Der erste Geiger von Maseven
Aufgenommen: MASEVEN München-Trudering, München
Germany40 Min Das Video kommt von YouTube und lädt erst, wenn du auf Abspielen klickst.
„Der Inbegriff von heimelig wohlfühlen ist Mama.“
Denis Mair, 16:30
Denis Mair ist COO von MASEVEN, auf seiner Visitenkarte steht Erster Geiger. Im Gespräch im Haus in München-Trudering erklärt er, warum die Lobby keine Wände und Türen hat, der Waschsalon rosarot ist und warum ein Objekt mindestens 200 Apartments haben muss. Dazu der Weg vom Hotel seiner Mutter über Luftfahrt und Raumfahrt zu 25hours und zu MASEVEN, wo aus zwei Häusern zehn werden sollen.
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Kernaussagen
- Pacht ab 200 Apartments: MASEVEN baut nicht selbst und besitzt die Immobilien nicht, sondern pachtet sie, meistens über 20 Jahre. Unter 200 Apartments wird es schwierig, allein wegen der Lobbyflächen.
- Von 2 auf 10 Häuser: Corona traf das Unternehmen am zweiten Arbeitstag, als in München alle Messen abgesagt wurden, und verzögerte die Entwicklung um ein Jahr. 2024 kommen ein Neubau in Frankfurt und das ehemalige Gebäude des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach, Ziel sind zehn Häuser.
- Funktion statt Design im Zimmer: Im 25hours am Bahnhofplatz war der Schreibtisch der Standardkategorie ein Bügelbrett aus Holz. Wer Monate bleibt, dort arbeitet und kocht, braucht etwas Funktionelles, deshalb bleibt das Ausflippen bei MASEVEN der Lobby vorbehalten.
- Reinigen ohne Reinigungsmittel: Die Zimmer werden nur mit Strom, Wasser und speziellen Geräten gereinigt, Waschmittel und Spülmittel braucht es nur für Waschmaschinen und Geschirrspüler. Schwierig ist, Fremdfirmen und geschultes Personal zu finden, die mit den Maschinen arbeiten wollen.
- Deutsche Titel für alle: Mair hält die englischen Titel für nichtssagend. Jeder Mitarbeiter hat einen eigenen deutschen Titel, auf seiner Visitenkarte steht Erster Geiger.
Shownotes zur Episodeaus dem Podcast-Feed
Wenn das Irdische und Himmlische zusammenkommen, dann ist Denis Mair nicht weit. Schließlich gestaltet er nicht nur die Zukunft von MASEVEN, sondern war bereits in der Raumfahrt tätig.
Noch sind es zwar nicht sieben, aus den beiden in München beheimateten Häusern werden bis zum kommenden Jahr dennoch vier.
Bei den 25hours hotels beginnt alles mit einer einjährigen Baustelle am Münchner Hauptbahnhof. Später wird er Hoteldirektor und kommt damit nicht nur einem seiner Lebensziele entscheidend näher, sondern zieht auch die Aufmerksamkeit von Nermin Grosch und Prof. Dr. H. C. Stephan Gerhard weiter auf sich.
Austoben kann er sich heute bei MASEVEN vor allem in der Lobby mit ihren sieben Bereichen. Aber jetzt erstmal voller Fokus auf die kommenden Neueröffnungen in Frankfurt am Main und Offenbach. Und wenn es dann eines Tages Serviced Apartments auf dem Mars geben sollte, ich weiß wer seine Finger im Spiel hat.
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Transkript öffnenTranskript schließen40 Min · Ronald M. Arndt und Denis Mair
Automatisch transkribiert mit AssemblyAI, Sprecher automatisch zugeordnet. Nicht redigiert.
- 00:06 Ronald M. Arndt
Ja, du wurdest schon mal mit Seine durchlaucht angesprochen, habe ich mir sagen lassen, in der Vergangenheit. Dazu kommen wir später im Hotel-Podcast. Mittlerweile nur noch COO von Mar7. Erster Geiger.
- 00:22 Denis Mair
Der erste Geiger. Jetzt erster Geiger von Seine durchlaucht auf erster Geiger. Aber früher stand es auf der Visitenkarte drauf.
- 00:29 Ronald M. Arndt
Jetzt auch? Jetzt auch?
- 00:32 Denis Mair
Ja, ja, jetzt auch.
- 00:33 Ronald M. Arndt
Das hättest du mir mal genauer anschauen müssen beim Kennenlernen. Alles gut. Scheint dir wichtig zu sein, diesen besonderen Titel immer noch zu führen?
- 00:43 Denis Mair
Es ist mir wichtig, diese, finde ich, nichtssagenden englischen Titel zu ändern. Habe nicht ich, hat jeder Mitarbeiter. Also habe ich auch, aber nicht nur ich, sondern jeder Mitarbeiter hat seinen eigenen speziellen deutschen Titel.
- 00:57 Ronald M. Arndt
Super. Ich freue mich auch wieder ein bisschen, irgendwie zurück zu sein, denn Mar7 habe ich bereits im Jahr 2020 kennengelernt. Und ich glaube, das war eben genau dieses besagte Jahr, wo es hier in München losging mit 2 Standorten. Ich glaube, haben die relativ gleichzeitig eröffnet oder so, im gleichen Jahr auf jeden Fall.
- 01:14 Denis Mair
Ja, März und Oktober.
- 01:15 Ronald M. Arndt
März und Oktober. Das war aber damals in Dornach, wo ich zu Gast war, und heute sind wir eben hier in Trudering.
- 01:23 Denis Mair
Ja, so ist es.
- 01:25 Ronald M. Arndt
Super. Du bist immer schon hier in München sesshaft gewesen, oder?
- 01:30 Denis Mair
Ja, ist die Heimat. War auch 6 Jahre mal in Frankfurt, war auf dem Kreuzfahrtschiff, war auf den Kanarischen Inseln, war in der Schweiz. Aber grundsätzlich, das ist die Heimat, das ist München, ganz klar.
- 01:45 Ronald M. Arndt
Warst du schon mal ganz weit oben unterwegs, längere Zeit über den Wolken?
- 01:48 Denis Mair
Über den Wolken? Ja, in der Luft. Ja, da war ich auch schon. Ja, ich war auch noch weiter oben, aber nicht persönlich zumindest. Ich habe ja auch mal Marsmissionen und so weiter gemacht.
- 01:59 Ronald M. Arndt
Marsmissionen?
- 02:00 Denis Mair
Ja, ich war mal in der Raumfahrt tätig.
- 02:02 Ronald M. Arndt
Okay.
- 02:02 Denis Mair
Ja, genau. Aber ich persönlich war jetzt da nicht oben.
- 02:05 Ronald M. Arndt
Aber durch Laucht oder Erster Geiger auf jeden Fall noch sehr bescheiden gewählt. Einer hier, der sich mit Marsmissionen beschäftigt hat, ist dann doch eher Eher einzigartig.
- 02:18 Denis Mair
Das stimmt.
- 02:19 Ronald M. Arndt
So, wo sind wir hier? Wir sind hier in Trudering im Mar7, eins von zwei Häusern, wie gesagt, in München, in eurer Lobby 4.0. Und bevor wir dann nachher so ein bisschen mal uns überlegen, wo kommt der Begriff Mar7 her, ist ja auch eher kryptisch, da gibt es eine Geschichte dazu, sei schon mal so viel zu verraten, dass es hier schon auch so 7 Bereiche eigentlich gibt im Erdgeschoss eines Mar7. Da sind wir hier. Gehört das eigentlich dazu, dieser kleine, dieses Separee, wo wir hier gerade sitzen?
- 02:50 Denis Mair
Ja, ja, genau. Das ist unsere Art, wie wir Konferenzräume definieren. Also Lobby 4.0 ist halt ein ganz wichtiges Kriterium bei Mar7. Und im Endeffekt besagt es das, dass wir eine Lobby haben, wo es keine Wände und Türen gibt. Und das ist hier das klassische Beispiel. Hier haben wir den Vorhang, gibt es, um etwas Abgeschiedenheit zu haben. Aber grundsätzlich ist der natürlich meistens auf. Und ja, das ist der Konferenzbereich bei Masserwijk.
- 03:27 Ronald M. Arndt
Genau, bei mir im Rücken, vielleicht hört man es dann auch später noch mal ab und an, sind schon die Meisterköche am Werk. Ja, durch eine große Glasscheibe hier getrennt. Das ist jetzt aber gar nicht mal so einer der 7 Punkte. Wir haben natürlich dann diese ganze Bar-Cocktail-Area vorne. Wir haben, was sehr ins Auge sticht, ganz tolle Waschmaschinen, nicht zuletzt einen pinken Waschsalon.
- 03:54 Denis Mair
Rosarot.
- 03:55 Ronald M. Arndt
Rosarot, ja, ganz wichtig. Meine Farbblindheit hat mich auch heute wieder. Dann haben wir einen Supermarkt, der hat mich auch schon 2020 begeistert, 24/7-Supermarkt mit ja zum Großteil regionalen Produkten. Und das habe ich gar nicht mitgezählt, ein Kino, aber glaub noch.
- 04:14 Denis Mair
Und Fitnessbereich, der Fitnessbereich, der auch ohne, genau, der auch mitten in der Lobby steht.
- 04:20 Ronald M. Arndt
Also alles, was man braucht, um sich wirklich auch hier, na ja, das hat man nicht mal zu Hause, aber auf jeden Fall fast noch besser als wie zu Hause zu fühlen.
- 04:29 Denis Mair
Ja, also ich glaube, gerade der rosarote Waschsalon ist natürlich ein ganz wichtiges Kennzeichen von uns, weil wir natürlich einen sehr großen Anteil an Gästen, die ja längere Zeit bei uns wohnen. Also ich sag mal längere Zeit, einen Monat aufwärts bis zu 6 Monate bei uns sind. Und da spielt die Waschmaschine natürlich schon eine Rolle, nicht wie der klassische Hotelgast. Und rosarote Waschsalon wirklich deshalb, weil an den meisten Geräten ist heute ein Designer tätig. Ob es Küchengeräte sind, ob es Fernseher sind, alles ist heute durchdesignt. Nicht nur die Technik, sondern auch das Design. Bei den Waschmaschinen ist das bis heute nicht passiert. Und deshalb mussten wir uns was einfallen lassen. Und deshalb haben sie speziell lackiert oder foliert.
- 05:16 Ronald M. Arndt
Und da gibt es sicherlich auch die unterschiedlichsten Geschichten, wenn da Leute mit ihren Wäschekörben, der eine weiß sich zu bedienen, der andere nicht.
- 05:25 Denis Mair
Ja, das stimmt, das stimmt. Aber die schönsten Momente sind eigentlich die, wo das Konzept wirklich komplett aufgeht, weil es ist ja auf den Waschmaschinen ist ja oben noch ein DJ-Pult. Ja, der spielt jetzt hier nicht jeden Tag, aber wenn er spielt und dann ja die Leute mit einem Getränk, mit Cocktail vielleicht davor stehen und andere kommt mit seinem Wäschekorb. Also diese Szenen sind nicht gestellt, sondern die kommen immer und immer wieder vor bei uns.
- 05:51 Ronald M. Arndt
Ja, und das Konzept geht auf, denn es geht ja schon weiter jetzt in Kürze. Ich glaube 2024 dann spätestens in Frankfurt und in Offenbach mit 2 neuen Häusern. Dann das erste Mal eben München verlassend. Wo steht ihr da gerade?
- 06:08 Denis Mair
Ja, unterschiedlich. Also das eine Haus in Frankfurt ist ein kompletter Neubau. Da sind die Rohbauarbeiten seit mehreren Monaten am Gange. Und das Haus in Offenbach ist das ehemalige Gebäude des Deutschen Wetterdienstes. Das ist komplett entkernt und da steht schon das Gebäude, aber da geht es natürlich um den gesamten Innenausbau. Und wenn alles normal läuft, werden sie relativ gleichzeitig 2024 eröffnen.
- 06:40 Ronald M. Arndt
Ich glaube, da ist es zumindest in Frankfurt Pantera, ne, so als Projektentwickler im Hintergrund?
- 06:47 Denis Mair
Ja, also in den beiden Häusern in Offenbach und Frankfurt ist nicht Pantera.
- 06:53 Ronald M. Arndt
Das stimmt nicht.
- 06:54 Denis Mair
Das ist ein anderes Objekt in der Nähe.
- 06:56 Ronald M. Arndt
Aber in der Regel läuft es so ab: Da baut jemand und sucht sich dann eben eine Brand wie jetzt eben A7, um das Ganze dann als Hotel oder ähnliches Konzept zu betreiben.
- 07:06 Denis Mair
Genau, wir sind klassischer Pachtbetrieb. Also wir bauen ja nicht selbst, uns gehört nicht die Immobilie, sondern wir Wir pachten sie. Die Projektentwickler sind auf der Suche nach einem Pächter und die zukünftigen Eigentümer natürlich in Kombination. Und da bietet sich das Konzept My7 an, wenn die Größe und der Standort passt, weil für uns natürlich die Größe schon sehr, sehr wichtig ist. My7 wird in kleinen Zyklen—
- 07:32 Ronald M. Arndt
Pendelt sich die Größe ungefähr ein oder ab?
- 07:34 Denis Mair
Na ja, also 200 Apartments aufwärts. Drunter wird es schwierig, allein schon wegen den Lobbyflächen.
- 07:41 Ronald M. Arndt
Genau, liegen wir hier in Trudering kurz ein bisschen drunter.
- 07:43 Denis Mair
Ja, hier liegen wir drunter. Genau, genau.
- 07:47 Ronald M. Arndt
Und dann aber auf jeden Fall in Frankfurt wiederum drüber.
- 07:51 Denis Mair
Wieder um einiges drüber.
- 07:52 Ronald M. Arndt
Okay, genau. Stark. Was ist so die Vision dahinter? Wenn man das mal so in Zimmerzahlen ausdrückt, wie viele wollt ihr wann erreichen? Und gibt es noch andere Standorte, wo ihr schon—
- 08:03 Denis Mair
Naja, das ist immer so. Also wir sind ja stark, wir sind natürlich absolut Corona-gebeutelt, weil Corona traf uns wirklich an unserem ersten Arbeitstag. Arbeitstag, weil wir sind ja genau, und das muss man, genau, und das richtig korrekt, und das muss man also wirklich, das kann man gar nicht so fassen, an unserem ersten oder sagen wir an zweiten Arbeitstag, das war ein Montag, sind hier ja alle Messen abgesagt worden, und die Häuser sind ja nicht nur Langzeit, sondern hier durch die Messenähe natürlich dadurch extrem gebeutelt gewesen. Deshalb ist die Entwicklung natürlich stark verzögert, ja, und das, was jetzt 24 kommt, hätte eigentlich schon 2023 sein sollen und dann im Zweijahresrhythmus. Das ist natürlich heute jetzt alles ein bisschen verzögert, aber durch die 2 Häuser ist jetzt eigentlich der Auftakt der normalen Expansion, wie sie ursprünglich mal geplant war. Aber wie es immer so ist, da kann man sich natürlich viel vornehmen, aber man braucht ja auch die richtigen Objekte dazu und preislich muss es auch stimmen. Jetzt gibt es viel mehr Objekte, die uns angeboten werden als damals. Jetzt ist natürlich preislich ein Thema, weil die Baukosten natürlich enorm gestiegen sind. Ja, aber Zielsetzung ist ganz klar, also aus den 2 irgendwann mal 10 Häuser zu machen.
- 09:26 Ronald M. Arndt
Genau, von 2 haben wir hier, von 2 haben wir gerade gesprochen. Und dann habe ich noch so ein bisschen Dortmund, Baden-Baden, solche Städte und Städtchen. Sage ich mal, im Hinterkopf bis hin nach Langen.
- 09:39 Denis Mair
Korrekt. Ja, es läuft viel, aber solange nichts unterschrieben ist, kann man da nichts davon verkünden. Aber die Entwicklung läuft weiter, ganz klar.
- 09:49 Ronald M. Arndt
Die Hotellerie hast du von der Pike auf gelernt, das kann man so sagen.
- 09:52 Denis Mair
Reingeboren sogar.
- 09:53 Ronald M. Arndt
Reingeboren sogar.
- 09:54 Denis Mair
Im Hotel meiner Mama aufgewachsen.
- 09:56 Ronald M. Arndt
Tatsächlich?
- 09:57 Denis Mair
Okay.
- 09:58 Ronald M. Arndt
Ja. Aber dann nicht direkt in der Hotellerie geblieben, oder?
- 10:00 Denis Mair
Ja, doch.
- 10:02 Ronald M. Arndt
Wir haben uns davor nicht so unterhalten, aber erzähl doch mal.
- 10:04 Denis Mair
Ja, also nach, also wirklich aufgewachsen im Hotel, im Restaurant, im Café drüber gewohnt, im selben Gebäude. Also wirklich mit der Muttermilch aufgesogen quasi.
- 10:17 Ronald M. Arndt
Das ist immer die Frage bei solchen Fällen. Aber nicht im Hotel geboren?
- 10:20 Denis Mair
Nein, na ja, genau, das muss ich gerade überlegen. Aber da ein anderer Gastronomiebetrieb, wo ich mein erstes Lebensjahr verbracht habe, im Hotel nicht geboren, schon im Krankenhaus.
- 10:31 Ronald M. Arndt
Aber Gast wurde sogar im Hotel geboren.
- 10:34 Denis Mair
Okay, nein, das nicht, das nicht, das nicht. Nein, aber also nach dem Abitur, für mich stand es immer fest. Also ja, wenn ich jetzt so an mein älteres Kind denke und so weiter, der da jetzt kurz davor steht und es alles noch nicht so sicher, was er mal machen wird. Für mich war das relativ klar, dass ich eine Ausbildung als Hotelfachmann machen werde. Das habe ich dann auch gemacht. Aber ich habe dann auch klassische Stufen durchlaufen nach der Ausbildung. Dann in die Schweiz gegangen, dann auf eine Insel gegangen, dann auf ein Kreuzfahrtschiff und dann in die Fliegerei, dann die Hotellerie tatsächlich verlassen und lange verlassen, bis ich 2016 wiedergekommen bin.
- 11:15 Ronald M. Arndt
2016 wiedergekommen und dann auch relativ zügig, glaube ich, dann in München bei 25hours eingedockt hast. Ja, genau, durch 25hours wieder. Werde ich damals zu 25hours geholt? Wie war das so, der erste Kontakt? Weil da war ja 25hours—
- 11:31 Denis Mair
Naja, also man muss ja dazu sagen—
- 11:38 Ronald M. Arndt
War das so die Traumstelle dann?
- 11:39 Denis Mair
Ja, also das—
- 11:40 Ronald M. Arndt
Mal Hoteldirektor zu sein?
- 11:41 Denis Mair
Ja, also das war tatsächlich so unter den Lebenszielen mal ab— also was heißt ab— das war bei mir. Es gibt so einige Lebensziele, wie jeder wahrscheinlich hat. Darunter war das. Und ehrlich gesagt, da bin ich 25hours ja sehr dankbar. Da gibt es jetzt, glaube ich, da muss man auch ein bisschen verrückt sein oder ein bisschen über den Tellerrand schauen, dass man jemandem das zutraut und macht. Ich meine jetzt wirklich positiv verrückt, weil ich natürlich unfassbar lange raus war. Ich habe dazwischen studiert, ich war lange in der Luftfahrt, in der Logistik, zuletzt in der Raumfahrt. Da muss man schon, obwohl ich natürlich sehr, sehr lange in der Hotellerie war, muss man natürlich schon wahrscheinlich zweimal hinschauen und zu sagen, ist das der neue Hoteldirektor? Erstmal war ich ja Projektleiter, weil das Hotel hat ja damals noch gar nicht aufgehabt.
- 12:30 Ronald M. Arndt
Das war mein erstes Jahr am Bahnhof.
- 12:33 Denis Mair
Genau, genau. Das war eine Riesenbaustelle und eine gar nicht so einfache Baustelle. Und ja, also es war natürlich dieses ein Jahr Projektleitung, das Ganze aufzubauen und dann das Hotel direkt zu übernehmen.
- 12:48 Ronald M. Arndt
War das dann klar, dass du auch Hoteldirektor wirst später?
- 12:49 Denis Mair
Ja. Ja, das war von vornherein so angedacht. Die Projektleitungstätigkeit, das war im Endeffekt das aller, in Anführungszeichen, Leichteste, weil das habe ich in der Logistik auch schon gemacht, habe Niederlassungen im In- und Ausland aufgemacht. Das Hotel ist natürlich schon was anderes als eine Logistikniederlassung, aber trotzdem, Projekt ist dann doch auch wieder Projekt. Die Leitung an sich von einem Hotelbetrieb ist dann natürlich schon was anderes.
- 13:16 Ronald M. Arndt
Und dann kann ich mir vorstellen, dass der Wechsel von 25hours zu MarSeven auch ein bisschen was mit 25hours wiederum zu tun hat. Ja, Stefan Gerhardt.
- 13:27 Denis Mair
Genau, genau. Einer der ehemaligen 4 Gesellschafter von 25hours. Als ich angefangen habe, waren es ja dann schon 5. Da war schon der Einstieg von Accor kurz davor, ehrlich gesagt. Ja, und dann unterhält man sich mal. Und Professor Stefan Gerhardt, wer ihn kennt, der hat ja immer neue Projekte, hat eine Vielzahl an Firmen, die er aufgebaut hat oder die er auch, wo er auch beteiligt ist. Und dann unterhält man sich. Und ja, also für Dinge aufzubauen, von Grund auf erschaffen, wo man was sieht, das ist schon immer mein Ding gewesen. Und ja, so haben wir uns verständigt 2018, Ende 2018, ja, November 2018 habe ich dann bei My7 angefangen.
- 14:13 Ronald M. Arndt
Also dieses Schlagwort der Service Departments, das war für dich damals schon ein geläufigeres Wort?
- 14:19 Denis Mair
Nein, nein, nein, tatsächlich nicht.
- 14:20 Ronald M. Arndt
Das war es für mich nicht mal in 2020, als ich bei euch war. Das war so der erste Kontakt gefühlt.
- 14:24 Denis Mair
Ja, also ich, als die Gespräche, natürlich kriegt man was mit, was so auf dem Markt passiert. Und ich habe mich dann zurückerinnert, ich habe quasi dann zu meinen Zeiten schon ein bisschen was gesehen. Ja, das stimmt. Bis dato, das stimmt, durch die Tätigkeiten in der Luftfahrt und Und auf dem Kreuzfahrtschiff habe ich natürlich tatsächlich viel von der Welt gesehen.
- 14:47 Ronald M. Arndt
Aber da denke ich gerade an Service Apartments auf dem Mars, aber das kann ja auch noch kommen.
- 14:52 Denis Mair
Solche Missionen haben wir nicht gemacht. Nein, ich musste dann wirklich zurückdenken an meine Zeit, als ich bei der Lufthansa angefangen habe. Das war zwar offiziell ein Hotel, aber eigentlich war es ein Service Apartment, wo ich damals gewohnt habe. Das hat nur keiner so genannt, weil wir waren da mehrere Wochen vor Ort, um eingelernt zu werden. Das ist keine richtige Ausbildung, aber Anlernphase. Phase. Ich war ja mal Flugbegleiter während meinem Studium. Und ja, das sind im Endeffekt nichts anderes gewesen als— also dort waren es Hotelzimmer mit Küchen, aber eigentlich war es ein Service Apartment, weil wir haben uns da komplett über Wochen selbst verpflegt.
- 15:29 Ronald M. Arndt
Genau, da hat man dem Kind einen Namen gegeben. Und gerade ist ja wirklich eine Welle im Gange rund um Service Apartments. Viele spannende Betreiber und Marken sind jetzt mittlerweile auf dem Markt, und Marseven gehört natürlich dazu. Als der Professor Gerhard auf Sie zugekommen ist, gab es den Namen My7 schon, oder war das—
- 15:50 Denis Mair
Nein, da gab es ihn noch nicht. Da gab es noch einen Arbeitstitel, aber da gab es den Namen noch nicht.
- 15:56 Ronald M. Arndt
Nein, der nicht ganz so attraktiv war.
- 16:01 Denis Mair
Der war wirklich ein Arbeitstitel, der war sehr kryptisch. Aber da ist dann wirklich erst im Laufe der Zeit entstanden. Wir hatten da noch ein bisschen hin. Also bei 25 war es ja ein Jahr, bei Mar7 hatte ich ein bisschen länger Zeit, ja, also von November '18 bis März '20.
- 16:23 Ronald M. Arndt
Und welche Geschichte, welche Story verbirgt sich jetzt hinter Mar7, hinter dem Titel? Naja, also aus deiner Deutung heraus, manchmal gibt es ja auch unterschiedliche Erklärungen.
- 16:30 Denis Mair
In dem Fall, ich meine, die Frage wurde mir bei 25 Hours natürlich sehr oft gestellt, ja, da ist es, da muss man sich ja auch darauf verlassen, diejenigen, die ihn erfunden haben. Bei Mar7 war ich ja von Anfang an daran beteiligt, von daher kann ich da ja gut drüber sprechen. Also in Bezug auf das Langzeitsegment bedeutet es ja für viele Gäste eine Zeit, mehrere Monate weg sein von zu Hause. Ja, wenn man denke an Projektmitarbeiter, an Menschen, die in eine andere Stadt ziehen, aber schon mal erstmal eine Zwischenbleibe wollen. Also die sind weg von zu Hause und leben einen Teil, nicht dauerhaft, aber leben einfach mehrere Monate Monate in einem Hotel. Und für uns war die Überlegung, was ist der Inbegriff davon? Und der Inbegriff von heimelig wohlfühlen ist Mama. Also Mama, da hat jeder so seine Assoziation dazu. Ich hoffe, oder ich gehe davon aus, die meisten eine sehr, sehr positive. Und dafür steht wirklich das MA. Und wie setzen wir es zusammen? MA7 besteht aus 7 verschiedenen Bereichen von Apartments angefangen, über den rosa-roten Waschsalon, Gastronomie und so weiter. Und das sind eben genau 7, und daraus hat sich dann Mar7 ergeben. Ja, das ist so ein Findungsprozess, ein Namensfindungsprozess, und so haben wir den entwickelt.
- 18:05 Ronald M. Arndt
Ja, wenn man jetzt mal kurz überlegt, was ist denn so der grundlegende Unterschied zwischen einem 25-Hours-Hotel, was ja eigentlich ein klassisches Hotel ist, und einem Service Apartment? Konzept wie Mar7?
- 18:17 Denis Mair
Ganz klar das Zimmerkonzept. Ja, und da fällt es einem gar nicht so einfach, wenn man vorher bei 25hours gearbeitet hat, weil Design sticht alles bei 25hours. Also Funktionalität ist erstmal an zweiter Stelle. Das macht es auch aus und das ist auch das Besondere. Das lässt einen gerade operativ auch ab und zu mal fluchen und denkt, das ist ja sowas von unpraktisch.
- 18:40 Ronald M. Arndt
Letztens im 25hours in Köln. Ja, und alleine da schon der Waschbereich mit dieser Stufe da integriert war hinterm Bett. Ja, also am besten stelle ich mir einen operativen auch dann etwas doch komplizierter vor als in anderen Häusern.
- 18:56 Denis Mair
Ja, also ich fand das Hotelzimmerprodukt bei 25hours hervorragend und ganz, ganz toll, aber das ist jetzt nicht immer jedem seine Sache. Und man muss halt bedenken, also ich kann immer den besten Unterschied zu 25hours, zu Mar7 im Zimmerprodukt, ist für mich der Schreibtisch. Bei mir, als ich das am Bahnhofsplatz des Royal Bavarian geleitet habe, da war in unserer Kategorie, in unserer Standardkategorie, war es ein Bügelbrett. Bügelbrett aus Holz war der Schreibtisch. Das ist ein absoluter Hingucker und super, wenn man da mal einen Tag oder zwei, ja genau, wenn man da mal, ja, und selbst da, wenn es mal ein, zwei Tage ist, aber jetzt stell dir mal vor, du bist hier über Monate und musst da jeden Tag arbeiten, dann wirst du schnell keine Lust mehr am Design haben, sondern da brauchst du was Funktionelles. Und das spielt schon bei Mar7 eine große Rolle. Wir haben ja relativ klassisch hochwertige Zimmer, die eben nicht nur schick sind, sondern die müssen auch funktional sein, weil die Menschen leben dort, ja, die kochen dort, die arbeiten dort, die halten sich dort auf, die schlafen dort auf relativ wenigen Quadratmetern. Und das ist dann schon etwas anderes, als wenn ich halt mal ein Wochenende oder 2, 3 Tage wo verbringe. Und wo wir eben dann, ich sage immer so schön, wo wir ausflippen dürfen, ist halt dann im Lobbybereich. Deshalb stehen die Waschmaschinen halt auch mittendrin und sind rosarot. Und der Fitnessraum ist nicht irgendwo versteckt oder oben am Dach, sondern der ist direkt neben der Rezeption. Da dürfen wir ausflippen. Aber im Zimmer ist es für uns schwieriger, weil wir wollen keine Unterscheidung zwischen dem klassischen Hotelzimmer, weil den haben wir ja auch, den Hotelgast und dem Langzeitgast. Und sonst müsste man zwei komplett verschiedene Hotelprodukte, Zimmerprodukte hervorbringen, damit einerseits funktional und andererseits können wir das Design überwiegen lassen. Und wir haben halt eine gute Mischung draus. Aber das Nutzen und lange drin leben und teilweise auch zu zweit auf wenigen Quadratmetern, das ist sehr, sehr wichtig.
- 21:04 Ronald M. Arndt
Aber wir haben das ehrlich gesagt, wir haben sehr, sehr viele, also im Kurzzeit nicht, aber im Langzeitsegment tatsächlich viele Personen, die dort zu zweit Meine Frage wäre jetzt gewesen: Ist es ein Bereich, der auch wirklich noch so wächst, weil die Leute jetzt dann vielleicht doch wieder eher die Möglichkeit haben, von remote auf, sage ich mal, mitzuarbeiten?
- 21:25 Denis Mair
Oder auch, du meinst wegen Homeoffice, dass die Leute mehr von— Ja, ich glaube aber gerade, dass das eine Förderung des Ganzen ist. Ich glaube, dass wenn ich an meine Zeit denke, wo ich in Frankfurt gelebt habe mit einem Zweitwohnsitz zum Beispiel, ob ich das heute noch so machen würde, weiß ich nicht. Das erleben wir auch immer wieder.
- 21:47 Ronald M. Arndt
Aber mit einem Zweitwohnsitz eher?
- 21:48 Denis Mair
Na ja, weil es ist ja einerseits so, man hat ja mit so einem Zweitwohnsitz auch Verpflichtungen. Das ist ja nicht wie ein Hotelzimmer, wo ich einfach wieder räume und ich zahle, sondern das ist ja, ich bin ja Mieter. Ich muss mich um eine Abrechnung kümmern und was es da halt alles so für Themen gibt. Die Wohnung wird mir auch nicht sauber gemacht und da muss man sich halt gut überlegen. Also gerade ich war zu meiner Zeit in Frankfurt ja im Vertrieb tätig. Man ist ja auch viel unterwegs. Neben Urlaub ist man ja auch viel unterwegs. Dann stellt sich schon die Frage, binde ich mir so einen Zweitwohnsitz ans Bein, oder— und ich kann auch von zu Hause aus arbeiten— oder nutze ich ein Service Apartment für die Zeit, wo ich dann vor Ort bei meiner Firma bin? Das sind so und so viele Tage im Jahr, da kann ich recht flexibel sein. Und da gibt es ja mittlerweile auch Modelle auf dem Markt, die so was sogar fördern und auch Verträge mit uns haben. Ich glaube, dass das eher förderlich ist. Und ich glaube auch durch die Homeoffice-Tätigkeiten, dass die Aufenthaltsdauern in den Hotels länger werden. Weil man nicht mehr so viel reist, aber wenn man reist, dann ist man dafür länger vor Ort. Und man verzichtet auf die Zweitwohnung, die ja in vielen Städten ja auch ganz und gar nicht mehr gefördert wird, sondern eher belastet wird durch Steuern.
- 23:03 Ronald M. Arndt
Ganz genau. Muss gerade an jemanden denken, den ich letzte Woche kennengelernt habe, Vertriebler, der hat eben auch eine Zweitwohnung bei seiner älteren Dame. Ja, aber wenn ich mir da, hat er erzählt, wie, was für Verbindlichkeiten das mit sich bringt. Also wie wichtig es immer ist, wer da lüftet und aufgeräumt ist.
- 23:22 Denis Mair
Und im Hotel habe ich das halt alles nicht.
- 23:25 Ronald M. Arndt
Da soll ich vielleicht auch mal ein Service Apartment empfehlen.
- 23:29 Denis Mair
Ja, es wird dann sauber gemacht. Wir haben auch Gäste, die jede Woche wiederkommen. Die haben auch die Möglichkeit, ihre Sachen unterzustellen. Also kein klassischer Langzeitgast, aber wir haben Gäste, die sind jede Woche 3 Tage da. Ja, aber die wollen sich eben nicht so einen Zweitwohnsitz ans Bein binden. Ist ja teilweise auch schwierig. Und ich sage mal, das sind ja unglaubliche Verpflichtungen auch. Ich muss eine Kaution hinterlegen, ich kriege eine Jahresabrechnung, ich muss mich ums Internet kümmern und, und also wie ein Erstwohnsitz im Endeffekt. Und vielleicht muss ich noch Zweitenwohnsitzsteuer zahlen. Also Hotel viel einfacher, viel einfacher. Das Einzige ist, dass ich teilweise, teilweise mein Gepäck von A nach B schleppen muss. Wobei, wenn ich an meine 2, teilweise 3 Wohnsitze damals im Vertrieb dachte, da wusste man, hat man zwar überall sein Zeug gehabt, wusste aber dann manchmal gar nicht mehr, als ich noch Krawatten getragen habe, wusste gar nicht mehr, wo jetzt gleich in welcher Wohnung was lag.
- 24:24 Ronald M. Arndt
Jetzt hast du vorher gesagt, Objekte werden eher an euch herangetragen, also mehr eigentlich, als ihr selbst bedienen könntet, betreiben könntet. Ist es so? Ja, ja, starker Wettbewerb zwischen den verschiedenen Betreibern auch dann am Ende das Objekt zu bekommen, was man haben möchte?
- 24:44 Denis Mair
Also der Wettbewerb war schon mal stärker, als er momentan ist. Aber weißt du, so viele Objekte, also für uns ist natürlich die Thematik wie für alle anderen auch natürlich die Lagethematik, und bei uns spielt halt auch die Größe eine unglaublich große Rolle. Und von daher werden natürlich viele Objekte auch an uns herangetragen, die dann nicht für uns tragbar sind, weil sie eben zu klein sind oder weil sie zu abgelegen gelegen sind. Ich meine, Mar7 ist jetzt kein Produkt, was sich in der Innenstadt wiederfindet, aber es ist jetzt auch kein Produkt, was auf der grünen Wiese entstehen sollte. Ja, es muss einen guten öffentlichen Anschluss haben, es muss eine Nähe haben zu Firmen, zu Industrie, auch zu einer Stadt. Und da kommt nicht alles in Frage, ganz und gar nicht. Aber es wird definitiv— waren die Zeiten schon mal andere, wo wir als Also wir sind ja mit 500 Zimmern hier vor Ort kein Kleiner, aber insgesamt sind wir natürlich mit 2 Häusern ein ganz Kleiner. Und da wird natürlich nicht so viel an einen herangetragen. Aber das hat sich schon geändert. Aber es passt natürlich nicht immer alles. Und wenn es passt, dann muss es natürlich auch finanziell passen. Also da spielen ja viele Faktoren eine Rolle.
- 25:58 Ronald M. Arndt
Stichwort Finanzielles: Was die Einrichtungen so angeht, das ist dann das, was bei euch noch mal auf Kostenseite aufkommen, ne? Absolut, absolut.
- 26:08 Denis Mair
Die initiale Einrichtung, das ganze, ganze F&E-Thema ist natürlich ein ganz, ganz großes F&E- und SOE-Thema.
- 26:18 Ronald M. Arndt
Und naja, das läuft alles komplett über euch, dann über die Pächter.
- 26:22 Denis Mair
Ja, das läuft über uns, genau. Und da darf man natürlich nicht vergessen, wir sind ja ein winzig kleines Unternehmen, ja, wir sind Startup. Wir werden da oft nicht so wahrgenommen, weil die sagen, ihr habt ja 500 Zimmer hier, seid ja ein riesengroßer. Da steckt eine ganz kleine eine Mannschaft dahinter, und das ist schon aufwendig, was wir da betreiben.
- 26:42 Ronald M. Arndt
Und solche Pachtverträge, die werden dann über 10, über 20 Jahre geschlossen, in der Regel?
- 26:46 Denis Mair
Ja, meistens über 20 Jahre. Aber das ist immer individuelle Entscheidung. Das hängt natürlich auch davon ab, dass wir bis jetzt, also in Offenbach ist es jetzt unser erstes Haus, was kein Neubau ist. Bei Neubauten, die sind natürlich auch sehr auf uns zugeschnitten, redet man natürlich eher über langfristige Verträge. Ich meine, 10 Jahre ist auch langfristig, aber eher 20 Jahre. Bei konvertierten Dingen oder bereits bestehenden Hotels sieht es vielleicht mal anders aus. Also wir sträuben uns da nichts, dass wir sagen, wir machen nur 20 Jahre, wir machen nur 10 Jahre. Also das ist jetzt keine Hürde oder irgendeine Vorgabe.
- 27:26 Ronald M. Arndt
Sehr, sehr spannende Geschichte eines Start-ups, wie du sagst. Habt ihr irgendwie so ein Vorbild vielleicht aus dem Ausland? So ein Benchmark, wo ihr sagt, die machen das schon mal ganz gut? Ich kenne mich da tatsächlich nicht so gut aus. Also tatsächlich nicht.
- 27:47 Denis Mair
Wir wollten ein Design haben, was sich abhebt von den anderen. Dieses Lobbykonzept mit dem Waschsalon und so weiter ohne Wände und Türen.
- 28:01 Ronald M. Arndt
Ist das dann so immer, also gerade auch, ich glaube, die Mitgründerin ist die Nermin Krosch. Genau, dass das schon von Anfang an Bestandteil einfach der Gründungsidee ist. So soll es aussehen. Da sehen wir einfach noch Potenzial und USPs.
- 28:16 Denis Mair
Ja, absolut. Also das war im Endeffekt meine Auftaktaufgabe.
- 28:21 Ronald M. Arndt
Wie haben die beiden sich so ein bisschen, oder ihr drei am Anfang, euch die Aufgaben aufgeteilt? Wer hat was eingebracht?
- 28:29 Denis Mair
Na ja, die beiden Gesellschafter haben die Firma gegründet, haben das Designkonzept geschrieben, und das haben sie mir dann dankenswerterweise anvertraut, um daraus 2 Hotels zu machen. Also, es stimmt nicht ganz, es gab auch schon 2 unterschriebene Pachtverträge. Hier, wo wir uns gerade befinden, stand noch ein altes Fabrikgebäude. Das andere Haus war eine Baugrube. Und ja, den Rest habe ich ein ganz, ganz großes Vertrauen bekommen und konnte mich wirklich weitestgehend, wie wenn ich selbstständig tätig wäre, verwirklichen. Also die anderen beiden Säulen von Mar7, die Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die sind ja bei uns nicht durch Corona gekommen, da war das natürlich plötzlich in aller Munde, sondern das sind meine zwei Steckenpferde, die ich da unbedingt mit eingebracht haben wollte. Naja, und gerade in Sachen Digitalisierung, weißt du, ich meine, ich übertreibe mit der— ich, also ich habe ja wirklich in der Raumfahrt gearbeitet, auch wenn ich kein Raumfahrtingenieur bin, habe dann Teams geleitet. Da glaubt man auch, in der Digitalisierung kann man einiges voranbringen. Das tun wir auch, aber da bin ich in der Hotellerie natürlich schon geerdet worden. Da geht noch ein bisschen was, könnte man so sagen. Ja, wenn man natürlich— das sind natürlich zwei Extreme. Ja, ich kam aus dem Bereich, da war alles möglich. Ja, aber da war auch deshalb alles möglich, weil es keine Budgetgrenzen damals gab. Das ist heute in der Raumfahrt, hat sich schon auch ein bisschen geändert. Damals nicht. Da wurden einfach— das kostet halt, was wir wollen, und dann hat man das gemacht.
- 30:03 Ronald M. Arndt
Umso mehr Sinn, sich das von Anfang an auf die Fahnen zu schreiben. Design, Nachhaltigkeit, Digitalisierung. Vielleicht kommen wir mal kurz auf das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen. Was sind so da die Projekte?
- 30:15 Denis Mair
Na ja, da könnte man jetzt sehr lange sprechen über Nachhaltigkeit. Das ist mir ein ganz, ganz wichtiges Thema. Ich glaube, wir machen eben Dinge, oder wir trauen uns Dinge, wo andere mehr Bedenken hätten und Überlegungen, oder vielleicht auch wieder verwerfen würden. Also ich glaube, ein großes Thema, was auch viel Kopfschütteln bei dem einen oder anderen verursacht, ist, dass wir ohne Reinigungsmittel reinigen. Also wir haben im Endeffekt Gerätschaften, ich sage immer, das ist wie ein Dampfstrahler, ist kein Dampfstrahler, aber wir brauchen Strom, Wasser und diese Geräte und damit machen wir die Zimmer sauber und brauchen keine Reinigungsmittel. Also wir brauchen natürlich Waschmittel und Spülmittel, aber also für unsere Waschmaschinen und für unsere Geschirrspüler, aber ansonsten zum Reinigen der Zimmer, wenn nicht irgendwelche Sonderflecken und Besonderes, keine Ahnung, passiert ist, dann brauchen wir nichts anderes. Ja, das ist und reinigen das Zimmer wesentlich besser, als es mit chemischen Reinigungsmitteln überhaupt möglich ist, weil es keine Rückstände gibt und viel heißer. Ja, es ist im Endeffekt wie ein Dampfstrahler. Es ist keiner, aber im Endeffekt kann man sich so vorstellen.
- 31:27 Ronald M. Arndt
Genau, das ist schon mal eine ganz große.
- 31:29 Denis Mair
Ja, das ist eine ganz große Sache. Besonders die ist auch wirklich groß. Weil sie kaum Personal finden, die geübt ist, damit umzugehen. Ja, wir bei den eigenen Housekeeping-Mitarbeitern, ist eine Trainingssache, fremde Firmen zu finden, die mit diesen Maschinen überhaupt arbeiten wollen oder sich das ja einfach Berührungsängste abzubauen.
- 31:59 Ronald M. Arndt
Die Maschinen bleiben ja im Hotel.
- 32:00 Denis Mair
Ja, die sind unsere. Genau, die werden ja genau wirklich genau modellgemäß, sage ich mal, damit umgehen können. Da muss man, das ist ein gewisser Reinigungsprozess, wie ich so ein Zimmer reinige. Ich brauche einfach anders und fortschrittlich. Genau, anders. Genau, ja. Das andere sind, das andere kommt natürlich, dass wir, wie wir unsere Wärme, wie wir unseren Strom beziehen, also reine Wasserkraft, Strom rein aus Wasserkraft, die Wärme aus Fernwärme, die durch Geothermie gewonnen wird, wo nicht möglich ist, dann durch ein Blockheizkraftwerk mit Biogas. Das kann man alles vom Markt so sich besorgen und kaufen. Das muss man halt, ja, muss man sich gut überlegen und muss man natürlich kalkulieren. Das ist nicht zwingend teurer, aber in den meisten Fällen dann doch, weil es auch nicht so viele Anbieter gibt. Ich kann gar nicht so, aber das hat sich ja mittlerweile eher erübrigt. Also einen richtigen Anbieter, Ausschreibungen im Strommarkt, Strommarkt, der hat sich ja mittlerweile eher erübrigt, aber das war natürlich 2018 mal anders. Genau, ja, und dann hängt natürlich viel von den Lebensmitteln ab. Also wir haben mindestens regionale, meistens Bio und regionale Lebensmittel. Ziel ist natürlich, das alles mal komplett umgestellt zu haben. Wir achten darauf, wo die Uniformen der Mitarbeiter hergestellt werden, aus was für einem Garn sie produziert werden. Wir arbeiten weitestgehend, wenn die Gäste nicht doch noch einen Ausdruck wollen, eigentlich ohne Papier. Wir sind vorbereitet auf die Elektrofahrzeuge, sowohl Fahrräder als auch Autos, dass wir das alles anbieten. Ja, das sind so die großen Themen. Ja, es geht dann natürlich von Energiesparlampen und so weiter. Wir werden dieses Thema aber noch wesentlich intensiver jetzt bei den Neubauten angehen, und zwar was den Bau an sich betrifft.
- 34:07 Ronald M. Arndt
Ja, das ist das Schöne, dass man wie ein Unternehmer agieren kann. Ja, also man hat da seine eigene Überzeugung und kann die halt auch hier wirklich tatkräftig umsetzen, mit einbringen. Und nicht zuletzt, sage ich mal, werden auch Firmen, die mit euch zusammenarbeiten, auf solche Themen eben mehr und mehr eben achten, wie ist ein Hotel da aufgebaut und wie wird es betrieben.
- 34:34 Denis Mair
Die Überraschung ist manchmal sehr groß.
- 34:36 Ronald M. Arndt
Die Überraschung, dass man gefragt wird?
- 34:39 Denis Mair
Nein, die Überraschung ist sehr groß, weil es Gäste zum Teil sehr positiv erwähnen, denen man es jetzt nicht unbedingt zutrauen würde, dass sie es überhaupt bemerken und dass es ihnen wichtig ist. Und da rede ich jetzt nicht von einem touristischen Gast, sondern gewisse Klientel an Gästen, da erlebt man, erfährt man wirklich Überraschungsmomente. Genauso wie das Gegenteil natürlich auch der Fall ist, dass man mit manchen Firmen spricht, die sich so nach außen einen grünen Anstrich geben, und da wird, also das ist denen vollkommen egal, was dahinter steckt. Aber mehr Positives als Negatives, absolut. Und ich glaube, die, jetzt in der jetzigen Entwicklung der Zeit wird es immer, immer wichtiger, Also, dass die Firmen auch respektieren und auch wirklich nachfragen und auch wollen. Anders geht es gar nicht mehr, anders können wir gar nicht mehr einkaufen, wenn ihr nicht das und das erfüllt.
- 35:38 Ronald M. Arndt
Und da wird es ja für ein klassisches Hotel, wie man es so kennt, wirklich schwierig bis unmöglich, solche Themen mitzunehmen.
- 35:45 Denis Mair
Sehe ich nicht so. Da verstecken sich manche dahinter. Ich glaube, da kann man viel mehr machen. Natürlich, also wenn das Hotel mal gebaut ist, in den Bau eingreifen oder die Klimaanlage durch etwas Umweltfreundliches zu zu ersetzen, da wird es schon schwierig bis unmöglich, weil finanziell unmöglich. Aber gerade was den operativen Betrieb anbelangt, da ist vieles möglich. Und bei Neubauten sowieso. Aber da ist auch ein großer Wandel. Also als die beiden Häuser hier noch gebaut wurden und man hat so Themen angesprochen, wo ich ehrlich sein muss, in der Baumaterie war ich noch nicht so drin. Aber die erste Frage ist immer nach dem Preis und ja, das kostet ja viel mehr und es wurde immer weggewischt. Heute erleben wir das eher so, teilweise überschlagen sich fast die, die, ja, die Leute, die am Bau beteiligt sind, mit neuen Vorschlägen und Ideen, was man dann alles noch mit einbringen könnte. Ist natürlich auch teilweise durch Zertifizierungen und Förderungen und so weiter, hat es einen ganz anderen Schwung bekommen, sehr, sehr positiv. Aber das sind natürlich Dinge, da muss man sich auch erst einarbeiten. Das ist schon was anderes, ob ich über einen Reinigungsprozess schon spreche, als ob ich einen komplizierten Heizungs- und Kühlungsprozess spreche, der mit weniger Energie in Zukunft auskommen muss, und vielleicht ich die Fenster anders ausrichten muss oder was es da alles gibt. Das ist schon noch mal eine andere Thematik, aber essenziell für die Zukunft.
- 37:23 Ronald M. Arndt
Aber auch hier die Aussage mit verbunden: Da geht auch in der Privathotellerie noch einiges, wenn man nur will. Genau, ist nicht immer alles mit riesigen Investitionen, sage ich mal, verbunden.
- 37:33 Denis Mair
Nein, hat seine Grenzen, wenn das Haus mal steht.
- 37:36 Ronald M. Arndt
Ja, ganz klar. Aber selbst da ist nicht alles. Aber selbst da gibt es ja oft noch deine Mutter. Wie bitte? Gibt es den Betrieb deiner Mutter noch?
- 37:44 Denis Mair
Den gibt es. Der, also meine Mama hat, lebt leider schon lange nicht mehr, aber den gibt es noch unter anderer Führung. Ja, den gibt es noch.
- 37:52 Ronald M. Arndt
Aber da ist die Familie noch involviert, oder? Nein, das nicht mehr.
- 37:54 Denis Mair
Nein, nein, nein, wäre also, ich kann es mir nicht vorstellen, ist wie für die heutige Zeit viel zu klein. Wäre also, kann ich mir nicht vorstellen, dass er wirtschaftlich betreibbar ist. Aber das waren andere Zeiten, ja, da hat man nicht übers Internet verkauft, da hat man noch ein Reservierungsbuch gehabt, wo man mit, ich sehe es zwar heute auch noch manchmal in kleinen Hotels, aber wo man das von Cocoon Hotels hat immer erzählt, wie er damals angefangen hat, hat.
- 38:22 Ronald M. Arndt
Ja, seine kleine Pension, die er da hatte, seine erste nach dem Studium oder während dem Studium, wo am Hauptbahnhof in München stand und immer auf die Züge gewartet hat, die aus Italien gekommen sind. Und da stand er mit seinem Prospekt da. Wirklich? Ja, und hat dann die Leute direkt versucht, in sein Hotel zu leiten. Ja, es war ja so, die kamen dann zum Teil an ohne Hotelreservierung. Der erste Gang wäre halt hin zum Touri-Büro gewesen.
- 38:45 Denis Mair
Richtig, richtig.
- 38:46 Ronald M. Arndt
Und dann da abgefangen, und das hat wohl auch ganz gut funktioniert. Aber war schön, schöner Einblick, wie es eben so lief und wie es sich dann weiterentwickelt hat.
- 38:54 Denis Mair
Also Prospekte verteilen, also den Hotelprospekt mit Bildern und alles, und in die Briefkästen verschiedenster Firmen in der Nähe schmeißen. Also das kenne ich auch noch als Kind.
- 39:04 Ronald M. Arndt
Ja, absolut. Ich freue mich sehr, dass ihr jetzt auch Teil der Hotel-Podcast-Familie seid, mit dem R7-Konzept, mit dem Startup, was aber eben voll im Gange ist. Sage ich mal, und bald auch noch in Frankfurt und Offenbach und in anderen Destinationen zu finden ist. Mit dir, Denis Mair, dass du der Einladung gefolgt bist. Und ja, super spannend zu hören von 25 Hours am Bahnhof, hier wirklich auch Mitunternehmer zu sein in so einem ambitionierten Rahmen, der mit allen Chancen und Opportunities ausgestattet ist. Euch wünsche ich alles Gute auf meinem Weg. Vielen Dank. Ja, bin gespannt, und das natürlich auch über den Hotel-Podcast weiter mitverfolgen zu dürfen.
- 39:47 Denis Mair
Vielen Dank, vielen Dank für die Einladung.
- 39:49 Ronald M. Arndt
Danke dir, Dennis.