kommst du aus der Nummer nicht raus.
- 34:24 Martin Stockburger
Das war dann der Moment, wo ich dachte, okay, Wenn nicht jetzt, wann dann? Und da fiel das eine oder andere zusammen und dann war das so.
- 34:35 Ronald M. Arndt
Aber du bist ja, wenn man es so nennt, ein Solopreneur, ne? Also ganz alleine hast du erstmal gestartet, oder?
- 34:41 Martin Stockburger
Ja, gestartet jetzt nicht.
- 34:44 Ronald M. Arndt
Gute Mentoren im Hintergrund.
- 34:46 Martin Stockburger
Ja, also was ich sicherlich hatte, war ein Vorteil, dass ich nicht als 20-Jähriger nach einem nach dem Abi oder als 25-Jähriger nach dem Studium mich selbstständig gemacht habe. Diese Möglichkeit der Gründung gibt es ja auch, dass da irgendwie so blutjunge, die noch nass hinter den Ohren sind, sagen, ich will gründen. Und wenn du fragst, ja, aber was genau ist deine Geschäftsidee, dann sagen die, weiß ich noch nicht, aber ich will selbstständig sein. Das war jetzt bei mir nicht so. Ich hatte ein sehr klares Bild von dem, was ich vorhabe. Das hilft dann, glaube ich, auch. Jetzt ist das auf der einen Seite ein harter Weg. Also als ich mich dann selbstständig machte, bekam ich ein Gründungsstipendium vom Land Nordrhein-Westfalen, über 1000 Euro im Monat. Damit ernährst du eine Familie nicht sehr lange. Das war dann eher so.
- 35:29 Ronald M. Arndt
Wie groß ist die Familie?
- 35:31 Martin Stockburger
3 Kinder. Dann ist das schon so, dass du dir irgendwann überlegen musst, wen fragst du um Geld. Meine Eltern waren meiner Selbstständigkeit eher nicht so wahnsinnig begeistert zugetan. Mein Bruder schon.
- 35:45 Ronald M. Arndt
Der Junge, der treibt 10 Ruinen. Genau.
- 35:48 Martin Stockburger
Mein Bruder hat dann recht früh gesagt, ja, also er würde das unterstützen. Er findet das gut.
- 35:53 Ronald M. Arndt
Okay, also Family and Friends.
- 35:54 Martin Stockburger
Genau. So war das. Und jetzt muss ich aber sagen, dieses Gründungsstipendium vom Land war insofern gut, weil da ein Mentoringprogramm dahinter hing, was dann über diese Zweifel, die man natürlich hat in seinen ersten Monaten oder Jahren, schon helfen kann.
- 36:13 Ronald M. Arndt
Trotz jeglicher Vorbildung und Karriere und was man schon so gemacht hat.
- 36:17 Martin Stockburger
Ja, ja, ja.
- 36:17 Ronald M. Arndt
Von da Unternehmer zu sein von heute auf morgen mit Familie noch im Hintergrund.
- 36:20 Martin Stockburger
Das ist so.
- 36:22 Ronald M. Arndt
Das ist nochmal eine andere Geschichte.
- 36:24 Martin Stockburger
Das ist so. Kann ich auch von erzählen. Wenn dann auch in der Pandemie hatte ich so Erlebnisse, wo irgendwie Mitarbeiter mir gegenübersaßen im zweiten Lockdown, Februar des zweiten Lockdowns. Die Hotels waren seit 3 Monaten geschlossen und wie wir heute wissen, ja noch für 2 Monate. Und da saß mir jemand gegenüber und sagte, er würde jetzt gerne eine Gehaltserhöhung bekommen. Ja, da bleibt ja als Unternehmer, wo ich habe einen Kredit aufs eigene Haus aufgenommen, um Löhne pünktlich zu bezahlen, weil der Staat irgendwelche Unterstützungen nicht pünktlich geliefert hat. Da bleibt dir als Unternehmer erstmal die Spucke weg. Da denkst du, okay, das ist super. Mein Lohn wurde seit mehreren Monaten nicht mehr ausgezahlt und ich lebe davon, dass wir irgendwelche Ersparnisse gerade sorgsam verbrauchen und du fragst nach einer Gehaltserhöhung. Da ist diese Härte des Unternehmertums, wurde da in diesen 2 Jahren, glaube ich, in aller Deutlichkeit klar, wo wir nachts im Bett lagen und nicht wussten, wie es geht. Und wo ich zwischendurch nur über irgendwelche, weiß ich nicht, Freunde, die dann wirklich halfen, weiterkam.
- 37:33 Ronald M. Arndt
Also um die Zeit zu überbrücken, sage ich mal, bis Unterstützung kam. Aber vielleicht hat auch die nicht einfach das abdecken können, was man gebraucht hat.
- 37:41 Martin Stockburger
Naja, also da gab es auch—
- 37:43 Ronald M. Arndt
Das war ja auch von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.
- 37:44 Martin Stockburger
Ja, das war von Fall zu Fall unterschiedlich. Also wir fielen zum Beispiel, da können ja auch viele Großhotelgesellschaften ein Lied von singen, dass da Hilfen teilweise konstruiert wurden, die einfach extreme Unwuchten in sich hatten und, oder wenn man es wie ein Kind sagen will, auch einfach ungerecht waren und wo wir teilweise auch wirklich mit dem Hintern auf Grundeis gingen, weil die Hilfe so konstruiert war, wie sie konstruiert war.
- 38:11 Ronald M. Arndt
Oder auch im Nachhinein nicht irgendwie angepasst.
- 38:13 Martin Stockburger
Nein, also es ist nicht lang her, da Habe ich irgendwo, weiß ich nicht, vielleicht was deinen Podcast von Otto Lindner gehört, dass er sagte, er sei bis heute der Meinung, die Bundesrepublik schulde ihm noch so und so viel Millionen. Und einen ähnlichen Satz habe ich mal von Thomas Althoff gehört, der sagte, also das ist alles nicht richtig, was hier passiert. Und jetzt sind wir in einer ganz anderen Dimension als da die beiden Unternehmen. Aber wie gesagt, ich habe damals auf das Familienhaus die Hausbank gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, mir einen Personalkredit zu geben, damit ich die Löhne bezahlen soll, die da mit Wumms in den Nachrichten erzählt wurden. Und das war schon, da zweifelst du dann schon am Staat, ja, für was du Steuern bezahlst, wenn dann da Repräsentanten sich hinstellen, die Hose dick machen und am Schluss in irgendwelchen Bezirksregierungen, weil irgendjemand irgendwelche Haken setzen muss, und um 16 Uhr nach Hause geht, dann das nicht funktioniert. Also da habe ich schon meine eigene Meinung dazu. Und da muss ich noch eine Anekdote loswerden, weil die ist in ihrer Perfidität nicht zu übertreffen. Kölns Oberbürgermeisterin hat damals gesagt, man könnte alle kommunalen Abgaben stunden. Also haben wir natürlich die Kulturförderabgabe für die Corona-Monate gestundet. Und dann 2 Jahre später kam irgend so ein so ein Schlumpf da vom Kassenamt, Steueramt und sagte, wir sollen mal nachweisen, warum wir das haben stunden lassen. Dann kam beim Nachweis raus, dass wir komischerweise nicht insolvent gegangen sind. Also wurde dann unterstellt, dass uns die Stundung gar nicht zustand. Und dann durften wir den Betrag natürlich zurückzahlen, wie das logisch ist bei einer Stundung, plus Verzugszins in Höhe von 8,0%. Und da siehst du dann als Unternehmer wirklich irgendwie begossen wie ein Pudel aus der Wäsche und denkst, also was ist hier falsch gelaufen? Und wehe, du willst was von denen, dann wartest du irgendwie 1000 Jahre. Und das ist schon—
- 40:22 Ronald M. Arndt
Ich habe jetzt 10 Jahre gewartet, bis ich endlich landwirtschaftlicher Betrieb bin.
- 40:26 Martin Stockburger
Und das nicht mal in Köln. Das ist eine Aufgabe für Generationen.
- 40:30 Ronald M. Arndt
Als Nächstes wollen sie Geld. Nummer habe ich jetzt mit Zinsen. Oh mein Gott. Jetzt ist das vorbei, hoffen wir doch mal. Und dein Blick aber auf die Zukunft insgesamt und von Concept Hotels natürlich in erster Linie oder wie auch immer es heißt am Ende.
- 40:50 Martin Stockburger
Also insgesamt ist glaube ich so, dass die Welt, das was man da in der amerikanischen Armee VUCA World nennt, immer schwieriger wird. Ja, die Welt wird immer unsichtbarer. Unübersichtlicher sein. Keine Ahnung, was jetzt passiert, wenn da Panzer in die Ukraine geliefert werden. Keine Ahnung, zu was das führt. Keine Ahnung, was das mit der Inflation macht. Wenn du Lagarde hörst, dass wir noch nie so beherzte Zinsschritte hätten und im ganzen Euroraum sich die Inflation so gar nicht bewegt, glaube ich, wird keiner eine Vorhersage wagen, was da passiert. Da laufen Kennzahlen auseinander. Offensichtlich haben wir jetzt doch keine stagnierende Wirtschaft, gleichwohl das gesamte Umfeld so den Anschein lässt. Also ich glaube, das wird eine extrem unübersichtliche Zukunft sein, die täglich Anpassungen erfordert. Ich glaube, wer jetzt weiterhin glaubt, dass man hier das einfach aussitzen muss, der ist schlecht beraten und den wird es glaube ich auch verreißen. Also die Unternehmen, die fähig sind für Transformationen, die agil genug sind, ich glaube, die schaffen es. Concept Hotels hat mit der Betriebskonzeption, die wir haben, konnten wir die letzten 3 Krisen extrem gut meistern. Also Kontaktlosigkeit war für uns nie ein Problem. Mitarbeitermangel war für uns ein deutlich kleineres Problem. Energiekostensteigerung ist für uns, mag ich nicht sagen, marginales Problem, aber viel kleiner als für die anderen. Hier in Tübingen sind wir fast autark. Wenn es jetzt hier Schnee auf den Paneelen liegt und irgendwie Winter ist, kaufen wir auch was dazu, aber in einem anderen Umfang. Ja, so, ich glaube, wir haben ein Betriebskonzept, was die Agilität hat, um auch künftige Schwierigkeiten möglichst gut zu meistern. Wenn übermorgen ein Atomkraftwerk in der Ukraine explodiert oder in 2 Wochen Bomben auf Berlin fallen, werden wir auch ein Thema haben. Aber ich glaube, mit diesen Umständen, jetzt nicht mit diesen konkreten 2 Szenarien, aber mit der Möglichkeit, dass die unvorhersagbarsten Dinge eintreten wie ein Krieg in Europa oder eine Hyperinflation von 10% über mehrere Jahre, mit ähnlichen Szenarien wird man leben müssen. Das macht das Leben des selbstständigen Unternehmers der mit vielleicht sogar noch privater Haftung mit drin ist, nicht unbedingt leichter. Würde ich mir auch wünschen, wenn das von Autoritäten anerkannt wird. Deutschland braucht weiterhin den Mittelstand, egal was ist in der Welt, aber ich glaube, wir sind verhältnismäßig gut aufgestellt für das, was kommt. Ja, ich glaube, das nächste Riesenthema, Für unsere Branche wird das ESG-Thema sein, mit dem sich kaum ein Hotelunternehmen bisher beschäftigt. Die beschäftigen sich alle mit ihren RevPAR und Cost Margins, aber dass da Assets stranden werden in den nächsten Jahren, weil keiner über die ESG-Thematik ernsthaft sich Gedanken macht, anstatt da Organic auf die ADA-Seife zu schreiben, das, ich glaube, das ist das nächste große Ding in unserer Branche.
- 44:22 Ronald M. Arndt
Martin, hat riesig Spaß gemacht, aber in erster Linie war es unheimlich inspirierend und informativ. Vielen Dank. Möchtest du was hinzufügen?
- 44:33 Martin Stockburger
Nö, vielen Dank.
- 44:36 Ronald M. Arndt
Dann würde ich sagen, wir machen dein Köfferchen noch mal auf, nehmen die nächste, holst nächste Flasche raus und bis zum nächsten Mal im Hotel-Podcast. Da werden wir noch einiges hören. Jetzt sind wir noch gar nicht drauf zu sprechen gekommen auf euer Franchise-Modell, da gab es ja auch mal was, ne?
- 44:52 Martin Stockburger
Ja, wir haben eine gewisse Zeit lang, haben wir das nach vorne geschoben und haben da unser Betriebsmodell, also nicht die Marke als Franchising angeboten, sondern unser Betriebsmodell. Haben da auch tatsächlich einen Vertrag unterschrieben und 2 Projekte begleitet, aus denen wir uns dann als Franchisegeber zurückgezogen haben. Aber ich glaube, das wird, oder ich bin mir sicher, dass das das nicht das Wachstum der nächsten Jahre sein wird, weil glaube ich da auch die Erkenntnis dann auf meiner Seite schlicht und ergreifend war, wenn dieses Betriebskonzept funktioniert, warum sollte ich das als Franchisemodell rausgeben, wenn die Marke nicht davon profitiert? Dann kann ich es auch selber umsetzen. Da haben wir in der Zwischenzeit die Investoren dabei, die das mit uns gemeinsam machen, und dann bleibt bei uns mehr an als nur der Franchise-Fee-Spielraum, sondern ein höherer Ertrag. Und wir können deutlich mehr den Geschäftsgang bestimmen. Und das erleben wir im Nachhaltigkeitsbereich halt schon. Wenn ich da auf einen Franchisenehmer verlasse, der sagt, ja, machen wir irgendwie, dann kann schon die Marke beschädigt werden. Und da mag ich nicht hinten im Taxi auf der Rückbank sitzen, sondern vorne am Steuer und sagen, dahin fahren wir.
- 46:18 Ronald M. Arndt
Super, haben wir das alle besprochen. Vielen Dank und bis bald. Wiedersehen. Wiedersehen. Tschüssi.